Meretzc, südNch von Olita, erschten das Schicksal auch der zweiten Riemen-Festung Olita besiegelt. Tatsächlich konnte unser Generalstab, bereits,einen Tag später, am 27. August, melden, daß auch diese Festung sich bereits in den Händen unserer Truppen befinde. Noch blieb nun Grodno, der starke siidliche Eckpfeiler der Njemcn- Linie, übrig, als letzter Rest einer vergangenen Herrlichkeit und fast unbezwingbaren Sperre. Aber schon mit der Nachricht von dem Falle von Olita teilte unser Generalstab kurz mit, daß „unsere Truppen weiter südlich gegen den Njemen im Vorgehen seien". Weiter südlich liegt aber die Festung Grodno am Njemen. Mit der endgültigen Bezwingung der Njemen-Linie, die durch die sicher zu erwartende Eroberung von Grodno ihren Abschluß erhält, ist der ganze Riesenwall zu- iammengebrvchen und damit die Hoffnung der Russen, mrS diesem Ausfallstor noch einmal plündernd und nwrdend gegen die deutschen Grenzen hervorzubrechen. Ein gewaltiges Werk, das in kurzen Wochen von unseren siegreichen und ruhmgekrönten Truppen getan wurde. (3.)
. f Von der Westfront.
Englands Werbung um farbige Truppen.
w> London, 30. August. (T.-U.) Reuter meldet aus Kapstadt: General Smuta ist geneigt, die Frage der Anwerbung von Farbigen für die Heere der Verbündeten an prüfen. Er hofft es möglich machen zu können, recht viele Farbige in tue Armeen der Verbündeten auf- zunehrneu.
Ernste Lage im englischen Kohlenrevier.
Der Streik der Kohlenarbeiter macht der englischen Regierung große Sorgen. Die „Morningpost" meldet aus Cardifs: Der Arbeiterführer Hartshorn riet den Arbeitern in einer Rede in Abertillery, ihr Pulver '.rocken zu halten und für die Interessen des Gewerk- schaftsverbaudes zu sorgen, solange sie die Macht in Händen hätten, denn nach der Einführung der Wehrpflicht müßten sie verhungern. Die jetzigen Schwierigkeiten seien größer als seit Beginn des Streites. Aber selbst, wenn die ganze Regierung gegen sie wäre, hätten doch die Arbeiter recht und die Regierung unrecht. Lloyd George müsse seine Zusage erfüllen, dann würden die Bergleute die Arbeit sofort wieder aufnehmen. — Die Wirkung der Rede waren neue Streiks.
>^ Genf, 30. August. (T. U.) Die Ausdehnung des englischen Kohlenarbeiterstreiks erregt in der Pariser Presse fortgesetzt Erbitterung. Alle Blätter bringen lange Londoner Berichte, nach welchen die Zahl der Streikenden auf 100 000 gestiegen ist.
Bericht des türkischen Hauptquartiers.
Konstantinopel, 29. August. (WTB.) Das Haupt- guartier teilt mit: An der Dardanellenfront griff der Feind in der Gegend von Anaforta am 27. August nach artilleristischer Vorbereitung zu Wasser und zn Lande unseren rechten Flügel bei Kiretschtepe und nnser Zentrum südlich von Asmodere an. Er wurde an beiden Orten unter schweren Verlusten zurückgeschlagen, ohne irgendeinen Erfolg erzielt zu haben. Bei Kiretschtepe vernichteten wir ein feindliches Bataillon. Unser Zentrum griff der Feind dreimal an; wir wiesen ihn jedesmal mit schweren Verlusten zurück. Unsere Artillerie traf wiederholt einen feindlichen Kreuzer und ein Transportschiff. Bei Ari Burnu auf dem rechten Flügel fand in der Nacht vom 26. zum 27. August wiederholt Bomben- werfen statt. Unsere Artillerie beschädigte ein feindliches Transportschiff und einen Schlepper. Bei Seddnl Bahr das gewöhnliche Artillerie- und Jnfanteriefeuer. — Von den übrigen Kriegsschauplätze» nichts Besonderes.
Der Balkan.
Bulgarien nnö die Türkei.
Der „Franks. Ztg." wird aus Budapest gemeldet: Die formelle Unterzeichnung des nach erfolgreichen Verhandlungen zustande gekommenen türkisch-bulgarischen Vertrages wird, wie „Az Est" aus Sofia erfährt, erst später erfolgen, da die Ententemächte bisher noch keine Antwort erhielten und auch die Verhandlungen mit Serbien noch nicht abgeschlossen sind. Es ist einfache Höslich- keitspflicht, vor Abschluß dieser Verhandlungen den Vertrag nicht zu unterzeichnen bezw. die getroffenen Vereinbarungen nicht zu veröffentlichen.
Chiasso, 30. August. (T.-U.) Wie die „Tribuna" nach dem „B. L.-A." über Athen erfährt, hat Bulgarien den Hafen von Warna am Schwarzen Meer mit schweren Kanonen ausgerüstet. Entgegen der Ansicht der politischen Kreise von Athen, die die Maßregel als gegen Rußland gerichtet erachten, glaubt das römische Blatt, daß Bulgarien damit seine Vorsicht gegenüber der Türkei ^Tie” Ansicht des römischen Blattes trifft sicherlich nicht zu.
Verständiges rumänisches Urteil.
Oberst Soirnescu veröffentlicht im „Universul" eine Darstellung über die von Rumänien einzunehmende Haltung, in der es heißt: Da die Russen in Rumänien nichts anderes als die Schwelle zur Verwirklichung ihrer Absichten bezüglich der Dardanellen sehen, ist es zweifellos, daß unsere nationale Aufgabe neben einem starken Deutschland und Oesterreich-Ungarn eine in ihrem Gebiete gefestigte Türkei erfordert. L-mmeseu meint schließlich, daß auch die Interessen Bulgariens und.Griechenlands sich in dieser Frage mit denen. Rumäniens treffen. Es sei die gemeinsame Aufgabe dieser Lander, sich der Verwirklichung des Testamentes Peters des Großen entgegenzusetzen.
Gegenforderungen Serbiens.
Lyoner Blätter melden aus Saloniki, daß Paschitsch in seiner Antwort an den Vierverband u. a. am der Notwendigkeit bestehen wird, an Serbien einen Teil Nordalbaniens und größere Gebiete der dalmatinischen Küste abzutreten. In der Antwort wird Pafchitich gegen die Abtretung Monastirs an Bulgarien entschieden Stellung nehmen.
Kriegsallerlei.
Das Eiserne Kreuz für den Grafen Schwerin.
Berlin, 30. August. Dem Präsidenten des Abgeordnetenhauses Graf v. Schwerin-Lowitz wurde das Eiserne Kreuz am weiß-schwarzen Bande verliehen.
Plumper Schwindel.
In einem Artikel der NorddeutschenAllgemeinen Zeitung heißt es: Der als deutichfet^lich bekannte Amsterdamer „Telegraaf" brächte krMlich einen ihm angeblich aus Berlin zugegangenen Bericht Wer eine beim Reichskanzler stattgehabte Geheiuckonferenz unt Reichs- tagsabgeordneten. Nach dem „Telegracn wi in jener Geheimkonferenz vom Reichskanzler und dem Reichsschatzsekretär die Vorbereitung von für die Verbünd^ien annehmbaren Friedensvorschlügen gefordert worden, da die Schwierigkeiten Deutschlands sich immer mehr tigerten und ein völliger Bankerott drohe. General von Moltke und Dr, DLrvburs SMen &fii£ ä£iiunuiiuften
Ausführungen ergänz« Der Kanzler habe erklärt, wenn der, Reichstag eine unversöhnliche Haltung einnehme, müßte er zurücktreten, da er die Verantwortung für Deutschlands Zusammenbruch nicht übernehmen könne. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" stellt fest, daß dieser plumpe Schwindel sogar von den , Times" als plumpe Erfindung charakterisiert wird.
Englische Furcht vor Luftangriffen.
Ein norwegisches Provinzblatt veröffentlicht den Brief einer englischen Dame in einer der Küstenstädte Ostenglands, das offenbar ein unverhülltes Bild des wahren Zustandes gibt, der augenblicklich in den englischen Küstenstädten herrscht und zugleich zeigt, wie die Engländer die Lage selbst auffassen. Die Engländerin schreibt: Man lebt jetzt hier in einer beständigen Angst vor den deutschen Luftangriffen, aber nicht bloß vor ihnen, denn wer weiß, wie weit die draufgängerischen Deutschen noch kommen können. In der Stadt herrscht der reine Kriegsznstand. Alle Einwohner haben von den Militärbehörden Gesichtsmasken ausgeliefert bekommen, um sich gegen etwaige Luftbombardements mit Gasbomben zu beschützen. Aber nicht genug hiermit. Wir haben Befehl erhalten, uns zur augenblicklichen Räumung der Stadt im Falle eines Angriffs bereitzuhalten. Alle Wertsachen stehen fertig verpackt, um augenblicklich weggeschafft werden zu können. Soldaten sind überall massenweise zn sehen. Die ganze Küste ist wie ein großes Feldlager, und man ist auf alle Möglichkeiten gefaßt. Die Stimmung unter den Zivilisten zeigt das Gepräge einer unheimlichen Nervosität.
„Wie man sieht," fügt das norwegische Blatt hinzu, „hält man jetzt in England selbst die Lage für ernst."
Regierungsfeindliche Ausschreitungen in Moskau.
Der Petersburger „Rjetsch" meldet: Am 23. August wurden in den Hauptstädten Rußland Gerüchte verbreitet. daß Kowno wiedererobert nnd die Dardanellen gefallen feien. In Petersburg und Moskau fanden Kundgebungen statt, obwohl die Polizei diese sogar unter Androhung von Strafen, verboten hatte. In Moskau artete die Kundgebung in eine regierungsfeindliche Demonstration aus. Im Verlaufe derselben kam es zu einem Handgemenge zwischen Polizei und Volk. Viele Personen und auch Polizisten wurden verwundet.
Bryan als Friedensbote?
Wie aus Neunork gemeldet wird, soll Bryan nach Europa gehen, um zu versuchen, zwischen den Kriegführenden zn vermitteln.
Russische Drückeberger.
Laut „Rußkoje Slowo" wurde zur Vorbeugung gegen Drückebergerei nnd Bestechungen das russische Aerztepersonal bei den Aushebungen des Jahrgangs 1917 durch französische, englische nnd nentrale Aerzte ersetzt. In Odessa wurde festgestellt, daß Massen von jungen Männern im Einberufungsalter in letzter Zeit wegen geringfügiger Vergehen unter Anklage gestellt wurden. Alle Anklagen sind von Angehörigen und Freunden der Betreffenden eingereicht, um sie vom Militärdienst zu befreien, da Leute, welche augeklagt sind, vorläufig nicht zum Militär kommen.
Vermischtes.
Galvestone von einer Sturmflut heimgesucht. Nach Drahtberichten aus Neunork ist Galvestone von einer furchtbaren Sturmflut heimgesucht worden. In der Nacht zwischen Montag und Dienstag ergoß sich die Flut über die Insel, auf der Galvestone liegt. Ein großer Teil der Stadt ist zerstört worden. Gegen 000 Menschen sind umgekommen. Der Sachschaden ist sehr groß. Unter anderem ist die große Eisenbahnbrücke, welche die Verbindung mit dem Festlands bildet, vollständig vernichtet, so daß die bedeutende Ausfuhr von Kohlen und Baumwolle, die über Galvestone geleitet wird, bis auf weiteres vollständig eingestellt werden muß. Die Sturmflut war von einem Orkan begleitet, der unermeßlichen Schaden an der Baumwollernte in Texas anaertchtet hat.
Die italienischen Vulkane in voller Tätigkeit Wie „New York Herald" meldet, stehen der Vesuv, der Aetna nnd der Stromboli in voller Tätigkeit. Im Vesuv-Observatorium seien alle Instrumente durch Er,chütterungen zerstört worden. Im Aetna hätten sich zwei neue Krater gebildet, und der Stromboli speie Asche und Feuergarben aus. Der Lavastrom ergieße sich ins Meer. In «üd- italien habe die Erde bis Tarent und Brindtsi gezittert.
Kriegshumor. Bei der Kriegsseldbesiellung. „Sind denn die Ochsen gar zu dumm, daß sie fortwährend so furchtbar schimpfen müssen?" „Na, im Gegenteil, die san viel zu gescheit . .... die woll' net arbeiten!" — Eier-Teuerung. Gast: „Ich möchte etwas essen, wo keine Eier d'rin sind." Wirt: ,Hm, da essen S' Eierkuchen!" Bei Ankunft der Feldpost. Soldat: „Von meinen Freunden am Stammtisch bekomme ich regelmässig bie Zeitungen zugeschickt, aber leider und sie nie vollständig „Wieso?" „Es ist niemals etwas d'nn eingewcckelt!" — „Gibt s nicht mehr! Ladendiebin: „Aber, Herr Schutzmann, ich habe ia gar nicht stehlen wollen — ich weiß selbst nicht, wie ich dazu gekommen bin - ich glaube, ich leid«-am^Kleptomanie!" - Schulmann: „Nee, nee, Verehrteste, Fremdwörter gibt s letzt nicht mehr " („Fliegende Blatter.")
Sie neue Kriegsanleihe.
Der Minister des Innern v. Loebell hat an sämtliche öffentliche Sparkassen Preußens einen Erlaß gerichtet, in dem er betont, daß das Reich in den «Schuldverschreibungen der dritten Kriegsanleihe wiederum ein mundel- sicheres, vorzügliches Anlagepapier bietet, zum Ausgabe- krirse von 99, mit 5 v. H. verzinslich, unkündbar bis zum 1 Oktober 1924 in Stücken von 100 Mark aufwärts für jedermann im Volke, selbst dem kleinsten Sparer zu- ^'^TieErgebnisse der früheren Äriegsm,leihen beweisen die Bedeutung der Sparkassen für die Heranziehung der Fast genau ein Drittel der zweiten 3016 Mill. Mark ist in diesen kleinen
kleinen Sparer. L
BetEü^gezeichnet worden! Hierauf wird also wiede- rum das Hauptaugenmerk der Sparkassen zurichten ,ein. Die Bereitstellung der Spareinlagen für dieie Zeichnun- neu ohne Rücksicht auf die satzungsmäßigen Kündigungsfristen und o^!!e Beschränkung auf einen Höchstbetrag, wie solche auf einmütige Anregung des Deutschen Spar- kossenverbandes bei den vorigen Kriegsanlethen in weitestem UmfMtge von den Sparkassen gewährt worden ist, wirb mich diesmal für die Erreichung des großen vater- ländischen Zweckes unerläßlich sein. Daß die Sparkassen di? auf d estm Wege erworbeneii Kriegsanleihestücke aus Munsch für ihre Sparer in Verwahrung und Berwal- ^na nehmen und aus den Zinsen demnächst für sie ein neues^Svarauthaben aniammeln, wird vielen Sparern ^v lswschluß der Zeichnung erleichtern und bietet den Bortkil daß der Sparer dem Sparen nicht entfremdet
E^t- Tatsache, daß allein die preußischen Sparkassen bei der zweiten Kriegsanleihe nicht weniger als 137ö Mill. Spareinlagen auf diese Weise für ihre Lparer slüs ig gemacht und in Kriegsanleihe umgewandelt haben, ist ein glänzendes Zeugnis sowohl für dte Organyation der Kasten wie für den vaterländischen Sinn ihrer Leiter, nah berechtigt au der zuversichtlichen Erwartung, daß
ancy bei der jetzt aufgelegten Anleihe alle Kräfte zu einem ivviiiöglich noch besseren Erfolge angespanttt werden und keine Kasse hinter dem Ergebnis der ziveiten Ailleihe znrückbleiben wird. Daneben werden Zeichnnnaen der SMikassen für eigene Rechnung bei der hohen Berzin« snng mtb der unbeschränkten Liquidität dieser Anlagen für die künftige Entwicklung der Sparkassen in hohem Maße vorteilhaft sein.
3m feinölidjen Granalfeuer verschöllet.
Wie alltäglich hatten die Engländer in aller Frühe ihr Artilleriefeuer gegen unsere Stellungen vor Vipern wieder ausgenommen. Den Verlnst von <» . . . und des Stützpunktes, den mir ihnen abgenommen, konnten sie anscheiilend noch nicht verschmerzen. Aber heute sollte das Feuer langer als sonst danern. — Es ist jetzt 2 Uhr nachmittag geworden. Seit drei Tagen hatten unsere Teilte kaum geschlafen, feit 24 Stunden nur wenig zu sich genommen. Granatell, Schrapnelle nnö Minen schicken uns die Engländer in bunter Folge herüber. Sie hielten sich aber wacker, die brave,! Saarbrttcker! Noch immer höre ich einen Buchbacher in feinem behäbigen Dialekt sagen: „Herr Leidnand, wenn se doch nur entöl käme«, mir haue se, daß se de Schlappe verliere!" Bester als au deu Tage« vorher saßen heute die eng» ltscheu Granaten in unseren Gräben nnd Unterständen. „Die Hälfte der (Gruppe steht, die andere Hälfte legt sich mit aufgepflanztem Bajonett daneben," ordne ich an und setze nttch in den letzten Unterstand, der noch zn finden ist. Es ist der Beobachtnngsstand einer Batterie mit zivet Offizieren, einem Unteroffizier nnd einem TelephonIsten. Zu tönen setze ich mich aus die Erde uteder und harre der Dinge, die da kameu.
Ju dem gegenüberliegenden Rest eines Unterstandes suchen ein Fähnrich mit seinem Pntzer, mein Melder und mein Bnrsche Deckung. Kanin sind wir uutergefclüüpft, da kommt auch schon die erste Granate angesanst. Mit einem „Wu—t—i—i—i—i—krach—bunun" schlägt sie in unserer Nähe ein. Dreck, Eisenstücke, Steine nnd allerhand Brocken fliegen um nnö hernm, auch eine englische gefüllte Fleischkonservenbüchse ist dabei. „Will'm, willfte friesticken!" hören wir noch den Gefreiten Wommer rn- fen, der einem Kameraden die herangeanaelte Fleischbüchse anbietet. Kräftig lachen wir über diesen Humor in der ernsten Situation. Ein Blick überzeugt mich davon, daß die Grauate in den nicht weit von uü3 be» legenen englischen Schützengraben eingeschlagen hat, den die Engländer während ihres Artillerieseners als gefährdet zn räumen pflegen. Bet der Explosion war die Büchse mit zu uns herübergeschlendert worden. Wu—i— i—i—t—i—krach—blltnm" die zweite Granate. Sie war schon bedenklich näher eingeschlagen. Jetzt funken anch unsere Artilleristen über uns hinweg den Engländern entgegen. „Der erste Schnß saß gut, der zweite könnte etwas kürzer sein, meldet Lentnant K. vom Beobach- tungsposten feiner Batterie. „Wu- i—i I i t— krach —bumm", sanst die dritte englische Granate gegen uns heran; sie sitzt schon bedenklich nahe, die Engländer schießen heilte verteufelt gut!
Stumm und erust legen sich unsere Leute auf die Erde uieder, feiner verläßt seinen Posten, auf den er gestellt ist. „Tuuuut, tunt, tut tut" summt es vom Tele- phou her. „Hier B. — Stelle 5. Leitung geprüft — Schuß!" „Wu—i—i—i—i—krach—bumm", wieder sitzt eine Grauate in unmittelbarer Nähe nnd eine Garbe von Dreck und Sprengstücken spritzt in die Höhe. Die Sache wird immer ungemütlicher. Jetzt legt auch Lcut- imnt L. sogar seine Zeitschrift Wild ulid Jagd, die er bisher eifrig studiert hat, aus der Hand nnd meint gelassen: „Die war aber verteufelt nahe." Das Telephon meldet sich wieder: „Batterie fragt an, wie die letzten Schüsse saßen." — „Der erste Schnß saß, die —"---- jäh verstummt die Antwort, denn in diesem Augenblick setzt ein betäubender Krach ein, dann die Stille des Todes. Ein Augenblick der Bewußtlosigkeit folgt bei uns, kein Hören und kein Sehen mehr. Dunkel der Nacht um uns, wir sind verschüttet! „Herr Gott sei uns gnädig!" „Hilfe, Hilfe" gellen dann die Verzweiflnngs- rufe durcheinander. Eine Granate war direkt auf unseren Unterstand niedergefallen und hatte ihn zerstört! Ich stecke bis über den Kopf im Sand, faum vermag ich die Augen zn öffnen. Rufen kann ich nicht. Mühselig recke ich den Hals etwas hoch, da sehe ich dicht über mir einen ganz schwachen Lichtschimmer. Trümmer von Balken und eisernen Schienen liegen auf meiuem Leib. Ich versuche, mich etwas höher zu recken, aber schon riefen von neuem Saud auf mich herab. Endlich gelingt es mir, den Kopf frei zu bekomme«.
Ein Bild des Schreckens bietet sich mir. Verwundete mitten unter Sand und Trümmern. „Heiland hilf mir," stöhnt der Unteroffizier. Schon erblickt mich mein braver Bursche, der von dem benachbarten Unterstand zu uns herübergefroeben war. Trotz der gefährlichen Situation versucht er, mich mit den Händen aus den Trümmermassen IO Unterstandes zu befreien. Schon kann ich den Arm freibekommen, da stürzen auch schon der Fähnrich und die anderen braven Kameraden unerschrocken herbei, um ungeachtet der Gefahr zu retten, tvas zu retten ist. „Die Rettung in Sicht", wie schön wäre der (Gedanke gewesen, wenn nicht die Schmerzensrufe der verschütteten und verwundeten Kameraden gewesen wären. Nach etwa 20 Minuten haben mich die braven Kameraden aus den Trümmern hervorgeholt, nur der linke Fuß steckt noch eingeklemmt. Mtl aller Kraft ziebe ich nach „Gott sei Dank, er gibt nach" - und zwei Mann ziehen mich vollends aus der Höhle des Schreckens heraus. Da sehe ich schon, wie aus dem feindlichen Schttt- zeugrabe» die aufmerksam gewordenen Engländer auf uns anlegen, zielen und abschießcn. „Achtung", rufe ich, „die Engläuder schieße« auf uns!" Die Kngekn fausten uns um die Köpfe. Zum Glück traf keine.
Wunderbarereweise bin ich ohne jede äußere Ber letzung geblieben. Der Nervenschock, die Qnetschunaen und die riesigen Kopfschmerzen, besonders aber der heftige Schmerz in meiner alten schweren Verletzung vom August des vorigen Jahres wurden noch betäubt von dem Gefühl „Gerettet!" Die Granate hatte unseren bombensicheren Unterstand mit einem Volltreffer vollständig zerstört. Der Unteroffizier war dabei leider ums Leben gekommen, die beiden Artilleristen schwer verletzt. — Nun liege ich hier, einen Tag nach diesem furchtbarsten aller meiner Erlebnisse in diesem Kriege, mit einem der beiden Beobachter in dem freundlichen Zimmer eines Feldlazareetts in Belgien. Wir sprechen beide nicht von den Schrecken des geitriaen Tages, bei dem Gedanken daran läuft es mir eisig über den Rücken. Stumm sehen wir uns von Zeit zu Z^t an, voll Tank über die Net- tung nnd in den Augen ein stummes Staunen, daß wir mit dem Leben davongekommen sind!" (Köln. Ztg."j
Weisere Drahtnachrichten.
Die Entspannung nach dem Arabic-Fall.
w Paris, 30. August. lWTB.) Die Blätter melden, ohne ihre Enttäuschung zu verbergen, aus Washington daß in den deutsch-amerikanischen Beziehungen, die fti infolge der Versenkung der „Arabic" ziemlich zugespitzt hätten, eine Entspannung eingetreten sei, iodaß wahr, scheinlich eine gütliche Lösung in den nächsten Taaev erfolgn werde.