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von der feindlichen Presse ebenso verhetzende wie un­wahre Darstellungen verbreitet. Der Sachverhalt war kurz folgender: Das Unterseeboot gab einen War­nungsschuß vor dem Bug des Dampfers ab, worauf dieser in voller Fahrt floh. Damit befolgte er die bei Kriegsausbruch allen italienischen Dampfern von Amts wegen erteilte Weisung bei Anhalten durch ein feind­liches U-Boot je nach dessen Position entweder zu fliehen oder das U-Bot anzurennen. Der fliehende Dampfer wurde vom U-Boot verfolgt und beschossen und stoppte erst nachdem er einige Treffer erhalten hatte. Zum Ver­lassen des Schiffes, anf dem die größte Panik herrschte, wurden 45 Minuten gewährt. Dennoch wurde nur ein Teil der Boote heruntergelassen und besetzt, und zwar hauptsächlich von Personen der Schisfsbemauuung, die mit den ersten Booten eilig weitabruderten. Ein großer Teil der Boote, die wahrscheinlich zur Rettung aller genügt hätten, blieb unbesetzt. Nach etwa 50 Minuten mußte das U-Boot vor einem rasch sich nähernden Fahr­zeug wegtauchen und torpedierte den Dampfer, der nach weiteren 45 Minuten sank. Wenn dabei viele Passagiere ihr Leben verloren, so liegt die Schuld nur an der Be­satzung, weil der Dampfer, statt auf ben Warnungs- schuß zu stoppen, zu entkommen suchte und dadurch das U-Boot zum Schießen zwang, und weil dann die Be­satzung nur an die eigene, und nicht an die Rettung der Passagiere dachte, wozu reichlich Zeit und Mittel vvr- handen waren. Daß das U-Boot auf die gefüllten Boote und die im Wasser Schwimmenden geschossen hätte, ist eine tendenziöse Erfindung, schon weil für das U-Boot die Munition viel zu kostbar ist. Nachdem der Dampfer stillstand, wurde kein Geschoß mehr abgefeuert.

Flottenkommando.

Ein italienischer Stampfer versenkt.

Die „Agenzia Stefani" meldet: Nachrichten aus Kreta besagen, daß der Dampfer „Bosnia" (2561 Ton­nen) bei der kleinen Insel Cande südlich Kreta durch ein U-Boot mit österreichischer Flagge versenkt wurde. Die Besatzung und die vier Fahrgäste gingen in vier Boote, von denen drei bisher die Insel erreichten. Das vermißte vierte Boot wird gesucht.

Der Türkenkrieg.

Konstantinopel, 14. November. (WTB.) Das Haupt­quartier meldet von der Dardanellenfront: Am 11. und 12. November dauerte der örtliche Feueraustausch mit Unterbrechungen an. Die wirksame Antwort unserer Artillerie machte sich in den feindlichen Stellungen be­merkbar. Bei Anaforta nahmen zwei feindliche Tor­pedoboote und bei Ari Burun ein Kreuzer und ein Tor­pedoboot des Feindes ohne Ergebnis an bem Feuer der Lanötruppen teil. Unsere anatolischen Küstenbatte­rien beschossen wirksam die feindlichen Truppen in der Umgebung von Sedö ul Bahr und Mortoliman, und die dort befindlichen feindlichen Schlepper. Sonst nichts von Bedeutung.

England zieht sich von der Dardanellenaktion zurück?

Den „Mü. N. N." wird aus Kopenhagen gemeldet: Auf Grund der eingehenden Berichte Lord Kttcheuers hat sich England veranlaßt gesehen, der russischen Re­gierung mitzuteilen, daß es sich aus strategischen Grün­den von der Dardanellenaktion zurückziehe.

Die Gärung in Indien und Afghanistan.

Von einer in Konstantinopel eingetroffenen, gut unterrichteten Persönlichkeit wird nach dem „B. L -A." mitgeteilt, daß die aufständische Bewegung in Indien und im besonderen an der afghanischen Grenze die For- men regelrechter kriegerischer Unternehmungen ange­nommen hat. Die Aufständischen haben sich in Schützen­gräben verschanzt: sie sind mit Waffen und Munition versehen. Die englandfeindliche Erregung greift in ern­stester Weise nach Afghanistan hinüber, wo inzwischen aus Persien eingetroffene Expeditionen den Boden auf das günstigste dafür vorbereiteten. Die schweren Be­sorgnisse, welche die Engländer hinsichtlich der Lage äußern, deuten auf diese Vorgänge in Indien, Afgha­nistan und Persien hin.

der Kaiser bei den Vripeisiimpsen.

Aus dem Großen Hauptquartier wird uns ge­schrieben:

Der Kaiser weilte am Anfang der letzten Woche bei unseren Truppen in den Pripetsümpsen. Nachmittags fuhr er int Bahnhof Brest-Litowsk ein. Der Bahnhof selbst ist eine Ruine, auf dem die deutsche Kriegsflagge weht. Vor den aufgeräumten Trümmern stand die Ehrenkompagnie, gestellt von einem bei Brest-Litowsk liegenden Landsturmbataillon. Unter den Klängen der Nationalhymne schritt der Kaiser nach Begrüßung der unmittelbaren Vorgesetzten die Front der ergrauten Sol­daten ab und ließ Die Kompagnie im Parademarsch vor­beimarschieren. Haltung und Aussehen der Leute war vorzüglich, stramm aufgerichtet blickten sie ihrem ober­sten Kriegsherrn ins Auge.

Vom Bahnhof begab sich der Kaiser im Kraftwagen zur Zitadelle. Hier hatte er beim Manöver i. J. 1886 als Gast des Zaren gewohnt. Was die Russen bei Der Schnelligkeit der Räumung der Festung zerstören konn­ten, haben sie zerstört. Die ausgedehnten Kasernen der Zitadelle liegen in Trümmern. Auch bei dem Fort Ko- waljewo, wohin die Fahrt weiterging, sind die Beton­bauten zum Teil gesprengt, zum Teil aber ebenso wie die Hindernisse noch voll erhalten. Dann ging die Fahrt am Uebungslager Pugatschewa vorbei zur Stadt. Brest- Litowsk, noch vor wenigen Wochen eine von 60 000 Ein­wohnern bevölkerte Stadt, ist zu vier Fünfteln ver­brannt. Die Russen haben Hab und Gut der Bewohner planmäßig vernichtet und die Bevölkerung mit sich ins Elend geschleppt. Im Bereiche der Festung gibt es keinen einzigen Landesbewohner mehr, nur Truppen aller Gat­tungen bildeten in den Ruinenstraßen Spalier.

Am nächsten Morgen traf der Kaiser vorn in der Front in Pinsk ein. In der von den Russen für ihren Rückzug neuangelegten Haltestelle Pinsk-Wald verließ er den Zug. Die trübe Novemoerstimmuug des Vortages hatte strahlendem Hohenzollernwetter Platz gemacht. Auf dem Bahnhof stand die Ehrenkompagnie, diesmal gestellt von jungen Soldaten. Hinter dem Bahnhof reihten Nch in Parade mehrere Brigaden der Bugarmee. Vom brausenden Hurra vieler taufenb junger Soldatenkehlen begrüßt, schritt der Kaiser die Front der Truppen ab, • deren Haltung und Aussehen dem obersten Kriegsherrn die unerschütterliche Kraft und den unverminderten Sie­geswillen seiner Truppen zeigte, trotz der gewaltigen Leistungen der Verfolgung und des jetzt stattfindenden L-tellunskarnpfes in unwirtlichster Gegend.

Von hier begab sich der Kaiser zu einem kurzen Be- mH der Kathedrale nach Pinsk. Auf den Straßen sich, anders als in Brest-Litowsk, das Volk der Einwohner zählende Stadt. Die Weiterfahrt <£$’tt Hotier big in die Stellungen der Truppen i^mh’5 am Schilsmeer der Pripetsümpfe. Auf den des Strumen und der Jasiolda Stellungen und Hindernisse sichtbar, ^»nn-n c^^-des Tcmes fuhr der Kaiser, der den Trurpen seine F«M über ihre WMglM ^LrfajfMö

und seinen Dank für ihre Leistungen hatte übermitteln lassen, über Brest-Litowsk zu einer anderen Armee auf dem östlichen Kriegsschauplatz.

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Zarenreisen an die Front.

Aus Petersburg wird gemeldet: Der Zar traf am 10. November mit dem Thronfolger in Reval ein. Es wurden die BefestigungSwerke besichtigt und die Parade über die Truppen abgehalten. Dann zeichnete der Zar an Bord des Transportschiffes „Europe", wo die Be­mannungen der englischen und russischen Unterseeboote versammelt waren, persönlich zwei Kommandanten eng­lischer Unterseeboote mit dem Georgskreuz vierter Klasse aus. Darauf wurden die englischen und russischen Un­terseeboote besichtigt. Am folgenden Tage reiste der Zar mit dem Thronfolger nach Riga, am 12. nach den bei Witebsk lagernden Truppen und nach dem Militürgeluet von Dünaburg. Au allen Plätzen wurde Parade über die Truppen abgehalten.

Wieder zwei italienische Generäle abgesetzt.

w> Lugano, 15. November. (T. U.) Ein italie­nischer Heeresbericht meldet die Dienstentlassung der Generäle Calderari und Dulucca. Mit ihnen steigt die Zahl der im Laufe des Krieges abgesetzteu Generale auf 44.

Frankreichs militärische Ausgaben.

Der „Temps" meldet: In einem in der Hammer zur Verteilung gelangten Bericht über die von der Regierung verlangten Zuschlagskreditc für 1915 schützt der Generalberichterstatter des Budgets die eigeutlichen militärischen Ausgaben vom 1. August 1914 bis zum 31. Dezember 1915 auf 21 438 Millionen Frank.

Der ärztliche Tiefstand in Rußland.

Ju der „Nowoje Wremja" stellt Meuschikow mit tiefstem Bedauern fest, daß die Russen in der ärztlichen Wissenschaft aufs kläglichste hinter Europa herhinkteu. Im deutschen Heere kehrten 60 v. H. der Verletzten wie­der zur Front zurück, in Rußland nur 18 v. H. Dem­nach habe Deutschland auf jede Million Verwundeter einen Vorsprung von 420 000 Mann ober 10,5 Armee­korps. Dadurch erkläre sich die Unerschöpslichkeit der deutschen Truppenmassen. Dieses Verhältnis 60 zu 18 könne für Rußlands Schicksal schwere Folgen haben.

Aus den Spuren der Lug-Armee.

Polnische Eindrücke aus dem Sommer 1915.

(Fortsetzung.)

Ein paar Tage später war Brest-Litowsk genommen. Hinter den Truppen, die nachts die Festungswerke ge­stürmt und sich den Eingang in die Stadt erzwungen hatten, drängten vom frühen Morgen an große Ab­teilungen der verbünbeten Heere auf allen Straßen her­bei, Infanterie, Artillerie, Kavallerie, Pionier-Kolon­nen, Trains, ungeduldig dazwischen hin die schnauben­den Autos der höheren Stäbe, alles begierig, in die große Stadt einzuziehen und von der wertvollen Beute Besitz zu ergreifen.

Welche Enttäuschung! Schon von weitem verkün­deten Wolken von Staub und Qualm das Schicksal Der berühmten Festung. Die Bugbrücken waren alle zer­stört, die eisernen gesprengt, die hölzernen verbrannt. Nur laugsam sonnten einzelne Trupps aus Notstegen zur Zitadelle hinüber. Alles andere häufte und ver- knäulte sich auf beide» Seiten der Straße in den Wiesen- ntederungen, das flache Land unabsehbar aubfüUenb mit einem einzigen buntbewegten Kriegslager: Pferde- gruppen, Feldküchen, ausrubeuöe Fußsoldaten, unzählig die weißen Buckel der nebeneinander aufgereihten Plan­wagen.

Wer aber hineingelangte nach Brest-Litowsk, sah zum ersten Male eine große Stadt so tollwütig aus- gerottet wie sonst nur Dörfer. Hunderte von Häusern, aberhunderte von menschlichen Heimstätten, bis in die Fundamente zerpulvert oder zu einem sinnlosen Ge- mäuer verstümmelt, das nichts birgt als Gerümpel und Asche und höchstens ein in der Luft hängendes Treppen­geländer. Dies alles nicht etwa die Wirkung der all­mählich weiternagenden Wut einer langen Belagerung, nein: eine russische Stadt von heut auf morgen ruiniert auf Befehl und durch die Hand der väterlichen Landes- regierung. Etwa ein Viertel war völlig ober doch bruch­stückweise bewohnbar geblieben. Nur in der Zitadelle fanden sich noch größere Vorräte an Mehl und Kon­serven, Waffen und Munition, Kriegs- und Eisenbahn- material, die der wohlvorbereiteten Sprengung entgan­gen waren, durch Zufall gerettet, weil der Feind schlech­terdings keine Zeit aefunben hatte, auch hier fein Zer­störungswerk zu vollenden und alle Minen wringen zu lassen.

Ein Gegenstück zu solchen furchtbar massenhaften Mordbrennereien, glückliche Oasen inmitten der gewalt­sam bewerkstelligten Wüstenei, bilden einzelne polnische Adelshöfe, an denen das Verderben aus irgend einem Grunde rücksichtsvoll vorübergegangen ist. Meist liegen sie in unmittelbarer Nähe eines niedergesprengten und ausgeräncherten Dorfes.

Die älteren Schlösser auf diesen Landsitzen sind in einem naiv gestümperten, aber biederen und würdig ge­meinten Empirestil erbaut, regelmäßig mit der pol- uischen, von vier Säulen getragenen, allzu hohen und schmalen Giebelhalle vor dem Portal. Das äußerlich vornehme, innen sehr einfach ausgestattete Kavalierhaus unb die nahen Ställe und Wirtschaftsgebäude sind alle gleichfalls ein bischen antik überstilisiert. Nach fran- döfifebem Muster ist das Herrenhaus mit Plan und Vor­bedacht so in den Park htneiugesetzt ober der Grundriß des Parks so auf den des Hauses abgestimmt, daß sich auf jeder der vier Seiten dem Blick ein anderes, in sich abgeschlossenes Bild darbietet. Zum Beispiel: Vorn das stattliche, von Wappenfiguren bewachte Tor als Ein­gang in den steifen Ehrenhof, Vorfahrt um ein Rundell, in dessen Mitte eine Statue oder ein Springbrunnen ober ein Teppichbeet. Auf der Rückseite die angenehme Reihenfolge kunstvoller Blumen-, Obst- und Gemüse­gärten, umrahmt und gegeneinander abgegrenzt durch dichte, dunkle Alleen, auf schönen seitlichen Rasengründen Tennisplatz und Reitbahn. Links hinaus die gezähmte Wildnis eines kleinen Gehölzes. Rechts zwischen mäch­tigen Baumreihen die länglichen Spiegel wohlabaestuf- ter Teich- oder Kanalanlagen, und überall erscheinen in den Ausschnitten des Laubwerks fern die Gefilde der ländlichen Wirtschaft und der freien Natur. Gleichsam aus den Fenstern des Parks blickt der Gutsherr über die Weiden, Aecker und Wälder hin, für die er arbeitet, und die ihn ernähren. In der Zurückgezogenheit seiner herrschaftlichen Wohnung schließt er sich gegen das eigent­liche Arbeitsfeld ab, hält es sich vom Leibe, verliert es aber nie aus den Augen.

Ein jüngeres Geschlecht will sich von dem fran­zösischen Schema losmachen. Es bevorzugt die Kultur des englischen Landguts und sucht besonders dessen Wohnbeauemlichketten in allen Punkten zu erreichen.

In der kamMgeyeizten Halle liegen viele Jahrgänge des Country Life umher. Ein Blick verrät uns, wie sorgfältig, aber auch unselbständig Herr und Herrin den bociKiihvictelten englischen Komfort im Poleillande ein- zubüraern bemüht waren. Zwischen heimatlichen und exotischen Jagdtrophäen hängen an den Wänden die bekannten englischert Sport- unb Jagdbilder, danebelt Photographien des Schloßherrn unb seiner Freunde, wie sie geivissermatzeu eine englische Fuchsjagd auf* führen; englisches Kostüm, englische Sitten und Bräuche, in Pole« so fromm und folgsam nachgeahmt wie überall sollst in der ganzen Welt.

Die Bibliothek enthält überwiegend französische No. manc, polnische Dichter und Historiker und englische Prachtwerke, nur wenig deutsche unb noch weniger rus­sische Bücher.

Dilige von Wert und Kostbarkeit sind meistens, be­vor der Eigentümer sich entfernte, in aller Eile lvegge- räumt und versteckt worden. In verschlossenen Hellern, in abseits gelegenen unscheinbaren Pfal-rhäusern finden sich, gesucht oder uugesucht persische Teppiche, Treppen­läufer, chinesische Basen, Koveuhagener, Wiener und Ateißener Porzellan, Tafelgeschirr, Hauswäsche, Tisch- damast.

Die Barbaren, die hier ihr Quartier fauden, habell allmählich heraus, wo sie nachsehen müssen, und fördern das Verborgene mit geübter Schnelligkeit zu Tage. Sie richten sich häuslich ein, so gut es ohne Hausfrau geht. Aber freilich: auch der beste Kommandaul des Haupt­quartiers mit einem Troß wohlgedrillter Burschen er­setzt nicht die Herrin, die das Ressort der inneren Ange- legeuheitett zu leuten versteht. Darin macht sich nana Heilsam die Not der Zeit geltend. Man kommt nicht da­zu, sich wie im Frieden oder im Manöver zu fühlen, auch in üppigen Schlössern nicht. Man führt eben einen Stegreifhaushalt, bei weitem nicht so sauber, so gesund, so ansteckungsfrei wie im geregelten Gang des privaten Betriebes. Was Hüben alle komfortablen Einrich- richtullgeu, wenn der Wind durch nraugelhaft geflickte Fensterscheiben bläst, wenn die überanstrengte Wasser­leitung ewig streikt unb die Beleuchtungs- und Hei- zungsapparate den fremden Technikerli nur rviderwil- lig und nachlässig gehorchen. Aus Schritt und Tritt ge­tröstet man sich: es ist eben Krieg. Luxushalber wer­den die Schlösser auch nicht von den hohen Stäben aus­gesucht. Bei deut monatelangen Wanderleben in der Fremde genießt zwar jeder es dankbar, wenn ihm baö Glück auf einige kurze Wochen in eine halbwegs behag­liche und auhetmelnbe Umgebung versetzt. Mau wür­digt gern die häuslich veranlagten Kameraden, die es verstehen, mit einfachen Mitteln — sei es auch nur durch ein paar Blumen ober durch eine zierliche Form des An- richtens — ben schönen Schein der Wohnlichkeit hervor- zurufen. Aber es sind doch die Geister dritten unb vier­ten Ranges und die Nebenrollen beschäftigter Personen, die anf solche Aeusierlichketten übertrieben viel Wert legen. Wer fennt nicht vom Reisen her diese Art Men­schen: im Hotel und an Bord, überall sind sie darauf erpicht, anspruchsvoller und großartiger zu leben, als sie es zu Hause gewöhnt ivaren.

(Fortsetzung folgt.)

Vermischtes.

Drei Kinder von ihrem Vater ermordet. Eine ent- setzliche Tat ist in der Nähe von Stuttgart verübt wor­den. Der Zimmermann Grob ams Böblingen hat seine drei Kinder im Alter von fünf, sieben und acht Jahren ermordet, indem er ihnen den Hals durchschnitt. Der Vater und die drei Kinder wurden schon seit einiger Zeit vermißt. Vor einer Woche hatte Grob seine Woh­nung in Böblingen verlassen und dabei seiner Frau mit­geteilt, er werde in dem benachbarten Dorfe seine Mut­ter besuchen. Er nahm die Kinder zu dem angeblichen Besuch mit. Als der Vater unb die drei Kinder nicht zurückkehrlett, wurden Nachforschnngerr anaefteflt. und nun wurden die Kinder mit Hilfe eines Polizeihundes bei dem Dorfe Rohr in einem Steinbruch ermordet ans- gefundeu. Von dem Vater der Kinder fehlt jede Spnr. Wahrscheinlich hat er Selbstmord verübt.

Von Bauernfängern gernppt. Ein Landwirt aus der Harzgegend war nach Friedrichsfelde gekommen, um Pferde zu kaufen. Hier sprach ihn ein Mann an, der ivic ein Gutsinspektor aussah. Dieser meinte, daß er in Friedrichsfelde sannt etwas Taugliches finden werde. Er selbst aber habe für den Landwirt eine schöne Ge­legenheit. Sein Brrider in Sangershausen werbe ein* gezogen und wolle deshalb seine Pferde verkaufen. Der Landwirt ging auf den Vorschlag ein und saß bald mit dem „Inspektor" in einer Gastivirtschaft, wo 6er Handel so gut wie abgeschlossen und dann gründlich „begossen" wurde. Zufällig fam noch jemand dazu, und das Eirde war, daß der nicht mehr ganz nüchterne Landwirt im Spiel 3000 Mark verlor, worauf sich die Gauner un­sichtbar machten.

Ueber die Tätigkeit der deutschen Feldzahnärzte be­richtet ein Kriegsberichterstatter: Der Zahnarzt im Fel­de hat eine außerordentliche Bedeutung erlangt. Ur­sprünglich war für jede Kriegslazarettabteilung ein Zahnarzt vorgesehen: meist sind in diesen nun drei tätig. Die Kieferbehandlung wurde früher stark vernach­lässigt. Man verband das Kinn notdürftig und begann mit der eigentlichen Behandlung erst in den Heim- lazaretteu. Unterdessen aber waren die Kiefer manchmal schon schief geheilt, so daß Unter- und Oberkiefer nicht mehr ineinandergriffen und die Kautätigkeit unmöglich machten. Mit Hilfe eirtes neuen Drahtverbandes, den Universitätsprofessor Schröder in Berlin erfunden hat, gelingt es heute, selbst stark zerschossene Unterkiefer leicht und rasch zu schienen, so daß eine vollständige Heilung in richtiger Lage der Zähne die Regel ist. Abgerissene Hieferteile werden durch Hartgummiteile, die sich mit den Knochen verbinden, passend ergänzt. Oberkiefer­schüsse kommen selten zur Behandluug, weil sie meist tödlich verlaufen. Dagegen sind bei der ohnedies hohen Zahl von Kopfschüssen, Unterkieferverletzungen, oft schwe­rer Art, sehr hänfig. Auf Grund der Erfahrungen des russisch-japanischen Krieges hatten daher schon «apanische Aerzte auf die Notwendigkeit hingewiesen, für Kiefer- verleyungen Zahnärzte heranzuziehen, um die durch die schweren Verwundungen entstandenen Ernähruligs- schwierigkeiten zu beseitigen. Neben der Behandlung der Kieferverletzungen, die heute auf einer hohen Stufe der Vollkommenheit steht, wird in den Kriegslazaretlen auch die Zahnpflege von den Zahnärzten in aufopfe­rungsvollster Weise geübt. Verloren gegangene oder gebrochene Gebisse werden Ersetzt, ausgefallene Plomben erneuert: es wird alles getan, um die Zähne zu erhalten.

Weitere Drahtnachrichten«

Die Serben stellen sich zur Entscheidung?

Petersburg, 15. Noveniber. (WTB.) „Birshe- wija Wjedomosti meldet: Die Serben beabsichtigen aus der Front Prizrend-Hostivac-Babuna eine entscheidende Schlacht zu liefern. Die Lage der Serben sei gefährlich, da sich im Rücken der serbischen Armee nur Berge ohne Straßen befänden. Die einzige Hoffnung sei eine aus- aieüiaL Verstärkung durch die Kräfte bej Alliierten.