tzMieven ist. ES ffk nachgerade auffallend, daß jedes- mal, rvenn deutscherseits ein großer Erfolg gemeldet wird, der sonst pünktlich eintreffende Petersburger Generalstabsbericht sich um viele Stunden verspätet. Die meisten Blätter veröffentlichen bereits längere Betrachtungen iiber die möglichen Folgen der Eroberung der letzten polnischen Festung durch die deutschen Truppen. Die Betrachtungen der Militärkritiker sind durchweg sehr gedrückt. Der „Daily Chronicle" weist darauf hin, daß diesmal im deutschen Bericht jegliche Angabe iiber die gemachte Beute fehlt und fragt sich, ob das Schweigen der deutschen Heeresleitung über diesen Punkt als günstig oder ungünstig für die Russen aufgefatzt werden muß. Das Blatt neigt übrigens mehr zu einer ungünstigeren Auffassung. Auch Oberst Repington in der „Times" betrachtet die möglicherweise von den Deutschen gemachte Beute als einen entscheidenden Faktor bei der Abwägung der Konsequenz des letzten großen deutschen Erfolges in Bezug auf die Kriegsereignisse im Osten. Die Lage der russischen Armee sei gewiß in jedem Falle sehr kritisch, meint das Blatt. Falls jedoch die von den Deutschen bei Brest-Litowsk gemachte Bente nicht sehr bedeutend ist, ist die Lage des russischen Heeres nach dem Fall der Festung auch nicht viel gefährlicher als sie es vorher war. Die Stimmung des Londoner Publikums ist ganz zweifellos durch die neue Schreckens- meldung weiterhin gesunken, wie sich aus einem sicheren Barometer, nämlich dem Londoner Börsenbericht erkennen läßt.
Russische Heimlichtuerei.
t-t Haag, 28. August. (T. U.) In dem gestrigen russischen Bericht der hier vorliegenden Zeitungen wird der Fall von Brest-Litowsk nicht eingestanden. Es heißt nur, daß die Russen sich an dem oberen Frontabschnitt zwischen dem Bobr und den Pripjet auf Befehl der Heeresleitung zurückgezogen haben. Der Bericht schließt natürlich den Fall von Brest-Litowsk in sich.
Des Kaisers Dank an Hindenburg.
Aus dem Großen Hauptquartier wird gemeldet: Der Kaiser hat aus Anlaß der Wiederkehr des Tages von Tannenberg folgendes Telegramm an den General- feldmarschall von Hindenburg gerichtet:
Mein lieber Feldmarschall!
Ich kann die Wiederkehr des Tages der Schlacht von Tannenberg, in der es Ihrer zielbewußten und energischen Führung gelang, die in Preußen eingedrungenen Russen vernichtend zu schlagen und dem weiteren Vormarsch der feindlichen Massen ein schnelles Ziel zu setzen, nicht vorübergehen lassen, ohne Ihrer hohen Verdienste zu gedenken.
Sie haben damals eine Waffentat vollbracht, wie sie einzig in der Geschichte dasteht, und die die Grundlage gelegt hat für die mächtig ausholenden weiteren Schläge der Ihnen nnterstellten Streitkräfte im Osten. Mit Stolz blickt Deutschland auf die Siege Ihrer Armee in der Winterschlacht in Masuren, bei Lodz und Lowiez und die herrlichen Taten, die Ihre kampferprobten Truppen in bewundernswertem Schneid und mit zäher Ausdauer bis in die jüngst vergangenen Tage vollbracht haben.
Die Kämpfe in Polen werden für immer ein leuchtendes Ruhmesblatt in den Annalen dieses Krieges bilden. Wie die Herzen aller Deutschen Ihnen zujubeln und des Vaterlandes heißer Dank Ihnen gesichert bleibt, so ist es auch Mir erneut an dem heutigen Gedenktage ein tiefempfundenes Bedürfnis, Ihnen aus volle«: Herzen Meine hohe Wertschätzung und Meinen nie erlöschenden Dank auszusprechen. Ich will, daß Ihr Name, den Sie selbst mit ehernen Lettern in die Tafel der Geschichte eingetragen haben, fortan auch von dem tapferen ostprentzischen Truppenteil geführt wird, zu dessen Chef ich Sie unlängst ernannt habe und habe bestimmt, daß das 2. masurische Infanterie-Regiment Nr. 147 die Bezeichnung „Infanterie-Regiment Generalfeldmarschall v. Hindenburg (2. masurisches) Nr. 147" zu führen hat. gez.: Wilhelm R.
Von der Westfront.
200 Millionen Francs Gold nach England.
Kopenhagen, 28. August. (T.-U.) Nach einer Pariser Meldung der „Nationaltidende" hat die Bank von England vorgestern 200 Millionen Francs in Gold nach England geschickt. Das Geld soll in den Keller« der Bank von England für eine im Interesse beider Volker liegende, gemeinsame Verwendung aufbewahrt werden. Etwas klarer ausgedrückt heißt das, daß Frankreich ebenfalls einen Goldtribut leistet, um dem Sterlingkurs auf- zuhelfen.
Die italienischen Kriegskosten.
Laut einer Meldung der „Neuen Zürcher Zeitung" aus Mailand verzeichnet der soeben veröffentlichte ua- lienische Schatzausweis an Kriegsausgaben für das Heer 460 Millionen, für die Marine 50 Millionen,. für die Kolonien 69 Millionen Lire, wobei zu berücksichtigen ist, daß viele Lieferungen nicht bezahlt, sondern nur gestundet sind. Daraus geht hervor,, daß die Ausgaben weit höher sind als 500 Millionen Luc Die schwebende Schatzschuld ist im Juli weiter von 1634 auf 18ö9 Millionen gestiegen.
Der Türkenkrieg.
Die Franzosen an den Dardanellen.
Ein bei Sedd-ul-Bahr gefangener verwundeter Franzose äußerte sich über die Verhältnisse zwischen Franzosen und Engländern an den Dardanellen folgendermaßen: Wir Franzosen verstehen noch immer nicht, warum wir an den Dardanellen kämmen. -Wir haben vielmehr die Ueberzeugung, daß nur für die Engländer die Kastanien aus dem Feuer holen sollen Wir alle haben nur Aerger über die Engländer, die uns die schwersten Aufgaben zuweilen. In den wenigen Ruhestunden müssen wir und immer nur wir bei den gefährlichen Munitions- und Geschütztransporten und Truppenlandungen Nie übernehmen die Engländer diese Aufgabe. Sie nutzen die Ruhestunden vielmehr aus, um Handel zu treiben. Wir haben- keinerlei Luft mehr, den Kampf fortzusetzen, zumal ein Vorwärts- kommen ausgeschlossen erscheint.
Die Verluste der Australier auf Gallipoli.
Nach holländischen Blättermeldungen aus Melbourne betrugen bis 1. August die australischen Verluste vor den Dardanellen 17 200 Mann, von denen 4820 Mann tot sind und der Rest verwundet oder in Gefangenschaft geraten ist.
Englische Revolten vor den Dardanellen.
Wien, 28. August. (T. U.) Die „Reichspost" meldet nach dem „B. L.-A.", daß unter den englischen Truppen vor den Dardanellen Revolten ausgebrochen sind. Zwei Regimenter, die daran teilgenommen haben, m u nach Aeavvten gebracht.
Der Balkan.
Bulgariens Gebietsgewinn.
Die „Boss. Ztg." meldet aus Sofia: Bulgarien gewinnt durch Abmachungen mit der Türkei ungefähr 2000 Quadratkilometer. Die Befestigungen im Winkel von Maritza und Tundscha verbleiben der Türkei, die jedoch, wie schon gemeldet, die westlich der Maritza gelegene Adrianopeler Vorstadt Kara Agatsch samt Befestigungen den Bulgaren überläßt. Die politische Bedeutung dieser Vereinbarung wird alsbald sichtbar werden.
Kriegsallerlei.
Zarentränen beim Kriegsrat.
Der „Köln. Ztg." zufolge berichtet ein französischer Berichterstatter, der an der russischen Front weilte, daß am 1. Jnli abends ein großer Kriegsrat in Warschau abgehalten wurde, den der Zar persönlich leitete. Weinend hatte der Zar den Kriegsrat eröffnend. Einer nach dem andern legten die Armeeführer ihre Meinung dar. Die einen sprachen sich für die Aufnahme der Schlacht in Polen aus, andere befürchteten, abgeschnitten zu werden. Schließlich erklärte der Großfürst, daß er jeden Offizier niederschießen werde, der Schwäche zeige. Warschan müsse bis zum letzten Blutstropfen verteidigt werden.
Amerikanische Munition nach Europa.
w> Kopenhagen, 28. August. (T. U.) Die größte Ladung von Kriegsmaterial, die bisher aus den Vereinigten Staaten nach Enropa abgegangen ist, hatte nach der „Dtsch. Tgztg." das Schwesterschiff der „Arabie", der White Star-Dampfer „Adriatic" auf seiner letzten Reise von Neuyork nach Liverpool an Bord. Das Schiff hatte außer 50 Flugzeugen und 200 Motorlastzügen für die englische Armee noch 16500 Tonnen Munition geladen. Die Zahl der Passagiere des Schiffes betrug 288, darunter 15 Amerikaner.
Die englische Anleihe in Amerika gescheitert.
w= Wien, 28. August. (T. U.) Die „9kue Freie Presse" meldet aus Scheveningen, daß die englische Anleihe von drei Milliarden in Nenyork an dem Widerspruch Wilsons gescheitert sind.
Ein wohlverdienter amtlicher Rüffel für Roosevelt.
Aus Washiugtvn wirb gemeldet: Der Kriegssekretär hat au General Wood ein Telegramm gerichtet, in dem er sein Bedauern darüber ausspricht, daß in dem Milizlager von Plaatsburg Gelegenheit zu der aufseherr- erregenoeu Ansprache Rovsevetts gegeben wurde, tu welcher dieser den Präsidenten tadelte und heftige Anklage gegen Deutschland erhob. Der Kriegssekretär ordnete an, daß derartiges in seinem anderen Lager gestattet werden soll.
Ankündigung des Streiks in Südwales.
Nach Meldungen aus London haben im Waliser Kohlenbezirk infolge Scheiterns der Eittiguuqsverhaim- lungen und Auflösung des Einigungskomitees die Berg- «cheiterdelegierten den Streik zum 10. September vers Äibet. Lloyd George ist in das Waliser Revier av- gereist.
Die Verluste der englischen Handelsflotte.
Der Liverpooler Verein der privat versicheret weist seine Verluste vom 1. Januar bis zürn 31. März nach. Die Gesamtverlnste au Dampfern betrugen 6 353 700 Pfund Sterling gegen 1300 000 im gleichen Zeitraum von 1914, der Verlust an Segelschiffen 700,100 gegen 142000 Pfund Sterling. Als Kriegsverlust bei Dau:- pfern werden 3 485 900, bei Segelschiffen 469 000 Pfund Sterling angegeben. Die Verluste aus anderen Ursache« «versteigen bei Dampfern diejenigen des Vorjahres um 150 Prozent.
seihen deutscher Gesungener in England.
Die „Nordd. Allg. Ztg." veröffentlicht eidliche Aussagen eines aus England als Austauschgefangener zu- rückgekehrten deutschen Offiziers über seine Erlebnisse während der Kriegsgefangeuenschaft. Bald nach seiner Gefangennahme nahm ihm ein englischer Sanitätssoldat 500 Mark, Uhr, Siegelring und andere Sachen fort. Seine Schwäche benutzten die Engländer, ihn rein auszupliin- dern. Nur mit einem schmutzigen Bauernhemd und einem Soldatenmantel bekleidet, wurde er vier Tage lang nach St. Nazaires transportiert. An: 17. September wurde er nach England überführt. In Portsmouth stellte ein gefangener deutscher Militärarzt die Vereite- runq seiner schlecht behandelten Wunde fest, konnte aber erst nach langen Bemühungen eine sachgemäße Behandlung erreichen. Soweit er beobachten konnte, waren die Zustände des Hospitals recht im Argen. Am 22. Dezember wurde er nach Holnport gebracht. Dort hörte er von mehreren gefangenen deutschen Offizieren, daß sie in englischen Gewehren und Patronentaschen Dumdumgeschosse gefunden hätten. Von englischen Wachtmann- schaften hörte er, sie hätten am Gewehr eine Vorrichtung zur Herstellung von Dumdum-Geschossen. In Holyport befanden sich auch viele Deutsche aus Kamerun, die über das Verhalten der Engländer sehr klagten. Man hätte sie in ungenügender Kleidung zur Küste transportiert, wobei sie tagelang im glühendsten Sonnenbrand ohne Labung marschieren nutzten, bewacht von schwarzen Soldaten, die sie mit Wissen und Wrllen der Engländer roh behandelten, besonders die Frauen. Auf dem Dampfer, der sie nach England transportierte, herrschten üble Zustände. Die Leute beklagten sich über schlechte Behandlung und Kost, den Schmutz und die ekelerregende Art, in der ihnen dieselben Gefäße zu«: Wanhen, Essen und als Nachtgeschirr angeboten wurden. Weiter hörte er von deutschen Offizieren, daß die Engländer in dem falschen Glauben, bayerische Truppen machten keine Engländer zu Gefangenen, die kriegsgefangenen Bayern meuchlerisch ermordet hätten.
Vermischtes«
Das Opfer einer unsinnigen Wette wurde der 12- iäürige Schulknabe Otto Jaluske aus Neuzelle (Kreis Guben). Der Knabe hatte mit einem Kameraden gewettet, daß er einen Leitungsmast der Ueberlandzentrale erklettern werde. Hierbei tarn er der untersten Leitung zu nahe und erhielt einen so starken elektrischen Schlag, Sah er auf der Stelle getötet wurde Der Körper des Knaben wurde vollständig verkohlt und blieb in der Traverse stecken. Erst durch Betriebsbeamte konnte die Leiche entfernt werden. Durch den Nnglücksfall wurde eine mehrstündige Betriebsstörung verursacht.
Wegen öffentlicher Beleidigung von Teilen der deutschen Armee verurteilte das Schöffengericht zu Zittau den 48jährigen Handelsmann Franz Oskar Göpsert aus Weinbohla zu drei Monaten Gefängnis. Der Ange- klagte hatte am 19. Juli in einer Gastwirtschaft zu Zittau
Zivilisten und Militarpersonen schwer beleidigende Aeußerungen über deutsche Soldaten und Offiziere getan und sie als Barbaren bezeichnet. Der Strafantrag ! war vom sächsischen Kriegsministerium gestellt worden. : Dem sächsischen Kriegsminister wurde die Befugnis zu- ; Gesprochen. das Urteil nach Rechtskraft durch acbitäataen
Ausyang m der Gastwirtschaft öffentlich veranmzw machen. *
„Rnßki kaput!" Im Parchimer Gefaugeulager siul zahlreiche Muffen untergebracht, die früher stets trotz ihrer Gefangennahme von bem Stege ihres Heimatlandes liberzeugt waren und deshalb auf die gelegentlichen Zurufe von Schulbuben, die infolge von Siegen Schulfrei« heit erhielten, „Rußki kaput!" sofort antworteten: „Rußki nix faput! Deutsch kaput!" Inzwischen scheinen sie aber doch auf Grund der großen Siegesineldnitgen ans dem Osten und besonders durch die Erzählungen neu einge- trossener Gefangenen aus Rilßland anderer Meinung zu sein. Sie rufen jetzt selbst gelegentlich „Ritßki kaput", lvobei sie aber nichts weniger als traurig sind. Wahrscheinlich hoffen sie durch die Niederlage der Russeit bald tu die Heimat zurückkehren zu können. Zahlreiche Gefangene nehmen übrigens deutschen Unterricht. Sie haben sich Lesebücher gesaust und Schreibhefte, um auch das Schreiben zu erlernen. In den meisten Fällen handelt es sich hierbei um Russen aus den westlichen Provinzen.
Das Straßettbahunttglück am Berliner Reichstags, Ufer, das sich in der Nacht zum 22. April abgespielt hat, fand am Freitag sein gerichtliches Nachspiel. Bor der Ferieustrafkammer des Landgerichts i hatte sich der Straßenbahnfahrer Robert Teschke auf die Anklage der fahrlässigen Tötung und Körperverletzintg zu verantworten. Der Angeklagte wurde nach dem Anträge des StaatSanwaltS wegen fahrlässiger Tötung und Gefäbr- bung eines Eisenbahntransportes zu einer Gefängnisstrafe von drei Jahren und in die Kosten des Verfah- rcus verurteilt. Vier Wochen der erlittenen Unter« s«ch«ttgshaft wurden auf die Strafe abgerechnet.
Russisches Ztiichtliiigsetenil.
Alles, was die Geschichte von Völkerwanderung berichtet, wird weit in den Schatten gestellt durch die Sturmflut der russischen Flüchtlinge, die sich zu gleicher Zeit aus Polen und Kurland ergießt. Nach einer Schtl- dernlig im „Rnßkvje Slowo" war der Andrang auf dem Warschauer Bahnhof vor Abgang des letzen Zuges ganz ungeheuer. Dicht, bevor die Deutscheu in Warschau einzvgeu, am Donnerstag, verließ der letzte Zug am Mittivoch die Stadt mit Flüchtlingen, die den ganzen Tag über in Erwartung der EAraziiae, die fast jede Minute abgelassen wurden, auf dem Bahnhof stauben ober auf ihren Gepäckstücken saßen. Allmählich war so unermeßlich viel Bagage aufgehäuft, daß kaum noch ein Durchgaug möglich war. Parallel mit den Eisenbahn- zügen gingen Trambahntvaggotts, die in einer Entfer- nung von einer halben Werst einander folgten, über- füllt mit Passagieren.
Einige Tage vorher war auf dem Bahnhof in Warschau eine Bekanntmachung zu lesen, daß alle, die fort- znreisen wünschen, kostenlose Fahrkarten erhalten können. Es wurden vielleicht 70000 derartige Fahrkarten verteilt. Die Züge gingen ohne Glockenzeichen ab, sobald sie überfüllt waren. Die alten Männer, Frauen und Kinder weinten meistens beim Verlassen der Heimatstadt. Und doch sind diese aus Warschair, Sjedlez, Brest und anderen nahe von Warschan gelegenen Orten Ge- flüchteten noch nicht so schlimm daran gewesen, wie die aus entlegeneren Städten, von wo sie vielfach erst nach qualvoll verlebten zwei bis drei Wochen ans Ziel gelangten.
In Moskau haben .sich schnell Hilfskomitees gebildet, die den ankonnnenden Flüchtllitgeli auf dem Bahnhof, soweit es möglich ist, Beistand leisten. Es fehlt aber auch nicht an Ansbenter« der Flüchtlinge. Dunkle Elemente, die sich als organisierte soziale Hilfskräfte ausgeben, bieten sich den oft weltfremde» Flüchtlingen als Führer an, als Arbeits- und Wohnungsversorger und übervorteilen sie um 100 bis 200 Prozent. Aus Kurland gehen stündlich überfüllte Züge auf den Linien Riga—Orlow und Moskau ^^^mr- Rubinsk und Tausende werben abgesetzt in Wenden, Wolmar, Iurjew, Ostrom, Pfkow, Resziza, Dwinsk, Snwlensk und Witebsk. Die Hauptpunkte sind jedoch Petersburg uud Moskau, denen die baltischen Flüchtlinge zustreben. Auf dem Windauer Bahnhof in Moskau herrscht ein siunverwir- rendes Lebeu und Treiben.
In der Provinz ist von der Regierung keine Vorsorge für die Flüchtlinge getroffen worden, und es sonn men täglich Drittglichkeitsgesttche um Mittel und Hilfe von den Statthaltern. So meldete das Mitglied des Reichsrats, Fürst Urussow, als Statthalter von Wol- hynie«, daß 100 000 ruthentsche Flüchtlinge aus Galizien cingctroffen und dem äußersten Eleud preiSgegeben seien Infolgedessen traten bei ihnen böse epidemische Krankheiten .auf, die eine Gefahr für die gesamte Ortsbevölkerung bilden. Aehuliche Klagen brächte der Chef des Allrussischen Semstwvbundes, Fürst Lwvw, im Mini- sterium des Innern, ein und wies nach, daß die Regierung die Leute aufforderte, die von: russischen Heere geräumten Orte zu verlassen, und daß die Regierung daher auch die Pflicht habe, sich dieser armen Flüchtlinge an« zunehmen. In Iekaterinoslaw, Kaluga, Charkow herrschten unter den Flüchtlingen Hunger, Elend und gefährliche ansteckende Krankheiten.
Weitere Drahtnachrichten,
Ernste Lage in Marokko.
»-^ Madrdi, 28. August. (T. U.) Nach zuverlässigen Meldungen aus der spanischen Einflußzone in Marokko hat der Aufstand in Französisch-Marokko bedentend an Boden gewonnen. Auch Süd-Algerien ist nicht mehr sicher und es sollen zwischen den Scheichs verschiedener großer Stämme Abmachungen getroffen worden sein, nach Beendigung der Regenperiode in eine neue Offensive gegen die Franzosen einzutreten.
Oesterreichisch-nngarische Ftiegcrarbcit.
w Bern, 28. Augnst. (WTB.) Die „Italia" bestätigt, daß der österreichische Flieger in Brescia mit drei Bomben die Mnnitionsfabrit getroffen habe. Fünf Arbeiter seien getötet worden.
Vor einer russischen Kabinettskrise.
w London, 28. August (WTB.) Nach einer Ti«:es- meldung aus Petersburg haben sich in den letzte« Tagen 24 einflußreiche Duma- und Reichsratsmitglieder versammelt, um über die Neorganisterung der Laudesvertei- digung zu beraten. Es wurden drei Hauptfragen besprochen: die Notwendigkeit der Ernennung eines tüchtigen Ministerpräsidenten, ein Wbfommen der lonstitn- fioneHen Parteien, ihn zu unterstützen, und ein Pro- gramm, dessen Durchftihrimg sofort von der Regierung verlangt werden soll. Man hoffe, den Widerstand Kri- woscheins gegen seine Ernennung zum Ministerpräsidenten zu überwinden.
Handel und Verkehr.
Berlin, 28. August. T.-U.) Wie den Blätter« gemeldet wird, können die Zeichnungen aus die brit ■ MrtegSantethe vom 2. September ab erfolgen. Die Zeist nungsaufforderuna wird voraussichtlich in den Som tansausLahen veröffentlicht werden.