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Tersinventttßen litt fxsnzösischett OverkEmanro.

** Basel, 4. September. (T. U.) Der Korrespondent der Telegraphen-Union erfährt aus Paris, daß eins schneidende Veränderungen im französischen Oberkom­mando unmittelbar bevorstehen. Der bisherige General- resident von Marokko, General Liauthey, soll zwecks Uebernahme eines bedeutenden Kommandos an der Westfront aus Marokko nach Frankreich beordert werden. General Foch wird Generalstabschef Joffres. Mehrere Generäle, die infolge Ueberschreitens der Altersgrenze aus dem aktiven Verbände ausgeschieden waren, sollen reaktiviert werden. Man spricht auch von der Ueber­nahme eines Kommandos durch General Pau. Die Kommandanten der Festungen Belfort und Verdun haben gewechselt.

Französische Beunruhigung über die Dardanellenaktion.

Der GenferTribune" zufolge beschloß die sozia­listisch-radikale Gruppe der französischen Kammer die Ausrottung der Dardanellenfrage in der Kammer. Die Anfrage der Partei fordert von dem Kriegsminister Auf- klärung über das Gerücht von bisher 65 000 Mann fran­zösischer Verluste vor den Dardanellen und über die bis­heriger! Resultate der dortigen Operationen.

Der Hilferuf an Japan.

V- Wenn sonst alles versagt, muß der Japaner helfen, oder man muß sich wenigstens so stellen, als komme er bald. Der KorrespondentRußkoje Slowo" in Tokio will denn auch jetzt aus offiziöser Quelle erfahren haben. Japan hätte sich angeboten, Truppen nach Europa zu schicke». Die Frage des aktiven Zusammenarbeitens mit der Entente werde aber erst nach Empfang der Bot- schafterberichte über die Verhandlung mit den Emente-

Vom Balkan.

Regierungen näher erörtert werden.

Vierverband und Balkan.

Wie nach derFrkf. Ztg." aus Wien verlautet, hat Rumänien die letzte Aufforderung der Entente mit der Erklärung zurückgewiesen, daß die ungarischen Festun­gen sehr stark seien und eine Offensive daher fast unmög­lich scheine, wogegen Rumänien ein offenes Land sei. Von Griechenland wird strenge Neutralität erwartet. Die Entsendung Gryparis' nach Stambul wurde von Veniselos bestätigt.

Bulgarien und die Zentralmächte.

^ Berlin, 4. September. (T.-U.) Eine bulgarische Persönlichkeit in hervorragender Stellung, die, mit. den in Sofia herrschenden Anschauungen vertraut sein durste, machte einem Mitarbeiter desB. T." in einer längeren Unterredung folgende Mitteilungen: Ich weiß, daß der Vertrag zwischen Bulgarien und der Türkei abgeschlossen ist. Er ist nur noch nicht unterzeichnet. Die Ver­zögerung gibt aber zu keiner Besorgnis oder auch nur Bedenken für die Zentralmächte Anlaß. Die uberwle- »ende Mehrzahl des bulgarischen Volkes sympathisiert in Uebereinstimmung mit seiner Regierung mit den Zen- tralmächten und ich habe sichere Nachricht, daß auch die Opposition jetzt sür die Zentralmächte Sympathien hegt. Auch unabhängig von dem Vertrage wird Bulgarien nie die Forderungen des Vierverbandes, gegen t>te Türkei zu marschieren, erfüllen. Die bulgarischen Beziehungen zur Türkei sind gegenwärtig ansgezeichnet.

Die Verständigung mit Amerika.

^ Haag, 4. September. (T.-U.) Der amerikanische Gesandte im Haag, Vadnyke, ein persönlicher Freund Wilsons, sieht eine dauernde Freundschaft zwischen Ame­rika und Deutschland voraus. Von.unterrichteter ameri­kanischer Seite wird auch eine Aenderung der amerikani­schen Politik in der Munitionsfrage für möglich gehalten, sobald Wilson die Ueberzeugung gewonnen haben wird, daß der Krieg ausschließlich durch die amerikanische Mu- nitionsliefernng verlängert wird.

Amsterdam, 4. September. (T.-U.)Het Va- derland" schreibt nach demB. T." über die Beilegung des deutsch-amerikanischen Konflikts, daß nicht nur in Amerika, sondern in allen an der Schiffahrt beteiligten neutralen Staaten die Note des Grafen Bernstorff mit einem Gefühl der Erleichterung ausgenommen werde, dürfe als sicher angenommen werden.

Der Krieg in den Kolonien.

Eine deutsche Offensive in Dentsch-Ostafrika.

Einem in London eingetroffenen Telegramm zufolge war am 24. August alles an der Grenze von Deutsch- Ostafrika ruhig. Nach Bothas Sieg in Snüwesten war eine erneute Tätigkeit des Feiudes zu bemerken, offen­bar in der Absicht, einen Angriff auf britisches Gebiet zu unternehmen. Zwei große deutsche Abteilungen, die aus Europäern bestanden, und mit Kanonen ver,ehen waren, zogen von Bismarcksburg südlich des Tangari- jikasees und von Neu-Langenburg im Nord-Njassa nach englischem und belgischem Gebiet. Es wurden sofort die nötigen Maßregeln getroffen, die Truppen zum Schutz der nördlichen Grenze zu verstärken, wahrend in aller Eile auch belgische Verstärkungen herbeigeholt wurden. Auch sollte die Regierung der südafrikanischen Union wenn nötig Truppen zum Schutze des Njassalaudes sen­den. Unter den Verstärkungstruppen war eine Anzahl von Männern, die an den Kriegsoperationen in Südwest teilnahmen. Als Folge dieser Maßregel scheint der Vor­marsch des Feindes zum Stillstarid gekommen zu sein.

Erfolg deutscher Gegenmatzregeln.

DieNordd. Allgem. Ztg." schreibt: Die dem Völker­recht widersprechende Behandlung der deutschen Krcegs- und Zivilgefangenen in Dahomey und Nordafrika durch die französischen Behörden, insbesondere ihre Heranzie­hung zu übermäßigen Arbeiten unter klimatisch äußerst ungünstigen Verhältnissen hat bekanntlich der deutschen Heeresverwaltung Veranlassung gegeben, nachdem alle Herhandlungen ergebnislos geblieben waren, eine grö­ßere Anzahl französischer Kriegsgefangener in den Moor­gegenden Nordwestdeutschlands mit der Torfgewinnung und Kultivierungsarbeiten zu, beschäftigen. Der Auf­enthalt daselbst ist ebensowenig wie die Beschäftigung gesundheitsschädlich, aber die Arbeit ist naturgemäß we­niger angenehm, als in den gewöhnlichen Gefangenen­lagern, wenn auch bei weitem nicht, so angreifend wie die Beschäftigung der deutschen ^Kriegsgefangenen im Innern Afrikas. Nachdem die deutsche Regierung er­fahren hatte, daß die deutschen Gefangenen sämtlich au» Dahomey nach gesunden Plätzen Nordafrikas verbracht worden sind, wurde ein entsprechender Teil der Fran­zosen aus den Moorgegenden in die alten Gefangenen­lager zurückgebracht. Neuerdings hat die sranzösi'che Regierung mitgeteilt, daß alle im Innern NordafAkav befindlichen deutschen Kriegsgefangenen an gemndhest- lich einwandfreie kühlere nordafrikanifche Platze gebracht worden sind. Auch hat sie sich unter der Voraussetzung der Gegenseitigkeit damit einverstanden erklärt, daß diese Plätze von geeigneten, deutscherseits v-^rzuschlagenöen neutralen Persönlichkeiten besichtigt werden. In der Voraussetzung, daß durch diese Besichtigung die ttanzü- sische Mitteilung bestätigt wird, sind auch die übrigen stanzöstschen Kriegsgefangenen aus den Moorlagern in Ue gewöhnlichen Gesgugenenlager MergeMrt worden.

krleasallerlel.

Der neue Kommandant von Warschan.

Zum Kommandanten von Warschau wurde nach dem Hamb. Korr." Generalmajor von Kinzelbach ernannt.

Neuer Verwnudetcu-Austausch zwischen Deutschland und Frankreich.

Der Austausch der schwerverwundeten deutschen und französischen Kriegsgefangenen durch die Schweiz wird in der zweiten Hälfte des September neuerdings einsetzen.

Frau v. Hiudenvurg bei der Kaiserin.

Zur Abendtafel bei der Kaiserin im Neuen Palais war am Freitag die Gemahlin des Feldmarschalls von Hindenburg geladen.

Ein Kriegsverräter verurteilt.

Der Direktor der Saarburger Gas- und Elektrizi- tätswerke, Emil Faul, wurde lautStraßburger Post" wegen Kriegsverrats zu elf Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust verurteilt.

EineKnlturtat" der Engländer.

&& Berlin, 4. September. (T.-U.) DerL.-A." meldet aus Trondjem: Dort sei die Mitteilung einge- troffen, daß die deutsche meteorologische Station in der Großbai auf Spitzbergen von den Engländern geplündert und teilweise zerstört worden ist. Die deutsche Besatzung wurde gefangen genommen Gegenwärtig lägen acht eng­lische Kriegsschiff an der Küste von Spitzbergen.

Die Lage im Hafen von Marseille.

DieNeue Züricher Zeitung" entnimmt einem Zir­kular einer schweizerischen Speditionsfirma einen Artikel aus demMarseiller Semaphore" iber die Lage im Hafen, in dem es heißt: Die Verhältnisse drohen kritisch zu werden, wenn nicht die nötigen Vorkehrungen ge­troffen werden. Ueber 37 große Dampfer mit mehr als 150,000 Tonnen warten auf die Löschung. Der Aufent­halt kostet den Importeuren Millionen, um so mehr, als die italienische Mobilmachung die allgemeinen Verhält­nisse nur noch schwieriger gestaltet. In gleichem Maße wie die Arbeitskräfte abnehmen, schwillt dte Güterstau­ung an, und die Abladung eines Dampfers, die früher drei Tage in Anspruch nahm, dauert heute 15 Tage. Un­geheure Nebenspesen für Liegegelder sind die Folge die­ses Zustandes. Er kostet Millionen. Die unumgängliche Folge ist eine allgemeine Teuerung.

Das russische Flüchtlingseleud.

DerRuskoje Slowo" vom 22. August berichtet: Der Städteverband schätzt die bis jetzt zu erwartenden Flüchtlinge auf 12 Millionen Menschen. In Smolensk treffen täglich 1015 Flüchtlingszüge ein. Die Flücht­linge fahren in Güterwagen oder auf offenen Plattfor­men. Wer kein amtlich bestätigtes Reiseziel hat, wird so­fort nach Sibirien weitergeschickt. Unter den Flüchtlin­gen befindet sich der Rigenser Irrenarzt Schönfeld mit 100 Geisteskranken! In der elementaren Bewegung herrscht keinerlei Plan der Behörden. An einzelnen Stellen stauen sich die Flüchtlinge,- in Nischni Nowgorod sind über 100 000, in Kostroma über 50 000. (Nischni Nowgorod hat 100 000 Einwohner, Kostroma 45 000.)

Der Zaberner Leutnant gefallen.

Oberleutnant Frhr. v. Forstner ist gefallen. Der B. Lok.-Anz." schreibt dazu: Sein damaliges berühmtes energisches Auftreten bei antinationalen Ausschreitungen habe sich später als durchaus gerechtfertigt erwiesen.

Die deutsche Artillerie im Osten.

DerBerl. Lokalanz." berichtet über den Beginn öer jetzigen Offensive bei Gologory am 27. August nach Aussagen gefangener Offiziere: Mit unheimlicher Prä­zision seien die Geschosse der schweren Geschütze genau in die russischen Gräben gefallen, alles vernichtend und verschüttend. Die tapfere russische Division, die sich den Nameneiserne" erworben hat, mußte regellos flüchten. Mehr als die Hälfte fiel. Gegen die so überlegene deutsche Artillerie werde Rußland niemals aufkommen können.

Dichter und Komponist derwacht am Rhein."

Zum 100. Geburtstag des Komponisten am 5. September.

Hinter der tiefdringenden Wirkung ihrer Schöpfung haben Dichter und Komponist des populärsten aller ceut= scheu Lieder etwas zurücktreten müssen. Aber vielleicht ist dies gerade das höchste Lob, das ihnen zuteil werden konnte, wenn ein Werk so zum Gemeingut des ganzen Volkes geworden ist, daß man kaum noch seiner Väter gedenkt. Der 100. Geburtstag des Komponisten gibt da­her gewünschten Anlaß, einen Blick auf das Leben jener Männer zu werfen, denen Deutschland sein Kampf- und Siegeslied verdankt. Max Schneckenburger, der Dichter, ist ein Sohn des Württembergischen Schwarz- waldes. In Thalheim kam er am 17. Februar 1819 zur Welt. Seine ganze Entwicklung zeigte nichts von einer bedeutenderen dichterischen Produktivität, bis ge­rade auf jenes einzelne Gedicht, bas seinen Namen un­sterblich gemacht hat. Schneckenburger war zr nächst in der Schweiz als Gehilfe in einem Drogengeschäft tätig und blieb bis zum Jahre 1839 in Bern. Dann wandte er sich später der Eisengießerei zu und gründete in Burg­dorf, in der Nähe der schweizerischen Hauptstadt, eine Gießerei. Der Dichter derWacht am Rhein" wurde in seinen besten Jahren aus dem Leben gerafft. Am 3. Mai 1849 verschied er in Burgdorf. In seinem Nach­laß fanden sich die 1870 erschienenenDeutschen Lieder", die aber bei Weitem nicht den Erfolg derWacht am Rhein" erreichten. Der Dichter hinterließ eine Witwe und zwei Söhne.

In ähnlich ruhigen Bahnen verlies das Leben des Komponisten K a r l W i l he l m. Er wurde am 5. Sep­tember 1815 in Schrnalkalöen als Sohn eines kleinen Stadtmusikers geboren, der ein nur kümmerliches Ein­kommen bezog und sich schlecht und recht durchs Leben schlug. Es macht den Eltern Wilhelms alle Ehre, daß sie trotz des mehr als bescheidenen Zuschnittes ihres Hau­ses ihren Sohn Karl, der schon frühzeitig musikalische Veranlagung offenbarte, eine gediegene künstlerische Ausbildung angedeihen ließen. So ging dann der junge Mann nach Cassel und Frankfurt a. Main, um im Kla­vierspiel bei Alois Schmidt und in der Komposition bei Andrs Unterricht zu nehmen. In Frankfurt a./Main wußte sich Wilhelm bald eine ganz erträgliche Position zu verschaffen. Ihm fielen reichliche Stunden zu, mit denen er sich ein gutes Auskommen hatte sichern können, wenn er von der haushälterischen Veranlagung feiner Eltern nur ein Fünkchen geerbt hätte. Auf Wilhelms Frankfurter Zei el ein schwerer Mittler Schatteu. Es spielte sich h er ein Ereignis ab, das er Zeit seines Lebens nicht hat verwinden können. Eine seinem Herzen nahestehende Dame hatte sich in einer nachtwandlerischen Anwandlung Dache eines Hauses .gestürzt und -lieb zerlchmettevt am Boden liegen. Seit diesem tra­gischen Ereignis verdüsterte sich das Gemüt des jungen . Musil.rs und -..ne gewisse Menschenscheu haftete ihm 1

nun Sets fesches Lebens an. 1840 glückte es ihm in Krefeld eine gute Anstellung als Musikdirektor und Leiter mehrerer Gesangvereine zu finden. Krefeld be- d-eutete für ihn den Wendepunkt seines Lebens, den Aufstieg zur Weltberühmtbeit, denn hier schuf er anläß­lich der silbernen Hochzeitsfeier des damaligen Prinzen Wilheltti von Preußen, des späteren ersten deutschen Kaisers, seine unveraesgickeWacht am Rhein".

Allerdings flog ihm der Ruhm nicht in der Nacht zu. Das Kriegs- und Siegesjahr 1870 erst hat Karl Wilhelm zu einem der volkstümlichsten deutschen Komponisten gemacht, dessen Weise überall dort, wo mau in deutscher Zunge singt, die Herzen höher schlagen läßt. Leider nahm die Sclmffettsfreudigkeit Wilhelms immer mit zunehmen­dem Alter immer mehr ab. Menschenscheu, arbeits- unlustig und verdüstert, zog er sich in sich selbst zurück und wurde ein verschlossener, stummer Mann. Als er 1865 in Krefeld seine Stellung aufgab, übersiedelte er nach seiner Vaterstadt und lebte bei der hochbetagten Mutter. Die zahllosen Ehrungen, die der Komponist nach Beendigung des siegreichen Krieges empfing, mögen wohl ein wenig sein umdüstertes Gemüt ausgehalten haben. Der größte Triumph seines Lebens war jcueS denkwürdige Konzert am 20. November 1870 im Zirkus Renz, tu dem er zum lebten Mal unter den rauschenden Huldigungen der Berliner seinen unsterblichen Saug dirigierte. Am 26. August 1873 giug Karl Wilhelm, von seinen Mitbürgern und dem ganzen Volke hochgeehrt, dahin.

Vermischtes.

Kriegsyumor. Anzüglich.Was sind Sie?" Re­dakteur, Herr Hauptmanu."Schöu, Sie kommen ans Scherenfernrohr." Vorausgeseyen. Madame: 's Eiserne Kreuz hat Ihr Bräutigam gekriegt? Da dürfen Sie aus der Speisekammer eine recht große Wurst nehmen." Köchin:Ist schort abgeschickt, gnädige Frau!" Schwierig.Det Kartenlesen is dochne dolle Jeschtchte! Det ocne Mal stimmt de Karte nich mtö det andere Mal wieder de Jegend nich."

Aus Groduos vergangeicheit und Gegenwart.

Nur nod) eine Feste hält Nusilarid au der so lange und zäh verteidigten Niemen-Linie, und auch ihr Fall scheittt jetzt nur noch nach Tagell 31t zählen. Wie Kowuo, so überrascht auch Groduo durch seine malerische Lage. Der Njemen durchschueidet hier eine Hügellandschaft >lnö bildet ein landschaftlich überaus reizvolles Tal, dessen Ränder etwa 30 Meter hoch nnd zteniltch steil aus- ragen. So, am tiefen Flußtale, liegt Grodno auf dem rechten Ufer des Njemens ausgebreitet aber, freilich hält die Stadt, wenn man sie betritt, nicht, was der erste Blick auf sie zu versprechen scheint. Denn es ist eine Stadt von Hütten und Kleinhäusern, unter denen sich hier und da, gennsserrnaßen unvermittelt, stattliche Ge­bäude, alte Paläste und moderne Bauten erheben.

Das Grodno von heute ist nicht mehr, was das Grodno von einst war. Heute ist Grodno eine recht leb­hafte Fabrik- und Handelsstadt, deren Industrie sich hauptsächlich auf die Erzeugung von Tuch, deren Handel sich auf das Getreide stutzt, und von den reichlich 40 OOC Einwohnern, die die Stadt zählt, sind mindestens zwei Drittel Juden. Ein ganzes Viertel ist von mohamme­danischen Tartaren bewohnt, die übrigens in Svkolka, auf halbem Wege zwischen Grodno und Bialnstok, eine eigene größere Ansiedelung haben. Aber was ist Grodno nicht einst gewesen! Es zählt zu den wichtigsten und ge­schichtlich ältesten Stadien des litauischen Landes, mit dessen Hauptstadt Wilna es von je in alter und reger Verbindung gestanden hat. Die Stadt hat nicht immer den heutigen Namen getragen, sondern hieß in alten Zeiten Horodna, und unter diesem Narnen wird sie im Jahre 1120 zuerst erwähnt, um von tiefer Zeit ab in der Geschichte Polens und Litauens zu den meist­genannten und meistumkümpften Plätzen zu gehören.

Die großen Völker- und Gefchichtsschicksale haben fast regelmäßig auch Grodno in ihren Bereich gezogen: der Mongolensturm von 1241 hat die Njemenstadt bei­nahe weggefegt,- später sind die Ritter vom Deutschen Orden wiederholt siegreich vor ihren Wällen erschienen und haben die Skadt durch schwere Zerstörungen ihre Neberlegenheit fühlen lasten. Ihre Glanzzeit setzte im 16. Jahrhundert ein, als König Stefan Bathorn Grodno zu seiner Residenz erhob, und seit 1675 hat ;eocr dritte dritte polnische Reichstag hier seine Sitzungen abge- halten. Die (Whtchte des polnischen Reichstages ist es dann gewesen, die Grodno zu einem düsteren Namen in Polens Geschichte gemacht hat, denn hier ward im Jahre 1793 die zweite Teilung des Königreiches be­stätigt, und im Jahre 1795 legte König Stanislaus Au­gust hier eudgültig seine Krone nieder! Und so spiegelt sich denn auch in deu bemerkenswerteren Bauten, die das niedere und kümmerliche Häusergewimmel von Grodno überragen, die Tatsache wieder, daß seine Glanz­zeit dem 16. und 17. Jahrhundert augehört. Die Bernhardinerkirche, deren Leidensstationen beachtens­werte Rildhauerwerke sind, ist kurz vor 1600 entstan­den, und die Pfarrkirche, die ein gutes Jahrzehnt später erbaut ist, erzählt mit ihrem schweren Barockstile von der Zeit, wo Grodno der Mittelpunkt eines reichen und lebenslustigen polnischen Adels war.

Weitere Drahtnachrichten.

Das einzige Sichere.

w> London, 4. September. (WTB.) Der militäri­sche Korrespondeitt derMorning Post schreibt: Man kommt über die Tatsache nicht hinweg, daß der Feind sehr bestimmte und bedentende Erfolge errnngen bat. Sie begannen im Frühling mit der Durchbrechung der russischen Offensive in den Karpathen gerade als biete größeres Ergebnis versprach. Seit Anfang Mai ruckte der Feind unter ständigen heftigen Kämpfen vor, aber ohne auf ein ernstes Hindernis zu stoßen. Er ist eilt im vollen Besitze der russischen ersten Verteidigungslinie und im Begriff, die zweite Linie Riemen-Bug zu, neh­men. Alle Festungen Westrußlands sind in den Händen des Feindes mit der einzigen Ausnahme Grvdnos, besten Schicksal nicht bezweifelt werden kann und sich in weni­gen Tagen entscheiden muß. Der Verfa >er fahrt fort, weiter könne man über die Lage nichts agen, als daß völlige Unsicherheit über Deutschlands wei ere Pläne das einzige Sichere sei.

Japanisch-amerikanischer Gegensatz in China.

Petersburg, 4. September. (WTB.) Russische Zeitungen melden aus Tokio: Die japanische Presse verfolgt mit steigender Beunruhigung die wirtschaftlichen Erfolge Amerikas in China und spricht von einer amerU konischen Gefahr. Amerika bereite augenscheinlich ein Bündnis mit China vor und gründe Banken, Dampfer- gesellschaften usw. weil es wirtschaftliche Macht erlangen wolle.