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hersselder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Meiner

für den Kreis Hersfeld

fireisOliitt

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Nr. 273.

Sonntag, den 21. November

1915

Amtlicher Teil

Hersfeld, den 18. November 1915.

Unter den Viehbeständen des Valentin Rüger in Unterzella, Bezirk Dermbach, ist die Maul- und Klauenseuche amtlich festgestellt worden.

1. 13113. Der Landrat.

I. B.:

Funke, Kreissekretär.

AusWru«gsanMeik«ng

zur

Verordnung znr Regelung der Preise für Schlacht­schweine und für Schweinefleisch vom 4. November

1915 (R.-G.-Bl. S. 725.)

Zu § 1.

Die Höchstpreise für Schweine gelten nur für die im 8 1 aufgeführten Gemeinden mit Schlachtvieh­märkten (Absatz 1) und öffentlichen Schlachthäusern (Absatz 3.) Im übrigen ist die Preisgestaltung für den Schweinehandel frei, sie wird aber tatsächlich durch die Preisfestlegung auf den Schlachtviehmärkten und dadurch, daß die im § 5 festgesetzte Grenze der Fleisch­preise auch außerhalb der im § 1 Abs. 1 und 3 ge­nannten Gemeinden nicht überschritten werden darf, maßgebend bestimmt.

In Gemeinden mit öffentlichen Schlachthäusern (Abs. 3) ist von der Gemeindebehörde der durch den nächsten Schlachtviehmarkt (Abs. 1) bestimmte Höchst­preis, oder sofern von uns ein niedrigerer Höchstpreis festgesetzt werden sollte, dieser Höchstpreis öffentlich bekannt zu geben.

Zu § 2.

Grundsätzlich soll der Handel nur nach Lebeudge- wicht erfolgen. Es ist zulässig, mehrere Schweine zu- mmmen zu einem Einheitspreis für den Zentner Lebendgewicht zu verkaufen, oder zu kaufen, doch müssen es Schweine gleicher Gewichtsklasse und gleicher Beschaffenheit sein.

Wo nicht genügende Wiegeeinrichtnngen auf einem Schlachtviehmarkte vorhanden sein sollten, um alle Schweine nach Lebendgewicht handeln zu können, kann von uns bis auf weiteres ein Handel nach Schlachtgewicht gestattet werden, dabei darf der nach 8 1 Abs. 1 und 3 festgesetzte Höchstpreis für 50 kg. Lebendgewicht beim Kauf nach Schlachtgewicht für 50 kg. Schlachtgewicht um 25 v. H. nicht überschritten werden. Die Feststellung des Schlachtgewichts hat dabei zu erfolgen nach den Bestimmungen der Preis­feststellungsordnung des Marktes.

Zu 8 3.

Zuständige Behörde ist der Gemeindevorstand.

Die Bestimmung des ersten Satzes bezweckt eine gleichmäßige Berücksichtigung der Käufer, die bisher an dem Markt ihren Bedarf gedeckt haben. Der Ge­meindevorstand wird auf Grund der Feststellung, welchen Teil der dem Marktorte zugeführten Schweine der einzelne Käufer bisher erworben hat, die Zu­weisung vorzunehmen haben. Käufe von Schweinen außerhalb des eigentlichen Marktes sind auf die den Käufern zum Erwerb zuzuweisende Stückzahl anzu- rechnen. Käufern, denen kein Erlaubnisschein für die Ankäufe ausgehändigt wird, kann der Zutritt zum Markte untersagt werden.

Die Heeres- und Marineverwaltung deckt ihren Bedarf in der Regel nicht dnrch Käufe auf dem Markt. Sollte sie ausnahmsweise dazu genötigt sein, so ist die Gemeinde des Marktortes verpflichtet, der Heeres­verwaltung die Erlaubnis zum Erwerb von soviel Schweinen als sie braucht zu erteilen. Erforderlichen­falls ist die für die anderen Käufer zugelaffene An- kaufsmenge im Verhältnis zum dann noch verfügbaren Angebote herabzusetzen.

Zu 8 4-

In Gemeinden mit öffentlichen Schlachthäusern, in die ausgeschlachtete Schweine und frisches Schweine­fleisch von außerhalb eingeführt werden, kann dreier Fleisch-Großhandel durch den Gemeindevorstand aus bestimmteStellen (Markthallen usw.) beschränkt werden. Erforderlichenfalls kann auch hier eine Regelung deo Absatzes nach § 3 Satz 1 stattfinden.

Eine Beschränkung des Verkaufs von außerhalb eingeführten Fleisches im Kleinverkauf darf nicht stattfinden.

Zu 8 ö.

_ Die Gemeindevorstände der Gemeinden, in denen Schweinefleisch zum Verkauf gelangt, sind verpflichtet, Höchstpreise für Fleisch und Fleischwaren festzusetzen, ^te sind dabei verpflichtet, die im Abs. 1 vorge- schriebenen Preisgrenzen für frisches (rohes) L-chweine- fleisch und frisches frohes) Fett inne zu halten.

_ Für die Herabsetzung der Preisgrenzen (Abi. _ «atz 2) sind der Regierungspräsident, für Berlin oer Lberpräsident zuständig. Die Herabsetzung wird für den ganzen Bezirk oder für Teile desselben vielfach geboten sein, um die von der Gemeindebehorde fesr- Sufetzenden Fleischpreise in ein angemessenes Ver­hältnis zu den örtlichen Schweinepreisen zu bringen.

Auch bei verschiedenen Preisen für die einzelnen Fleischsorten (Abs. 2) darf der Preis die Preisgrenze

für keine Sorte frischen Fleisches überschreiten. Die Preise für zubereitetes Fleisch (gepökeltes und ge­räuchertes Schweinefleisch) für gesalzenen und ge­räucherten Speck, für ausgelassenes Schweinefett und für Wurstwaren sind im Verhältnis zur Preisgrenze für frisches Schweinefleisch und rohes Schweinefett festzusetzen. Die höhere Verwaltungsbehörde kann Grundsätze aufstellen, nach welchem Verhältnis die Preise für zubereitetes Fleisch und Fett sowie für Fett- und Fleischwaren die Höchstpreise für frisches Fleisch und frisches Fett überschreiten dürfen.

Zu 8 7.

Wer als Gemeinde anzusehen ist, richtet sich nach den Gemeindeverfassungsgesetzen. Als Gemeinden im Sinne der Verordnung gelten auch Gutsbezirke.

Zu 8 10.

Zuständige Behörde ist die Ortspolizeibehörde. Der Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten. Frhr. von Schorlemer.

Der Minister des Innern. von Loebell.

Der Minister für Handel und Gewerbe.

In Vertretung: Dr. Göppert.

Unsere D Helden

Mit demEisernen Kreuz" ausgezeichnet wurden: Res. Georg Schmidt, Res. Inf. Rgt. 71, Ober­suhl ; Musk. August Träger, Burghaun; Feldwebel August Henkel, Inf. Rgt. 234, Oberstoppel; Ers. Res. Wilhelm Bolender, Inf. Regt. 83, Hersfeld.

Auf dem Felde der Ehre fielen: Musketier Konrad Krön, Schenklengsfeld; Musk. Heinrich Albert, Hausen; Res. Johs. Werner, Bengendorf.

Kriegsjugendwehr-Sersseld.

Hatten die früheren Sonntage, an welchen die Iugendwehr angetreten war, in erster Linie den Zweck verfolgt, die Mitglieder derselben militärisch vorzu- bereiten, sie also körperlich^zu kräftigen, so war da­gegen der letztverflossene Sonntag dazu ausersehen, vornehmlich auf Geist und Gemüt der Iungmannen einzuwirken. Durch einen Besuch der Stadt Cassel sollte dies erreicht werden. Die Vorbereitungen waren zeitig im umfaßenden Maße getroffen worden. In dankenswerter Weise hatten hierbei Herr Major Hoebel, der Leiter der Caffeler Jugendwehr, Herr Professor Dr. Kunze, der Direktor des Naturalien- Museums und der Direktor des Hessischen Landes­museums, Herr Dr. Boehlau, mitgewirkt.

Frohgemut trat die Wehr in einer Stärke von 168 Mann früh 6 Uhr die Fahrt nach Cassel an. Auf dem Bahnhofsplatz zu Cassel wurde sie von Herrn Major Hoebel herzlich willkommen geheißen, der sie zunächst nach dem Naturalien-Museum führte. Die in dem­selben untergebrachten naturwissenschaftlichen und ethnographischen Sammlungen wurden eingehend be­sichtigt. Nach längerem Verweilen ging es zum nahen Friedrichsplatz, wo gegenüber dem neuen Hoftheater eine Anzahl Geschütze, die von dem eroberten Lüttich stammen, aufgestellt waren. Die günstige Gelegenheit, sie eingehend zu betrachten, wurde nicht versäumt. Vom Friedrichsplatz begab man sich nach dem Auetor, dem wirkungsvollen Siegesdenkmal und von da um den Justizpalast herum nach der Karlsaue, woselbst das Orangerieschloß, das Marmorbad und das Hessen- denkmal gezeigt wurden. Herr Magistrats-Sekretär Herzog gab hierzu kurze belehrende Erläuterungen. Nur von kurzer Zeit konnte der Aufenthalt in der Karlsaue sein, denn die Zeit drängte zum angemel­deten Besuch des Hessischen-Landesmuseums. Hier übernahm tn entgegenkommender Weise Herr Major Hoebel die Erläuterungen, wodurch die Besichtigung der neuen herrlichen Räume ganz wesentlich gefördert wurden. Die hier gewonnenen Eindrücke werden ge­wiß bei allen dauernde bleiben. Eine kleine Anzahl Jugendlicher hatte zuvor der Bilder-Gallerie einen Besuch abgestattet, nach deren Besichtigung diese hoch befriedigt in dem Landesmuseum eintrafen. Es war inzwischen 3 4 Uhr geworden, und es hieß jetzt in die Kaserne der83er" zu eilen, um das vorher bestellte Mittagessen einzunehmen; es mundete vorzüglich. Nach dem Essen wurde die Kompagnie dem Herrn Oberst­leutnant Müller-Hempsing, dem Vertrauensmann für die militärische Vorbereitung der Jugend im Regie­rungsbezirk Cassel vorgestellt. Die gesamte Wehr stand zunächst in Kompagniefront auf dem großen Ererzierplatz der Kaserne. Herr Oberstleutnant Müller- Hempfing begrüßte die Jungmannschaften und redete einzelne derselben in freundlicher Weise an, wobei er kurze frische Antworten erhielt. Die von dem Kom­pagnieführer, Herrn Pilgram, gezeigten Uebungen wurden stramm und gut ausgefuhrt, ,oday sie Aner­kennung fanden. Mit einem Parademarsch schlop ine Besichtigung ab. In einer kernigen Ansprache wies Herr Müller-Hempsing auf die wichtige Ausgabe der Jugendwehren hin, ermähnte zum treuen Zusammen- halten und sprach die Hoffnung aus, daß auch noch diejenigen jugendlichen Hersfelder, die bisher der Wehr fern stünden, doch bald sich anschließen möchten.

Eine besondere Ehrung seitens des Herrn Müller- Hempsing wurde der Wehr dadurch, daß die drei ver­dienstvollen Führer derselben, Herr Pilgram, Herr Diebel und Herr Otterbein zu Ehrenmitgliedern des Jungdeutschlandbundes ernannt wurden. Der Leiter der Wehr dankte in kurzen beredten Worten für die freundlichen an die Wehr gerichteten Worten und schloß mit einem kräftigenGut Heil" auf Herrn Oberstleutnant Müller-Hempsing. Dieser brächte hierauf ein dreifachesHurra" auf seine Majestät den Kaiser aus. Mit klingendem Spiel marschierte gegen 1 4 Uhr die Kompagnie durch die Hohenzollernstraße über den Ständeplatz nach dem neuen Rathaus. Hier fesselten namentlich die Prunkräume des Stadtverordneten- Sitzungssaales und des Magistrats-Sitzungssaales. Ein Beamter der städtischen Behörde, sowie Herr Magist­rats-Sekretär Herzog gab ben Jugendlichen die not­wendigen Erläuterungen. Hierauf marschierte die Kompagnie ebenfalls unter Musikbegleitung dnrch die Königsstraße nach dem Martinsplatz, wo die große Martinskirche und das davor stehende Denkmal Philipps des Großmütigen" in Augenschein genommen werden konnte. Bald war jetzt dieStadt Stockholm" erreicht. Ein sehr geräumiger Saal faßte bequem die Jungmaunen, die in demselben den vorher bestellten Kaffee tranken. Hier hatte sich auch die Kapelle des Herrn Musikdirektors Henkel eingefunden, die durch ihre gute Musik den einstündigen Aufenthalt in dem schönen Saale zu einem besonders angenehmen ge­staltete. Der freundliche Wirt, Herr H. Wollenhaupt, ließ es an nichts fehlen. Der Kaffee war reichlich und gut; auch die sonstige Bewirtung war vorzüglich, so- daß dieses schöne Gasthaus allen Besuchern Cassel's bestens empfohlen werden kann. Schnell war die Er­holungspause verstrichen, und es hieß wieder antreten, um die Jnnenräume des Königl. Hof-Theaters kennen zu lernen. Durch das besondere Wohlwollen des Herrn Grafen von Byland-Reudt, des Indentanten des Hoftheaters, war der Jugendwehr der Eintritt ge­stattet worden. Die wunderbaren Räume in strah­lender Beleuchtung erregten tiefe Eindrücke bei den Iungmannen.

Nun war für den größten Teil der Iugendwehr die Zeit zur Rückfahrt gekommen. Freud erfüllt ging es der Heimat zu und gegen 9 Uhr war Hersfeld er­reicht. Auf dem Marktplatz wurde die Wehr nach einer kurzen Ansprache des Herrn Kompagnieführers Pilgram entlassen.

Für 38 zurückgebliebene ältere Jugendliche sollte der Abend sich zu einem ganz besonders genußreichen gestalten. Für diese war ein Besuch der Oper Lohengrin" vorgesehen. Der herrliche Abend, der diesen Jugendlichen bereitet wurde, wirb wohl einem jeden Beteiligten noch lang in schöner Erinnerung bleiben. Mit dem Nachtzug 11.48 Uhr strebten auch diese der Heimat zu. Durch muntere Gesänge wurde die Müdigkeit verscheucht und die Fahrt nach Hersfeld wesentlich verkürzt. Der verflossene Sonntag ist so recht geeignet gewesen, in jeder Weise belehrend auf die Jugendlichen einzirwtrken. Die Leitung hat auch den mit der Reise weiter beabsichtigen Zweck erreicht nämlich die Iungmannen zu belohnen für ihre bis­herige treue Arbeit; sie hofft, daß das Gebotene die­selben anspornen wird zur weiteren fleißigen Arbeit, zu ihren und des Vaterlandes Besten.

Mit frohem Mut tritt die Wehr an ihre Winter­arbeit heran. Möchten noch recht viel Jugendliche an derselben teilnehmen.

Wer noch fehlt, mag in die Wehr eintreten. Ein Jeder ist herzlich willkommen.

Bus der Heimat«

-v- Hersfeld, A). November. Gesuche um Zu­billigung der Zinsen der E l i s e H u p f e l d - S t i f - t u n g, welche nach dem Willen des Stifters alljährlich an zwei kinderreiche Tuchfabrikarbeiter-Witwen, ge­borene Hersfelderinnen, zur Verteilung gelangen sollen, sind bis zum 1. Dezember d. Js. an die Ar­menverwaltung hier einzureichen. Später eingehende Gesuche können keine Berücksichtigung finden.

):( Hersfeld, 20. November. Am kommenden Montag abend hält der Evangelische Bund im Saale des Gasthofes zum Stern einen Familien- Abend ab. Herr Pfarrer Giebner aus Linsing in Oesterreich wird an diesem Abend überEvangelisches Gemeindeleben in Oesterreich während des Krieges" sprechen. Wir möchten auf den Vortrag nochmals besonders aufmerksam machen mit dem Hinweise, daß jedermann herzlich eingeladen ist.

»Tru^freie Zi^arenen *

Perlen Feldherr «ä, 3 öM 5pf. i 3 M