Hersselder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Vuchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
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für den Kreis Hersfeld
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Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wiederholungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.
Nr. 247.
Donnerstag, den 21. Oktober
1915
Deutsche Frauen, denkt in diesem Kriegsjahr an Eure „ErdurtstagsgadesiikdieKailerin"!
Amtlicher Teil.
Hersfeld, den 19. Oktober 1915.
In den Gehöften des Georg Hübest in Rhina und des Karl Friedrich Weider in Michelsrombach Kreis Hünfeld ist die Maul- und Klauenseuche amtlich festgestellt worden.
I. I. Nr. 11794. Der Landrat.
J. V.:
v. Heöemann, Reg.-Assessor.
Hersfeld, den 14. Oktober 1915.
An die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher de 5 Kreises.
Unter Bezugnahme auf die Bekanntmachungen im Kreisblatt No. 28 und 95 vom 29. Februar 1912 '. 2524 bezw. vom 6. August 1918 I. 8681 ersuche ich die vorgeschriebene Nachweisung über die etwa vorhandenen in das schulpflichtige Alter eintretenden blinden und taubstummen Kinder auf dem vorgeschriebenen Instanzenweg bis zum 1. November ds. Js. bestimmt einzureichen oder Fehlanzeige zu erstatten.
I. 11359. Der Landrat.
v. Hedemann, Reg.-Assessor.
Hersfeld, den 19. Oktober 1915.
_ Die ReiKsfuttermittelstelle hat in Rahmen &: verfügbaren Bestände für die Geflügelhaltung Körner- futter bereit gestellt.
Die verfügbaren Futtermengen werden allerdings auch bei weitgehendstem Entgegenkommen nur verhältnismäßig klein sein. Deshalb ist die Abgabe des Körnerfutters in erster Linie auch nur auf die Erhaltung der Zuchtstämme und in zweiter Linie auf die Förderung der Eiererzeugung beschränkt worden. Für Zwecke der Geflügelmast ist nichts freigegeben. Die Interessenten des Kreises ersuche ich hiernach ihren dringenden Bedarf an Körnerfutter sofort bet dem Gemeindevorstande ihres Wohnorts anzumelden, wobei ich besonders darauf Hinweise, daß nur diejenigen Zuchtstämme vp. berücksichtigt werden können, für die andere Futtermittel nicht zur Verfügung stehen. Bei der Anmeldung ist anzugeben, ob das Futter zur Erhaltung von Zuchtstämmen oder zum Zwecke der Eiererzeugung verwendet werden soll. Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des Kreises ersuche ich die Anmeldungen zu sammeln und mir in einer Nachweisung bis spätestens zum 26. ds. Monats einzureichen. Bei Vorlage der Anmeldung ist gleichzeitig darüberzuberichten, ob denAnmeldenüen tatsächlich keine anderen Futtermittel zur Verfügung stehen.
Der Vorsitzende des Kreisansschnsses.
I. A. No. 10651. ' I. V.:
v. Hedemann, Reg.-Assessor.
Bus der Heimat«
* Ueber Verwendung von Kriegsgefangenen in der Landwirtschaft sind folgende neue Bestimmungen eingegangen : Die ursprünglichen von dem stellvertretenden Kriegsminister herausgegebenen Grundsätze für die Beschäftigung von Kriegsgefangenen in der Landwirtschaft vom 6. März 1915 gelten mit den Abänderungen und Ergänzungen, die sie durch den Erlaß vom 15. Juni 1915 erfahren haben, unverändert vom 1. Oktober 1915 an weiter. In Fortfall kommt lediglich die unter V Ziffer 4 vorgesehene Zahl eines täglichen Verpflegungszuschusses. Verpflichtet sich aber ein landwirtschaftlicher Arbeitgeber, von ihm bereits beschäftigte oder bis 31. Oktober neu beantragte Kriegsgefangene den ganzen Winter hindurch (bis zum 1- April 1916 einschl.) weiter zu beschäftigen, so wird der Verpflegungszuschuß für diese Kriegsgefangene weitergezahlt. Die Auszahlung soll in kürzeren Zwischenräumen, etwa 4 wöchentlich, nach näherer Anordnung des Stellv. Gen.-Kdos. erfolgen, für die rückliegende Zeit bis 30. September 1915 jedoch nunmehr sofort auf Antrag. Scheiden aus einem landwirtschaftlichen Betriebe, dem der Verpflegungszuschuß zustehen würde, nach Bekanntwerden dieses Erlasses vorher dort beschäftigte sogenannteSaisonarbeiter,ohne vorgängige Genehmigung der zuständigen Behörde, aus, so wird der Zuschuß gekürzt oder entzogen. Er ist rn diesem Fall für eine der Zahl der ausgeschiedenen Saisonarbeiter gleichkommende Anzahl von Kriegsge- mngenen und für deren ganze Beschäftigungszeit, seit dem 1. Oktober, einzubehalten oder zurückzusordern. Auch für die Erledigung aller forstlichen Betriebsar
beiten, die in geordneten, mit Landwirschaft nicht verbundenen Forstbetrieben vorfallen (z. B. Hauungs-, Kultur-, Wege-, Schädlingsbekämpfungs- und Abfuhr- arbeiten) können Kriegsgefangene zu den erwähnten Bedingungen gestellt werden. Der Verpflegungszuschuß kommt hier nicht in Frage.
* Das 500jährige Regierungsj u b t l ä u m des Hohenzollernhauses wird am 24. Oktober in der Stille in den Sonntagsgottesdiensten begangen werden.
* (Erhöhte ll it t e rst ützunge n für Kriegerfamilien). Wie der „Berl. L.- Anz." erfährt, beginnt die Zahlung der erhöhten Unterstützungen an äv ..rfamilien im November. Wie verlautet, wird das Reich vom 1. November ab den Betrag für die Frau auf monatlich 15 Mark erhöhen, für das Kind auf 8 Mk.
* (Keine Erhöhung der Kartoffelpreise.) Auf dem Kartoffelmarkt macht sich neuerdings ein durch die Verhältnisse in keiner Weise gerechtfertigtes Knappwerden der Angebote bemerkbar. Offenbar glauben einzelne Inhaber von Kartoffelvorräten, daß die für Landwirte festgesetzten Grundpreise von 2,75 Mark bis 3,05 Mk. für den Zentner im Laufe der Zeit erhöht werden. Wie das „B. T." auf das bestimmteste versichern kann, denkt die Reichsleitung unter keinen Umständen daran, eine Erhöhung der Grundpreise vorzunehmen.
* (Vorsicht: Schwindler!) Vielerorts wird vor Schwindlern gewarnt, die sich namentlich an Familien heranmachen, die Angehörige im Felde haben, sich von diesen die Photographien, sowie eine Anzahlung für eine anzufertigende Vergrößerung geben lassen, jedoch dann nichts mehr von sich hören lassen.
* (Schweinezuchtstationen.) Die LandwirtschaftS- kammer für Kurhessen hat folgende Schweinezuchtstationen errichtet, welche unter ihrer dauernden Kontrolle stehen: Erstens für das weiße Edelschwein bei Oberamt- umn« F. SchwarzaUj Ba»Lrsr^d^rh0j>Kr.H»«nau^ Gutsbesitzer, Oekonomierat R. Rusche zu Kleinenglis, Kreis Fritzlar,' zweitens für das veredelte Landschwein bet Domänenpächter Lücking zu Marienrode, Kreis Hom- berg a. d. Efze; Rittergutspächter Karl Koch zu Bruderdiebacherhof, Kreis Hanau, Domänenpächter Oberamtmann Selhausen auf Gesundbrunnen, Kreis Hofgeismar, Rittergutspächter Nickel zu Loshausen, Kreis Ziegenhain, Rittergutspächter Klostermann zu Nierfeld, Kreis Grafschaft Schaumburg, Rittergutsbesitzer v. d. Malsburg zu Elmarshausen, Kreis Wolfhagen.
§ Hersfeld, 20. Okt. Kriegsberichte, die in Feldpostbriefen, Tagebüchern oder ähnlichem enthalten sind, bieten oft wichtige Anhaltspunkte für die augenblickliche Beurteilung der Kriegslage wie für die spätere Geschichtsschreibung, gehn aber unbenutzt verloren, weil sie nicht den zuständigen Stellen übermittelt werden. Die für die Sammlung solcher Berichte zuständige Stelle, ist in unserer Provinz das Rektorat der Universität Marburg. Es wird gebeten, dorthin fortlaufend möglichst bald alle Briefe und sonstigen Schriftstücke, die ein allgemeineres Interesse haben, ein- zusenden, möglichst in der Urschrift, die auf Verlangen zurückgegeben wird, allenfalls auch in Abschrift. Geeignete Teile daraus sollen auch jetzt schon veröffentlicht werden,' die Einsender mögen deshalb angeben was sie aus irgendwelchen Gründen nicht veröffentlicht haben wollen. Es ist zu hoffen, daß die Bewohner unserer Provinz dieser Aufforderung in weitem Umfange nachkommen werden.
§ Hersfeld, 20. Oktober. (Die Lehrer und d e r K r i e g.) Wie umfangreich die Hilfstätigkeit der deutschen Lehrer ist, beweist die Tatsache, daß die Sammlungen für allgemeine Kriegshilfe die Summe von fast drei Millionen Mark erreicht haben. Vom Hessischen Volksschullehrerverein ist auf der letzten Vertreterversammlung in Bebra der Hessische Lehrer- Kriegerdank ins Leben gerufen worden, als dessen Grundstock 26 000 Mark Kriegsspende aus freiwilligen Gaben angesehen werden können. Die Zahl der im Weltkriege von den hessischen Kriegsteilnehmern gefallenen Lehrer, Schulamtsbewerber und Seminaristen hat sich auf 207 erhöht.
§ Hersfeld, 20. Oktober. (VergeßtdieObst- sammlung am Mittwoch und Donnerstag nicht.) Nur noch wenige Tage trennen uns vom Geburtstage der Kaserin. Darum gilt es jetzt, die Hände zu rühren, die Keller und Vorratsräume zu öffnen und die Gläser und Töpfe voll Mus, Gelee, Marmelade, Fruchtsaft bereitzustellen, die in den Sammelstellen für unsere braven Krieger abgeliefert werden sollen. Wer nicht genug eigene Vorräte hat, findet überall in den Lebensmittelgeschäften Obst tu Büchsen, Dosen und Eimern, Saft in Flaschen. Niemand kann sich damit entschuldigen, daß er nicht genug Obst für den eigenen Bedarf habe. Für die Versendnng ins Feld eignet sich das Obst in Buchsen und dgl. vorzugsweise. Eingemachtes Obst und Safte in Gläsern sowie frisches Obst wird soweit es nicht versandt werden kann, den Lazaretten in der Heimat zugnte kommen.
Rotenbnrg, 18. Oktober. In unserem Kreis erhöht sich das Gesamtergebnis der Sammlung für die deutschen Gefangenen in Rußland auf 4729,75 Mark. — Die Sammlung für die Kriegs-Blindenstiftung ergab bis jetzt 1693,55 Mark. — In Bebra wurden für die Gefangenen in Rußland 1262,80 Mark gesammelt.
Cassel, 18. Oktober. Vor dem Schwurgericht hatte sich heute die Dienstmagd Christine Kohl aus dem Kreise Wolfhagen wegen vorsätzlicher Kindestötung zu verantworten. Sie sollte ihre Tat in der Nacht von: 19. zum 20. Mai begangen haben. Die Angeklagte war geständig, bestritt aber vorsätzlich gehandelt zu haben. Da der Nachweis vorsätzlicher Handlungsweise nicht erbracht werden konnte, wurde die Angeklagte freigesprochen und sofort aus der Haft entlassen.
Cassel, 19. Okt. Neunzehn Beutegeschütze, leichten und mittleren Kalibers sind auf dem Friedrichsplatze aufgestellt. Ihre Besichtigung ist gegen Erstattung eines Betrages von mindestens 10 Pfennigen gestattet. Der Geldbetrag fließt der Stadt Cassel zn für die Unterstützung der Hinterbliebenen gefallener Krieger. Nach Beendigung der Ausstellung ist die Verteilung der Geschütze auf die Residenzen und größeren Städte des Korpsbezirks in Aussicht genommen. Zwei von ihnen sollen dauernd in Cassel verbleiben.
Cassel, 19. Oktober. Wegen versuchter Erpressung verurteilte gestern die Strafkammer die 24jährige Fabrikarbeiterin Anna Gurk aus Cassel und ihre Mutter, die 1872 in Eschwege geborene Frau Barbara Schmidt. Sie hatten am 6. April 1914 und in der noch darauffolgenden Zeit versucht, einen Brauereibesitzer in Breslau unter der Vorgabe, daß er zu der Gurk in Beziehungen gestanden habe, Geld zu erpressen. Der von ihnen in Anspruch genommene Braueretbesitzer zählte indessen erst 12 Jahre und wie die Beweisaufnahme ergab, war er niemals in Cassel gewesen. Es stellte sich schließlich heraus, daß die Gurk einen angeblichen Brauereibesitzer aus Breslau kennen gelernt haben p )Qte, und nun einfach aus dem Adreßbuch einen Brauereivefitzer mist ähnlich klingendem Namen herausgesucht und diesen mit Erpresserbriefen belästigt hatte. Dabei hatte sie nun das Pech, gerade an den 12jährigen Inhaber einer Brauerei zu geraten,' dessen Mutter übergab die Briefe der Angeklagten der Polizei, die nunmehr die Angelegenheit weiter verfolgte. Wegen versuchter Erpressung wurde die Gurk zu 6 Wochen Gefängnis, ihre Mutter wegen Anstiftung zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt.
Kelbra, 18. Oktober. Der 18jährige Sohn Erich des Landwirtes Emil Patschke beschäftigte sich mit Sperlingschießen, wobei er sich verletzte. Da die Wunde nicht beachtet wurde, trat Blutvergiftung hinzu und der junge Mensch starb nach qualvollen Leiden.
Coburg, 15. Oktober. Als Grundpreis für Speise - kartoffeln ist für das Herzogtum Coburg ebenso wie für das Herzogtum Meiningen 2,85 Mk. pro Zentner festgesetzt worden. Dieser Preis gilt für gute, gesunde Speisekartoffeln von etwa 4 Zentimeter Mindestgröße bet sortenreiner Lieferung, und sind die Kosten des Heranschaffens bis zum nächsten Güterbahnhof eingeschlossen.
Eiterfeld (Kreis Hünfeld), 18. Oktober. Ein alter Eiterfelder hat in Amerika das Zeitliche gesegnet. In Kansas starb im 83. Lebensjahr Franz Metschan, der frühere Herausgeber der „Belleviller Zeitung". Im Jahre 1833 hier geboren, wanderte er mit 15 Jahren nach Amerika aus. In Cincinnati erlernte er das Buchdruckergewerbe und gründete 1853 sein erstes Blatt „Die Menschenrechte", mit dem er aber wenig Glück hatte. In 1860 ließ er sich in Bellevtlle nieder, wo er die dortige Zeitung gründete, die bis 1896 in seinem Besitz war. In diesem Jahre wurde Metschan vom Präsidenten Cleveland zum Postmeister des Soldatenheims in Leavensworth ernannt. Der Verstorbene nahm seiner Zeit an dem amerikanischen Bürgerkrieg von Anfang bis zu Ende teil und wurde verwundet. Seine Gattin mit sechs Kindern überlebt ihn.
Fulda, 16. Oktober. Der heutige Schweinemarkt war recht gut besucht. Gezählt wurden 207 Ferkel und 7 Läufer. Trotz der hohen Preise waren viele sogen, „kleinen Leute" am Platz, um Schweine selbst zu züchten und fett zu machen, dennoch verlief der Handel schleppend. Die Preise bewegten sich wie folgt: Ferkel im Alter bis 6 Wochen 18-22 Mk., 6-8 Wochen alte 23—28 Mk., 8-13 Wochen alte Tiere 29—35 Mk. per Stück je nach Qualität. Die 5 Monate alten Läufer wurden für 60 Mk. das Stück umgesetzt. In Ferkeln verblieb ein geringer Ueberstand. Der Marktbeginn auf den hiesigen Schweinemärkten ist während der Wintermonate erst auf V28 Uhr festgesetzt
Sterbfritz (Kreis Schlüchtern), 18. Oktober Im benachbarten Dorfe Breunings hat in diesem Jahre ein Schwalbenpaar auf einem im Flur des Schulhauses aufgehängten Gewehr sein Nest gebaut in der Weise, daß das Pärchen den Flintenhahn völlig in das Nest einbaute.