Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger ^^r^ für den Kreis Hersfeld
knkelder Wlott
Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im ' amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder- I holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Vuchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
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Nr. 24«.
Mittwoch, den 20. Oktober
1915
Amtlicher Teil
Hersfeld, den 16. Oktober 1915.
Der Schlachthofdirektor, Tierarzt Friedrich zu Hersfeld, wird in der Zeit vom 1. November bis 4. Dezember ds. Js. einen Kursus in der Trichinen- und Fleischbeschau abhalten.
Anmeldungen zu diesem KursusJind baldigst an Obengenannten einzusenden.
I. 11720. Der Landrat.
J. V.:
v. Hedemann, Reg.-Assessor.
Deutsche Frauen, denkt in diesem
Kriegsjahr an Eure „EeburtstagsgabesürdieKaiserin"!
Bus der Heimat.
* (Ersatz für Ledersohle n,) Ueber einen billigen Ersatz für die teuren Schuhsohlen schreibt die „Offenbacher Volksztg.": Wie eine Erlösung vernimmt man;Me Kunde, daß das Linoleum ein ganz guter Ersatz für die teuren Schuhsohlen ist. Eigentlich hätte man schon früher darauf kommen müssen, denn das Linoleum als Fußbelag hält bekanntlich zehn Jahre und länger, obwohl auf ihm täglich von vielen Füßen, herumgetreten wird. Der Schreiber dieser Zeilen hat, um die Sache auszuprobieren, von seinem Schuhmacher ein Paar Schnürstiefel mit Linoleum (dickste Sorte) aus alten Abfällen besohlen lassen und die Stiefel sechs Wochen lang tagtäglich getragen, ehe ein neues Besohlen (selbstredend wieder mit Linoleum) nötig wurde. Die Sohlen kosteten nichts, die Arbeit des Schuhmachers eine Mark. Aber selbst wenn man den Neu-Anschaffungspreis des Linoleums zugrunde legt, so beträgt, dieser für zwei Herrensohlen genau 20 Pfg. Wenn man damit die hohen Preise der Leöersohlen vergleicht, so ist es dringend anzuraten, daß jetzt jeder den fast kostenlosen Versuch mit dem neuewBesohlungs- mittel machen sollte. Gleich sei bemertt, daß man sich vor starkem Krümmen der Sohlen (z. B. beim Knien) hüten muß, da sie dann leicht brüchig werden. Tut man das, so wird man seine Freude haben an der ungeahnten Lebensdauer dieser billigen Sohlen. Es sei noch darauf hingewiesen, daß, wenn man Holzsohlen mit Linoleum beklebt oder benagelt, die Haltbarkeit der Holzsohlen unbegrenzt ist, wenn man das Linoleum nach dem Verschleiß immer wieder erneuert. Dasselbe gilt von Holzschuhen. Also: Linoleum sei die Parole!
* (T e u e r u n g s z u l a g e n a u ch b e i der P o st.) Ebenso wie bei der preußisch-hessischen Etsenbahnver- waltung sind auch bei der Reichs-Postverwaltung den gering besoldeten Beamten Kriegs-Teurungszulagen bewilligt worden. In Betracht kommen auch solche verheiratete Beamte, die bis zu 2100 Mark Gehalt und Kinder haben. Die Zulage beträgt beim Vorhandensein von 1 bis 2 Kindern monatlich 6 Mark, bei mehr Kindern für jedes wettere Kind 3 Mark. Mit dem Eintritt des Kindes in das 15. Lebensjahr oder mit der Erreichung einer höheren Gehaltsstufe kommt die Zulage in Wegfall.
§ Hersfeld, 19. Oktober. Aus Anlaß des volljährigen Regierungs-Jubiläums der Hohenzollern (21. Oktober 1915) erscheint im Verlage von Paul Parey in Berlin S.W. 11, Hedemannstraße 10/11 ein Werk des ordentlichen Pros, an der Friedrich-Wilhelms- Universität in Berlin, Geheimen Regierungsrat Dr. Otto Hintze unter dem Titel: „Die Hohenzollern und ihr Werk FünfhundertJahre vaterländischer Geschichte." Das Werk ist bei voller Berücksichtigung der Forderungen der Wissenschaft so gestaltet, daß es als Lesestoff für weitere Kreise vorzüglich geeignet erscheint. Der Ladenpreis des etwa 720 Seiten umfassenden Buches ist auf 5 Mark festgesetzt. Bei Bezug von 25 Stück ermäßigt sich der Preis auf 4,50 Mark. Bei 100 Stück auf 4 Mark. Um den Beziehern die Beschaffung des Buches zum ermäßigten Preise von 4 Mark zu ermöglichen, ist bei dem hiesigen Königlichen Landratsamte eine Sammelstelle eingerichtet worden. Die Kreiseingesessenen werden hierauf mit dem Hinweise aufmerksam gemacht, daß etwaige Bestellungen auf dem Landratsamte — Zimmer Nr. 2 — entgegen genommen werden.
):(Hersfeld, 19.Oktober. (Das Eise rne Kreuz 1. Klaff e.) Dem Leutnant der Res. im Feldart.-Regt. Nr. 11 Referendar Georg Eschstruth (Wilhelmshof) wurde das Eiserne Kreuz 1. Klasse verliehen.
Schwarzenhafel, 17. Oktober. Daß in unseren Wäldern auch außergewöhnliches Getier sich aufhält, beweist die Auffindung einer Landschildkröte. Beim Laubstreumachen im Kesselbachgrund glaubte ein Mann das Oberteil eines Grenzsteines vor sich zu haben, als derselbe plötzlich sich bewegte. Das Tier wiegt 556 Gramm und ist ungefähr 18 Jahre alt.
Caffel, 17. Oktober. Beim Fensterputzen abgestürzt ist vor dem Königstor ein junges Mädchen aus einer Höhe von mehreren Stockwerken. Glücklicherweise scheint das Mädchen, abgesehen von der erlittenen Nervenerschütterung, keinen erheblichen Schaden davongetragen zu haben.
Eschwege, 18. Oktober. Die hiesige landwirtschaftliche Winterschule eröffnet ihr Wintersemester am 15. November vormittags.
^Kirchhain, 18. Oktober. Dem Vernehmen nach soll in Zukunft im Kreise Kirchhain die Ausgabe des Petroleums nicht mehr durch die Händler, sondern durch die Gemeindevorstände erfolgen. Man hofft, dadurch die vielfach laut gewordenen Klagen zu beseitigen.
Marburg, 16. Oktober. Die Unsitte, nach Obst Wasser zu trinken, hat wiederum einem jungen Mädchen das Leben gekostet. Die 18jährige Elfe H. in Obernkirchen trank nach dem Genuß von Aepfeln Wasser, wodurch sich bei ihr derartige Schmerzen ein- stellten, daß man den Arzt rufen mußte. Dieser konnte bei seinem Eintreffen leider nur den Tod des Mädchens feststellen.
Schmalkalde», 18. Oktober. Seit dem 10. d. M. sind beim hiesigen Postamt zwei weibliche Briefträger mit der Zustellung der Postsachen in der Stadt beschäftigt. Auch in dem Orte Viernau ist seit einiger Zeit ein weiblicher Postbote angestellt.
Obergrenzebach, 19. Oktober. Seit einigen Tagen wird der Gastwirt H. Schulz aus Obergrenzebach in der Schwalm vermißt. Von einem Freunde hatte er sich mit den Worten verabschiedet: „Wir sehen uns im Leben nicht wieder!" Alleangestellten Nachforschungen über seinen Verbleib bliebe n bisher ergebnislos.
Von der Oberweser, 17. Oktober. In den letzte» Tagen durchziehen wieder Trupps von Zigeunern und anderen fahrenden Leuten die Weserdörfer von Hann.-Münden aus abwärts, angeblich Pferdehändler, Künstler, Siebmacher usw. Diese Leute brauchen sich anscheinend auch in der jetzigen Kriegszeit wenig Sorgen um ihren Unterhalt und Futter für das Vieh zu machen. Was sie nicht durch Betteln bekommen, suchen sie sich draußen. Gewöhnlich bleiben sie mit ihren Wagen nicht in den Ortschaften, sondern weitab an einem am Walde gelegenen Wiesengrunde, wo sie ihre Pferde und sonstiges Vieh (auch in letzter Zeit Kühe) weiden lassen. In ihren Kesseln kocht Fleisch, während in den Dörfern die Bewohner kaum welches bekommen können. In einem Oberweserorte tauschten sie dieser Tage ein junges Pferd gegen eine Kuh um. In der nächsten Nacht verschwand aber das Pferd aus dem Stalle des Käufers und auch seine Kuh und das darauf gezahlte Geld hat er bis jetzt nicht wiedergc- sehen.
Tambach, 17. Oktober. Ein hiesiges 18jähriges Mädchen hatte sich eine Pustel an der linken Wanze aufgekratzt. Wenige Stunde danach traten infolge Blutvergiltung Schwellungen ein, die sich bis über die Schultern erstreckten und auch eine alsbaldigc Ueberführung in das Gothaer Krankenhaus konnte das Mädchen nicht mehr vom Tode retten.
Hildburghansen, 17. Oktober. Infolge eines Wespenstiches starb, der 54 Jahre alte Postagent Ernst Langguth in Sachsendorf (Kreis Hildburghausen) nach einigen Tagen qualvoller Leiden.
Nach dem Urlaub.
Nun geb ich dich zum zweiten Male her
Mein Sohn — und meine greisen Hände zittern. Es bangt mein Herz vor kommenden Gewittern, Und meine Augen brennen tränenschwer.
Schon gehts zum Herbst — bald zieht der Winter ein. Du aber wirst in Frost und Schneesturm schreiten, Und — meine Sorge kann dich nicht geleiten . . Nur mein Gebet wird ständig um dich sein!
Das Jahr war lang — nur allzu kurz die Stunden,
Die wie ein schöner, später Traum verronnen, Da ich aufs neu aus deiner Jugend Bronnen Mein Herz gelabt und alles Weh verwunden.
Nun gehst du wieder — und die Zeit wird schleichen ... Nicht dir — nur mir, in Tagen und in Nächten . .. Doch still! Ich will nicht mit dem Himmel rechten! Mögt ihr nur euer großes Ziel erreichen.
Und mögen deiner Kinder Hände greifen Nach Fruchten aus den blutgetränkten Auen, Die mir und dir nicht mehr vergönnt zu schauen Und die doch nur aus unsern Opfern reifen.
J. Linberg.
Serbiens Hauplftadl.
Die Hauptstadt Serbiens, über bereit Zinnen setzt die Fahnen Deutschlands und Oesterreich-Ungarns flattern, bietet als moderne Stadt nicht allzuviel des Interessanten und Anziehenden. Betrachtet man |ie aber unterm historischen Gesichtswinkel, so nimmt sie oen Kampf mit den interessantesten Städten der Welt aus.
Belgrad, die „weiße Burg", beherrschte ernst die Stromläufe der Donau und der Save. Wo heute Belgrad steht, erhob sich zur Römerzeit das Castell Lungi- ounum. Im Mittelalter führte die Stadt den Namen alba graeca. Vom 7. bis zum 9. Jahrhundert gekörte sie den Avaren, im 10. den Bulgaren, und ne wurde m den Kämpfen der Bulgaren, Griechen und Ungarn, wre- derholt verwüstet und von Grund aus zerstört, bis sie in den Jahren 1343 von dem serbischen Zaren Stephan Duschan, der von 1336—1356 als einer der machtrgsten Fürsten Südeuropas regierte, als Zwingburg wieder aufgebaut wurde. Aber bereits kurze Zeit darauf wurde die Festung von den Ungarn von neuem erobert, und erst im Jahre 1382 kam sie an die Serben zurück. AlS ungarische Grenzfestung, die es dann wieder im Jahre
1426 geworden war, ging Belgrad nach mehrfachen glücklichen Verteidigungen am 20. August 1521 au die Türken unter Suleiman 11. verloren, und von da an gehörte es 167 Jahre lang dem Türkenreiche. Am 11. August 1688 wurde Belgrad vom Kurfürsten Maximi- liau von Bayern nitt 53 000 Mann kaiserlichen und Reichstruppen eingeschlossen und am 6. September des gleichen Jahres erstürmt, aber schon am 18. Oktober 1690 vom Großwesir Mustapha Köprülü zurückerobert.. Im Jahre 1717 stand dann Prinz Eugen, der edle Ritter, mit seinen 40 000 Mann vor der Trutzburg Belgrad, die er, uugeachtet der dreifachen türkischen Uebermacht, die sich ihm entgegenstellte, zur Uebergabe zwang.
Unter österreichischer Herrschaft stand Belgrad auch als Hauöelsstadt in schöner Blüte, und die Habsburger sorgteu für Ansiedlung vieler Deutschen. Wie in Ungarn, Siebeilbürgen, Kroatien, Polen, in der Molöan und Walachei, ja in Rußland bis nach Kiew, das „deutsche Recht" heimisch geworden war. so machte sich auch in Belgrad alsbald die deutsche Orgauisatiou bemerkbar, doch stieß sie bei ben Serben auf harten Wider- derstand unb erhielt von Wien aus, nicht die genügende Unterstützung. So blieb es bei Ansätzen, aber es wäre anzunehmen gewesen, daß sich Belgrad viel mehr unter deutscher Organisation weiter entwickelt hatte, wenn nicht Karl IV. gezwungen gewesen wäre. die Stadt am 18. September 1739, im Belgrader Frieden, wieder an die Türken abzutreten. Im österreichisch-türkischen Kriege von 1788—1791 wurde Belgrad zwar von dem greisen österreichischen General Laudon zurückerobert, es fiel aber im Frieden von Sistowa abermals an die Türkei. Als sich dann zu Anfang des 19. Jahrhunderts die Serben in Belgrad erhoben, wurde die Stadt Residenz des neu begründeten Fürstentums, wahrend bte Festung noch in den Handen der Pforte blieb, bis bte Türken am 18. April 1867 genot gt wurden, ihre Truppen zurückzuziehen. Die geräumige Festung wurde nun feierlich dem serbischen Fürsten Michael Obrenowitsch III. übergeben. Die Wechselfalle, die Belgrad unter den blutigen Königsmorden, unter den Balkankrieaen durch- zumachen hatte, stehen noch in frischer Erinnerung. Jetzt klopft eine neue Zeit an die Tore der ^tadt. Die „weiße Burg" ist wieder in deutschen Handen.
Türkei. Als
die Serben in
Sie Festung Nisch.
Mit dem Vordringen unseres Heeres über Belgrad Knasts gewinnen, wie der Korrespondenz „Heer und Solitik" geschrieben wird, die serbischen Festungen er
heblich an Bedeutung. Tue Durco ihre Lage und ihren militärischen Wert weit bedeutendste ist die Festung Nisch, südöstlich von Belgrad, in dem breiten und frucht- baren Tal der Morawa auf der linken Seite des Flusses Nizava gelegen. Nisch ist nicht nur der Mittelpunkt einer großen Anzahl hervorragender Verkehrsstraßen, von denen eine nach Norden östlich der großen Eisenbahnlinie Nisch-Belgrao, eine zweite nach Westen nach Ues- küb, sowie eine »nach Süden und eine nach Osten abge- hen, sondern Nisch ist auch der wichtigste Eisenbahnknotenpunkt, über den Serbien verfügt. Von hier aus gehen Linien nach Sofia, Uesküb und Belgrad ab. Die Festung ist ferner der südlichste Kopfpunkt der wichtigen Eisenbahnlinie Semendrta-Nisch, deren nördlicher Kopfpunkt die von uns inzwischen genommene Festnng Semendria ist. Wir sehen somit in Nisch den südlichen Schutz der großen Heerstraße, die sich von der ungarischen Grenze nach Süden fast durch ganz Serbien erstreckt und bei dem gebirgigen Charakter des Landes eine ungewöhnliche Bedeutung hat. Die Festung selbst ist, wie alle serbische Festungen bei Ausbruch des Krieges modernen Anforderungen in keiner Weise entsprechend gewesen. Wir haben aber erst jüngst gehört, daß mit größter Eile an beut Ausbau der Befestigungswerke in letzter Zeit gearbeitet wurde, da es sich um einen der bedeutenden Stützpunkte des serbischen Heeres für Aufmarsch und Rückzug handelt. Die Festung von Nisch befindet sich auf dem rechten Ufer des Flusses. Von den vorgeschobenen Werken ist in erster Reihe das im Norden der Stadt befindliche Fort Mithad-Paicha zu erwähnen. Auch nach Osten, Westen und bilden Hub mehrere Werke wie z. B. im Süden das Fort Pascha- valja zu erwähnen. Das Fort Mtthad-Pascha liegt jenseits der (trösten Heeresstraße, die von Belgrad nach Nisch und zwar im Norden dieser Stadt führt und von hier aus sich weiter nach Norden hinaufwendet. Den besten Schutz gewähren der Festung aber die Höhen, bte sich in der Umgebung von Nisch bilden, wie z. B. der Winik und die Anhöhe Tscheger, die schon im Jahre 1809 von den Serben befestigt wurde und in dem Kriege eine Rolle spielte. Die Festung Nisch war auch im Kriege 1876 einer der wichtigsten Plätze, da sie die Basis für die türkische Operation darstellte. Im zweiten türkisch-serbischen Kriege wurde Nisch nach gegenseitigem Kampfe am 28. Dezember 1877 von den Serben besetzt. Wir ersehen daraus, daß schon in den früheren Kriegen dieser Festung eine erhebliche Bedeutung infolge ihrer günstigen Verkehrsmöglichkeiten zukam. Es ist darum zu erwarten, daß diese Festung auch in diesem Kriege als ftärffter Stützpunkt des serbischen Heeres noch eine große Rolle spielen wird. lZ.)