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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

SersWer

für den Kreis Hersfeld

Kreisblatt

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Nr. 205.

Donnerstag, den 2. September

1915

Amtlicher Teil.

Hersfeld, den 27. August 1915.

Unter den Viehbeständen der Landwirte Wilhelm H. Friedrich, Hermann Rauch, Adolf Friedrich, Ernst Gottlieb Friedrich und Chr. Hohmann in Frankenheim, Bezirk Dermbach, ist die Maul- und Klauenseuche aus­gebrochen.

I. 10143. Der Landrat.

J. V.:

v. Doernberg,

Reg.-Referendar.

Ministerium für Landwirtschaft, Do­mänen und Forsten.

Berlin w. 9, den 7. August 1915.

Es ist von Wichtigkeit, daß die in diesem Jahre vielerorts zu erwartende Eich- und Buchmast im Interesse der Volksernährung und zur Erleichterung der Viehhaltung nach Möglichkeit ausgenutzt wird.

Das kann geschehen durch den Eintrieb von Schweinen auch Schafen in die masttragenden Bestände, durch das Einsammeln der Eicheln und Bucheln zwecks späterer Verfütterung im Stalle und durch die Herstellung von Speiseöl aus Bucheln, deren Preßrückstände zugleich einen guten Futterküchen für Rindvieh, Schweine und Schafe liefern.

Die Oelbereitung aus Bucheln ist bei dem be­stehenden Mangel an Speiseölen von hervorragendem gemeinwirtschaftlichen Interesse.

Ueber den Eintrieb von Schweinen usw. in die Staatsforsten ist seit Ausbruch des Krieges eine Reihe von allgemeinen Verfügungen ergangen, die nament­lich auch hinsichtlich der Unentgeltlichkeit des Ein- triebes von Schweinen auch für die masttragenden Bestände in Kraft bleiben. Den Schweinen usw. sind aber im kommenden Herbst, wie ich hiermit bestimme, von den masttragenden Beständen nur die zu öffnen, die entweder wegen der Geringfügigkeit der Mast oder wegen mangelnder Arbeitskräfte überhaupt nicht angesammelt werden können oder in denen das Sammelgeschäft bereits beendet wurde.

Ueber das Sammeln von Eicheln und Bucheln in den Staatsforsten im kommenden Herbst bestimme ich folgendes:

1. Das Sammeln erfolgt grundsätzlich für Rechnung der Verwaltung. Sammelerlaubnisscheme sind nur unter den Voraussetzungen der lfd. Nr. 7 dieser Ver­fügung auszugeben.

2. Das Sammeln soll nach Möglichkeit in allen hier­für überhaupt in Betracht kommenden Beständen durch­geführt werden und ist, damit dieses Ziel erreicht wird, in Angriff zn nehmen, sobald die Früchte in aus­reichender Menge gefallen find, und der Stand der landwirtschaftlichen Arbeiten, insbesondere der der Kartoffelernte, die Inanspruchnahme größerer Mengen von Arbeitskräften für den Wald gestattet. Eine Schädigung der landwirtschaftlichen Interessen durch vorzeitiges Heranziehen der Anwohner des Waldes zum Sammeln von Eicheln und Bucheln ist unter allen Umständen zu vermeiden.

3. Der zuständige Forstbeamte hat das Sammeln zu leiten und zu überwachen und ist dafür verantwort­lich, daß es innerhalb seines Dienstbezirks, soweit ihm die erforderlichen Arbeitskräfte zur Verfügung stehen, sachgemäß und im Sinne der lfd. Nr. 2 dieses Erlasses auch vollständig durchgeführt wird.

4. Wo das einfache Auflesen der Bucheln vorn Boden nicht hinreichend fördert, kann auch ihr Abklopfen von öen masttragenden Kronen auf untergebreitete Tücher oder ihr Zusammenfegen mit nachfolgender Reinigung des gewonnenen Gutes durch Werfen und Sieben in Frage kommen.

5. Das Sammeln wird vorzugsweise mit Frauen und Kindern und in der Regel gegen Stücklohn nach Gewicht auszuführen sein.

Der Stücklohn, der in der Regel die Vergütung aller Arbeit bis zur Ablieferung des gereinigten Sa­mens an die Verwaltung in sich schließen soll, ist so reichlich zu bemessen, daß er einen starken Anreiz zur, Beteiligung an dem Sammeln in sich trägt. Er wird um so höher festzusetzen sein, je geringer die Mast aus­gefallen ist.

Neben.der Höhe des Sammellohnes wird auch dre Zahl und bequeme Lage der Abnahmestellen sowie die rasche Zahlung der verdienten Löhne das Angebot von Sammlern günstig beeinflussen können.

6. Die von den Sammlern abgelieferten Fruchte sind von der Verwaltung nach einer der gebräuchlichen Methoden mit Sorgfalt zu behandeln und bis zur weiteren diesseitigen Bestimmung über ihre Ver­wertung aufzubewahren.

7. Hat die Verwaltung das Sammeln für eigene Rechnung, eingestellt, so können diejenigen Personen, die sich an dem Sammeln gegen Lohn mit Eifer be­teiligt haben, Erlaubnisscheine zum Sammeln für den eigenen Bedarf in bestimmten hierzu angewiesenen Beständen ohne Entgelt erhalten.

Freiherr von SchorIemer.

Zeichnet die dritte Kriegsanleihe!

Abermals ergeht an das gesamte deutsche

Volk die Aufforderung:

Schafft die Mittel herbei, deren das

Vaterland zur weiteren Kriegführung notwendig bedarf!

Seit mehr als Jahresfrist steht Deutschland einer West von Feinden gegenüber, die ihm an Zahl weit überlegen sind und sich seine Vernichtung zum Ziel gefegt haben. Gewaltige Waffentaten unseres Heeres imb unserer Flotte, großartige wirt­schaftliche Leistungen keunzeichuen das abgelaufene Kriegsjahr und geben Gewähr für einen günstigen Ausgang des Weltkrieges, den in Deutschland niemand gewünscht hat, auf dessen Entfesselung aber die Politik unserer heutigen Gegner seit Jnh- ren zielbewußt hingearbeitet hat. Aber noch liegt Schweres vor uns, noch gilt es, alles eiuzusetzen, weit alles auf dem Spiele steht. Täglich mib stündlich wagen unsere Brüder nnb Sohne draußen im Felde ihr Leben im Dampfe für das Vaterland. Jetzt sollen die Daheimgebliebeueu neue Geldmittel herbeischaffeu, damit unsere Helden draußen mit den zum Leben und Kämpfen notwendigen Dingen ausgestattet werden können. Ehrensache ist es für jeden, dem Vaterlande in dieser großen, über die Zukunft des deutschen Volkes entscheidenden Zeit mit allen Kräften zu dieuen und zu helfen. Und wer bent Rufe Folge leistet nnb die Kriegsanleihe zeichnet, bringt nicht einmal ein Opfer, sondern wahrt zugleich sein eigenes Interesse, indem er Wertpapiere von hervorragender Sicherheit und glänzender Verzinsung erwirbt.

Darum zeichnet die Kriegsanleihe! Zeichnet selbst und helft die Gleichgültigen aufrütteln! Auf jede, auch die kleinste Zeichnung kommt es an. Jeder muß nach seinem besten Können und Ver­mögen dazu beitragen, daß das große Werk ge­lingt. Von den beiden ersten Kriegsanleihen hat man mit Recht gesagt, daß sie gewonnene Schlach­ten bedeuten. Auch das Ergebnis der laut Heiltiger Bekanntmachung des Reichsbank-Direktoriums zur Zeichnung aufgelegten dritten Kriegsanleihe muß sich wieder zu einem großen entfc()eibenben Siege gestalten!

Bus der Heimat

* (Winterkohl.) Ein wertvolles Gemüse ist der Winterkohl. Er kommt im jedesmal folgenden Jahre Ende Juni an den Markt, findet dann flotten Absatz und wird gut bezahlt. Da er nicht, wie z. B. Spinat oder Salat, ausschießt oder wie andere Ge­müse hart wird, so kann man ihn im großen wie anderen Kohl anbauen. Die Kultur ist dieselbe wie bei anderem Kohl. Land, das sich zu Kohl eignet, gute Düngung, bestehend in Stallmist und einer Bei­gabe von Kalt und Superphosphat, sind Bedingungen. Die Aussaat des Samens für Winterkohl muß spätestens Ende August geschehen. Man säet in Reihen, nicht auf frischen Dünger, sondern gibt Kali und Phosphorsäure. Nachdem die Pflanzen ausge­laufen sind, werden sie gereinigt und vor Raupenplage, die im Nachsommer sehr oft ein tritt,, in acht genommen. Eine Winterkohlpflanze soll kräftig sein, dae rauhem Wetter und Frost trotzen soll. Es gibt nun, so nhrt E. H. Meyer-Braunschweig in der Deutjchen Land­wirtschaftlichen Presse aus, zwei Wege, die Winter­kohlpflanze zu überwintern. Einmal, indem man sie an Ort und Stelle auspflanzt. Und zwar wird der Kohl wie Sommerkohl gepflanzt, soweit die Weite in Frage kommt. Wohl aber muß die Pflanze so tief gesetzt werden, daß der gat^e Strunk in der Erde

steht, so daß das Herz mit der Erde gleich steht. Würde der Strunk über der Erde stehen, so erfröre er. Zwischen die Reihen pflanzt mall Wintersalat. Dieser gibt im Mai eine willkommene Zwischenernte. Eine zweite Methode besteht darin, daß die Pflanzen ein- geschlagen und im Frühjahr gepflanzt werden. Hierin liegt and) ein großer Vorteil, da man die Pflanzen gegen Wildfraß schützt und im Frühjahr auf frisches Land pflanzen kann. Zu diesem Zwecke werden die Pflanzen Anfang November ausgenommen und tief eingeschlagen, daß auch der Strunk in die Erde kommt. Man bedeckt die Pflanzen darin mit Erbsenreisig, um Wild oder Hühner und Krähen abzuhalten. Wer über Mistbeete verfügt, kann sie hier überwintern. Keines- wegs samt man sie aber da, wo sie gesät sind, ohne sie aufzunehmen, überwintern. Als beste Sorte kommen für Weißkohl in Frage: Maispitz oder Zuck­kohl und Expreß, beide schon Anfang Juni verkäuflich. Sie bilden aber keine festen Köpfe, und sobald andere Sorten kommen sind sie schwer verkäuflich. Daher soll man Casseler nnb Weinigstedter ober Glückstädter nebenbei pflanzen. Vorn Wirsing eignen sich Kitzinger und Wolfenbüttler und vorn Rotkohl Berliner. Je nach der Gegend gibt es auch andere Sorten. Winter- kohl ist bedeutend früher als Mistbeetaussaaten im Frühjahr. Das kann man am besten baran sehen, wenn man ansgebliebene Pflanzen durch Mistbeet­pflanzen ersetzt, dann kommen die letzteren 84 Wochen später.

* Der Vorstand des Verbandes deutscher E i s e n b a h n h a n d w e r k e r und -Arbeiter be­schloß, zu der kommenden dritten Kriegsanleihe wieder den Betrag von 200 000 Mark zu zeichnen. Insge­sammt würbe nunmehr der Verband nahezu zwei Drittel seines Vermögens in Kriegsanleihe angelegt haben, während er einen Teil der Kriegsfürsorgetätig- keit geopfert hat.

* (5 i n ? V ' : hzwt s ch en ; ä h l u n g.) Der Bundesrat hat beschlossen, daß am 1. Oktober b. J. eine Viehzählung stattfindet. Die Zählung erstreckt sich auf Pferde, Rindvieh, Schafe, Schweine, Ziegen u. Federvieh.

Allendorf a. W., 30. August. Die zahlreichen Niederschläge der letzten Wochen waren für die Ent­wickelung der Tabakpflanzen äußerst förderlich, denn der spitzblätterige sowohl als auch der rundblütterige Tabak weisen durchschnittlich einen guten Stand auf. Die diesjährige Tabakernte scheint somit auch hier im unteren Werratale einen guten Ertrag zu liefern.

Uslar, 30. August. (Zwangsverkauf der So llinger Hütte.) Das vormals königliche, im vergangenen Jahr zu einem Kaufpreis von 600 000 Mark in Privatbesitz übergegangene Werk war neuer­dings auf 400.000 Mark abgeschätzt worden. Im Konkursverfahren wurde es nun zwangsweise aus- geboten und erzielte heute ein Höchstgebot von 160.000 Mark, abgegeben von einem Herrn aus Dortmund. Man glaubt jedoch nicht, daß der Zuschlag erteilt werden wird.

Friedberg, 30. August. In nachahmenswerter Weise schreitet auf dem hiesigen Wochenmarkt die Po­lizei gegen die Preistreiber und Leben^mittelwucherer ein. Sie prüfte die Verkaufspreise, und wo zwischen Einkauf und Verkauf ein zu großer Unterschied klaffte, brächte sie die Händler rücksicktslos zur Anzeige. Außerdem wurde verboten, Ueberstand zurückzulassen. Die Folge war, daß der Markt ein rechtnormales" Aussehen in wenigen Viertelstunden erhielt und seit Monaten nicht dagewesene Preise aufwies.

Erfurt, 28. August. Hier ereigneten sich zwei töd­liche Eisenbahnunfälle. Der zwanzigjährige Strecken­arbeiter Oskar Müller aus Gräfental wurde von einem einfahrenden Schnellzug überfahren und blieb sogleich tot. Dann verunglückte der sechzehnjährige, aushilfsweise als Heizer beschäftigte Arbeiter Victor Müller dadurch, daß er unter eine Feldbahnlokmotlve kroch, um eine kleine Reparatur vorzunehmen. Der Lokomotivführer hatte dies nicht bemerkt und uberfuhr seinen Heizer, der bald nach dem Unfall starb.

Bom Eichsfelde, 31. August. Ein schwerer Un­glücksfall ereignete sich auf dem Kaliwerk NeubleM robe zu Neustadt (Kr. Worbts). Durch plötzttch nieder­gehendes Gestein wurde der Bergmann H. Schütze aus Großbodungen sehr schwer am Kopf und am Bein verletzt. Er wurde im Automobil nach dem Bleiche- röder Knappschaftskrankenhause geschafft, wo er kurz nach seiner Einlieferung verschied. Der Verunglückte, ein fleißiger Arbeiter und fürforgenber Familien­vater, hinterläßt Frau und zwei kleine Kinder.

Pößneck, 30. August. In der. Gemeinderatssitzung fielen scharfe Worte über die Mehlverforgung unserer Stadt. Ein Stadtverordneter bezeichnete das kürzlich gelieferte Mehl als Saufutter und von fachmännischer Seite wurde versichert, daß das Mehl selbst für das Vieh zu schlecht gewesen sei. Proben des Mehles sind an das Nahrungsmittel-Untersuchungsamt zu Jena gesandt worden. Ein Gutachten ist noch nicht eingegangen.