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Set Metz her Illusionen."

Nächstens zählen die Ententemächte die Gründe, aus denen sie nicht siegen, an den Knöpfen ab. Jede der vier Mächte hat ihr bestimmtes System der Grundsucherei und hat dabei natürlich das Bestreben, als Hauptschuldige jedesmal die andern hiuzusielleu. Recht beliebt war in der letzten Zeit die mangelnde Einigkeit als Fehlergrund geworden, und Vorschläge von einem ge­meinsamen Etttentegeneralstab sollten dem abhelsen. Dock) konnten die Machte auch über diese neue Einigkeit nicht einig werden, wie es ja auch nicht gelang, eine ge­meinsame Kriegskasse zu gründen. England lehnte ab und meinte, mit ungefähr 20 Milliarden habe es finan­ziell für die drei Bundesbrüder genug getan. Nun kommt aber die römischeJdea Nazionale" und behauptet, daß der Grund des Mißerfolges der Entente ganz wo anders zu suchen sei, als in dem Mangel an Einigkeit. Sie macht, im 15. Kriegs­monat, die überraschende Entdeckung, daß es der En­tente vielmehr an Willenskraft mangele, an Energie und heiliger Begeisterung. In der Entente zähle man immer nur auf die Kräfte ariderer, anstatt aus die eigene. So habe man sich auch der Illusion hingegeben, Deutschland könne zwar nicht durch Ententeheere überwunden wer­den, wohl aber durch wirtschaftliche Aushungerung. Als diese nicht gekommen sei, habe man gehofft, Deutschlands Menschen- und Kriegsmaterial wurden bald erschöpft sein. Alle diese Illusionen seien nur möglich gewesen, weil man den Sieg der Entente niemals von den eige­nen Kräften erwartet habe. Dieser Mangel an Energie und klarer Auffassung hätte sich besonders in gewissen parlamentarischen Ländern, vor allem England, einge­stellt. Monatelang habe Asquith gesagt:Wartet ab, und ihr werdet sehen!" Niemals habe ein Mann der Regierung mit liebenswürdigerem Skeptizismus den verrückten Grundsatz ausgestellt, daß die Ereignisse ab­gewartet werden sollen, statt sie selber zu lenken. Man habe abgewartet, und nun sehe man die Bescherung. Jede Nation der Entente müsse für sich selbst an Besse­rung denken. Eines aber sei vor allem nötig: Der Geist des Parlamentarismus müsse in allen Ländern der En­tente durch den nationalen Geist ersetzt werden, und die Männer des Parlaments müßten Männern der Nation Platz machen.

Es ist sicher anzunehmen, daß dieJdea Nazionale" mit diesen Jeremiaden nicht ganz an der Stimmung vorbeitrifft, die jetzt in Italien herrscht. Italien fühlt, es ist in einenKrieg der Illusion" hineingesetzt, von denen eine nach der anderen zerflattert. Wenn das Blatt allerdings tut, als habe es einen neuen Grund für die Ententemißerfolge gefnnben, so irrt es sich. Schließlich sagt es auch nichts anderes, als was die anderen sagen, daß es nämlich bei der Entente nicht vorwärts geht, weil jeder der vier am liebsten, nach englischem Vorbild, sein eigenes Schäfchen ins Trockene brächte und die Entente innerlich zum Teufel wünscht. Wenn sie mit Anstand von einander abrücken könnten, tätenS- die Einkreisungs- Mächte heute lieber als morgen. Interessant ist aber in der Auslassung des italienischen Blattes der Ruf nach dem starken Mann und die Verdammung des Parlamen­tarismus. Zogen die Ententemächte doch aus, um den freiheitlichen Parlamentarismus gegen den reaktionären preußischen Militarismus mit Rußland im Bunde zu verteidigen. Jetzt rufen sie alle längst das als Helser in der Not an, was sie zerstören wollten. Ihr Kriegs- grund hat seine Hohlheit längst vor der Welt enthüllen müssen, und die Zeit rückt immer näher, da auch die letzte der Illusionen zerplatzt, die die Entente an den Sieg glauben ließ.

General d'Amade gab kürzlich zu, der Angriff auf die Dardanellen sei einWahnsinn" gewesen, in den Frankreich nur das egoistische Drängen Englands ge­hetzt sei, unb im englischen Oberhause mußte Lord Lans- down zugeben, daß sich die Serben kaum mehr lange halten könnten, und die englisch-französische Hilfe wohl zu spät kommen werbe. Wenn sie überhaupt kommt: denn größere Massen von Saloniki nach Norden zu sen­den, ist für die Ententeleute mit recht unbehaglichen Ge­fühlen verbunden Griechenland, auch eine zerplatzte Entente-Illusion, ist immerhin kein angenehmer Rücken- wächter, und aus Rumänien mehren sich die Stimmen, die nicht angenehm in die Ohren der Entente klingen. So ist sicher als der wahrhafte Grund für die Fehlschlüge

4 ^e8 yMkEstaMes änzufe^ daß reiner von wn mehr i so recht an einen guten Ausgang glaubt und für sich zu­rückhalten möchte, was er nur eben kann, um nicht ganz wehrlos am letzten Ende dazustehen. Daß England jetzt bereit ist, mehr zu tun, als zu Anfang, hat seinen Grund darin, daß es jetzt recht eigentlich um englisches Inter­esse geht aber das werden die anderen Verbündeten ebenso gut wissen, wie die Engländer. Daher die Zu- rückhaltung der Italiener, daher die stolze Sprache der römischen Presse an die Adresse der Engländer. Die Zeit der Illusionen ist vorbei! N. K.

Aeberraschungen im Stiege.

Die Lebenserfahrung lehrt, daß angenehme Ueber- raschungen zu den Seltenheiten zählen. Im Kriege ist es nicht anders, aber dem Feinde Ueberraschungen zu be­reiten, wird zu den Vorbedingungen des Erfolges ge­hören. Nun möchte man annehmen, daß bei den um­fassenden Mitteln der Erkundung, von dem feinmaschigen Spionagesystem bis zu dem Argusange des Fliegers, eine Ueberraschung nicht zustande kommen kann, indessen liegt doch zwischen den gemeldeten Tatsachen und der Be­urteilung ihrer Bedeutung für die Kriegslage ein weites Feld der Möglichkeiten, aus denen Ueberraschungen entstehen können. Der Genius des Feldherrn wirb sich diese Aussicht nicht entgehen lassen und schon in der Ver­anlagung seiner Maßnahmen dem Moment der Ueber- raschungsmöglichkeit eine besondere Berücksichtign^ zuwenden. Das Sichvorbereiten eines Unternehmens in Ungarn auf dem linken Save- und Donau-Ufer muß den Entente-Mächten schon Wochen vorher bekannt ge­worden sein, während bei uns im Lande der Schleier des Geheimnisses die dortigen Vorgänge deckte, und man in ben Zeitungen über die Mackensensche Armee in den Sümpfen von Minsk und Pinsk lesen konnte, als dieser glückliche Heerführer bereits für Serbien abberufen war.

Hat diese Kenntnis nun Serbien dagegen geschützt, daß die Ueberschreitung der Wassergrenze im Norden als Ueberraschung wirkte? Gerechterweise wird man zugeben, daß sie nach der Veranlagung so wirken mußte, wenn nicht die serbischen Verbündeten beizeiten berrttcht- liche Kräfte zur Hilfe stellten. Unangenehme Ueber- raichungen aus dem politischen Felde haben die Entente­mächte getroffen und ihnen sozusagen die Waffen aus der Hand geschlagen, die zum Hilfsdienst für Serbien aus­ersehen waren. Griechenland lehnt ab, und Rumänien zeigt kein Entgegenkommen. Freilich hätten diese beiden Staaten wenn sie sich nicht für das wahre Interesse ihrer Länder zurechtgefunden hätten wohl den West- mächten einen kräftigen Vorspann leisten können. Nach einem Artikel des Generalleutnants z. D. Baron v. Ar- denne hat das griechische Heer eine Stärke von 18 Feld- divisionen, die im ganzen aus 54 Infanterie-Regimen­tern, 12 Jägerbataillonen, 72 Feld- und 72 Gebirgs- und 12 Haubitz-Batterien bestehen. Die Gesamtzifferbeträgt 350 000 Mann, Ersatz- und Besatzungstruppen nicht ae- rechnet. Rumänien stellt im Kriegsfall 56 Armeekorps auf, deren Gliederung sich nach dem deutschen Muster vollzieht, in einer Stärke von 300 000 Mann. Zwanzig Jahresklassen der Landwehr und Reserve würden un­schwer 500 000 weitere Kombattanten stellen. Außerdem sind noch 40 Miliz- und Ersatz-Bataillone sowie Land- sturmformationen in Rechnungd zu ziehen. Endlich hat das neue Wehrgesetz die Gesamtdienstzeit um 2 Jahre verlängert und damit die Heeresstärke um 100 000 Mann erhöht. Das rumänische Heer muß bcmuach mit Recht als ein beachtenswerter Machtfaktor eingeschätzt werden.

Während der Zeit der diplomatischen Bemühungen der feindlichen Kabinette sind die Mittelmächte fämpfeub Schritt vor Schritt nach Süden vorwärts marschiert und haben dabei die Hauptkräfte der Serben auf sich gezo­gen, deren Gesamtstärke bei Ausbruch der jetzigen Kriegs­episode auf ca. 280 000 Mann unb 200 000 Mann Ersatz­truppen angegeben wird. Dieses Vorgehen der Armeen v. Koeveß und v. Gallwitz brächte den Serben rechts und links die Neberraschung im östlichen Donauwinkel und das erfolgreiche Vorgehen bei Belgrad. Daß gegen­über dem planmäßigen Einbruch der 3 bulgarischen Ar­meen von Osten her das Eingreifen des englisch-fran­zösischen Hilfskorps ausblieb, ist gewiß eine sehr folgen­reiche und traurige UebciTafchuug für die serbische Re- gieruug. Besiegelt wird diese durch die Antwort Lord

Lausstownes nn Oberhäute, oaß m scrtonm stur eine kleine Truppenmacht sei die Zeitungen schrieben von ca. 80 000 Mann" aber es sei eine große Macht aufge- stellt, die inSüdosteuropa anftreten solle, um den Vor­marsch der Mittelmächte durch Bulgarien nach der Tür­kei zu durchkreuzen. Es scheint, daß die in Lord Cromers Brief geschilderte Gefahr für Aegypten diese Entschlie­ßung diktiert hat. Danach würde also von den West­mächten und ihren Genossen eine groß angelegte Bal- faneypebition mit Truppenlandungen in Saloniki und Kavala bevorstehen. Wenn man die wohlgerüstete Bulgarenarmee, welche dann gewiß mit Serbien fer­tig ist, mit den vorgerücften Truppen der Mittelmächte und der türfifchen Streitkräfte bei Adrianopel ansieht, so wird man dieser überraschenden Wendung zur Aus- sührung des bekannten Planes, den Sieg durch Ver­längerung des Krieges zu erreichen, kein günstiges Prognostikon stellen können.

Johannes K r e ß, Oberstleutnant a. D.

WojwoSe Putnik.

Was jetzt in Serbien vor sich geht, das muß selbst den Oberflächlichsten mit dem Gefühl durchdrungen, das in der Geschichte eine Nemesis waltet. In tragischer Weise bekundet sie sich an der Gestalt des bisherigen Oberbefehlshabers des serbischen Heeres, an dem Woj- woben Putnik, der nach den letzten Meldungen jetzt aus seiner Stellung geschieden ist. In Putniks Namen und Gestalt haben sich gleichsam die ganze Hoffnung des serbischen Volkes verkörpert. Er war ihnen der Mann, der aus einem Serbien von 2% Millionen Einwohner ein 12 Millionen Menschen umfassendes Großserbien machen sollte.Wenn er nur nicht stirbt! Er hat nicht das Recht, vor dem schließlichen 2riumphc zu sterben!" so hat im Laufe dieses Krieges ein Berichterstatter die serbischen Offiziere sprechen hören, wenn sie von Putnik redeten.Wenn er nur nicht stirbt . . . ." Der Mann, der die serbischen Streitkräfte befehligte und lenkte, war nämlich ein schon lange durch Krankheit gebrochener, hin­fälliger Greis, Und trotzdem hat Putnik dank seiner Willenskraft vier Kriege hintereinander durchzuhalten vermocht, die für diesen alten Mann nur einen einzigen Krieg darstellten. Nacheinander hat er gegen die Türken, die Bulgaren, die Aibanier und zuletzt gegen die Oester- reicher gefochten: unb wenn man ihm sicherlich nicht ge­wöhnliche Gaben und Erfolge zusprechen muß, so darf auch nicht verschwiegen werden, daß für Putnik der Zwect die Mittel geheiligt und daß er kein Bedenken getragen hat, die Ausmordung ganzer albanischer Wvlmpläm anzuordnen, um die Frage der ethnographischen Zugehö­rigkeit auf diese Weise kurzerhand zu entscheiden. Als der Weltkrieg begann, schienen Putniks Lebenstage ge­zählt. Nur der Großmut der Oesterreicher verdankte es der damals auf österreichischen Gebiete Heilung suchenoc Greis, daß er zum serbischen Heere burchfonttte. In Kragujevac hat er dann sein Hauptquartier aufgeschlagen in einem dürftigen, weißgetünchten Bauernhause, dessen ganzer Hausrat aus einem Tische, ein paar Stühlen uni einem Fernsprecher bestand. Und dazu aus einem Bette das mt Kissen überbaust war. Denn der Alte sonnte kaum mehr sitzen. Auf dem Ruhebette lag er, vor Schmerzen gekrümmt, während er den Feldzug leitete Nur selten empfing er einen Besucher, unb dann sonnst man, wenn er ihm entgegenkanss sehen, daß fein Gaue unsicher, seine Bewegungen zitterig waren; kaum war ei ; imstande zu sprechen, und zuweilen mußte er sich mit bei Hand krampfhaft an eine Stuhllehne festhalten, wenn der Hustest gewaltsam seinen Körper erschütterte, van die Augen, stahlgraue, scharfe Augen, schienen in schon halb abgestorbenen Gesicht des Greises zu leben In diesem 3uftanbc hatte Putnik bisher den serbischer Feldzug geleitet, und so groß war sein Ansehen bei Volk Heer und König, daß er manche strategische Maßregel - gegen allgemeines Widerstreben, ja beinahe gegen offene Empörung durchznßetzen imstande gewesen ist. Das Ver­trauen der Serben zu ihrem Wojwoden war blind, und was den morschen, alten Mann aufrecht erhielt, das war die Hoffnung auf die Stunde des Triumphes, Nur sieht er Serbien die tragischen Früchte seiner Schul! ernten, sieht sein Werk rings um sich zufammenbrechen. unb mit seinem Werke fällt er selbst zusammen.

Der Entwurf einer Ord­nung über den Schlacht­zwang innerhalb des Ge- meidebezirks der Stadt Hersfeld liegt von Freitag, den 5. November d. Js. ab zwei Wochen lang zur Ein­sicht der Beteiligten im Stadt­sekretariat während der Dienststunderc offen. Ein­wendungen gegen den Ent­wurf sind während der Offenlegungsfrist schriftlich bei uns anzubringen und zu begründen.

Hersseld,

am 30. Oktober 1915.

Der Magistrat

I. 9903. Strauss.

Sonntag, den 7. nouember, abends 8 Uhr.

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