loniki gelandeten Truppen sind nicht der englisch-französischen Dardanellenarmee entnommen, sondern Se- stehen nach der „Dtsch. Tgztg." aus Reserven, die bisher auf Malta und in Aegypten stationiert waren. Die Zuziehung italienischer Kontingente wird erst erfolgen, wenn es feststeht, daß Serbien nicht mehr auf die Unter- stühung eines anderen Balkanstaates rechnen kann.
Englisches Raten über die Stärke der deutsch- österreichischen Offensivarmee.
»-*■ Kopenhagen, 9. Oktober. (T. U.) Die englische Presse kommentiert nach dem „B. T." die Starke der deutsch-österreichischen Armee in Serbien. Vor wenigen Tagen Hietz es, es existiere noch keine Offensivarmee der Zentralmüchte gegen Serbien. Alle Nachrichten hierüber seien ein deutscher Bluff, um auf Bulgarien Eindruck zu machen. Heute wird die Angabe von 400 000 deutschösterreichischen Truppen als eher zu niedrig gehalten. In Paris liegen Nachrichten ans Saloniki vor, nach denen Deutschland im ganzen 600 000 Mann für die Balkanaktion zur Verfügung habe. Nach Petersburger Nachrichten der „Politiken" ist der bulgarische Aufmarsch beendet. Die bulgarische Artillerie verfüge über die aller- schwersten Kaliber.
Die Politik des neuen griechischen Kabinetts.
Amsterdam, 9. Oktober. (T. u.) Das „Petit Journal" meldet nach dem „B. T." ans Athen, daß nach Mitteilung von glaubwürdiger Seite das neue Kabinett einstimmig dafür ist, gemäß dem Willen deS Königs streng neutrale Politik allen Mächten gegenüber zu befolgen. Der König soll erklärt haben, daß er auf jeden Fall neutral bleiben wolle und mit keiner Macht in einen Konflikt zu geraten wünsche. Er ist der Meinung, daß der griechisch-serbische Vertrag von 1913 Griechenland unter den heutigen Umständen nicht verpflichtet, Serbien Hilfe zu leisten, eine Meinung, die mit der von Veni- zelos befolgten Politik im Widerspruch steht.
Der englische Gesandte bei König Konstantin.
„Morning Post" erfährt aus Athen vom 8. Oktober, daß der englische Gesandte Sir Francis Elliot gestern namens der verbündeten Mächte eine lange und wichtige Unterredung mit dem König Konstantin geführt habe.
. Rußland beteiligt sich vorläufig nicht.
®^ Berlin, 9. Oktober. (T. U.) Nach dem „B. L.- A." wird aus Bukarest erlärt, daß die Teilnahme Rußlands am Balkankriege nicht gleich erfolgen werde. Du- razzo werde von den Italiener»» als Flottenstützpunkt eingerichtet werben.
Von der Westfront.
7" Die Stimmung in Paris.
Die „Deutsche Tagesztg." berichtet aus Rotterdam: Nachrichten aus Paris beschreiben den tiefen Eindruck, den die nicht endenwollenden Verwuudetentransporte in der Hauptstadt machen. Um den Parisern eine Uebersicht über die Anzahl der Verwundeten zu erschweren, treffen die Transporte nur nachts in der nördlichen Vorstadt Chapelle ein, von wo sie durch ein sonst nur für den Güterverkehr geöffnetes Tor durch Seitenstraßen weiter- geführt werden. Die Leichtverwundeten, die bisher die Pariser Spitäler füllten, mußten den ankommenden Schwerverwundeten Platz machen. Der Umstand, daß jetzt keine neuen Siegesberichte von den Fronten in Frankreich mehr eintreffen, hat die einige Tage herrschende gehobene Stimmung über die französisch-englische Offensive wieder verscheucht. Um aber deu Glauben an fernere Erfolge neu zu belebest, hat das Kriegsministerium die Anordnung getroffen, daß alles feindliche Material, das auf den Schlachtfeldern gefunden wurde, in Paris ausznstellen sei.
Eine denkwürdige türkische Kammersitzung.
Ein verspätet eiuqetroffenes Telegramm aus Kon- stantiuvpel vom 5. Oktober meldet: Die Kammer hielt heute eine denkwürdige Sitzung, die den Vertretern der Nation neue Gelegenheit bot, ihre große Begeisterung auszudrücken, die die heldenhaften Taten der türkischen, deutschen und österreichisch-ungarischen Armee bei ihnen hervorgerufen hat, sowie ihre volle Dankbarkeit gegenüber den türkischen Soldaten und der gegenwärtigen os- manischen Regierung auszusprechen. Das Hauptinteresse der Sitzung lag einerseits in der Rede des Präsidenten H a l i l Bey, dessen ergreifende Worte im ganzen Saal vaterländische Begeisterung hervorriefen, andererseits besonders in der Rede des Kriegsministers und Vizegeneralissimus E n v e r Pascha, der in diesem entscheidenden Augenblick des Weltkrieges zum ersten Male das Wort ergriff seit Anfang des Krieges. Jeder Satz dieser beiden Reden wurde mit brausendem Beifall ausgenommen, besonders jedesmal, wo die drei verbündeten Heere und deren ungeheuere Erfolge erwähnt wurden, sowie das Bündnis zwischen den drei Kaiserreichen und den drei Völkern, die bald eine direkte Verbindung haben werden. Auch war die Begeisternug sehr lebhaft, als der Verrat Italiens gebrandmarkt und die auf 250 000 Mann geschätzten Verluste der Engländer bei den Dardanellen festgestellt wurden. Die feste, wirklich kriegerische Art, mit der Enver Pascha sprach, machte auf die Kammer einen sehr starken Eindruck. Nach diesen Reden nahmen einige Abgeordnete das Wort. Am Schluß forderte eiu geistlicher Abgeordneter die Mitglieder des Hanfes unter brausendem Beifall aus, Huldigungen für das Heer und die Regierung darzubringen: er sprach die Wünsche für den endgültigen Sieg aus.
ErfolgreicheAngriffeaufTransportdampfer
Unsere Unterseeboote haben in der letzten Zeit mit außerordentlichem Erfolge im Mittelmeer operiert. Sie haben seit Mitte September eine ganze Anzahl großer Dampfer versenkt, darunter eine Anzahl größerer Trup- Ventrausportdampfer. Versenkt wurde kürzlich erst der Dampfer „Arabia", ein Schiff von 8000 Tonnen mit 18 Seemeilen Geschwindigkeit und mit englische« Truppen an Bord. Ferner sind torpediert worden der Dampfer „Ramasan" am 18. September mit 500 Mann indischer Truppen an Bord. „Patagonia", 3000 Tonnen am 20. September. „Cyrene" 8000 Tonnen am 8. Oktober: an französischen Dampfern „Jndian" 800 Tonnen, „l'Aude" 3000 Tonnen, „Btlle de Mostagnem" 2650 Tonnen, „Pro- vincia" 3000 Tonnen und „Ravitailleur" 3000 Tonnen, dazu noch eine Anzahl kleinerer Dampfer. Alle Versuche, durch Geaenmaßregeln die Erfolge deutscher Unterseeboote im Mittelmeere zu verhindern, sind bis jetzt gescheitert.
Kriegsallerlei.
Einzelbestimmungeu über das „Eosiu-Schrot".
Die Reichsfuttermittelstelle hat die Einzelheiten über die vom Bundesrat zugelassene Abgabe von Brotgetreide zu Futterzwecken bestimmt. Nach dem Beschluß der Reichsgetreidestelle dürfen, wie schon mitgeteilt, bis zu drei Millionen Doppelzentner Brotgetreide für diesen Zweck verschrotet werden. Das ist eine außerordentlich große Menge, wenn man erwägt, daß seitens der Reichsgetreidestelle im ganzen verflossenen Geschäfts- -abr nur 12 Millionen Doppelzentner Brotgetreide „be
wegt" worden sind. Von den drei Millionen Doppel- zentnern sollen mindestens 1J4 Millionen für mastreife Schweine, eine Million für Milchkühe Verwendung finden. Ob an der bestimmten Menge von drei Millionen Doppelzentnern genau festgehalten wird, oder ob etwas weniger oder etwas mehr abgegeben werden kann, wird von der im Laufe des Oktober zu erwartenden genauen Erntestatistik abhängen.
Englische Lügen.
Die „Köln. Ztg." meldet aus Berlin vom 8. Oktober: Nach hier vorliegenden Pressetelegrammen sollen Lord Cormer und Lord Creme im englischen Oberhanse behauptet haben, deutsche Konsularbeamte in Kleinasien hätten die türkische Bevölkerung zu Greueltaten gegen die Armenier ermuntert. Aehnliche Lügen, die in ihrer Erbärmlichkeit raunt verdienen, niedriger gehängt zu werden, gehen durch die englische Presse. Warum man sich in England gerade jetzt bemüht, die Welt mit neuen deutschen Greueln in Atem zu halten, liegt anf der Hand. Die Märchen aus Belgien sind nicht mehr zugkräftig genug, um die Aufmerksamkeit von Englands völkerrechtswidrigem Vorgehen gegen Griechenland ab- zulenken.
Die treuen Tiroler.
Der „B. L.-A." berichtet ans Tirol: Nach den neuen Bestimmungen des Landesvertetdigungsgesetzes ist keine Altersgrenze für die Standschützen festgesetzt. Die Branchbarkeit eines Schützen für den Dienst hängt allein vom Befunde des Arztes ab. Bei der letzten Musterung der Standschützen im Zillertal, nämlich des kargen Restes der noch daheimgebliebenen Schützen, kamen glich zwei Greise zur Musterung als aktive Schützen, der 80« jährige Penz, der schon 1866 gegen Italien gekämpft hatte. Die Höchstzahl an Jahren hatte indes ein Bauer aus Fügen, der sich noch mit 85 Jahren stellte. Der alte Penz, der schon einmal gegen die Welschen ausgerückt war, wird noch mit seinen 80 Jahren ins Feld gehen.
Vermischtes.
Ei« Trauet fall in der Familie des Generals von Emmich. Von eurem schweren linglücksfall ist die Familie des Generals v. Emmich verroffen worden. Der 4l^jährige einzige Enkelsohn des Generals, Otfried Böhmer, Sohn des im Felde als Adjutant der 28. Infanteriedivision stehenden Rittmeisters Böhmer vom Braunschweigischen Husarenregiment dir. 17, und dessen Gemahlin Olga geb. v. Emmich, einzigen Kindes des Generals, stürzte in einem unbewachten Augenblick rücklings in ein mit siedendem Wasser gefülltes Gefäß. Das Gefäß schlug um, und die heiße Flüssigkeit ergoß sich über den unglücklichen Knaben. Infolge der schweren Verbrühungen ist das Kind nach mehrstündigem qualvollen Leiden gestorben.
Ein belgischer Spion jum Tode verurteilt. Der belgische Soldat Peter Joseph Claes wurde vom Feldgericht des Militärgouvernemeuts der Provinz Limburg wegen Spionage zum Tode verurteilt. Er war aus England in Zivilkleidung über die holländische Grenze nach Belgien gekommen, um Spionage zu treiben.
Die Pioniere bei La Bass^e. Ueber eine Heldentat der 1. Feldkompagnie eines Pionierbataillons im Kampfe am 25. September in der Gegend von La Bassse berichtet der Feldbrief eines beteiligter» Pioniers, der der „Köln. Volksztg." zur Verfügung gestellt wurde: Bereits um drei Uhr früh mußten wir autreten, um wettere Befehle zu erwarte«. Es war eine tolle Knallerei da draußen. Schwere gelbe dicke Granaten surrten über unseren Ort hinweg und krepierten in den wunderschönen Schlössern und dem großen Elektrizitätswerke von M. Die Luft war voll von englischen Fliegern. Bald bekamen wir Nebel- und Gasgranaten, so daß innerhalb einer halben Stunde das Gelände eine Gas- und Nebelwolke war. Erst gegen sieben Uhr sollten wir vierzig Mann von unserer Kompagnie losgehen. Wir erfuhren, daß die Engländer angegriffen und einige Stellungen erstürmt hatten. Wir erhielten Befehl, die Stellungen mit Handgranaten wieder zu nehmen. In Eilmärschen gelangten wir in die Laufgräben. Die Tommys schössen wie oll, aber auch unsere brave Artillerie schwieg nicht, eine Salve folgte der anderen. Unser braver Leutnant P. voran, jetzt mit Hurra heraus und nichts wie los. Eine Handgranate nach der anderen flog in die dichte Menge der Wilden, die da in unserer Stellung lagen. Wie die Schwarzen da in die Luft flogen, wie sie flehten und baten, sie zu schonen! Im Handumdrehen hatten wir paar Mann die Stellung zurückerobert und etliche fünfzig nebst einigen Offizieren gefangen. Gegen zwei Uhr nachmittags waren unsere sämtlichen Schützengräben wieder in un
seren Händen.
Wie ein taubstummer Soldat die Sprache wiederfand. Die Pariser Blätter berichten aus Rouen: Das Tagesgespräch in der Normandie bildet augenblicklich der seltene Fall. daß ein Taubstummer die Sprache wiederfand. Marcel Huber aus Barentin, ein junger Freiwilliger, war infolge einer schweren Verletzung blind und taub- stumm geworden. Der ärztlichen Kunst gelang es, ihm sein Augenlicht wiederzugeben, doch blieb er taubstumm. Unerwartet starb sein Bruder, Andree Huber, und da Marcel Huber sich verhältnismäßig wohl fühlte, erhielt er Urlaub aus dem Krankenhaus, um an der Beerdigung seines Bruders teilzunehmen. Dabei erschütterte ihn das Wiedersehen mit den Seinen derart, daß er plötzlich die Sprache wiederfand und ausrief: „Mutter, Mutter!" Dabei stürzte er in die Arme der Frau. Er erholte sich sehr rasch von diesem Nervenchok, und heute spricht er wieder so geläufig wie früher.
Englisches RekrutierungSbildche«. Als die besten „Werber", so schreibt das „Petit Journal", haben sich die kanadischen Unteroffiziere erwiesen. Gegenwärtig ist der kanadische Unteroffizier zweifellos der geschickteste und erfolgreichste öffentliche Redner in allen englischen Werbe- bezirken. Nach einer mehr oder weniger kurzen, aber packenden Einleitung geht er direkt ant sein Ziel los. Er hat mit sicherem Blick Sie jungen Leute in der Menge der Fuhörer entdeckt: und Gnade denen, die seinen Ausführungen mit allzu sichtbarem Interesse folgen. Plötzlich streckt er nach einem jungen Mann den Arm and und ruft: „He, Du dort! Komm und steige, zu mir herauf! Wir haben gerade noch Platz für Dich!" Und er läßt nickst locker, ehe der Betreffende sich gezwungen sieht, dem öffentlichen Rufe zu folgen. Wenn aber der also Angerufene es vorzieht, eiligst das Werte zu suchen, folgt wm eine Flut von Spott und Hohn. Der Au rn endet meist mit den Worten: „Genug mit all dem Gerede. Wir nd nickst Papageien, sondern Soldaten. Wer ist bereit, irr die Armee einzutreten?" Besonders geschickt weiß der Werber sich auch an die Weiblichkeit zu weuden. „Laßt Euch nicht durch andere Soldaten den Hof machen. Wenn Eu?r Liebster noch nicht den Khakirock trägt, so sprecht nickst mit ihm, bis er sich zu einem Besieren ent,chlo,sen Na: Werrn er aber durchaus Zivilist bleiben will, so gebt bm den Laufpaß. Denn dann ist er kein Mann!" Wenn die Versammlung beendet ist, bildet die Kommission mit hm HPHrttTnewordenen Rekruten einen Zug, in dessen
den neuangeworbenen Rekruten einen Zug, in best Spitze die Musik marschiert. So geht es auf dem titriern Wege zum nächsten Rekrutierungsbureau.
Kriegshumor. Kindliche Frage. „Ziehen die Vögel
äen
in diesem Winter auch nach Italien?" — Mein Freund Krause, 44 Jahre alt, kugelrund, äußerst bequem uni Besitzer einer vollständigen Platte ist zur Landsturm- musterung gewesen. Bei unsrer Begegnung frage ich: „Nun, wie war der Erfolg?" „Kriegsverweudbar! Jn- santerie!" „Da wird man Sie aber geivaltig in den Trab bringen." „Macht nichts! Aber ich bin so froh, daß ich den neugierigen Fragern nach meiner entschwundenen Haarpracht nunmehr als Grund den Helm nennen sann." — Eine merkwürdige Geschichte. Cmglijcher Kapitän: „Goddam! ist das 'ne merkwürdige Geschichte mit den deutschen Unterseebooten: Wenn sie kommen, sind sie unter Wasser und wir über Wasser, und wenn sie wieder gehen, sind sie über Wasser mit) wir unter Wasser." — In der Dorfschule hält der Lehrer Religious>tnterricht ab. er spricht über König David und Soul. Der Lehrer fragt nachher, weshalb zog David denn nicht auch in den Krieg? ES melden sich zwei Jungen: der eine meint, er mußte die Schafe bitten, der andere sagt, er war nicht Soldat. Da dies dem Lehrer nicht genügte, meldet sich der dritte: „Der Jahrgarrg war noch nicht dran." ____________________ („Meggendorfer Blätter.")
Aus Tilsits Russentugen.
Das schmähliche Ende eines Verbrechers in russischem Obersten-Ra«g.
Gegen Ende der vorjährigen Russenherrschaft in Tilsit wurden dort die Russen, die schon Ku>rde von dem „Unglück" erhalten hatten, das ihrem Heerführer Sanr- fonow mit seiner Narew-Armee bet Tannenberg zuye- stvtzeu war, merkwürdig unruhig und nervös. Infolge eines von einem der deutschen Sprache vollkommen mächtigen russischetl Offizier aufgesangenen aber voll* kommen fingierten Telephongesoräches erwariteten sie nach einer Schilderung der Königsberger Hartungschen Zeitung starke preltßische Truppe»: von Menrel her, wo angeblich viele deutsche Arrueekorps gelandet sein sollten. Sie stellten daher an der Königill-Luisen-Brücke in Tilsit Geschütze und Maschinengewehre in Richtung Mitteten auf. Nun erschienen am 12. September, nachmittags, aber die deutschen Truppen von Mehlauken- Skaisgirren, also von der entgegengesetzten Richtung her, und befreiten nach kurzen: Karupf die Stadt Tilsit. Das russische 270. Jnfanterie-Regimeut und zahlreiche Kosaken, sowie Artillerie, die in der Jnfarsterte-Kaserne in der Stolbecker Straße gelegen hatten, bezw. zur Sicherung nach der Niederung zu an den Memel- und Gilge- Strom vorgeschoben waren, wurden durch die plötzliche Befreiung Tilsits überrascht und von dem Rückzug über die Luisen-Brücke und die Eisenbahnbrücke abgeschnitten.
In wahttsinnifter Flucht rasten die feigen Kosaken die Stolbecker Ktraße hinunter in der Richtung Dwt° schaken-Splitter. Bereits in der Frühe des Sonntags entspann sich hier die zweite Schlacht bei Tilsit. Die Russen wurden hier in einer groß angelegten Umfassung von allen Seiten beschossen, da and) von Heinrichswalde her preußische Truppen im Anmarsch waren. In ihrer Verzweiflung, den Tod oder die sichere Gefangenschaft vor Augen, begtngeil die rnssischen Truppen damals an den Eirnvohnenc von Dlvischaken und Schillnallen unerhörte Greueltaten. Entmenschte Kosaken hatten aus Schillgallen fünf SRämtcr aus ihren Wohnungen aufs Feld gezerrt und durch Bajonettstiche auf die schrecklichste Weise langsam zu Tode gemartert, nachdem sie schon am Abend vorher die achtzelntjähriae Tochter des Gemeindevorstehers durch das Fenster hindurch erschossen hatte»!. Der Schruiedenlejster Michael Kurmtes, ein fünfundfünfzigjähriger Mann, und sein Schrviegersohn, der dreißigjährige Maurer Martin Schaak, wurden ohne jede Ursache oon Kosaken aus ihrer Wohnung heraus- geschleppt, eine Strecke meiteraeschleppt, dann rücklings mit den Händen aneinandergebunden und hierauf unter dem Donner der Kanonen und vor den Augen der erschreckten Bewohner am Chansseerande durch viele Bajonettstiche vorn Leben zum Tode befördert. Die Leiche des Kurmies zählte nicht weniger als 47 Stiche in fast allen Teilen des Körpers, die seines Schwiegersohnes war mehr in der Brust zerfleischt.
Fürchterliche Augeublicke »nutzte ein anderer Schtll- galler Einwohner mit durchwachen, der mit seinem 12- bis 13jährigen Söhnchen ebenfalls dazit ausersehen war, von den Russen hingeschlachtet zu werden. Mit mehreren anderen Eiutvohnern »nutzte er am Fuße einer kleiner: Erhebilng die Hände anf dem Rücke»» verschränkt »liederknien. Auf dem Kamn» der Gelände-Erhöhung hatten sich auf Befehl eines russischen Offiziers fünf Soldaten mit ausgepflanztern Seitengeivehr aufgestellt, die auf Kommando des Offiziers mit gefälltem Bajonett von der Anhöhe Oerumerftürmtcit und die beklagenswerter» Opfer mit dem Mordinstrument durchsttetzen. Irr seltener Kaltblütigkeit und Geistesgegenwart drehte sich der Mann im letzten Augenblick nach der Seite, so daß er dem auf ihn zustttrrnenden russischen Soldaten nicht die Brust, sondern nur die schmale rechte Seite barbot, in die der Soldat in der Höhe der Achsel das Bajonett hineinbohrte. Seinern kleinen Sohn hatte er noch in letzter Mirrute zuruferr können, das gleiche zu tun. Auf diese Weise tarnen Vater und Sohn durch eine wunderbare Fügung des Himmels nur mit einer allerdings schweren und schmerzhaften, aber verhältnismäßig schnell wieder heilbaren Wunde davon, während die übrigen Opfer auf der Stelle ihr Leben eiribüßterr. Insgesamt wurden nenn Personen hingeschlachtet.
Man meldete diese Schandtaten sofort einem preußischer» Offizier, der sie zur Kenntnis des Kriegsgerichts brächte. Auf dessen Auordnuug »nutzte der genannte Schallgallener aus den aefaugengenommenen russischen Offizieren den Verbrecher Heraussucherr. Er fand auch wirklich den Offizier, der den Befehl zu dem feigen Morde gegeben hatte. Dieser Offizier leugnete aber jegliche Teilnahme an der Greueltat, und als er in die Oberst Wolkow vom 270. russischen Infanterie-Regiment Enge getrieben wurde, berief er sich auf der» Befehl feiner Vorgesetzten. Weiteres verlautete damals über diese Angelegenheit nicht. Jetzt bringen nun Blatter die Kunde, datz der Urheber dieser schändlichen Roheit, Oberst Wolkoiv vom 270. russischen Infanterie-Regiment, der in jener zweiten Schlacht bei Tilsit ebenfalls gefangengenommen wurde, Selbstmord verübt hat.
Weitere Drahtnachrichten.
Verurteilter Landesverräter.
^ Leipzig, 9. Oktober. (WTB.) Das Reichsgericht hat den Agenten Müller wegen versuchte»» Verrates von militärischen Geheimnissen und Anstiftung zu schwerem Diebstahl zn 4 Jahren Zuchthaus, 10 Jahren Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht verurteilt.
Tunis unter dem Kriegszustand.
** Bafel, 9. Oktober. lWTBsi Die „Basier Nach- richten" erfahren aus Mailand: Die französische»» Behörden haben in Tunis den Kriegszustand erklärt. ES haben Angriffe von Rebelleuhaufen aus Tripolis statt, gefunden. Die französischen Truppen wurden bedeutend verstärkt.