König Ferdin« von Bulgarien als Soldat
Als König Ferdinand vvu Bulgarien die Regierung übernahm, war das bulgarische Heer klein, ohne große Bedeutung. Schon der Krieg gegen die Türkei zeigte, was König Ferdinand in rastloser Arbeit auf miti- lärischem Gebiete geschaffen hatte. An Haupt und Gliedern war das Heer reformiert und ausgebaut worden. Nach dem Kriege ließ er es sich wieder angelegen sein, weiter für die Schlagfertigkeit des Heeres zu sorgen und es für günstige Fälle tüchtig zu machen, wenn die Gelegenheit zur Rache für den Betrug Serbiens nahte. Ein besonders inniges Verhältnis verbindet ihn mit dem bulgarischen Offizierkorps, das die Bedeutung des - bersten bulgarischen Kriegsherrn sehr wohl zu schätzen weiß. Man wird von dem Geist, den König Ferdinand in dem bulgarischen Offizierkorps pflegte, eine richtige Vorstellung erhalten, wenn man die Rede kennen lernt, die er in der Neujahrsnacht 1900 an die zu Offizieren ernannten Kadetten der bulgarischen Junkerschaft gehalten hat:
„Bevor Ihr in ine Armee, als deren Erzieher, heute '.ingereiht werdet, ist es die Pflicht Eures für die Verteidigung des Vaterlandes verantwortlichen Oberbefehlshabers, Euch auf die drohenden Gefahren, die den bulgarischer! Horizont verdüstern, aufmerksam zu machen und Euch ins Gedächtnis zu rufen, wie hoch und wie schwer die Ziele sind, die das Interesse und das Gedeihen der Nation unserer Armee auserlesen. Um diese Ziele erreichen zu können und auf der gewünschten Höhe zu erhalten, braucht die Nation aufopfernde, ehrliche und uneiycnitüOioe Offiziere. Solche können aber nur diejenigen sein, die ihren wahren Beruf und ihre Pflicht nicht nur dem Scheine nach ausfassen, oder nach einer leichten, sorglosen Karriere streben, sondern nur diejenigen, die mit tapferer Selbstverleugnung und mit eiserner Standhaftigkeit Ihre schwere Pflicht gegen das Vaterland zum Schutze seiner Grenzen und zur Verwirklichung seiner heiligen Ideale erfüllen. Denn, wenn es ein Land gibt, das daSMecht hat, zu verlangen, daß ihm seine Söhne all ihre Kräfte und Fähigkeiten widmen und ihren letzten Tropfen Blut für seine Erhaltung und Größe hergeben, so ist dies Bulgarien, dieses Bulgarien, das wir alle von Herzen bis zur 5iuf= opferung lieben müssen, wie es alle jene seiner Söhne geliebt haben, die ihr Leben für sein Bestehen und zu seiner Verteidigung geopfert haben. Der Waffenrock, den Ihr heute an legt, soll Euch als mächtiger Schild dienen gegen Schwächen und Fehltritte, die im Laufe des Lebens die reinste Ehre beflecken können. Bewahret ihn als Symbol der Pflicht. Er soll Euch daran erinnern, mit welch edlen Zwecken er verbunden ist, und wisset, daß Ihr nur durch ein unbeflecktes und tugendhaftes Leben seine Ehre hochhalten könnt und müßt. Wenn ich Euch das alles sage, so geschieht es, weil ich es für notwendig halte, daß gerade ich es sei, der es Euch bei diesem für Euch so wichtigen Momente vor Augen halte, an diesem Tage, der in Eurem jungen und eindrucksfähigen Herzen unvergeßlich.bleiben muß. Ich sage es Euch, weil Ihr die Lehrer der Söhne Bulgariens sein werdet, und weil Ihr mit Eurem musterhaften Benehmen mit den hohen seelischen Eigenschaften, die Ihr zu erreichen trachten müsset, ihnen Vertrauen und Liebe — das beste Pfand der Aufrechterhaltung der Disziplin — einflötzen könnt. Ihr werdet ihre zukünftigen Führer in Gefahren sein, Ihr werdet über ihr Leben verfügen. Als Triebkraft in dieser Eurer Tätigkeit soll Euch das Gefühl beherrschen, daß Ihr dem Vaterlande, dem Fürsten und seiner Dynastie dient. Bulgarien wird Euch dann das verdiente Lob nicht vorenthalten und in dem Bewußtsein, daß würdige, aufopferungsfähige und frische Söhne über seinem Geschick wachen, freier aufatmen und mächtig gedeihen!"
Born Feinde lernen!
Die englischen Diplomaten genossen bisher, ob mit Recht oder Unrecht, bleibe dahingestellt, den Ruf, die besten der Welt zu seiu. Daß es ihnen früher nicht an großen Erfahren gefehlt hat, wird niemand bestreiten. Allerdings sind die Engländer selbst heute wenig mit ihren Diplomaten zufrieden und behaupten nach dem Balkamnnschwung, die deutsche Diplomatie habe sich der englischen überlegen gezeigt. Unbestreitbar aber ist, daß das ganze englische Volk eine jahrhundertelange „diplomatische Erziehung" hat, die uns Deutschen in der Gesamtheit manchesmal noch abgeht. Das'englische Volk und die es repräsentierenden Parlamentarier haben gelernt, daß es oftmals opportun ist, diplomatisch einzu- schwenken und das Reden auf eine fernere Zeit zu verschieben. Und diese Erfahrung haben sie auch unter der schweren Not, in der sie sich heute befinden, nicht abgelegt,' sie machen sogar ab und zu von ihr den ausgiebigsten Gebrauch.
Die Milliardenanleihe in Amerika bedeutet für Englands Geldhochmut einen der fchwersten Schläge. Die Rede, in der der englische Sückelmeister die amerikanische Anleihe im Unterhänse für das englische Empfinden zu- rechtstutzte, glich einem Eiertanz. Die wundesten Stellen berührte Me. Keuna nur mit gauz zarten Fingern. Für die englische politisch-diplomatische Auffassung aber war ein Passus dieser Rede recht bezeichnend,- bezeichnender aber noch das negative Echo, das er bei den Parlamentariern hervorrief. Mc. Kenna sagte zum Schluß feiner Pumpverteidigungsrede folgendes: „Obwohl die ganze Transaktion nur zur Begleichung bereits eingegangener und demnächst fällig werdender Verpflichtungen vorge- nommen worden ist, haben einige amerikanische Volkskreise, deren Sympathie nicht für uns ist, eine ziemliche Opposition gegen uns gemacht. Ich hoffe, daß in der Debatte das Bestehen dieser Parteien nicht überleben, und daß in sorgfältigster Weise eine Sprache vermieden wird, die von den uns feindlichen Kreisen zum eigenen Vorteil und zum Nachteil der Verbündeten gedreht und gedeutet werden könnte."
Das englische Unterhaus nahm diese Worte mit Schweigen auf, und keiner der Parlamentarier streifte sie in der nachfolgenden Debatte. Auch die englische Presse enthielt sich der doch recht naheliegenden Kommentare, die zu andern Zeiten sicher recht bitter und hochmütig-verweisend ausgefallen wären. Die „Nordö. Allg. Ztg." hat recht, wenn sie an dieses Vorkommnis die nachdenkliche Betrachtung knüpft: „Vielleicht überlegen sich gewisse Kreise in Deutschland, ob sie nicht in dieser Hinsicht von einem Feinde .erneu können, dem sie ja stets, nicht ohne polemische Nebengedanken, eine besondere Begabung für die diplomatische Arbeit nachrühmen." N. K.
An Borb des Kreuzers „Wollte.“
Schilderung eines Neutralen.
Karl von Wiegand, der bekannte amerikanische Journalist, hat den von ihm vertretenen amerikanischen Blättern nach dem „B. L.-A" über seinen Besuch auf der deutschen Hochseeflotte einen Bericht gesandt, der von Bord S. M. Schlachtkreuzer „Moltke" datiert ist und in dem es heißt:
Ich befinde mich an Bord von S. M. S. „Moltke", einen! von des Kaisers schönsten, schnellsten und stärksten Schlachtkreuzern, als Gast des Kommandanten, Kapitän zur See von L. Zufolge Londoner Berichten scheint die englische Marine den „Moltke", als in der Ostsee versenkt, aus der Liste der feindlichen Schiffe gestrichen und den britischen Unterseebootkommandanten mit dem Kreuze des St.-Georg-Ordens belohnt zu haben dafür, daß es ihm gelungen ist, den großen Schlachtkreuzer auf den Grund des Meeres zu senden. Ich beabsichtige nicht, dem Verdienst dieses Untersee- bootkvmmandnnten irgendwie zu nahe zu treten, muß aber doch die Tatsache feststellen, daü der »Moltke" mir
seinen großen Geschützen und seinen 28" Meilen VB fchwiudigkeit noch ebenso stolz auf den Wellen schwimmt wie zuvor. Ein schnelles Torpedoboot hatte mich an Bord gebracht, und ich kann bezeugen, daß ungeachtet der englischen und russischen Berichte der „Moltke" noch immer ein Schiff ist, mit dem gerechnet werden muß. Ich sah auch die „Kolberg" und hörte in der bestimmtesten Weise, daß auch die „Pommern" und „Bremen", die beide wiederholt als gesunken ausgegeben worden sind, vollständig unbeschädigt sind. Der Schlachtkreuzer, mit seinen niedrigen Linien wenig über die See hinaus- ragend, bildet die Spitze einiger größerer Krregsschiff- formationen, welche sich auf Vorposten befinden. Ich habe das Schiff vorn Bug bis zum Heck und von den Kesselräumen bis zur Kommandobrücke begangen.
Da der „Moltke" weit draußen in See lag, brächte mich Oberleutnant S. auf einem Torpedoboot hinaus. Von der Brücke des Zerstörers konnte ich während der Fahrt, als wir aus dem Kriegshafen Herauöfuüren, einen guten Teil der deutschen Flotte übersehen. schnelle Torpedoboote schnitten in allen Richtungen durch die gekräuselten Welleu, während wir die langen Kolonnen von Deutschlands größten und mächtigsten Krieasschis- fen passierten. Ueberall an Bord wurde geübt und exerziert, und es war klar, daß man keine Stunde verliert, um Offiziere und Mannschaften in Uebung zu erhalten, während man auf das Kommen der Engländer wartet. Alle Schiffe waren in bleigrauer Kriegsfarbe ange- strichen, das Deck klar zum Gefecht, und so lagen sie vor ihren Ankern in den grauet!, windgepeitschten Wassern. Dunkle, schwarze Wolken jagten durch den grauen Nebel, durch den in allen Richtungen Signallampen und Blinkfeuer funkelten. Auf einigen Schiffen spielte die Schiffsmusik. Es war ein gleichzeitig erregendes und ergreifendes Bild. Wir fuhren nahe bei dem Ueber- dreadnouaht. . . ., dem Flaggschiff der Flotte, das die Admiralsflagge des Oberbefehlshabers gesetzt hatte, vorbei und liefen dann nahe bei der „Kolberg" noch weiter hinaus in die See. Wir kamen in Sicht des „Moltke" an der Spitze des Vorpostengeschwaöers. An Bord des „Moltke" empfing uns Kapitän von . . . am Fallreep mit herzlichen! Gruß und Willkommen.
Der Eindruck, den ich sofort auf dem „Moltke" wie auch auf anderen Schiffen hatte, war die, wenigstens scheinbare, Jugendlichkeit der Offiziere. Der Kvmman- dant dieses Schlachtkreuzers mit seinen 1300 Mann ist vielleicht 42 Jahre alt, sieht aber in Wirklichkeit wie alle seine anderen Offiziere viel jünger aus. Was mich au der Mannschaft besonders interessierte, war ein Vergleich mit britischen und amerikanischen Mannschaften. Sie sind alle durchschnittlich unter 23 Jahre alt, kräftig und untersetzt, mit jenem Ausdruck ruhiger Entschiedenheit, welche für die Soldaten der Armee charakteristisch ist, und offenbar besitzen sie auch dieselben moralischen und physischen Eigenschaften, wie sie in der Landarmee zu finden sind. Heute nachmittag wurde eine Schießübung mit schwerem Kaliber abgehalten. Ich beobachtete das Schießen vom Kommandoturm und auch von der Innenseite der Türme aus und besuchte dann auch die Munitionsmagazine- wo die Geschosse für große Geschütze lagen.
Als die Dämmerung begann, wurden die Torpedo- netze versenkt, und in wenigen Minuten war der Schlachtkreuzer von einer Krinoline aus Stahl umgeben. Alle Oeffnungen, durch welche Licht nach außer dringen konnte, waren geschlossen. Irgendwo in der tinten- schwarzen Finsternis, eine beträchtliche Entfernung weiter nach vorn, fahren Patrouillenboote hin und her sowie ganze Torpedo- und Zerstörerflotillen.
Die Nacht wird dunkler und dunkler, tintenschwarze Wellen stürzen Über die unteren Decks des Schlachtkreuzers, kein Licht ist zu sehen in dem grimmigen Schweigen der großen Schlachtmaschinen, die da vor Anker liegen, wie nun seit nahezu 15 Monaten, und aus dem Murmeln, das aus der Tiefe der Decks heraufstötzt, glaube ich stets dieselbe stereotype Frage zu verstehen: „Glauben Sie, daß die Engländer jemals herauskommen und uns angreifen werden?"
KolikiHÄtffahren.
Das Konkursverfahren über den Nachlaß des Handelsmanns Jakob GoldschmidtH. zu Hersfeld wird nach erfolgt er Abhaltung des Schlußtermins hierdurch aufgehoben.
Hersfeld,
den 26. Oktober 1915.
Königl. Amtsgericht.
Kreis-ArbeitsnacDweis Bebra.
Gesucht werden sofort: 1 tücht. Packer
1 kräftiger Hausmeister
3 Knechte
1 Mädchen das melken kann 3 ledige Pferdeknechte z. 1. 1. 16 1 tücht. verh.
Knecht auf ein Gut. 20—30 militärfreie kräftige Arbeiterdei gutem Lohn für eine Lederfabrik; Arbeit ist in geheizten Räumen. Stellung sucht sofort:
1 verh. Schweinemeister.
Du bist so früh von uns geschieden, Du liebes, gutes, treues 5erz,
Du ruhest jetzt in Ru&lands Erde Und wir find hier in unserm Schmerz.
Den Heldentod fürs Vaterland starb am 14. September in einem Gefecht in Russ- land unser einziger, innigstgeliebter, unvergesslicher $ohn, Bruder, Schwager und Onkel der
Musketier Georg Ries
Im Wege der Zwangsvollstreckung sollen zu Cathus am L« Oktober 1915, vormittags 9 Uhr- folgende Gegenstände als
2 Kühe
1 Stierenkalb ca. IV2 Jahr alt
1 desgleichen ca. 1 Jahr alt öffentlich meistbietend gegen gleich Barzahlung versteigert werden.
Zusammenkunft der Kauf- liebhaber, vormittags 9 Uhr in der Wirtschaft Koch in Cathus.
Becker, Gerichtsvollzieher.
FchbiiW bei hohem Lohn für sofort gesucht.
G. W. Schimmelpfeng.
Israel Gottesdienst.
Freitag, 29. abends 5.—
Samstag, 30. morgens 8.30 „ 30. nachm. 3.30
„ 30. abends 5.40
Hagebutten kauft jedes Quantum H. Pfromm, Handelsgärtner, Homberg (Bez. Casfel).
Mädchen
Knechte u.sonstiges
Personal findet man leicht durch ein kleines Inserat im
üersieider Tagediait
FrachMe
liefert mit und ohne Firma
l. Funlts BuchdrucKereL
11. Komp., Inf.-Regt. 167 im blühenden Riter von 21 Jahren.
Wippershain, den 24. Oktober 1915.
Auf Wiedersehn !
Und dann Hi’s still. Es ist vollbracht, Uns tfl der Sieg nach schwerer Schlacht. Der Bimmel glüht im Abendrot. Durchs Schlachtfeld schreitet Schnitter Tod. (Bit blut’ger Sens! Bis mittags spät Bat grüne Saat er hingemäht. — Ein Büchlein rauscht durchs Wieienfeld. Am Ufer ruht todwund ein Beid, Zerschellen Bruli, zerschmettert Arm, Die Wunde brennt, das Blut flieht warm. Er ruht so jung, ein Knab’ noch gar, Die Wangen bleich und blond das Baar. Verklärung in dem Angesicht.
3m Sterben ieis der Wunde spricht: Ade, du Welt, io schön. Io weif, Gott ruft mich in die Ewigkeit. Ach Eltern, goldige Eltern mein, 3hr weint um mich im Kämmerlein.
In tiefem Schmerz:
Heinrich Ries, Vater
Katharina Ries, geb. Steimar, Mutter
Rdam Clausius u. Fran
geb. Rie$ nebst Kindern,
3hr weint um euern einz’gen Sohn. Der starb im Lenz des Lebens schon. Zieh hin, unser Kind, wir wehren nicht, Dein Kaiser ruft, tu’ deine Pflicht.
So spracht 3hr, tapfre Eltern mein, Und ich zog aus, 3hr bliebt allein. — 3ch schau euer gramvoll' Angesicht — Sein (Bund erstirbt, sein Auge bricht. (Beine Eltern, Schwester! — Sein letztes Wort ; 3hr Winde tragts aus Rußland fort! Der Bimmel löscht sein Abendrot.
Am Büchlein ruht der 3üngling tot. Die Vöglein unterm Bimmelszeit, Sie klagen um den jungen Beid. Durchs Wielental das Büchlein rinnt, Durchs LauLwerk harfi der Abendland.
Dun ruhe sanft im Beldengrab, Befreit 000 allen Schmerzen. Die Liebe die Dich hier umgab, hebt fort in unserem Berzen. Du warft der Eitern einzige Stütze Und deiner Schwester Glück.
Setzt aber kehrst du nimmermehr zu uns zurück. Ruhe sanft in ew’gem Frieden, Ewig beweint von Deinen Lieben.