Einzelbild herunterladen
 

Noch auch W* üveküll getvorsen. Die Set Kuja« revac stehenden serbischen Truppen sind überflügelt und befinden sich, falls sie sich nicht zu schleimigem Rückzüge entschließen sollten, in sehr gefährlicher Position. Die im äußersten Süden operierenden bulgarischen Truppe»» haben die Eisenbahn nach Saloniki am Barbar nnge- ähr bei Gradetz erreicht, den feindlichen Widerstand ge­brochen und mehrere über den Bardar führende Brücke»» zerstört. Unter den geschlagenen Serben wurde die An­wesenheit schwacher französischer Truppe»» bemerkt. Die Eisenbahnlinie Nisch-Saloniki »st jetzt unter allen Umstände»» für die Verbündeter» völlig wertlos geworden, da auch an Stellen, wo die Linie noch nicht von Bulgaren besetzt ist, »vichtige Kunstbanten zer­stört sind. Nördlich vor» Branja besetzte»» die Bulgare»» Zlotokowska und rücken in der Richtnng anf Leskowatz weiter vor. Die serbische Zivilbevölkerung ist ans Les­kowatz bereits fortgeführt worden. 3m Verein mit Tei­ler» der Armee des Generals Bojadjeff bilden diese Truppen die Klammern einer furchtbaren Zange, die sich nm Nisch z»» schließe»» im Begriffe steht. Nach den letzte»» Meldungen erscheint auch derFallvonPirot als unmittelbar bevorstehend. Alle strate­gisch »vichtige« Stellungen auf den die Stadt und die' Festung beherrschender» Höhen sind teils von den Serben freiwillig geräumt, teils von ben Bulgare»» mit stür­mender Hand genommen worden. Man konnte an bett zerschossenen Befestigungen die furchtbaren Wirkungen des Feuers der schweren bulgarischen Artillerie beob­achten.

> Eine große Schlacht bei Kotschana.

Kopenhagen, 23. Oktober. (T. U.) Bei Kot- schana steht nach den» „B. T." eine große Schlacht bevor. Die Bulgaren drangen über Beles (Köprülü) gegen Monastir vor. Die Bahn nach Rislovic ist von bulga^ rischen Truppen, die hier ein befestigtes Lager bezöge»» haben, besetzt worden.

Serbien droht mit einem Sonderfrieden.

Das Bttdapester Blatt „A Vilag" erhält, der „Köln. Ztg." zufolge, aus Saloniki die Nachncht aus Mottastlr, daß nach dort eingetroffener» Meldnnge»» »»»» serbische»» Hauptquartier unter dem Vorsitz des Kronprinzen und unter der Teilnahme Putniks und der Gesandten der Ententemächte ein Kronrat stattfand, tu welchen» fest- gestellt wurde, daß die Lage Serbiens gegenüber ben Zentralmächten und Bulgarien aussichtslos sei. Die Hilfsaktior» der Verbündete»» sei verspätet und auch uh= durchführbar. Wen»» nicht Griechenland zur Anerken­nung des casus foederis gezwungen werde»» könn^ sei Servier» verloren, wenn es nicht um jeden Preis Frie­der» schließe. Putnik und Paschitsch schloßen sich dreser Ansicht des Kronprinzen an. Es wurde beschloßen, der Kronprinz solle alt den Zaren Nikolaus, an Ponrcare und König Georg telegraphieren, sie möchten Griechen­land zur Einlösung seiner Bündnispflicht zwrngen oder Serbierr gestatten, sein Schicksal allein zu bestimmen. D»e Ententegesandter» »vidersetzten sich dem, die Telegramme ginge»» aber ab. Es erfolgte bisher keine Antwort. Putnik legte sein Amt wegen Zerwürfmßen »nit de»» Generale»» der Verbündeten im serbische»» Hauptquar­tier nieder, indem er jenen «»»deutete, daß ihre Anwesen­heit ohne ihre Truppen im serbischen Hanptqnart»er überflüssig sei.

Vor dem serbische»» Zusammenbruch.

Die „Basl. Nachr." besprechen in einem Leitartikel die Möglichkeiten, wie der V»erverba»»d de»» «erbe»» helfe»» könnte. Sie folgern, daß schließlich nur ein noch­maliger Versuch, die Dardanellen zu bezivingen, üb»»g bleibe. Ein solcher Entschluß wird freilich die Serben dem Feind für die Dauer des Krieges vreisgeven. Das serbische Volk hätte für die Sache der enteilte soviele pnfer gebracht, daß man es nicht fasse»» könnte, we»»n es ^etzt hilflos bliebe. Ein rasches völliges Abrücken der Enteilte würde der serbischen Armee mindestens eine ehrenvolle Kapttulatio»» gestatten ihr Verlangen, daß sie den Kampf fortsetze, bis keine Männer mehr da seien, gehe zu weit.

Der serbische Regierungssitz nach Kraljevac verlegt.

^ Bukarest, 23. Oktober. (T. U.) t Der „Jude- peuöanee Routnaine" zufolge ist nach der „Berliner Moraenpost" der Sitz der serbische»» Regierung nach Kral­jevac verlegt worden, da der Weg nach Monastir nicht mehr frei ist.

Bulgarische Fliegerbomben aus Nisch.

Sofia, 28. Oktober. (T. U.) Das serbische Pressebüro teilt nach der „Dtfch. TgztgA »nit: daß ein bulgarisches Flugzeug 14 Bomber» auf Nisch fallen ließ und hierauf unter den» Feuer der Abwehrgeschütze wieder entfloh.

Neue Angebote der Entente an Griechenland.

^ Athen, 23. Oktober. (T. U.) Es wird jetzt nach den» „B. T." bekannt, daß folgende neue Konzessionen seitens der Entente an Griechenland gemacht wurden, ialls es sich am Kriege beteilige. Ihm soll außer bett Landstrichen in Kleinasien auch der umstrittene.Teil von Nord-Epirns, ferner die Lime Monastir-Gevgheli-Dm- rau und das bulgarische Küstenland in Thrazien zuf«l- en. Autzerdern »vittigt England schor» jetzt in Berhario- innge»» über Abtretung Cyperns an Grieche»lla»»d sowre n einen militärischen Beistand von 800 000 Man»».

Griechenland verwirft das Angebot Cyperns.

s* Cöln, 23. Oktober. Die „Köln. Ztg." meldet nach der „Times" ans sehr guter Quelle, daß Grrechen- land das Angebot Cyperns verworfer» hat.

Griechenland gegen eine italienische Landung.

Die „Köln. Ztg." berichtet aus Pest: Eitler Atherrer Meldung der Zeitung „Bilag" zufolge, teilte der ita­lienische Gesandte dem griechischen Mintzterprastdenten Zaimis mit, daß die in Saloniki gelandeter» Truppen durch 80 000 Mann italienischer Truppen verstärkt wer- den sollen, die in Saloniki oder Kawalla landen wür­den. Zaimis erklärte, daß landende italienische Truppen dem Widerstände der griechischen Küstenbatterien be- gegueit würde«.

Eine Aenderung im rumänischen Kabinett?

w Bukarest, 28. Oktober. (T. U) „Universul" meldet: Nach Tleutzerungen inachre Peter Carp einem vornehmen Jassyer Politiker folgende Mitteilung: Seid bereit, in kurzem wmd im Kabmett eine bedentende Aen- bernng eintrete«.

Bericht des türkischen Hauptquartiers ]

Koustautinopel, 22. Oktober. (WTB.) Das Haupt­quartier berichtet: Än der Darbanellenfront hat unsere Artillerie bei Änafortg sitze vpm Feinde am Asumkdere EbaMs B^rikade LeschMru uüd ÜS »rSÜ drtzi dort auf.»

gestellten Maschinengewehren vernichtet. Bei Ars Bnrnl» brächte die kräftige Erwiderung unserer Ge­schütze die feindlichell Batterien am Lande und auf See, welche unsere Stellungen eine Zeitlang wirknngslos beschossell hatten, gum Schweigen. Bei Seddnl Bahr warf der Feind ungefähr 1000 Granaten auf unseren linken Flügel, ohne Schadetl anzurichten. Sonst uichls du melden.

Kriegsallerlei.

Regelung der Butterpreise.

Der Bltndesrat hat am Freitag die grundlegenden Bestimmungen beschlossen, nach denen die Festsetzung der Bntterpreise durchgeführt werden saun. Der Reichs­kanzler ist ermächtigt »vorden, Grundpreise, d. b. die Grotzeinkaufspreise am Berliner Markte, nach Anhö­rung eines Sachverställdigenausschusses mit Wirkung für das Reichsgebiet festzusetzerl. unter Berücksichtigung der in den verschiedensteil Wirtschaftsgebiete»! besonde­ren Ntarktverhältrlisse sönnen die Landeszcmralbehvr- den mit Suftimnnuig des Reichskanzlers entsprechende Abweichungen anordnen. Ueber die Preisstellung für den Weiterverkauf int Großhaudel und im Kleinhandel »verden ebenfalls von» Reichskanzler Vorschrifterr er­lassen. Die Gemeillde»» mit mcljr als 10 000 Einwohnern sind verpflichtet, Kleinhandelsüöchstpreise unter Berlick- sichtigung der besondererl örtlichen Verhältnisse festzu­setzerl. Als Kleirihaudel gilt der Verkauf an den Ver­braucher in Mengen bis zu 5 Kilogramm. Die hiernach vom Reichskanzler zu treffenden Festsetzungen sind schon für die nächstell Tage zu erwarten.

Das preußische Gardekorps.

Nachdern das preußische Gardekorps hervorrage»töe»l Anteil an den Kämpfen in Galizien und Polen genonl- men hatte, wurde es aus ben ivestliche»» Kriegsschauplatz übergeführt, mo es zum Scheitern der grasten englisch- französischen Offensive beitrug. Der „Berl. Morgenp." zufolge begrüßte der Kaiser die ziveite Gardedivision mit einer Ansprache, in der der Herrscher der Ausdauer der Division rühmend gedachte. Nach öem Osten hinüber- geroorfen, habe das Gardekorps einen der glänzendste»l in der Geschichte verzeichnetetl Feldziige durchgeführt, der dem Feinde seine fämtlicöeu Grenzfestullgen gekostet hat. Nach getaner Arbeit freue er sich, die Truppe»! im Westen »nieder zn begrüßen unb ihnen persönlich für das Ge­leistete zu bauten. Was der Kaiser von oer Garde er­wartet habe, habe sie »veit übertroffen. Der Monarch betonte am Schlnsse seiner Rede, daß Gott bisher mit uns war und auch weiter mit uns sein werde.

Falsche Gerüchte über bett Papst.

Der „Osservatore Romano" bezeichuet es als Er­findung, daß der österreichisch-ungarische Botschafter Prinz Schönburg mit dem Beistand des Königs von Spanier» einen Plar» für die Flucht des Papstes enl- worfe»» und bem Papst unterbreitet habe. Ebenso be= montiert das Blatt die Meldung, daß der Papst an ben König der Belgier zugunsten des Friedens appelliert und ihr» beschworen habe, eine »virksarne Aktien» etnz»l- leiten, um ben Kampf zu beenden.

Zeppel»»»debatte im englische»» Oberhaus.

&& London, 23. Oktober. (WTB.) In der Ober­haussitzung nom 21. Oktober fragte Bruce, ob während des deutsche»! Lufta»!griffes am 13. Oktober nur drei britische Flugzeuge sich auf der Wacht befunden hätten. Balfonr ermtaerte: Die Verwendung von Flugzeugen zur nächtlichen Verteidigung sei eine schwierige Frage. Die Wetterverhältnisse hätten es verhtndert, daß am 13. Oktober eine größere Anzahl von Flugzengen aus- gestieger» sei. Bryce fragte, wann man im Stande fein werde, Zeppeline anzugreifen. Balfonrs Antwort da­rauf war uuverstätidlich. Sir John Simons gab die Erklärung ab, daß es unzroeckmäßig sei, bei den bevor­stehenden Luftangriffe»» die Bevölkerung au warnen. Die deutschen Luftschiffe, die über der Nordsee gesichtet würden, kehrten oft um, ohne Englarid zr» besuchen.

Russische Treibmine»» in der Ostsee.

Die dänische Presse ist sehr erregt, weil von ben Russen eine große Anzahl von Treibminen gefährlich­ster Art ansgesetzt worden ist, die jetzt überall an den dänischen Strand geschwemmt werde»!, schon erheblichen Sachschader» und Verletzungen von Personen verursacht haben, sowie die neutrale Schiffahrt in der Ostsee und im Sund gefährden.

Für das bulgarische Rote Kreuz.

Der Magistrat von Berlin hat für das bulgarische Rote Kreuz 20 000 Mark bewilligt.

Vermischtes.

Ei»» kriegslustiges junges Mädchen. Auf bem Dort­munder Hauptbahnhof wurde von einem Posten ein Soldat angehalten, der keinen Patz besaß. Bei näherem Znschane»» stellte man fest, daß es sich um ein junges Mädchen handelte, das durchaus mit ins Feld wollte und die Uniform seines Bruders angezogen hatte. Rtit kurz- geschorene»! Haaren glaubte es ungefüttert bis ins Fein- deslarid zu tommen. Der Posten ließ Xanten und Her­kunft durch die Polizei feststellen, die auch dafür sorgte, daß das rrnternehmungsjustige Mädchen, das aus Rauxet bei Dortmund stammt, wieder Heirnbeförüert wurde.

nderweitige Einkünfte zu haben. _ rser Handlungsweise zu zwei Woche»» Gefäng- “ ..........:oe eine Frau Luise D.

Zur Warunug für Kriegersraue«, die bestrebt sind, sich durch unrichtige Angaben Kriegsunterstützungen zu verschaffen, mögen folgende zwei Straffälle dienen, die vor Berliner Strafkammern verhandelt wurden. Der Eheman»» einer Fra»r I, der als Gärtner angeftellt war und jetzt im Felde steht, bekam die Nachricht, oaß ihm auch während des Krieges sein Gehalt weitergezahlt wer­den sollte. Die Frau hob auch das Gehalt ab. stellte aber bei der Entgegennahme der KriegsunterstÜtzunge»» in Abrede, anderweitige Einkünfte zu haben. Sie wurde wegen dieser Handlungsweise zu zwei Woche»» Gefäng­nis verurteilt. — Noch härter wurde eine Frau Luise D. aus Weißensee angefaßt. Diese Angeklagte, deren Ehe­mann gleichfalls im Felde weilt, arbeitete in einer Fabrik bei einem Wochenlobn von 26 Mark, »te kam um Unter­stützung ein, ihr Gesuch wurde aber abgelehnt. Nach län­gerer Zeit kam sie wieder um Unterstützung ein und gab an, daß ihr Wochenverdienst höchstens 15 bis 16 Mark befrage Nachher bat sich herausgestellt daß diese Angabe der Wahrheit nicht entsprach. Diese Angeklagte wurde zu zwei Monaten Gesärignis verurteilt.

Acht Mark für einen Zentner Kartoffeln. Die Straf- kan»mer in München-Gladbach verurteilte den Besitzer

SchLmaAr aus Steinhausen, der Kartoffel»» acht Mark für 100 Pfund verkaufte, wegen Kriegs- wueberb drei Monaten Gefängnis und 1500 Mark Geldstrafe.

Felvgra«er Hnmor. Glosse. In Amerika beginnen Me Sorben auSanaeßen. Man kann keine Kleiderstoffe

mehr färben, und die nächste Folge wirb sein, daß bis Amerikaner in weißen Anzügen herumlaufen muffen Das ist indessen sein Unglück. Weiß ist ta die Farbe der Unschuld, und das patzt derzeit sehr gut für Amerika, Ei»l paar bunte Flicken aber, tun dein Nationalhans- wursten Roosevelt ein (JOren^tarrenfletb daraus zu machen, werden sicher noch aufzutreiben sein.--Merk, mal.. „Wohin, Franzl?" — „In den Ochsen, da is frisch a'zapft — hast d' die Böllerschitss' net g'hört?" ™ „Ja, scho', aber i mein, es wirb nur g'schossen, wenn a neuer Sieg gemeldet ist?" — „Ganz richtt', und bal der da iS, zapft der Ochsenwirt a'."--Der Herr Professor. „Na, Herr Professor, wie geht s beim Militär?" „Danke, der Dienst wäre zum Aushalten, wenn man nur das Gewehr nicht so leicht stehe» ließ."

Als Arzt in bet Türkei

Ein Münchner Arzt, der mehrere Monate in Kon- stantinvpel tätig war, erzählte einem Mitarbeiter der „Mit. 31. 9t." einiges aus seinen Beobachtungen und Erfahrungen. In den türkischen Lazarette»» befindet sich deutsches Pflegepersonal im Verein mit türkischen Soldaten als Hilfspsleger»i, die zwar völlig unausgebil. bet, aber voll des besten Willens waren und bald so­weit herangebildet waren, daß sie schätzbare Dienste leisten sonnten. Auch zahlreiche türkische Damen mel« den sich jetzt zur freiwilligen Krankenpflege. Nicht mu Armenierinnen und Griechinnen, sondern auch mohant« rnedanische Türkinnen. Bor wenigen Jahren noch wäre das als etwas Ungeheuerliches erschienen. Denn die Vorschrift des Korans, daß man von einer Frau nichts erblicken dürfe, als die Fingelllpttze, hätte ent unüber­windliches Hindernis da »gestellt. Aber die gewaltig Umwälzungen, die die jüngste Geschichte der Türkei ( bracht hat, haben auch auf dieses Gebie Natürlich fehlt den Türkinuen die fad_____ _______ dung unserer deutschen Schwestern und Helferillnen durchaus, doch zeigen sie sich gelehrig und bestrebt, zu tun, was in ihren Kräfte», steht.

en

, z ; der Türkei ge« * Gebiet übergegriffen. die fachliche Durchdil-

Ueberhaupt erweist sich die Bevölteuum außer­ordentlich beflissen in Werken der Liebestätigkeit gegctu über ben Verwundeten. Reiche Spenden gingen ent, teils von den bet ben Türken so beliebten Süßigkeiten, vor allem aber von Zigaretten, die in riesigen Mengen geschenkt wurden. Die Zigarette bedeutet sur den Tür­ken ja geradezu eine Lebensnotwendtgkeit. Stau neu 8 sah man die ankonnnenden Berrvundeten, mochten die Verletzungen noch so schwer sein, ihre geliebte»! Ziga­retten rauchen; und saunt waren die verwundeten Tür­ke»! nach noch so schweren Operationen aus der Narkose erwacht, so verlangten sie alsbald nach der unentbehr­lichen Zigarette. Und sie schadete ihnen nicht im ge­ringsten, während man bet uns baheitu in solchen Fäl­len den Patienten in den ersten vierundzwanztg Stun­den saunt mehr als dann und wann einen Schluck Was­ser reichen samt.

Die verwundeten Türken bewiesen eine wunderbar, Widerstandskraft, eine geradezu stoische Ruhe. Kein« Klage laut über ihre Lippen, woher der Wunden wegen, noch wenn die Behandlung unvermeidliche Schmerzen verursachen mußte. Trotz aller zum Teil recht schweren Verwundungen hatten die türkischen Soldaten im gro­ßen und ganzen den sehr bestimmten Eindruck, daß es ihnen in diesem Kriege sehr gut gehe. Und in der Tat haben ja die Verpflegnng und Versorgung von Käm­pfern wie Verwundeten gegen die Balkankriege ge­radezu riesige Fortschritte gemacht. Oft äiktzerten Ver­wundete, die in den Balkankriegen mitgefochten hatten, ganz naiv und überzeugt: Das jetzt, das ist gar kein richtiger Krieg — wir hungern ja gar nicht. J-edenfallS eine Anerkennung dessen, was die Organisation in die­sem Kriege geleistet hat, wie man sie sich schlichter und eindrucksvoller saunt denken kann.

Es sind fast durchweg Anatvlier, prächtige Men­sche»! aus dem kleinasiatischen Menschenreservoir der Türkei. So einfach in ihren» Denken, so unkomplizierte Naturen. Hub von einer so rührende»! Dankbarkeit, wie die Aerzte sie bei europäischen Patienten nie in solchem Maße gefunden hatten. Allah hat es gewollt, was hilft das Klagen! So wird ihnen auch das Sterben leicht. Der Tod hat keine Schrecken für sie. WKab wollte daß sie sterben sollten; nun, er würde schon wissen, wa­rum. lind drüben harrt ihrer gewiß nichts Schlimmes. Sind sie doch gefallen tm Dschiyad, dem heiligen Krieg.

Gewiß, anfangs beobachteten sie natürlich etwas jenes Mißtrauen, das der Türke dem Westeuropäer ent« aegenbringt. Aber das ändert sich bald. Sehen sie erst, daß man ihnen Gutes will, daß man auf ihre kleinen Wünsche liebevoll eingeht, dann werden sie bald zutrau­lich wie die Kinder. Und sind von einer rührenden An­hänglichkeit, einer unerschöpflichen Liebenswürdigkeit und einer staunenswerten Geduld. Aber große Kitlder bleiben sie immer und in allem. So dachten sie alle: je öfter wir verbünde»» werden, desto besser ist es. Und sie komme»! oft ans eigenem Antrieb in die Verband- säle und erinnern daran, man habe sie wohl vergessen, sie seien heute noch nicht verbunden worden. Daß eine Wunde auch ihre Ruhe habe»! muß, das konnten sie nur schwer begreifen.

Auf gründliches Bade»! der anfommetiben Verwun­deten muß begreiflicherweise großes Gewicht gelegt werden. Und auch der Barbier findet bei jedem der Verwundeten Arbeit. Das ging nun »licht ohne manche Schwierigkeit ab. Besonders die frömmeren Leute sträubten sich zunächst gewaltig gegen die Prozedur des Haar- und Bartscheerens. Da gab es die „heiligen" Bärte, die auf der Pilgerfahrt nach Mekka gewachsen waren. Ihre Besitzer wollten sich zunächst gar nicht da­zu verstehen, dieser» geweihten Schmuck zu opfern. Aber schließlich halfen energisches Auftreten und der ausdrück- liehe Hinweis auf ihre Eigenschaft als Soldaten auch bet ihnen.

Weisere Drahtnachrichten,

Englischer Hilferuf an Kanada.

«> Haag, 23. Oktober. (T. U.) Die „Morning Post" meldet aus Toronto: Die englische Regierung hat sich an die kanadische Regiernng mit dem Ersuchen ge, ■ wandt, wenn irgend möglich während der nächsten 12 Monate England mit 200 001) Mann neuer Truppen zu unterstützen.

Der serbische Bericht.

Lyon, 22. Oktober. (WTB.) Der „ProareS" meldet aus Nisch unterm 17. Oktober amtlich: unter dem Drucke des Feindes wurden wir gezwungen, Kot­schana und Jstip zu räumen und starke Verteidigungs­stellungen zu suchen. Die feindliche Taktik richtet sich in dieser Gegend gegen die Vereinigung der serbischen Truppen mit den aus Saloniki kornmenden Truppen der Alliierten.