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Sie großen Hohenzollern uns die Religion.

Der Große Kurfürst hat in einem durchaus persönli­chen Verhältnis zu seinem Gott gestanden. Davon zeugt seine ganze Lebensführung, wie wenig er auch von man­chen »linder guten Charaktereigenschaften frei gewesen ist. Insbesondere hat ihm seine Heftigkeit zeitlebens viel zu schaffen gemacht, in der er sich gelegentlich zu Auf- uMungen des Zornes, wohl auch zu hinterher von ihm selbst bedauerten Gewalttätigkeiten hat so meinen lassen. Aber der Grundzug seines Wesens war ein unerschütter­liches Gottvertrauen mib reine ansrichtige Frömmigkeit. Darin hat der kühne Mut und die unerschrockene Stand- haftigkeit, die er auch in den schwierigsten Lagen seines Lebens sich bewahrte, ihren letzten Grund gehabt. Für jeden siegreichen Erfolg ist er ebenso kindlich dankbar ge­wesen, wie er jeden Verlust demütig hingenommen hat. Immer trug er auf Reisen ein Gebetbuch und das Neue Testament bei sich. Vor jeder entscheidenden Unterneh- mung rief er Gott um Hilfe an. In die Schlacht von Warschau ist er mit dem Rufe:Gott mit uns!" gezogen. Am Morgen vor dem der Schlacht von Fehrbellin vor­aufgehenden Angriff auf Rothenow sagte er:Ich habe nicht viel geruht, bin aber durch Gott eines guten Erfol­ges gewiß," und vor dem Beginn der Schlacht von Fehr­bellin selbst rief er:Die Kraft des Herrn macht sieg­reich durch Jesum Christum." Bezeichnend für den from- men Sinn des Kurfürsten mtö seinen Glauben an Gottes Hilfe sind die Texte, die er an den von ihm angeordneten Bettagen für die Predigt anorimete.

Das Wort der Schrift:Tu mir kund den Weg, da­rauf ich gehen soll, denn mid) verlangt nach dir" bat der Große Kurfürst zum Wahlspruch, zu der Richtschnur sei­nes Lebens gemacht. Täglich hielt er des Morgens und des Abends in seinem Gemach für sich allein oder in Ge- meinschaft mit seiner Familie eine kurze Andacht,' war er im Felde, so wohnte er den: Gottesdienste seiner Trup­pen regelmäßig bei. Mehrmals im Jahre nahm er mit der Gemeinde an der Feier des heiligen Abendmahls teil. Die damals üblichen vier Bußtage des Jahres be­ging er mit strengem Fasten,' ein Ei, mit etwas Brot ge­nossen, war die einzige Speise, die er sich an diesen Tagen gestattete. Mit dem Bekenntnis:Ich weiß, daß mein Erlöser lebt" auf den sterbenden Lippen ist der Große Kurfürst heimgegangen.

DemPhilosophen von Sanssouci", Friedrich dem Großen, würde man Unrecht tun, wenn man ihn für ei­nen Verächter der Religion halten wollte. Wohl ist er ein Sohn seiner Zeit gewesen und von der damals aufge- kommenen Aufklärung, die an Stelle des christlichen Glaubens nur die Vernunft und, was ihr einleuchtete, gelten lassen wollte, stark beeinflußt worden. Gerade die übertriebene Strenge, mit der sein Vater ihn bei seiner Erziehung zu religiösen Uebungen hatte zwin­gen lassen, hat dazu gedient, ihn der Kirche innerlich zu entfremden und über solchen Glauben, der ihn: als Aber­glaube erschien, und über alle kirchlichen Herrschaftsan­sprüche hat er mit seiner Neigung zu Witz und Spott sich oft sehr geringschätzig ausgesprochen. "Aber er hat volles Verständnis gehabt für die Kraft und den Wert wucklich frommen Glaubens. Als vor der Schlacht von Leuthen in den Reihen seiner Truppen das Lied ange- sttrumt wurde:O Gott, du frommer Gott", da hat er dem Gesänge nicht gewehrt in der Besorgnis, daß dem Feinde dadurch die Stellung und das Herannahen feines Heeres verraten würde. Vielmehr hat er auf die Frage, ob der Gesang nicht verboten werden solle, nur ein kurzesNein" erwidert und zu dem frommen Zielen gewendet hinzu­gefügt:Meint Er nicht, daß ich mit solchen Leuten heute siegen werde?" Er hat schließlich es doch respektiert, wenn Bieten oder andere Heerführer auf denAlliier­ten da oben" ihr Vertrauen gesetzt haben. Mit der größ­ten Entschiedenheit hat er sich dagegen verwahrt, wenn jemand seinen Glauben an einen lebendigen Gott zu be­zweifeln wagte.Ich kenne Gott nicht, aber ich bete ihn an," hat er gelegentlich gesagt, und nach dem Scheiden eines Freundes spricht er die Hoffnung auf ein Wieder­sehen des Verlorenen aus. Er hat sich nicht in der öden Ebene einer auf ihr besseres Wissen pochenden, aber da­bei dem Ernst des Lebens nicht gewachsenen Philosophie verloren. Seine Philosophie hat sich vielmehr immer in das Bewußtsein der Pflicht umgesetzt, so sehr, daß er einmal sagen konnte:Mein einziger Gott ist meine Pflicht." Und wenn er nicht nur geschrieben hat, daß der König der erste Diener seines Staates sei, sondern wirk­lich danach gelebt hat, so ist er mit dieser Tätigkeit zum Besten seines Volkes ein Vorbild für alle christlichen Herr­scher und sicher nicht fern vom Reiche Gottes gewesen.

König Wilhelm I. hat in dem festen und niemals erschütterten Glauben an das Walten der göttlichen Vor­sehung die Kraft seines ruhmreichen Wirkens gesucht und gefunden. Auch er hat bei dem Antritt seiner Regierung die Losung seines Vorgängers:Ich und mein Haus wir wollen dem Herrn dienen" zu der seinigen gemacht. Auf alle, die der Feier seiner Krönung in Königsberg beigewohnt haben, hat die Demut, mit der er fein mit der Krone geschmücktes Haupt vor dem Kreuze Christi gebeugt hat, einen unauslöschlich tiefen und zeitlebens unvergessenen Eindruck gemacht. Zu keinem der ihm während seiner Regierung aufgedrungenen Kriege hat er sich entschlossen und ist er ausgezogen, ohne sich vor­her im Gebete vor Gott zu stärken, und sein ganzes Volk durch Anordnung eines Bet- und Bußtages zu solchem Gebet aufzufordern. Keinen der unter seiner Führung errungenen Siege hat er seinem Volke verkündet, ohne die Mahnung hinzuzUfügen, daß nicht ihm und seinem Heere, sondern Gott allein zu danken sei und daß Gott allein die Ehre gebühre. Mit den zu welthistorischer Be­deutung gewordenen Worten:Welch eine Wendung durch Gottes Fügung" hat er die Siegesbotschaft des Ta­ges von Sedan geschlossen, die er in die Heimat sandte. Unvergessen ist es, wie schwer die Sorge, daß auch seinem Volke die Religion erhalten bleibe, auf feinem Herzen gelastet hat, und wie er dieser Sorge in wiederholten Kundgebungen bewegten Ausdruck verliehen hat. Das Wort, das er in die Altarbibel der Kapelle zu Gastein geschrieben hat:Der Herr ist mein Heil und meine Kraft und mein Psalm" ist sein Lieblingsspruch aus der Bibel und der Wahlspruch seines Lebens und seiner Regierung gewesen, und noch mit schon sterbenden Lippen hat er es bekannt:Der Herr hat mir mit seinem Namen ge­holfen."

(Aus der empfehlenswerten SchriftDie Stellung der Hohenzollern zur Religion und Kirche" von Hofpre- diger a. D. D. Rogge. Verlag des Evangelischen Bundes in Berlin )

Set befestigte Platz Pozarevac.

Auch von dieser Festung ist wie von den anderen serbischen Werken zu sagen, daß sie nur untergeordnete militärische Bedeutung gehabt hat, soweit der Zustand ihrer Werke vor dem Kriege in Betracht kam. Man wird aber wohl mit Recht annehmen dürfen, daß auch hier mancherlei für die Verbesserung und Erhöhung der Widerstandskraft geschehen ist. Schon in Friedenszeiten hatten die Serben eine Verstärkung der Festung Poza- renac geplant. Zu diesem Zweck ist in erster Linie der Bau einer Eisenbahn von Belgrad nach Pozarevae ge­plant worden. Die Vorarbeiten hierzu waren bereits ins Werk gesetzt worden, und ein Teil der Bahn be­fand sich bereits im Ban. Die ganze Linie ist in allen ihren Einzelheiten schon abgesteckt. Sie geht südöstlich von Belgrad ab über Grotzka, dann südlich an Se- mendria nach Pozarevae jauch Posauowitsch). Bis hier geht eine unbedeutende Eisenbahnstrecke, die aus Du- bravitza kommt über Pozarevae au dem Lauf der Mlawa entlang. Die Festung, die der Hauptort des serbischen Kreises Pozarevae ist, liegt 15 Klm. südöstlich der Fe­stung Semendria am Fuße des Bergkammes Sopot, der ziemlich gut befestigt sein soll. Durch die Lage auf halbem Wege zwischen dem Laufe der Morawa und der Mlawa beherrscht dieser Platz die beiden Flußtäler. Die Be­deutung, welche Pozarevae durch diesen Umstand erhält, wird noch dadurch erhöht, daß Pozarevae Kreuzungsounkt einer Reihe verhältnismäßig guter Straßen ist, welche nicht nur die Verbindung nach Süden, sondern auch nach Westen und Osten herstellen. Nach Westen führt die augenblicklich am meisten in Betracht kommende Straße, welche die Verbindung mit der Festung Semendria her- stellt. Nach Osten geht in geringer nördlicher Richtung eine direkte Straße nach Gradiste. Auch diese Stadt hat in dem jetzigen Kriege mit Serbien bereits Bedeutung erlangt, denn aus unserem Generalstabsbericht vom 11. i Oktober erfuhren wir, daß von Gradiste bis Sabae der Donauübergang vollendet ist. Gradiste ist demgemäß als der östliche Flügelpunkt dieses Donauüberganges anzu- sehen. Daraus ergibt sich von selbst, welche Bedeutung die Straße Gradiste-Pozarevac für die weitere Entwicke­lung der Dinge in Serbien hat. Eine dritte wichtige Straße, die für ein in breiter Front nach Süden vor- rückendes Heer neben den anderen von Belgrad und Se­mendria ausgehenden Wegen Bedeutung hat, führt gra- denwegs südlich nach dem befestigten Platz Swileinatz. Eine andere südliche Straße, die mehr die Richtung nach Südosten bat. führt nach Zaiezar in der Nähe der bul­

garischen Grenze. Dadurch stellt diese Straße die Ver­bindung der Nordgrenze Serbiens mit Bulgarien her. Wir sehen aus diesen Angaben, daß Pozarevae ein wei­teres Eingangstor sowohl für das Innere -Serbiens als für den Weg nach Bulgarien ist. Somit erhält diese Fe­stung einen Wert, der weit über ihre militärische Stärke und über ihre Bedeutung als Stützpunkt eines Heeres hinaus geht. (3 )

deutsche Ordnung in Mim.

DieTimes" veröffentlicht in einer ihrer letzten Nummern einen Bericht des Sonderberichterstatters der Chicago Dailu News, Oswald Schütte, der auf unserer Ostfront war, mit dein Hinzufügen, daß dieser Bericht naturgemäß durch die deutsche Zensur gegangen sei. Die­ser Berichterstatter schreibt aus Kowno:

Ich bitt nun auf dem Wege von und nach der Front genug auf russischen Straßen hin und her ge­worfen worden, bis ich mit eigenen Augen sah, was die deutsche Offensive in Bezug auf die Bewegung und Un­terhaltung von Millionen von Truppen an der Ostfront bedeute. Die Deutscheu bekämpfen ja nicht allein die Russen, sondern auch die Straßen und das Wetter. Nicht einmal Motorwagen können hier durchkommen, nur Pferde sind noch brauchbar, und auch diese leiden er­heblich. Die Transportmittel sind aber für Soldaten, die einen zurückgehenden Feind verfolgen, noch wich­tiger als für eine Armee im Stellungskriege. Es sei dabei daran erinnert, daß die Dentschen nun bis zu . einem Punkte in Rußland eingedrungen sind, der un- J geführ ebensoweit östlich liegt wie Konstantinopel. Von 'der Front zurückkehrend, ließ ich mich in federlosem > Transportwagen über schlammige Straßen schleppen, t durch ein Gewirr von Munitionskolonnen, Proviant- ; wagen, Ambulanzen und Verwundetenzügen. Indessen, in Kowno bin ich schon gleich wieder im Bereich deut- l scher Ordnung. Ich habe gerade die verschiedenen Forts tangesehen, die geräumt waren. Diese Forts von Kowno | sin so angelegt, daß mit großer Umsicht jeder Vorteil des r durchschnittenen Terrains benutzt wirb, aber die Werke laus neuerer Zeit waren nicht vollendet. Man hat tu l der Stadt sehr eingehende Maßregeln getroffen, um sich i gegen Hungersnot und gegen Epidemien zu schützen,' letz- t tere zu vermeiden, ist bei den großen deutschen ttttb rus- ? fischen Lazaretten, die hier sind, besonders wichtig. Der kStrom von und nach der Kampffront flutet durch Wilna, ^dessen Einnahme einer von den großen Siegen des Krie- sges war. Aber auch hier mußten die deutschen Behörden l die Gefahr der Krankheit und der Hungersnot betämbfen, i die als gefährlichere Feinde anzusehen waren als die T Russen, nicht für die deutschen Soldaten, auch selbst nicht | für die Hunderttausende von russischen Gefangenen, aber : für die 200 ÖOO Einwohner der Stadt, für die der Winter ; vor der Tür steht.

I Energische Maßregeln des kommandierenden deut- I scheu Generalleutnants brachten die Ziffer der täglichen i Todesfälle au Cholera auf einen herunter mit täglich | zehn neuen Fällen. Bei schwerer Strafe ist die Anzeige ? von jeder ?srt Krankheit angeordnet. Alle Aerzte der : Stadt, Zivil- und Militärärzte, sind zu diesem Zwecke * unter besondere» Vorschriften aufgerufen, und in eine § Liste eingetragen. Alle Todesfälle unterliegen staatlicher ; Aufsicht; der Körper, in ein kreosytgetränktes Leinen j gehüllt, wird in einen hermetisch verschlossenen Sara ; gelegt und innerhalb 12 Stunden beerdigt. Außer den FamilienmitaMberff wird keinem Trauernden gestattet, den Körper des Verstorbenen anzurühren oder zu- schen. Jedes Leichenbegängnis, selbst seitens der Fann- lienangehörigen, ist verboten. Nur dem Priester, dem Kruzifixträger und zwei Kerzentrügeru erlaubt man, zum Friedhof zu gehen. Bei schweren Strafen darf ute^ mand ungekochtes Wasser trinken, auch ist jeder Straßen- verkauf von Lebensrnitteln und Getränken verboten. Die Angestellten der öffentlichen Bedürfnisanstalten und Waschhäuser unterliegen den strengsten Gesundheits­vorschriften. Ein Heer von Straßenreinigern ist damit beschäftigt, die engen und schmutzigen Straßen zu rei­nigen, und die Abflüsse in Ordnung zu bringen. Impf­zwang ist ebenfalls eingeführt. Das zweite große Prob­lem ist die Furcht vor der Hungersnot, denn die vor­handenen Nahrungsmittelvorräte schwinden rasch dahin. Die Deutschen haben ein Verzeichnis aller Vorräte aus­genommen, und sie werden Maßnahmen treffen, um die Vorräte zu strecken, und den vorhandenen Bedürfnissen gerecht zu werden. tKöln. St a i

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