Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei .Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
Sersielder
für den Kreis Hersfeld
Watt
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M. 255.
Sonnabend, den 30. Oktober
1015
Amtlicher Teil.
Stellvertretendes
Generalkommando 11. Armeekorps.
Cassel, den 19. Oktober 1915.
Auf Grund des § 4 des Gesetzes über den Belagerungszustand vom 4. Juni 1851 und des Gesetzes betreffend die Höchstpreise vom 4. August 1914 in der Fassung der Bekanntmachung vom 17. Dezember 1914 wird folgende
Verordnung
erlassen:
1. Wer an Händler oder Bereinigungen Haus- haltungs-Vollmilch für den Weitervertrieb an die Verbraucher in der Stadt Cassel in der Zeit von jetzt ab bis 31. Oktober 1915 liefert, darf für das Liter frei Stadt Cassel. keinen höheren Preis als 20 Pfg. und bei Lieferungen in der Zeit vom 1. November bis 31. Dezember 1915 keinen höheren Preis als 22 Pfennig für das Liter frei Stadt Cassel bedingen, sich versprechen oder zahlen lassen.
Auch dürfen die Händler und Vereinigungen keine anderen Preise zahlen oder versprechen.
2. Die Höchstpreise für den Weiterverkauf der Milch an die Verbraucher setzt der Magistrat der Residenzstadt Cassel fest.
3. Wer die hiernach festgesetzten Höchstpreise überschreitet, wird mit Gefängnis bis zu einem Jahre oder mit Geldstrafe bis zu 10 000 Mark bestraft.
Die Verordnung tritt mit ihrer Verkündung in Kraft.
Der stellv. Kommandierende General des 11. Armeekorps.
gez. von Haugwitz.
* * *
Hersfeld, den 26. Oktober 1915.
Wird veröffentlicht.
Die Ortspolizeibehörden und die Gendarmerie beauftrage ich, die Durchführung der Verordnung zu kontrollieren und Zuwiderhandlungen sofort anzu- zeigen.
i. 12206. Der Landrat.
F V.:
v. Hcdemann, Reg.-Assessor.
Stellvertretendes Generalkommando 11. Armeekorps.
I b Nr. 26559/15.
Betrifft: Brieftauben.
Cassel, den 16. Oktober 1915.
Das stellvertretende Generalkommando weist nochmals darauf hin, daß durch die Kaiserliche Verordnung vom 23. 9. 1914 Reichs-Gesetzbl. S. 425 alle gesetzlichen Vorschriften, die das Töten und Einfängen fremder Tauben gestatten, außer Kraft gesetzt sind, und bittet die Polizeibehörde zu veranlassen, diese Bestimmung bei Bekanntgabe der Sperrzeiten in Erinnerung zu bringen. Es liegt im vaterländischen Interesse, daß das Abschießen von Brieftauben mit allen Mitteln verhindert wird.
Hersfeld, den 23. Oktober 1915.
Wird veröffentlicht.
Ich ersuche die Ortspolizeibehörden Vorstehendes zu beachten.
i. 12055. Der Landrat.
F. V.:
- v. Hedemann, Reg.-Assessor.
Hersfeld, den 26. Oktober 1915.
Der Kriegsausschuß für pflanzliche und tierische Oele und Fette in Berlin hat für Den hiesigen Kreis die Firma M. Strauß, Söhne Kirchhain mit dem Einkauf der Früchte der Laubholzbäume (Eicheln und Buchen) beauftragt. Ich bringe dies zur öffentlichen Kenntnis und ersuche der Firma bei der Ausführung ihres Auftrages nach Möglichkeit behülflich zu fein.
J. I. 11740. Der Landrat.
v. H e d e m a n n, Reg.-Affessor.
Hersfeld, den 26. Oktober 1915.
Alle, die es angeht, weise ich darauf hin, daß die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher im Kreye angewiesen sind, die Mahlkarten so frühzeitig auszu- stellen, daß die Müller genügend Zeit haben, das Mehl für die Zeit der Gültigkeit der Karten rechtzeitig herzustellen.
Alle diejenigen, die Getreide zur Mühle bringen, werden ersucht, die Säcke in deutlicher Weise mit ihrem Namen zu versehen.
K. G. 1821. Der Landrat.
J. V.:
v. Hedemann, Reg.-Assessor.
Hersfeld, den 26. Oktober 1915.
Wie bekannt geworden sind bisher in vielenjFällen für die der 3. Stufe angehörenden Mitglieder der Krankenkassen (insbesondere Dienstmädchen) Beitrags
marken zur Invalidenversicherung nur zum Betrage von 24 Pf. verwendet worden. Dieses entspricht nicht den Bestimmungen. Es müssen vielmehr für alle der 3. Stufe der Ortskrankenkasse angehörenden Mitglieder Beitragsmarken zur Invalidenversicherung stets im Betrage von 32 Pff verwendet werden.
Zur Vermeidung etwaiger Bestrafungen werden die Arbeitgeber hierauf besonders aufmerksam gemacht. I. B. Nr. 2142.
Königl. Versicherungsamt Kreis Hersfeld.
Der Vorsitzende:
I. V.: v. Hedemann, Reg.-Assessor.
Hersfeld, den 25. Oktober 1915.
In Vacha, Bezirk Dermdach, ist die Maul- und Klauenseuche amtlich festgestellt worden.
I. 12124. Der Landrat.
v. H e d m a n n, Reg.-Assessor.
Hersfeld, den 25. Oktober 1915.
In 5 Gehöften in Bremen, Bezirk Dermbach, ist die Maul- und Klauenseuche amtlich festgestellt worden. I. 12123. Der Landrat.
F. V.:
v. Hedemann, Reg.-Assessor.
Hersfeld, den 26. Oktober 1915.
In den Gehöften des Lehrers Schick, Frau Wilhelm Bohl, Frau Witwe Auguste Michel und des Hüttners Ferdinand Kalb in Michelsrombach, Kreis Hünfeld, ist die Maul- und Klauenseuche amtlich festgestellt worden.
I. 12210. Der Landrat.
F. V.:
v. Hedemann, Reg.-Assessor.
Bus der Heimat.
»(Aufhebung der Po st sperre für die im französischen Operationsgebiet untergebrachten deutschen Kriegsgefangenen.) Die französische Regierung hat, wie W. T. B. amtlich aus Berlin meldet, durch den Präsidenten des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes in Genf an das preußische Kriegsministerium die telegraphische Mitteilung gelangen lassen, daß das seit Ende Juli dieses Jahres bestehende Verbot des Postverkehrs zwischen Deutschland und den im französischen Operationsgebiet befindlichen deutschen Kriegsgefangenen aufgehoben sei.
* (S e u ch e n n a ch r i ch t e n.) Die Maul- und Klauenseuche wird vom neuem aus Niedermarsberg gemeldet, weiter aus Lichtenborn, die Rotlaufseuche aus Rotenburg a. F., die Schweinefeuche aus Jmmen- hausen. Wegen der Maul- und Klauenseuche ist im Kreise Hörter die Abhaltung von Märkten bis auf weiteres untersagt.
* (N o t r c i fe p r ii f u n g.) Der Kultusminister hat bestimmt, daß Schüler, die seit Michaelis dieses Jahres der Oberprima einer höheren Lehranstalt angehören, zur Notreifeprüfung vom 1. Dezember dieses Jahres ab zugelassen werden können, wenn sie infolge der Einberufung ihrer Jahresklasse oder als Fahnenjunker in den Heeresdienst gestellt werden. Die Prüfung ist sofort anzuordnen, wenn der Gestellungsbefehl vorgelegt wird. Das Reifezeugnis ist erst dann auszuhändigen, wenn Der Eintritt in den Truppenteil tatsächlich erfolgt ist.
* (Neue Hundertmarkscheine.) Eine offiziöse Korrespondenz berichtet, daß ein neues Modell für die Hundertmarkscheine fertiggestellt und die Genehmigung der zuständigen Stelle erhalten hat. Die Vorarbeiten für den Druck der neuen Scheine sind bereits in Angriff genommen, so daß in absehbarer Zeit die ersten Scheine zur Ausgabe gelangen werden. Das neue Modell berücksichtigt die Wünsche nach einer kleineren Note.
* (Weihnach tsgaben für unsere Truppe n.) Die Idee, auch in diesem Jahre wieder Weihnachtsliebesgaben an unsere Truppen, hinauszusenden, findet, wie ja gar nicht anders zu erwarten war, in der Bevölkerung gute Aufnahme. Es sei darauf hingewiesen, daß möglichst bald die Liebesgaben sowohl in den bekannten Kästen, wie auch in Paketen, abgeliefert werden.
-n- Reckerode, 29. Oktober. Der Sergeant Klotz- b a ch, Stab 22. Cavallerie-Brigade, welcher vor einiger Zeit das Schaumburg-Lippesche Verdienstkreuz erhielt, wurde jetzt mit dem Eisernen Kreuz 2. Klaffe ausgezeichnet.
Bebra, 29. Oktober. Am morgigen Sonnabend sind es vierzig Jahre her, daß die Eisenbahnstrecke Bebra-Eschwege in Betrieb genommen wurde. Damals aina die Eröffnung des Betriebes in überaus feierlicher Weise vor sich. So kamen die Spitzen der Eschweger Behörden, begleitet von der Stadtkapelle, hierher und die Kapelle konzertierte auf dem Bahnsteig.
Melsungen, 27. Oktober. Am Sonnabend morgen wurde der hiesige Schächter Löser Stein in bewußtlosem Zustande in seinem Schlafzimmer auf- gefnnden; er war durch Einatmung von Kohlengasen, die dem mit Grudekoks geheizten Ofen während der Nacht entströmt waren, erkrankt. Der Kranke wurde sofort nach Cassel ins Krankenhaus gebracht, wo er inzwischen gestorben ist.
Ziegenhain, 28. Oktober. Für unseren Kreis sind ab 1. November folgende Höchstpreise festgesetzt. Für den Erzeuger der Landbutter 1,40, für den Kleinverkauf ab Zwischenhäneler 1,60 Mk. per Pfund. Die Molkereien dürfen ihre Butter zu 1,90 Mk. an Wtederver- käufer abgeben. Eier dürfen im Kleinverkauf nicht mehr als 2,60 Mk. die Steige kosten.
Nordhausen, 28. Oktober. Der Sohn des Malermeisters Mangold in Ellrtch hatte das Unglück in der vergangenen Woche bei Anstricharbeiten von der Leiter zu stürzen. Er schien sich hierbei aber nur leichte Verletzungen zugezogen zu haben und konnte seinem Berufe nachgehen. Im Laufe der Woche verschlimmerte sich aber sein Zustand derart, daß er starb. Die Familie verlor schon vor einigen Jahren einen Sohn infolge eines Sturzes vom Baum.
Münden, 27. Oktober. Hier wurde unter einem Kehrrichthaufen die unbekleidete Leiche eines Kindes gefunden, das etwa 14 Tage alt gewesen sein mag. Auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft wurde die gerichtsärztliche Oeffnung der Leiche vorgenommen. Nach der Mutter des vermutlich einem Verbrechen zum Opfer gefallenen Kindes wird geforscht.
Aus dem oberen Wesertal, 28. Oktober. Heute Nacht ist nicht unbeträchtlicher Schneefall eingetreten. Nicht nur auf den Bergen sondern auch im Tal liegt eine geschlossene Schneedecke. Im Tal lag heute früh, wo es noch langsam weiter schneite, die Schneedecke etwa 2Vs Zentimeter hoch.
Langensalza, 28. Oktober. Die Schulvorstände der gewerblichen und der kaufmännischen FortbildungS- schule beschlossen einstimmig, für die Dauer des Krieges für die über 16 Jahre a2-a Schüler den eigentlichen Fortbildungsschulunterricht bis auf drei Stunden wöchentlich zu beschränken und an die Stelle der frei gewordenen Stunden Uebungen zur militärischen Vorbereitung zu setzen.
Bamberg, 28. Oktober. Der Besitzer des Elektrizitätswerkes in Hallerndorsim Aischgrund, M. Beßler, erhielt dieser Tage einen Brief seines am 14. Dezbr. 1914 gefallenen Sohnes-Michael (Kriegsfretw. im 5. Bayer. Jnf.-Regt.). Preußische Truppen hatten nämlich beim Anlegen von Schützengräben die Leiche des Gefallenen anfgedeckt, und in der Meinung, einen Vermißten vor sich zu haben, nach dem Erkennungszeichen des Toten gesucht. Dabei fanden sie ein Soldbuch, einen völlig unversehrten Brief an obige Adresse, den der junge Beßler anscheinend kurz vor seinem Tode geschrieben hatte. Nnn hat der Brief, der schon zehn Monate unter der Erde ruhte, doch seinen Bestimmungsort erreicht.
Frankfurt a. M., 28. Oktober. Die Metzgerinnung zu Alzey hat den Preis für Schweinefleisch und sämtliche Wurstwaren um 20 Pfg. per Pfund herabgesetzt. Man rechnet für den Winter mit einem weiteren Rückgang der Schweinefleisch- und Wurstpreise, da die Ställe der Landwirte gegenwärtig wieder sehr gut mit fetten Schweinen angefüllt sind und die Nachzucht durch Jungschweine gerade jetzt infolge der reichen Kartoffelernte eifrig betrieben wird.__________________
Durch die Lupe.
Ein Stückchen Zeitgeschichte in Versen.
Weder mit brutaler Drohung — noch mit zuckersüßem Wort — reißt der Vterverband die Griechen — jetzt zu einer Dummheit fort, — mag er noch soviel versprechen, - kühl und stumm bleibt's in Athen, — man vermag beim besten Willen — dort den Vorteil nicht zu sehn, — weil ihn Londons Diplomaten — gar zu dringend angeraten. -- Daß es England jetzt allmählich — selber an die Nieren geht, - offenbart sich immer klarer, — denn man will, jedoch zu spät, — jetzt vom eigenen Besitze — etwas opfern schon sogar, — während sonst bisher die Mode — darauf zugeschnitten war, — schöne Dinge zu versprechen, — die man selbst noch nicht besaß — und die man vergessen hätte, — wenn man dann im Trocknen saß.--Konstantin, der Griechenkönig, — hat den Schwindel prompt durchschaut, — daß man vorderhand hauptsächlich — nur auf seine Hülfe baut, — daß ihn, wenn er unklug wäre, — und sich fangen ließe jetzt, — später sicherlich der Sieger — achselzuckend kalt gesetzt. — Schon in Rom hat man's erfahren, — was es für Neutrale heißt, - wenn man gar zu rasch und eilig — gleich an Englands Köder beißt, — bei Salandra und Sonnino — und der ganzen Hetzerbrut — sitzt bereits die Katerstimmung — eingewurzelt tief im Blut) — könnten aus dem Schmutzgeschäfte — heute sie noch heil heraus, — ginge dankerfüllt Cadorna — mit dem ganzen Heer nach Haus! — Auf Italien nur zu schauen — braucht der König Konstantin, — um sofort sich klar zu machen: Niemand wird den Strick zuziehn, — dessen Schlinge sich am Ende — um ihn selber legen könnte. Walter-Walter.