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Sie hohen Male unserer Feinde.

Nach welchen hohen ethischen Gesichtspunkten die Engländer und Franzosen die Freiheitlicheit eines Volkes bewerten, zeigt die folgende in wortgetreuer Ne- bersetzuug der wöchentlich erscheinenden südafrikanischen Cape Times" vom 6. August d. J. entnommelle über­schwengliche Verherrlichung desGenius Frankreichs":

Wir Engländer feiern unseren Bluthund mit Frankreich (schreibt S. Dark in der Daily Expreß) und bringen den Tribut unserer Dankbarkeit und Bewuu- derung für die glorreiche Tapferkeit dar, mit welcher unsere Brüder für die Freiheit sümpfen.

Großbritannien hat im Laufe seiner Geschichte viele Bündnisse geschlossen, von denen manche von Furcht, manche tmrd) enge politische Vorstellungen, manche von Laune und Ungewißheit der Staatsmänner diktiert wur­den. Das Bündnis mit Frankreich war der Zug zweier Völker zueinander, welche grundsätzlich von denselben Wünschen und Idealen getrieben wurden. Es stärkte und vertiefte sich mit dem wachsenden gegenseitigen Ken- nenlernen.

Ein deutscher Professor hat kürzlich einen sorg­fältigen und anregenden Artikel über denZauber Englands" geschrieben. Er versucht die Eigenschaft zu entdecken, die das englische Reich ermöglicht und die fast bestürzende Hingebung seiner Söhne all dasselbe in der Stunde seiner Gefahr ins Leben gerufen hat. Heute aber frommt es uns, lieber an den unvergleichlichen Zauber Frankreichs zu denken und uns zu erinnern, wie viel wir und die ganse Welt ihm schulden, uns selbst zu beglückwünschen, daß wir nach Jahrhunderten des Mißverständnisses seine Freundschaft gewonnen haben, und uns zu freuen, daß endlich die Trikolore und der Union Jack nebeneinanderweheu.

Man hat treffend gesagt, daß dieser wrieg eine Em­pörung gegen die rohe Kraft» und die Bürokratie sei. Er ist besonders ein Kampf für die Freiheit der mensch­lichen Seele, und es war unvermeidlich, daß die Fahnen Frankreichs in einem solchen Kampfe in der vordersten Front stehen mußten. Ernest Leroux schreibt in einem treffenden Vergleiche über die Kultur Frankreichs und Deutschlands:

In Frankreich haben von Rabelais bis Montaigne, von Descartes bis Montesquieu, von Voltaire ttno Rousseau bis zu heit Encyclopädisten alle unsere Philo­sophen für die Befreiung des menschlichen Denkens gearbeitet. Sie haben die Zukunft einer neuen Welt, die Herrschaft der Gleichheit und Freiheit unter den Menschen und der Brüderlichkeit unter den Nationen vorbereitet.

Freiheit beginnt mit einer Empörung gegen die Regierung, einer Empörung, die gewöhnlich die Form der Hinrichtung eines Königs onnimmt Freiheit kann allein durch dauernden Argwohn gegen die Regierung aufrecht erhalten werden, und das goldene Zeitalter wird nur erreicht werden, wenn die Bürokraten den Monar­chen auf das Schafsott gefolgt sein werden. Die halsstar­rige Weigerung der englischen Mittelstandes, freudig Ungeredftigfeitcn zu erdulden, gipfelte in der Enthaup­tung Karls I., und der Widerwillen des französischen Vol­kes gegen die Fehler und Torheiten Ludwigs XVI. er­reichte seinen Höhepunkt, als Ludwig XVI. das Schafsott bestieg. Karl I. war ein Heiliger, Louis XVI. war die gutmeinende Mittelmäßigkeit. Beide Könige starben, damit ihr Volk leben sollte. Es ist charakteristisch für die Lenksamkeit des deutschen Volkes, daß ihm niemals die Freiheit genügend am Herzen gelegen hat, um auch nur einen einzigen König lnnzuschlachteu, obgleich es von einer Menge von Ungeheuern und Geistesschwachen re­giert worden ist . . ."

Also Königsmord ist das hohe freiheitliche Ideal der Franzosen und Engländer. Wahrlich sie sind würdig ihrer russischen und serbischen Bundesgenossen! N. K.

Aus Deutsch-Südwesl.

Dem bereits erwähnten Briefe eines Teutsch-Süd- westafrikaners an dieKölnische Volkszeitung" entneh­men wir folgende eingehende Schilderung:

Okahandja, 20. Juli 1915.

Weit oben im Norden, in den düsteren Sand- und Buschsteppen zwischen Otawi und Tsumeb und Groot- fontein, in einer sternhellen Tropennacht und in den em­pfindlich kalten, frühesten Morgenstunden des 9. Juli war es, als wir die schwarz-weiß-rote Flagge nieder­holten .... Blutenden Herzens und mit unsäglich gro­ßem, innerem Schmerze, mit Tränen in den Singen und leisem Schluchzen, durch großen Hunger und Durst und

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monareianges, unaufhörliches Kämpfen zu Tooe er­mattet und geschwächt, zu wirklich nichts mehr fähig, so haben wir uns der britischen, weit über fünfzehufachen Uebermacht, die mit allen modernen Hilfskriegsmitteln, Lastautos und Flugzeugen, mit zahlreichen leichten und schweren Geschützen ausgerüstet war, ergeben, die unsere zusammeugeschmolzene Heldenschar in großem Bogen vollständig umgangen hatte. Ein Entrinnen aus dem übermächtigen feindlichen Einschließungsring war men= schenunmöglich: denn wir hatten nicht mehr die gering­sten Lebensrnittel, die Wasserstellen waren vom Feinde besetzt, viele der Unserigen hatten tagelang nichts mehr zum Essen, aber ohne daß sie über ihr hartes Schicksal gemurrt hätten: seelisch und körperlich waren wir alle vollständig gebrochen durch die unerhörten Strapazen, die wir gerne für unseren geliebten Kaiser und unser teueres Südwest erduldeten: die Munition war bis auf einen verschwindenden Teil verschossen, viele Gewehre, Maschinengewehre und Geschütze waren mit der Zeit unbrauchbar geworden oder von feindlichen Geschossen zertrümmert: ferner führten wir eine Anzahl verwun­deter und kranker braver Kameraden mit uns, für die zu sorgen es uns an allem fehlte und uns darob un­endlich schwer wurde: weiter hatten unsere guten Pferde schon monatelang keinen Hafer mehr gesehen und friste- ten ihr Dasein mit dem bittren Grase, das kümmerlich in der Steppe vegetierte, dann verendeten uns viele der Tiere und wurden von feindlichen Kugeln getötet, wäh­rend die übrigen buchstäblich zu Skeletten abgemagert waren. Dies alles zwang unseren allbeliebten, tapferen Kommandeur, Oberstleutnant Franke, sich dem übermädv tigen Botha zu ergeben; aber unter außerordentlich gün- stigen Bedingungen: die Offiziere dürfen ihren Degen behalten, können uadj Belieben einen Ort 31t ihrem Auf- enthalt wählen und haben freie Bewegung: die bei Kriegsausbruch eiugezvgenen oder freiwillig ingekrete- nen Manuschaften werden ebenfalls in Freiheit gesetzt und können ihren Geschäften und Arbeiten nachgehen, nur die aktive, im Frieden bestehende Schutztruppe wird an einigen Plätzen des Landes untergebracht werden. Diese guten Bedingungen hätten wir von unseren Feinden nicht erhofft.

Bei der Uebergabe erwies uns der britischeSieger" und Feind die höchste militärische Ehrung: er prä­sentierte mit aufgepflanztem Seitengewehr! Der Feind hatte uns also die Anerkennung nicht versagt. Selbst General Botha sprach unserem vortrefflichen Franke sein großes Lob für die heldenmütige Tapferkeit der kleinen deutschen Truppe, die ihm so viel zu schaffen ge­macht, aus.

Was unsere südwestafrikauische Schutztruppe in den zehnmonatigen Kämpfen Heroisches geleistet, geduldet und durchgemacht hat, ist um kurz zu sagen über alles Lob erhaben. Bei jedem der zahlreichen kleineren oder größeren Gefechte war der britische Feindn großer Uebermacht, aber trotz dieser brachten wir ihm beinahe immer eine Schlappe bei, und wenn wir uns trotzdem zurückziehen mußten, was stets in größter Ordnung ge­schah, so konnte er dies nur durch seine großen II m= gehnngsbewegungen, dank seiner Uebermacht, erzwingen.

Die Verluste der Engländer an Mannschaften waren äußerst schwer. Englische Offiziere bezifferten sie mir auf rund 9000 Mann, also beinahe doppelt so viel, als un­sere Schutztruppe überhaupt Streiter hatte! An diesen Zahlen kann man sich ein Bild von der Heldengröße unserer unvergleichlichen Südwestafrikaner machen. Tie­fer ruhmreiche Kampf wird in der deutschen Koloniai- geschichte einen besonderen, lorbeerbekränzten Platz einnehmen.

Natürlich waren auch unsere Verluste nicht leicht, viele teure, aus Herz gewachsene Kameraden sind nicht mehr, sie haben ihr Hekoengrab gefunden im heißen Trv- peusande. Besonders empfanden alle ohne Ausnahme großes Weh über den Heldentod unseres einstigen Kommandeurs, Oberstleutnant von Heydebreck, den wir alle so hoch schätzten und liebten und der den ©ngtänderu eine der schwersten Niederlagen beibrachte.

Nicht unerwähnt lassen darf ich den Burengeneral Maritz, der nach dem mißglückten Burenanfstand zu uns überging; er kämpfte mit seiner wackeren Heldenschar tapfer in unseren Reihen. In den vielen Gefechten schmolz seine Schar auf ein kleines Häuflein zusammen. Mit einigen Getreuen glückte es ihm, sich aus Bothas Umklammerung unter den schwierigsten Verhältnissen herauszuziehen und nach Norden zu entkommen, nach­dem er einer ihn verfolgenden englischen Abteilung an der Etosche-Pfanne im Ambolande eine tüchtige Schlappe beigebracht hatte. Botha war sehr enttäuscht, daß er Maritz nicht habhaft werden konnte. (Maritz soll in­

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zwischen von den portugiesischen Beyoroeu m Angola verhaftet worden sein. Die Red.)

Das Leben der englischen. Soldateska war wäh­rend des ganzen Krieges in unserem Lande roh und bei­nahe zügellos: sie fühlten sich so sehr alsSieger": eine Ausnahme hiervon machten die Burenelemente, die man zwangsweise unter die britischen Unions- truppen steckte. Wie ich zuverlässig erfuhr, ist es wieder­holt zwischen den gezwungenen Mitkämpfern und den eigentlichen Engländern zu schweren Ausschreitungen gekommen. Doch mußten erstere ihre Ausschreitungen schwer büßen. In den meisten Füllen sind sie erschossen worden. . .

Sie Eroberung von Illuxl.

Ueber die Eroberung von Jlluxt, des wichtigen rus­sischen Stützpunktes nordwestlich von Dünaburg, wird der KorrespondenzHeer und Politik" geschrieben: Das Ringen um Jlluxt dauert nun bereits mehr als 14 Tage au, bis es jetzt zu dem großen Erfolge unserer Trup­pen führte. Zum ersten Male hörten wir am 9. Ok­tober etwas von den Kämpfen an dieser Stelle. Am 9. Oktober wurde nämlich die feindliche Stellung bei Garbunvwka in einer Breite von 4 Klm. erstürmt. Garbunvwka liegt südlich von Jlluxt, das nordwestlich von Dünaburg gelegen ist. Es handelte sich also hier­bei diesem Erfolg von Garbunvwka um einen bedeut­samen Fortschritt westlich Dünaburgs in einer Ent­fernung von nur wenigen 20 Klm. Am 10. wollten die Russen unsere Truppen hier zurückdrängen, wurden aber in heftigen Nahkämpfen geschlagen. Auch west­lich von Jlluxt, nördlich von dem Schauplatz der erfolg­reichen Kämpfe bei Garbunvwka, wurden die russischen Stellungen in 8 Klm. Breite genommen, wobei eine große Anzahl von Kriegsbeute gemacht wurde. Am 12. Oktober kam es wiederum zu heftigen Kämpfen bei Jlluxt, in denen eine feindliche Stellung von 2>5 Klm. Frontbreite erobert und eine große Anzahl von Ge­fangenen gemacht wurden. Auch 2 Tage später er­rangen wir hier einen großen Erfolg, der am 18. Ok­tober durch die Eroberung einer russischen Frontbreire von 3 Klm. Länge weiter ausgebaut wurde. So nahm allmählich das Ringer; um Jlluxt für uns einen sehr günstigen Verlauf. Schon am 10. Oktober waren 8 Klm. erstürmt worden. Es handelte sich dabei um vorberei­tende Erfolge, die durch die Eroberung von Jlluxt ihren Abschluß fanden. Auch weiter südlich von Jlluxt kam es in den letzten Wochen zu erfolgreichen Kämpfen un­serer Truppen, die hauptsächlich am Swenten-See er­rungen wurden. Unser Generalstab berichtete am 29. September, daß unser Angriff in der Richtung südwest­lich von Dünaburg bis in die Höhe des Swenten-SeeS vorgetragen wurde. Der Swenten-See, der sich südlich Jlluxt von Norden nach Süden bis in die Höhe westlich von Dünaburg erstreckt, liegt von den Ufern der Tu na 78 Klm. westlich entfernt. Die Kämpfe, deren sieg­reiche Durchführung unsere Truppen bis in die Höhe des Swenten-Sees führten, nahmen, von den Kämpfen vorheriger Tage abgesehen, ihren eigentlichen Aman» am 26. September. An diesem Tage wurde auf der süd­westlichen Front von Dünaburg den Russen eine wei­tere Stellung entrissen. Dabei wurden 9 Offiziere und über 1300 Mann zu (befangenen gemacht, sowie 3 Ma­schinengewehre erbeutet. Die Russen suchten sich in ei­ner rückwärtigen Stellung zu halten, wurden aber am 28. September angegriffen und so weit zurückgeworfen, daß unser Angriff bis in die Höhe des vorher genann­ten Sees südwestlich von Dünaburg fort schritt. In die­ser Richtung wurden schon mehrfach große Erfolge er­zielt. Seitdem nämlich am 15. September unsere Trup­pen zum ersten fötal vor den Mauern Dünaburgs er­schienen waren, kam es bereits am 18. September süd­westlich der Festung zu erfolgreichen Kämpfen unserer Truppen. Au; 20. September fand ein für uns sieg­reiches Gefecht bei Nowo-Alexanöriewks südwestlich von Dünaburg statt, durch das die Russen gezwungen wur­den, im Brückenkopf von Dünaburg in eine rückwärtige Stellung zu weichen. Der 23. September brächte eine Erweiterung unserer Fortschritte in der Richtung west­lich von Dünaburg, wo unsere Truppen mehr als 2600 Mann gefangen nahmen. An diesem Tage wurde weiter südwestlich von Dünaburg ein russischer Angriff ange­schlagen. In der Richtung westlich von Dünaburg südlich Jlluxt drangen unsere Truppen in die vorgeschobenen russischen Stellungen ein. Nach den jüngsten Enol rev. unserer Truppen westlich und südlich von Riga und die Erfolge vor Dünaburg bei Jlluxt ein weiterer erfreu­licher Fortschritt in der Lage vor der befestigten Duna- Linie. (Z)

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