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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger HmWer

für den Kreis Hersfeld

za «< ij Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Nr. 211.

Donnerstag, den 9. September

1915

Amtlicher Teil.

Hersfeld, den 3. September 1915.

Der Hilfsbund deutscher Frauen und Mädchen hat in Bad Sachsa (Südharz) das schön gelegene KriegsinvalidenheimHeldendank" erworben, in welchem vollständig erwerbsunfähige Kriegsinvaliden unter den nachstehend aufgeführten Bedingungen Aufnahme finden können:

1.In das Kriegsinvalidenheim Heldendank" kann jeder Kriegsteilnehmer aus dem Kriege 1914 15 gleich welcher Konfession ausgenommen werden, der als Kriegsrentenempfänger entlassen ist, oder der von seiner Militärbehörde dem Jnvalidenheim überwiesen wird.

2. Der Aufgenommene kann für längere oder kürzere Zeit oder für Lebenszeit im HausHelden- öank" verbleiben.

3. HausHeldendank" will dem KriegIrentenem- pfänger ein Heim sein, in dem er an Leib und Seele gut versorgt ist. Dazu gehören: Aerztliche Be­handlung, Verpflegung, Unterhaltung und evtl.' Be­schäftigung und eine gute kräftige Beköstigung.

4. Es wird erwartet, daß der Aufgenommene je nach der Höhe seiner Rente eine Vergütung für Be­köstigung und Verpflegung bezahlt. Diese ist in jedem einzelnen Fall mit der Leitung des Hauses zu ver­einbaren.

In besonderen Fällen können Kriegsrentenem­pfänger auch ganz umsonst ausgenommen werden.

5. Mitzubringen sind die schon vorhandenen Wäsche- und Kleidungsstücke.

6. Mit dem Aufnahmegesuch sind einzusenden:

a) kurzer Lebenslauf

b) Geburtsschein

c) Militärpapiere

7. Bei der Aufnahme hat sich jeder zu verpflichten, die Hausordnung zu halten.

8. Nicht ausgenommen werden Lungenkranke oder mit ansteckenden Krankheiten behaftete Leute.

Alle weitere Auskunft gibt das Büro von Haus Heldendank" Bad Sachsa.

Die Herren Ortsvorstände des Kreises ersuche ich, gegebenenfalls Kriegsinvaliden auf Vorstehendes auf­merksam'zu machen.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses.

I. A. No. 9259. ' I. V.:

Frhr. v. Doernberg, Reg.-Referendar.

Hersfeld, den 7. September 1915.

Infolge der Aenderung des Ausmahlverhältnisses für Brotgetreide wird in Abänderung der Bekannt­machung vom 13. Februar 1915 I. 1786 Kreisblatt No. 39 und vom 30. März 1915 No. 3963 Kreis­blatt Nr. 78 der Mahllohn für einen Zentner Brotgetreide auf 1,15 Mark festgesetzt.

Die Müller sind auf Verlangen verpflichtet, das Getreide abzuholen und das Mehl nach dem Be­stimmungsorte zu liefern. Dies gilt jedoch nur für eine Entfernung bis zu 7^2 km.

K. G. 1392. Der Landrat.

J. V.:

- Frhr. v. Doernberg,

Neg.-Referendar.

gzeichnei die lll. Hriegsanleihe !l

Kriegsjugendwehr der Hersfelder Turnerschaft.

Am vergangenen Sonntag fand das seit längerer Zeit vorgesehene Kriegsspiel der Kriegsjugendwehr der Hersfelder Turnerschaft, verstärkt durch die voll­zählig angetretene Kriegsjugendwehr der Mecklarer Turnerschaft und durch Mitglieder der Friedewalder Jugendwehr, gegen die Jugendkompagnien von Vacha, Philippsthal und Umgebung statt. Um den Jung- mannschaften die Gelegenheit zur Teilnahme an den durch dieses Kriegsspiel beabsichtigten größeren Marsch- und Geländeübungen zu verschaffen, war der voran­gegangene Sonntagübungsfrei gelassen. Wie erwartet traten denn auch am Sonntag früh um 6 Uhr die Jugendlichen auf dem Marktplatz fast vollzählig an. Auch hierin konnte die Leitung die so sehr notwendige Unterstützung der Eltern, Lehrherrn usw. erblicken. Dieses Mal hatten sich auch zur Mithilfe ein Vize­feldwebel und 2 Unteroffiziere des hiesigen Bataillons in freundlicher Weise zur Verfügung gestellt. Wie immer ging's mit klingendem Spiel zur Stadt hinaus, ern Jeder mit Lust und Liebe erfüllt für die Lösung der bevorstehenden Aufgaben. Bald war Sorga er- reicht und rüstigen Schritts eilte man weiter nach dem fürdie HersfelderAbteilnngvorgesehenen Ansstellungs- platz, einer durch ein vorgelagertes Buchenwäldchen gedeckten Anhöhe zwischen Motzfeld und Hillartshausen.

Von hier aus sollte um 10^' Uhr für die Hersfelder Partei die Uebung beginnen. Der fast 3 stüudige Marsch in der frischen Morgenluft gebot zunächst eine kleine Frühstückspause in dem kleinen Wäldchen. Daß es hierbei regnete und daß sie schon vorher mit dem Naß von oben hatten Bekanntschaft machen müssen, das konnte die Jungmannschaften nicht verdrießen,' die Feldgrauen draußen im Feindesland werden mehr wie einmal naß, so ging es von Mund zu Mund.

Der der Geländeübung zu Grunde gelegte Kriegs­plan war folgender: Eine zurückgehende Armee sammelt sich bei Frauensee-Marksuhl. Um das Nach­drängen des Gegners aufzuhalten, erhält die Abteilung Vacha den Befehl, die Werrabrücken bei Heimbolds­hausen und Lengers zu sichern. Die Werraübergänge bei Philippsthal und Vachawerden vonanderenTruppen gesichert.

Als Treffpunkt für die Abteilung Vacha war der Bahnhofsplatz Heimboldshausen vorgesehen.

Um 1411 Uhr waren auch von der Abteilung Hers- feldnlle Anordnungen getroffen, und die Uebung nahm ihren Anfang. Radfahrer und Patrouillen sorgten auf beiden Seiten für die notwendige Aufklärung, und bald hatten einzelne Teile Fühlung miteinander genommen. Der ursprüngliche Plan der Hersfelder Partei, durch einen Eilmarsch der Haupttruppe an Unterneurode vorüber durch den Waltersberg (Herfaer Wand) den Haltepunkt Lengers in denkbar kürzester Zeit zu erreichen, um von da durch einen überraschend ausgeführten Sturmangriff im Besitz der Werrabrücke Lengers zu gelangen, während schwächere Abteilungen auf den Straßen Neurode-Gethsemane-Heimbolds- hausen und Hillartshausen-Heimboldshausen diesen Marsch decken und verschleiern sollten, konnte indessen angesichts der auf feindlicher Seite getroffenen Vorkehrungen nicht zur Ausführung gelangen. Der Führer der Haupttruppe sah sich daher veranlaßt, den Uebergang bei Heimboldshausen zu erzwingen. Die Annäherung an Heimboldshausen gelang fast unbe- lästigt, nur eine Gruppe wr..de außer Gefecht gesetzt. Gegen 1/212 Uhr brachen die Hersfelder aus dem Wald heraus und eilten in aufgelösten Schützenlinien die Bergabhängen herab. Am Fuße des Berges erhielten sie indessen Flankenfeuer, sodaß ihrem Weiterstürmen nach der nur noch etwa 4500 Meter entfernt liegen­den Brücke auf kurze Zeit Einhalt geboten wurde. Der größere Teil konnte sich aber bald vom Feuer loslösen und stürmte weiter, allen voran 4 Jugend­liche, die mit einem Gruppenführer noch vor dem Feinde an die Brücke gelangten und diese sofort sprengten. (Annahme^ Dem so am Uebergang gehemmten Feinde war es aber inzwischen gelungen, längs der Straße eine gute Verteidigungsstelle einzunehmen und die über eine breite Wiese ungedeckt Vorstürmenden unter wirksames Feuer zu nehmen. Nach Sprengung der Brücke erklärte der Schiedsrichter die Uebung für be­endet. Bald trafen auch noch die übrigen Abteilungen ein. Der Ausgang des Kampfes mußte seitens der Kampfrichter als für beide Teile unentschieden be­zeichnet werden.

Freund und Feind marschierten hierauf gegen ^1 Uhr gemeinsam über Harnrode nach Lengers, woselbst die Vachaer im Freien abkochten. Die Hersfelder, Mecklarer und Friedewalder Jungmannschaften wurden aus der wohl vorbereiteten Feldküche gespeist. Binnen wenigen Minuten konnten die mitgebrachten Eßgeschirre mit der dampfenden Fleischsuppe gefüllt werden. Auch hatte ein jeder der 250 Jugendlichen bald ein gemütliches Ruheplätzchen, sei es in dem schönen Turnsaal, sei es in der mit trockenem Stroh ausgelegten Scheunentenne gefunden. Die Teller wurden nach Belieben gefüllt. Das Essen, zubereitet in der Schmidtschen Gastwirtschaft, war über alles Lob erhaben. Das vorgesehene Lagerleben im Freien mußte unterbleiben. Doch kam auch in diesen Speise­räumen der Frohsinn und der Humor in vorzüglicher Weise zur Geltung. Beim anregenden Lautenspiel ertönten die vaterländischen Lieder aus den jugend­lichen Kehlen. Die Versorgung der Jugendlichen mit dem Nachmittagskaffee gegen V*4 Uhr erfolgte eben­falls in schnellster Zeit. Der Kaffee mundete vor­züglich.

Nun war aber auch die Erholungspause zu Ende. Um 314 Uhr wurde zum Antreten befohlen, und als­bald ging es zu einer gegenüber liegenden Wiese, wo die vorgesehenen turnerischen Uebungen mit Frei­übungen seitens der sämtlichen Jungmannschaften der Hersfelder Partei ihren Anfang nahmen. Der den Freiübungen vorausgehende Aufmarsch, wobei die Trommler- und Pfeiferkorps der beiden Hersfelder Turnvereine gemeinsam die Musik ausführten, wurde stramm und gut ausgeführt. Nirgends war eine Spur der Ermüdung sichtbar. Nach den Freiübungen turnten zwei Musterriegen am Pferd und am Barren. Die Leistungen der Jugendlichen fanden ungeteilte Anerkennung bei allen Zuschauern.

Leider drängte die vorgeschrittene Zeit zum Schluß der Turnübungen. Es galt den Rückmarsch nach dem Bahnhof Heimboldshausen anzutreten, der um 1 >6 Uhr erfolgte. Um 620 Uhr war die Verladung der Jugend­wehr in den bereit gehaltenen Eisenbahnwagen erfolgt. Nach einstündiaer froher Fahrt war Hersseld wieder erreicht. Im Marsch ging es dann durch die Straßen

nach dem Marktplatz. Hier erhielt noch die Jugend- kompagnie die frohe Kunde von der Stiftung von 20 Mark, die nebst bereits hierfür gespendeten 10 Mark den Grundstock für demnächst zu beschaffende Signal­hörner bilden sollten. Mit Worten der Anerkennung und der Freude über die gute Haltung der Jugend­lichen während des ganzen Tages konnten die Teil­nehmer an dem schönen Kriegsspiel nach Hause ent­lassen werden.

Bus der Heimat«

* 1964 deutsche Juristen und aus der Justiz hervorgegangene Reichs- und Verwaltungsbeamte sind bis 26. August nach der 12. Verlustliste der Deutschen Juristen-Zeitung nach amtlichen Material, im Kriege gefallen, u. a. zehn Rechtslehrer, 414 Regierungs- und Verwaltungsbeamte, Richter, Staatsanwälte, 364 Rechtsanwälte, 476 Assessoren, 700 Referendare usw.

):( Hersfeld, 8. September. Der Reservist Emil B ä tz, welcher bis zum Kriegsausbruch in der Buch­druckerei des Hersfelder Tageblatt beschäftigt war, sowie der Gefr. Adolf Sauer Jnf.-Regt. 82, wur­den mit demEisernen Kreuz" 2. Kl. ausge­zeichnet.

):( Hersfeld, 8. September. Offizier-Stellvertreter Philipp Caselitz im Res.-Jnf.-Regt. 71 wurde zum Leutnant d. R. befördert.

):( Hersfeld, 8. September. (Neuer Fern - s p r e ch a n s ch l u ß:) S. Goldschmidt, Bahnhofstraße 11, unter Nr. 272.

Heringen, 7. September. Ein tiefbetrübender Unglücksfall ereignete sich Sonntag nachmittag in unserem Dorfe. Eine Gruppe von Bärenführern kam von Lengers her gezogen. Die Dorsjugend folgte den Bären. Da ward ein Kind von einem Jungen auf einen Bär gestoßen, der das Kind sobald ergriff. Als eine Frau von dem Bärenführer zu Hülfe kam, ließ der Bär das Kind los, aber in seiner Wut um­klammerte er die Frau. Furchtbar zugerichtet, konnte sie nur mit der größten Mühe der übrigen Bärenführer von dem wütenden Tiere befreit werden. Schwer verletzt ist das Kind sogleich nach Berka zum Dr. Hoges gebracht worden. Der armen Frau aber, deren Leben durch den Uebermut eines Jungen gefährdet ist, wird das größte Mitleid entgegen gebracht:

Cassel, 7. Sept. Dem Kommandierenden General General d. Jnf. Exzellenz v. Plüskow ist der Königl. Kronenorden 1. Klasse mit Schwertern, dem Chef des Generalstabes des 11. Armeekorps, Oberst Baerecke das Kreuz der Ritter des Königlichen Hausordens von Hohenzollern verliehen worden.

Wolfhagen, 7. Sept. (Rekord im Aehrenlesen.) Die Ober- und Mittelklassen der hiesigen Schule sammelten in drei Tagen 64 Säcke Weizenähren deren Ausdrusch ausschließlich des Futterweizens 18,70 Zentner reinen mahlfähigen Weizen ergab. Der Er­trag kommt dem Roten Kreuz zugute.

Northeim (Hann.), 7. Sept. (Eine fette Pleite.) Auf je hundert Mk. werden bei der Schlußverteilung im Konkurs über das Vermögen des Ziegeleibesitzers F. C. Vogt hier ganze 80 Pfennige zur Auszahlung kommen, von denen noch die Gerichtskosten und Ver­gütung für die Mitglieder des Gläubigerausschusses abgehen, so daß rund ^ v. H. übrig bleiben wird. Den nicht bevorrechtigten Forderungen in Höhe von 169.937 Mark steht ein verfügbarer Massenbestand von 1428 Mk. gegenüber. Unter den Gläubigern herrscht freu­dige Erregung.

Erfurt, 7. September. Zu einem folgenschweren Zusammenstoß zwischen einem Hilfspoltzeibeamten und einem Pserdekutscher kam es nach demAllgem. Anz." am Montag mittag auf der Bahnhofsbrücke. Der Flaschenbierkutscher Guido Wolf hatte von seinem Wagen einige Bierflaschen verloren. Der Hilfsschutz- mann Birkemeier, der sich dort in dienstlicher Eigen­schaft aufhielt, forderte den Bierkutscher auf, die Glasscherben vom Fahrdamm zu entfernen. W. kehrte sich jedoch nicht daran, sondern hieb auf die Pferde ein, um schnell zu entkommen. Als der Be­amte sich dann an den Bvcksitz des Kutschers begab, um seinen Namen festzustellen, schlug dieser mit dem umgekehrten Peitschenstiel auf den Beamten los. Darauf zog dieser blank und versuchte an dem Bock emporzusteigen, er wurde jedoch von dem Kutscher mit beiden Fäusten zurückgestotzen, sodaß er auf die Straße fiel und von dem eiligst davon fahren­den Wagen über Brust und Hals überfahren wurde. In bewußtloßem Zustande wurde der Beamte ins Krankenhause gefahren, wo er bald an seinen schweren Verletzungen starb. Der Kutscher wurde im Laufe des Nachmittags verhaftet.

Fulda, 7. September. Als angemessene Höchst- preise hat der Magistrat für folgende Gegenstände fest­gesetzt: -Landbutter per Pfund 1,M Mk., Centrifugen butter per Pfund 1,65Mk., kleine Eier per Stück 12 Pfg., größere per Stück 13 Pfg.