Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
MsftHier
für den Kreis Hersfeld
Willst
Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wiederholungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.
Nr. 210.
Mittwoch, den 8. September
1915
Amtlicher Teil
Hersfeld, den 2. September 1915.
Die Reichsgetreidestelle hat mit Wirkung vom 1. September ds. Js. ab zugelassen daß:
1. Roggen und Weizen zu 75 vom Hundert aus- zumahlen und
2. Die von den Selbstversorgern zu verbrauchende Getreidemenge auf 10 Kilogramm pro Kopf und Monat zu erhöhen ist. Dabei entsprechen einem Kilogramm Brotgetreide 750 gr. Mehl.
In der auf 10 kg. festgesetzten Getreidemenge ist die bisher gegebene höhere Brotration für die körperlich schwer arbeitenden Personen bereits enthalten. Selbstversorger erhalten also in Zukunft keine Brotzusatzkarten mehr.
Für die versorgungsberechtigten Personen werden wie bisher Brotkarten über eine Tageskopfmehlmenge von 200 gr. und außerdem für körperlich erwerbs- tätige Personen unter ihnen Brotzusatzkarten über 1400 gr. in Mehl - 4 Pfd. Brot monatlich ausgegeben.
Die versorgungsberechtigten Personen — Brot- kartenempfänger — haben, falls sie anstatt von Brotkarten, Getreide verlangen, Anspruch auf 9 kg. Getreide pro Kopf und Monat, wenn sie körperlich er- werbstätig sind und alle übrigen 7,5 kg. pro Kopf und Monat.
K. G. 1344. Der Landrat.
J. V.:
Frhr. v. Doernberg, Regierungs-Referendar.
Hersfeld, den 1. September 1915.
Der Bürgermeister Schwalm in Gersdorf ist für einen am 1. September ds. Jahres beginnenden weiteren Zeitraum von 8 Jahren von der Gemeinde Gersdorf gewählt und als solcher von mir bestätigt worden.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses.
J. A. Nr. 9090. J. V.:
Frhr. v. Doernberg, Regierungs-Referendar.
Bus der Heimat
* (Der Kampf gegen das Fremdwort.) Wie uns von zuständiger Seite mitgeteilt wird, sieht sich die Postverwaltung auf Grund der Verfügungen des stellvertretenden General-Kommandos des 11. Armeekorps vom 22. Juni und 13. Juli veranlaßt, mit Nachdruck darauf hinzuwirken, daß u. a. auch in dem amtlichen „Verzeichnis der Teilnehmer an den Fernsprechnetzen" alle entbehrlichen Fremdwörter beseitigt werden. Insbesondere ist anzustreben, daß die Bezeichnungen Hotel, Restaurant, Pension, Pensionat und Eafe gänzlich in Wegfall kommen und dafür die Bezeichnungen Gasthof, Fremdenhof oder Gasthaus, Fremdenheim und Kaffeehaus angewandt werden. Es dürfte sich empfehlen, daß die Beteiligten wegen der danach notwendig werdenden Aenderungen im Teilnehmerverzeichnis schon jetzt mit den zuständigen Verkehrsanstalten ins Benehmen treten.
* (Die deutsche Turnerschaft während des Krieges.) Bei der eine Million weit überschreitenden Mitgliederzahl der deutschen Turnerschaft ist es begreiflich, daß der Krieg sie erheblich verringert hat. Trotzdem ist die Zahl der Turnvereine im Wachsen begriffen, ein gutes Zeichen dafür, daß die Turnsache selbst nicht an Werbekraft verloren hat. Die Zahl der Turnvereinsorte betrug am 1. Januar 9851 gegen 9633 im Vorjahre, d. h. 218 mehr, die der Vereine 11769 gegen 11491, d. h. 278 mehr. Von den 870 241 steuerpflichtigen Mitgliedern standen in den Vereinen, die berichtet haben, am 1. Januar 395 395. Abgesehen von den Tausenden aber, die bereits vor dem 1. Januar den Tod für das Vaterland erlitten haben, fehlten in der Zählung noch die großen Massen aus den in den Berichten nicht enthaltenen Vereinen. Stellt man diese schätzungsweise ein, so würden sich rund 633 000 Kriegsteilnehmer ergeben. Der Turn- betrieb ruhte bereits am 1. Januar in 4620 Vereinen, teils aus Mangel an Räumlichkeiten, teils weil keine Turner daheim geblieben sind. Regelmäßig fortgesetzt wird er nur in 7149 Vereinen.
* Ueber die Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche wird folgendes mitgeteilt: In Poppenhausen (Rhön) verfütterte ein Landwirt seinem gesamten Vieh Heringslake, um die Maul- und Klauenseuche abzulenken. In der Tat ist ihm dadurch auch die Seuche ferngeblieben, denn die Schärfe der Lake beißt das wundgewordene Fleisch aus und der Tran heilt zu gleicher Zeit die Wunde wieder ab. Das ist ein bewährtes, unschuldiges und sehr einfaches Mittel, das man sich leicht beschaffen kann und das vom Vieh wegen des salzigen Geschmackes gern ausgenommen wird. Die Heringslake kann man blank oder auch auf das Futter geschüttet geben. Die Klauen werden mit Heringslake eingepinselt. — Es wäre zu
wünschen, daß auch einmal von maßgebenden Stellen Versuche mit diesem einfachen Mittel angestellt würden, um unsere Landwirtschaft vor der Seuchengefahr wirksam zu schützen.
* D i e Deutsche L a ll d iv i r t s ch a f t s - Gesellschaft wird trotz des Krieges auch in diesem Herbste eine Tagung abhalten, um ihren Mitgliedern Gelegenheit zu bieten, über die Erfahrungen des ersten Kriegsjahres ihre Gedanken auszntauschen. Die Hauptversammlung findet Freitag, den 17. September statt und zwar sind als Verhandlungsgegenstände die Erfahrungen mit der Düngung im abgelaufenen Erntejahr und die Erfahrungen in der Viehfütterung im letzten Wirtschaftsjahre aufgestellt.
* (Gold zur Reichsbank.) Als Beweis, wieviel Goldgeld sich noch in den Händen der Bewohner des engeren Kreises Graudenz befunden hat fund vielleicht wird auch jetzt noch manches Goldstück znrückge- halten), ist der Betrag anzusehen, der in den letzten beiden Monaten bei der Reichsbankstelle in Graudenz eingezahlt worden ist, nämlich etwa 120 000 Mk. Es ist, so bemerkt „Der Gesellige" weiter dazu, ein erfreuliches Zeichen, wie die Erkenntnis von der Wichtigkeit eines großen bei der Reichsbank aufgestapelten Goldschatzes in immer weiten: Kreise gedrungen ist. Jeder, der noch ein ©olbftüu in seinem Besitz hat, bringe es daher zur Reichsbank, kein Gefühl der falschen Scham, daß dieses erst setzt geschieht, halte ihn davon zurück! Der Einzelne hat von seinem kleinen Vorrat an Goldgeld keinen Nutzen, die vielen kleinen Ablieferungen steigern sich aber zu großen Summen und bewirken damit Bedeutendes.
* Die neuen Fünf-Pfennigstücke von Eisen werden genau die Größe wie die alten haben. Der Unterschied gegenüber den alten Fünf-Pfennigstücken besteht darin, daß der Rand gerippt und nicht, wie bisher, glatt sein wird. Außerdem wird die Jahreszahl, die bisher hinter dem Worte „Reich" am stand, unter die Zahl 5 gesetzt werden. Das Metall, aus dem die neuen Geldstücke ^.gestellt werden, besteht aus Siemens-Martin-Stahl. Wie von zuverlässiger Stelle noch verlautet, wird das neue Geld im Laufe des Oktober zur Ausgabe gelangen.
* (Der Schuhmacher und die Ledernot.) Wie der „Bund Deutscher Schuhmacher-Innungen" mitteilt, wurde auf einem in Halle stattgefundenen Deutschen Schuhmacher-Obermeistertag die für das Publikum und den Schuhmacher gleich wichtige Lage auf dem Ledermarkt einer eingehenden Erörterung unterzogen. Es gelangte hierbei besonders zum Ausdruck, daß es nicht, wie vielfach angenommen wird, der Schuhmacher ist, der die Schuld an den hohen Preisen für Schuhmacherarbeiten trägt. Aus den angenommenen Entschließungen entnehmen wir, daß das Reichsamt des Innern ersucht werden soll, auf einen baldigen Abbau der festgesetzten Richtpreise hinzuwirken. Des weiteren wird den Innungen empfohlen, den örtlichen Verhältnissen entsprechende, genau kalkulierte Mindestpreise festzusetzen. Die Innungen und Verbände sind also dauernd bemüht, eine Verringerung der Lederpreise und somit auch der Preise für Schuhmacherarbeiten herbeizuführen.
Cassel, 5. September. Der Kriegsausschuß der Landesversicherungsanstalt Hessen-Nassau, der für die erste Kriegsanleihe 10, für die zweite 5 Millionen Mk. zeichnete hat heute beschlossen, sich an der dritten Kriegsanleihe wieder mit 10 Millionen zu beteiligen.
Nordhausen, 6. September. Vom hiesigen Schöffengericht wurde am Sonnabend der Schreiberlehrling Just von hier zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt, weil er aus dem am Vorflur des hiesigen Postgebäudes befindlichen Etnwurfskasten wiederholt Liebesgaben- pakete entwendet und ihres Inhalts beraubt hatte. Gegen dies sehr milde Urteil hat der Amtsanwalt, der drei Monate Gefängnis beantragt hatte, Berufung
eingelegt.
Friedrichroda, 5. September. Die Unsitte, bei einer Fliegerlandung auf den Landungsplatz zu laufen, hat hier ein großes Unglück herbeigeführt. Ein Flieger mußte hier eine Notlandung vornehmen und hatte sich dazu eine an den Ort grenzende Wiese ausgesucht. Viele Bewohner waren an den Landungsplatz geeilt und dabei wurde von dem bei der Landung noch weiter laufenden Flugzeug durch Propellerschläge eine Frau namens Ortlep getötet und ein öjähriges Kind schwer verletzt. Das Kind ist nachmittags ebenfalls gestorben.
Fulda, 5. September. Die Unsitte, mit Steinen zu werfen, hat hier ein großes Leid über eine Familie gebracht. Der achtjährige Sohn des Eisenbahnschaffners Klug wurde derart durch einen Steinwurf am Kopse verletzt, daß der Junge an den Folgen nach schwerem Leiden starb.
Wiesbaden, 6. September. Das Wiesbadener Schöffengericht verurteilte dieser Tage eine Frau zu drei Wochen Gefängnis, weil sie, um sich an einer anderen Frau, die einmal in einer Diebstahlssache gegen sie Zeugnis abgelegt hatte, zu rächen, deren im Felde stehenden, eben auf Urlaub hier weilenden Mann erzählt hatte, seine Frau habe einem anderen ihre Gunst zugewendet.
Frankfurt, 5. September. Seit mehr als 50 Jahren befand sich die hiesige Gasanstalt und damit die Versorgung der Stadt mit Gas im Besitz einer englischen Gesellschaft, die im Laufe der Jahrzehnte viele Millionen an dem ständig größer werdenden Unternehmen verdiente. Wiederholte Versuche, daS Werk in städtischem Besitz zu bringen, scheiterten, bis 1959 hatte die Gesellschaft sich den unumschränkten Besitz gesichert. Jetzt hat der Krieg den Uebergang des Gaswerkes in städtisches Eigentum vollbracht. Unmittelbar nach Kriegsausbruch kam das Merk unter Staatsaufsicht. Mit Genehmigung der englischen Regierung haben nun die englischen Gesellschafter ihren Aktienbesitz im Werte von 3 150 000 Mark an die Stadt Frankfurt verkauft. Hierfür hat die Stadt einen Kurswert von 198 Prozent zu zahlen. Der Kaufpreis ist sechs Monate nach Friedensschluß zu zahlen. Die Stadtverordnetenversammlung gab ihre Zustimmung zu dem Ankauf. Damit geht das Gaswerk, das jährlich durchschnittlich 10 Prozent Dividende abwarf, in den Besitz der Stadt über.
Die dritte Kriegsanleihe!
Die dritte Kriegsanleihe, deren Bedingungen soeben bekanntgegeben werden, unterscheidet sich von der ersten und zivetten Kriegsanleihe wesentlich dadurch, daß keine Schatzanweisungen, sondern nur Reichsan- leihe ausgegeben wird. Diese ist seitens des Reichs wieder bis 1924 unkündbar, zu 5°/o verzinslich und wird zum Kurse von 99, für Schuldbuchzeichnungen zu 98,80 aufgelegt. Der Zinsenlauf beginut am 1. April 1916. Fünf Prozent Stückzinsen bis dahin werden bei der Zahlung zu Gunsten des Zeichners verrechnet. Die Ztnsscheine sind am 1. April und 1. Oktober jeden Jahres, der erste Zinsschein am 1. Oktober 1916 fällig.
Auch diese Anleihe wird ohne Begrenzung ausge- geben, und es können daher alle Zeichner auf volle Juteilung ^r gereich' n Beträge rechnen.
Die Zeichnungsfrist beginnt am 4. und endet am 22. September. Die Zeichnungen können wieder bet allen den Zeichnungs- und Vermittlungsstellen angebracht werden, die det der zweiten Kriegsanleihe tätig waren (Reichsbank und alle ihre Zwetganstalten, sämtliche deutsche Banken und Bankiers, öffentliche Sparkassen und ihre Verbände, Lebensversichernngsgesell- schaften und Kreditgenossenschaften). Die Post nimmt diesmal Zeichnungen nicht nur an den kleinen Orten, sondern überall am Schalter entgegen.
Zahlungen können vom 30. September an jederzeit geleistet werden. Es müssen gezahlt werden:
30" o am 18. Oktober,
20" o „ 24. November,
25°/o „ 22. Dezember 1915 und die letzten 25"/o „ 22. Januar 1916.
Die Bestimmung, wonach die Zeichnungen von Mk. 1000,— und darunter bis zum ersten Einzahlungstermin voll bezahlt werden müssen, ist weggefallen; anch den kleinen Zeichnern sind diesmal Teilzahlungen in runden, durch 100 teilbaren Beträgen gestattet; die Zahlung braucht erst geleistet zu werden, wenn die Summe der fällig werdenden Teilbeträge wenigstens Mk. 100,— beträgt. Auf die Zeichnungen bei der Post ist zum 18. Oktober Vollzahlung zu leisten.
Die im Umlauf befindlichen unverzinslichen Schatzanweisungen des Reichs werden unter entsprechender Diskontverrechnung in Zahlung genommen.
Um den bei allen Vermittlungsstellen gleichzeitig hervorgetretenen Klagen über die langsame Lieferung der Stücke bei der zweiten Kriegsanleihe zu begegnen, werden diesmal wieder Zwischenscheine, aber nur zu den Stücken von Mk. 1000,— und mehr nur auf Antrag ausgegeben. Auch für die kleinen StttckeZwischen- scheine auszugeben, ist nicht möglich, da die dadurch entstehende Arbeit nicht bewältigt werden könnte. Die kleinen Stücke werden aber zuerst gedruckt werden und voraussichtlich im Januar zur Ausgabe gelangen.
«y Man lese *»e die amtlichen Bekanntmachungen.
Nicht nur an den Tagen. an denen man etwas wichtiges unter ihnen vermutet. sondern MT täglich “W©
Unter den amtlichen Bekanntmachungen werden fast Tag für Tag Bestimmungen wirtschaftlichen Inhalts verzeichnet, die man in dieser ernsten Zeit wissen und befolgen muh. (Einmal im Interesse des allgemeinen Wohles und dann auch um sich vor Strafe zu schützen.