Tehte Macht M Volke ins Wanken gerät. Falls es dem Herrscher nicht gelingt, sich den Sieg zu verschaffen, oder oen, Fneden herbeizuführen, so ist sein Schicksal ^orauszuft en.,t ^ Europa wichtigste Frage ist nun die: welche Aussichten bieten sich durch die veränderten Verhältnisse in Rußland? Daß ein Personenwechiel an der höchsten Stelle über alle, schweren Schaden hmweg- helfen könne, an denen das russische Heerwesen gleich Wen Verwaltunaszweigen leidet, ist nicht zu erwarten.
'er militäri-
Wen Verwaltungszweigen leidet, ist nutzt ai Won dem Vertrauen auf eine Beisernng d schen Lage durch den Entschluß des Zaren, sich persönlich bn die Spitze der Armee zu stellen, war in der Duma "nichts zu merken. Den gefälschten Stegesberichten brächte sie keinen Glauben entgegen, und das wurde ihr zum Verhängnis. Wenn Kaiser Nikolaus gehofft hatte, daß die Absetzung des Großfürsten die öffentliche Meinung beruhigen und versöhnen müsse, so hat er sich gerirrt. Die Kritik in der Duma und tn der Allgemeinheit schwieg nicht still, und da sich der Zar wohl persönlich beleidigt fühlte, so gab er dem Drangen seines Ministerpräsidenten Goremykin nach, der alle Einwendungen mit Gewalt zum Schweigen bringen will. Zeitweilig dachte der Zar wohl daran, ein neues Ministerium zu bilden, doch fehlte es an geeigneten Männern, die die schwere Last der Regierung auf sich laden wollten. Kri- woschin, der als ddr berufenste Mann gilt, das Steuerruder in Rußland zu ergreifen, will sich jetzt ebenfalls nicht abnutzen lassen, sondern seine Zeit wird erst kom
nicht abnutzen lassen, sondern.seineZ «re«, wenn der Auftrag erteilt wird,
men, wenn der Auftrag erteilt wird, den Frieden zu
Daß politische Umwälzungen in Rußland den Frieden beschleunigen könnten, dürfte nicht als richtig gelten. Gerade dadurch, daß das russische Volk selbst die Landesverteidigung in die Hand nehmen .sollte, würde die unleugbar in Rußland vorhandene Friedenssetzn- fucht im Keime erstickt werden. Erklärlicherweise wird der Wunsch nach Frieden bei denjenigen Russen am leb- haftesten sein, die alles beim alten lassen möchten, denn sie erblicken in einer weitere«- Fortführung des Krieges eine Gefährdung ihrer Machtstellung und den Zwang zu Zugeständnissen an das Volk. Sollte durch die un-
zufriedenen Parteien der Duma eine Revolution erregt werden, fo dürfte der Zar den Frieden schließen and mit seinem Heere den Volksaufstand niederzusch lagen versuchen. Daß die Unzufriedenheit in Rußland tief und weit verbreitet ist, hört man heute auch aus London. Die russische Regierung will die Staatsgeschäfte vorerst ohne die Duma und ohne Einspruch und Beaufsichtigung durch die Nation leiten. Bis Mitte November, also bis zum Ablauf der Vertagung der Duma, werden sich entscheidende Ereignisse abspielen, Ereignisse, die auch das Schicksal Rußlands entscheiden werden.
Die Faust des Zarismus.
Das „N. Wien. Tagbl." meldet über Stockholm: Der Militärkonnnandant in Petersburg verbot die vier auf kommenden Sonntag einberufenen Volksversammlungen, obwohl die Versammelten für die Fortführung des Krieges demonstrieren wollten. Die Einberufung so» oppositionellen Dumaabgeordneten zum Heeresdienst dauert fort. Es mehren sich die Anzeichen einer drohenden Haltung der Petersburger Militärkreise gegen die durch die Dumaagitation aufgeregte Bevölkerung.
Große Erregung in ganz Rußland.
w* Kopenhagen, 18. September. (T.-U.) Aus Pe- iersburg wird nach dem „B. L.-A." telegraphiert: Die Vertagung der Reichsduma hat im ganzen Lande die »rötzte Erregung hervor,gerufen. Verbände, Städte und Lemstwos ersuchten sofort telegraphisch um die Erlaubnis zur Abhaltung eines Kongresses, auf dem die po- litische Lage erörtert werden soll, da diese im höchsten Grade für das russische Volk bedrohlich sei. Wie verlautet, beabsichtigt die Regierung, einige weniger wich- lige, vom Dumablock verlangte Reformen öurchznftihren.
Schwere französische
Vorwürse gegen England.
Rotterdam, 17. September. (T.-U.) Der „Daily Expreß" veröffentlicht eine Unterredung seines Korrespondenten rnit dem Kommandarrten von Paris, dem General Gallieni. Die Unterredung dürfte in beiden Ländern den größten Widerhall erwecken, denn der fran- zösische General findet hier als Erster den Mut, die Vorwürfe gegen England offen zn erheben, die jeder Franzose insgeheim seit langem erhebt. General Gallieni erklärte: England darf sich nicht an den Anstrengungen genug sein lassen, die es bisher gemacht hat. Wenn England so siegen will, wie es siegen kann, so muß es vor allem seine Effektivbestände vergrößern. Es muß alle die unzähligen Fabriken in Großbritannien msschlietzlich für die Munitionslieferungen mobilisieren.
Es muß seine ganze militärische Organisation erneuern, und es muß endlich seine alten guten Eigenschaften, seine nationalen Ueberlieferungen dem Verlangen der mdernen Zeit anpassen. Nur auf diese Weise wirb England wirksam am endlichen Siege mitarbeiten können, den der Vierverband zu erhalten fest entschlossen ist.
Kabinettskrise wegen der Wehrpflicht?
^ Amsterdam, 18. September. (T.-U.) Das „Han- öelsblad" meldet nach der „Vl. Mp." aus London: Nach den „Daily News" wollen die Minister, die für die Wehrpflicht eintreten, in der kommenden Woche im Kabinett den Versuch zur Einführung der allgemeinen Wehrpflicht machen. Da sie das Scheitern ihres Planes voraussehen, weil sie nach ihrer Ansicht die Mehrheit gegen sich haben werden, wollen sie eine Kabinettskrise forcieren und ihren Rücktritt aussprechen. Auf diese Weise hoffen sie auf eine Neuwahl unter dM! Parole der
Bericht des türkischen Hauptquartiers.
Konstantinopel, 17. September. (WTB.) Das Hauptquartier meldet: An der Dardanellenfront hat sich nichts verändert. Bei Anaforta hinderten wir durch un
ser Feuer die feindlichen Befestigungsarbeiten vor unserem rechten Flügel. Unsere Artillerie zwang ein feindliches Torpedoboot, das sich Selikburun zu nähern versuchte, zur Flucht. Unsere Küstenbatterien beschossen wirksam feindliche Minenleger und die wichtigen feindlichen Stellungen in der Gegend von Sedd-ül-Bahr.
- ®?s Hauptquartier berichtet: In der Nacht vom ®r nahm eine unserer Aufklärungspatrouillen AAck^ml fünf Kilometer südlich von El Kantara ffl* ^Oltsches Transportschiff unter Feuer, das Munt- ^Em„-^anal beförderte. Sie tötete die Leute aus dem Schiffe und bennritfitm ' - eine feindlicheKon^^
te durch ihren Ueberfall in der dortigen Gegend 9 zum 10. September ^.itrouille mit Dynamit n— r—”v »v» Adjigeanl am Kanal in die Lutt. An den anderen Fronten bat sich nichts verändert.
lagerte. J„___„ sprengte eine andere türkische Pa »»»""A^Eon östlich von Adjige
~ Borbereiinnge« zü einem Hauptstoß auf die rürkischen Stellungen.
^ Chiasso, 18. September. (T.-U.) Der „Corriere della Sera" meldet aus Athen: Die Blätter berichten übereinstimmend von umfangreichen Vorbereitungen der Verbündeten zu einem Hauptstoß auf die türkische» Stellungen auf Gallipoli und auf die Meerenge der Dardanellen. An den Operationen der Marine, die besonders umfangreich gestaltet werden sollen, werden eine große Anzahl Unterseeboote und besondere, mit starker Artillerie ausgerüstete Schiffe sich beteiligen. Neue Landungstruppen werden in großer Anzahl in der Bucht von Mudros zusammengezogen. Zur Bekämpfung der deutschen Unterseeboote seien in der Meerenge besondere Apparate aufgestellt worden.
Der Geheimvertrag der Entente über Konstantinopel.
Die „Köln. Ztg." berichtet aus Zürich: Sofioter Zeitungen veröffentlichen den Geheimvertrag der am 22. Dezember 1914 zwischen Rußland, Frankreich und England über das Schickfal von Konstantinopel und der Dardanellen abgeschlossen wurde. Er enthält die ausdrückliche Verpflichtung, ihn gegenüber den Balkanstaaten gehetm- zuhalten. Nach diesem Vertrage würden Konstantinopel und die Dardanellen an Rußland fallen.
Der Krieg zur See.
Ein französischer Hilfskreuzer versenkt.
w> Paris, 18. September. (T.-U.) Der französische Hilfskreuzer „Indien" wurde im Hafen von Rhodos von einem deutschen Unterseeboot versenkt. Elf Mann der Besatzung werden vermißt.
Der englische Mißbrauch neutraler Flaggen.
** Berlin, 18. September. (T. 11.) Die „Kreuzzeitung" schreibt: Nach amerikanischen Zeitungen hat der deutsche Botschafter in Washington eine Zusammenstellung über den Mißbrauch neutraler Fahrzeichen durch England seit dem Beginn des Unterseebootkrieges bekannt gemacht. In der Zusammenstellung werden mit genauen Angaben sechzig Fälle genannt, in denen amerikanische, spanische, griechische, Holländische, norwegische, schwedische und dänische Schiffahrtszeichen und Schiff- fahrtsmarken von den Engländern mißbraucht worden sind.
Der Balkan.
Neue rumänische „Sicherheitsmaßregeln".
Aus London berichtet uns ein T.-U.-Telegramm: Aus Bukarest wird gemeldet: Seit dem 15. September ist der ganze Güterverkehr auf deu rumänische» Eisenbahnen eingestellt. Eine später ankommende Meldung besagt, daß auch die Beförderung von Reisenden erhebliche Beschränkungen erfahren hat. Wehrpflichtige Rumänen erhalten keine Anslaudpässe, gleichgültig ob sie im aktiven oder inaktiven Dienstverhältnis stehen. Alle zur Zeit in Rumänien weilenden Ausländer sind anf- gefordert worden, sich in den zuständigen Polizeirevieren in Speziallisten einschreibe« zu lasse«. Ausgenommen sind nur diejenigen Angehörigen fremder Nationalitäten, die dauernden Aufenthalt in Rumänien zu nehmen beabsichtigen.
Bulgariens Recht auf Mazedonien.
Die „Köln. Ztg." berichtet von der italienischen Grenze: Das „Giornale ö'Jtalia" veröffentlicht eine Erklärung Radoslawows worin der bulgarische Minister- präsident neuerdings das Recht Bulgariens auf Maze- douien und den unbeugsamen Willen der bulgarischen Nation, dieses Recht durchzusetzen, betont. Wenn Bulgariens Rechtsansprüche anders nicht erfüllt werden sollten, wird Bulgarien zu den Waffen greifen.
„Echo de Paris" meldet ans Athen die Einberufung der Jahresklassen 1886, 1887 und 1888 für den 1. Oktober und berichtet gleichzeitig aus Nisch, die bulgarische Regierung habe die Einstellung des Jahrganges 1916 angeordnet.
Die Neutralen.
Vertrauliche U-Boots-Verständigung mit Wilson?
Der Vertreter der „United Preß" meldet aus Berlin: Präsident Wilson habe beschlossen, über die Unterfeebootsfrage in einen vertraulichen Gedankenans ansch mit der deutschen Regierung zu treten. Dieser Entschluß habe in amtlichen Berliner Kreisen große Befried
Habe in amtlichen Berlmer Kreisen große Befriedigung üeivoraerufen.
■6-^ Kopenhagen, 18. September. (T. U.) Der Washingtoner Korrespondent des „Petit Parisien" er=
fährt nach dem „B. T", daß wahrscheinlich die Entscheidung in den deutsch-amerikanischen Verhandlungen frühestens in der nächsten Woche zu erwarten sei. Vorläufig habe sowohl Graf Bernstorff als auch Lansing Washington verlassen und einen Landurlaub angetreten.
Kriegsallerlel.
Geld für die Flüchtlinge.
Loudoner Blättermeldungen zufolge hat der Lord- mayor von London aus St. Petersburg ein telegraphisches Ersuchen um Geldnnterstütznng erhalteu, da für 6 Millionen Flüchtlinge gesorgt werden müsse.
Explosion in einer französischen Geschotzfavrik.
Der „Temps" meldet: In der Geschoßfabrik von Le Pecq ereignete sich eine heftige Explosion. Ein Teil der Fabrik flog in die Luft. Die Fensterscheiben aller Häuser im Umkreise von 500 Meter wurden zertrümmert. Der Schaden ist sehr bedeutend. Die Ursache des Unglückssalles ist noch unbekannt.
Kühne Leistungen österreichischer Flieger.
Dem „B. L.-A." wird gemeldet: Die Italiener wiederholten ihre Angriffe im Mischer Becken. Unsere Flieger zeichneten sich durch bisher nicht für -nöglich gehaltene Leistungen aus, indem sie über die von den Italienern besetzten Berge, die 2000 Meter hoch sind, Hinwegslogen und Bomben auf die feindlichen Stellungen warsen.^tw^ft benutzt Deutschlands drahtlose
Verbindungen.
Nach der „Voss. Zig." erweckte die deutsche Meldung, daß Norwegen die Erlaubnis erhielt, die deutsche drahtlose Verbindung nach Amerika zu benutzen, dort die freudigste Genugtuung. „Morgenbladet" sagt, es sei kein Geheimnis, daß witzige Handelstelegramme über England nach Amerika einfach verschwunden seien. Die norwegische Börse habe von der Erlaubnis bereits starken Gebrauch geinacht.
Die ersten 20 ZepseHnangriffe gegen England.
Zwanzigmal haben nun, wie der Korrespondenz „Heer und Politik^ geschrieben wird, unsere Zeppeline 5as englische Jnselland besucht, um auch den ihren Ver- gniigungeit und dem friedlichen Sport nachaehenden Engländern ein wenig die Schrecken des Krieges zu kosten zu geben. Das erste Mal erfuhren wir am L Januar 1915, daß unsere Zeppeline eine Reise nach
Eltgland angetreten haben, um hier wichtige, heil Kriege dieuende Gebiete mit Luftbomben zu Belegen. Eure ungeheure Aufregung bemächtigte sich der Engländer, da sie erkannten, daß sie nicht mehr in strahlender Unllahbarkeit in dem Weltenmeere lagen, denn ihre starken Flotten, der wichtigste Schutz Erlglands. sonnten gegen Luftwaffen nichts ausrichten. Englano war einem Feinde erreichbar, auch ohne daß die Flotte besiegt worden war. 7 Wochen konnten sich ungefähr die Engländer der Ruhe erfreuen. Aber am 12. März hörten sie wieder das Surren der Propeller unserer Rtesenkrertzer bet Spurn Point. Nun ging es schneller und immer hänfiger mit den Angriffen gegen das englische Jnsellalld vorwärts. Am 14. April wurde wieder die Tyne-Mündung mit Bomben bedacht. In der Stacht vom 15. zum 16. April erfolgte ein neuer Angriff gegen Maldon, Essex, Lowestoft und Sonthwood. 14 Tage später, am 30. April wurden die Dock- lind ^afeminlageit von Jpswich und Whitton zum Teil zerstört. Am 3. Mai wurde ein englisches Unterseeboot von unseren Zeppelinen vernichtet. Eine Woche später am 10. Mat erfolgte der erste Angriff aus London selbst. Wiederum eine Woche später am 17. Mai wurde die Grafschaft Kent mit Zeppelinbombeu bedacht. Am 81. Mat 1913 hörte London zum zipetteu Mal über sich unsere Zeppe- liupropeller. Bei diesem Attgriff wurden eine Rech« von Londoner Docks und Werften durch unsere Zeppeline zirm Teil zerstört. Schon einige Tage später in der Nacht vom 4. zum 5. Juni wurden die Gasbehälter und Oeltauks von Harwich vernichtet. In der Nacht vom 6. zum 7. Juln machten unsere Zeppeline einen neuen Besuch in der Gegend am Humbert und zwar zerstörten sie die Docks und Werften von Grimsby. Jlk der Stacht vom 15. zum 16. Juni wurden die Scordseekttste von England besucht und eine Reihe wichtiger Anlagen von Newcastle mit Bomben Beworben. Am 4. Juli gab es eine seltsame Schlacht zwischen Zeppelinen und englischen Kriegsschiffen (Kreuzern mto Torpedoboote) tu der unsere Luftschiffe deu Sieg davvlt trugen. In Bei Nacht vom 9. zum 10. August wurde ein Torpedostütz- puukt und andere Kriegsanlagen von Harwich zerstört. 3 Tage später erhielt der Kriegshafett von der englischen Ostkiiste einen erneuten Bestich unserer Zeppeline, dem mehrere militärische Anlagen zum Opfer fielen. Die Nacht vom 17. zum 18. August ist darum bedeutsam, weil zum ersteu Mal die City von London von unseren Zep- pelinen angegriffen warben ist. Dieser Besuch unserer Riesenluftkreilzer zeitigte in dem elialischen Köuig Bett Wunsch, das etwas unsicher geworbene Gelände der englischen Hauptstadt zu verlassen. Nachdem tu der Nacht vom 8. zum 9. September der vierte Allgriff aus Bonbon und der zweite auf die City gesehnl), wurden auf dieser Reise große Fabrtkanlagell von Norwich itiib Eisenwerke von Middlesbnruvgh mit gutem Erfolg an- gegriffeu. Jll der Nacht vom 11. zum 12. September erfolgte wiederum ein Angriff auf die Ostkiiste und in der Nacht vom 12. zum 13. wurden die Befestignngsau- lagen von Southend durch Luftschiffbombeu teilweise zerstört. 20 schwere Angriffe hat Englalid bisher ausgehalten lind noch mehr werben folgen. Die Panik in Englalrd ist bereits jetzt ungeheuer, zumal mau sein sicherwirkendes Hilfsmittel dagegen kennt. Die deutsche Ueberlegellheit zur Luft hat die Sicherheit Ellglands vernichtet. Ob heute noch ein englisches Fachblatt fragen wird, warum Deutschlalid die Millionen für die uutz- losell Zeppeline ausgibt? (Z.)
Vermischtes.
Gefängnis für eine leichtfertige Stammtifchäuhei rung. Wegen verleumderischer Beleidigung wurde ein allgesehener Fabrikant aus Auerbach (Vogtland), der dort Ehrenstellungen bekleidet, vom Planener ßanbgericW zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Er hatte, wie zur Warnung mftgetetlt sei,, am Stammtische eine Aenste- ntng getan, aus der alle gegen Bett mit der Bearbeitung her Zurücksiellnilgssachell betrauten Beamteit der Amtshauptmannschaft Auerbach den Vorwurf entnehmen konnten, daß er durch Geschellke zu milbeit Zwecke« sich bestimmen lasse, eine Person vom Militärdierist zurück- zustellen.
Wer jetzt keine Zeitung liest, handelt fahrlässig. So hat die Strafkammer Osnabrück in einer Anklage gegen zwei Leute aus einer abgelegenen Gemeinde der Graf- schaft Bentheim entschiederr. Die Angeklagtell halten gegen die Verordnung über die Beschlagnahllle der Schafwolle gehaildelt, lndem sie ein Kaufgeschäft iiber einige Psulid Wolle abschloise«. Sie berieselt sich in ihrer Verteidigung darauf, daß sie die Verordlrullg nicht gekannt hätten, die in ihrer Gemeiude nicht auf die sonst übliche Weise besannt gemacht wäre. Auf den Eillivano, daß sie im Kreisblatt veröffentlicht worden sei, erwiderten sie und stellten es auch unter Beweis, daß sie seine Zeitung läsen. Das Gericht glaubte ihnen, daß sie in Unkenntnis der Vorschrift gehandelt hatten, hielt sie aber trotzdem für strafbar aus dem Gesichtspunkte der Fahrlässigkeit. Ihre Uickenntnis beruhe auf ihrer eigenen Fahrlässigkeit. In der heutigen Zeit, in der ständig neue Verordnungen erlassen werden, die jeden angehen, habe auch jeder diePflicht, eine Zeitung zu lesen, um sich mit den Verordnungen bekannt zu machen. Wer keine Zeitung lese, handle fahrlässig und sönne sich bet Krtegs- verorbintnaen auf Uukeuntnis, die ihn sonst straffrei machen würde, nicht berufen. Das Urteil lautete gegen die beiden Siligeklagten auf je einen Tag Gefängnis.
Tilsits Gedenkfeier der Russenbefreiung. In feier- lacher Weise ist in Tilsit der Tag begangen worden, an dem vor Jahresfrist die Stadt von den Russen befreit wurde. Den Auftakt bildete ein Waldgottesdienst auf dem Jugendspielplatz. Einer Festpredigt des Superintendenten folgte eine Trauerfeier auf dem Waldfried- Hof. An den Gräbern der Gefalleneli wurden Kränze ntebergelegt. Dann begab sich der Oberbürgermeister mit den Ehrengästen zu den Russenaräbern und legte auch hier einen Kranz nieder. Den Hauptteil der Feier bildete der Festakt vor dem Rathause. An den Kaiser und Generalfeldmarschall von Hindenburg wurden Huldigungsdepeschen abgefandt. Generalfeldmarschall von Hindenburg wurde mitgeteilt, daß ihm die Stadt das Ehrenbürgerrecht verliehen habe, worauf der Generalfeldmarschall in einem Antworttelegramm dankte und der Stadt ferneres Blühen und Gedeihen wünschte.
Weitere Drahtnachrichten«
Ermäßigung der Schweizer Getreidepreise.
*■♦ Bern, 18. September. (WTB.) Das Schweizer Militärdepartemenr setzte vom 20. September ab den Verkaufspreis für 100 Klar. Weizen auf 37,5 Franken (statt wie bisher 40 Franken), für Weizenmehl auf 46 (48,75) und für Ha'er auf 33 (34) Franken fest.
Der Hungertod in Sibirien.
** Kopenhagen, 18. September. (WTB.) Die Begründung der Interpellation betreffend Amnestie fü, die nach Sitzirien verbannten politischen Verbrecher läßt Schlüsse aus deren Lage ziehen. Sie führt aus, daß in jeder Session der Tunra über die Quälerei und die Verbrechen der Verwaltung an jenen Gefangenen geklagt worden sei. Jetzt seien neue Mengen Verschickter htn- zugeloinmen, die man durch Vorenttzaltung der gesetz. lieben Untertzaltsaelder dem Hungertods vretSaeoe.