Hälteu, würde auf Täusettde MiMonen Den zu stehen kommen. Wie kann man einen so enormen Betrag au» sammenbringen? Kurzum, Japans Beteiligung an den Kriegsverrichtnngen in Europa ist sowohl theoretisch wie praktisch unmöglich. Der Minister sagt dann, daß die einzige Art und Weise für Japan, den Verbündeten zu helfen, in der Lieferung von Munition besteht. In bestimmten Gruppen des japanischen Volkes wird die Macht Deutschlands überschätzt. In einzelnen Kreisen gewinnt der Eindruck Feld, daß der schließliche Sieg Deutschland zufallen werde.
Die französischen Bombenwürfe auf die neutrale Stadt Luxemburg.
Die näheren Nachrichten, die aus SitYcmßitrg über den französischen Fliegerangriff vom 3. Oktober einge- troffen sind, legen von der Skrupellosigkeit des franzö- fischen Ueberfalls auf die neutrale Hauptstadt beredtes Zeugnis ab. Schon in der Nacht vorn 22. zum 23. August 1914 hatten die Franzosen in der Nähe des Bahnhofes Fliegerbomben geworfen. Diesmal aber unternahmen sie den Angriff in der verkehrsreichen Vormittagsstunde zwischen 8 'und 9 Uhr und richteten ihn auf die belebte- sten Straßen mitten in der Stadt. Soviel festgestellt werden konnte, ist der unverantwortliche Ueberfall von vier französischen Fliegern ausgeführt worden, die nicht weniger als 18 Bomben, darunter auch Brandbomben, nie- de?fallen ließen.
Von den abgeworfenen Geschossen fielen 8 in das Zentrum der Stadt, 6 in die bewohnten Außenbezirke. Daß unter diesen Umständen das ««gerichtete Unglück nicht noch größer war, ist sicherlich nicht Schuld der Franzosen. Eine Bombe, die an der Ecke des Theaterplayes und der Casinostratze niederfiel, verletzte eine Modistin am Bein, eine andere beim Pfarrhaus von St. Michel drei Männer: zwei Feldwebel im Musikkorps der Luxemburgischen Freiwilligenkompagnie und einen Arbeiter. Der eine Feldwebel — übrigens ein Belgier — hat einen Knochenbruch am rechten Bein davongetragen. Der verursachte Sachschaden, der unter anderem das Pfarrhaus von St. Michel und das Haus der St. Paulsgesellschaft betroffen hat, ist nicht unbedeutend. An einer Stelle entstand ein Brand, der freilich bald gelöscht werden konnte. Der Straßenbahnverkehr im Zentrum der Stadt wurde auf Stunden unterbrochen.
Die Entrüstung der neutralen, friedlichen Bevölkerung Luxemburgs über diesen frivolen Angriff ist begreiflich und berechtigt. Das „Luxemburger Wort" stellt in seinem lebhaften Einspruch noch besonders fest, daß der ganze Angriff nicht die geringste militärische Wirkung gehabt habe und fragt: „Wozu eine derart sinnlose Schießerei?" Das Blatt gibt der Zuversicht Ausdruck, daß die Letter des Luxemburgischen Staates es verliehen würden, von allen Kriegführenden die Rücksichten der Menschlichkeit und Gerechtigkeit zu erwirken, auf die die neutrale Bevölkerung Anspruch habe.
krieasallerlei.
Bevorstehende Regelung der Fleischversorgung.
An den zuständigen Berliner Stellen beschädigte mau sich mit Maßnahmen zur Regelung der Flenchversor- gung. Bei der geplanten Preisregelung für Schweinefleisch sei noch unentschieden, ob die Höchstpreise für Lebendgewicht oder für Fleisch im Groß- und Kleinhandel festgesetzt werden. Für die Streckung der Fettvorräte erwäge man die Einführung von fleischlosen Tagen in Gastwirtschaften, die Einführung von Tagen, an denen nur gekochtes Fleisch abgegeben werden darf, und die Einführung von Bestimmungen, wonach neben Wild und Geflügel höchstens zwei bis drei Fleischspeisen auf der Speisekarte geführt werden dürfen.
Ansiedelungen von Kriegsinvaliden in Cadinen.
Die kaiserliche Gutsverwaltung Cadinen beabsichtigt, blinde Krieger und sonstige Kriegsbeschädigte auf ihrem Grund und Boden ansässig zu machen. Die Verhandlungen hierüber gelangen demnächst zum Abschluß. Die Verwendbarkeit von Blinden zu landwirtschaftlichen Arbeiten ergebe sich aus vielen praktischen Versuchen. Die Besiedelung erfolgt insbesondere auf den Vorwerken Cadinens, zuerst auf Vorwerk Kickelhof.
Odessa befürchtet einen türkischen Angriff.
Wie Moskauer Blättern nach der „Ntlztg." aus Odessa mitgeteilt wird, ist Odessa von der Seeseite aus in Verteidigungszustand gesetzt worden. Von der Seeseite aus werden umfangreiche Artilleriestellungen ausgehoben und sorgsam maskiert. In den letzten Tagen sind eine Anzahl von Wasserflugzeugen franzomchen Fabrikats eingetroffen, die in Odesse eine Operations- basis finden sollen. Ein Teil der russischen Schwarzen- Meer-Flotte befindet sich im Hafen von Odessa.
Bestechungsskandal in Paris.
Eine Betrugs- und Bestechungsasfäre bei den Rekrutenaushebungen wurde laut „Temps" in Paris aufgedeckt. Bis jetzt sind 12 Personen, darunter ein Stabsarzt 1. Klasse, zwei Unterärzte und mehrere Sekretare des Rekrutierungsbureaus verhaftet worden. Die Aerzte werden der Urkundenfälschung und Bestechung beschuldigt, da sie gegen Bezahlung von Summen Mischen 1000 und 20 000 Francs Militärpflichtige vom Militärdienst befreiten, sich falscher Zeugnisse bedienten und solche ausstellten. . .
Ein ungeeigneter Friedensagent.
Nach der „Frkft. Ztg." meldet der „Secolo^ aus Rom, der Papst habe den belgischen König ausgejordert, die Initiative zum Frieden zu ergreifen, habe aber eine Ablehnung erhalten.
Die Zuflucht in Griechenland.
Pariser Blätter melden, daß die griechische Regierung ersucht wurde, zu gestatten, daß serbische Flüchtlinge sich anf griechisches Gebiet begeben. Mmister- präsident Zaimis antwortete, die serbischen Flüchtlinge würden in Griechenland bestens empfangen werden, Serbien müsse jedoch für ihren Unterhalt sorgen.
Die Verbindung Saloniki-Monastir unterbrochen.
Dem Lyoner „Progres" wird aus Athen gemeldet, daß der Verkehr zwischen Saloniki und Monastir infolge einer Ueberschwemmung eingestellt wurde und die Tetegraphenlinien nach Nisch schon seit vier Tagen unterbrochen seien.
Eine neue wichtige Eisenbahnlinie.
Dem Lyoner „Nouvelliste" wird aus Petersburg berichtet: Man meldet, daß eine neue Eisenbahnlinie von Petersburg nach Ekaterina am nördlichen Eismeere, dessen Hafen das ganze Jahr über eisfrei sei, Anfang November für Kriegszwecke eröffnet werden soll.
Die Offensive der Engländer bei Loos.
Aus einem Feldpostbrief.
, Wie Du weißt, habe ich mich freiwillig zur Infanterie^ gemeldet. Am 23. September kam der Be- ich sei zum Reserve-Jnfanterie-Negtment . . . ab- wmmMÄrrt. Ich exinste cüles in der SchwadLon, WÄ»
dete mich ab und meldete rnich am 24. September bei Herrn Oberst. . . von meinem neuen Regiment. Nachts, als die viertägige Kanonade eine Pause hatte, meldete ich mich im Gefechtsunterstaud des 1. Bataillons, und nachts um 1 Uhx bei meinem Kompagnieführer gehorsamst am' Stelle. Er sagte, ich käme gerade im richtigen Augenblick. Na, ich wollte durch den Graben in den ersten Zug gehen — es war ausgeschlossen, es war kein Grabell mehr da, alles kurz und klein geschossen: nur die „Bombensicher«" waren noch intakt, und darinnen saßen die Leute. Ein Ueberläufer hatte angesagt, der Feind würde sich gegen 6 Uhr morgens in der Däm- merung anschleichen und »«greife«. Alles freute sich auf die Stunde, auch ich. Die Leute lagen auf dem zerschossenen Grabe« hinter den wieder ausgestellten Schutz- blenden,' vor ims der Drahtverhau war voltfoututeit zerfetzt, man konnte darin spaziere« gehen, ohue hängen zu bleiben. Als es hell ward und nichts zu sehen war, ließ ich die Leute wieder in die Bombeusicheru gehen, da die Kanonade wieder eiusetzte. Verbindung mit dem Kompagnieführer hatte ich wegen der Unpassierbarkeit des Grabens nicht: wenn jemand oben herkroch, wurde er mit Maschimmgewehrfeuer der Engländer begrüßt.
Plötzlich brüllte mein draußen stehender Posten: „Gasangriff!" — „Alles raus!" war mein erstes Kommando. Wie der Blitz lag alles schußbereit oben. „Gasschutzpäck- chen anlegen!" war der zweite Befehl. Er wurde befolgt. Da ist das Gas auch schon da. Ich zeigte den Leuten, daß sie in das Gas schießen sollten, indem ich mit der Ferurohrblichse: von der das Fernrohr fehlte, Hilleilrschoß. Bald kam eine zweite auf uns losgelassene Gaswolke. Nach wettern zehn Minuten dasselbe Schauspiel. Unterdessen hatten wir schwerstes Artilleriefeuer bekommen,' ich sah, wie rechts neben mir im Gasnebel ein Mann frett Kopf weggerissen bekam, ein anderer brüllt durch das Gaspäckchen mit äußerster Anstrengung: „Herr Leutnant, verbinden Sie mich!" und zeigte auf sein blutüberströmtes Bein. Ich zuckte mit den Achseln und schoß weiter,' er verband sich selbst ganz gut. Zwischendurch schoß ich mit der Leuchtpistole immer das verschiedenfarbige Leuchtlugelzeichen für Gasangriffe in die Luft, um Artillerieunterstützung zu bekommen. Die Artillerie schoß auch etwas, denn die Leuchtkugel ging höher als die Stinkwolke war, und wurde von hinten gesehen: aber die Artillerie konnte uns nicht genüge«!) unterstützen. Die Engländer schössen mit Maschinengewehren, da sie meinten, wir rissen vor dem Gas aus, da könnten sie alles niedermühen. Ich machte die Leute darauf aufmerksam und sagte lachend durch das Gas- päckcheu: „Das Vergnüge« machen wir ihnelt nicht, ich freue mich, wenn sie nachher kommen", ging weiter und fragte: „Na Kinder, was macht's Buttergeschäft?" Alles, was noch da war, lachte und hatte guten Mut.
Auf einmal hieß es: „Sie kommen!" Richtig, etwa drei Meter vor uns starrden riesengroße Gestalten mit Riesengashelme« — wie Tancherhelme mit Guckfenstern! Sie schlichen langsam, das Gewehr in der Hand, in gebückter Stellung auf uns zu, drei Meter von uns! Sie hatten uns noch nicht gesehen. Die Guckfenster waren durch die Ausdünstung des Gesichts beschlagen! Wir gaben ein rasendes Schnellfeuer ab, sie purzelten wie die Hasen. Da kam eine Sturmkolonne, vier und vier hintereinander, geschlossn« an: eine Handgranate dazwischen, acht Mann flogen in ^e^eit! Links rasselt ein Maschinengewehr von uns. Noch eine Handgranate in die nächsten acht ankommenden Mann. Bier Mann habe ich noch in meiner Gruppe: keine Handgranate ist mehr da, wir haben zu viel davon auf die drei »«kommende« Gaswolken verworfeu, in der halben Stunde, in der die Wolken kamen. Die Gewehre sind verschmutzt, zwei Mann können noch schießen, zum Gewehrladen habe ich keine Zeit mehr, ich reiße den Revolver heraus und schieße drei in den Dreck, sie strecken die Arme in die Luft und plumpsen hin. Da klemmt sich die Hülse der vierten Patrone im Patronenaus- werfer. Ich sehe nach rechts, ob wenigstens die andern schießen, da sind die Engländer schon in dem an der Stelle noch nicht ganz zerstörten Graben. Das Maschinengewehr im zweiten Zug schießt nicht mehr. Da gebe ich es auf. Mit den 4 Mann (darunter 1 Unteroffizier und mein Bursche) laufe ich zurück. Doch die Engländer sind schon vor mir links — nach vorn gesehen also rechts — wo sie eingebrochen waren. Ich laufe also halbrechts und von da durch den noch freien Laufgraben zurück. Jetzt schon rechts und links hinter mir laufen die Engländer: im zweiten Zug waren sie auch durchgekom- meit oder im dritten Zuge. Endlich macht der Feind eine kleine Pause um sich zu verschnaufen. Ich komme mit dem Unteroffizier und einem Mann in dem hinter der Stellung liegenden Dorf an. Ich lege mich hin, der Unteroffizier auch. Da kommen Verstärkungen an, gottlob! Man gießt mir fünf Gläser Wasser in den Hals, die bleiben nicht ohne Wirkung.
Nach einer Stunde Erholung melde ich mich zur Stelle. Man behält mich da, ich berichte. Da kamen auch schon Gefechtsordonnanzen mit Meldungen. Zwei Kompagnien stürmen Höhe 70 für uns. Ich trug mit gesammelten Soldaten Munition nach vorn, die Verwundeten strömten in Scharen, und Granaten barsten dazwischen, wie Regentropfen schlugen die Splitterchen um mich herum in den Dreck. Ein Major von miß stand am Dorfeingang im tollsten Feuer, besah sich die Sache mit den Händen in der Tasche und gab ruhige, klare Befehle. Großartig heroisches Bild! Höhe 70 war genommen. (Wir haben sie jetzt gut ausgebaut.) Man brächte englische Gefangene .... Unsere neue Stellung liegt günstiger. Sie liegt höher als die aufgegebene alte Linie.
(Köln. Ztg.)
Vermischtes.
Eine Ledigensteuer in Sachsen. Die Kgl. Kreishaitpt- maunschaft Leipzig beschäftigte sich in ihrer letzten Sitzung mit der Steuerordnung der Stadt Oschatz, die die* Genehmigung zur Einführung einer für Sachsen ganz neuen Steuer, nämlich einer Ledigensteuer nach- suchte. Die neue Steuer wurde vom Kreisausschutz schließlich auf Widerruf befürwortet, so daß zu ihrer Jnkraft- tretung nur noch die Genehmigung des Ministeriums des Innern erforderlich ist. Der neuen Steuer unterliegen alle unverheirateten männlichen und weiblichen Personen mit über 1800 Mark Einkommen. Die Steuer wird durch einen Zuschlag zur städtischen Einkommensteuer erhoben. Dieser beträgt bei einem Einkourmen von 1800 Mark bis 2400 Mark 5 Prozent, von 2400 bis 4000 Mark 10 Prozent, von 4000 bis 6300 Mark 15 Prozent, von 6300 bis 10 000 Mark 20 Prozent und bei einem Einkommen von mehr als 10 000 Mark 25 Prozent. Solche Unverheiratete, denen die gesetzliche Unterhaltungs- pflicht von Angehörigen obliegt, sind unter gewissen Voraussetzungen von der Besteuernng befreit.
D'e Explosionskataftrophe in der Pariser Granaten- fabrik Bei der Erplosion in der Fabrik in der Rue Tol- biae in Paris wurden 87 Personen getötet. Bisher wurden 16 tote Frauen und 9 Männer namentlich fest- gestellt, die übrigen Leichen sind bis zur Unkenirtlichkeit verstümmelt. Die Heftigkeit der Erplosiort war derartig, daß in hundert Metern Umtttzis alle Fenster und Schau-
seltster zertrümmert wurden. Die Feustexkädett aller nnV liegender Häuser waren abgerissen und die alten baufälligen Baracken zumeist eingestürzt. Unter den Trümmern lagen zahlreiche Opfer. Viele Arbeiter und Arbeiterinnen sonnten, von der Plötzlichkeit der Explosion überrascht, nicht rechtzeitig fliehen. Der Leiter wurde schwer verletzt. Die Untersuchung hat ergeben, daß ein Unglücksfall vvrltegt. — Nach einer Blättermeldung wurden in der Fabrik Granaten hergestellt. In ihr wurden 200 Frauen und junge Leute besäläftigt. Ein sechsstöckiges lstachbarhaus wurde vollfommen zerstört. Andere Nachbarhäuser find schwer beschädigt.
Die Tosesfahrt eines blinden Fliegers. Ueber eine frurd) die begleitenden Umstände besonders erschütternd wirrende Tragödie in den Lüften, die sich bei Upern av- spielte, berichten Pariser Blätter. Ein von einem Sergeanten gesteuerter, und einem Beobachtungsoffizier begleiteter englischer Eindecker hatte zrvischen Rauchwolken und Geschotzhagel die Richtung verloren und taumelte, wie ein angeschossener Vogel, kreuz und quer im Raum. Einen ?tugenblick lief das Flugzeug Gefahr, zwischen die deutschen Linien zu fallen, er erhob sich aber noch einmal, nnb stürzte schließlich in der französischen Feuer- linie ab. Als man die beiden Insassen aus den Srümmerit befreite, stellte man fest, daß der Offizier tot war. Der Sergeant atmete noch und erholte sich auch soweit, um sprechen au können. An den unsicher ijerum» tastenden Bewegungen der Hände des Schiververletzten erfamtte man aber bald, daß man einen Blinden vor sich hatte. „Wir befanden nlls," erzählte der Unglückliche später tm Lazarett, „auf dem Rückwege von einem Er- kuiidignngsfluge. Wir flogen in 1500 Meter Höhe. Auf allen Seiten und oben und unten platzten die Schrap- liells. Die Deutschen schössen nur zu gut. Plötzlich erfolgte ein furchtbarer Knall, der nie in Trommelfell zerriß. Ich fühlte am Kopfe elitsetzliche Schmerzeri und glaubte zu ersticken. Der Sclunerz ließ dann wohl etwas nach, aber es lag wie ein schwarzer Schleier vor meinen Augen. Es wird der Rauch sein, tröstete ich midi, und wandle mich mit dem Rilf: „Wie dunkel es auf einmal geworden ist," zu dem Beobachter. Er gab feine Antwort, und ich fragte noch einmal, ob er verwundet ist. Am Ende schleppe ich gar eine Leiche mit mir herum. Schließlich kommt mir die furchtbare Wahrheit Mtm Be- wußtsein, daß ich blind bin, und tausend Meter über den feindlichen Ltuiell, einen Toten zur Seite, zwischen dem Eisenhagel hilflos in der Luft kreise. Verzweifelt will ich schon das Steuer fassen und mich in die ewige Stacht sinken lassen, als ich neben mir das Flüstern einer schwachen Stimlne vernehme: „Gehen Sie rasch (lerunter, sollst lst alles zu Ende." Es war der BeobachtnugS- vffizier, der noch einmal sum Bewußtsein erwacht war. „Steuern Sie mehr rechts und gehen Sie dann herunter." Dann war es wieder still. Es waren die letzten Worte, die sich der Sterbende noch abgerlmgelt hatte. Ich folgte feiner Anweisung, und ließ mich fallen."
Vergislele Waffen
sind im Weltkrieg insofern wieder zu Ehren gekommen, als betäubende Gase von den kämpfenden Parteien benutzt werden, um den Gegner aus widrigen Stellungen kerauszutreiben. Aber auch hier soll wie überall im modernen Kriege zwischen zivilisierten Völkern der Grund, satz gelten, daß das Kanlpfmittel, das nur gegen die Angehörigen der bewaffneten feindlichen Macht angewendet wird, den Zweck haben soll, den Gegner kampf- unfähig zu machen und außer Gefecht zu setzen. Ist dies Ziel erreicht und gerät er in die Gewalt des Feindes, so gilt er nicht mehr als zu bekämpfender oder gar zu vernichtender Feind, sondern als leidender Mensch, zu dessen Wiederherstellung alle Mittel der medizinischen Wissenschaft und Kunst angewendet werden, und Tausende und aber Tausende von verwundeten Franzosen, Engländern und Muffen verdanken der Sorgfalt dentsci^er Aerzte nicht nur ihr Leben, sondern ein Leben in voller Gesundheit.
In alten barbarischen Zeiten und bei wilden Völkerschaften ist das anders, da wollte man den Feind um jeden Preis tödlich treffen. Zu diesem Zweck wurden die Spitzen von Pfeilen und Lanzen mit giftigen Pflan- zensäften eingerieben, um auch bei der geringsten Wunde, die dem Gegner beigebracht wurde, eilten tödlichen Er- folg zu erzielen. Derartige Mittel sind aus dem Waffen- arsenal der Kulturnationen glücklicherweise verschwunden. Nur aus Amerika, aus dem Lande, in welchem so viel von der Nnmenschlichkeit des Krieges und der Notwendigkeit, ihn au beendigen, geredet wird und noch viel mehr durch Waffenlieferungen an Deutschlands Feinde getan wird, um ihn zu verlängern, dringt auch die Kunde von der Herstellung giftiger Granaten zu uns. Eine Fabrik preist ihre Herstellung an und empfiehlt sie wegen ihres billigen Preises und ihrer absolut sicheren Wirkung, da jeder von einem Sprengstück auch nur leicht Getroffene unfehlbar innerhalb vier Stunden zufolge der giftigen Wirkung einem qualvollen und sicheren Tode verfalle.
Natürlich handelt es sich, abgesehen von der rohen und niedrigen Gesinnung, die sich in solchen Anpreisungen verrät, um echt amerikanischen Schwindel, denn wenn auch wirklich die metallischen Spreugstücke mit Arsenik, Strychnin oder einem anderen Gift versetzt werden, so könnte dieses von der Wunde aus freilich in die Körper- gewebe eindringen und zu Blutvergiftung führen, doch wäre das keineswegs unbedingt notwendig — spielen doch manche starken Gifte, z. B. Sublimat, verschiedene Karbolverbindungen und andere, bei der Wundheilung eine wichtige Rolle. Vielfach würde das Gift auch durch den Wundprozeß selbst wieder ausgeschieden werden. Irgendwie ernst ist also diese echt amerikanische Uebertreibung nicht zu nehmen, auch nicht, wenn die Geschosse etwa mit ^Inftecfungbftoffen versehen werden sollten, um Krankheit erregende Bakterien in den Körper zu bringen, denn auch solche Jnfektionsstoffe würden durch die physikalisch-chemischen Vorgänge bet der Entladung und Explosion der Geschosse vernichtet und unwirksam gemacht werden.
Weitere Drahtnachrichten,
Serbiens verzweifelte Lage.
w Nisch. 21. Oktober. (WTB.) Die Agence HavaS meldet amtlich, die Lage werde immer ernster. Die Bulgaren hätten die Städte Vranje und Wolassa ae« nommen und so die Eisenbahnlinien abgeschnitten. Der serbische Widerstand sei erbittert und heldenmütig, aber der starke Druck der verbündeten Armeen und der Bulgaren bedrohe ernstlich die von Saloniki abgeschnitten« serbische Armee. Die Ankunft der Alliierten werde mit Beklemmung erwartet.
Der Angriff auf Montenegro.
>* Lyon, 22. Oktober. (WTB.) Der „Nouvelliste" meldet aus Cetinje: Der Feind eröffnete am 17. und 18 Oktober ein heftiges Feuer gege« unsere Stellungen am Lowcen nud an den Höhen von Grelo, ohne Schaden mr^urichten. Unsere schweren Geschütze antworteten