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AI englisch- Regierung sie Ermuvnts zur Verschiffung verweigert habe. In dem Schreiben hePt es:

„Was die Sendung gewisser Nährstoffe anlangt, um die Sie in Ihrem Briefe vom 24.. August baten und die wir sehr gern besorgen würden, muß ich Ihnen leider mitteilen, daß die englische ^Regierung sich weigert, die nötige Berschiffungserlaubnis zu geben. Die Schiffe, mit denen wir die Nährstoffe schicken, verweigern die Mitnahme, wenn nicht ein Erlaubnisschein von der eng­lischen Botschaft vorliegt. Wir sind daher außerstande, Ihrem Wunsche zu entsprechen, so gern wir es täten, denn ohne den Erlaubnisschein nehmen die Schiffe die Nährstoffe nicht an, weil sie fürchten, aufgehalten zu werden.

Wir versuchten, mit den: letzten Schiff dem deutschen Roten Kreuz eine Anzahl von Gummiwaren zu sen­den, aber auch hierfür hat die britische Regierung den Erlaubnisschein verweigert, so daß das Schiff die Sa­chen nicht nehmen wollte. Wir versuchen jetzt, von der britischen Regierung eine direkte Antwort wegen der Behandlung solcher Senkungen zu bekommen. Erlaubt die englische Regierung nicht, solche Sachen für die deut- scheu Hospitäler zu verschicken, so würden wir sie auch keinem anderen Lande senden, denn das amerikanische Rote Kreuz hat immer den Standpunkt vertreten, daß es Dinge, die es nicht an alle anderen Länder schicken kann, auch nicht an ein einzelnes Land abgibt. Aus diesem Grunde fürchten wir, daß es nicht möglich sein wird, Automobilreifen für Krankenwagen oder andere Gummisachen zu schicken. Wir bedauern es sehr, denn wir würden es sehr gern tun."

Das Schreiben zeigt, daß England in seiner Ab­sperrungsmanier gegen Deutschland anfängt, kleinlich zu werden, und daß es nicht sieht, daß derartige Maßregeln kein gutes Zeichen sind. Die Gesinnungen sind wie bis­her. Das Verfahren steht auf einem Blatte mit dem Transport von Kriegsmaterial unter dem Deckmantel von „soft soap" (weicher Seife) durch euglische Lazarett­schiffe, für das hier beeidigte Zeugnisse vorliegen. Hu­manitätsreklame läßt sich mit solchem Verfahren schlecht machen.

Kriegsallerlei.

- ' Ueberfällige französische Transportschiffe.

o-4> Wien, 18. November. (T. U.) Aus Athen wird nach der „Voss. Ztg." berichtet: Im englischen Marine­stab herrscht große Unruhe infolge des Ausbleibens eini­ger französischer Transportschiffe. Da die Fahrzeuge schon seit mehreren Tagen überfällig sind, befürchtet man, daß sie von feindlichen U-Booten versenkt wurden.

Keine Paketpost mehr aus Amerika.

Wie „Daily Mail" aus Neuyork meldet, hat die ame­rikanische Post den Versuch von Deutschamerikanern, kleine Pakete mit Nahrungsmitteln nach Deutschland zu schicke«, verhindert. Die Paketpost zwischen den Ver­einigten Staaten und Deutschland wurde mfolge der Weigerung der Schiffahrtsgesellschaften, Pakete anzu- nehmen, eingestellt.

Die kommende Kriegsgewinnsteuer.

Da in der Reichstagstagung ein Vorberertungs- gesetz für die in Aussicht genommene Krregsgewmn- steuer dem Hause vorgelegt werden soll, ist anzunehmen, daß die eigentliche Vorlage selber ebenfalls noch wah­rend des Krieges eingebracht wird. Nur die Erhebung der Steuer wird erst nach dem Kriege beginnen, da man erst dann übersehen kann, welcher Zuwachs im einzelnen Falle zu versteuern ist.

Ein Geschenk des Zaren für den Mikado.

Der Zar entsandte aus Anlaß der Krönungsseier in Tokio einen Sondergesandten nach Tokio und ließ dem Mikado eine Riesenvase im Gewichte vom 200 Kilo­gramm überreichen.

Italienische „Kriegsbegeisterung".

Dem Hamburger „Fremdenblatt" wird aus Stock­holm gedrahtet: Der Schriftleiter der schwedischen svzml- demokratischen Zeitung „Arbetet", der kürzlich Italien besuchte, schildert, wie er m Florenz Zeuge der Abfahrt von etwa zweihundert sozialdemokratischen Land- und Marinesoldaten wurde, die in Arrezzo füsiliert werden sollten, weil sie sich geweigert hatten, gegen den Femd zu ziehen. Wie Vieh wurden sie m die Wagen nut ver­gitterten Fenstern hineingetrieben, und fürden Fremd­ling, der aus Zufall ein unfreiwilliger Zuschauer dieses Auftrittes geworden war, war es ein kräftig sprechen­der Beweis gegen das Gerede vom Kriegsenthusiasmus in Italien.

Drohungen gegen Griechenland.

Paris, 18. November. (WTB.) Die französische Presse fordert, Griechenland müsse sich entscheiden. Die Lntwafsnung der etwa auf griechisches Gebiet übertre­tenden Truppen der Serben und der Alliierten dürfe wu dem Vierverbande nicht geduldet werden. Die Ver- mndlungen des Vierverbandes mit Griechenland hatten cßon zu lange gedauert. Das in Malta versammelte Geschwader solle' nach Griechenland gesandt werden und nit der Beschießung beginnen, falls Griechenland lief) nicht in allerkürzester Frist entscheide.

Deutscher Fliegererfolg in den Dardanellen.

Neuyorker Blätter melden, daß im September ein deutsches Flugzeug in den Dardanellen eine Bombe auf rinen leichten englischen Kreuzer geworfen habe, wovel L4ß Offiziere und Mannschaften getötet und noch mehr verletzr worden seien.

Aus den Spuren der Lug-Armee.

Polnische Eindrücke aus dem Sommer 1815.

(Schluß.) .

reines Tages kam unverhofft etwas war HsUimel heruntergefallen mitten in eine Bäckerkolonne im F^öe. ^s war schon dunkel, da schwirrte das überraschende Me- KS SS 'niete Sie iaiteeli flute areifen zum Gewehr und knalle« in die Dunkelmu. Dann stürzen sie vor und. entdecken ein ruststches Flug- leitn__ seer Sie suchen im nahen Gebinch und ziehen aach wenigenMinuten zwei kräftige Männ^ großen, breitknochigen Oberleutnant Mid einen gemun genen, verbissenen kleinen Fähnrich. Der.^achrlchten- offizier vernimmt die im Triumph eingebrachten oe fanaenert Bei einem warmen Abendbrot taue« die an­fangs wie Erstarrten etwas auf. Sie werden warm und redselig, doch verraten sie nichts. Den Küssen ist es schleckt eraanaen, jawohl, jawohl. Aber sie haben zu * ■ ' Reserven im Ueberflutz und das Krwgsgluck 1 ~ - --“it ihnen die Lage- I eure Festige«

Hause noch Reserven im Ueberflutz und das bto«u ist launisch und wandelbar. Man zeigt ihnen die. ^ag - karte: Hier stehen wir Deutschen, all eure Festungen in unserer Hand! Der Große lacht aemütlich- Wenn schon. Der Kleine ruft mit blitzenden Augen. Geht nur immer weiter nach Rußland hinein. Ihr rennt in die Wüste. Ihr rennt in den Winter. <Gr werdet «hon sehen. Und ungefähr so reden die Gefangenen alle, fiziere wie Mannschaften.

Ein andermal ereignet sich etwas Aehnliches. Ueber

ÄNKW deMchLÜ UMMLNSÜLL iM M auUallLNd

nreorig, ein runtTCoer Freiballon. stotn eye man wn an- greifen und abwehre« samt, steht man ihn sinken, schnell und steil niedersiriken, als hätte er sein Ziel glücklich erreicht. Man braucht nur aufzusteheu, um die beiden feindlichen Offiziere und den verdonnert daneben stehenden Mann in Empfang zu nehmen. Sie kommen aus Nowo Georgiewsk, dem inzwischen genvullnene«. Zwölf Stunden vor der Uebergabe sind sie aus« geflogen, Archive und Post in der Goiitkel, um der Hei­mat die letzten Nachrichten der in ihr Schicksal ergebenen Festung zu überbringen. Was bewog sie zu landen? Die Offiziere schnauben Zorn, und wer wird ihren Aerger nicht nachfühlen: Bei der nächtliche« Abfahrt hat sich ein russischer Soldat heimlich ins Takelwerk ge- Stunden um Stunden hat er sich da festgeklammert und sein Gewicht hat die ergrimmten Ballonführer gezwun­gen immer mehr Ballast hinauszuwerfe«, sogar die Meßinstrumente und die Speisevorräte. Bis der Auf­trieb nicht mehr genügte und man vor Ueberfliegmig der deutschen Linie hinunter mußte. Sind) sie, wie ihre Flugzeugkameraden, behalten alle militärischen Geheim­nisse für sich, plaudern nur aus, was jedermann missen darf, und ergehen sich in Vermünscknngen des blinden Passagiers, des Untergebenen, der sie nnd sich wider Willen den Deutschen in die Hände gespielt hat und dem sie jetzt nichts mehr anhaben können.

Der schnellgeprüfte Inhalt des Postsacks erweist sich militärisch und politisch als ziemlich belanglos, mensch- lich nicht ganz. Auf Briefbogen, deren erste Seiten mit Darstellungen von russischen Heldentaten und mit einem amtlich vorgedruckten Musterbrief an die Daheimge­bliebenen bedeckt sind, teilen die Belagerten überein- stimmend den Ihrigen mit, daß ihr Schicksal besiegelt sei: Nowo Georgiewsk kann sich nicht halten, in wenigen Stunden wird es dem Feinde ausgeliefert werden: sie alle fallen in die Gewalt der unbarmherzigen Deutschen, dieser Tiere, die bekanntlich ihre wehrlosen Opfer zu Tode quälen. Gott sei den armen Seelen gnädig! Plan­chen passt auch zu dieser kurzen Nachricht eine 'Ansichts­karte mit der prunkhasten Verherrlichung des Vierver- bandes. Wieder andere wählen das Bildnis einer ver­liebten Akrohatin. Einer schreibt unter die farbige Wiedergabe des Boecklinschen „Sommeriages": Im Lande der Barbaren wird man uns verschmachten lasten!

Herbst! Durch die Fasanerien der Güter, über die Stoppelfelder und durch den buntscheckigen Wald strei­fen die Jäger, die Luft kracht von ihren Schüssen. Mit dem erlegten Wild, Hühner, Fasanen, Hasen, Böcken und Hirschen, kehren sie stolz zu ihrer Truppe zrvück, gerötet von der Kälte und der Bewegung und dem Glück des Jagens.

Qmmer goldener lenchtet das Lanb, jedes Blatt in der Oktobersonne dnrchscheinelld nnd aus sich heraus glühend wie die glimmende Pracht alter Glasmalereien. Ahorn, Esche, Birke, Kastanie, Eiche und Brtche, nnter- mtfdjt mit borstigen Kiefern und zartbehüngten Lärchen, alles reckt sich zum Himmel und saitgt die letzte Wärnce des alternden Jahres ein, mit einer Miene geisterhafter Schönheit und verklärter Vollendung.

Der erste Oktobersonntag bringt das Erntedankfest. In seiner soldatischen Amtstracht, gran und violett, auf der Brust das silberne Kreuz, tritt der Feldgeistliche vor die ernsthaft lauschende Truppe und predigt über das tägliche Brot:

Dank für die reiche, glücklich geborgene Ernte, Tank für die neu bewiesene wirtschaftliche Kraft des deutschen Volkes. Zlber der Mensch lebt nicht von Brot allein. So nötig wie Geld nnd Gut und die Frucht des Feldes brauche« wir Speise der Seele: Glauben, Mut, Fröh­lichkeit,' brauchen wir Nahrung des Herzens: Anteil der Heimat, Liebe und Zuspruch der fernen Familie, Treue des Freundes, des Kameraden. Teiln das Vater­land fordert das äußerste von-dir:

Wenn dein Slrm erlahmt, wenn dein Herz erbebt, Tilgt mich Gott von dieser Erde aus, Schutt und Asche wird dein Elternhaus

Und der deutsche Nauie hat gelebt.

Und eines anderen Schnitters gedenken wir, der schwingt seine Sichel tagaus tagein. Was er zu Fall bringt und was er abmäht, sind unsere Väter, unsere Söhne, unsere Brüder, unsere Freunde, ist unser Lieb­stes und Bestes. Auch für diese Ernte ein Sans fest? Ja, auch für diese. Dank ihnen, die ihr Fleisch und Blut und alle Verheißungen der anbrechenden Mannesjahre willig dahingaben fürs Vaterland. Dank nicht mit Weh­klagen, sondern mit dem inbrünstigen Willen, das Werk zu vollenden, das sie früh verlasse« mußten.

Bleich und schwach lösen die herbstlichen Blätter sich bet einem leisen Windstoß von den Zweigen uns fallen zu Boden und vermodern. Aber der beraubte Stannn lebt und wächst weiter. Der Winter vergeht und ein Frühling zieht ein: da belaubt er sich ueu, grünt und prangt in alter Kraft und L^rrlichkeit, der Baum Deutschlands, größer denn je zuvor und seine Größe undenkbar ohne das scheinbare Absterben und den Blätterfall des vorigen Jahres. Slmen. C. M.

Vermischtes«

Ueber die Wirtschaft des entlassenen rnssischen Ber- kehrsministers Ruchlow erzählt „Rjetsch", daß einzelne Stationsvorsteher unter ihm in etlichen Monaten Kriegszeit 50- bis 70 000 Rubel ersparten. Jeder Zug kostete an Frachtspesen 700 Rubel. Als ein Groß- industrieller sich beim Minister beklagte, daß er keinen Wagen erhalten hönne, sandte man ihn: so viele Wagen, daß er sie gar nicht verwenden konnte. Dafür wurden ihm 120 000 Rubel Strafe wegen Nichtverwendung zu- dikttert.

Das Testament eines steirischen Landsturmmannes teilte Peter Rosegger im „Heimgarten" mit. Es lautet folgendermaßen: Guter alter Kamerad! Zur Kriegszelt geschieht viel auf der Welt. Weil ma nit woatz, maS ge­schieht, muaß man an alles denken. Wenn mir was passierst, gehört mein Kasten dein. Den winfligm Rock gibst den Einleger. Im oberen rechten Ladt die ^rief und das Purträh von der Hanni laß drin. Sind eh drinn gelegen, werden often a Platz haben. Die Bildlu in wendig bei der Kastentür laß picken. I habis Sonn­tag in der Früh gern angschaut. Das Kastenschloß laß machen, weils oft überschnappt. Es grüßt Dich Dein alter Kamerad Heinrich. Wenns wieder Fried ist, zahl der Hanni zu Exaudi aufm Berg an Meth!

Die älteste Frau Deutschlands gestorben. Im 107. Lebensjahre starb in diesen Tagen in Grünenöeich (Hannover) die dort ansässig gewesene Witwe Meta

(Hannover) die dort ansässig gewesene Witwe Meta Mliller. Die Verstorbene, die während eines Zeitraums von vierzig Jahren als Bezirkshebamme tätig war, war wohl die älteste Frau Deutschlands. Sie war am 16. März 1809 geboren. , _ ,

Der Minister als Müllerbursche. Wundersam wir­belt der K-rieg Menschenschicksale durcheinander. Vor Jahren wurde ein Oesterreicher namens Czerny aus Ol- mütz, der nach Marokko verschlagen worden war, dort Kriegsminister. Als er vor Kriegsausbruch hermkehrte, trat er ins österreichische Heer ein und wurde Korporal.

3tato kurzer Zen versus untrve er «eywer verwundet und nach seiner Genesung als Invalide dauernd ent­lassen. Gegenu'ärtig arbeitet die frühere Exzellenz nach Nkeldungen mährischer Mütter als Müllerbursche tu einer Mühle in Müglitz.

Zeitungöpapier als Mittel gegen Ungeziefer und als Verbandmaterial. Zu den verschiedenen Verwendungö- arten des Zeitungspapiers kommt nunmehr eine neue, die den bisher bekannten wohl die Krone aufsetzen dürf­te. In der „Münchener Med. Wochenschrift" berichtet nämlich Dr. Weisbach aus dem Felde über die interes­sante Beobachtung, daß Betten, deren Strohsäcke man mit Zeitungspapier gefüllt hatte, frei von Insekten blie­ben, was ihn schließlich veranlaßte, auch bei Stroh- füllung stets einige Bogen Zeitungspapier mit einlegep zu lassen. Wenn die Druckerschwärze wirklich die Eigen­schaft besäße, das Ungeziefer aus den Strohsäcken zv vertreiben oder fernzuhalten, so würde Zeitniigspapier am besten in Form von spiraligen Streifen, die natür­lich in diesem Falle mit der Maschine herzustellen wa­ren, wohl das beste und billigste Füllungsmittel für die Strohsäcke der Feldbaracke« abgeben. Auch zu Berbäw den, namentlich bet leichtem Rheumatismus, empfiehlt Dr Weisbach das Zeitungspapter, da es fest auf der be. treffenden Stelle haften bleibt, gut wärmt und dem kra«. seit Körperteil volle Bewegungsfreiheit gestattet.

Schlaue Neutrale. Der „Temps" erzählt, daß fiel in Holland ein Verein gebildet habe, dessen Mitgliedei den Krieg totschweigen wollen. Sie tragen Abzeichen mit den Worten: „Sprecht nicht vom Kriege!" Wenn die Warnung befolgt wird, so mag es in dem Kreist dieser glüctliehen Neutralen freilich die Möglichkeit zu ungetrübter Lebensfreude geben. Nur besteht die Ge­fahr, daß der fortwährende Anblick des Abzeichens die umgekehrte Wirkung auSübt.

„Times"-Auzeigen. Die Mannschaft einer Artist lerie Batterie der 104. Brigade bittet dringend, ihr ein starkes Teleskop zu schenken, da sie darauf angewiejer ist. Die Batterie würde sich äußerst dankbar erweisen - Junger Offizier, der an die Front abreisen soll, sann England nicht verlassen, bevor er seine driimenditen Schulden bezahlt hat. 15 Pfund unbedingt erforderlich Wer will helfen? — Ein einsamer Wachtposten auf bei Ostküste bittet, ihm einen Billardtisch leihweise oder all Geschenk zu überlassen, sowie Bälle und Stöcke, damit die langen Wintersinnde« schneller verstreichen.

Leulsche Ehrenlasel. '

Zwei gefährliche Patrouillen der 10. Kompagnie deS sächsischen Infanterie-Regiments Nr. 134.

Am 15. September 1915 sollte eine Patrouille der 10./134 feststellen, ob der unserem Graben gegenüber­liegende Gegner Sappen vortreibe. Zu diesem Zwecke sollte die Patrouille eine Strecke von ungefähr 500 Mir dicht am englischen Graben entlangkriechen. llnteroffü zier b. Res. Walter Peterhänsel aus Saaldorf, Kreis Schleiz, Soldat Paul Eichhorn aus Plauen, Amth. Plauen und Soldat Franz Rohrmann aus Schönheide, Amtsh. Schwarzenberg, meldeten sich sofort freiwillig zu dieser Patrouille. Abeus 10 Uhr verließ die Patrouille unter Führuug des Unteroffiziers Peterhänsel den Gra­ben an der linken Kompagniegrenze. Bald gelangte sie an ein hinderliches hohes Gras. Peterhänsel ließ einst­weilen seine Leute zurück und schnitt eine Gasse durch das Gras. Dann zog er seine Leute «ach. Da stießen sie an ein großes Loch, von dem aus ein ausgetretener Weg nach dem feindlichen Graben führte. Die Pa­trouille erkannte es sofort als ein feindliches Horch- pofteulod). Unbemerkt gelangte nun die Patrouille ans englische Drahtverhau, au dem sie, ihrer Aufgabe ge­mäß, entlangkroch.

Nach einer Welle vorsichtigen Kriechens entdeckte sie eine feindliche Tretmine, um die Peterhänsel seine Leute geschickt herumführte. Schon lag die Hälfte der Strecke, die sie abzukriecheu hatten, hinter ihnen: da wurde eine Leuchtkugel abgeschossen, die in unmittel­barer Nähe der Patrouille ins Gras fiel und es in Brand steckte. Die Patrouille fam durch das lichterloh breimenbe Feuer in höchste Bedrängnis. Auch konnte sie jeden Augenblick von den Gegnern gesehen werden. Sogleich führte Peterhänsel seine Leute hinter eine leid­lich gesicherte Erhebung. Doch der Gegner hatte die Pa­trouille schon erspäht und setzte Maschinengewehrfener auf sie ein. Die Patrouille lag regungslos. Glücklicher­weise wurde durch die zahlreich einschlagenden Geschosse niemand verletzt. Bet Morgenaraueu erst kroch die Pa­trouille weiter am englischen Drahtverhau entlang und gelangte morgens 5 Uhr 30 Minuten bei der rechten Kompagniegreuze wieder im Graben an. Trotz großer Schwierigkeiten hatte sie ihren Auftrag erledigt. Peter- häufet konnte melden, daß er innerhalb der Strecke von 500 Metern, die er am englischen Graben entlang abge­sucht hatte, auf keine vorgetriebene Sappe als auf das Horchpostenloch gestoßen war.

tÄne andere Patrouille sollte am 23. September 1915 morgens vor dem Abschnitt, den die 10./134 besetzte, fest­stellen, ob und in welcher Weise der Gegner vor seinem Graben Schanzarbeiten auSführte. Hierzu meldeten sich Vizefeldwebel (Res.-Offiz.-Asp.) Willy Schilde aus Plauen t. V. (Amtsh. Planen) und Vizefeldwebel Dtll- ner aus Schönfeld (R. ä. L.j. Vorsicht ig arbeiteten sie sich vor. Doch der gespannt aufmerksame Gegner schien sie bemerkt zu haben. Zahlreiche Leuchtkugeln stiegen sofort in die Luft und heftiges Jnfautertefeuer setzte ein. Ungeachtet aber der rechts und links einschlagen- den Geschosse kroch die Patrouille, ihre Aufgabe fest im Auge behaltend, weiter vor. Nach längerem gefahr­vollem Hin- und Herkriechen entdeckte sie ungefähr M Meter vor unserem Graben schanzende Engländer. Furchtlos kroch die Patrouille dicht an die Schanzeuden heran und erkaunte, daß die Engländer einen Parallel­graben zu ihrem Graben aushoben und die Arbeiten sicherte« durch einen vorgeschobenen Schützenschleier unk ein Maschinengewehr. Um ganz genaue Feststellungen machen zu können, kroch die Patrouille in unmittelbar: ster Nähe des Schützenschleiers an demselben entlang und ließ sich dabei durch das andauernde, lebhafte Feuer nicht im geringsten stören. Beim Zurückkriechen stieß die Patrouille auf eine vier Mann starke feindliche Pa­trouille, die sie in kühnem Draufgehen mittels Hand­granaten verscheuchte. Nunmehr kehrte die Patrouille glücklich in den Graben zurück, nachdem sie ihrer Attf- gabe vollkommen gerecht geworden war.

Weitere Drahtnachrichten«

Ein englisches Spitatschiff gesunken.

9h* London, 18. November. (T. U.) Das Spital, schiff „Anglia" ist der „Köln. Volksztg." zufolge tw Kanal auf eine Mine gestoßen nnd gesunken. Von 13 Offizieren und 372 Mann sind von einem Patrouillen- schiff etwa 300 gerettet. Ein anderes zu Hilfe kommendes Schiff ist ebenfalls aus eine Mine gelaufen und ge­sunken.