Rußland ein neues Techs-Millionenheer aufstellen? Wenn man vollkommen von der Frage des Offizierersatzes für ein so gewaltiges Heer absehen will, ja, wenn man sogar die Fraße ruhen lassen will, ob Rußland noch über die notwendigen Milliarden verfügen wird, die ein so großes Heer in mehreren Monaten verschlingt, so bleiben immer noch genügend Umstände übrig, die die Versprechungen Kitcheners als unverantwortliche und unfaßbare Großsprechereien erscheinen lassen. Kitchener weiß besser als wir, daß Rußlands Volkskraft bereits auf dem Boden des Fasses angekommen ist. Eine amt- liche russische Mitteilung besagte vor kurzer Zeit, daß die Reichswehr zweiten Aufgebots einberufen worden sei. Ferner wissen wir, daß in Rußland bereits der Jahrgang 1917 unter den Waffen steht. Mit dem Aufgebot der zweiten Reichswehr ist gesagt, daß ein wahrhaft waffenfähiger Ersatz nicht mehr vorhanden ist. Dasselbe besagt die Einberufung der 18jährigen.
Als wir vor einiger Zeit einen Ueber6lief über die ungeheuren Millionenverluste der Müssen veröffentlichten, knüpfte Manschikov in der „Norvoje Wremja" an diese Zahlen an und erklärte wehmütig, daß das feindliche Ausland tatsächlich von den wirklichen Verlusten Rußlands keine richtige Vorstellung habe. Man konnte aus diesen Ausführungen erkennen, daß unsere Berech- nuno, die sich nur auf die bekannt gegebenen Zahlen über Gefangene, Tote und Verwundete stützte, von der traurigen Wirklichkeit bei weitem übertroffen werde. Bei der großen und ängstlichen Vorsicht, mit der unser Generalstab die feindlichen Verluste lieber zu klein als zu groß angibt, und bei der Unmöglichkeit, den wahren Umfang der blutigen Verluste des Russenheeres besonders in den verlustreichen Karpathenkämpfen zu erkennen, ist es durchaus wahrscheinlich, daß die russilchen Abgänge noch viel größer waren, als wir bisher an- nahmen. In den letzten Wochen sind diese Verluste noch bedeutend größer geworden. ..
Nun stehen den Russen noch rund 20 Jahrgange Reichswehr zweiten Aufgebots zur Verfügung. Jeder Jahrgang umfaßt von vornherein rund 175 lX)0 Mann. Es gehen davon nach unserer früheren Ausstellung 45 Prozent als untauglich, ausgewaudert, krank oder verstorben ab. Es bleiben für jeden Jahrgang alle kaum 90 000 Mann übrig, insgesamt 1800 000 Mann. lind was sind das für Soldaten! Dazu haben sie feine Offiziere und keine Unteroffiziere! Die Bewaffnung dagegen kann, was ehrlich zugegeben sei, durch japanische, amerikanische und englische Hilfe ziemlich zureichend .ein. Von Kitcheners sechs Millionen blieb also knapp der vierte Teil übrig. Aehnlich verhält es sich mit dem englischen neuen „Vier-Millionenheer". Die Schwierigkeiten ^der Rekrutierung in England sind bekannt. Mit 'er mn- aeren Dauer des Krieges werden sie immer größer. Aus Kanada und Australien fließen die Brunulem immer spärlicher. Und die Inder werden kaum noch als zuverlässig angesehen werden können. Bisher hat England in 15 Kriegsmonaten nicht 4 Millionen Mann auf- gestellt, wie soll es diese Zahl in kurzer Zeit außer den bisherigen Truppen liefern können. .
Nun eine Frage an Kitchener: Glaubt er vielleicht, daß wir in der Zwischenzeit müßig sind? Das Märchen von der Erschöpfung Deutschlands uubx.citerreich - Un- garns verfängt doch nicht mehr. Er weiß sehr gut, daß mir tatsächlich noch über gewaltige Vtenfchenreserven ver- ügen, da unsere Verluste gegenüber den russischen stets ehr gering waren. Auch die Turker wird täglich, starker .mb nicht schwächer. Das Uebergewicht kann Äitchmler Ufo von der Dauer der Zeit nicht erwarten, selbst wenn tiefer Krieg nicht schon hundert Mal erwieien hattestdaß )te zahlenmÄßige Ueberlegenheit nicht das talsachliche stebergewicht u^tn seinem Falle den «sieg verbürgt.
Srieasallerlek
Die Enteignung von Kartoffeln.
Amtlich wird gemeldet: Die Bekanntmachung über die Kartoffelpreise vom 28. Oktober 191o gab die Möglichkeit Kartoffeln bei Landwirten zu enteignen. Es war jedoch die Einschränkung vorgesehen, daß diese Ent- eignung sich auf höchstens 20 v. H. der ß^sumten K offelerrrte eines Kartvffelerzeugerö erstrecken dürfe. Der Kundesrat bat nunmehr in seiner Sitzung vom —mo- aember den Landeszenttalbehörden oder den von ihnen bezeichneten Behörden die Berechtigung gegeven Ki be- Ummen, daß auch über mehr als 20 v. verfugt n er
Speisekartoffeln verkauft und geliefert hat. ^te Voraussetzung der „Lieferung" ist hierbei neu.
Die Höchstpreise für Stroh.
Der Reichsanzeiger" veröffentlicht eine Bekannt- nrachung, wonach die Grenz- und Höchstpreise iür Stroh erhöht werden für 1000 Kilogramm h um je 15 für Stroh, das im Dezember, um je 10 X für Stroh, das im Januar, und um ie 5 Stroh, das im Februar um 5 ^ für 1000 Kilogramm. Der Höchstpreis erhöht sich
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vember in Kraft.
Die Familieuuuterstützuug.
Nach der dem Reichstage vorliegenden Denkschrift über die wirtschaftlichen Maßnahmen öus Aul ß Krieges belaufen sich die gezahlten Mindestsätze an Fa- Milienunterstützungen tm August 1914am beinahe^ anordnung der Kreis der unterstützuugvverechllglen Personen ständig erweitert wird.
Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat laut „Vorwärts" einen Beschluß gesaßft jn dem ge- tadelt wird, daß bei Abgeordnete Dr. Liebknecht durch Einbriuguug kurzer Anfragen fortgesetzt seim n^ Wege gehe und die von ihm ielbst mit WÄLT“^ tionsbeschlüsse nicht respektiere.. Die RmÄsta^fralu weist diese fortgesetzten Herausforderungen durch ^ev knecht aufs schärfste zurück und lehnt lebe Zeranliv tung dafür ab.
Frankreichs Reserve».
Die vom französischen Kriegsmirftster Setroneneli Maßnahmen zur Einberufung eines neuen ^andsturm Jahrganges der Territorialreierve sowie d^r schleunigei Einstellung der Jahrgänge 1917 begegnet tn kr^nzon leben parlamentarischen Kreisen ^r lung. Das Kabinett wolle daher bei der Kammererorte-
rung über die Einberufung der Jahresklaffe 1917 die Vertrauensfrage stellen.
Einführung der allgemeinen Dienstpflicht in Persien.
Wie Konstantinopeler Blätter aus Teheran melden, unterbreitete der persische Kriegsminister Sipendar Azam dem Parlament einen Gesetzentwurf, durch den die Mili- tärdienstvflicht auf alle Fälle ausgedehnt wird. Dauach werden diese im ersten Jahre 75 000 Mann Infanterie und 5000 Mann Reiterei ins Feld stellen können.
Münzmeister Japan.
Der russische Finanzminister beabsichtigt, für 12 Millionen Rubel russische Scheidemünzen in Japan münzen zu lassen. — Das ist so recht bezeichnend für den Unterschied in den russischen und deutschen Verhältnissen. Während wir in Deutschland, gerade in der Kriegszeit, alles, aber auch alles aus eigener Kraft leisten und schaffen, vermag sich Rußland nicht mal allein seine Münze zu prägen und muß Japan um diesen Liebesdienst bitten. Wer hätte noch vor wenig Jahren gedacht, daß einmal Japan die Schildwache Englands und der Münzmeister Rußlands werden würde.
Eine ßriegsehrenpflichl der Frau.
An wie vielen Stellen versieht jetzt in der Kriegszeit die Frau das Amt des Mannes. Das ist mit eine der herrlichsten Errungen- fchaflcn des furchtbaren Krieges. Wo Manneskraft dem bürgerlichen Leben entzogen wurde, weil sie das Vaterland draußen vorm Feinde braucht, da füllte die Frau tapfer die Lücke aus. Sie vertritt den Mann im Kaufmännischen Geschäft, die Handwerkerfrau ist Handwerksmeistern! geworden, die Obliegenheiten der Beamten, die die Feder mit dem Schwert vertauschen mußten, werden von Frauen ausgefüllt. Die Bauersfrau hat gepflügt, gesät und geeggt; im Stroßenbild der Großstadt sehen wir überall tapfere Frauen bei Männerarbeit. Sie lenken die Pferde, sie schleppen die Kohlen, sie graben und hacken bei den Erdarbeiten und sind als Schaffnerinnen aus den Straßenbahnen tätig. Was sie als Helferinnen der Aerzte leisten, wird ihnen in aller Ewigkeit nicht genug zu danken sein und ebenso, was sie zum endlichen Siege in den Organisationen leisten, die der Verpflegung und Ausrüstung unserer Feldgrauen dienen. Jetzt weist aber die „Kreuzzeilung" auf ein Amt hin, das der Krieg den Frauen recht eigentlich als Ehrenpflicht schuf, auf das Amt als Vormund. In einer Zuschrift wird darauf mit folgenden hochbeherzigungswerten Worten hingewiefen:
„Die Zahl der für das vormundschaftliche Amt geeigneten Männer verringert sich durch Einberufung zum Heeresdienst von Tag zu Tag. Zahlreichen Vormündern, die im Felde stehen, wird nach ihrer Rückkehr in die Heimat nicht Zeit noch Kraft zur Wiederaufnahme ihres Amtes bleiben. Die zu bevormundende Jugend des Vaterlandes bedarf aber in der jetzigen Zeit gesteigerter Gefahren besonderen Schutzes, erhöhter Fürsorge. Die Frauen sind zu diesen Aufgaben berufen! Sie sollen in die Ehrenstellen der für das Vaterland kämpsenden Männer ein- treten. Die Erfüllung vormundschaftlicher Pflichten wird jeder warmherzigen Frau reiche innere Befriedigung bringen, und manche gebeugte Frau, welcher der Krieg die tiefsten Wunden schlug, kann in dieser Tätigkeit neuen Lebensmut gewinnen. Hier kann die Frau in mannigfaltigem erzieherischen und für» sorgerischen Wirken für Waisen, unehelich geborene Kinder und ihre des .Haltes bedürfenden jungen Mütter, für schutzlose, der Verwahrlosung entgegentreibende Jugendliche ihre Eigenart entfalten und dadurch das Leben ihrer Schutzbefohlenen und ihr eigenes reicher gestalten. Die Frauen bewähren sich in der jetzigen großen Zeit, die alle seelischen und physischen Kräfte strafst, auf den verschiedensten wirtschaftlichen und sozialen Gebieten. Möchten sie sich bewußt werden, daß sie dein Vaterlande den höchsten Dienst erweisen, wenn sie in Ausübung des vormund- schaftlichen Amtes helfen, eine sittlich und körperlich gesunde deutsche Jugend heranzubilden?
Unsere Jugend ist unsere Zukunft! Eine herrliche Aufgabe ist es für eine Fra>l, den jungen Kräften, die der helfenden Hand der Eltern entbehren, eine Stütze zu sein, an der sie sich entfalten als brauchbare Glieder des großen Ganzen, statt aus Mangel an rechter Leitung sich zu Wesen zu verbilden, die der Allgemeinheit eher eine Last als eine Hilfe sind. Viel Volkskraft ist da zu retten — durch Mithilfe tapferer deutscher Frauen.
Vermischtes.
Der größte Bahnhof Europas. Irr bett nächsten Tagen wird die feierliche Eröffnung des großen Leipziger Haüptbahnhofs ftattftnben. Damit ist trotz der Kriegs- zeit ein Werk der Vollendung nahe gebracht worden, das sich als unerreichtes Dokumellt deutscher Ingenieur- und Baukuttst barstem. Bereits vor zweieinhalb Jakren ist die „preußische" Seite des Rieseubahllhoss in Betrieb acnommen wordeu, jetzt folgt auch die „sächsische" Seite. Denn der Bau beherbergt eine preußische und eine sächsische Eisenbahnverwaltüng. Schon vor 30 Jahren hatte man geplant, die Einzelbahnhöfe in Leipzig dnrch einen großen Hauptbahnhof zu ersetzen. Slber erst im Jahre 1901 kam eine Vereinbarung zwischen der preußischen und der sächsischen Staatsbahn zustande, wonach der Bau eines Zentralbcthuhofes für derr gesamten Personenverkehr auf dem Gebiete des Magdeburger, Thüringer und Dresdener Bahnhofs mit 26 Gleisen, ferner der Bau von Zentralgüterbahnhöfen, gesondert für Sachsen und Preußen, und die dazcr notwendigen Gleis- mtb Werkstätten- bauten in Angriff genommen werden sollten. Bis dahin wickelte sich der Verkehr auf nicht weniger als sechs Bahnhöfen ab. Der gewaltige Neubau wird nach seiner Vollendnng den größten Bahnhof Europas bilden. Das mächtige Eurpfaugsgebäude, das von den Architekten Lossow und Kühne erbaut ist, besteht aus einem 298 m langem Vorbau uud aus zwei Seitenflügeln. Die Hallen der Bahnsteige sind durch eine Ouerhalle mit dem Enr- psangsgebüude verbunden. Die Unkosten der Gesamt- anlage beliefen sich auf zirka 120 Millionen Mark. Davon irrigen Preußen und Sachsen ziemlich gleichmäßig je etwa 50 Millionen und die Stadt Leipzig 20 Millionen Mark.
Die Ausschußsitzung der Deutschen Turnerschaft, zu der Vertreter aus allen Teilen des Reichs erschienen waren, wurde am Samstag und Sorrutag in Hannover abgehalten. Nach dem Jahresbericht ist die Zahl der Turnvereine im Jahre 1914 von 11491 auf 11779 ge- stiegeu, dagegen die Mitgliederzahl von 1188181 auf 1072 472 zurückgegangen, was auf den Krieg zurückzu- führen ist. Die Zahl der im Felde stehenden Mitglieder der Deutschen Turnerschaft beträgt über 600 000. Die Neuwahl für den verstorbenen Ersten Vorsitzenden, Geheimrat Dr. Goetz, wurde bis zum nächsten Turntag, der wahrscheinlich in Bremen stattfindet, zurlickgestellt. Als bemerkenswert ist aus dem Gange der Verhandlungen verhorzuheben, daß nach dem Kriege zwischen der Deutschen Tuncerschaft und den Militärbehörden auf sportlichem Gebiet eine engere Zusammenarbeit als bisher eintreten soll. Die hierfür aufgestellten Richtlinien sind bereits vom Kriegsministeriunc gutgeheißen.
Die Säuen wollen uns Hundefleisch liefern. Der tollste Blödsinn, der im Ausland von unseren Gegnern über unsere wirtschaftlichetl Verhältnisse verbreitet wird, findet immer noch Gläubige. Ein smarter Geschäftsmann in Dänemark, der offenbar davor: überzeugt ist, daß wir alle am Hungertuche nagen, sucht uns jetzt mit Hunde, fletsch und Hundefett sozusagen unter die Arme zu greisen. Der „Kolonialwarenbändler" Hauch in Stern
in Dänemark hat an Delikatesten- und Fleischrvarem Händler, namentlich in Süddeutschland, in großer Zahl ein Schreiben gerichtet, das besagt: „Ich erlaube mir anzufragen, ob Sie Verwendung für Hunde haben, geschlachtet oder lebend, bamit Sie Fett daraus gerviunen kormen. Ich hörte, daß man in Süddeutschland gern Hunde speist, und bitte ich um Mitteilung, was Sie für das Stück und Kilo bezahlen wollen. Achtungsvoll V. Harich, Kolonialgeschüft."
Französische Offiziere hinter der Front. Die folgende, für die *>altmm zahlreicher französischer Offiziere bezeichnende Klage französischer Reservesoldaten veröffentlicht die „Humanitee": „Die Offiziere hinter der Front, unter bereit Befehl wir stehen, plagen uns mit ebenso hartherzigen, lächerlichen und überflüssigen Quälereien. Dabei ist die militärische Tätigkeit der Leute, die uns mißhandeln, manchmal mehr als zweifelhaft. Wir verlangen, daß man m^ so behandelt, wie es Männern und Familienvätern in einem modernen demokratischen Staate zukommt. Die Stadt ist übervoll von Offizieren, die vollkommen gesund und in jeder Beziehung zum Frontdienst fähig sind. Aber die meisten begnügen sich damit, sich gutes Essen, Backwerk und teure Weine zu Gemüte zu führert. Unb zur selben Zeit sieht man die armen Soldaten in abgebrauchten, vom Kot der Schützeugräben bespritzten Uniformen durch die Stadt marschieren. Reiche juuge Leute werden in den Jnten- danturbnreaus unternebracht und sogar befördert. Wenn das feine Drückebergerei ist . . ."
Der „Oberleutnant und sein Bursche". Im Juli und Augilst wurden Frankfurt unb seine nähere Umgebung von zwei Schwindlern unsicher gemacht, die Oberleutnant und Bursche spielten. „Oberleutnant von Müller" klingelte als wohltätig besonnte Samen an und empfahl ihnen unter bem Vorgeben, ihre Adressen habe er von „Herren Kameraden" ober vom Roten Kreuz erhalten, seinen ehemaligen Burschen zu einer einmaligert Ullterstützung von zehn bis zwanzig Mark. Der arme Kerl habe infolge zweimaliger Ver- wundurlg einen steifen Arm und befinde sich mit seiner starken Familie in bitterer Not, da die Kriegsfürsorge erst in ehtiflcn Tagen für ihn eintreten werde. Nachher erschien dann in feldgrauer Uniform der angebliche Bursche auf der Bildfläche und sückelte die Unterstützung ein. Wo der „Oberleutnant" die aufs Korn genommene Dame telephonisch nicht hatte erreichen sönnen, kam der Bursche mit einem Briefe von ihm an, der mit „Oberleutnant v. Müller" unterschrieben war. Der Krug ging auch in diesem Falle so lange zum Bruuneu, bis er brach. Nachdem der Trick in etwa 25—30 Fällen gelungen war, wurden die Schwindler entlarvt. Seit Oberleutnant hatte der 45jährige Harldlungsgehilse Jv- Harilles Otto gen gemimt, den Burschen der Fabrikarbeiter und Landwehrmann Ludivig Nicvlat, der tatsächlich in den Karpathen an der Hand verwundet worden war. Sell, der den Schwindel ausgeheckt hatte, wurde von der Strafkammer zu einem Jahre, Nicolai zu neun Monaten Gefängnis verurteilt.
„Eine übermenschliche Rasse". Die folgende Charakteristik des modernsten Wämpfcrg — des Kriegsfliegers — veröffentlicht ein belgischer Soldat in der Neuporker „Evening Post": „Die Flieger haben sich in diesem Kriege wirklich als Fabelwesen erwiesen, denn ihre Tätigkeit ist geradezu märchenhaft. Plan samt im Felde Zeuge von Flügen werden, bet denen der von dem Apparat durchflogene Luftraum einem Sturmrenen von Geschossen gleicht. Und es kommt vor, daß ein Flieger, der kaum erst diesem tödlichen Luftraum entwichen ist, dret- oder viermal von neuem aufsteigt und von neuem den Hauch des Todes um sich wehen läßt. Am Abeud, nach Souneuuntergana, im ungervissen Zwielicht und im grauweißen Morgendämmern eilen von allen Teilen der deutschen Front die schlanken Flugapparate surrend auf uns zu. In langen Schleifen, mit abgestoppten Motoren, gleiten sie majestätisch über unseren Stellungen dahin. Und wenn das gegen sie gerichtete Feuer von allen Seiten zu prasseln beginnt, wenn riilgs um sie die flehten weißen Wölkchen der Schrapnells zerplatzen, trägt der von neuem erdröhnende Motor sie eilig höher uud weiter. Man braucht kaltes Blut, ein ruhiges Herz und eiserne Hände, um sich da oben zu behaupten. Sie Kriegsflieger sind tatsächlich eine neue, übermenschliche Raste geworden . . . ."
Feldgrauer Humor. Beleidigt. Frau: „Zum Knckuck, wie lauge schreiben Sie denn noch an dieser lumpigen Postkarte herum?" — Köchin: „Lumpige Postkarte! Bitt' mer aus, das is ka' llnnpige Postkarie net, das is a' Feldpostkarten an den Gefreiten der Reserve Hieronymus Weinzierl beim dritten bayerischen Armeekorps, fünfte bayerische Division, vierzehntes Infanterieregiment, zweite Kompagnie." — Das Ewigweibliche. „. . . Die Regierung hat ganz recht, wenn sie gegen die Stoffberschwendung vorgeht; ich werde mir an Stelle eines weiten Kleides — zwei enge machen lassen!" Auch ein Wohltäter. „Nächsten Sonntag veranstalte ich ein Konzert zum Bestell der Hinterbliebenen gefallener Krieger; das werden Sie in Allbetracksi des guten Zweckes doch auch besuchen?" - „Aber gewiß . . . haben Sie vielleicht noch ein Freibillett zu vergeben?" — Kriegsträume. Same: „Entschuldigen Sie, haben Sie vielleicht ein Traumbuch, wo Handgranaten, Gasbomben und Schützengräben Vorkommen?" Siegeszulage. „Senfen Sie sich nur: Heut' hat unsere Köchin zehn Mark mehr Lohn verlangt, weil ihr Schatz mit bei Belgrad war!" l„Fliegende Älätter.")
Weitere Drahtnachrichten«
Erfundene Meldung über deutsche Uboote.
w. Berlin, 30. November. (WTB.) Athener Zeitungsmeldungen vom 27. November bringen die Nachricht, daß drei deutsche Unterseeboote bei den Orkney- Jnseln in ein Netz geraten seien und sich mit der ganzen Besatzung ergeben hätten. Wir sind zu der Erklärung ermächtigt, daß diese Nachricht völlig aus der Luft gegriffen ist.
Kitchener bei Poincaree.
** Paris, 30. November. lWTB.) Präsident Poin- caree hat gestern vormittag Kitchener empfangen.
Eine Verschwörung in Aegypten.
Rom, 30. November. (T. U.) Nach der „Tribu- na" wurde in Kairo eine Verschwörung entdeckt, die bezweckte, den neuen ägyptischen Snltan zu entthronen, die Minister zu stürzen, sowie der englischen Herrschaft ein Ende zu bereiten. Bisher sind 40 Personen verhaftet und 25 erschossen worden.
Versenkte Dampfer.
*st London, 29. November. lWTB.j Der französische Dampfer „Algerien" wurde versenkt. Acht Personen sind gerettet. Eine Leiche ist gefunden, 29 Personen werden noch vermißt. Ferner wurde versenkt der französische Dampfer „Omara" und der britische Santpfer „Tanis". Die Besatzung des letzteren wurde gelandet.