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* . Die Hoffnung des Viervervandes.

vs»- Wien, 8. September. (T. U.) DieNeue Freie Presse" meldet nach derTgl. Rdsch." aus Scheveningen: Der HaagerNieuwe Courant" veröffentlicht eine Unter­redung mit einem belgischen Staatsmann, den das Blatt nicht nennt, der aber als der frühere Berliner Gesandte Baron Greinöl erkennbar ist. Der Diplomat versicherte, daß der Vierverband längst von der Unbesiegbarkeit der Mittelmächte überzeugt ist. Seine Hoffnung gründe sich ausschließlich auf Joffres Widerstand und auf die schltetz- liche Kriegsmüdtgkeit Deutschlands. (!)

Bierverbandsabsichten gegen die Schweiz?

F Von seinem Privatkorrespondenten erhält WTB. aus Bern folgende Meldung: Informationen aus guter Quelle versichern, daß seit etwa zwei Wochen besondere Verschiebungen italienischer Truppen von der österrei­chischen nach der schweizerischen Grenze stattfinden. Diese Umgruppierung, die jene starken Reserven zu betreffen scheint, die Italien ursprünglich für den Fall eines Durchbruchs nach Trieft ausgespart hatte, zeigt einen zweifellos gegen die Schweiz gerichteten Charakter. Da­mit soll nicht gesagt sein, daß Italien aggressive Ab­sichten gegen die Schweiz hegt. Dieser Zlufmarsch ita­lienischer Truppen an der schweizerischen Grenze soll mehr einem demonstrativen Zwecke dienen und Teile der schweizerischen Armee an die schweizerische Südwest­grenze fesseln. Diese italienische Diversion, die also ge­eignet erscheint, von vorn herein Kräfte der schweizeri­schen Verteidigung einseitig zu binden, soll ihre Wirkung besonders auf die Nordwestgrenze der Schweiz erstrecken, vor der ebenfalls sehr starke Truppenverschiebungen zweifellos stattgefunden haben.

< Italiens Kriegsziele.

' ImBerliner Lokalanzeiger" werden ein leitender Stelle Italiens Kriegsziele besprochen: Als das Mini­sterium Salandra-Sonnino sich entschloß, dem bisherigen Verbündeten den Krieg zu erklären, hatte es gewiß kein anderes Ziel, als die angebliche Befreiung der »erlösten Brüder. Cadorna übernahm den Oberbefehl mit der Er­klärung, daß er den Erfolg des Feldzuges nur verbür­gen könne, wenn das ganze italienische Heer ungeteilt gegen Oesterreich-Ungarn marschiere. Nichts kann ben italienischen Staatsmännern den ungeheuren grund­legenden Fehler ihrer folgenschweren Entschlüsse vom Mai klarer beweisen als die Tatsache, daß sie sich schon jetzt nach dreimonatiger Kriegführung genötigt sehen, den Vorsatz, mit dem sie in den Krieg gezogen sind, den eng­lischen Machenschaften zu opfern und die warnende Stimme ihres Heerführers mißachtend, ihre Kräfte zu zersplittern. Jetzt feien schon zwei Wochen seit der Kriegserklärung an die Türkei verstrichen und doch sei noch kein Schutz aus einem italienischen Gewehr auf einen Türken abgefeuert worden. In solcher Art der Krieg­führung offenbare sich nicht der feste Wille zu entschlosse­ner Tat, sondern die Unsicherheit, die dem eigen sei, der unter fremdem Druck handle und zögernd für fremde Interessen Opfer bringe. Auch diese Opfer würden nutz­los sein, mögen auch Italiens Kriegsziele, die den Len­kern seiner Politik vorschwebten, als es in diesen neuen Krieg zog, noch so fein gewählt sein. Der Weg, den es jetzt betreten habe, sei ihm von anderen gewiesen wor­den. Italien sei dem ihm vorhergesagten Schicksal nicht entgangen. Es sei schon heute nicht mehr Herr seiner Entschlüsse.

Die italienischen Pläne für den Winterfeldzug.

Nach dem häufig wohlunterrichteten römischen Kor­respondenten derStampa" beabsichtigen, wie dieFrkf. Ztg." meldet, die Italiener beim bevorstehenden Eintritt des Winters die Operationen an der Tiroler Grenze eiu- zuschräuken, weil dort ihre strategische Stellung günstig sei, dagegen die Offensive am Jsonzo und Karst fortzu- führen, wo milderes Klima herrsche.

Der türkisch-bulgarische Vertrag unterzeichnet?

Sofia, 8. September. (T.-U.) Der Vertrag über die Regelung der thrazischen Grenze zwischen der Türkei und Bulgarien ist nach einer Meldung des halb­amtlichenDnevnik" gestern von beiden Teilen unter­zeichnet worden. Bulgarien erhält dadurch 2000 Quadrat­kilometer von Türkisch-Thrazien und wird das neue Ge­biet fünfzehn Tage nach der Unterzeichnung des Abkem- mens besetzen. Die türkischen Behörden werden das Land innerhalb dieser Frist verlassen. Man betrachtet den Abschluß des neuen Vertrages als einen diploma­tischen Erfolg des Ministerpräsidenten Radoslawos. dessen Stellung dadurch eine weitere Stärkung erführt.

Die Redaktion desB. T." macht zu der Meldung folgenden Vorbehalt: Die Nachricht ist zu so später Stunde eingelaufen, daß eine Nachprüfung nicht mehr möglich war. Wir geben sie daher nur mit Vorbehalt wieder.

Rücksichtslose Behandlung der Griechen durch die Engländer.

w> Wien, 8. September. (T.-U.) Nach einer Mel­dung aus Saloniki behandeln, wie dieKreuzzeitung" berichtet, die Engländer auf den Aegäischen Inseln die griechischen Behörden vollkommen rücksichtslos. Der Gendarmeriekommandant von Tenedos wurde bei Aus­übung seines Amtes von einem englischen Offizier mit dem Revolver bedroht, verhaftet und dann von den Eng­ländern gewaltsam von der Insel entfernt, weil er einen griechischen Flüchtling verhaften lassen wollte. Auf Lem- nos wurde die Landung einer griechischen Gendarmerie- abteilung durch die englischen Militärbehörden von Mu- dros verhindert.

Verpflichtungen Rumäniens gegenüber dem Vier­verband?

9-<» Wien, 8. September. (T. U.) Nach einer Buka- rester Meldung soll, wie dieTgl. Rdsch." meldet, der Präsident der rumänischen Kammer Pherekyde erklärt haben, daß nach dem neuen Vertrage mit dem Vierver- bande Rumänien verpflichtet fei, bis znm 15. September gegen die Mittelmächte loszuschlagen.

DieKöln. Ztg." berichtet aus Stockholm: Die aus­geprägt vierverbandsfreundliche ZeitungDagensnyhe- ter" schreibt über Rumänien: Man kennt den Grundsatz der rumänischen Politik, sich unbedingt nicht auf die ver­lierende Seite zu stellen und deshalb seine Handlungs­freiheit zu wahren, bis jedes Wagnis ausgeschlossen er­scheint. Derselbeheilige Egoismus", den Italien durch die Proklamation seiner nationalen Politik verkündete und den Rumänien kürzlich beim zweiten Balkankriege mit so großem Erfolge ins Werk setzte.

Das Friedensgerede der englischen Presse.

Unter der UeberschriftEin fauler Friede, ein englischer Friede" verbreitet sich dieKöln. Volksztg." in einem längeren Artjkel über das letzttägige Friedensgerede in der feindlichen, besonders in der englischen und erklärt: In England wird viel vom Frieden geredet, selbst die englischen Minister machen schon verschämte Friedensvorschläge. . Wenn man aber die Klagen Gregs und die Ankündigung Lloyd Georges in positives Deutsch übersetzt, so heißt es: England ist bereit, mit Deutch- land Frieden zu machen, wenn nur Deutschland zur Räumung Belgiens und Nordfrankreichs be­

reit ist. England gibt Rußland preis und schließt die Nord­see mit Drahtnetzen ab. Das kann England noch, solange Calais und Boulogne englische Stützpukte sind. Wie lange sie das bleiben, hängt von dem Willen der deutschen Heeresleitung ab. Im Ka­nal, in der Nordsee liegt die Türklinke. Ist Calais und Boulogne den Herren Engländern aus der Hand gerissen, dann ist für Eng­land alles verloren. Darum spricht man in England vom Frieden und gibt Rußland preis. Je länger der Krieg dauert, um so höher und teurer muß der Siegespreis für die Unterlegenen wer­den und den letzten beißen die Hunde!

Die Preisgabe Rußlands

nimmt ein Artikel, der derWeserzeitung" zum gleichen Thema von hochgeschätzter Seite zugeht, als noch nicht entschieden, aber doch auch als Gegenstand ernster englischer Erwägung an. Noch nie in seiner Geschichte, so wird da ausgeführt, habe sich England vor einer Entscheidung gefühlt. Das ist jetzt anders geworden. Eine Entscheidung wird nötig, wie sie größer und folgenschwerer nicht gedacht werden kann: die Entscheidung, ob England noch weiter versuchen soll, in diesem gewaltigen Kriege mit Hilfe der Truppen seiner Bundesgenossen militärisch die Oberhand zu be­haupten und dabei seinen materiellen Wohlstand ernstlich zu gefährden, oder ob es unter allen Umständen seine Solvenz als kaufmännische Firma sichern und retten und darum lieber Bundesgenossen, alle Siegesaussichten und die aus diesen Weltkrieg gesetzten Siegeshoffnungen opfern soll. Das ist das eigentliche Dilemma. Rußland kann den Krieg ohne ge­waltige sinai zielle Unterstützung durch England nicht weiterführen: Wer wird jetzt noch dem Russen ohne Sicherheiten ersten Ranges borgen? Frankreich kann es nicht mehr, Amerika will es nicht und England? Wenn es die Finanzen sanieren will, sei es direkt, sei es durch Garantien in Amerika, so muß es Milli­arden in einen Abgrund schütten, ohne doch die Ge­wißheit zu haben, diesen Abgrund mit seinem Gold ausfüllen zu können. Der englische Kaufmann sieht viel zu klar, um nicht die ungeheure wirtschaftliche Gefahr zu ermessen, die in einem solchen Hasardspiele steckt. Daher sprechen englische Zeitungen bereits mit der an den Engländern bisweilen so verblüffenden Offenheit und Skrupellosigkeit von der Notwendigkeit eines russischen Sonderfriedens. Gewiß hat sich der Dreiverband ge­nau vor einem Jahre verpflichtet, an keine Sondersriedensschliisse zu denken. Aber Umstände veränderen die Sache, unter Umständen kann sogar England für den lieben Bundesgenossen an einen Sonderfrieden denken. Oder möchte es vielleicht selbst mit einbe­griffen sein? Wer weiß!

klieasallerlei.

Nachmusterung der früher für dieustuutauglich Befundenen.

Amtlich wird über die Abänderung des 8 15 des Reichsmilitärgesetzes und des § 27 des Gesetzes vom 11. Februar 1888 gemeldet: Durch den vom Reichstag be­reits angenommenen Gesetzentwurf wird die nochmalige Musterung der früher dauernd untauglich befundenen Wehrpflichtigen im Kriege möglich. Dies entspricht in er­ster Linie dem Allgemeinen Rechtsempfinden des Volkes. Zahllose Eingaben forderten die Einbringung eines sol­chen Gesetzes aus Gerechtigkeitsgründeu. Durch den frei­willigen Eintritt einer großen Anzahl früher als dauernd unbrauchbar bezeichneter Wehrpflichtiger ist erwiesen, daß sich eine Menge jetzt Tauglicher unter ihnen befinden. Die Zeit und der Arzt haben häufig die Mängel beseitigt, die die frühere Entscheidung begründet haben. Es wäre ebenso unbillig wie ungerecht und entspräche ,richt dem Grundgedanken der allgemeinen Wehrpflicht, ältere Leute ins Feld zu schicken, solange noch taugliche und ab­kömmliche jüngere Leute vorhanden sind. Von einer Verlängerung der Wehrpflicht über das vollendete 45. Lebensjahr hinaus, wie oft behauptet wird, ist keine Rede.

Feindlicher Fliegerangriff anf Saarbrücken.

Saarbrücken, 7. September. (WTB.) Gestern vor- feindlicher Flieger auf Saarbrücken. Drei Personen feindlicher Flieger auf Saarbrücken. Drei Personen wurden getötet, sechs schwer, zwei leicht verletzt. Von den Schwerverletzten sind bereits zwei gestorben.

Der Ponr le merite für General v. Scholtz.

Der Kaiser hat Exzellenz von Scholtz nachstehendes Telegramm gesandt: General der Artillerie v. Scholtz. Wie die tapferen Truppen der Armee unter Ihrer Füh ­rung den schwierigen Abschnitt des Bobr und Narew überwunden, so ist es ihnen jetzt gelungen, mit herz­haftem Zugreifen den Feind aus Grodno, seinem letzten Bollwerk am Njemen, zu vertreiben und die Festung in deutsche Hände zu bringen. In Anerkennung solcher her­vorragenden Leistungen verleihe ich Ihnen den Orden Pour le merite. gez. Wilhelm, R.

Vermischtes«

Der Nachruf auf einen Lebenden. Die Korrespondenz Belgien" entnimmt einem Brüsseler Blatt einen Be­richt, der als Auszug aus demDaily Chroniele" be­zeichnet wird, obwohl er vermutlich niemals in dieser Zeitung gestanden hat, und worin der Tod des Generals Lemann, des Verteidigers von Lüttich, in der deutschen Gefangenschaft geschildert wird. In dem Bericht kommt u. a. folgende rührende Stelle vor: Sein Todeskampf ist lang gewesen. Die Qualen seiner Seele und seines Körpers waren entsetzlich in den letzten Augenblicken. Deshalb wollen wir uns tief vor diesem Adler verneigen. Als er in seiner Festung eingesperrt war, wollte er nicht das Versprechen abgeben, die Waffe gegen seine schäbigen Mörder ruhen zu lassen. Er zog es vor, in der Verbannung zu bleiben, fern von allem, was er liebte, fern von seiner Familie und seinem Vaterland. Zu diesem Bericht ist nur das eine zu bemerken, daß General Lemann bei vollkommener Gesundheit, abgesehen von seinem Rheumatismus,, in Magdeburg lebt. Er ist, wie derBerl. Lokalanz." hinzufügt, so gut gelaunt, daß er diesen ehrenden Nachruf mit großer Freude ge­lesen hat.

Lohndrückerei der Heimarbeit durch Zwischenunter- nehmer. Die Heeresverwaltung vergibt große Aufträge zur Anfertigung von Sandsäcken an Unternehmer. Die­sen ist die Bedingung auferlegt, Heimarbeiterinnen einen Nählohn von miudefteita 5 Pi. für das Stück zu gewah­ren. Außer Beiträgen zur Kranken- und Invaliden­versicherung dürfen den Frauen Abzüge,, nicht gemacht werden. Alles Material, alw auch das Nahgarn. ist von den Unternehmern zu liefern. Wie nun aber der Ma­gistrat der Stadt Charlottenburg festgestellt hat, zahlen einzelne Unternehmer den Näherinnen nur Zrcen Nay- lobn von 3,5 Pf. für den Sandsack, was sich als eine Durchkreuzung der guten Absichten der Militärverwal­tung und als eiire Lohndrückerei darstellt. Es ist, drin­gend wünschenswert, daß alle Umgehungen der Mindest- lohn-Vorschriften des Kriegsminlstermms den zustän­digen Stellen gemeldet werden, um derartigen Lohn- drückereien künftig einen Riegel vorzuschieben.

Berbilligung des Radiums. Wie die schweizerische »'» W Ä »Ä Washington gelungen, Radium aus Carnotsterz, das reichhaltig in Kolorado vorkomme, zu gewinnen. Die Herstellungskosten seien viel geringer als bisher, denn mn Gramm Radium koste nur 36 000 Dollar, während bisher 120 000 bis 160 000 Dollar dafür bezahlt wurden.

Schwedische Pioniere verunglückt. Aus Robert (Schweden) wird nach Stockholm von einem großen Un« glück berichtet, bei dem eine Anzahl Soldaten ihr Leben einbüßten. Eine Abteilung Pioniere wollte auf einem Floß über einen Fluß rudern. Mitten im Flusse kenterte das Fahrzeug: die Soldaten fielen ins Wasser. Ein Offizier und einige Mann wurden vom Strom einige hundert Meter flußabwärts geführt, wo es ihnen gelang, sich zu retten; der Rest von zehn Mann ertrank. Eine Leiche ist geborgen. Wegen Einbruchs der Dunkelheit mußte das Nachsuchen nach den anderen eingestellt werden.

Zwei Anzeigen derTimes". In diesen letzten Ta­gen waren zwei befremdliche Anzeigen in derTimes" zu lesen. Die eine, schon bekannt gewordene lautete: Kriegsgefangene: Brot und andere Lebensmittel, die an die englischen Kriegsgefangenen in Deutschland ge­schickt werden, sollen nicht in Baumwolltnch verpackt werden, da wir auf diese Art unseren Feinden selbst die Mittel in die Hand geben, Munition herzustellen, mit der unsere eigenen Brüder erschossen werden." Die zweile lautete:Deutsche Schriftproben: Größere Meugeu deut­scher Geschäfts- und Privatbriefe, Manuskripte usw. (schlechte Handschrift bevorzugt) werden zu kaufen oder leihen gesucht." Welch ein niedriger, echt englischer Schwindel und Betrug mag wohl wieder durch diese Gentleman-Anzeige vorbereitet werden?

Amerikanischer Kriegshumor. Wenn die Völker ihre Kriege vorher bezahlen müßten, dann würde das Reich des ewigen Friedens anbreetjen. (Chicago Daily News.) Das Schlimmste bet Rußland scheint zu sein, daß es fein stehendes Heer hat. (Washington Post.) Aber wie kaun denn ein Volk, das einen Rooseveu hat, unvorbereitet für den Krieg genannt werden? (Co­lumbia State.) Nichts geht über die Höflichkeit. Die höfliche russische Front will nur dem Zaren bei seinem

Gin Sturmangriff in Den Dolomiten.

Aus den letzten Tagen meldet, wie dieKöln. Ztg." aus Innsbruck berichtet, eiu Feldpostbrief über die Kämpfe in den Dolomiten, wo die Unsern eilten Sturm der Italiener mit schönem Erfolg abivehrten:

Drei Tage lang dauerte die Artillerievorbereitung der Italiener, sie schössen wahnsinnig, wie immer, Tag und Nacht, aber ihr Erfolg ist doch sehr gering, wenn mau vernimmt, daß wir nur acht Opfer hatten. Es trat Stille eilt; wir wußten, was dies zu bedeuten hatte und eilten an die Gewehre. Die Vorposten meldeten das Nahen zweier Kompagnien Infanterie der Brigade Ba- silicata. Sie scheinen keinen rechten Ernst zu haben, ge- gen unsere Stellungen vorzugehen, denn etwa drei Stun­den lang trieben sich die zwei Kompagnien unter unsern Stellungen im Walde herum. Endlich gingen sie vor, in drei Linien. Voraus ein wohlgenährter Hanpimanu und ein Fähnrich. Man sieht, gleich auf den ersten Blick, es sind feine Elitetruppen, auch mit der Schneid ists nicht weit her, noch viel weniger mit der Ausbildung, aber die armen Teufel müssen eben stürmen. Ohne Deckung kommen sie an unsere Stellungen heran, in mäßigem Schritt, und als sie der Drahtverhaue ansichtig werden, entladen sich ihre Gewehre anscheinend von selbst. Die Italiener schießen wie verrückt, ohne Ziel und. selbst­verständlich auch ohne Erfolg, denn unsere Leute sind gut gedeckt: in vollständiger Ruhe, die Büchsen an der Wange, harren sie des Befehls an schießen. Von unten herauf töccts schüchtern, wie aus KinderstimmenAvautt! Savoja!" Das gilt den Zögernden.

Scholl sind die Feinde, stets in drei Linien vor» gehend, etwa 50 Schritte vor unsern Drahtverhauen, und iroch immer rührt sich nichts bei den Tirolern. Die Italiener bringen ihre Maschinengewehre in Stellung und pfeffern drauf los. Einige von den Kühnsten der Italien er sind voraus und versuchen, etwa drei Meter lange Sprengröhren unter die Drahtverhaue zu schiebe«. So fommen die ersten ziemlich nahe heran, unter fort» währendem Gewehrfeuer: und unsererseits noch immer fein Schuß. Die erste Reihe ist nur mehr 20 Schritte vor dem erstell Verhau, da kracht es aus unseren Läufen, die sechs Maschinengewehre hämmern in den höchsten Tönen, denn es gibt der Ziele genug. Wie die Halme bei der Ernte sinken die Italiener hin, als einer der Allerersten der diese Hauptmann und der Fähnrich. Wo sich eilt Häuschen Schutz suchend zusammendrängt, Platze,t Handgranaten. Das ist zu viel auf einmal. Die Jtalie- ner stutzen, sie wenden sich und rennen den Berghang hinab, hinterdrein unsere Geschosse.

Wir hatten bei dem Angriff feinen einzigen Toten zu Dies tagen; vor unsern Drahtverhallen aber lagen über 100 Tote und Schwerverwnndete, das Blut färbte den Berghang purpnrrot: dort sitzen zwei nahe bet» sammelt, betend und weinend, um Verkürzurrg ihrer Qual bittend. Solche erschreckende Bilder gab es genug. Nicht sinn erstenmale verdammen die italienischen Sol- daten laut und kräftig den Krieg. Die Toten nehmen die seltsamsten Stellungeli ein. Dort sitzt einer, als ob er lebte. Seine Hände scheinen sich mit den Schuhen zu beschäftigen, der Körper aber ist leblos. Eine Kugel fuhr ihm ins Herz, als er sich den Schuh binden wollte. Wo die Handgranaten einschlugen, ist ein entsetzliches Durcheinander. Als unsere Leute die Gesallelten begra­bet, wollten, hinderte sie die italienische Artillerie daran, daher kam es, daß die Luft förmlich verpestet wurde. Dies sind kleine Züge aus den Kämpfen in den Bergen Tirols, in den Dolomiten, wo der Zauber der Natur vor dem Grauen weichen will.

Weisere Drahtnachrichten«

Die Stärke Bulgariens.

ImTag" schreibt der General z. D. v. d. Boeck: Die Wehrmacht Bulgariens entspricht den höchsten An­forderungen. Sein Heer kann als das beste unter den Balkauheeren und als gewichtiger Faktor bei Kriegs­ereignissen auf dem Balkan bezeichnet werden.

Die unzufriedenen englischen Arbeiter.

g-^ London, 8. September. (WTB.) Auf dem Ge­werkschaftskongreß in Bristol wurde hervorgehoben, daß die Gewinne, die beim Handel mit Lebensmilteln und bei Herstellung von Kriegsbedarf gemacht worden sind, die Hauptursachen der Unruhen in oer Arbeiterwelr bil­deten. Die Regierung müsse die Lasten gleichtnaßin ver­teilen. Heute wird sich der Kongreß mit der Dienstpflicht beschäftigen.

ßandel und Verkehr.

Zeichnungen auf die Kriegsanleihe. Auf die neue Kriegsanleihe haben weiter gezeichnet: die Bergmann- Elektrtzitäts-Werke in Berlin 3 Millionen: die Haupt- Sparkasse der Niederlausitz in Lübben für eigene Rech­nung 13 Millionen Mark: die Landesversicherungsanstalt Hessen-Nassau 10 Mill. 7Z; die Kreissparkasse K"reseld 15 Millionen: die Sparkasse des Saalkreises in Halle 8 Mit- Honen; die Württembergische Feuerversicheruttgsgesell« schaft auf Gegenseitigkeit in Stuttgart 4 Millionen: die Kriegsleder-Aktiengelellschaft 25 Millionen Mark.