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", drei Wochen hatte

Mßen Septemberoffensive seit drei Wochen wohl nie ganz aufgehört, vor allem haben die Franzosen fast keinen Tag vergehen lassen, an dem sie nicht gestürmt hätten, aber aus all diesen, schweren Gefechten und Schlachten heben sich doch drei große Gruppen hervor, die jeweils durch einen gewaltigen Ueberzall mit Mil­lionen von Geschossen von der Artillerie vorbereitet und eingeleitet worden sind. Und all biete fast übermensch­lichen Anstrengungen waren vergebens. Nichts ist ge­schehen, was unsere Gegner ihrem Ziel, dem Durch­bruch, ernsthaft näher gebracht hätte. Weder die Ueber- raschung, noch die systematische, ruckweise Bearbeitung unserer Front hatte einen wirksamen Erfolg. Man be- denke, so bemerkt dieFrkf, Ztg.", drei Wochen hatte unsere Heeresleitung inzwischen Zeit, unsere Stellungen zu verbessern und so viel Truppen, Kanonen und Mu- nitton zsammeuzuziehen, als auch dem Vorsichtigsten nur immer nötig erscheinen konnten. Die französischen Stürme der beiden letzten Tage haben nichts anderes ils ganz fürchterliche Verluste der Augreifer zur Folge gehabt.

Der vergebliche Ansturm im Artois.

< ueber den Fortgang der Kämpfe im Artois, die seit einer Woche mit unverminderter Heftigkeit ihren Fortgang nehmen, erfährt der Kriegsberichterstatter des B. y.=9L" Carl Rosner das Folgende: Am 11. Oktober versuchten die Franzosen nach mehr als zwanzigstündiger Artillerievorbereitung einen Vorstoß. Es kam hier zu Artilleriekämpfen schwerster Form, in deren Verlauf unsere Stellungen in einem Eisenhagel standen. Unsere deutschen Batterien feuerten rastlos und überschütteten das feindliche Gelände. So wild wurde der Kampf, daß die glühend heißen Rohre der Geschütze nur noch mit dicken Schutzhandschuhen bedient werden konnten. Um 9 Uhr vormittags brachen die Sturmkolonnen der Fran­zosen vor. Sie kamen meist nicht wett. Unsere Leute, deren Gräben teilweise verschüttet waren, so daß sie, in Granatlöchern und -trichtern eingenistet, den Feind er­warten mußten, nahmen die Anstürmenöen unter ein so heftiges Feuer, daß die Kolonnen schon einhundertfünf- zig Meter vor unseren Linien zusammenbrachen. Nur in ein kleines Grabenstück, in dem stürzende Erdmassen die Maschinengewehre verschüttet hatten, drangen die Feinde ein. Hier wurden sie von den Bayern im Hand- gen,enge mit dem Messer und durch Handgranaten ver­trieben. Gleichwie die jüngeren Angriffe auf dem Boden der Champagne, zeigte es sich auch hier, daß die Fran­zose«, ohne jede Rücksicht auf die Verluste, um jebeit Preis Boden gewinnen wollen. Ihr Ansturm ist völlig vergeblich gewesen, sie haben keinen Fußbreit Raum ge­wonnen, aber ganz unverhältnismäßig große Menschen­massen verloren, und gleichfalls so wie in der Cham­pagne, fand es sich auch hier, daß unter den im Hand­gemenge gefangenen Franzosen schwer betrunkene Leute waren. Hohes Lob verdient die prachtvolle Haltung un­serer kämpfenden Truppen ebenso wie die mannhafte Tüchtigkeit unserer Munitionskolonnen, die, unberührt von den Versuchen des Gegners, die Heranbringung unserer Munition durch Sperrfeuer mit Stinkbombe'« zu verhindern, über das freie Feld und durch den Gra- uatregen hin ihre Transporte in die Stellungen schafften.

Zusammenkunft Poincarees mit König Georg.

DieNationalztg." berichtet aus Zürich: Laut Mel­dung des PariserMatin" trifft Poincaree in der ersten Novemberwoche mit König Georg von England zu einer politischen Besprechung in Calais zusammen.

Rußland soll wieder helfen.

Die französische Presse gibt der Hoffnung Ausdruck, daß die russische Armee, die jetzt wieder hergestellt sei, und genügend Munition besitze, kräftig zum Angriff schreiten werde, um die deutschen Linien zu durchbrechen, und dadurch für andere Fronten Raum zu schaffen. DerTemps" schreibt: Jetzt ist für die Russen' der Augenblick gekommen, zum Angriff überzugehen. Das russische Heer muß jetzt in der Lage sein, die Deutschen über den Haufen zu rennen. Wir würden eine große Enttäuschung erleben, wenn unsere Verbündeten eine so schöne Gelegenheit nicht ausnützten.

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Die großen Offiziersverluste der Russen.

^ Cöln, 15. Oktober. DieKöln. Volksztg." meldet aus St. Petersburg: Die Offiziersverluste des russi- scheu Heeres sind, wie den amtlichen Listen zu entnehmen ist, infolge der russischen Offensivversuche der letzte« Zeit bedeutend höher, als in den letzten Monaten. Tägliche Verluste von 400 bis 500 Offizieren sind in den neuen Listen, die sich hauptsächlich auf Kämpfe an der Süd- westfront beziehen, nichts seltenes mehr. Der Prozent­satz jugendlicher Offiziere, der ohnehin sehr hoch war (80 Prozent waren Fähnriche und Kadetten) fei «och größer geworden, er mache 50 bis 90 Prozent der ge­samten Verluste aus. Offiziere der mittleren Grade, be­sonders Hauptleute, sind fast nicht mehr in den Listen zu finden.

Die englischen Balkansorgen.

Nach einer Reutermeldung hat König Peter von Serbien trotz seiner Krarrkheit das Gewehr genom­men, und ist zur Front abgegangen, um seine Truppen anzufeuern.

DerManchester Guardian" schreibt in einem Ar­tikel über die Balkanlage: für Eligland werde der neue Feldzug in Serbien sehr nachteilige Folgen haben. Die Streitkräfte der Deutschen und Oesterreicher glaubt das Blatt auf 500 000 Mann, die der Bulgaren auf 400 000 Mann schätzen zu können, denen die Serben höchstens 250 000 Mann, und die Verbündeten höchstens 100 000 Mann entgegenzustelle« hätten. Das Verhältnis sei 3 : 1. Das beste würde sein, die Dardanellen, wenn eben möglich, innerhalb eines Monats zu bezwingen. Aber ob dies nröglich sei, darüber könne nur die oberste Heeresleitung urteilen. Das Ziel der Deutschen sei nicht allein die Niederwerfung Serbiens, sondern vor allem die Eröffnung eines Weges nach Konstantinopel.

L Greys Erklärungen über den Balkan.

w= London, 15. Oktober. (WTB.) Im Unterhause gab Grey eine Erklärung ab über die Balkanlage, in der er sagte: Bei Ausbruch des Krieges wünschten wir, daß er sich nicht ausbreite. Wir gaben zusannnen mit den Alliierten der Türkei die Versicherung, daß, wenn sie neutral bleibe, das türkische Territorium nicht in Mitleidenschaft gezogen werden würde. Als die Türkei sich dann am Kriege beteiligte, richteten die Alliierten ihre vereinten Bemühungen darauf, eine Uebereinstim­mung zwischen den Balkanmächten zu erreichen. Un­glücklicherweise ist die Stimmung auf dem Balkan nicht für Einigkeit, sondern für schwächende Zersplitterung. Es war klar, daß nur ein entsprechendes Uebergewicht und Vorteile auf den Schlachtfeldern den Alliierten er­möglichen würde, die erwähnte Politik am Balkan durchzuführen. Außer bezüglich Thraziens, boten die Mittelmächte Bulgarien für seine Mitwirkung mehr, als die Alliierten bieten konnten. Wir standen eine aanze Bett in freundschaftlichen Beziehungen zu Ru­mänien, das den Bälraübuno begünstigte. Gretz pries

dann die Gerechtigkeit und Tapferkeit der Serben. Wie­der sehe sich Serbien einem Striege gegenüber. Die Teilnahme Bulgariens am Kriege übe großen Eillfluß auf die Lage aus. Es liege auf der Hand, daß Griechen­lands und Serbiens Interesse jetzt identisch sei. Auf die Dauer würden sie zusammenstehen. Grey betonte das Zusammengehen mit Frankreich in der Balkan­frage. Die Mitwirkung russischer Truppen sei verspro­chen, sobald sie verfügbar gemacht werden fömtteii. Die militärischen Maßnahmen, die ergriffen würden, um den Erfordernissen gerecht zu werben, bildete« de« Ge­genstand andauernder Aufmerksamkeit der militärischen Stellen der Alliierten. Serbien sümpfe um seine natio­nale Existenz, es ist jetzt in heftiges Ringen verwickelt. Aber auf welchem Kriegsschauplatz immer die Kämpfe stattsindeu, der Streit ist ein und derselbe. Auch die Entscheidung wird für alle ein und dieselbe sein.

Englands Machenschaften in Armenien.

DieDeutsche Kriegsztg." berichtet aus Kopenhagen: Der Führer der ägyptischen Nationalisten, Dr. Refaat, der sich hier auf der Durchreise «ach Amerika befand, machte einem hiesigen Blatte aufsehenerregende Mittei­lungen über Armenien. Er sagte u. a.:

Das Vorgehen der Türken gegen die Armenier sei nicht aus bloßer Lust die Armenier auszurotten erfolgt, sondern weil die Engländer eine weitverzweigte Ver­schwörung angestiftet hatten, die alle in der Türkei woh­nenden Armenier umfaßte. Eiu allgemener Aufruhr sollte in dem Augenblicke entbrennen, wenn die Flotten der Entente die Durchfahrt durch die ®arbanetlen er­zwungen hätten. Die Engländer hatten den Ausrnhr überaus sorgfältig vorbereitet, und die Armenier mit Waffen und Munition versehen. Zum Unglück für die Armenier brach der Aufruhr aber zu früh aus. Ar­menier überfielen in der Provinz mohammedanische Dörfer, und richteten ein furchtbares Blutbad an. Ein Alttürke, der einer der Anführer des Aufruhrs werden sollte, verriet der Regieruug tu Konstantinopel den gan­zen Plan.

Durch die nun folgende Untersuchung wurde fest­gestellt, daß die Engländer den größten Aufruhr vor­bereitet hatten, der bisher in der Geschichte der Türkei vorgefommen wäre. Zahlreiche Verschwörer wurden ver­haftet und bestraft, barunter der arabische Scheich Abdul Kerin, der Hauptleiter des Aufruhrs in trabten. Auch hier sowie in Syrien und Palästina hatten die Eng­länder ähnliche Verschwörungen angezettelt. Die Türkei ist zu jeder Zeit bereit, Schriftstücke verstiegen, die die Schuld Englands klar erweisen. Talaat Bei, dem die Schuld für das Vorgehen gegen die Armenier zu­geschrieben wird, sei bereu bester Freund und Beschützer.

Unsere Uboote im Mittelmeer.

Athen, 14. Oktober. (WTB.) Auf funkeutelegra- phisches Notsignal des englischen DampfersAjax" von 7040 Brutto-Negistertons aus Richtung südwestlich Kreta lief ein griechischer Kreuzer am 10. Oktober zur Hilfe­leistung aus, fand aber den Dampfer nicht mehr vor. Es ist daher anzuuehuien, daß er gesunken ist. In den letz­ten Tagen wurden im Mittelmeer folgeude Schiffe durch deutsche Unterseeboote vensenkt: Ein englischer Trans- portdampfer mit indischen Truppen 40 Seemeilen östlich Kreta, ein englischer Dampfer mit 6500 Tonnen nach Lemnos bestimmter Kohle bei Kap Matapan, der eng­lische DampferApollo" aus Malta nach Port Said mit Kohlen und Kriegsmaterial an Bord 100 Seemeilen von Kreta.

Krieasallerlel.

Zur Verlobung des Prinzen Joachim

schreibt dieNordd. Allg. Ztg.": In ernster und großer Zeit haben die beiden Fürstenkinder eine neue Ver­bindung zwischen Hohenzollern und Anhalt geschaffen. Wie seine Brüder, die Prinzen Oskar und Adalbert, in den Kriegstagen ihre Ehen geschlossen haben, so auch Prinz Joachim und Prinzessin Marie Auguste. An diesem frohen Ereignis nehme das deutsche Volk mit Freude und reichen Wünschen teil. Bei einer Huldigung der Bürgerschaft in der reichbeflaggten Stadt Dessau dankte Prinz Joachim auf die Ansprache des Oberbürger­meisters, und brächte ein dreifaches Hoch auf den Herzog von Anhalt aus.

Erhöhte Unterstützungen für Kriegerfamilien.

Wie derBerl. Lokalanz" erfährt, beginnt die Zah­lung der erhöhten Unterstützungen an Kriegerfamilten voraussichtlich im November. Wie verlautet, wird das Reich vom 1. November ab den Betrag für die Frau auf monatlich 15 Mk. erhöhen, für das Kind auf 8 Mk. Wenn die Städte einen Zuschuß in bisheriger Höhe weiter lei­sten, so würden auf die Frau insgesamt 27 Mk. und auf das Kind 14 Mk. entfallen. In Berlin will man den städtischen Zuschuß in Gestalt von Lebensmitteln an­weisen.

Englands Nekrutenbedarf.

Der Rotterdamsche Courant meldet aus London: Die Zahl der jetzt über die Köpfe der Arbeiterpartei hinweg geforderten Rekruten betrage wöchentlich 35 000 Mann. Nach dem parlamentarischen Mitarbeiter derDaily News" sei die Mehrzahl der Arbeiterführer zur Dienst­pflicht bekehrt worden: die jüngste Entwicklung auf dem Balkan habe dazu betgetragett.

Englische Mammonsängste.

Bei der zweiten Lesung der Finanzvorlage rief im englischen Unterhanse bte Erklärung des Sekretärs des Schatzamtes Montagu, daß jeder Bürger darauf gefaßt sein müsse, schließlich die Hälfte seines Einkommens in Form von Steuern und Anleihen dem Staate zur Ver- fügnng zu stellen, großes Slufteben hervor.

Petersburger Sturmzeichen.

Die unheimlich dumpfe, düster drohende Stimmung, die gegenwärtig in Petersburg herrscht, wird in einem auch die materielle Not der Bevölkerung scharf beleuch­tenden Aufsätze derRjetsch" geschildert, dessen Inhalt wir wiedergeben:

In den Straßen macht sich ein beängstigendes Ge­räusch fühlbar: es ist kein Schreien und Klagen, sondern ein dumpfes Murren und Summen. Man streitet sich nicht über das Schicksal der Moskaue? Kongreßbeschlüsse, nicht einmal mehr über die Frage der Wiedereinberu- fung der Duma und über die Maßnahme«, die dazu ge­troffen werden müßten. Die Ereignisse überstürzen sich ja so jäh, daß die Neuigkeiten des neuen Tages die Sor­gen und Streitfragen des eben vergangenen verdrän­gen. Das Leben steht nicht still, sondern hat bei uns jetzt ein so überhastetes Tempo eingeschlagen, daß die Menge nur tine ungewisse Empfindung, keine klare Vorstellung davon hat. Wandert man durch die Straßen der Haupt­stadt, so gewinnt man den Eindruck, daß sich ihr Bild in den letzten Tagen wesentlich und entscheidend gewan­delt habe. Wie hätte wohl früher die Polizei Volksan­sammlungen in Petersburg geduldet? Sie waren auch gar nicht üblich, und jetzt sind sie die allertäglichste Er- scheimtna. Sogar auf dem Newskv-Prospekt kann man

die Haufen dicht aueinandergedrängt sehen. Noch tu de) vorigen Woche waren es Flüchtlinge, zu wirren Knäu- ein geballt, die so grell von beut gewohnten ruhigen Ein- druck des Newsky-Prospekt abstachen.

Jetzt siud keine Flüchtlinge mehr in der Hauptstraße anzutreffe«, aber an ihre Stelle sind andere Typen ge­treten, Gestalten und Erscheinungen, die sonst eher über, all anders als gerade dort ihre Versammlungen abzuhal- ten pflegten. Diese neuen Volksmassen, die nun Peters­burg überfluten und bis in sein Herz ehtbrittgen, setzen sich aus Männern und Frauen, aus Greisen, Jünglin­ge« und Kindern zusammen. Alle Berufe, alle Stände sind hier vertreten. Alles sirid Leute, die der Hunger treibt, die unter der Steuerung stöhne« und murren und sich für einige Stunden hier aufstellen in der Erwartung, zu den Läden zugelassen zu werben, wo ein Pfund Zucker, Tee oder dergleichen mehr verkauft werden soll. Je knap- per die Lebensmittel in Petersburg werben, je drohender das Gespenst der Not au allen Ecken und Enöön seinen Schatten erhebt, desto stärker wird die Erregung in die- fen dumpf geballten Menschenhaufen, desto wilder er­klingt der Schrei nach Abhilfe, macht sich die Forderung geltend, daß Borräte herbeigeschafft werden müssen.

Die Menschen, die hier stundenlang so tatenlos bei­einander stehen, wühlen sich immer mehr hinein in den Gedanke« an sich selbst, an ihre persönliche« Bedürf- «isse, a« ihre Not. Ihre Stimmung wird immer düsterer u«d auklageuder und darin liegt augenblicklich eine große Gefahr für den Staat. Hub Abhilfe ist fern und weit im Felde. Anstatt der Organisation, von der so viel geredet wird, die uns unbezwingbar machen und beut Feinde eine einmütige überwältigende nationale Kraft entgegenfteaen soll, greift immer mehr Zersplitte­rung und Loslösung um sich. Nud das Traurigste hier­bei ist, daß wir lediglich durch eigene Schuld zu biefein Zustande gelangt sind. Wäre bet uns tatsächlich ein Mattgel an Lebensmittelu vorhanden, so würden alle bereitwillig das geforderte Opfer auf sich ttehmeu, wie es ja mit all den andern schweren Opfern des Krieges der Fall ist. Aber Rußland hat ja Ueberflub an Lebensurtt- teln, wie man ruhig behaupten darf. Wäre die richtige Verteilung und Organisation da, wir könnten nicht nur selbst satt werden, soridern auch unsere Verbündeten satt machen, wenn der Durchgang durch die Dardanellen offenftünbe. Die furchtbare Krisis in der Ernährung, die sich in vielen Orten ttnb selbst in der Reichshauptstadt geltend macht, hat nur in der Planlosigkeit, in dem völli­gen Mangel einer Organisation ihren Grund.

In Moskau hat mau z. B. die Studenten der Uni­versität dazu ungehalten, den Holztransport zu befor» gen. Anstatt die akademische Jugend dem Militärdienst zuzuführen, wie in einer Ministerkonferenz beschlossen wurde, wird sie zu Arbeiten herangezogect, für die doch andere Leute genug vorhaiiben wären. Bier Monate sind bereits verflossen, seitdem eine Beratutlg die andere tagt, die alle den Zweck haben, für den Kriegsbedarf und für die Volksernahrung zu sorgen. Unterdessen wartet das Volk mit Spannung auf die sogenannte Erneuerung der Gewalt, die es von allen Bedrängnissen befreien soll. Nur auf bem Gebiete der Kriegsleitung ist einiges geschehen, sonst ist nichts um eiu Haar besser oder anders geworben, und die Borbedinguugen zur Aufrechterhal­tung des normalen Lebens sind heute genau so wenig vorhanden wie vor Monaten. Im Gegenteil: es ist schlimmer geworden.

Vermirdites.

Ein weiblicher Briefträger vor Gericht. Zum ersten Male hatte sich jetzt in Deutschland ein weiblicher Brief­träger wegen Vergehens im Simse vor dem Strafrichtet zu verantworten. Es handelt sich, wie man derFrkf, Ztg." berichtet, um die Briefträgerin Anna Dippe in Quedlinburg. Man fand eines Tages unter einer Bank in den SInlagen fünf unbestellte Briefe, die zu ihrem Bezirk gehörte«. Die Utttersuchung ergab, daß die An­geklagte eine Anzahl zurückgekvmmener Feldvostbriefe geplündert und außerbern eine größere Erzähl Briese erbrochen unb nicht bestellt hatte. Psychologisch inter­essant sind die Gründe, die die Angeklagte für iyr Ver­gehen anführt. Die Feldpostbriefe hat sie zurückgehalten, um Näschereien herauszunehmen; ein Paket hat sie ge­öffnet, weil daraus eine gestickte Decke mit einem sehr hübschen Muster hervorgeschaut habe, die Briefe hat sie aus Neugier erbrochen: sie wollte wissen, mit wem die ihr bekannten Sibreffatinnen korrespondieren, und die fünf Briefe, die man unter der Promenadenbank fand, habe sie verloren, als sie sich bei einem Dienstgang in der Dämmerung mit einem Soldaten dort zum Ver­weilen niedergesetzt habe. Das Gericht erkannte auf sechs Mvuate Gefängnis.

Kriegshnmor. Sirmer Kerl.Na, nun steigen aber die Preise für alle Artikel ..."Ja, bloß für meine nicht."Was haben sie denn für ein Geschäft?" Ich bin Zeitungsreporter!" Das dankbare Vater­land. In Fraukreich soll, nach demJournal des Debats" ein neuer.Orbenfür bürgerliche Tugend" gestiftet wer­den, z. B. für pünktliches Steuerzahlen. Weitere Aus­zeichnungen sind vorbehalten: Wer bereits diese Aus- zeichnutlg empfangen hat, und dann noch weiter seine Steuern zahlt, erhält das Großkreuz, das den TitelBet­ter von Poinearee" verleiht. Wer als Inhaber des Groß- kreuzes noch immer nicht den Staat bcichnbffwtrb Mit­glied der Akademie und erhält die Anweisung auf ein Erbbegräbnis im Pantheon. Wenn das nicht hilft.-- Fürs Vaterland.Und Ihr Sohn? ist er auch draußell?" Nee, sie ham'n nich genommen; er hat nämlich simu­liert."Und das erzählen sie offen?"Starum den nich? er hat ja 'n Leistenbruch." Unsinn! So was kann man doch nicht simulieren."Natterlich nich. Aber er hat'n wirklich. Bloß, er wollte gern dienen, und des­halb hat er bei der Untersuchung Gesundheit simuliert."

(Lustige Blätter".)

Weitere Drahtnachrichten«

Der türkische Bericht.

Konstantinopel, 14. Oktober. lWTB.) Der Be­richt des Hauptquartiers meldet: Ein Teil unserer Flotte hat vor einigen Tagen in den Gewäsiern von Sewasto­pol einen mit Zucker und einen andern mit Fntter bei ladenen russischen Dampfer versenkt. An der Darda- nellenfront bei Anaforta vernichteten wir ein seindliches Flugzeug. Bei Art Bnrun erfolgloses Feuer gegen all« unsere Stellungen. Bei Sed nl Bahr zwangen wir ein feindliches Torpedoboot, das unsern linken Flügel zu beschießen versuchte, zur Flucht.

Italiens Balkauhilse.

^ Turin, lo. Oktober. (WTB.) Der römisch« Mitarbeiter derStampa" äußert, das völlige Sticht- erwähnen Italiens in Vivtants Erklärungen gebe zu verstehen, daß von Italien kein positiver Entschluß ge- faßt wurde. Dies dürfe aber nicht falsch ausgelegt wer- den. Italien leiste seine Hilfe bei der Balkanaktion bei Entente durch eine energischere Entfaltung seiner Tätig- keit auf dem eigenen Kriegsschauplatz^ was zur endliche LÄI^una deS MrldeS mithelfe. Die Alliierten diäten die Wichtigkeit der italienischen Anfgabe»

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