Ke durch das Tal der Moraiva geht. Die überaus gross Schnelligkeit, mit der das Bulgarenheer vormarfchtert und jeden feindlichen Widerstand niederwirft, ist die beste Gewähr dafür, daß das ungewöhnlich erfolgreich begonnene Siegeswerk der Bulgaren in absehbarer Zeit zu einem vollen Erfolge führen wird. (33
Die Kämpfe um Pirot.
i »-4- Sofia, 28. Oktober. (T. 11.) Bis gestern nacht wurde um Pirot bitter gekämpft. Nachdem zuletzt ein allgemeiner Bajonettangriff ansetzte, brach gegen 11 Uhr nachts der serbische Gesamtwiderstand. Fluchtartig zog sich die serbische Armee in der Richtung nach Nisch zurück. Die bulgarischen Truppen nahmen sofort energisch die Verfolgung auf. Heute morgen um 9 Uhr zogen bulgarische Regimenter unter den Klängen der Nacio- nalhymne feierlich in Pirot ein.
Bei Zajecar und Knjazevae wurden eine große Anzahl Gefangener gemacht und viel' Kriegsmaterial erbeutet. Die serbischen Soldaten rekrutierten aus alleil Aufgeboten und waren zum Teil noch mit Zivilkleidung versehen. Ihre Waffen waren hauptsächlich englischer Herkunft.
Die Befreiung Mazedoniens.
Der Vormarsch der bulgarischen Truppen in Mazedonien vollzieht sich unter überaus begeisterten Kund- gebungen der seit langem unterdrückten Bevölkerung, die endlich die heißersehnten Befreier kommen sieht. Die Nachrichten, die aus diesem Landesteile eintreffen, fchil- deru die Gemütsverfassung der intglücfttdKit Bewohner, die aus allen Staaten den Truppen entgegeneilen, sie mit Blumen überschütten und Soldaten und Pferde schluchzend umarmen. Die Straßen, die die Befreiungs- truppen durchziehen, sind mit Teppichen belegt. Täglich spielen sich derartige ergreifende Szenen ab.
Serbische Flucht nach Frankreich.
' Der Mailänder „Secolo" meldet, der „Nat.-Ztg." zufolge, aus Saloniki, die serbischen Staatsarchive seien bereits nach Saloniki in Sicherheit gebracht worden. Von dort aus sotten sie mit dem Staatsschatz nach Frankreich gebracht werden.
Ernster Unfall des Königs von England.
Das amtliche englische Pressebureau macht bekannt, daß der König von England bei einer Besichtigung der Truppen vom Pferde stürzte und schwere Kontusionen davontrng.
Der „Köln. Ztg." zufolge wird aus London amtlich gemeldet: Als Donnerstag morgen König Georg eine Parade über die Truppen im Felde abnahm, schreckte sein Pferd vor den begeisterten Rufen der Truppen (!) auf. Das Pferd strauchelte und fiel nieder. Der König wurde ernstlich gequetscht. Der Monarch ist einstweilen genötigt, das Bett zu hüten.
König Georg und Poincaree im Granatfeuer.
Die „Dtsch. Kriegszeitung" berichtet aus Rotterdam: Ein Zeuge des Besuchs, den der König von England an der französischen Front abgestattet hat, meldet der „Times", daß zwei Is-Zentimeter-Granaten 200 Meter vom König nng vom Präsidenten Poincaree entfernt platzten, als diese sich zu Fuß nach einem Artilleriebeobachtungsstand begaben. Auch der Prinz von Wales befand sich beim König und dem Präsidenten.
Der Türkenkrleg.
Erfolge türkischer Tauchboote im Schwarzen Meer.
Das türkische Hauptquartier teilt mit: Am Vormittag des 27. Oktober griff eines unserer Unterseeboote im westlichen Teil des Schwarzen Meeres die russische Flotte an und torpedierte ein Linienschiff des Typs „Panteleimon", das schwer beschädigt wurde. Die russische Flotte zog sich darauf schleunigst nach Sebastopol zurück.
Eine Seeschlacht im Schwarzen Meer?
9-* Bukarest, 30. Oktober. lT. U.) Aus Bazarjik in der rumäuischeu Dobrubscha kommt, der „Bl. Mp." zufolge, die Nachricht, daß die türkische Flotte, bestehend aus „Goeben", „Breslau" und „Hanndie" vorgestern die russische Flotte angriff, die aus drei Panzerschiffen und mehrere» Kreuzern und Torpedoboote« bestand. Es entwickelte sich eine erbitterte Schlacht, deren Ergebnis bisher unbekannt ist.
Einführung von Reichsbutterkarten?
Der Beirat der ReichsprüfungsstMe für Lebens- mittelpreise trat am Freitag vormittag unter Vorsitz des Ministerialdirektors Lusensky in seinem Ausschuß für Milch, Käse, Butter und Eier zunächst in Erörterungen über die Verbrauchsregelung von Eiern und Kunstfetten ein. In: allgemeinen ging die Ansicht dahin, daß die Einführung von Reichsbutterkarten zur Einschränkung und gleichmäßigen Regelung des Verbrauchs erwünscht sei. Ferner wurden Mitteilungen über die in Aussicht genommene Regelung der Preise und Verteilung der Knnstspeisefette gemacht,' diese Fette sollen vorzugsweise der minderbemittelten Bevölkerung zur Verfljgung gestellt werden. Für unbedenklich erachtet wurde die Einschränkung der Erzeugung von Fettkäse, während die Herstellung von Weichkäse, besonders von Quark, und zwar unter Festsetzung von Höchstpreisen, allgemein für erwünscht erachtet wurde. Auf eine einheitliche Regelung für das Reich wurde von mehreren Seiten Wert gelegt.
Kriellsallerlei.
Wieder ein englischer Schwindel.
Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Mehrere englische Blätter haben die Nachricht gebracht, daß der Deutsche Kaiser bei der Bank von England ein Privatguthaben von einer Million Pfund Sterling besitze, welchen Betrag die englische Regierung als Vergeltungsmatzregel gegen die Person des Kaisers zu beschlagnahmen beabsichtige. Wir können feststellen, datz diese Nachricht jeder Grundlage entbehrt, da der Deutsche Kaiser überhaupt kein Privatguthaben bei der Bank von England besitzt.
Gefallene russische Generäle.
Aus Petersburg werden in der amtlichen russischen Verlustliste als gefallen gemeldet: die Generäle Hofmann, Glindemann und Stabsobersb Hansen, sämtlich Gardeartillerieoffiziere von der Armee Rußkt.
Die Montenegriner geben ihre Niederlage zu.
Der montenegrinische Gesandte in Paris gibt einen verspätet aus Cetinje eingetroffenen Bericht bekannt, wonach die Oesterreicher am 28. d. Mts. morgens eine heftige Offensive gegen die montenegrinische Front an der Drina ergriffen und die Linien der Montenegriner bei Bischegrad dnrchbrachen.
Eine englische Absage an Amerika.
. Die englische Regierung hat das Ersuchen der Ber- emigten Staaten, Guter, die zwischen dem 1. und dem März von Amerikanern in Deutschland gekauft würben, den Bestimmungen des britischen Prisengerichts nicht zu unterwerfen, abgelehnt.
Eine halbe Million englische Gesamtverluste.
Laut der „Köln. Volksztg." erklärte Asquith im Unterhaus: Sämtliche englische Verluste auf allen Kriegsschauplätzen bis zum 9. Oktober betrage« 493 294 Mann, »avon 101652 Tore, 817 465 Verwundete, 74177 Bewußte,
Die Beschießung von Deveagatsch.
In einem Bericht des Mitarbeiters des „B. T." aus Dedeagatsch heitzt es: Wider alles Völkerrecht und ohne jeden militärischen Zweck bombardiert die feindliche Flotte Tag um Tag die Stadt. Zehntausende von Bewohnern wälzten sich in einer einzigen Woge hinter der Stadt gegen die Höhen, aber unbarmherzig suchte der Feind ihnen mit wütendem Sperrfeuer den Weg zu verlegen. Jetzt hält bulgarische Infanterie die Stadt besetzt, um eine Landung, falls die Franzosen und Engländer sich wirklich aus ein so wahnsinniges Unternehmen einlassen sollten, zu verhindern.
Kanadas Truppengestellungeu.
Nach den „Times" wird Kanada im Dezember insgesamt 200 000 Mann und im nächsten Frühjahr insgesamt 250 000 Mann ausgestellt haben. Der Verteidigungsminister habe erklärt, daß es unmöglich sei, bis bilden ser mehr Truppen auszurttsten und auszu-
EinschköAimg des Fleisch- und Fellverbrauchs.
Die fleischlosen Tage.
Bei der Bedeutung der neuen Bundesratsverord- nung über die Einschränkung des Fleisch- und Fett- verbrauchs geben wir die einschlägigen Bestimmungen der ergangenen Verordnung hier noch einmal ausführlicher wieder.
Stach dem 8 1 der Verordnung dürfen Dienstags und Freitags Fletsch, Fleischwaren und Speisen, die ganz oder teilweise aus Fleisch bestehen, nicht gewerbsmäßig an Verbraucher verabfolgt werden. Dies gilt nicht für die Lieferung unmittelbar an die Heeresverwaltungen und an die Marineverwaltung.
In Gastwirtschaften, Schank- und Speisewirtschaften sowie in Vereins- und Erfrischungsräumen dürfen 1. Montags und Donnerstags Fleisch, Wild, Geflügel, Fisch und sonstige Speisen, die mit Fett oder Speck gebraten, gebacken oder geschmort sind, sowie zerlassenes Fett und 2. Sonnabends Schweinefleisch nicht verabfolgt werden. Gestattet bleibt die Verabsolgung des nach Nr. 1 oder 2 verbotenen Fleisches als Aufschnitt auf Brot.
Als Fleisch im Sinne dieser Verordnung gilt Rind-, Kalb-, Schaf-, Schweinefleisch, sowie Fleisch von Geflügel und Wild aller Art. Als Flctschwaren gelten Fleischkonserven, Würste aller Art und Speck. Als Fett gilt Butter und Butterschmalz, Del, Kunstspeisefette aller Art, Rinder-, Schaf- und Schweinefett.
Die Beamten der Polizei und die von der Polizei beauftragten Sachverständigen sind befugt, in die Geschäftsräume der dieser Verordnung unterliegenden Personen, insbesondere in die Räume, in denen Fleisch, Fleischwaren und Fett gelagert, zubereitet, feilgehalten oder verabfolgt werden, jederzeit einzutreten, daselbst Besichtigungen vorzunehmen, Geschäftsaufzeichnungen einzusetzen, auch nach ihrer Auswahl Proben zum Zwecke der Untersuchung gegen Empfangsbestätigung zu entnehmen.
Die Unternehmer sowie die von ihnen bestellten Betriebsleiter und Aufsichtspersonen sind verpflichtet, den Beamten der Polizei und den Sachverständigen Aus- kunft über das Verfahren bei Herstellung ihrer Erzeugnisse, über die zur Verarbeitung gelangenden Stoffe und deren Herkunft sowie über Art und Umfang des Absatzes zu erteilen.
Die Sachverständigen sind, vorbehaltlich der dienstlichen Berichterstattung und der Anzeige von Gesetzwidrigkeiten, verpflichtet, über die Einrichtungen und Geschästsverhältnisse, welche durch die Aufsicht zu ihrer Kenntnis kommen, Verschwiegenheit zu beobachten und sich der Mitteilung und Verwertung der Geschäfts- und Betriebsgeheimnisse zu enthalten. Sie sind hierauf zu vereidigen.
Die Unternehmer haben einen Abdruck dieser Ver- ordnung in ihren Verkaufs- und Betriebsräumen aus- zuhängen.
Die Verordnung tritt mit dem 1. November 1915 in Kraft. Der Reichskanzler bestimmt den Zeitpunkt des Außerkrafttretens. Zuwiderhandlungen werden mit Geldstrafe bis zu 1500 Mark oder mit Gefängnis bis zu drei Monaten bestraft.
Vermischtes.
Gemeinsamer Heldentod von Zwillingsbrüder,n Einen gemeinsamen Tod durch einen und denselben Schuß eines russischen Geschützes fanden im Oktober dieses Jahres die Zwillingsbrüder Friedrich und Gustav Frey aus Pr.-Holland. In einem Gefecht bei den Kämpfen um den Brückenkopf von . . . schlug eine Granate in die vorstürmenden Helden und tötete beide Brüder. Von den Kameraden wurden beide in einem gemeinsamen Grabe zur Ruhe gebettet.
Seelsorge im Felde. Nach dem Stand vom 1. April 1915 befinden sich zur Ausübung der evangelischen Seelsorge in den preußischen Truppenteilen 125 etatsmäßige Felddivisionspfarrer, 145 freiwillige Feldgeistliche und auf Etappen 79 Lazarettpfarrer. Dazu kommen im besetzten Feindesland 28 Garnisonpfarrer. Die Marine verfügt über 20 Marinepfarrer und 12 Feldgeistliche. Das ergibt 404 angestellte evangelische Seelsorger. Außerdem wird die Seelsorge aushilfsweise von 528 Geistlichen, Kandidaten usw. im Waffendienst oder Sanitätsdienst ausgeübt. Hierzu sind noch die bayrischen, württembergischen und sächsischen Geistlichen hmzu- zurechnen.
Folgenschwerer Brand in einer amerikanischen Schule. In Peabody Massachusetts) sind bei einem Brande in einer Armenschule 19 Knaben und Mädchen nmgekvmmen. Ebenso viele wurden verletzt, Es befanden sich 700 Kinder in der Schule, als plötzlich eine Explosion stattfand und Flammen emporlohten. Die Ursache des Brandes ist noch nicht mit Sicherheit feftgeitcßt.
Selbstmord zweier Schwestern. Vor einigen Tagen hatten sich vor dem Dresdener Landgericht die 26jährige Hedwig Bräunert und ihre Schwester Elsa Eutttz geb. Bräunert wegen umfangreicher Warenhausdiebstahle zu verantworten. Sie hatten beide, obwohl vermögend, in einem Jahre fast sämtliche Dresdener Warenhäuser ge- brandschatzt. Da ihnen ein großer Teil der Diebstahle nicht nachgewiesen werden konnte, kamen sie mit germ- gen Gefängnisstrafen davon. Jetzt find beide Schwestern in ihrer Wohnung toi aufgefunden worden. Sie hatten sich mit Leuchtgas vergiftet. Aus einem hinterlassenen Zettel geht hervor, daß ste ihrer Mutter, die an Herzschwäche gestorben ist, in den Tod nachgefolgt stiem Es scheint aber, daß die Mutter aus Gram über das Treiben ihrer Töchter gleichfalls freiwillig aus dem Leben geschieden ist.
Ein Kriegsveteran, der seinen Totenschein besitzt. Auch in diesem Kriege ist es schon mehrfach vorgekvm- men, daß in der amtlichen Verlustliste jemand als ge- fallen bezeichnet wird, der sich totster iedocü noch lebend
vornnoet. Trotz größter Sorgfalt, mit der die Verlusü listen iufammengefteut werden, können solche JrrtlimeH vorfommen; natürlich geschieht das nur in so vereinzelten Fällen, daß Angehörige, die einen Gefallenen beklagen, keineswegs auf d e Hoffnung, daß ein Irrtum voniegcit könnte, bauen sollen. Ein Fall aber, der sich 1870 ereignete, ist wegen seiner beinahe komischen Folgen sehr merkwürdig. Der Maurerpolier Ferdinand Doering zu Mehlsack in Ostpreußen hatte bereits die Feldzüge 1804 und 1866 mitgemacht und war dann 1870 mit dem Ostpreußischen Infanterie-Regiment 9fr. 44 in den Krieg gezogen. Bei Metz war er am 14. August von einer Granate 8» Boden geworfen worden. Seine Nebenmänner und der führende Leutnant waren tot, und er selbst lag schwer verwundet in einem totenähnlichen Zustande - ein Granatsplitter hatte ihm die rechte Brnstseite fortgeriffen — unter Gefallenen. So wurde er von Krankenträger gefunden und für tot gehalten, so daß sie ihm die Erkelinnngsmarke abnahmen. Als die Gefallenen dann bestattet werden sollten, merkte man, daß Doering noch lebe und brächte ihn ins Feldlazarett von Noisseville. Inzwischen aber war durch die ihm ab- genommene Erkemuingsmarke sein Name in die Verlustliste gekommen, und ehe der Schwerverwuildete seinen Angehörigen Ntachrtcht gebell konnte, war diesen der Totenschein übermittelt worden. Aber inzwischen war auch das Denkmal zur Erinnerung der im Kriege 1870/71 gefallenen 44er, das auf einem kleinen Berge bet Graudenz errichtet werden sollte, in Auftrag gege- beu, auf dessen Sockel auch der Name des tapferen Doe« ring als der eines Gefallenen verewigt war. Trotz seiner schweren Verwundung wurde Doering so gut ge- heilt, daß er sich noch über ein Menschenalter am Besitze seines Totenscheins und seines Namens auf dem Denkmal für die Gefallenen freuen konnte.
Dutts) kommt keiner!
Ein Feldpostbrief des Redakteurs Winter des sozial, demokratischen „Badischen Bolkssreituds" entwirft ein ungewöhnlich anschauliches Bild von einem der verzweifelten Kämpfe in der Chantpaglie während der letzten großen französischen Offensive. Ueber diesen Kampf hieß es im Tagesbericht der deutschen Heeresleitung vom 2. Oktober:
„In der Champagne griffen die Franzosen mittags östlich Anberive in breiter Front an. Der Angriff mißglückte. Nur an einer Stelle drang der Feind in unsere Stellung ein. Badische Leibgrenadiere gingen zum Gegenangriff vor und nahmen einen Offizier, 70 Mann gefangen, der Rest des eingedrungenen Feindes fiel."
Aus dem Briefe seien zwei Absätze mitgetettt, die unter mehr als einem Gesichtspunkte besondes bemer- kenswert erscheinen:
„Acht Tage kaum geschlafen; die Nächte bitter kalt, immer im Freien liegend, keinen Bissen marines Essen, und das Schlimmste: Wassermangel! Dann dieses Gra« natfeucr, Tag und Nacht, ununterbrochen, stundenlang mit kleinen Kalibern, stundenlang mit den schwersten Geschossen. Es ist nicht übertrieben, wenn ich sage, in den acht Tagen, in denen wir da oben in dieser waldigen Gebirgsgegend lagen, haben die Franzosen allein auf unseren Abschnitt ein Eisenbergwerk geschüttet. Und doch alles vergebens! Man sah den Franzosen die Verblüffung geradezu au, als sie uns trotz fürchterlichster Artillerievorbereitung, trotz stundenlangen Trommelfeuers, wie aus der Erde gewachsen vor sich stehen sahen. Verwundete und Gefangene sagten auch unumwunden, daß sie nicht mehr daran gedacht hätten, nach diesem Feuer ein lebeudigös Wesen anzutreffen! Aber wir waren eben immer wieder da. Und wie da! . . ."
„Ich bin gewiß kein Dentschtümler und schätze gewiß auch die Menschen einer andern Nation. Aber dieses rücksichtslose Einsetzen der eigenen Person, dieses Draufgehen ganz aus sich selbst heraus, ärger als es den Vorgesetzten lieb war und, wo es sein mußte, auch ohne Vorgesetzte, zum großen Teil von Leuten des Landsturms, das ist doch spezifisch deutsch. Auch bei uns hier waren die meisten Franzosen betrunken. Viele hatten zwei Feldflaschen mit Schnaps und Wein anhängen. Im Rausche stürzten die besoffenen Kerle vor und gingen zu Tauseuden zugrunde. Ich besam einen ordentlichen Stolz auf unsere Leute. Währeud des heftigsten Granatfeuers saßen sie zusammen in irgendeiner Deckung, disputierten, schimpften, waren mit allem unzufrieden, wie es sich für echte Pfälzer gehört, taten eben „wie zu Hause". Aber saunt wurde vom Posten ein Angriff angekündigt, da war aller Streit, aller Hader vergessen. Heraus aus der Deckung, die Knarre in die Hand, und vor ging es, und da lagen wir dann und wankten und wichen nicht, die ältesten Landsturmlente bis herunter zu dem jüngsten, frisch angekommenen Rekruten. Man muß es erlebt haben, um ermessen zu können, wie dieses Aushalten, Zusammenhalten auf einen wirkt, lind stundenlang wurde dann über den Kameraden gesprochen, der uns entrissen wurde. Und es sind viele, allzu viele, die uns genommen wurden, allerdings ein verschwindend kleiner Bruchteil gegenüber dem, was die Franzosen verloren haben. Haufenweise fielen sie dort, zu jeder Tages- und Nachtzeit kamen sie, in zwei-, dreiund vierfacher Schützenlinie, und hinterdran in Gruppen- kolonnen. Und immer wieder mußten sie zurück, haufenweise die Toten zurücklassend. Und als es uns am Freitag zu dumm wurde, dieses ewige Zurückschlagen, da gingen wir ihnen nach, holten eine Anzahl Kameraden einer anderen Kompagnie, die sie überrascht und gefangen genommen hatten, wieder heraus, und nahmen noch eine hübsche Anzahl Franznrättner mit.
Wir haben also allerlei in dem Wäldchen da drüben angestellt. Aber immer wieder kommen meine Gedanken auf jene Tage, auf das eine zurück: auf die Stimmung und Haltuug der Leute. Ich hatte manche Enttäuschung erlebt, aber alle waren wie umgewandelt vom Beginn des ersten französischen Angriffs an. Wenn man so in schönen Zeitungsartikeln das schöne Wort liest: „Wir lassen keinen durch." so ist das doch nicht mehr als eine chöne Phrase. Aber hier in der Wirklichkeit, wo eS ich wirklich darum handelt, keinen durchzulassen, da hat i)as Wort Inhalt. Man muß das gehört haben, wenn ein einfacher Arbeiter oder sonst stillzufriedener Kanöwtrt mitten im Gefecht einem fröhlich zurief: „Durch kommt keiuer!" Es waren schwere furchtbare Tage, man glaubte oft, es nun nicht mehr länger ertragen zu können, aber dennoch: ich bereue es nicht, sie miterlebt zu haben. Daß es mit der deutschen Sache nicht schief gehen wird, wurde wir zur festen Gewißheit. Daß wir eine tüchtige Arbeit geleistet haben, ist daran zu ersehen, daß uns sowohl der Brigadegeneral wie auch der Kommandierende persönlich ihre Anerkennung und Dank aus- sprachen."
Weisere Drahtnachrichten.
Rücktritt des Kabinetts Biviani.
o-*> Paris, 30. Oktober. (T. U.) Amtlich wird Besannt gegeben, baß das Kabinett Biviani zurttckgetrete« sei. Präsident Poincaree beauftragte Briaud mit der Btld»»g des neuen Kabinetts. :