Die Kämpfe aus dem Amselseide in günstigem Jorlschreiten.
Bot der endgültigen Eroberung Serbiens.
Die Schlacht auf dem Amselfelde.
Die große Schlacht auf dem Amselfelde hat, wie der Korrespondenz „Heer und Politik" geschrieben wird, begonnen. Die Verben haben die Absicht bekundet, hier einen letzten entscheidenden Widerstand zu wagen. Welche Gründe sie dazu veranlassen, läßt sich nicht übersehen. Der alte Ruf bes. Amselfeldes ist aber für die Serben so wenig günstig, daß eine neue Schlacht hier eigentlich für sie wenig Verlockendes haben könnte. Andererseits aber ist zu bedenken, daß das Amselfeld der letzte Raum auf serbischem Gebiete ist, den die Hauptmacht des serbischen Heeres noch inne hat. Große Hoffnungen scheint die serbische Regierung auf die Widerstandsfähigkeit des serbischen Heeres nicht zu haben, denn wir hören, daß sie bereis aus Mitrowica geflogen ist, um in Albanien oder Montenegro Zuflucht zu suchen. Mitrowica liegt in geringer Entfernung nordöstlich von Pristina, der Hauptstadt des Amselfeldes. Die Schlacht auf dem Amselfelde entwickelt sich bereits auf drei Punkten und zwar im Norden, Osten und Süden von Pristina. Die Truppen der Armee von Galt» witz und der Armee des bulgarischen Generals Bojadjieff haben bereits vor einigen Tagen im Norden von Pristina große Erfolge errungen, denn sie konnten sich des Passes von Prepolac im ersten Ansturm bemächtigen. Dieser geschützte Paß deckt den Weg nach Pristina. Unser jüngster Generalstabsbericht meldet nun von weiteren Erfolgen unseres Heeres in der Richtung Pristina. Das Tal des Lab, um dessen Besitz von unseren Truppen erfolgreich gekämpft wurde, ist eine Vorbedingung zum Vormarsch gegen das Amselseld gewesen. Soweit stehen die Kämpfe im Norden des Amselfeldes günstig für uns. Weiter westlich Kämpfen unsereTrup- pen erfolgreich im Ibar-Tale, das nach Mitrowica führt und von hier ans einen Anschluß nach dem Amselseide durch Sie große Eisenbahnstraße, Mitrvwica-Uesküb hat. Auch im Osten uud Süden rücken unsere Verbündeten Truppen mit unwiderstehlicher Macht gegen dieses Kampfgelände sor. Die bulgarischen Truppen stehen östlich von Pristina im Raume von Gilani und haben bereits westlich Gilani gegen Pristina beträchtlich Raum gewonnen. Im Süden ist die Kriegsage für die Bulgaren durch die erfolgreichen Kämpfe bei Katzanik lüdlich von Pristina sehr günstig gestaltet worden. Das serbische Heer erlebt hier wiederum aus dem Amselfelde eine Einkreisung, >ie allerdings, wie fast überall in Serbien, durch den gebirgigen Lharakter des Landes sehr schwierig gestaltet wird. Faßen wir ille diese Umstände zusammen, dann können wir daraus den Schluß ziehen, daß die Entscheidungsschlacht auf dem Amselselde )en Serben einen Erfolg oder eine Besserung der Lage, die sie clbst wohl kaum noch erhoffen, unter keinen Umständen bringen rann. Die Lage des serbischen Heeres ist auch hier völlig hoffnungslos, da die Ueberniacht unserer Truppen einen ernsthaften Widerstand des serbischen Heeres nicht zuläßt. (Z.)
Ein Drittel der serbischen Armee in Gefangenschaft.
Die „Nativnaizeitung" stellt fest, daß sich bereits beinahe ein Drittel der serbischen Armee in Gefangen- schast befindet. Laut amtlichen Ausweisen der deutschen, der österreichisch-ungarischen und der bulgarischen Heeresleitung beträgt die Ziffer der bisher seit der Offensive gefangenen Serben rund 91,000 Mann, wobei Ueber- läufer für gewöhnlich nicht mitgezählt worden sind. Nach optimistischen Schätzungen der Ententepresse konnten die Serben bei Beginn der Offensive allerhöchstens eine Armee in der Gesamtstärke von knapp 300,000 Mann auf die Beine bringen. Die Verluste der Serben an Toten und Verwundeten werden kaum weniger betragen.
Die serbische Regierung auf dem Wege nach Saloniki.
** London, 24. November. (T. u.) Das Reutersche Bureau meldet nach dem „B. T." aus Athen: Wie von diplomatischer Seite verlautet, hat sich die serbische Regierung von Mitrowitza nach Prizrend begeben. Serbische Abgesandte sind in Saloniki angekommen und erklärten, die Regierung werde bald in Saloniki ein- treffen.
Chnrchill bezeichnet Serbiens Lage als verzweifelt.
o-* Rotterdam, 24. November. (T. lt.) Churchill gewährte der „Dtsch. Tztg." zufolge einem Mitarbeiter des „Echo de Paris" eine Unterredung über die Lage auf dem Balkan. Er bezeichnete darin die Lage Serbiens als eine verzweifelte. Ich habe, erklärte er u. a., alles ins Auge gefaßt, was man tun könne, um Serbien Hilfe zu leisten. Ich bin zu der Erkenntnis gekommen, daß weder die Franzosen noch die Engländer mehr helfen können. Nnr eine einzige Hilfe gibt es noch: Italien.
Italien über Griechenlands Haltnng bcnnrnhigt.
Rotterdam, 24. November. (T. U.) Aus Saloniki wird nach dem „Bl. L.-A." gemeldet: Dr. Dillon depeschiert dem „Daily Telegraph" aus Rom, daß Sie dortige öffentliche Meinung die Haltung Griechenlands mit Beunruhigung «nsieht. Die kürzlich erfolgte Rück- bcrufung sämtlicher griechischer Offiziere aus dem Auslande, die Verstärkung des griechischen Generalstabes in Saloniki und anderes feien als ominöse Anzeichen zu deuten.
Ein Patrouilleuritt.
Novelle von O. E l st e r.
4) (Nachdruck verboten.)
Als Bruno aus seiner Betäubung erwachte, fand er sich auf einem Ruhebette liegend, in einem Zimmer, das von einer Lampe matt erhellt wurde.
Er richtete sich empor, mit der Hand nach dem schmerzenden Kopf greifend. Erstaunt sah er sich um, er wußte nicht, wo er sich befand.
In demselben Airgenblicke erhob sich die Gestalt einer alten Frau in der einfachen Tracht einer ländlichen Dienerin aus einem Lehnstuhl am Kamin, trat auf den noch halb betäubt Daliegeuden zu und fragte in breitem el= fässischem Dialekt:
„Wünschen Monsieur eppes? Fühlen sich der Herr eppes besser?"
„Wo bin ich? Was ist mit mir vorgegangen?"
Die Alte lachte gutnrütig auf.
„Sein's unbesorgt, Morisieur. Der Herr befinden sich in guter- Pflege. Der Herr stürzten mit dem Pferd — grad' auf der Brücke ..."
„Ah, ich erinnere mich. Ja, mein Pferd war verwundet und stürzte. Jetzt entsinne ich mich der Vor- Me! Sagen Sie mir, gute Frau, wo ich mich befinde? In Zabern?"
„Non Morrsieur, net in Zabern, aber net wett davon. Der Herr sein in Chateau Brulange ..♦.."
„Brulange?"
Bruno sprang empor, der Nanre traf sein Herz wie mit elektrischem Schlage, alle seine Schrnerzen waren vergessen.
Er wollte noch weitere Fragen an die Frau richten, als sich die Tür des Zinrmers öffnete und die hohe Ge- s^lt einer in Schwarz gekleideten Dame eintrat. Bruno alawbte zu träumen. Er fand keine Worte und blickte « L«M ÜWMS« am ~ ~
C Arrs dem großen Hauptquartier
** Großes Hauptquartier, 23. November 1915. (Amtlich. WTB.) (Eingegangen 2,05 Uhr nachmittags.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Auf verschiedenen Stellen der Front hielt, durch das klare Wetter begünstigt, die lebhafte Feuertätigkeit an.
Im Priesterwalde blieben zwei feindliche Spren- gungen erfolglos.
Ein französischer Doppeldecker stürzte bei Aure (,» der Champagne) nach Luftkampf ab.
Oestlicher Kriegsschauplatz.
Keine wesentlichen Ereignisse.
Balkankriegsschauplatz.
Nördlich von Mitrovica sowie nördlich und nordöstlich von Pristina wurde der Feind in Nachhnt- sümpfen geworfen. Über 1500 Gefangene 6 Geschütze wurden eingebracht.
Auch die südöstlich von Pristina kämpfenden bulgarischen Kräfte drangen erfolgreich vorwärts. Es wird von dort die Gefangennahme von 8000 Serben und eine Beute von 22 Maschinengewehren und 44 Geschützen gemeldet. Oberste Heeresleitnug.
Bom österr.-ungar. Generalstab
Wien, 23. November. (WTB.) Amtlich wird cc lautbart:
Russischer Kriegsschauplatz.
Keine besonderen Ereignisse.
Italienischer Kriegsschauplatz.
Die großen Kämpfe um den Görzer Brückenkopf und am Rande der Hochfläche von Doberdo dauern fort. Mehrere Angriffe starker feindlicher Kräfte auf die Podgora wurden blutig abgeschlagen. Auch bei Pev- ma und Oslavija hielten sich unsere Truppen gegen alle Stürme. Vielfach fand der Kampf auch nachts kein Ende.
Die Beschießung der Stadt G ö r z in der Zeit vom 18. bis 21. November hat wieder erhebliche Verluste an Menschenleben und bedentenden Schaden verursacht. 20 Zivilpersonen wurden getötet, 30 verwundet, 46 Gebäude vollkommen zerstört, 250 stark, 600 leicht beschädigt. Gestern warfen die Italiener abermals einige hundert schwere Bomben in die Stadt.
Auf der Hochfläche von Doberdo gelang es dem Feind, unsere Front südwestlich des Monte San Michels vorübergehend bis an den Westrand von San Martina znrückzudrängen. Ein Nachtangriff ungarischer und kärntnerischer Truppen brächte die ursprüngliche Stellung wieder vollständig in unseren Besitz. Mehrere Stürme der Italiener östlich Selz stießen auf das steierische Infanterie-Regiment Graf Beck Nr. 47, das seine Stellungen zweimal durch Feuer, ein drittes Mal im Handgemenge fest behauptete.
Nördlich des Görzer Brückenkopfes wiederholten sich die üblichen Vorstöße des Feindes mit dem gewohnten Mißerfolg.
Zwei unserer Flieger warfen anf Arsiero Bomben ab.
In letzter Zeit suchen die — allgemein zugänglichen — Heeresberichte der italienischen obersten Heeresleitung auffallend viel über Erfolg z» sagen. Demgegenüber sei hente, ein halbes Jahr nach der Kriegserklärung unseres einstigen Bundesgenossen, mit aller Deutlichkeit festgestellt, daß wir die zu Beginn des Krieges gewählte Berteidignngsfront allenthalben am Jsonzo nun schon in der vierten Schlacht siegreich behaupteten. Seit Beginn der Kämpfe im Südwesten vermochte der Feind sich nicht einmal jenen Zielen zn nähern, die er im ersten Anlauf zu erreichen hoffte. Wohl aber hat demselben der Krieg an Toten und Verwundeten bereits eine halbe Million Männer gekostet.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Die an der oberen Drina kämpfenden k. n. k. Truppen griffen die montenegrinischen Stellungen auf dem
„Madame", sagte die Dienerin, „dem Herrn geht es jetzt besser."
„Ah, das freut mich", entgegnete lebhaft die Danre, indem sie auf Bruno zutrat und ihm die Hand erttgegen- streckte. „Welch wunderbarer Zufall, Herr von Trott, daß ich Sie hier auf unserem Besitztum begrüßen kann!"
„Frau Baronin," stammelte der junge Offizier, „ich verstehe nicht — ich weiß nitbi ......"
In Baden-Baden war es gewesen, wo der tapfere Offizier kurz vor Ausbruch des Krieges die Schloßher- nnd ihre beiden reizenden Töchter, von welchen die bereits erwachsene ältere einen tiefen Eindruck auf ihn gemacht hatte, kennen gelernt hatte.
„Haben wir Ihnen in Baden-Baden nicht erzählt", fiel ihm die Baronin gütig ins Wort, „daß wir ein Landgut in den Vogesen besitzen?"
Bei Ausbruch des Krieges flüchteten wir von Straßburg hierher, in der Hoffnung, von den kriegerischen Ereignissen verschont zu bleiben, und nun muß uns Ihr todwundes Pferd gerade Sie hierher bringen! Aber bitte, setzen Sie sich nieder, legen Sie sich nieder, Sie müssen erschöpft sein von Ihrem Ritt, von Ihrer Verwundung. Erzählen Sie, wie Sie hierher kamen! Unser Schloß liegt ganz einsam in den Bergen."
Nach und nach hatte sich Bruno von der Ueber» raschung erholt. Die Liebenswürdigkeit der Baronin, ihr Lächeln, ihre freundlicherr Worte zeigten ihm, daß er sich unter Freunden befand.
„O, Frau Baronin!" rief er, „wie soll ich Ihnen danken, daß Sie meiner, eines Feindes Ihres Vaterlandes, so gütig sich angenommen haben!"
„Wir werden Sie dort) nicht halbtot am Wege liegen lassen!"
„Mir ist es immer, als träumte ich. Ist es denn Wahrheit, daß ich hier bei Ihnen, auf Schloß Brulange bin?"
Ä jg, mein junger Freund", entgegnete freund
Kozora-Sattel und nordöstlich davon an. Eine öfter» reichisch-ungarische Kolonne ist in Prijepolje eingerückt.
Die Kämpfe im Amselfeld nehmen einen g ü n st i s ö c n Fortgang. Unsere im Jbaxtal vordringendeu Streitkräfte stehen sechs Kilometer nordöstlich von Mi- trovitza, deutsche Truppen eine« halben Tagemarsch nördlich von Pristina im Kampf. Die Bulgaren dringen über die Zegovac-Plauina vor.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes, v. H o e f e r, Feldmarschalleutnant.
Die Schlacht an der Strypa.
^in T. U.-Telegramm aus Lyon meldet: Hiesige Blätter geben folgenden Bericht eines Augenzeugen über die Schlacht an der Strypa und die großen Verluste der Russen wieder. Die Artillerie mähte Tausende dahin. Die Erde zitterte. Auf einer erhältnismätzig kurzen Front von 2 bis 3 Werst Länge fielen innerhalb 24 Stunden mehr als eine halbe Million Geschosse zu Boden. Der Boden ist aufgewühlt durch die 'chwere Artillerie, von den Dörfern, die mehrmals ihre Besitzer wechselten, blieben nur noch rauchende Trümmerhaufen übrig. In manchen Stellungen fand man Leichname von Soldaten, die nacheinander von mehreren Geschosse'» getroffen wurden.
Ein englischer Konsul in Persien verhaftet.
Die Petersburger Telegraphen-Agentur meldet aus Teheran: Unsere Feinde haben von der Telegraphenlinie von Teheran nach Südpersien und Indien Besitz ergriffen. Aus Buschir wird telegraphisch versichert, daß der englische Konsul und die Mitglieder der englischen Kolonie in Schiras verhaftet wurden.
Griechenlands Waffen gegen den Vierverband.
Die „Frkft. Ztg." veröffentlicht eine Unterredung, die emer ihrer Mitarbeiter mit einer griechischen Per- wnlichkeit gehabt hat. Der Befragte sagte am Schluß der Unterredung:
Wenn die Entwaffnung der Feinde gutwillig oder nur Gewalt durchgeführt ist, werden sich ja doch unter den vielen Tausenden von Gefangenen viele hochgestellte Persönlichkeiten befinden, die man als Geiseln öe- nützen könnte,' etwa in der Weise, daß die griechische Regierung dem Vierverbande sagt: „Für jeden von einem feindlichen Schiffe gegen unsere Küsten abgegebenen ^chuß werden wir so und so viele englische oder französische Offiziere erschießen. Und für jedes gekaperte griechische Schiff so und so viele Soldaten! Da würden die Feinde wohl Feindseligkeiten bleiben lassen!" Zwar würde im allgemeinen den Briten wenig daran liegen, wenn die Australier, Neuseeländer, Kanadier, Farbigen oder auch die Franzosen erschossen werden, sofern sie nur sonst ihren Zweck erreichen, aber wenn die Auslese der zu Erschießenden geschickt getroffen wird, könnte sich auch England nicht der Wirkung entziehen. Denn dann würden die hochgestellten Familien der Betroffenen, sowie die Parlamente von Australien, Neuseeland und Kanada, aber auch die französische Regierung lebhafte Verwahrung dagegen einlegen und dergestalt die englische Regierung zwingen, das Leben der Bedrohten nicht zu gefährden. Griechenland wäre damit nutzer Gefahr, durch die englische Flotte vergewaltigt zn werden."
Reuter stellt die Blockade über Griechenland in Abrede.
os* Amsterdam, 24. November. (T. lt.) Reuter meldet der „Bl. Mp." zufolge amtlich: Das Ministerium des Aeußern gibt bekannt, daß keine griechischen Schisse in englischen Häfen beschlagnahmt oder znrückgehatten werden und daß keine Blockade über die griechischen Häfen verhängt sei.
Die „Beschützer der kleinen Staaten".
w= Budapest, 24. November. (T. U.) Liberale Bu- karester Blätter veröffentlichen nach der „Bl. Mp." Einzelheiten eines bisher unbekannten englisch-russische» Gc- Heimvertrages znwngunsten Rnmänens und Bulgariens. Der Anfang dieses Jahres geschlossene Vertrag verspricht Rußland außer Koustautinopel Burgas und Konstanz« am Schwarzen Meere. Die Blätter nageln die Tatsache fest, daß sowohl Rußland wie England zu derselben Zeit den Regierungen Rnmäniens und Bulgariens große Versprechungen gemacht haben.
Was plaut Rußland gegen Bulgarien?
Aus Anlaß der Ernennung Kuropatkins zum Oberbefehlshaber gegen Bulgaren und der vom Zaren besichtigten Truppenansammlungen in Bessarabien werden, wie der Korrespondenz „Heer und Politik" geschrieben wird, folgende Ausführungen von Interesse sein: Rußland scheint außer dem mißglückten Vorgehen gegen Bulgarien gegen die Häfen Warna und Burgas am Schwar-
lich lächelnd Madame de Brulange. „Es ist Wirklichkeit."
„Und ich bin meinen Feinden entronnen? Ich bin kein Gefangener?"
„Wenn Sie sich nicht als unser Gefangener betrachten?" —
„Ach Frau Baronin, wie soll ich Ihnen danken?"
Er küßte ihr die Hand. Freudige Hoffnung durchzuckte sein Herz, als er auch Henriette, die älteste Tochter, wiederzusehen gedachte, aber noch wagte er nicht, nach ihr zu fragen.
„Lassen Sie mich einmal nach Ihrer Wunde sehen", fuhr Madame de Brulange gütig fort.
„O, der kleine Riß bedeutet nichts", rief er hastig, „ich fühle ihrc kaum."
„Aber der Sturz . . . "
„Ja, ja, hier fühle ich einen dumpfen Schmerz", entgegnete Bruno, indem er die Hand auf den Hinter- kopf legte.
„Aber", so fuhr er fort, „auf der Rennbahn habe ich schon harte Püffe ansgehalten. Seien Sie ohne Sorge, Frau Baronin!"
„Um so besser . . ."
„Darf ich Sie vielleicht um ein Glas Wein und eine Kleinigkeit zu essen bitten?"
„Fühlen Sie sich wohl genug, um mit uns zu Abend zu speisen? Ich bin Werzengt, meine Töchter werden sich freuen, Sie so unverhofft wiederzusehen."
„Und doch konnten Sie ohne Abschied vmc Baden- Baden abreisen?"
Frau von Brillallge senkte leicht errötend das Haupt.
„Die Verhältnisse brachten es mit sich", entgegnete sie kurz. „Aber da kommt Madeleirce mit Erfrischungen."
Die alte Dienerin, die sich unbemerkt entfernt hatte, trat wieder ein und stellte eine Flasche Rotwein, Butter und Brot und etwas kaltes Fleisch auf den Tisch. (F. t»