Die zweite Art durchbohrt das gänze Haus und explodiert erst im Keller, diese Letztere Sorte richtet selbst- verständlich unermeßlichen- Schaden an. Ueber die Zerstörungen selbst sagt der Augenzeuge u. a.: Die Sonne des nächsten Tages offenbarte die Zerstörungen in ihrer ganzen Schrecklichkeit. Hier und da waren tiefe Löcher von den explodierenden Bomben gerißen. In vielen Häusern war kein Fenster ganz geblieben; bisweilen sah man bis auf den Grund gespaltene Häuser.
s Bericht des türkischen Hauptquartiers.'
Konstautinopel, 24. September. (WTB.) Das Hauptquartier teilt mit: Auf der Dardanellenfront bei Anaforta griffen unsere Aufklärungspatrouillen die feindlichen Gräben mit Bomben an, fügten ihnen Verluste zu und erbeuteten Gewehre nu- Munition. Wir stellten fest, daß wir durch die Beschießung des feindlichen Lagers von Bujukkemiklt am 22. September ernsten Schaden angerichtet haben. Bei Art Burnu zerstörte unsere Artillerie am rechten Flügel Gräben des Feindes und Teile seiner Werke und einen Veobachtungsposten und versenkte zwei mit Grubenholz beladene Segelschiffe. In der Nacht zum 22. September brachten wir am äußersten Flügel Minen zur Explosion und eine Gegenmine des Feindes zum Zusammensturz. Am 21. September vernichteten wir bei Sed nl Bahr in der Umgebung von Kerevidzere eine feindliche Patrouille, bestehend aus einem Offizier und neun Mann. Unsere Artillerie brächte eine feindliche Batterie zum Schweigen, die ihr gegenüber stand, und zwang ein feindliches Torpedoboot, das sich Hissarlik-Burnu näherte, zur Flucht. Uns fere Küstenbatterien versenkten durch ihr Feuer' ein feindliches Torpedoboot, das sich der Meerenge näherte: sie beschossen auch erfolgreich feindliche Truppen bei Mortoliman sowie feindliche Artillerie bei Hissarlik. Am 21. September warf ein feindlicher Flieger, ohne ein Ergebnis zu erzielen, drei Bomben auf das Lazarett der Dardanellen, dessen Lage und Abzeichen seit langem bekannt waren. Auf den übrigen Fronten keine Ber- iinderung.
Griechenland mobilisiert?
' ^ Amsterdam, 25. Septentber. (T. U.) Reuter meldet aus Athen: Venizelos hatte um 4 Uhr eine Uns terredung mit dem König. Er erklärte, daß die Mobili- siernng die einzig mögliche Antwort auf Bulgariens Haltung sei. Der König empfing darauf den Kriegsminister Danglis, worauf die Unterzeichnung des Mobilmachungsbefehls folgte. Von den einberufenen zwanzig Jahrgängen sind bereits vier unter Waffen. Es heißt, der König habe die Mobilisation als defensive Maßregel gebilligt.
Die Redaktion des „B. T.", die mit anderen Berliner Blättern die Nachricht bringt, bemerkt dazu, eine Bestätigung der Meldung lag bis Mitternacht bet keiner der zunächst in Frage kommenden Stellen vor. Es war indessen damit zu rechnen, daß die griechische Regierung gewisse militärische Vorkehrungen treffen würde.
Rnmänien und Griechenland.
»-* Berlin, 25. September. (T. U.) Daß man die Mobilmachung Bulgariens in Bukarest nnö Athen mit größter Spannung verfolgt, ist selbstverständlich. Aber Rumänien wird sich nach dem „B. T." weder bitrch die Mobilmachung noch durch eine eventuelle Aktion Bulgariens in Serbien bedroht fühlen, also in seiner Neutralität vorläufig weiter beharren. Auch der König von Griechenland und der Generalstab werden vermutlich ihr Land nicht in einen Krieg für die Interessen Dritter treiben lassen. Es ist anzunehmen, daß Bulgarien versuchen wird, zu einer Verständigung mit Griechenland über die Frage der Abtretung des serbischen Gebiets zu gelangen. Dce Entente wird natürlich nichts unversucht lassen, Bulgarien an der Erfüllung seiner nationalen Ansprüche in Serbien zu verhindern.
Die Havas-Agentur verbreitet nach einer Genfer Meldung eine laügere Auslassung aus Bukarest, die die Ergebnislosigkeit der Vierverbandsverhandlungen mit Rnmänien feststellt.
Noch ein serbischer Vorschlag?
Die „Nationalztg." berichtet aus Zürich: Schweizer Blättern wird gemeldet: Nach Pariser Berichten ist Serbien bereit, vorbehaltlos auf Mazedonien zu verzichten, wenn ihm ganz Albanien einschließlich Durazzo und allen Küstenstädten zur dauernden Besitzergreifung überlassen wird. In Italien hat die Nachricht große Entrüstung hervorgerufen.
Belgrad wird geräumt.
»e* Budapest, 25. September. (T. U.) „Az Est" meldet nach der „Dtsch. Tgztg.", daß Belgrad von der Einwohnerschaft geräumt werde. In den letzten Tagen begann unsere Artillerie mit der Beschießung Belgrads, worauf die Bevölkerung teils aus der serbischen Hauptstadt flüchtete, teils mit Gewalt fortgeschleppt wurde.
Jubelnder Empfang der Mazedonier in Sofia.
** Budapest, 25. September. (T. U.) Aus Sofia wird nach dem „B. L.-A." gemeldet: Ein grenzenloser Jubel herrschte, als die Mazedonier in unübersehbaren Scharen ihren Einzug hielten. Der Höhepunkt der Begeisterung trat ein, als ein Trupp von mazedonischen Deserteuren aus der serbischen Armee in Uniform auf dem Marktplatz anfmarschierteu.
Nicht Kompensation, sondern Rücknahme.
In Bierverbandsblättern ist mehrfach die Rede davon, daß unmittelbare Verhandlungen zwischen Bulgarien imd Serbien vielleicht doch nach das Schlimmste ab- wenden könnten. Die so urteilen, verkennen völlig die bulgarische Auffassung der Sachlage, die dahin geht, daß Mazedonien Bulgariens rechtmäßiges Eigentum sei, über dessen Erstattung es überhaupt nicht verhandeln könne. In der Wiener bulgarischen Gesandtschaft wurde einem Vertreter des Pester Äz Est in dieser Hinsicht wörtlich gesagt: Zwischen Bulgarien und Serbien ist eine Verständigung, sind auch Verhandlungen ausgeschlossen. Wir wollen Mazedonien nicht als Kompensation. Es geht nicht an, daß uns Bedingungen für die Abtretung Mazedoniens gestellt werden, es geht nicht an, daß man uns sagt: Ihr bekommt Mazedonien, wenn ihr der Türkei den Krieg erklärt. Mazedonien ist das rechtmäßige Eigentum Bulgariens, und Bulgarien muß es bedingungslos bekomme», wohlgemerkt, bedingungslos.
Staatssekretär Helssecich über öle Kriegsanleihe.
Die Finanzierung des Krieges bis zum Frühjahr gesichert.
die Tragweite des Ergebnisses der Finanz- schlacht hat sich Staatssekretär Dr. Helfferich bereits ge= genauer Vertretern der amerikanischen Presse aus- gesprochen. Sie kabelten nachstehende Aeußerungen des Staatssekretärs mach den Vereinigten Staaten:
Das Ergebnis der dritten deutschen Kriegsanleihe ist rund 12 Milliarden Mark. Zusammen mit der ersten Kriegsanleihe (September 1914) von 4^ Milliarden und der zweiten Kriegsanleihe (März 1915) von 9,1 Milliarden hat also das deutsche Volk rund 25,5 Milliarden Mark in Form langfristiger Anleihen endgültig für den Krieg zur Verfügung gestellt. Damit sind alle bisher ausgelaufenen Kriegsausgaben abgedeckt, und darüber hinaus ist neues Geld verfügbar für die weitere Kriegführung. Wir haben nicht nur neue Heere, wie der Reichskanzler im Reichstag sagte, sondern auch neue Milliarden bereit zu neuen Schlägen. Die Finanzierung des Winterfeldzuges bis i« das Frühjahr hinein ist gesichert.
Die auf die dritte deutsche Kriegsanleihe gezeichnete Summe übertrifft noch die über die ganze Welt als unerreichbare Leistung gerühmte zweite englische Kriegs- anleihe. Die dritte deutsche Kriegsanleihe ist mithin die größte Finanzoperation der Weltgeschichte. Im Wege langfristiger Anleihen hat England bisher insgesamt 18,5 Milliarden, Deutschland 25,5 Milliarden aufgebracht: dabei sind die bisher ausgelaufenen Kriegskosten Englands kaum geringer als diejenigen Deutschlands, und werden bald größer fein, da England heute fast 100 Millionen Mark, Deutschland nicht viel mehr als 60 Millionen Mark täglich für den Krieg ausgibt. Das sind in Deutschland eine Mark, in England mehr als zwei Mark täglich pro Kopf der Bevölkerung. Ich zweifle, ob die englischen Finanzleute heute noch glauben, daß sie den längeren Atem haben werden. In diesem Zweifel werde ich durch folgende Erwägungen bestärkt:
Deutschland hat seine drei Kriegsanleihen bei gleichem Zinssatz der Reihe nach zu steigendem Preise abgegeben, England hat den Zinsfuß seiner Kriegsanleihen von 3^ auf 4% Prozent erhöhen müssen und ist aller Voraussicht nach jetzt gezwungen, für seine neue Kriegsanleihe, sei es im Inlands, sei es in Amerika, 5 Prozent zuzugestehen. Deutschland hat seine Kriegsanleihen ausgezeichnet plaziert, was sich darin zeigt, daß der Kurs stets höher als der Ausgabekurs notiert worden ist; England hat seine Kriegsanleihen schlecht plaziert, ihre Kotierungen stehen bereits um mehrere Prozent unter dem Ausgabekurs. Deutschland hat einen größeren Erfolg ohne die künstlichen Reizmittel erzielt. Alles, was im Auslande über Druck und Zwang verbreitet wird, ist reine Fabel. Wir haben uns lediglich au die finanzielle Kraft und an den Patriotismus unserer Mitbürger gewandt. Der Erfolg wird der Welt die Kugen öffnen, wie stark Deutschlands Finangkraft und mte stark sein Wille ist. England hat die Bereinigten Staaten bei Ausbruch des Krieges burch rücksichtslose Zurückziehung seiner Guthaben bedroht. Heute sind die Rollen vertauscht: England sucht Geld in Amerika, Deutschland dagegen findet die Mittel zur Kriegführung bei sich selbst und braucht keine fremde Hilfe.
Der Kaiser über den Erfolg der Anleihe.
Berlin, 24. September. (WTB.) Seine Majestät der Kaiser hat an den Staatssekretär des Reichsschatzamts Dr. Helfferich auf die Meldung über den Erfolg der dritten Kriegsanleihe nachstehendes Telegramm gerichtet: Ich danke Ihnen für die Nachricht von dem glänzende» Ausfall der dritte» Kriegsanleihe nud beglückwünsche Sie zu diesem neuen schönen Erfolge unserer Ihrer Leitung anvertrauten finanziellen Krieg- führung. Das deutsche Volk hat im vollen Vertrauen auf die eigene Kraft damit dem Feinde wie der ganzen Welt bekundet, daß es auch fernerhin wie ein Mann einmütig zusammensteht in dem unerschütterlichen Willen, den durch freventliche« lseberfall uns aufge- zwungenen Krieg bis zum siegreichen Ende durchzu- führen und für die Sicherheit und Freiheit des Vaterlandes jedes erforderliche Opfer an Gnt und Blut freudig darzubringen. Wilhelm, 7. r.
Keine Uebereilung im Kartoffeleinkauf!
Amtlich wird mitgeteilt: Bedauerlicherweise hat die Befürchtung, daß die Kartoffeln für die menschliche Ernährung vor Eintritt des Winters nicht, oder doch nicht zu annehmbaren Preisen der Bevölkerung in den Großstädten und in Jndustriebezirken zugeführt werden könnten, zu einer lebhaften Nachfrage zu einer Zeit geführt, in der die vorwiegend Kartoffeln erzeugenden Bezirke mit der Ernte kaum begonnen haben. Infolgedessen ist vielfach eine Preissteigerung für die Kartoffeln eingetreten, die bei den sehr günstigen Ernteaussichten nicht begründet ist. Diese Bewegung auf dem Kartoffelmarkt wird regierungsteitig mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt. Die Regierung verschließt sich nicht der Ueberzeugung, daß der ärmeren Bevölkerung bei der leider unvermeidlichen Steigerung der Preise für die meisten Lebensrnittel die Kartoffeln zu vertretbaren Preisen zur Verfügung gestellt werden müssen. Die hierzu erforderlichen Organisationen sind in Vorbereitung. Nötigenfalls wird die Regierung eine Sicherung des für die ärmere Bevölkerung in den Stadt- und Jn- duftriebezirken erforderlichen Bedarfs durch Zwangs- maßnabmen herbeiführen. Im gegenwärtigen Augenblick läßt sich weder der im freihändigen Ankauf zu deckende Bedarf an Eßkartoffeln noch die Wirkung der hervorragenden Ernte auf die Preisbildung genügend abseben. Es kann deshalb nur dringend davor gewarnt werden, durch übereilte Eindeckung einer durch die Verhältnisse nicht begründeten Preistreiberei Vorschub zu leisten. Besonders lebhaft erhobene Klagen aus dem rheinisch-westfälischen Industriegebiet haben die Regierung veranlaßt, zunächst für die Zufuhr größerer Kartoffelmengen nach diesen Gebieten Sorge zu tragen.
Kriessallerlei.
Deutsche Flieger über Belfort.
b* Basel, 25. September. (T. U.) Nach Belforter Blättern haben deutsche Flugzeuge diese Woche die Bevölkerung des Territoriums Belfort fortgesetzt beunruhigt, wie noch niemals vorher. Nachdem schon am Montag vormittag deutsche Flieger sich im Nordosten von Belsort gezeigt hatten, ist am Dienstag einer nach dem andern erschienen. Um 6 Uhr morgens zeigte sich das erste Flugzeug in großer Höhe über der Umgebung der Stadt. Um 8 Uhr erschien der zweite, um ^9 Uhr der dritte und um %10 Uhr der vierte Flieger. Alle wurden heftig beschossen, erlitten aber keinen Schaden.
Des Kaisers Dank an die Schulen.
Vom Kaiser ging dem Kultusminister aus dem Großen Hauptquartier unterm 24. September folgendes Telegramm zu: »Wie ich höre hat zu dem glänzenden Ergebnis der Zeichnungen auf die dritte Kriegsanleihe die Tätigkeit der Lehrer unb Schüler in erfreulicher Weise beigetragen. In Würdigung des überraschend großen Erfolges wünsche ich, der Schuljugend meinen Dank sum Ausdruck zu bringen und bestimme, daß in den Schulen der Monarchie am morgigen Tage der Unterricht ausfäll.."
Melinttpatroner» im Reisegepäck.
Der „N.euwe Rotterdamsche Courant" meldet nach dem »B L.-A." aus Roeremont: In Weert, einem Orte der holländischen Provinz Limbura, wurden zwei Bel
gier ungehalten, die im Besitz einer mit zahlroiiE Melinttpatronen gefüllten Handtasche waren. Im Abvrj des Bahnhofs fand man eine ganze Anzahl von zu Dutzenden zusammengebundenen Melinitpatronen. Die Belgier erklärten, von Vlissingen gekommen zu sein. Es sind bereits zahlreiche wettere Verhaftungen vor# genommen worden.
Sie Jeldposl aus Dienstreisen.
In der Regel ist der Standort der Stäbe der Armeekorps und der Divisionen auch der Standort der Feldpost. Manchmal aber bleibt sie weiter zurück, wenn, wie jetzt im Osten, die Truppen ununterbrochen vor= rücken und es deshalb gilt, auf der unter Umständen 150 Kilometer und längeren Landbeförderullgsstrecke die Verbindung mit der letzten Eisenbahnstation oder mit besonderen, von der Arlnee-Postdirektivn vorgeschobenen Feldpoststützpttttktetl zu sichern. Während vorn der tapfere Feldgraue mit Flinte und Säbel ficht, ist auch die Feldpost mancherlei Fährlichkeiten ausgesetzt. Sie leidet vor allem unter der Ungunst der Zufuhrverhältnisse, zerstörten oder morastigen Wegen, Ueberlastuna der Eisenbahnelr nnö anderen Hindernissen, die selbst den ruhigsten Postmann martchmal aus der .baut fahren lassen. Auch der Vorsteher der Feldpostexpedition der X. Division stand, wie wir in der „Köln. Ztg." lesen, unlängst vor einem solchen Dilemma. Er war mit seiner Feldpoftanstalt 70 Kilometer vom Endpunkt der Eisenbahn vorgerückt, dann aber, während die Division web terging, stehen geblieben, um die rtiitckverbinduug zu sichern. Er erhielt nun zwar die Post aus der Heimat ziemlich regelmäßig, doch schon nach ben ersten 40 Kilometern vom Eisenbahnpunkte ab kam kein Lastauto mcür vorwärts, und es mußte dort an einer besonders errichteten Postllmschlagsstelle alles auf Pferdewagen um- geladen werben. Ganz übel wurde es bmtu aber mit der Weiterbeförderung bis aum fernen Standorte der Divi- fion. Vier Tage war die Post allein bei dieser Schlirtz- strecke unterwegs, und auch dabei wurden die Post- pferde noch so überanstrengt, daß nicht wenige nachher an Herzleiden eingingen. Die Division aber wollte natürlich ihre Post regelmäßig haben. Da macht sich der Vorsteher selbst auf den Weg. Der mit einem Fahrer, einem Feld- postillon, und dem Vorsteher besetzte leichte Kraftivagen mochte etwa 20 Kilometer zurückgelegt haben und hatte gerade eine von Landsturmleuten besetzte Stellung passiert, als Gewehrfeuer hörbar wurde. Einige hundert Meter entfernt erschien eine Kosakenpatrouille. Dem Führer des Alltos gelang es noch, auf der Staße zu drehen und eine kurze Strecke zurückzufahren, hier gebot ihm jedoch ein Treffer in bett Benzinbehälter nach einigen weiteren hundert Metern Halt. Der Postillon riß sein Gewehr an die Backe und feuerte. Einer der feindlichen Reiter, wohl der Führer der Patrouille, sank getroffen vom Pferde, die anberu machten Kehrt, jagten davon, kehrtell aber bald darauf mit Verstärkung zurück Jnzivischeu hatte der unbelvaffliete Feldpostvorsteher versucht, den Lalidsturmposten zu errctcöen, allein die Entfernung täuschte, er fand ihn nicht. Dafür zeigte ihm ein Blick zurück, daß die Kosakell bereits auf den Kraft- wagen losrtttell, Wagenführer und Postillon waren verschwllttdell. Wie sich später herausstellte, waren beide nach Berschießulig der Mnllition zuriickgegangen, hatten sich zuerst hinter einem Steillhaufen versteckt, baun aber fortdauernd beschossen, unter großen Fährlichkeiten in einen nahe gelegenen Wald geflüchtet, von wo aus sie später einen gesicherten Rückzug antreten konnten. Der Feldpostvorsteher befand sich nlebt in dieser glücklichen Lage, als die Kosakell verstärkt wieder vorftteßen; einzig das wellige Gelände vot ihm einige Deckung. Jlnn blieb nichts übrig, als von der Straße abzuweicheu itnb sich querfeldein zu schlagen. Endlich gelangte er auf den Hof eines polnischen Balters, der ihm ein Versteck gewährte. Bald ritt eine Kosakenpatronille auf das Anwesen zu und nahm den Bauer ins Verhör; der Brave gab irnverdäch- tig Anskllnft, und die Reiter entfernten sich wieder. Nach Einbruch der Dunkelheit konnte der Feldpustvor- steher den Weitermarsch alltreten. Er wanderte die ganze Nacht hindurch und kam schließlich am nächsten Vormittag an seinem Standort an. Dort galt er schon als vermißt. Doppelt groß war deshalb die Freude der Leute, als ihr Vorsteher unversehrt wieder in ihrer Mitte erschien.
Vermischtes«
Wer andern eine Grnbe gräbt--! Ein Berliner Bäckermeister wollte einen Konkurrenten „reinlegen" Zu diesem Zwecke beauftragte er seine Nichte. Fräulein D., den Versuch zu machen, ein Brot ohne Brotmarken bet dem anderen Bäckermeister zu erstehen. Dem Fräulein D. gelang dieser Versuch auch; sie dachte inoesfen nicht baran, daß nach der auf Grund der betannten Bundesratsverordnung erlassenen Kreisvervrdnung nicht nur Personen, welche Brot ohne Marken abgeben, zu bestrafell seien, sonderil auch solche, welche Brot ohne Marken kaufen. Fräulein D. machte an ihrer Verteidigung geltend, sie habe keine Brotmarken besessen. Das Landgericht verurteilte jedoch die Angeklagten und nahm an, daß kein Notstand anzunehnlen sei; Fräulein D. habe lediglich nur die Absicht gehabt, den fraglichen Bäckermeister in eine Falle zu locken. Gegen dieses Urteil legte Fräulein D. Revision beim Kammergericht ein, welches aber die Revision als unbegründet verwarf. Strafe habe nicht nur verwirkt, wer Brot ohne Brotmarken veräußere, sondern auch, wer Brot ohne Brotmarken erwerbe.
Weitere Drahtnachrichten,
Wiuterelend in Italien.
Das Mailänder Blatt Sera meldet, daß die sozial- demokratischen Abgeordneten eine Kommission zu dem Ministerpräsiöeriten sandte, um u. a. Regierutigsmatz- nahmen gegen die 5tohlen- und Brennholzteuerung während der kalten Jahreszeit zu verlangen.
Ei» feindlicher Kraftwagenpark iWgfört
es* Bern, 25. September. (WTB.) Nach dem „Gtor. nale d'Jtalia" ist ein in Genua zur Verladung nach Rußland bereitstehender Lastautopark durch Feuer zerstört worden. Die Schuld daran wird deutschen Agenten zugeschoben. — Natürlich!
Todessturz eines feindlichen Fliegers.
»-* Paris, 25. September. (WTB.) Nach einer Mel. dung der Agence Havas aus Toul ist der Sohn des Generals Maudhuy, Leutnant in einem Dragonerregiment, der in einem Armeebefehl lobend erwähnt worden war, weil er als Beobachter eines französischen Flugzeuges sechs deutsche Flieger angegriffen haben sollte, auf dem Flugplatz von Toul mit feinem Zwei- ! decker tödlich verunglückt.
Französische Schwindel-Lieferanten.
Der Finanzausschuß des französischen Senats beschloß, daß alle Vorschüsse, die vom Staate an Staatslieferanten i gewährt werden, durch Bürgschaften gesichert werden i müssen, damit die vorgekommenen Mißbrauche ver« i hindert werden.