Sie Schlacht Set acht Aeinke.
Durch die Entwickelung der Dinge in Serbien wird, wie der Korrespondenz „Heer und Politik" geschrieben wird, zum ersten Mal während dieses Krieges ein gemeinsames Ringen aller int Felde einander gegenüber stehender Feinde ermöglicht werden, denn die Entscheidungsschlacht, welche auf dem Balkan geschlagen werden soll, dürfte voraussichtlich auf der feindlichen Seite russische, französische, englische und serbische Truppen vereinen. Bisher war es zum Leidwesen unserer Feinde ihnen nicht möglich gewesen, sich die Hände zu reichen. Zwar hatten sie bei Ausbruch des Krieges mit energischen Worten die Absicht verkündet, sich Weihnachten 1914 in Berlin zu treffen, wo inzwischen die Russen entschlossenen Schrittes ans dem Osten und Franzosen und Engländer aus dem Westen gekommen sein sollten. Wir wissen, daß dieser Herzenswunsch ihnen nicht erfüllt wurde. Im Gegenteil, die Russen wurden sehr tief nach Osten und die Franzosen und Engländer nach Heften teworfen. Nur die deutschen und österreichisch-nngari- schen Truppen hatten sich znm gemeinsamen Wirken sie Hand reichen können. Sn Serbien sümpften die Serben getrennt von den übrigen und an den Dardanellen war ein weiterer Kriegsschauplatz abgetan worden, wo die Türken abgesondert von ihren Verbündeten heldenhaft und erfolgreich die Grenzen ihres Landes verteidigten. In Serbien wollen sich nun alle unsere Feinde vereinigen. Da es allzunehmen ist, daß die Türken den Bulgaren militärische Hilfe leisten werden, so werden aus unserer Seite auch vier Völker vereinigt sümpfen, sodaß tatsächlich anm ersten Male der größte Keil der augenblicklich im Kriege miteinander lebenden Länder hier vertreten sein wird. Wenn Italien und Montenegro auch noch Abordnungen schicken würden, was augenblicklich sehr zweifelhaft ist, so würden hier 10 verschiedene Staaten miteinander ringen. Auf diesem kleinen und an sich «unbedeutenden Kriegsschauplatz, der aber durch die Entwickelung der Dinge von erheblicher Tragweite geworden ist und für den Aus- zang des Krieges auch noch werden durfte, wird eine wahre Völkerschlacht stattfinden, im Vergleich zu der die Völkerschlacht bei Leipzig nicht sehr bedeutend war. Unsere Feinde haben die Bedeutung des serbischen Uiu ternehmens sofort richtig erkannt. Das kann man aus den erbitterten Vorwürfen sehen, welche den leitenden Staatsmännern Englands und Frankreichs von ihrer Presse gemacht werden. Besonders wurde darauf hingewiesen, daß die englisch-französische Diplomatie nicht den wirklich großzügigen Plan der deutschen obersten Heeresleitung vorher gesehen hat, da dieser Zug nach Serbien einzig und allein die große ©ntwiefetung für die Zukunft verbürgt. Pichon schrieb entsetzt, als er von unserem Vormarsch erfuhr, daß hoffentlich bei der Größe der Gefahr schon in den nächsten Stunden ein starkes englisch-französisches Heer nach Serbien abgeben würde. Aehnlich schrieb der „Matin". Beide hatten sich aber getäuscht, sowohl was den Zeitpunkt als auch was die Größe des Heeres altbetrifft. Nun werden schließlich doch französisch-englische Truppen nach Serbien gesandt, und auch Rußland versucht in den Krceg emzu- greifen. Die Entscheidungsschlacht, die hier zu erwarten ist, wird also voraussichtlich ein Ringen aller Feinde gegeneinander sehen.lZ.)
Englische Silber aus der Schlacht bei Loos
Der „Daily Telegraph" veröffentlicht ein englisches Tagebuch aus der Schlacht bei Loos. Er beginnt mit einer Schilderung des Schlachtgeländes. Maziugard ist sozusagen die Hauptstadt der Bergwerksgesellschaft von Böthllue, der etwa ein Dutzend Gruben gehört, die über diese wellige Ebene verstreut find, wo seit nun 11 Mo- naten gefochten wird. In isolierten Gruppen ragen die hohen Schornsteine hier und da auf, begleitet von den Vergwerksgebäuden, den Abfallhaufen und allem, was Bergwerksbezirke kennzeichnet. Dazwischen Arbeiter- dörfer, die man allenfalls kleine Gartenstädte nennet! könnte, und die gelegentlich eine Boulevard besitzen, wo die ansehnlichen Häuser der Ingenieure auffallen. Da das Land rund herum aber teilweise noch immer landwirtschaftlich benutzt wird, so sieht man hier und da Heuschober auf den Feldern. Und in diese Landschaft ist nun das Netzwerk der Schützengräben eingetragen, das das ganze Land mit kalkigen Furchen von blendender Weise durchkreuzt. In der Gegend dieser Grüben herrschtStille, die nur dasSaufen derKugeln durchbricht: und hier sind die Häuser zerstört, die Fabriken in Trümmern, die Ackerfelder mit Gestrüpp besetzt. Das Leben ist da unterirdisch. Zwei Hügellinien schneiden sich in den Horizont ein: südlich die düsteren Hügel von Notre Dame de Lorette, östlich der Hügel 70, den die Soldaten Hölle 70 nennen, der an seiner westlichen Flanke das Mrgwerksdorf Loos trägt, dessen zwei Türme von allen Seiten her sichtbar sind.
Der Verfasser schildert nun den Sturm der Engländer auf die ersten deutschen Gräben, wobei sich folgende Episode ereignete. Als die Engländer aus ihren Gräben heraus sollten, entstand an einer Stelle ein Nocken, ja, die Leute begannen in den Graben zurück- zukriechen. Da nahm ein Pfeifer seine Dudelsackpfeifen auf und begann unter den deutschen Kugeln, die bereits
nur die Engranver zunogen, fernen Weg mir me venr- | schen Linien zu nehmen, indem er beim Laufen spielte ! und alles, was ihm erreichbar war, um sich versammelte. Er trug nur eine leichte Wunde davon. Den Pfeiffer von Loos nennen sie ihn.
Verhältnismäßig leicht gelang es, wie bekannt infolge des Gasangriffs, den Engländern, mit gewaltiger Ueoermacht die ersten deutschen Gräben zu nehmen. Dann aber, angesichts von Lens, begann der Rückschlag. Eine englische Brigade wird von den deutschen Maschinengewehren gleichzeitig in der Front und von beiden Seiten her angegriffen. Sie stockt, bald muß sie sich zurückziehen. Fuß um Fuß muß sie das Gelände peisgeben unter schweren Verlusten. Der junge Brigadeur, der sie zu ihrem Vorgehen angefeuert hat, ist jetzt froh, daß er sie zu dem berüchtigten Hiigel 70 zurückbringen kann. Hier vermag sich die schwer mitgenommene Schar endlich wieder zu sammeln: allein es zeigt sich, daß ihre Flanke entblößt ist, daß sie dieFühlung mit den andernTruppen verloren hat. Auf der anderen Seite dringen die Deut- / schen unaufhaltsam vor. Ein früher von den Engländern erobertes Befestigungswerk fällt wieder in ihre Hand. Vergeblich tritt eine neue englische Brigade in die Kampf- liuie ein, vergeblich rücken in der Nacht die heißersehnten Verstärkungen au, vergeblich machen diese neuen Truppen am nächsten Morgen wütende Angriffe. Wohl dauert der Kampf bitter und verzweifelt bis in den Sonntag hinein fort, aber die Schotten können keinen Raum mehr gewinnen, sie befinden sich in fortwährender Not, und schließlich müssen sie die Linien aufgeben, die sie mit so viel Tapferkeit und Opfern erobert haben, und sich zurückziehen bis in die erste deutsche Liuie, aus der sie zu Beginn der Schlacht so siegesgewiß und hoffnungsvoll vorgebrochen waren.
England soll spaten.
Das aufsehenerregende Wort, das der Staatssekretär der Finanzen, Montagu, im englischen Unterhause sprach: Wer nicht seine Lebenshaltung so einrichte, daß er in der Lage sei, die Hälfte seines Einkommens in der Form von Steuern und Anleihen dem Staate zu geben, tue seine Pflicht im Kriege nicht, sowie seine Warnung, daß der Schatzkanzler beabsichtige, mit aller möglichen Schnelligkeit das Einkommensteuersystem auszubauen, hat nach der „Times" in den Kreisen mit minderm Einkommen einige Angst verursacht. Die Regierung scheint jetzt Fraktur reden zu wollen .nachdem alle sanften Mahnungen zur Sparsamkeit nichts gefruchtet haben. Eine Zuschrift an die „Times" behauptet sogar, Werbe- versammlungen für die Rekrutierung fänden mehr Zu- fprnclj als solche für das Sparen im Kriege. In Schottland habe man beiderlei Werbetätigkeit verbunden, aber die Sparpropaganda habe dabei keinen Erfolg gehabt. Der Schreiber meint sodann:
Man sollte sich im ganzen Lande klarmachen, daß es unmöglich ist, festgelegtes Kapital zu besteuern. Dem reichen Mann gehört vielleicht ein Stück von unserm Land, unsern Eisenbahnschienen, Ziegelsteinen und Mörtel, aber Soldaten und Munitionsarbeiter können nicht mit Eisen und Ziegelsteinen ernährt werden. Man kann nur das Einkommen des reichen Mannes besteuern. Der reiche Mann ist aber der Arbeitgeber seiner Angestellten. Wenn man sein Einkommen te- > steuert, macht man nur deu Staat an seiner Stelle zum Brotgeber. Der Staat gibt jetzt Brot an Millionen, die nicht helfen, mehr Brot zu schassen, und es ist deshalb einleuchtend, daß diejenigen, die produktiv schassen, den Gewinn ihrer Arbeit mit den andern teilen müssen, die nicht produktiv schaffen. Wenn dieses Pudels Kern, der auch die Ausschaltung des Geldes aus unsern Gedanken einschließt, nicht von jedem Mann und jeder Frau erkannt wird, wird man vom Volke auch nicht die größte Anstrengung erwarten können, deren es fähig ist.
i Erziehung zur Demokratie ist das einzige Gegengewicht gegen die preußische Organisation. Die verhältnismäßig Armen könnten, indem sie sparten und dem Staate Geld liehen, eine neue Stufe der Unabhängigkeit erringen. Ich meine, unsere Staatsmänner müßten dem Volke nicht nur sagen, daß der Staat, die Hälfte der Einkommen brauche, denn das richtet seine Gedanken auf das Geld, sondern daß der Staat die Hälfte der Arbeits- erzeugung braucht — das Brot, das Fleisch, die Kohlen und die Kleidung, welche es hervorbringt.
Ob diese „Erziehung zur Demokratie" in dem demokratischen England jetzt noch Wunder vollbringen samt? Die „Times" erwähnt als ein Echo auf die Aeußerungen des Staatssekretärs die in weiten Kreisen geteilte Mei- : nung eines Minderbegüterten, der sagte: „Sir Arthur Markham hat gut sagen, er werde lieber von einem Pfund die Woche leben und Steine aus der Straße brechen, als daß wir nicht den Krieg gewinnen sollten. Wenn es bis dahin käme, so würden wir vermutlich i alle dasselbe sagen. Wie kann aber inzwischen jemand 5 mit einem Einkommen von 200 Pfund Sterling im Jahre mit Frau und Kindern von 100 Pfund leben bei den i hohen Preisen, die jetzt er und seine Familie für alles zahlen müssen, was sie essen und tragen?" Der Mann befürwortet schließlich die höhere Besteuerung der Kriegslieferanten. Wie man sieht, ist die Ratlosigkeit groß, und einer schiebt das Sparen und Steuersäulen dem andern zu.
Wagen SliniNS gegen die Regierung Wilfons^
Die „Münchn. Ztg." veröffentlicht einen „Dr. Dum- bas Verteidgung" betitelten Artikel, in dem ein Brief des österreichisch-ungarischen Botschafters Dr. Dumba an den Staatssekretär Lansing mitgeteilt wird. In dem Briefe heißt es:
Der österreichisch-ungarische Botschafter in Washi^- ton befindet sich seit Monaten in der phänomenalen Lage, überhaupt nicht mit seiner Regierung privatim verkehren zu können. Während unsere Feinde jetzt wie immer die Erlaubnis haben, alle Kabel ohne Zensur für ihre geheimen Chiffre-Depeschen zu benutzet!, habe ich jetzt von Ihrem Ministerium gnädigst die Erlaubnis bekommen, durch die deutsche Botschaft mit meiner Regierung in Verbindung zu treten, aber nur soweit, daß ich um Urlaub nachsuchen durfte, um meiner ^Regierung meine Haltung zu erklären. Es ist mir nicht erlaubt worden, meiner Regierng mitzuteilen, daß ich durchaus nicht zugebe, jemals gegen die Gesetze des Landes, bei dem ich akkrediert bin, verstoßen zu haben oder die Gastfreundschaft, die man mir bot, verletzt zu haben. Die Depesche, mit der ich meiner Regierung dies mit= teilte, wurde von ihrem Zensor nicht zugelassen. Da- gegen wurde aber meine vertrauliche Depesche an ntetuc Regierung sonderbarerweise der amerikanischen Presse mitgeteilt nud von ihr veröffentlicht.
Ich nehme mir die Freiheit, Ihnen mitzuteilen, weshalb ich dem österreichisch-ungarischen Auswärtigen Amte den Brief vom 21. August durch Herrn Archibald schickte, der die Veranlassung zu der Mitteilung Eurer Exzellenz an das Auswärtige Amt war. Ich erhielt von meiner Regierung Befehl, die hier ansässigen Landsleute auf den § 327 unseres Militär-Strafgesetzbuches aufmerksam zu machen, wonach die Beteiligung an Munitionsherstellung für feindliche Länder schwer, unter Umständen sogar mit dem Tode bestraft wird. Meine Regierung war der Ansicht, daß die in Amerika lebenden Bürger dasselbe Pflichtgefühl zeigen müssen, wie die zn Hause und, wenn Umstände sie verhinderten, in die Heimat zurückzukehren und gegen den Feind zu kümpfen, wäre das wenigste, was von ihnen zu fordern sei, daß sie nicht für den Erfolg des Feindes tätig sind, indem sie die Waffel! für die Tötung ihrer Brüder herstellen helfen. Infolgedessen wurde ich von meiner Regierung instruiert, jedes passende Mittel anzuwenden, um unsere Landsleute davor zu bewahren, daß sie dieses Verbrechen begehen.
Zu der Zeit, wo Euere Exzellenz die Klage gegen mich veröffentlichten, hatte ich überhaupt noch gar keine Gelegenheit gehabt, irgend etwas zu tun, um die Instruktion meiner Regierung auszuführen und hatte selbstverständlich auch nicht im entferntesten die Absicht, das in einer Weise zu tun, die gegen die amerikanischen Gesetze verstößt oder gegen die Gastfreundschaft.
Ich behaupte nochmals respektvoll, daß in dem bei Archibald gefundenen Briefe nichts ist, was so ausgelegt werden sonnte, als ob ich gesetzwidrige Absichten gehabt hätte. Der einzigste Vorschlag, den ich meinem Auswärtigen Amte unterbreitete, war, daß eine Proklamation an unsere Landsleute erlassen wird, daß diese Proklamtion in den Munitionsfabriken, wo Landsleute arbeiten, und in den Zeitungen, die sie voraussichtlich lesen, besannt gegeben wird, und daß einige Arbeitsnachweise errichtet werden, um den Landsleulen, die infolge des Aufrufs die Arbeit in den Munitionsfabriken ausgeben, neue Beschäftigung zu schaffen. Für diesen Zweck forderte ich insgesamt 60 000 Mark. Die geringe Höhe dieser Summe zeigt, waL.es mit der ganz Amerika umfassenden Verschwörung auf sich hat, deren Eure Exzellenz mich bei meiner Regierung zu beschuldigen für gut fanden, ohne mich zu befragen und obwohl überhaupt noch nicht ein Pfennig für diese Propaganda ansgegeben war.
Was den Vorwurf gegen mich betrifft, daß ich einen Brief durch den Amerikaner Archibald schickte, so muß ich die Aufmerksamkeit Euerer Exzellenz wiederholt aus die traurigen Zustände lenken, unter denen die Vertreter der Länder, die mit den Alliierten im Kriege sind, infolge der Handlungsweise Ihrer Regierung sich hier befinden. Wir haben keine Gelegenheit, die Kabel zu benutzen, die unseren Gegnern völlig frei und ohne Zensur zur Verfügung stehen. Unsere einzige Verbin* dung mit unserer Regierung muß durch offene, um chiffrierte drahtlose Depeschen geschehen, die einer so rigorosen Zensur unterworfen werden, daß z. B. mein eigenes Telegramm an mein Auswärtiges Amt, worin ich eine Anfrage auf die von Euerer Exzellenz gestellten Bitte um meine Abberufung beantworten, mir von dem amerifanifchcn Zensor zurückgestellt wurde mit dem Bemerken, es sei eine Verletzung der Neutralität, meine Regierung wissen zu lassen, welcher Art die Papiere wären, die die englische Regierung bei Archibald be. schlagnahmt hatte, dies, obwohl die Schriftstücke selbst in allen Zeitungen in Amerika veröffentlicht werden durften.
Der Brief schließt mit Versicherungett der Hochach^ tung für das amerikanische Volk, das an diesen unwürdigen Zwischenfällen nicht schuld sei.
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Hersfeld, den 15. Oktober 1915.
___ 3. Schandua.
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Das Konkursverfahren über das Vermögen des
Kaufmanns Philipp Mantz in Hersfeld wird nach erfolgter Abhaltung des Schlußtermins hierdurch ausgehoben.
Hersfeld,
den 16. Oktober 1915.
Königl. Amtsgericht.
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