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Botschafter beauftragt, so schnell wie möglich Erkundi- gungen über den Untergang des DampfersAnevna" einznziehen llud nach Neuyork zu kabeln. Ob dieser Vorfall zu einem diplomatischen Zwischemall zwischen Oesterreich und Amerika führen wird, wird von den näheren Umständen abhängen.

Bericht des türkischen Hauptquartiers.

r Konstantinopel, 11. November. (WTB.) Das Haupt­quartier teilt mit: An der Dardanellenfront hält in drei Abschnitten die gegenseitige Beschießung an. Bet Ana- forta kam es in der Nacht zum 10. November zu einem Zusammenstoß zwischen gegnerischen Patrouillen. Die Unseren brachten den feindlichen Patrouillen Verluste bei unb zwangen sie, in ihre Stellungen zu fliehen. Bei Art Burnu brächte unsere Artillerie die an der Mündung des Korkudere aufgestellte feindliche Artillerie zum Schweigen. Bei Sed ül Bahr vernichtete eine Mine, die der Feind auf dem linken Flügel springen ließ, durch Rückschlag einen Teil seiner eigenen Truppen und Schützengräben. Unsere Artillerie verjagte zwei feind­liche Monitore, die das Feuer gegen die Küste von Saros eröffnet hatten. An der Kaukasusfront nichts Wichtiges,- nur Patrouillenkämpfe. An den anderen Fronten keine Aenderung.

Die Unterstützung der Kriegersamilien.

Auf Einladung des Staatssekretärs des Innern fand am Donnerstag vormittag im Reichstagsgebäude eine Besprechung über die Handhabung des Gesetzes be­treffend die Unterstützung von Familien in den Dienst eingetretener Mannschaften vom 28. Februar 1888,4. Au- gust 1914 zwischen den Vertretern der Reichsbehörde und der sämtlichen Bundesregierungen statt. An diese Be­sprechung schloß sich nachmittags eine weitere Verhand­lung an, zu der außerdem der Deutsche Städtetag, der Reichsverband deutscher Städte, der Verband der größe- ren Landgemeinden, der Kriegsausschuß der deutschen Industrie, der Bund der Landwirte sowie die Körper­schaften aller Richtungen Einladungen erhalten hatten. Nach Begrüßung der Erschienenen teilte Ministeriadirek- tor Lewald als Vorsitzender mit, daß in Aussicht genom­men sei, unter Fortfall der bisherigen Beschränkungen die Familie »Unterstützung in Zukunft auch ben Angehörigen aller aktiven Mannschaften zu gewähren. Die eingehen- ben Mitteilungen, die über die Durchführung des Ge­setzes in zahlreichen Städten und ländlichen Lieferungs- verbänöen von den hierbei tätigen Herren gemacht wur­den, führten zu einem Austausch von Erfahrungen, der, wie zu hoffen ist, mit zu dem Ziel bettragen wird, etwa noch bestehende Mängel und Ungleichheiten sinn Wohle unserer Kriegersamilien zu beheben.

Lriessallerlel.

% Neue Bestimmungen über das Inkrafttreten

" der Höchstpreise.

Der Bundesrat hat in seiner Sitzung vom 11. No­vember beschlossen daß Verträge über Lieferung von Butter, Kartoffeln, Fischen, Wild, Milch, Buchweizen und Hirse und deren Verarbeitungen, Obstmus und son­stige Fettersatzstoffe zum Brotaufstrich, Obst, Gemme, Zwiebeln und Sauerkraut, die zu höheren Preisen als dem auf Grund der betreffenden BrmdesratSverordun»- gen festgesetzten Höchstpreise abgeschlossen sind, mit dem Inkrafttreten der Höchstpreise als zum Höchstpreise ab­geschlossen gelten, soweit die.Lieferung zu d lerem Zeit­punkte noch nicht erfolgt ist. Ist der Höchstpreis vor dem 12. November ö. J. festgesetzt, so tritt er insoweit an die Stelle der Vertragspreise, als die Lieferung vor der» Inkrafttreten der Verordnung noch nicht erfolgt ist. Streitigkeiten zwischen den Vertragsparteien entscheide das Schiedsgericht. Bei einem Lieferungsvertrage über die obengenannten Gegenstände, der vor dem 12. No­vember d. J. abgeschlossen ist und für den ein Höchstpreis nicht besteht, steht die Befugnis zur Anrufung des Schiedsgerichts dem Käufer zu, wenn er behauptet, daß ihm mit Rücksicht auf die veränderten wirtschaftlichen Verhältnisse die Erfüllung des Vertrages zu den ver­einbarten Bedingungen nicht zugemntet werden kann. Hierin ist jedoch die Anrufung des Schiedsgerichts aus­geschlossen, soweit Lieferung vor dem Inkrafttreten die­ser Verordnung erfolgt ist. Bei Verträgen über Liefe­rung von Milch und Butter hat auch der Verkäufer das gleiche Recht, was bei den anderen Gegenständen nur dem Käufer zusteht.

Zur Regelung der Fleischpreise.

Die preußische Ausführungsanweisung zur Verord­nung über die Regelung der Preise für Schlachtvieh und für Schweinefleisch ist den Behörden zugegangen. Sie enthält u. a. die wichtige Bestimmung, daß die Ge­meinden fortan verpflichtet sind, Höchstpreise für Fleisch und Fleischwaren festzusetzen. Auch bei verschiedenen Preisen für die einzelnen Fleischsorten darf der Preis für keine Sorte die vorgeschriebenen Preisgrenzen über­schreiten. Die Preise für zubereitetes Fleisch (gepökeltes und geräuchertes Schweinefleisch), für gesalzenen und geräncherten Speck, für ausgelassenes Schweinefett und für Wurstwaren sind im Verhältnis zur Preisgrenze für frisches Schweinefleisch und rohes Schweinefett fest­zusetzen.

Die Kanadier wollen nach Berlin!

DieDeutsche Kriegszeitung" berichtet aus Rotter­dam: Der kanadische Munitionsminister Hughes er­klärte öffentlich, daß er die kanadischen Truppen per­sönlich befehligen werde, wenn dasgroße Zurücktreiben der Deutschen an der Westfront" beginne. Ich beabsich­tige, mich unseren kanadischen Jungen anzufchlietzen, sagte der General, und sie beim Endmarsch nach Berlin, der im März beginnen wird, selbst zu führen.

Der lebenslnstige Sterbende.

Die serbische Gesandtschaft in Paris erklärt, daß der Wojewode Putnik die Unternehmungen des lerbischen Heeres fortgesetzt selbst leitet. Die von den Deuftchen in Kraljevo erbeuteten Geschütze haben keinen militä­rischen Wert. Serbien denkt nicht an Frieden und wird vor dem Siege der Alliierten nicht daran denken, sondern bis zum letzten Atemzüge kämpfen.

Aus den Spuren der Lug-Armee.

Polnische Eindrücke aus dem Sommer 1915.

Das erste Kriegsjahr war fast herum. Wieder war es Sommer, wie damals in den Tagen der Mobil­machung. Die Luft war voll von Erinnerungen an den Anfang des Feldzuges. Aus Galizien wälzten sich end­lose Kolonnen nordwärts nach Polen hinein. Das alte Bild: die knirschenden Straßen überlastet mit marschre- rettben Truppen, mit rüstig vorwärtsrollender Artille­rie, mit Karawanen von Trains. In tausendmaliger Wiederholung derselben Eilcheiten vertiefte sich der Em- «tick der gegliedert zusammenhängenden Gesamtmasse

und ließ den Begriff oes Overrommanoos nver eine ganze Armee ins Märchenhafte wachsen. Planwagen hinter Planwagen, kilometerweise, eine nie abreißende Kette.

Je größer der Abstand des Betrachters, desto wuch­tiger prägt sich der allgemeine Borwärtsdrang ein, die gleiche Richtung, die gleiche Bewegung. Man erleM das Epos der reisigen Heerfahrt. Gewahren wir einen Unter­schied gegen früher? Können wir bemerken, ob die neuen Jahrgänge den älteren ebenbürtig, ob die Pferde in derselben guten Verfassung sind wie ehemals? Alles in allem, wenn auch in frischer Rollenbesetzung, genau dasselbe Stück, das sich gleich in den ersten Ta­gen des Feldzuges so unvergeßlich vor unseren auf­geregten und darum doppelt empfänglichen Sinnen ab­gespielt hat: eine Vielheit von Typen, durch deu großen, gemeinsamen Zweck auch innerlich uniformiert Wie aus bestimmten Störungen des seelischen Gleichgewichts im­mer wieder dieselben oder ähnliche Vorstellungen ge- Boren werden, so treibt auch der Krieg immer wieder dieselben Blüten des Denkens und Empfindens,- die­selben Lieder, dieselben Scherzworte, Kernsprüche, Schimpfnamen, höchstens abgewandelt nach Heimat und Provinz.

Zwar: dem Liebhaber des Scfonöeren verblassen die bezeichnenden Trennungslinien niemals ganz. Er­sieht nicht alles feldgrau in feldgrau. Durch die Uniform hindurch erkennt er ben Landmann, den Handwerker, den städtischen Arbeiter, den schmächtigen Kriegsfrei­willigen, den behäbigen Landstürmer, den Lehrer, Schü­ler, Studenten, Handlungsgehilfen, Berufssoldaten.

Beneiden unsere östlichen Krieger ihre Kameraden im Westen? Um den Stillstand der Kriegshandlung gewiß nicht: vielleicht mitunter um ihre Feldzcitnngen nnö ihren Gesangverein und um die Möglichkeit, Blu­menbeete anzulegen und jedem hervorsprießendem Keim ein Schild mit bem lateinischen Namen um den Hals zu hängen. Denn unsere lieben Deutschen sind immer noch vom Stamme des alten Jean Paul.

Bor ihnen breitet sich ein neues Land. Weitere Ebenen, flachere Geländewellen als in Galizien. Rechts und links unabsehbare Felder, Wiesen, Moore. Hie und da Windmühlen, lange nicht gesehene. Waldbe- stände, wie man sie in Deutschland nicht gewohnt ist: durcheinander gemischt Kiefern, Eichen und Birken, auch Pappeln und Esche», we»ig durchforstet, niedriges Holz. Die fliehenden Russen haben Wald und Feld zu ver­sengen getrachtet, aber meistens nur kleine Streifen und Inseln vernichtet: da stehen die Laubbäume mitten im Juli kahl wie im Frühjahr und die Nadelbäutne rot und braun wie Buchen im Winter. Alle paar Kilometer ferben sich Schützengräben und Unterstände in die Land­schaft unb durchschneiden Acker und Forst, Hügel und Täler, meisterhaft angelegt, listig verdeckt, teilweise un­berührt und «»verteidigt im Stich gelassen. Abseits des Weges viele, viele Soldatengräber, einzeln oder zu Friedhöfen vereinigt. Die Russen bestatten ihre Toten mit Andacht. Doppelarmige griechische Kreuze verraten ihre Begräbnisstätten. Manchmal erhebt sich ein Gol­gatha von zahlreichen dreimannshvhen Kreuzen, ein fremdartiger Anblick. Doch nicht immer sandelt sie auf ihren eiligen Rückzügen Zeit dazu. Manchmal verkiw- bot ein scharfer Verwesttilgsgeruch, daß Tote nnbestattet liegen bleiben mußten. Ata» stößt bann, allerdings mir ganz selten, auf schwarze, gedunsene Leichen, von Millio­nen krabbalnder Tiere so gräßlich angenagt und ent­stellt, daß alles Persönliche verwischt und das Menschen- tum so gut wie ausgetilgt ist.

Der Vormarsch bewegt sich meilenweit auf sonder­baren Strassen. Sind das noch Straßen? Kein Unter­bau. Einschnitte in den bald sandigen, bald lehmigen, bald moorigen Boden. Bei trotfenem Wetter abwechselnd wüstenhaft staubig, steinhart und sanft nachgiebig, bet Regen durchweg unzuverlässig, tückisch, gefahrdrohend. Die Last des ununterbrochenen Kolonnenverkehrs rettet sich links und rechts immer weiter in die Ränder des Feldes hinein, schneidet immer neuen Spurbreiten davon ab, so daß sich Fahrbahnen von 50 bis 100 Meter Breite bilden, die nur bei Straßenbrücken und Furten sich not- gedrungen verengern. Alle Brücken, auch die von den Russen verschont gebliebenen, müssen dauernd erneuert und gestützt werden, bemt auf solche Zumutungen waren sie niemals berechnet. Die Kraftwagen, flinke Personen­autos und gigantische Lastsuhren, brausen und taumeln über Ackerfurchen und tiefeingedrückte Gleise, über lose Bretterstege, klappernde Knüppeldämme, durch teichähn- liche Pfützen nnb Gruben tollkühn dahin, von Zeit zu Zeit heillos versinkend, bis ein Vorspann von etlichen Pferden und die Kraft einer nachschiebenden Truppe sie endlich wieder flottmacht.

Den Weg säumt eine betrübende Strecke verenbeter Pferde. Noch andere Kadaver verpesten die Luft und (otfen die gierigen Kräkenschwärme herbei. Die Russen haben allem Vieh, das sie nicht schnell genug mit weg­treiben ober verzehren konnten, den Garaus gemacht und es auf ober neben der Straße liegen gelassen: Rinder, Schweine, Schafe, mutwillig niedergeknallt oder abgesto- chen, um dem Verfolger einen Tort anzutun, dem keine Beute in die Hand fallen soll außer Asche und Aas.

Fern von der Heerstraße mögen unangetastete Dörfer liegen, heile, normale menschliche Siedelungen. Man befommt sie nicht zu sehen. Wo die Russen vor uns ge­wesen, schreiten wir über Scherben und Trümmer. Lang­gestreckte Dörfer von vorn bis hinten nichts als öde Zeilen von Feuerstellen und Schornsteinen.

Nur die Kirchen haben sich einigen Respekt verschafft. Sofern sie nicht von Geschossen durchlöchert und abgedeckt ivnrben, stehen sie noch sauber und überirdisch da mit ihren weißen oder rosafarbenen Holzwänden, den knall- blauen ober kirschroten Kuppeln und den blanken Ver­goldungen. Nicht Bauern-, sondern Priesterkunst färbte diese wertlosen Gotteshäuser so betörend süß und hell, daß sie auf Meilen hinaus unter den armselig braunen Hütten wie ein Märchenzauber hervorschimmern. Ein Zauber für Kinder: inmitten der Verwüstung pran­gen sie wie Konditorware.

Alles andere ist in Flammen ausgegangen ober in sich zusammengesunken. Von dem zerfallenen Giebel eines stattlichen Landhauses grüßen noch die Worte: Proeul negotiis". ~

Aus dem allgemeinen Schutt ragen einzelne Gerate und Möbel hervor: verbogene Bettstellen, zusammen­geknickte Nähmaschinen, halbgeschmolzene Pfannen und Töpfe. Zuweilen kann man sich aus dem Muster der guten Kachelöfen, aus der Zeichnung der berußten Ta­peten ober der fchwarzüberrauchten Wandmalerei noch eine Art Vorstellung des einstmaligen Zustandes machen. Hier und da sind kleine Ecken und Winkel munberbar erhalten geblieben und haben das rings wütende Ver­derben harmlos überlebt: Stückchen Anes. Bftrmengar- tens, eine Blattlaube, darin ein Tisch mit Decke und Kaffeegeschirr. So frisch und neu bte Verichüttung noch ist, man träumt von Pompeji und belebt sich den offen­baren Tod und bevölkert die Einsamkeit der Wallstatt mit friedlichem Dasein.

Auf einem geborstenen Schornstein steyt ein entfiel Storch, der denkt sich sein Teil zu dem unbegreiflichen Treiben der Menschen,- schließlich gibt er sich einen Ruch fvannt entschlossen seinen Fallschirm aus, läßt sich nieder nt den vertrauten Wasser-tümpel und vergißt den Tu» nullt der wildgeworöeneu Völker bei seinen genieß ba­reren Fröschen. Durch das Labyrinth einer ein» gestürzten Scheune hinkt ein großer schivarzer Kater, zerzaust, beschädigt, schon halbtot vor Hunger, bösar­tig wie ein angeswosiener Panther. Die unkenlitlicheu Gassen entlang traben 9htbel wildernder Hunde, schnup­per» an Unrat und Leicheir, ruhelos lungernb, jeden Tag dreister, bis man sie abschietzen muß.

Nur wenige fVlemcben halten es auf dieser gott» verlassenen Bühne des Elends aus. Atanchmal schrei­te» ein paar dünne, langröctige Juden zwischen den htliffenhaften Ruinen des eingeschnnnpften Marktplat­zes dahin, ihr Bündel Siebenfachen auf der Schulter, gleich Ahasverus. Ihre Familien leben noch eine zeit» lang von dem, was sich unter dem Kehricht des Bran­des und aus ben zerstampften Feldern zufammeu- scharren läßt. Sie kochen und backen auf einem der frei auf der Straße stehenden Kochöfen und bieten ihre kümmerliche Ware auf einer bretternen Auslage feil, eilt letzter Versuch, durch neuen Handel ihr Leben zu fristen. Bei den Frauen, gleichviel welcher Nationali­tät, will es immer so scheinen, als hätten sie aus bey grenzenlosen Verheerung gerade ihre besten und bunte­sten Gewänder gerettet. Von weitem leuchten die Far­ben so lustig, wie wenn gar nichts geschehen wäre. Kommt man nah an ihnen vorbei, dann sieht man frei­lich, wie wenig die Aernstten am Leibe tragen.

Mehr als einmal stehen wir betroffen vor dem rüh­renden Bilde einer Rast auf der Flucht nach Aegypten. Eine kleine Familie ist sie alleine bagebltcben, als alles wegzvg, ober schon wieder heimgekehrt, weil es draußen auch nirgends besser ist? In dem Garten eines geplünderten Bauernhofes haben sie sich aus ver­kohlten Latten eine Art Stall zusammettgefügt, barht hausen sie dürftiger als die Zigeuner. An einen Strauch haben sie ihre Kuh gebunden, im zerrauften Gemüse wei­det ein (Ml- Die Mutter hockt da, den Säugling an der Brust. Vater unb Sohn stochern in einen glimmenden Asche »Hause» und wärmen eine Handvoll Kartoffeln, genügsame Schatzgräber.

(Fortsetzung folgt.)

Vermischtes.

Falscher Siegesjubel in Berlin. Donnerstag vor­mittag hielt die gegenwärtig tagende Generallynvde einen feierlichen Gottesdienst im Dom ab, und aus bfe» sein Anlaß ließen die Glocken ihre ehernen Stimmen über Berlin dahintönen. Flugs waren wieder die wil» besten Kriegs- und Siegesgerüchte in der Bevölkerung im Umlauf, die sich bald zu der91 acht lebt" verdichteten, daß die serbische Armee kilpttuliert habe. Sogar Fahnen unb Flagge» erschienen in vielen Straßen. Daß die Redaktioneit wiederum mit telephonischen Anfrage,c be­stürmt wurden, versteht sich von selbst. Sie sonnten immer nur die eine Auskunft geben: Es geht unseren Truppe» ausgezeichnet in Serbien, aber der Feind ist dort nicht nicht am Ende seines Widerstandes augelaugt,- es wird weitergekämpft. Auch in die Provinz hatte das Gerücht seinen W^eg gefunden.

Einen entsetzlichen Selbstmord hat wegen eines un­heilbaren Reibens der Gutsbesitzer Matschet in Wetznig in Sachsen verübt. Er band sich eine Dynamitpatrone an den Unterleib und brächte sie zur Explosion, wodurch er buchstäblich in Stücke gerissen wurde.

Krieg und evangelischer Pfarrerstand. Ueber die Be- teilignng der evangelischen Geistlichen am Kriege und in der Feldseelsorge hat der Evangelische Oberkirchenrat eine neue ^lufstettnng ausarbeiten lassen, bte den Stand vom 1. September b. J. wiedergibt. Danach befanden ober befinden sich aus der preußischen Landeskirche 519 Pfarrer und 307 Hilfsprediger, Kandidaten und Vikare im Heeresdienste. Davon haben 375 als Feld-, Garui- son- und Lazarettprediger Verwendlnig gefundeii. 100 im Sanitätsdienste, 842 im Dienste mit der Waffe.

Stiftuttgen des Turnvaters Dr. Goetz. Der ver­storbene Vorsitzende der Deutschen Turnerschaft Geh. SanitätSrat Dr. Ferd. Goetz vermachte der Ferd.-Gvetz- Stiftung zur Errichtung neuer Turustütten, bem Lin- denauer Männerturnverein und dem Kreisverband Het- matbanf je 1000 Mark.

Vier Milliarden Feldpostbriefe in einem Jahr. Ungefähr 4 Milliarden Briefe hat die deutsche Feldpost bis Ende" Juli im ersten Jahre ihres Bestehens beför­dert. Nach einer Mitteilung aus amtlicher Quelle sind nach der Front aus dem Deutschen Reich durch die hei­mischen Feldpostsammelstellen vom August 1011 bis Ende Juli 1915 rund 2,4 Milliarden Feldpostbriefe ge­schickt worden. Im Felde wurden etwa 1,6 Milliarden ausgegebe». Die Zahl der Postfammelstelleu in der Heimat beträgt jetzt 28. Ihr Personal betrug Mitte August 1914 3100 Köpfe, jetzt 13 000 bis 14 000. Täglich gehen jetzt etwa 45 000 Feldpostbriefsäcke ins Feld. Die Post befördert jeden Tag Millionen Kilogramm Briefpost.

DerTag der Toten" in Frankreich. Der Aller­seelentag, der auch in Frankreich seit vielen Jahrhun­derten als das Weihefest der Toten des Jahres gilt, hat diesmal besonders reiche Trauerversammlungen auf den Friedhöfen gesehen. Auf alle Gräber an der Front und hinter der Front waren Blumen gelegt und in Paris fanden Wallfahrten zu den geschmückten letz­ten Ruhestätte» statt. Auf den Gräbern der im Kriege Gefallene» ist nach einem neuen Gesetz jetzt überall bte Inschrift angebracht:Gestorben für Frankreich". Außerdem zeigten in Paris auf den großen Kirchhöfen alle Gräber der Gefallenen besondere Zeichen in Ge- üalt von kleinen Fähnchen in den Nationalfarben. Auch von den Soldaten selbst wurde der Tag der Toten, wie wir den Schilderungen französischer Blätter entnehmen, in Gedanken an die dahingegangenen Kameraden ge­feiert. Die Gräber zeigten nicht nur Blumenschmuck, sondern man legte auch irgendwelche Gaben auf den Erdhügel, wie Granatsplitter, Kugeln ober bunte Steine. Ueber die in den einzelnen Gräbern Ruhenden werben genaue Listen geführt, von denen eine der Befehlshaber des in der Nähe des Soldatenfriedhofes liegenden Korps hat, während die andere im Hauptquartier auf» bewahrt wird. Es soll dadurch nach dem Kriege den An­gehörigen jedes Gefallenen die Möglichkeit gegeben werden, die letzte Ruhestätte ihres teuren Toten aufzu- suchen.

Fettlose Tage.

Drautz' im Reich die gute Mutter Frau Germania jetzt spricht:

Kinder, knapp sind Fett und Butter, Einschränkung ist deshalb Pflicht!" Und mit willigen Gebärden Leisten alle gern Verzicht.

Alle dürfen dünner werden, Nur diedicke Berta" nicht!

.(Ktkirtki.)^