todt und sta»z8stsche» Truppen dazu bestimmt seien, den ententefreundlichen Balkanstaaten zu Hilfe zn kommen.
Berhandlnngen zwischen Sofia und Athen.
> Das Deutsche Volksblatt in Wien meldet aus Athen, daß direkte Verhandlungen zwischen Griechenland und Bulgarien über die gegenseitige Verbürgung der Integrität beider Staatsgebiete während des Krieges ausgenommen wurden.
V Eine Ententelandung anf Saloniki?
^ Lugano, 30. September. (T. U.) Petersburger Berichterstatter der Mailänder Presse melden nach dem !„B. T.", in russischen Kreisen erwarte man von der bevorstehenden Landung Ler Entente auf Saloniki einen heilsamen Einfluß auf ote Haltung Bulgariens, das sich .vielleicht noch besinnen werde, ehe es einen entscheidenden Schritt unternimmt. Die für Saloniki bestimmten Truppen werden deu auf der Insel Mudros versam-' melten Reserven entnommen werden. Ebenso sollen sich an der Expedition ein italienisches Korps beteiligen. Ueber die Teilnahme russischer Truppen sei nichts'beschlossen worden, da die Verbündeten in der für Rußland so peinlichen Frage keinen Druck ausüben wollen.
V Rumäniens Politik des Zuwartens.
Bei der Eröffnung des neuen Klubs der konservativen Partei hielt, wie aus Bukarest gemeldet wird, der Parteipräsident Margholiman eine Rede, in der er erklärte: Die einzige Politik für das Land ist die zuwartende Neutralität, die in dem seinerzeitigen Kronrat beschlossen wurde. Jene, die eine Politik an der Seite Rußlands befürworten, vergessen, daß es nicht nur im Westen und Norden, sondern auch im Osten Rumänen gibt. In Bessarabien gibt es keine rumänische Schule mehr. Die Zahl der Analphabeten beträgt 85 Prozent. In der Verfolgung unseres nationalen Ideals müssen wir Möglichkeiten und nicht Sentimentalitäten Rechnung tragen. Deshalb müssen wir unparteiisch auf den Be- schlüfsen des Kronrats beharren: von einer Aenderung der Haltung der Regierung ist keine Rede. Ich glaube, daß Rumänien frei ist von jeder Verpflichtung. Wenn man uns fragt, ob die öffentliche Meinung mit dieser Politik des Zuwartens einverstanden ist, so sagen wir: ja: denn die wahre öffentliche Meinung, die sich von der Idee der Vergrößerung des Landes leiten läßt, ist mit den Konservativen.
; Das Schicksal Belgiens.
«-$= Rotterdam, 30. September. Der Mitarbeiter des „Nieuwe Courant" in Berlin hatte nach dem „B. L.-A." eine Unterredung mit Unterstaatssekretär Zimmermann, in der dieser an die falsche Auslegung seiner Unterredung mit dem Holländer Troelstra erinnerte. Der Unterstaatssekretär erklärte wiederum, daß Deutschland nicht daran denke, Hollands Neutralität oder politische oder wirtschaftliche Freiheit zu verletzen. Der Vertreter des „Courant" berührte die belgische Frage.
Er bemerkte, daß das Schicksal Belgiens Holland sehr zu Herzen gehe. „Es ist," erwiderte Unterstaatssekretär Zimmermann, „im Augenblick nicht möglich, zu sagen, wie nach dem Kriege das Verhältnis zwischen Deutschland und Belgien sich gestalten wird. Das ist eine sehr schwierige Angelegenheit. Eine Lösung muß gefunden werden. Aber eines steht fest: Deutschland muß Sicherheit haben, daß Belgien nicht ein Vorposten Englands werde. Dies werden wir verhüten." — „Sie sind somit überzeugt, daß die Bestimmung des Schicksals Belgiens von Deutschland abhängen wird?" fragte der Vertreter des „Courant". „Gewiß," antwortete der Befragte, „davon sind wir in Deutschland alle fest überzeugt. Wir werden uns keine Bedingungen auferlegen lassen. Wir werden dafür sorgen, daß das, was sich jetzt ereignete, sich nicht wiederholt. Wir haben unsere Friedensliebe reichlich bekundet. Wir sind ein friedliches Volk. Es ging uns gut. Was konnten wir bei einem Kriege gewinnen. Aber jetzt wollen wir einen Frieden durchsetzen, der uns gegen die Wiederholung eines derartigen Krieges schützt. Wir werden durchhalten, bis dieser Zweck erreicht ist. — Was aus Polen werden wird, sei, so sagte Unterstaatssekretär Zimmermann, noch ebensowenig sicher wie das Schicksal Belgiens.
Kriegsallerlei.
Kuropatki« wieder im Heere.
. Die „Times" erfahren aus Petersburg, daß Kuro- vatkin das Kommando eines Armeekorps erhalten hat.
Vom russischen Verkehrswesen.
Die „Nowoje Wremja" vom 19. September, die bis dahin den Eisenbahnminister Ruchlow möglichst in Schutz genommen hatte, schreibt: „Wer System, Ordnung und Planmäßigkeit in unser Verkehrswesen bringt, ist unbedingt ein Held. Wir bereiten ihm einen Lorbeer- kranz vor. Möge er kommen und uns erfreuen! Jetzt stellt sich heraus, nachdem die Zufuhr von Brennholz nach> Petersburg endlich verstärkt worden ist, daß die Einladevorrichtungen in Petersburg derart ungenügend sind, daß nicht einmal die 350 Waggons, die täglich jetzt in Petersburg eintreffen, rechtzeitig ausgeladen werden können."
Ein Tagesbefehl des a-gesetzten Großfürsten.
Die in London erscheinende „Jnöepedenee Belge" berichtet über den Inhalt eines Tagesbefehls -es Großfürsten Nikolai an die zum größten Teil aus Doner Kosaken bestehende Kaukasus-Armee: „Trotz mancher Rückschläge ist der Glaube der Kosaken an den Sieg nicht schwächer geworden. Ihr seid dieselben wie im Mai 1914, als ich, in Voraussicht des Krieges gegen Deutschland, die Truppen besichttgte und feststellen konnte, daß euer Blut rwch nicht dünner geworden ist, daß ihr noch immer gut versteht, den Feind zu schlagen." — Also im Mai 1914 hat Großfürst Molai den Krieg gegen Deutschland bereits vorausgesehen!
Ein Attentat auf König Peter?
Die „Deutsche Kriegsztg." berichtet aus Pest: Ein Pester Blatt meldet aus Sofia: Das serbische Prene- bureau veröffentlicht eine anrtliche Mitteilung, in der gesagt wird, daß das Gerücht über ein Attentat gegen Röntg Peter jeder Grundlage entbehre- Diese Mitteilung erweckt um so größeres Aufsehen, als bisher in keinem Blatte von einem Attentat gegen den König die Rede »Wesen ist.
Spanien und Gibraltar.
Die „Ätationalztg." berichtet aus Genf: Schweizerische Blätter bringen Auszüge aus den spanischen Zer- tungeri, woraus hervorgeht, daß die Agitation in Spanien für die Aufrollnug der Gibraltarfrage in starkem Zuneyme« begriffen ist. In den letzten Wochen fanden wieder in Barzelona und Südspanien zahlrerche Versammlungen statt, die Kundgebungen zur Gibraltarfrage veranstalteten.
Mißstimmung gegen die neue» Kriegssteuern in England
Die Erbitterung gegen die neuen Steuern in Eng- I<hiö vAschärst sich im ganzen Ände. In London sind ichon Abordnungen verschiedener Körperschaften einge- Kenna ersuchen und ihm ihre Klagen über gewisse Punkte
Kenna ersuchen und ihn ihre Klagen über gewisse Punkte des neuen Steuergesetzes Vorbringen wollen. Mac Kenna hat aber erklären lassen, daß er niemanden empfangen könne, weil zu sehr mit den internationalen Finanzfragen beschäftigt sei.
Das Unglück des „Benedetto Brin".
Bei der Explosion des „Benedetto Brin" wurden auch drei weitere im Kriegshasen von Brindisi liegende Schisse der Kriegsflotte schwer beschädigt. Einzelheiten fehlen, da die Zensur alles unterdrückt. Der Eindruck der Nachricht von der Explosion in Italien ist ungeheuer. Die öffentliche Meinung vermutet, daß ein feindliches Unterseeboot in den Kriegshafen eindrang und den „Be- neöettv Brin" torpedierte. Die Marineverwaltung tut natürlich alles, um dies zu bestreiten, und die Katastrophe auf andere Weise zu erklären. Auch in Fachkreisen gilt es für nicht ausgeschlossen, daß die Katastrophe durch ein österreichisch-ungarisches Unterseeboot verschuldet worden sei, das durch das Fjord, das den Hafen mit dem Meere verbindet, in den Hafen eindrang, und das über keine Schutznetze verfügende Panzerschiff torpedierte.
Ein französischer General schwer verletzt.
Nach dem „Figaro" wurde General Premier durch die Explosion einer Mine schwer verletzt. Sein rechter Schenkel ist zerschmettert worden.
Das sind zwölf Milliarden Marl?
Als am 24. September bekannt wurde, daß die Beicljmmgeu auf die dritte deutsche Kriegsanleihe eine Höhe von mehr als zivölf Milliarden Mark erreicht hatten, hat wohl jeden Deutschen dies Ergebnis mit berechtigter Genugtuung und Stolz erfüllt. Die wenigsten werden sich indes gleichzeitig ein klares Bild darüber gemacht haben, was eigentlich eine Summe von 12,1 Milliarden Mark in barer Münze oder in Papiergeld bedeutet. In dieser Hinsicht mag zunächst erwähnt sein, daß die gesamten Ausprägungen deutscher Goldmünzen sich bisheran (fett Dezember 1871) auf annähernd 5,15 Milliarden Mark beliefen, von denen sich gegenwärtig im Besitz der Reichsbank 2,42 Milliarden Mark oder etwa 47 Prozent befinden. Wären indes bisher für 12,1 Milliarden Mark ausgeprägt worden, so würden diese ein Gewicht (ein Zwanztgmarkstück wiegt rauh 7,96495g) von annähernd 4 480 000kg oder von 96 800 Zentner haben. In Silber entspricht die Riesensumme von 12,1 Milliarden Mark (ein Markstück in Silber wiegt rauh 5,5555g) 1364 800 Zentnern. Würde die ganze Summe in Papiergeld gezahlt (bis Ende des Jahres 1914 hatte die deutsche Reichsbank für 8,419 Milliarden Mark Banknoten in Betrieb gegeben, von denen sich zu Ende des vorigen Jahres für 5,046 Milliarden Mark und am 15. September d. J. für 5,152 Milliarden Mark in Umlauf befanden), so würde sich das Gewicht der Reichsbanknoten von 20 .// (zu lg das St.) auf annähernd 12100 Zentner, oder in Reichsbanknoten von 1000 JL (zu 3g) auf etwa 730 Zentner belaufen. Wenn also selbst unsere größten Zahlungsmittel zur Begleichung dieser Riesensummen verwandt würden, so wären selbst mehrere kräftige Männer kaum imstande, sie auf einmal von einem Ort zum andern zu befördern. Dagegen würde zur Fortschaffung des ganzen Betrages in deutschen Goldmünzen ein vollbeladener Güterzug (von 50 Wagen zu 10 Tonnen) benötigt und zur Beförderung der gesamten Summe in Silbermünzen etwa 40 vollbeladene Güterzüge erforderlich sein!
Um sich eine Vorstellung davon zu machen, welchen Raum 12,1 Milliarden Mark in deutschen Zwanzigmark- stücken etunehmen würden, sei angeführt, daß der ganze innere Flächenraum des Kölner Domes (6166qm), wenn die Zwanzigmarkstücke (die 2,2cm Durchmesser haben) dicht nebeneinander gelegt würden, zu deren Aufnahme bei weitem nicht ausreichen würde. Es müßten vielmehr je 87 Doppelkronen aufeinandergelegt werden, um den Riesenbetrag im Kölner Dom unterzubringen, und es würde dadurch der Fußboden dieses herrlichen Gotteshauses in einer Höhe von annähernd einem Achtelmeter vollständig mit Gold belegt sein, da ein Zwanztgmarkstück etwa 1,5mm hoch ist. Da die Türme des Westportals am Kölner Dom eine Höhe von 157m (über dem Fußboden und von 161m über dem Straßenpflaster) haben, so würde die Riesensumme von 12,1 Milliarden Mark in Zwanzigmarkstürken die sechstausendfache Höhe der Domtürme erreichen, wofern man sie alle einzeln aufeinander schichtet (in einer Höhe von annähernd 940 km), was etwa die zwanzigfache Höhe des Molkt Blanc entspräche. Die Höhe der Türme des Kölner Domes würden dagegen in einer sich gleich bleibenden Breite von etwa 270m mit der Riesensumme in Goldmünzen ausgefüllt werden können.
Allerdings besitzt Deutschland allein einstweilen nur etwa fünf Milliarden Mark in Goldmünzen, die zu einem kleinen Teile im Laufe der Jahre zu Schmuckgegenständen usw. verwandt wurden. Die gesamte Gold- erzengung der Welt Detlef sich indessen bisher (seit dem Jahre 1493) auf annähernd 70 Milliarden Mark, von denen sich gegenwärtig allein im Besitz der hauptsächlichsten europäischen und nordamertfantfchen Notenbanken etwa 16 Milliarden Mark befinden dürften. Der Betrag, den das deutsche Volk in kaum Jahresfrist für die ersten drei Kriegsanleihen, zusammen betrachtet mit der ungeheuren Summe von annähernd 26 Milliarden Mark zu zeichnen vermochte, würde in deutschen Goldmünzen allein ein Gewicht von annähernd 215 000 Zentriern und in deutschen Silbermünzen von 2 866 000 Zentnern ansmachen. Zum Vergleich sei schließlich noch erwähnt, daß sich die Staatsschulden der kriegführenden Länder vor Kriegsbeginn auf annähernd 140 Milliarden Mark, die der neutralen Staaten auf etwa 36 Milliarden beliefen, während zu Ende dieses Jahres allein die reinen Staatsschulden aller Lander wohl mindestens 250 Milliarden Mark betragen dürften.
Vermischtes«
„Der Tote bin ich." Von dem geradezu heldenhaft tragischen Tode eines türftichen Offiziers wird der Jm "geschrieben. Der türkische Leutnant Achmed hatte nach einem heftigen Kampfe die Feststellung der türkischen Verluste zu machen. Während er umtost von den feindlichen Kugeln in der Kampfesstettung blieb, traf auck ihn ein Schuß, der ihn für einige Minuten wanken machte Aber er beendete darum seine Arbeit nicht, und als der Arzt an ihn herantrat, winkte er ihm lächelnd ab. „Ich habe noch einiges zu tun," tagte er, „dann komme ich zu Ihnen." Vergebens drang der Arzt in den S Leutnant, damit er sich seine Kunde verbinden laste doch er deutete mit der Hand nach den Soldaten und'meinte: „Um mich handelt es sich jetzt nicht, ich habe Wichtigeres zu erledigen." Endlich uöwieg der Donner der Geschütze, und der Offizier begab sich so- aleich in das Hauptquartier, um zu melden, in wie wert die Armeen ergänzt werden können. Ihn geleitete der Arzt damit er endlich dem Offizier Beistand leisten könne, denn durch das todesmutige Verhalten des Okki-
ziers war die Schlacht gerettet, war der Feind zurück- gedrängt worden. Der Bericht ergab die Anzahl von Verwundeten und zum Schluß sagte der Offizier mit zögernder Stimme: „Und einen Toten." Er wurde von dem Arzt unterbrochen, der meinte: „Verzeihen Sie, Herr Leutnant, ich habe mich sogleich an die Behandlung der Verwundeten gemacht, indessen einen Toten habe ich darunter nicht erblickt." Da ging ein schwaches Lächeln über das Gesicht des Sürten, er lehnte sich in den Stuhl zurück und sagte: „Der Tote bitt ich." Er sprach es — und verschied.
Zunehmende Tätigkeit der italienischen Vulkane. In ganz Süditalien herrscht große Panik der Bevölkerung infolge Zunahme der Erdstöße. Der Aetna ist gleichfalls seit Sonntag in lebhafter Tätigkeit. In Messing wurden am Sonnabend fünf Erdstöße wahrgenommen.
Moltke über Bulgarien. Im Jahre 1873 führte Moltke eine Studienreise in das bulgarische Städtchen Kazanlik, das im Gebiete der bulgarischen Rosenfelder liegt. Moltke schrieb hierüber: Schon von ferne entdeckten wir ein Wäldchen mit riesenhaften Nußbaumen und in dem Wäldchen erst das Städtchen Kazanlik. Selbst die Minarets vermögen nicht über die Berge von Lanb und Zweigen hinauSzuschanett, unter denen sie begraben liegen. Der Nußbaum ist gewiß einer der schönsten Bäume der Welt^ ich habe mehrere gefunden, die ihre Zweige wagerecht über einen Raum von 100 Fuß im Durchmesser ansbreiteten. Von dem Wasserreichtum dieser Gegend kann man sich kaum eine Vorstellung machen: ich fand eine Quelle am Wege, die neun Zoll stark emporsprndelte und als ein kleiner Bach davvneiltc. Wie in der Lombardei werden die Gürten und Felder täglich aus dem Wasservorrat getränkt. Das ganze Tal ist ein Bild der reichsten Fruchtbarkeit, ein wahres gelobtes Land: die weiten Felder sind mit mannshohen wogenden Halmen, die Wiesen mit Schaf- und Büffel- Herden bedeckt, die Lust ist von Wohlgerüchen erfüllt, und das ist hier nicht bildlich, sondern blichstäblich zu nehmen. Die Rose wird hier riicht wie bei uns in Töpfen, sondern auf Feldern und Furchen wie die Kartoffeln gebaut. Millionen von Zentifolien sind über den lichtgrauen Teppich der Rosenfelder ausgestreut, und doch ist vielleicht jetzt erst der vierte Teil der Knospen uufacbrodten.
die Zufahrt des Polarforschers Stesaasson.
Die alnerikanischen Blätter brachten dieser Tage aus Ottawa die Nachricht von der Wiederauffindung des skattdiflavischerr Polarforschers Stefansson, der als Leiter einer skandinavischen Polarexpedition im Juli 1913 auf seinem Schiff „Karluk" von Alaska abgefahren und im Herbst 1914 verschollen war und totgesagt wurde. Nunmehr veröffentlicht der Forscher im „Dailu Chro- nicle" eine Schildernng seiner Abenteuer, der die „Frkf. Ztg." die folgenden Einzelheiten entnimmt:
„Als mein Dampfer „Karluk" mit der Bemannung in den Eisgewässern abgetrieben worden war, während ich mit sieben meiner Begleiter verlassen an Land bei unserer Station zurückblieü, beschloß ich, auch unter diesen Umständen die Aufgaben meiner Expedition mit Hilfe meiner Schlitten nach Möglichkeit zu erfüllen. Ale wir unsere schwierige Reise begannen, hatten wir 25 Schlittenhunde. Durch einen Schneestnrm verlor ich bald zwei meiner besten Leute. Endlich begann unsere Wanderung über das gefrorene Gewässer: am 9. April waren wir bereits 50 Meilen vom Festland entfernt, waren aber nur wenig nordwärts vorgedrunaeu, da die Stürme uns parallel der Küste zugetrieben hatten. Da unsere Hunde überanstrengt waren und zwei unserer Schlitten für das rauhe Eis zu leicht gebaut waren, entschloß ich mich, drei Manst ttach unserer Proviant- und Lagerbasis zurückzusenden. Nurl bestand unsere Gesellschaft nur noch aus zwei Kameraden und mir, mit Proviant für Menschen und Hunde für einen Zeitraum von 40 Tagen. Außerdem hatten wir zwei Gewehre und 360 Patronen.
Zwei Tage, nachdem die drei Begleiter uns verlassen hatten, mußten wir den heftigsten Sturm der ganzen Reise bestehen. Obwohl das Geräusch des Eisbrechens gegen die Klippen sonst meilenweit zn hören ist, konnten wir in jener Nacht wegen der Windstärke nichts als das Pfeifen des Sturmes vernehmen. In der Folge mußten wir viele Meilell über ganz dünnes Eis setzen. Wir waren nunmehr im Gebiete des ewigen Lichts. Das Tageslicht währte volle 24 Stunden, und da die Sonne zu wärmen begann, wäre dieses Eisgebiet ein oder zrvei Wochen später wohl nicht mehr tragfähig gewesen. Unsere Arbeit aber harrte im Norden, und dort waren wir auch vor der Schinclzkraft der Sonne in Sicherheit. Unsere Vorräte gingen allmählich zu Ende, und am 15. Mai begannen wir bereits ernstlich Hunger zu verspüren. Die Hunde waren merklich abgemagert. Wir hielten an, um Seelöwen zu jageu.
Ich rechnete aus, daß wir noch ungefähr 43 Tage brauchen würden, um das Vankslaud (die westlichste der arktisch-amerikanischen Inseln) zu erreichen. Während der folgenden Zeit hatten wir reichlich zu essen: wir erlegten eine Anzahl Bären und 40 Seelöwen. Am 24. Mai, 45 Meilen von der Küste der Banksinsel entfernt, gerieten wir in einen Ost stürm, der 12 Tage währte. Als wir lagerten, kamen die Bären, ohne auf das Besten der Hunde und unsere Schüsse zu achten, direkt zu nn« heran. Während der folgenden Zeit wurden wir durch den Wind gezwungen, 60 Meilen von unserer vorgesehenen Richtung abzugehen. Am Abend des 26. Juni erreichten wir die Banksinsel, 30 Meilen südlich von Kav Alfred. Da ich, den von mir getroffenen Abmachungen gemäß, die Ankunft des HilfsichonerS „Nordstern" für Ende August erwartete, brachten wir den Sommer mit Jagden zu, wobei wir auch auf alle Fälle Wintervorräte ansammeltert. Aber der 1. September kam, und nichts war in Sicht. Wir bargen unser Trockensleisch unter Steinen und wanderten südwärts.
Am Kap Kellett fanden wir das Schiff „Mary Sachs". Die Expedition der „Mary Sachs" hatte angenommen, daß sie uns verzweifelt und dem Hungertod« nahe auf Kap Kellett alttreffen würde. Als sie uns aber nicht gefunden, hatte sie angenommen, wir seien tot. Außerdem hatte sich im letzten Sommer auch auf der Nerschel-Jnsel die Nachricht von unserem angeblichen Tode verbreitet. Da es zu spät in der Jahreszeit war, um die „Mary Sachs", die an Land gezogen war, wieder flott zu machen, setzten wir das Sammeln von Wintervorräten fort. Als der Winter nach vielen Querreisen vergangen war, entdeckten wir am 18. Juni ein neues Land im Nordosten. Wir erreichten es in 780 nördlicher Brette und 117° westlicher Länge. Wir überblickten eine K)0 Meilen lange Küstenlinie. 40 Meilen im Osten sahen wir Berge von einer Höhe bis zu 2000 Fuß. Auch sonst handelt es sich um ein ,ehr gebirgiges Land, das nur an der Küste flach ist und dann amteigt. Arktische Tiere waren in großen Mengen vorhanden mit Ausnahme von Bären. Da der Sommer schnell näher rückte, wandten wir uns am 22. Juni zurück. Wir folgten dann der Westküste der Melville-Jnsel, wanderten über die Merey-Äai und reisten quer durch die Banksinsel nach Kellett, wo wir am 8. August wohlbehalten ankamen. Am 11. August kam der Schoner „Polarbär" an. den wir für unsere Zwecke mieteten.