Von der Westfront.
Der französische Bericht.
M, Paris, 15. September. (WTB.) Der gestrige amtliche Nachmittagsbericht meldet: Fortdauernde Artillerietätigkeit südlich der Somme, am Aisne-Marne- kanal, in der Champagne und am Westrande der Ar- gonnen. Die deutschen Maschinengewehre im Walde von Montmare wurden zum Schweigen gebracht. Unsere Flugzeuge bombardierten den Abzweigungsbahnhof von Bensyöorf und die feindlichen Lager bei Chatel en Argones und Langemark.
Große französische Verluste in den Argonnen.
Der französische Befehlshaber in den Argonnen verfügte die Entfernung der Presseberichterstatter von der Urgonnenfront. Den Schweizerischen Zeitungen zufolge sind nach der „Dtsch. Tgztg." die letzten Verluste der Franzosen in den Argonnen die größten von allen bisherigen Argounenkämpfen und mit mindestens 38 000 Mann zu beziffern.
Bange Ahnungen der französischen Volksvertreter.
Unter dem peinlichen Eindruck, den die französische Volksvertretung durch die Bewältigung der großen russischen Festungen erhielt, beschloß nach Meldungen über Genf der Heeresausschutz des Senats, eine Anzahl seiner Mitglieder nach Belfort, Berdun, Toul und Epmal ab- zuordnen, um über die Verteidigungsmöglichkeiten dieser vier Festungen zu berichten.
381983 Mann englische Verluste bis zum 21. August.
o-* Amsterdam, 15. September. (T. U.) Reuter meldet: Im Unterhause wurde besannt gegeben, datz die englischen Verluste bis zum 21. August 381983 Offiziere und Mannschaften betragen. Gefallen sind 4905 Offiziere, 70 992 Mann, verwundet 9973 Offiziere, 241086 Mann, vermißt werden 1501 Offiziere, 53 466 Mann.
Kitchener verlangt neue Soldaten.
„Daily Chronicle" meldet: Kitchener legte dem Kabinett einen Voranschlag über die Zahl der Truppen vor, die er im nächsten Jahre auf dem Kontinent benötigen würde. Der Voranschlag sieht viel größere Truppenmassen vor, als jetzt im Felde stehen. Es bestehe aber kein Zweifel, daß es möglich sein würde, alle nötigen Mannschaften in freiwilliger Rekrutierung auf- zubringen.
Kronrat in London.
«ss- Hoek van Holland, 15. September. (T. U.) Gestern nachmittag hat im Buckingham Palast in London ein geheimer Kronrat stattgefunden, an dem sämtliche Mitglieder des Kabinetts ttttb der Obmann der Kommission zur Begutachtung der allgemeinen Wehrpfticht teilnahmen. Den Vorsitz führte der König selbst. Man nimmt an, daß das Kabinett dem Könige einen Gesetzes- vorschlag zwecks Einführung der allgemeinen Wehrpflicht in England zur Prüfung vorlegen will.
|° Bericht des türkischen Hauptquartiers. j
a»* Konstantinopel, 14. September. (WTB.) Der Bericht des Hauptquartiers besagt u. a.: In den Abschnitten von Anaforta und Ari Burnu über fielen unsere Anfklärungstruppen nachts erfolgreich verschiedene feindliche Gräben. Unser Artilleriefener zerstreute feindliche Trnppenansammlnngen. Bei Ari Burnu zerstörten wir eine feindliche Artilleriestellung und zwer gut verschanzte Beobachtungsstände. Bei Sed ül Bahr halbstündige erfolglose Beschießung unserer Gräben.
Neue Verstärkungen für die Dardanellen.
Ueber Athen werden nach einer Bukarester Meldung der „Ntlztg." neue Trnppenansammlnngen vor den Dardanellen berichtet. Die Armee der Entente soll auf 400 000 Mann (?) gebracht werden, womit die Allrierten hoffen, die Dardanellen stürmen zu können.
Italienische Truppenentsendnngen nach Kleinasien?
6-5» Berlin, 15. September. (T. U.) Die „Post" meldet aus Zürich: Der „Neuen Zürcher Zeitung" zu- chlge haben die ersten italienischen Truppenentsendnngen nach Kleinasien begonnen.
Der Unterseebootskrieg.
Die „Hesperian" nicht torpediert.
Wie das Wolfssche Büro von zuständiger Seite erfährt, erscheint es nach den bisherigen Nachrichten im Zusammenhalt mit den an amtlicher Stelle bekannten Tatsachen so gut wie ausgeschlossen, das ein deutsches Unterseeboot für die Versenkung des englischen Pasiaglerdam- pfers „Hesperian" überhaupt in Frage kommt. Zmmchst befand sich nach der planmäßigen Verteilung am 4. L>ep- tember 1915 kein deutsches Unterseeboot in dem Seegebiet, in dem die „Hesperian" versenkt worden ist. Ferner ist nach den hier vorliegenden Schilderungen aus englischer Quelle die Explosion derartig gewesen, daß aus ihren Wirkungen eher auf eine Mitte als auf einen Tor- pedoschntz geschlossen werden muß. Für diese Annahme spricht auch der Umstand, daß nach den vorliegenden Schilderungen das Schiff nahe dem Vorsteven getroffen worden ist, und daß sich die zwei vorderen Raume mtt Wasser füllten.
Die Vierverbandsaktien fallen in Griechenland.
Athener Nachrichten melden, nach der „Frkf. Ztg." gleichlautend den steigenden Mißmut des^ griechnchen Volkes gegen die die Selbststimmnng und Souveränität Griechenlands empfindlich verletzenden Maßnahmen Englands und Frankreichs in griechischen Hasenorten. Der französische Gesandte in Athen hat, wenn auch vorerst nur andeutungsweise, bei Venizelos den Durchzug englisch-französischer Kommandos über Salomki nach persischem Territorinm berührt. Venizelos begegnete dieser Andentung kühl und schien sie ablichtlich überhören zu wollen Venizelos mag noch mit einem Teil seines Herzens zum Vierverbano hmneigen, mit dem Verstand tut er es sicherlich nicht mehr. Die serbische Diplomatie bietet, unterstützt von der Entente, ihr möglichstes auf, um dem griechisch-serbischen Bündnis die Auslegung zu geben, daß Griechenland unter allen Unu ständen Serbien militärische Hilfe leisten müsse, auch dann, wenn Serbien vorerst nur einem Angriff der Zentralmächte ausgesetzt wäre. Die amtlichen guechi- !chen Kreise sind aber weit entfernt, sich dieser !rolge- mna anzuschließen. Ein Krieg Serbiens oder Griechenlands mit den Zentralstaaten iet tm Bündnisvertrag nicht vorgesehen, sonst hätte Griechenland schon beim Angriff Oesterreichs gegen Serbien ein H'llsko^s stellen müssen. Der griechische Generalstab geht noch metter. Er lehnt ein Eingreifen Griechenlands zugunsten Serbiens auch dann ab, wenn der Verlauf eines lolchen Krieges das Ergebnis zeitigen sollte, daß sich Bulgarien den Zentralmächten anschlösie, vorausgesetzt, MB sich Bulgarien von Angriffen auf neugriechisches Ge- iet wrn^halte. ^ September. (T. U.) Nach öem ,,B^ ö -A." betont die Oppositionspresie, daß die Balkanan- Gelegenheiten so eng mit den Ereignm^ auf dem Kriegsschauplätze verbunden seien, daß die Balkanmachte uu im Hinblick auf die Kriegsereigniße ihre Entschei
dungen treffen würden. Sie folgert daraus, daß der Weg, welchen Griechenland einnehme, nur in vollständiger Neutralität bestehen könne. Die Regierungspresse enthält sich jeden Kommentars.
Rene russische Versprechungen an Rnmänteu.
Einer Meldung aus Bukarest zufolge traf der rumänische Gesandte in Petersburg Konstantin Diamandt unerwartet in Bnkarest ein. Die Ankunft Dtamandis wird mit neuen Anträgen der russischen Regierung in Verbindung gebracht, wonach Rußland geneigt ist, gewisse bessarabische Gebiete Rumänien zu überlasse», falls es bereit ist, die Monarchie sofort anzngreifen.
Neutersche Hetzarbeit in Amerika.
London, 14. September. (T. u.) Das Reutersche Büro fährt fort, deutschfeindliche und möglichst ungünstig erscheinende Meldungen über den Stand der Verhandlungen zwischen Deutschland und der Univusre- gierung zu verbreiten. Unter anderem wird behauptet, eine Krisis müsse heute oder morgen zum Ausdruck) kommen, die Umonsregierung sei hinsichtlich ihrer ein- äufcblagenöen Politik einig.
Aus Washiugtorr wird über Haag gemeldet, daß Graf Bernstorff nach seiner Unterrebung mit beut Staatssekretär Lansing den Berichterstattern mitgeteilt habe, er erwarte eine günstige Lösung der „Arabic"- Angelegenheit. Nach anderer Quelle soll Lansing Bernstorff gegenüber die Notwendigkeit betont haben, daß Deutschland überzeugende Beweise für seine Aufrichtigkeit, keine Passagieroampfer angreifen zu lassen, geben müsse. Im allgemeinen sei aber eine Uebereinstimmung erreicht worden. Bernstorff erhalte eine weitere Frist, um sich mit Berlin zu verständigen.
Einige englische Bettungen stellen denn auch mit Betrübnis fest, daß die Kriegslust, die sie aus Amerika melden möchten, keineswegs vorhanden sei. So meldet z. B. „Morning Post" aus Washington: „Männer aus der nächsten Umgebung des Präsidenten raten ihm brüt» genb zur Annahme des deutschen Vorschlages, daß die Tatfragen im Falle der „Arabte" einem Schiedsgericht unterbreitet werden sollen. Die Politiker in der Regierung sind fest davon überzeugt, daß die Wiederwahl Wilsons gesichert ist, wenn er Amerika vom Kriege fern- balten kann. Seine politischen Gegner geben zu, daß ihn dies in seiner Politik beeinflussen werde."
Bryans Agitationsreise.
Bruan hat nach Genfer Meldungen seine 22. Agita- tionsreöe in Ottawa (U. S.) abgehalten. Er hatte über 15 000 Zuhörer. Auch der Gouverneur befand sich unter ihnen. Am Tage nach dem Vortrage legten 2200 Arbeiter der Munitionsfabriken in Ottawa die Arbeit nieder.
Ein amerikanischer Protest in der Baumwollfrage.
Wie die „Frkst. Ztg." amerikanischen Zeitungen entnimmt, hat die amerikanische Regierung gegen die Erklärung der Baumwolle als absolute Bannware einen formellen Protest nach London gerichtet.
StiegsflHetleL
Die Jnvalidenzttge aus Rußland.
»-^ Stockholm, 15. September. (T. U.1 Der Grund des plötzlichen Ausbleibens der Jnvalidenzüge aus Rußland soll, wie die Petersburger Telegraphenagentur nach dem „B. T." meldet, in den ungeheuren Entfer- nungen zwischen Petersburg und den verschiedenen Gefangenenlagern und in der Verwendung der Eisenbahnen für militärische Zwecke zu suchen sein. Die Schwierigkeiten werden allmählich überwunden, so daß in zwei ober drei Wochen ein regelmäßiger Jnvalidenaustausch werde stattfinöen können. In den nächsten Tagen werde ein Transport von 150 deutschen Invaliden, darunter zwei Offiziere, nach Schweden abgehen.
Zum Luftangriff auf die Londoner City.
Aus St. Gallen wird gemeldet: Dem Zeppelin- angriff auf die City von London fiel das dortige Warenlager einer St. Gällenschen Stickereifabrik zum Opfer. Der Schaden ist durch Versicherung gedeckt. — Aus England in Amsterdam eingetrossene Reisende erzählen, daß die Zeppeline in der Nacht vom 12. September bis zum äußersten Südwesten des Londoner Bezirks gelangt sind. Der angerichtete Schaden soll entgegen amtlichen englischen Nachrichten sehr bedeutend fern.
Ein Amnestieerlatz des Zaren?
Der mit der russischen Botschaft in Rom enge Fühlung pflegende „Popolo d'Jtalia" meldet: Der Zar ge- währe allen aus politischen Gründen Verurteilten Gene- ralamueftie. Es handle sich um mehr als Hunderttau- send Personen.
Vermischtes.
Als Landesverräter erschossen. In Mülhausen im Elsaß wird nach der „Frkst. Ztg." bitrd) Anschlag bekannt gegeben: Erschossen wurde heute der Kaufmann Alfred Mayer, Spediteur und Großkaufmann. Er hatte das Vaterland an Frankreich verraten und war deswegen vom Kriegsgericht der Etappenkommandatttur Mülhausen zum Tode verurteilt worden. Armeehauptquartier, den 13. September. Der Oberbefehlshaber.
Ein wütender Stier in den Straßen Leipzigs erschossen. In der Schlachthalle des städtischen Schlacht- Hofs in Leipzig riß sich ein Stier aus seinen Fesseln und lief über Straßen und Felder. Ein 70jahriger Mann wurde von dem Stier zu Boden geschleudert und verletzt. Da das Einfängen des Tieres nicht gelang, wurde es von einem Schutzmann und einem Forstaufseher er- ^^^Aerztliche Wunder. Ein Thüringer Lehrer, der als verwundeter Krieger in einer Berliner Klinik liegt, berichtet über staunenswerte ärztliche Bemühungen nnb Erfolge, den Verwundeten die Gesundheit und normale Körper-gestaltung wiederzugeben. Die Verwundeten sind zumeist Schwerverletzte, denen durch Geschoye Gestchts- teile, Kieferknochen usw. fortgerissen worden sind. Diese Patienten müssen die erste Zeit flü ng ernährt werden, bis sie nach sachgeinäßer Behandlung wieder kauen lernen. Aus dem Schienbein ober der Hüfte werden Kieferteile, Nasenbeine usw. ergänzt und damit ganz glänzende Ergebnisse erzielt. Es ist eine große Beruhigung für die Verwundeten, zu witzen, daß die ärztliche Kunst imstande ist, ihnen auch bei sehr schweren Verwun- ^"Sc^rÄk In ber Nähe von
Münster i W ist der Konstrukteur der sogenannten „unsichtbaren Flugzeuge" Anton Knubel abgestlirzt Knubel stieg in Gegenwart zahlreicher Zuschauer aus Münster auf dem Flugplatz Loddenherde zu einem Probe- ilua mit seinem neuesten Eindecker auf. Nach wenigen Runden in 300 bis 400 Meter Höhe kippte die Maschine nacb vorn über und stürzte senkrecht zu Boden. Knubel verweis Meter über dem Erdboden, sich aus der Ma- scbine durch einen Sprung zu retten. Er erlitt jedoch einer! schweren Schädelbruch und starb nach wenigen Minuten — Anton Knubel, der in der deutschen Fliegerei eine bekannte Persönlichkeit war, und der bis zu seinem traaischen Ende zu den eifrigsten und unermüdlichsten Vwkämpfern des Maschinenfluges oebörte. war ein Mann von einigen 50 Satiren.
„Seitengewehr pflanzt anst"
Aus einem Feldpostbrief.
Mein Regiment war vom 23. Juni bis 2. Juli bei der Armee Linstnaen in den Kämpfen am Dujestr gewesen und jetzt der Arinee Mackensen zugeteilt. Bis dahin hatten wir 260 Kilometer zu marschieren. Dort angekommen, blieben wir bis 22. Juli Armeereserve und wurden bann eingesetzt. Es war 15 Kilometer vor Traniwikt. Unsere Kompagnie, die achte, kam als erste in Stellung. Wir waren mit den Russen 2^ Kilometer auseinander, weil zwischen uns sumpfiges Gelättde war. Der 2. und 3. Zug schwärmte aus und besetzte in bünuer Schützenlinie die Stellnug, die nur aus Löchern bestand. Der 1. Zug, bet dem ich war, blieb 300 Meter dahinter in Reserve. Die Nacht und der darauffolgende Tag verging, von ein paar Schrapnells abgesehen, ruhig und ohne Verluste. Am Abend, den 23. 7. wurden wir ab» gelöst und kamen ius Dorf auf ein verlassenes Gut ins Quartier. Am anderen Morgen um VA Uhr würd? Alarm geblasen. Die Rnssen hatten, 1000 Mann stark, die 2. Kompagnie Überfälle». Unbemerkt waren sie an die Stellung gekommen. Die 2. Konwagnie sollte tu Gefangenschaft abgeführt werden, als eine andere Kompagnie, die in Reserve war, die Sinssen voll hinten mit dem Bajonett angriff. Da ersahen die Gefangenen wieder die Wasferi und ein furchtbares Handgemenge folgte, ohne baß ein Schutz fiel. Obwohl die Hu (seit doppelt so stark waren, unterlagen sie der deutschen Tapferkeit. 200 Gefangene blieben in unserer Hcrnd. Der 9feft war tot, verwundet ober geflüchtet. Furchtbar waren die Berretzuttgen. Viele halten 4 bis 5 Bajonettstiche und mehrere Kolbenschläge. Wir konnten wieder ins Quartier gehen.
Bis 8um 26. 7. blieben wir, unbelästigt von der rus- sischen Artillerie, auf beut Gut. Am 26. früh erschienen zwei russische Flieger. Bald darauf beschoß die russische Artillerie die Felder hinter uns, wo Artilleristen mit dem Einernten beschäftigt waren. Dann suchten sie vergeblich unsere 21 Zentimeter-Mörser. Abends gingen wir nach links in Stellung. Bis zum 29. blieben wir da. Abgesehen von leichtem Schrapnellfeuer und gewöhnlichem Sufantertefeuer vergingen die Tage ruhig. In der Nacht vom 28. zum 29. arbeitete sich unsere Sn» fauterie bis vor unsere Drahtverhaue vor und grub sich dort ein. Unsere Kompagnie war Bataillvnsreserve und blieb im alten Graben. In der iVlorgenbämmeruug begann die russische Artillerie zu schießen und verriet dadurch ihre Stellung. Eine leichte Batterie von llns uabm sie unter Feuer. Um 4 Uhr morgens fing unsere Artillerie an zu reden. 18 Batterien standen uns zur Verfügung. Eilt fürchterliches Kracherl und Dvllnerll begann. Für uns eine liebliche, für die Russen die Tvierl- musik. Bis 6 Uhr dauerte das Höllenkoilzert. Dann trat eine kurze Pause ein, um bald darauf stärker ein» zusetzen. Jetzt konnten wir zehn Volltreffer der 15 Zentimeter-Mörser und fünf der 21 Zentimeter-Mörser feststellen. Die Wirkung war furchtbar. Menschen, Balken und Erde flogen in die Höhe. Unsere Infanterie war mittlerweile bis an bett russischen Drahtverhau gekommen. Da sie jedoch ein heftiges Feuer betaut, mußte sie vor dem Drahtverhau liegen bleiben. Die Kompagnie links von uns war zum Sturm übergegangen. Es war ein schaurig schöner Anblick, als die erste Linie vorstürmte. Die Bajonette blitzten ulcheimlich, und das „Hurra" klang wie ein Freudeugeschrei. Ab nud zu stürzte einer, um nie wieder auszustehen. Hinter der Linie planten die russischen Schrapnells, vor iljneu die deutschen. Entsetzt ergriffen etliche Russen die Flucht. Jedoch mitfjtcn sie alle ihren Versuch mit dem Leben bezahlen, denn wir eröffneten über unsere Kameraden hinweg das Feuer auf die Russen Nun schlvenkten die .Compagnien rechts herum und rollten die russische Linie von der Flanke auf. Die meisten Russen ergaben sich, da wir von vorn angriffen. Die arideren versuchten ihr Heil in eiliger Flucht. Im russischen Graben iah es furchtbar aus. Wir nahmen sofort die Verfolgung der Russen auf. Mancher von den Feinden würbe auf der Flucht getroffen. Unsere leichte Artillerie beteiligte sich kräftig an der Verfolgung. Eine feste Stellung, die noch vor beut Bahndamm war, konnte der Feind nicht mehr besetzen. Erst hinter der Wiper setzte er sich fest, gleich hinter der Stadt Trarliwikt. Wir mußten auf unsere Flügel warten nnb konnten nicht weiter. Der Bahndamm wurde von uns besetzt und in die Stadt Unteroffizierposten ttttb Patrouillen geschickt.
Unsere Artillerie war ausgefallen nnb beschoß dle russische Stellung. Auf dem Bahnhof war die furchtbare Wirkung von vier Volltreffern der 30,5 Zentimeter- Mörser zu sehen. Die Löcher waren acht Meter breit und sechs Meter tief. Die Eisenbahnschienen waren wie Streichhölzer umhergeschleudert. Das Bahnhofsgebäude war durch einen Volltreffer zerstört. So kam der Abend des glorreichen Tages heran. Etliche tausend Gefangene und mehrere Maschinengewehre waren unsere Beute. In der Nattir würbe es still. Von dem vorherigen Camps zeugten nur noch die brettneuben, unheimlich leuchtenden Gebäude. Wir gaben uns, in zweiter Linie liegend, dem wohlverdientell Schlummer hin.
(Berl. Morgenpost.)
Weitere Drahtnachrichten.
Des Kanzlers Heimreise.
o^ München, 15. September. (WTB.) Die Korrespondenz Hoffmann meldet, der Reichskanzler habe gestern nachmittag mit Botschafter Freiherr v. Schoell einen kurzen Ausflug nach dem Starnberger See unternommen und sei abends bei der königlichen Familie zur Tafel geladen gewesen. Um 10 Uhr abends verließ der Kanzler München. , , „
Der Zusammentritt des Unterhauses.
■>* London, 15. September. Das Unterhaus ist gestern zusammengetreten. Premierminister Asqmth kündigte eine Kreditvorlage und eine Uebersicht über die Lage an. Es kam dann zu einer kurzen unzusammenhan- genden Debatte über die Dienstpflicht. Asqnith sprach sich gegen diese Debatte aus.
Bandet und Verkehr.
Zeichnungen auf die Kriegsanleihe. Das „Stockholmer Tageblatt" erfährt, daß eine einzige Bank in Stockholm 5 Millionen Mark neue deutsche Kriegsanleihe gezeichnet hat. Ferner wird berichtet, das; die deutsche evangelische Gemeinde in Christiania beschlossen hat, ihr bisher gesammeltes, für die Erbauung einer deutschen Kirche in Christiania bestimmtes Kirchengeld in Höhe von 25 000 Mark in deutscher Lkricgsauleihe anzulegen. Es zeichneten: Viktoria-Versichernitgsgesellschaft in Berlin 12 Millionen, Karlsruher Lebensversicherung 10 Millionen, Karlsruher Lebensversicherung aus Gegenseitigkeit 7^ Millionen, Fahrzeugfabrik Eisenach 1% Millionen, A.-G. Wittener Gutzstahliverke 1% Millionen, Creigfparfasse des Landkreises Halberstadt 5 Millionen, Städtische Sparkasse Saarbrücken 4/, Millionen, Preußische Zentral-Bodenkredil-Akt.-Ges. 4 Millionen Pro- vinz Westfalen 50 Millionen usw.