' Bon den Kämpfen in der Champagne.
e-#> Berlin, 11. Oktober. (T. U.) Der Kriegsbericht- erstatter Kellermann des „B. T." meldet aus dem Gro- uen Hauptquartier über die Käurpse in der Champagne: Die Verluste auf beiden Seiten sind bet der Heftigkeit der Kämpfe schwer, indessen ist die Zuversicht innerer Truppen unerschütterlich. Nach Aussagen von Ge- faugenen wollte Joffre in acht Tagen bis Bonzlers durchgedrungen sein. Von Tahure bis Vouziers sind zwanzig Kilometer. Selbst wenn er die ganze Champagne-Armee opferte, wird ihm dies nicht gelingen. Eines unserer Flugzeuge hat einen französischen Fesselballon durch Ilbfeuern einer Leuchtpistole zur Explosion gebracht. Einer unserer Luftkreuzer hat in den letzten Tagen abermals die feindliche Kampffront über- flogen.
Englisches Eingeständnis des französischen Mißerfolges.
„Manchester Guardian" schreibt: Die französischen Angriffe, die am Mittwoch begonnen haben, haben nur an zwei Punkten gewisse Erfolge erreicht. Leider wurde das Gelände, das an anderen Punkten gewonnen war, durch sofort einsetzende deutsche Gegenangriffe wieder verloren. Man kann höchstens sagen, daß die Franzosen sich hier und da in der zweiten deutschen Linie festgesetzt haben. Gegenwärtig ist es aber unmöglich, den großen Anfangserfolg zu erneuern. Die Deutschen können nicht mehr überrascht werden und können den Angriff durch einen Gegenangriff in großem Stile beantworten. Es wäre eine gute Taktik, an einem anderen Punkte plötzlich neu anzugreifen; aber die notwendige Ansammlung der Artillerie erfordert wochenlange Vorbereitung und kann nicht ohne weiteres sofort auf Befehl wiederholt werden.
Ein neuer Konflikt im französischen Ministerium?
Die Agence Havas hat mitgeteilt, daß der Minister des Aeußern Delcassee leidend und an dem letzten Mi- nisterrat nicht hat teilnehmen können. Der Ministerrat hat den Ministerpräsidenten Biviani ermächtigt, die Leitung des Auswärtigen Amtes interimistisch zu übernehmen. Infolge der Erklärung Delcassees wird auch Biviani am Montag vor fielt vereinigten Kammerkom- missionen des Krieges, der Marine und der auswärtigen Angelegenheiten Rede stehen über die diplomatische Lage Frankreichs. Zu dieser Mitteilung des Havasbüros kann man, wie die „Frkf. Ztg." bemerkt, nur die Vermutung hinzufügen, daß es sich um einen Konflikt innerhalb des Ministeriums handelt, hervvr- gerufen durch eine Differenz der englischen und fran- wsischen Regierung in Bezug auf die Behandlung der Balkanangelegenheiten.
Große Beratungen in London.
Reuter meldet aus London: Amtlich wird bekanntgemacht, daß die französischen Minister Biviani und Augagneur dem englischen Ministerium diese Woche einen Besuch abgestattet haben. Es fanden mehrere Konferenzen statt, an welchen Asquith und verschiedene seiner Kollegen teilnahmen.
Grey soll zursicktreten.
Die „Morning Post" fordert in einem Leitartikel den Rücktritt Greys. Das Blatt schreibt: Das Versagen des Auswärtigen Amtes ist vollständig und schimpflich. Das Amt hat Fehler gehäuft, die bei einem Kirchspielrate erstaunlich wären. Wenn im Auswärtigen Amt und in der Gesandtschaft von Sofia niemand die Lage verstanden hat, so Hütte Grey wohl schließlich jemand finden können, der sie verstanden hätte, und hätte seinen Rat annehmen müssen. Denn solche Leute gibt es. Aber das Auswärtige Anst ist ebenso taub gegen Warnungen wie ängstlich vor der Oeffentlichkeit. Es setzte seinen Weg der hoheitsvollen Geheimnistuerei fort, bis es an allen Punkten geschlagen war. Das Blatt wirft Grey vor, daß er vor Kriegsausbruch geschwankt habe, um weder Ja noch Nein zu sagen, kritisiert seine schwächliche Seerechtspolitik und seine neuerliche Erklärung, daß er nach dem Kriege bereit wäre, die Frage der Freiheit der Meere zu erörtern, sowie den neuen Plan, ein internationales Schiedsgericht als Berufungsstelle gegen die Urteile 6er Prisengerichte vorzuschlagen. Das Blatt fährt fort: Sollte das wahr sein, so sagen wir offen, daß im Namen der nationalen Ehre und Sicherheit der Rücktritt Greys und die gründliche Umgestaltung des Auswärtigen Amtes gefordert werden wird.
Der Unterseebootskrieg.
Unsere Uboote im Mittelmeer.
Die „Frkf. Ztg." meldet aus Konstantinopel: Die deutschen Unterseeboote im Mittelmeer entfalteten in den letzten Tagen eine besonders erfolgreiche Tätigkeit. Sie versenkten einen englischen etwa 8000 Tonnen großen Dampfer vom Typ der versenkten „Arabia", dessen Namen noch nicht ermittelt ist. Am Kap Matapan wurde der englische Dampfer „Craiton" und der französische Dampfer „Margarete" torpediert.
Kriegsallerlei.
Gründung einer Reichskartoffelstelle.
Der Bundesrat hat in seiner Sonnabend-Sitzung eine Bekanntmachung über die Kartoffelversorgung erlassen. Danach wird eine Reichskartoffelstelle mit einer behördlichen Berwaltungsabteilung und einer kaufmännisch geleiteten Geschäftsabteilung errichtet. Insoweit die zur Ernährung der Bevölkerung eines Kom- munalverbandes für Herbst und Winter erforderlichen Kartoffeln nicht anderweitig beschafft fhtb oder zu angemessenen Preisen beschafft werden können, meldet der Kommunalverband den Fehlbetrag bei der Reichskartoffelstelle an. Diese deckt den angemeldeten Betrag zu bestimmten Grundpreisen freihändig. Soweit dies nicht möglich ist, werden die angeforderten Mengen auf die Produktionskreise zur Lieferung umgelegt. Zum Zwecke der Sicherstellung dieser Mengen haben alle Kartoffelerzeuger mit mehr als 10 Hektar Kartoffelanbaufläche 10 v. H. ihrer gesamten Kartoffelernte bis zum 29. Februar 1916 zur Verfügung des Kommunalverbandes zu halten. Diese Kartoffeln müssen Speisekartoffeln oder Kartoffeln sein, die als Spetsekartoffeln verlesen werden können. Hinsichtlich dieser Mengen ist die Enteignungsbefugnis gegeben. Der Enteignungspreis wirb unter Berücksichtigung der Güte und der Berwertbar- keit der Kartoffeln bestimmt.
Vergebliche Wünsche.
Unter der Ueberschrift „Schädliche Erscheinungen" beschwert sich die Petersburger Zeitung ..Rjetsch" über die unglaubliche Tatsache, daß die Hauptstädte Rußlands wieder ohne Lebensmittel seien. Der Munitionsmangel sei in der Rückständigkeit der russischen Industrie begründet, aber Rutzlano habe doch Deutschland in Frie- öenszeiten mit Getreide und Lebensmitteln versorgt: man verfolge, solange der Krieg dauere, aufmerksam die Lebensmittelkrisis in Deutschland und müsse plötzlich unerwarteterweise sehen, daß Deutschland diese Krisis überwunden habe, während sie in Rußland in allen großen Zentren den denkbar schlimmsten Charakter angenommen habe. Rjetsch fährt fort: Wir frieren trotz unseres Holzreichtums und hungern nach der allerbesten Ernte. Wir haben Mangel an Zucker, während England in Friedenszeften rnit unterem Butter die Schweine
füttert. Der Krieg hat unsern größten Krebsschaden, den völligen Mangel an Organisation, enthüllt. Fürchterlich ist, daß man im zweiten Kriegsjahre diese vergeblichen Wünsche aussprechen muß.
Verwendung von Oelen und Fetten.
Der Bundesrat hat eine am 10. November 1915 in Kraft tretende Verordnung, betreffend die Verwendung tierischer und pflanzlicher Oele und Fette erlassen. Die Verordnung will den Verbrauch von tierischen und pflanzlichen Oelen und Fetten zu Schmierzwecken, zu Brennzwecken sowie zum (Stafetten oder sonstigem Behandeln von Metall, Werkzeugen, Maschinenteilen und Metallgegenständen hefchränfeit. Sie verbietet deshalb grundsätzlich die Verwendung unvermischter tierischer und pflanzlicher Oele und Fette zu genannten Zwecken und verlangt, daß bei Herstellung gewisser Oele, konsistenter Fette oder anderer Schmierfette nicht mehr als 25 vom Hundert des Gewichts des Enderzeugnisses von tierischen und pflanzlichen Oelen und Fetten zugesetzt werden.
Gefangene aus der Ehampagne-Zchlacht.
Es ist gewiß bemerkenswert, daß die schweren Kämpfe in der Champagne während der letzten 14 Tage das regelmäßige Erscheinen der an Ort und Stelle hergestellten Champagne-Kriegszeitung in keiner Weise behindert haben. Es ist ganz wörtlich zu nehmen, wenn man sagt, die letzten Nummern seien im Gedröhn des stärksten Geschützfeuers geschrieben, gesetzt und gedruckt worden. Die „Köln. Ztg." entnimmt der Nummer vom 6. Oktober folgende lebendige Schilderung:
Als der Geschützdonner immer heftiger wurde und nahe Explosionen großer Geschosse, mit denen die Franzosen die Straße belegten, hörbar wurden, bemächtigte sich der französischen Einwohnerschaft des Dorfes große Erregung. Vor einigen Sagen waren Gefangene oage- wesen, übermütige Kerle, die sich frech umsahen: „In acht Tagen sind die Unfern hier und die Deutschen perdu," sagten die, und die Einwohner hatten etwas davon anf- geschnappt, und nun warteten sie darauf. Vor ihren Türen stehend, lauschten sie gewannt jeder Variation des fernen Gewitters, standen auf der Straße, am Brunnen beisammen, flüsterten miteinander, Männer und Frauen. Die vorübergehenden deutschen Soldaten bemühten sie sich jetzt nicht zu sehen, um den Gruß schicklich vermeiden zu dürfen. Aber drehte sich einer plötzlich um, sah er die Augen aller auf sich gerichtet und eine neue, nie bemerkte Feindseligkeit blitzte in ihnen und etwas wie Spott, als wie: Eure lauten Schritte und euer Spo-
renklirren wird bald zu Ende sein hier, wir verstehen sehr wohl die Sprache der französischen Geschütze. Aber einige alte Leute sagten ganz ehrlich: „Wenn die Franzosen kommen, wird alles hier in Grund und Boden geschossen, wir danken aber für Granaten, wir haben genug erlebt und wünschen, daß alles bleibt wie es ist."
Als mittags am dritten Tage das Schießen aushörte, versammelten sich einige am Eingang des Dorfes, dir ersten Chasseurs d'Afrique zu erwarten, die als Avantgarde der durchbrechenden Armee voraussprengen sollten. Gegen Abend endlich kamen Franzosen an: keine elegante Kavallerie (die lag zusammengeschossen auf der Straße bei Souain), sondern blaue Infanteristen, mit ihren flachen Stahlhelmen, einer Herde wandernder Schildkröten ähnlich. Aber die unvermeidlichen Feldgrauen kamen gleichzeitig, und deutlich blitzten ihre Bajonette, während die Franzosen ihre Hände in den Taschen ihrer langen Mäntel verbargen, sie hatten keine Waffen mehr zu tragen. Die erwartungsvollen Zivil- franzosen erbleichten, und ihre Gesichter wurden länger, je langer der Durchzug der (Gefangenen dauerte. Diese hielten an und mußten warten, bis ihre Namen ausgeschrieben waren. Einige waren tödlich erschöpft und niedergeschlagen, blickten traurig die Häuser entlang und die Bewohner an, mit denen sie nicht sprechen durften, sie fragten bescheiden nach Essen und Wasser. Andere aber waren aufgeräumt und durchaus nicht schüchtern. Ein großer Sergeant mit schwarzem Schnurrbart und Käppi, den schweren Helm hatte er längst fortgeworfen, gab unverhohlen seiner Freude Ausdruck, auf gute Art die langweilige Sache los zu sein und sein Leben vor deutschen Granaten sicher zu wissen. Sein Nebenmann, Offizieraspirant, Student der Philosophie, bemühte sich, den schlechten Eindruck zu verwischen. Er sprach fließend Deutsch und meinte, daß Frankreich sehr wohl gerüstet und zu großen Unternehmen noch immer bereit sei, vorläufig sehe er keinen Grund, am Erfolg zu zweifeln. Aber er stand einzig da mit seiner Meinung und seinem guten Willen. Die meisten hatten keine Lust, sich irgendwelchen Zwang anzutun und fluchten: „Die entsetzlichen Granaten! Die furchtbare Schlächterei! Diese gräßlich öde Gegend!" Doch ihr äußeres Ansehen war ftn allgemeinen gnt. Offenbar waren es Elitetruppen, die zum ersten Angriff geführt worden waren. Viele Nordländer, Bretonen, Normannen, blond-, auch rotbärtig. Einem war sein Schildkrötenhelm durchschossen, daß die Kugel ihm das Haar gestreift. Der feldgraue Schütze stand gleich daneben. „Sie hätten vier Zoll tiefer halten sollen", fragte ich versuchsweise. „O, lassen Sie, es ist gnt so, sehen Sie, wie das amte Luder sich freut, noch zu leben." „
Den Begleitmannschaften, die Lenielben Kampf wie die Franzosen und dazu noch 70stündiges Trommelfeuer hinter sich hatten, war keine Erschöpfung anzu- sehen. Schmutzbespritzt, aM ««erschüttert in Geist und Haltung erzählten sie lachend ihre Erlebnisse. Wenige Mann hatten ganze Mengen Franzmen gefangen. Zwei Pioniere 48 Mann, ein Telephonist 22, sogar waffenlose Schipper hatten Gefangene gemacht. Die acht Offiziere des ersten Trupps kamen ins Haus, sich etwas auLzu- ruhen. Sie unterhielten sich gern und lebhaft. Der Angriff sei glänzend vorbereitet gewesen, man habe geglaubt, kilometerweit keinen lebenden Menschen mehr zu treffen, habe die vorderen Gräben einfach übersprungen — chic — und plötzlich in der unbekannten Gegend sei man verloren gewesen. Hinter sich Granaten, seitwärts Granaten, Bajonette — was konnten sie tun? Das war eine Entschuldigung. „Werden wir unsern Familien schreiben können? Werden wir gut behandelt werden?" fragten sie dann. „Aber natürlich, die Deutschen sind doch keine Barbaren, keine Turkos, meine Herren. Wie ist es, haben Sie solch Gesinde! auch jetzt wieder bei sich? „Nein, nein, wir haben keine gesehen." Das klang etwas befangen. Auaemcheinlich war es ihnen unangenehm, von diesen farbigen Kameraden zu reden. Es kamen immer mehr Gefangene, die letzten erhielten Nachtquartier in der Kirche, fielen auf die Bänke und schliefen sofort ein. Aber einzelne konnten trotz Uebermüduna nicht schlafen, blickten unruhig in das unergründliche Dunkel der Kirche, das ihnen wohl ein Gleichnis ihrer eigenen Zukunft schien, und sahen die Heiligenbilder an, die stumm auf biete müdgehetzten französischen Krieger herabschauten. Die Einwohner aber waren am andern Morgen wieder um- gewandÄt, sie hatten die bittere Pille verschilfest und lächelten wieder._______________,__,_______„___„
ier an, die stumm auf diese Krieger herabschauten. Die andern Morgen wieder um-
Vermischtes.
Erdbeben in Süddeutschland. Die Instrumente der Stuttgarter Erbebenwarte haben Sonntag früh in Loben-
yeim ein ziemlich starres Nayveven ausgezeichnet. Del Herd liegt 140 Kilometer entfernt; er dürfte im Fränkischen Jura liegen, in der Gegend von Eichstädt, wo letztmals am 2. Juni dieses Jahres ein ziemlich heftiges Erdbeben stattfand.
Drama im Schloß Zedwitz. In dem Gräflich Zed- witzschen Schloß in Grün bet Asch in Böhmen hat sich nach dem „B. T." ein Erbschaftsdrama abgespielt. Graf Maria Franz Clemens v. Zedwitz wollte am 6. Oktober die Gesellschafterin seiner verstorbenen Gemahlin, eine Kanfmannstochter aus Dresden, heiraten. Unerwartet starb er aber am 4. Oktober infolge eines plötzlich ausgetretenen Lungenleideus. Als man sein Testament öffnete, fand sich, daß die Braut des Grafen als Universal» erbin eingesetzt war. Nach der Verküudtgling des Testaments verließ der jüngste Sohn des Verstorbenen. Graf Hugo v. Zedwitz, das Zimmer unb schoß sich im Nebenzimmer eine Kugel in die Brust. Er wurde lebensgefährlich verletzt in das Krankenhaus in Asch gebracht. Er dürfte kaum mit dem Leben davonkommen.
Bei den französischen Bermnndelen der Chamvaqne-! Schlacht. Der Berichterstatter des „Journal" schildert im folgenden das Einbringen der Verwllndeten aus der Champagne-Schlacht hinter die Fenerliitte: „In langen Reiherr sind die Tragbahren ausgestellt. Die Männer, die hier liegen, bleich und blntig, kommen soeben aus dem mörderischen Feuer. Es sind die ersten Schwer- verwundeten aus dem tödlichen Gervithl der großen Offensive. Unser Sanitätswesen hat sich gebessert, den Grad der wünschenswerten yolleitöuno hat es aller- bingS noch immer nicht erreicht. In den meisten Abschnitten unserer Angriffsfront in der Champagne — einzelne Ortsbezetchnunaell zu nennen, ist mir nicht gestattet — werden die Verwundeten des Tages einge- sammelt, so daß sie bis Mitternacht in den Lazarert- stationen eingeliefert sind. Eitle Kette von Pflegeposten verbindet den Verbandplatz mit dem Bahnhof. Die Bahnhöfe sind eilig zur Aufnahme der Schwerverletzten eingerichtet. Bei Tag und Nacht müssen Aerzte und Pfleger bereit sein. In einem Wartesaal liegen vierzig Schwerverwundete, einige scheinen zn schlummern. Ein großer Junge von 20 Jahren diktiert einer neben ihm knienden Schwester röchclnb einen Brief. Einige Berwttttdete unterhalten sich mit schwacher Stimme. „Was hast Du?" „Ich bin am Beiu getroffen." „Ich im Rücken — durch eine Granatexplosivu." Leise rannt ein Murmeln des Schmerzes bitrch den Raum. „Tut's weh?" „Es geht." Zwei Soldaten derselben Koutpagnic hat der Zilfall nebeneinander gebettet. „Wo bist Du gestürzt?^ „Bei den Drahtverhauen." „Der tieninani ist gefallen. „Und unser Unterleutnant auch." Und wieder senkt eine dumpfe Stille sich tiüer den Raum herab. Die beiden Kameraden schweigen. Der eine läßt müde die Augenlider zufallen, der andere starrt sclnnerz- Haft ins Weite . . ."
Ftebellrüiime der Solhafen.
Ein interessanter Anfsatz über die „Kriegödeltrien" findet sich in einer französischen Zeitung: Der Patriotismus, heißt es dort, spielt in den Fteberträumcn der Soldaten oft eine hartnäckige Rolle. Ein Verwundeter, der mit gestörtem Erinnerungsvermögen im Lazarett lag, wußte überhaupt nicht, daß er krank sei. Als man ihn fragte, warum er sich hier befinde, wenn er unverletzt fei, erwiberte er: „Ich bin hier, um meine Heimat zu verteidigen." Das Bewußtsein der Disziplin, der Respekt vor ben Vorgesetzten bleibt manchmal inmitten der verwirrtesten psychologischen Zuställde ungestört Selbst Soldaten mit gestörtem öcwnßlfeht erkennen oft genau den Rang ihrer einzelnen Vorgesetzten.
Sehr häufig sind die sog. Kriegsträume. Die Soldaten träumen von Batteriestellllnaen, von Granatex- plosionen, ja sogar humoristische Geschichten von Blindgängern. Meist haben sie im Traume eine schwere milk tärinhe Aufgabe auszuführen und die seltsamsten Hindernisse zu überwinderr. Ein oft auftretender Soldatentraum ist auch die plötzliche, unerklärliche Rlickkehr in sein Heim. Der Kranke sieht tm Geiste seine Frau, seine Kinder, er wandert durch die ihm vertrauten Räume, er besucht seine Werfer und sein Vieh. Aber fast stets ist es ein trauriges Wiedersehen. „Meine Frau ist krank," stöhnte der Verivundete im Fieber, „mein Gott, sie ist krank, alle sind krank."
Hänsig führt der fiebernde Sieger laute Gespräch« mit einer eingebildeten Person. Der Gegenstand diesei Unterhaltungen ist meist der Krieg, die Stimmung wech. seit abgerissen zwischen Hoffnung, Pessimismus und erneuter Hoffnung. Der Kranke hält sich manchmal für einen großen Strategen, er erklärt die einzelnen Beive- gungen der Truppen, er dichtet Feldpläne und erzählt hört sie entweder feinen Saalgenossen oder einer von ihm erdichteten Phantasiegestalt, der er meist einen höheren militärischen Rang verleiht. Hier ein solches, wörtlich ausgezeichnetes Fiebergesvräch: „JaFHerr Haupt- mann, die Erde ist aufgeweicht; wir können nicht vorwärts gehen; es wäre Wahnsinn, den Feind unter diesen Umständen anzugreifen; glauben Sie mir, Herr Hauptmann, in diesem all ist die Geduld unsere beste Waffe . . ."
Sehr oft sieht der Verrvundete sich im Fieber in die Kaserne oder auf das Schlachtfeld versetzt. So will einer schnell durch die Linien laufen und ruft einen imagi- itäreit Posten, der ihn seiner Meinung nach aushalten will, entgegen: „Last mich, sonst komme ich zu spät zum Appell." Die Traumszenen, die mitten auf dem Schlachtfelde spielen, sind wohl die am hällftgsten wieber* kehrenden. So gibt ein Unteroffizier, der schwer bar» niederliegt, seinen Saalgenossen im Fiebertraum laute Befehle: „Der Feind wird euch entdecken! Schnell, grabt euch ein!" Und er hört nicht auf, bis die anderen Krau- ken ihre Köpfe unter den Bettkissen bergen. Auch Gröstenwahnsinnsfälle fonnneu vor. So fingen bei zwei Soldaten im Schützengraben die Typhuseriche,inungen damit an, daß sie erklärten, sie seien zu Generälen er» nannt worden. Der eine verlangte, daß sein Automobil vorfahre. Der andere wollte von seinem Hauptmann gegrüßt werden. Man sieht, daß auch im Fieber dre Soldaten sich meist mit dem Kriege beschäftigen Vom Krieg ganz unabhängige Träume gehören zu den Seltenheiten."
Weisere Drahtnachrichten.
Italienische Vorbereitungen zum Winterfelbzug.
Rom, 11. Oktober. lWTB.) Der Kriegsminister hat die dauernd beurlaubten Alpint, Jahrgang 1884 und die Angehörigen der Territorialmiliz, Jahrgang 1886, soweit sie Schiläufer sirxd, auf den 20. Oktober einberufen.
Jubel in Freundesland.
w> Konstantinopel, 11. Oktober. lWTB.) Die Nachricht von der Einnahme Belgrads rief in der Stadt ungeheuren Jubel hervor. In türkischen Steifen erblickt man in dem raschen Vorgehen der österreichisch-ungarischen und deutschen Truppen ein gutes Vorzeichen für ben weiteren Fortaana des Feldzuaes gegen Serbien.