Einzelbild herunterladen
 

Der Rückzug der Russen von Brest - Litowsk

Militärische Wochenschau.

Wieder liegt eine Woche, reich an inhaltsschweren militärischen Ereignissen, hinter uns. Wieder waren wir voll Bewunderung Zeugen von neuen wuchtigen Schlä­gen, die die heldenmütigen Truppen der beiden mittel­europäischen Kaiserreiche, von Genialen Führern geführt und von gediegener Waffenkunst aufs Beste ausgestattet, dem einst so zahlreichen russischen Heere versetzt haben. Von Suchowola, östlich des Bobrzuflusses Berezowka, bis zum Urwalde von Bialowieska, der von den Quell- bächen des Narew bewässert wird, vom Urwalde bis an die Pripetsümpfe ist auf der ganzen Front eine Ver­folgung im vollen Gange, wie sie die Geschichte der Völker noch nicht gesehen hat. Das Rückzugsgebiet, in das die russische Hauptmacht hineingeörüngt, hineinge­preßt wird, erinnert lebhaft an die Gefilde von Tannen- berg, wo genau vor einem Jahre unser Hindenburg die russische Narewarmee vernichtete, — nur daß der Raum und die schwer geschlagenen Feindesmassen bei weitem gewaltiger sind. Hoffentlich gelingt es den drei kon­zentrisch zusammenwirkenden Armeegruppen der Ver­bündeten, ihr Vorhaben öurchzufüyren und das Russen­heer, wenn auch nicht aufzureiben, so doch zu zermttr- öen und zu zerpflücken. Groß ist bekanntlich die Zahl der unverwundeten Gefangenen, nicht kleiner dürfte die Zahl der Russen sein, die leichter oder schwerer verletzt wurden, die gefallen sind in den heißumstrittenen Ab­schnitten oder auf dem Rückzüge vor Erschöpfung tot zusammenbrachen.

zermttr

, Hinter der Front der siegreichen Verfolger liegen in märchenhaft kurzer Zeit bezwungene Festungen, die bisher als uneinnehmbare Bollwerke oder als sichere Zufluchtsorte und Rettungsinseln gegolten hatten. Was Rußland in ihnen verloren hat an Waffen, Munition und Proviant, an militärischem Ansehen unter den Völ­kern, ist unrettbar dahin und so bald nicht wieder zu ersetzen. Nur eine Festung zweiter Ordnung und ein schlichter befestigter Brückenkopf — Grodno und Meretsch am Njemen — befinden sich dort, wo die heftigsten Känwfe vor sich gehen, noch in russischer Hand. In zwei- ter Linie kommen dann Dünaburg, Riga und Wilna, von denen das erste eine Festung zweiten Ranges, die anderen von Feldschanzelt geschützte Städte sind. Im Süden liegt dann noch das Festungsdreieck Luzk-Rowno- Dubno, das in absehbarer Zeit den russischeil Streit­kräften, die südlich der Rokitno- und Pripet-Sümpfe festgehalten und vom Hauptkampfgebiete losgelöst wor­den sind, als Ausnahmestellung dienen wird, wenn sie ihre Stellungen am oberen Bug, an der Zlota-Lipa und am Dnjestr ausgegeben und den letzten äußersten Teil von Ostgalizien geräumt haben werden. In dieser ei­nen Woche haben die Russen wieder drei Festungen ein- gebüßt. Brest-Litowsk am Bug, diese starke moderne Festung, die den Besiegten Schutz, Erholung und neue Kraft spenden sollte, ist gefallen, preisgegeben worden, nachdem das (brandenburgische) XXII. Reservekorps die Sorts im Nordwesten, das österreichisch-ungarische Korps rz die Forts im Westen uub Südwester: gestürmt hat­ten. Ossowiez am Bobr und Olita am Njemen zwischen Kowno und Grodno, haben die Russen räumen müssen, hinausmanövriert durch unsere Siege und Märsche.

[ Aus dem großen Hauptquartier *

«■* Großes Hauptquartier, 27. August 1915, 3,00 Uhr nachmittags. (Amtlich. WTB.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

In der Champagne und auf den Maashöhen wur­den französische Schanzanlagen durch Sprengung zerstört. In den Vogesen wurde ein schwächlicher Vorstoß leicht abgewiesen.

Oestlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe des GenerMeldmarschalls von Hindendurg.

Die Gefechte bei Bausk-Schönberg (südöstlich von Mitau) und in der Gegend östlich von Kowno dauern an. 2450 Russen sind gefangen, 4 Geschütze und 3 Maschinen­gewehre erbeutet. Südöstlich von Kowno wurde der Feind geworfen.

Die Festung Olita ist von den Russen geräumt und von uns besetzt. Weiter südlich sind die deutschen Trup­pen gegen den Njemen im Vorgehen.

Der Uebergang über den Berezowka-Abschnitt (öst­lich von Ossowiec) ist erkämpft. Die Verfolgung ist anf der ganzen Front zwischen Snchowola (au der Bere- zowka) und dem Bialowiesca-Forst im Gange.

Irrende Seelen.

Roman von Walter Kabel.

35) (Nachdruck verboten.)

Schwechten mit dem roten Blutfleck auf der Stirn trat in meine Zelle. Sein bleiches Totengesicht war zu einem furchtbaren Grinsen verzerrt. Er beugte sich über mich, tiefer und tiefer. Ich wollte mich erheben, wollte fliehen. Wie gelähmt lag ich da. Und dann flüsterte mir seine vor Wut heisere Stimme krächzend zu . . . „Nie wird Marga Dein, nie . . . Sie gehört mir, mir allein."

Seine Finger umkrallten meinen Arm . . . Mit ei­nem Schrei des Entsetzens fuhr ich empor, ritz die Augen auf. . .

Vor mir stand Kriminalkommissär Hiller.

„Sie scheinen schwere Träume gehabt zu haben," sagte er ernst. „Vielleicht erlebten Sie im Traume das Drama nochmals, wie es sich in Wirklichkeit abgespielt hat." Er betonte dieses „in Wirklichkeit" so auffallend, datz ich schnell wieder ganz Herr meiner Sinne wurde.

Ich setzte mich aufrecht auf die Bettkante. Er aber zog sich den Stuhl herbei und nahm mir gegenüber Platz. In seinem Gesicht lag ein Ausdruck, der mich warme. Seine Augen hatten wieder jenen bohrenden, entkleiden­den Blick, vor dem ich am Vormittag scheu iu mich selbst zusammengesunken war.

Nur um die aufsteigende Verlegenheit zu verbergen, schaute ich nach der Uhr, der billigen Nickcluhr, die ich einst als- Knabe getragen und jetzt wieder hervorg-sucht hatte. Es war vier. — Drei Stunden hatte ich also ge­schlafen, drei Stunden lang hatten die Traumgesichte mich geschreckt und genarrt.

Und dann begann Hiller, während seine leuchtenden Augen mein Gesicht nicht loslietzen:

„Mittags hat die Sektion der Leiche Schwechtens tattgtzlündem Auf meinen speziellen Wunsch so schnell.

Am 25. und 26. Angust brächte die Armee des Gene­

rals von Gallwitz 3500 Gefangene und 5 Maschinenge­wehre ein.

Heeresgruppe des Geueralfeldmarschalls Prinz Leop. v. Bayern.

Die Heeresgruppe verfolgt; ihr rechter Flügel kämpst um den Uebergang über den Abschnitt der Lesna-Prawa (nordöstlich von Kamieniec-Litowsk.)

Heeresgruppe des GeneralfeldmarschaUs von Malßensen.

Nordöstlich von Brest-Litowsk nähern sich unsere Truppen der Straße Kamieniec-Litowsk-Myszczyce.

Südöstlich von Brest-Litowsk wurde der Feind über den Ryta-Abschnitt znrückgeworfen.

Oberste Heeresleitung.

Olita und Grodno waren die beiden letzten russischen Riemen-Festungen, die von den Russen noch gehalten wurden. Die kleine Festung Olita, die jetzt von unseren Truppen beseht ist, liegt zwischen Kowno und Grodno. Auch das Schicksal Grodnos dürfte bald besiegelt sein.

[ Amtliche Meldung des Admiralstabs.

Berlin, 27. August. (WTB.) Am 16. August hat eines unserer Unterseeboote die bei Harrington an der Irischen See liegende Benzolfabrik einschließlich des Bcnzollagers und der zugehörigen Koksöfen durch Ge- schtttzfener vernichtet. Die Werke sind mit hoher Stich­flamme in die Luft geflogen. Die seinerzeit in der eng­lischen Presse ausgestellte Behauptung, daß das Untersee­boot die offenen Städte Harrington, Parton und White- Haven beschossen habe, ist unzutreffend. Dasselbe Unter­seeboot wurde am 15. August iu der Irischen See von einem großen Passagierdampfer, anscheinend der Royal Mail Steam Packet Co., auf weite Entfernung beschossen, obwohl es ihn nicht angegriffen hatte. Es wird aus­drücklich festgestellt, daß der Handelsdampfer von seinem Geschütz also zum Angriff, nicht etwa zu seiner Verteidi­gung Gebrauch gemacht hat.

Die englische Admiralität hat am 27. Angust be­kannt gegeben, daß ein deutsches Unterseeboot vor Ost­ende durch ein englisches Marineflngzeug vollständig zer­stört nnd zum Sinken gebracht worden ist. Diese Nach­richt ist unzutreffend. Das Unterseeboot ist von dem Flugzeug zwar angegriffen, aber nicht getroffen worden. Es ist unversehrt in den Hafen zurückgekehrt.

Der stellvertretende Chef des Admiralstabes der Marine, gez.: Behncke.

Die zerstörte Benzolfabrik ist eine ber größten Eng­lands und für die englische Sprengstofferzeugung von um so höherem Werte, als es wenig derartige Werke in England gibt.

[ Vom österr^-ungar. Generalstab *

Wien, 27. August. (WTB.) Amtlich wird ver- lautbart:

Russischer Kriegsschauplatz.

Die bei Brest-Litowsk geschlagenen russischen Ar­meen sind in vollem Rückzüge beiderseits der nach Minsk führenden Bahn. Die Truppen des Erzherzogs Joseph Ferdinand rückten gestern zu Mittag durch die brennende Stadt Komieniec-Litomsk an die Lesna. Deutsche Streit- kräfte verfolgen von West und Süd in der Richtung anf Kobrin. Bet Kowel, bei Wladimir-Wolynskij und in Ostgalizien nichts Neues.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Auf dem italienischen Kriegsschauplatze -anven ge­stern nur bei Flitsch Kämpfe von einiger Bedeutung statt. Hier wiesen unsere Truppen einen feindlichen An­griff anf ihre Talstellnng zurück.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstaves.

v. H o e f e r, Feldmarschalleutnant.

Die Verfolgung durch den Urwald.

Bon der Nordostfront wird dem „B. L.-A." gemel­det: Der Gegner wehrt sich verzweifelt im Sumpf- und

Ich wollte die Gewißheit haben, wie der Schutzkanal ver­läuft."

Schon wieder kroch mir eisige Angst zum Herzen. War's denn noch — noch nicht genug, der Qual . . J

Da fuhr die harte Stimme schon fort:

„Ich gebe Ihnen jetzt nochnmls den Rat, Heiking. lassen Sie alle weiteren Bemäntelungsversuche. Ich will die Wahrheit wissen: Wie starb Schwechten?"

Ein wilder Trotz bäumte sich plötzlich in mir auf. Wo ich den Mut hernahm, weiß ich nicht. Aber ich schrie in einem Tone, daß Hiller fast zurückfuhr . . .

„Fragen Sie den Toten doch selbst, wenn Sie mir nicht glauben. Ich weiß nichts mehr! Spannen Sie mich meinetwegen auf die Folter, und Sie werden doch nichts anderes zu hören bekommen!"

Hiller mit seiner durch die berufliche Tätigkeit ge­schärften Menschenkenntnis mochte wohl einsehen, daß das, was er eben erlebt hatte, nicht das verzweifelte Aus­bäumen eines schuldbeladenen Herzens sein konnte.

Sein Ton war ein anderer, als er jetzt langsam, mit Betonung fragte:

„Stand Ihnen Schwechten wirklich in aufrechter Hal­tung gegenüber, als Sie den Schutz auf ihn abfeuerten? — Besinnen Sie sich genau."

„Ja — hoch aufgerichtet. Und in der erhobenen Hand hielt er die schwere Vase wurfbereit", erklärte ich ohne lange Ueberlegung. — Wie hätte ich es auch wagen dürfen, meine erste Aussage jetzt wieder zu ändern . . .!

Wie Knutenschläge kamen Hillers nächste Worte:

„Sie lügen! Sie haben Schwechten erschossen, als er wehrlos am Boden lag!"

Ich war aufgesprungen.

„Beweisen Sie mir das!" rief ich hohnlachend, kaum mehr meiner Sinne mächtig. — Also ein Mörder, ein ge­wöhnlicher Mörder sollte ich sein! — Alles drehte sich mit mir im Kreise. Mit einem Schlage ist ir klar geworden,

Waldgelände östlich Brest-Litowsk, um die Verbindung mit dem Osten aufrecht zu erhalten. Das Terrain nutzen die Russen geschickt aus. Sie durchschneiden die wenigen Wege und lassen sie überfluten. Im Schilf und Wasser richten ste auf Pflöcken Stände mit Maschinengewehren em, d:e sie besetzt halten. Trotz aller Schwierigkeiten dringt die schwere Artillerie vor und zerbricht Hündert- iahr:ge Säume.

Ministerrat im russischen Hauptquartier.

_ Wie die „Daily News" meldet, erhielten alle russi- schen Mimster Befehl, sich zum Großfürsten Nikolaus ius Hauptquartier zu begeben, wo die Fragen besprochen werden sollen, die auf der Tagesordnung der letzten Du- inasttzung gestanden haben.

Der Zar zieht um.

Nach Meldungen aus Petersburg werden in Zars- kore-Selo Vorbereitungen zur Berlegung des kaiserlichen Haushalts getroffen. Es verlautet, daß die Zarenfamilie nicht nach Moskau, sondern nad) dem südlichen Rußland ubers:edelt, und zwar „zur Erholung^.

Die letzten Stunden von Nowo-Georgiewsk

In Berliner Blättern liegen jetzt ausführliche Be­richte über den Fall von Nowo-Georgiewsk, der am 19. Anglist abends erfolgte, vor. Darin wird auch ange- seutet, daß die Beute sich noch als erheblich größer her­ausstellen wird, als der erste offizielle Bericht sie ange- Sebeu hat Der Berichterstatter des „Berliner Tage- blattes schildert den Fall der einzelnen Forts und schließlich des Kernwerks, ferner wie die zahlreichen, im ganzen 85 000 gefangenen Russen meist in tadellosen Unt- formen, von wenigen Begleitmannschaften geführt, wohl­genährt und stramm und voller Freude über ihre Ge­fangennahme ankamen, die Offiziere finster und erbittert, eine Unterhaltung ablehnend. Das Fort 3 hatte sich widerstandslos einem Artillerieleutnant und einigen 2(r= ttUeriften ergeben. Die Besatzung scheint von unseren großen Granaten wie betäubt gewesen zu sein. Die Russen gaben Munitivnsmanqel vor, es sind aber un­geheure Massen von Munition von uns erbeutet worden. Die schnelle Aufgabe derartiger Befestigungen ist nach Annahme unserer Offiziere nur dadurch zu erklären, daß die russischen Offiziere ihre Leute nicht mehr in der Hand hatten und der letzte Rest Disziplin beim Platzen unserer schweren Granaten dranfging. Die gefangenen Offiziere wiederholten nur immer: „Deutsche Artillerie — schreck- lrch!" Die Verluste auf deutscher Seite waren erfreulich gering. Wir sahen nur vereinzelt deutsche Gefallene auf dem Schlachtfelde. Sie lagen da friedlich gebettet wie schlafend, das Gesicht mit dem Helm bedeckt, die blassen Hände zusammengelegt, das Zelttuch über die Füße ge­breitet. Die Zahl der Verwundeten ist nicht klein, aber die Wunden sind fast durchweg leicht. Unsere Artillerie hat das Werk der Infanterie hervorragend vorbereitet, und bann sind Landwehr und Landsturm mit solchem Schneid vorgestürmt, daß die Russen gar keine Zeit zu ernster Abwehr fanden. Die russischen Generalstabsvffi- ziere haben geglaubt, daß ihnen eine viel stärkere Armee gegenüberstand, und sie waren davon überzeugt, daß junge Kerntruppen die Noröostforts erstürmt ' haben. Dieser Eindruck auf der feindlichen Seite ist das beste Lob, das unsere bärtigen Helden von Landwehr uuä Landsturm und auch die jüngeren vom ungedienten Land­sturm, die hier mitgefochten haben, erwarten konnten.

Am heißesten war der Kampf vom 16. NugM vvr ■ dem Fort 15, dem stärksten und modernsten Bollwerk der ganzen Festung. Das Schlachtfeld vor diesen Werken bot auch gestern mit den vielen noch unbeerdigten Russen­leichen einen grauenhaften Anblick und ließ alle Schrecken eines Nahkampfes ahnen. Die Vorstellungen, um die besonders erbittert gerungen worden ist, wurden schon am Vormittag des 16. August von unseren Truppen er­stürmt und behauptet, aber das eigentliche Fort war erst am späten Abend fest in unserem Besitz. Dreimal haben die russischen Soldaten, zuerst nachmittags bald nach 4 Uhr, die weiße Fahne aufgepflanzt. Zweimal haben die russischen Offiziere sie wieder weggerissen und unter die eigenen Leute geschossen, um sie zu weiterem Wider­stand zu zwingen.

Der Eindruck des Falles von

Brest-Litowsk in England.

Hoek van Hallano, 27. August. (T.-U.) Der Ein­druck des Falles von Brest-Litowsk in London ist ge­waltig, trotzdem er nicht überraschend kam. Seit vielen Tagen bereits meldeten die Petersburger Depeschen der Londoner Blätter sehr Ungünstiges über den Stand der Dinge innerhalb und außerhalb der belagerten russischen Festung. Die englischen Morgenblätter am Freitag ver­öffentlichen den amtlichen deutschen Bericht, dessen Wahr­heit sie keinen Augenblick in Zweifel ziehen, obwohl auch diesmal wieder die Bestätigung aus Petersburg aus-

datz die Untersuchung eine für mich verhängnisvolle Wen­dung genommen haben mußte.

Der Kommissar war völlig ruhig geblieben.

„Setzen Sie sich", befahl er kurz. „Und vergessen Sie nicht, welch schwerer Verdacht auf Ihnen lastet. Ich werde Ihnen beweisen, daß Sie nicht in Notwehr gehan­delt haben, so wahr ich Fritz Hiller heiße."

Taumelnd sank ich auf das Bett zurück.

„Zunächst wollen wir das Märchen von der drohend geschwungenen Vase abtun", sagte er eisig. „Ich war so­eben bei Ihren Verwandten und habe mit deren Zu­stimmung den Versuch gemacht, ob die gußeiserne Vase wirklich einen Fall aus solcher Höhe aushält. Sie g:ng in Scherben. Und dabei ließ ich sie nur aus Schulterhöhe auf den Teppich aufschlagen. Niemals wäre sie also ganz geblieben, wenn sie der erhobenen Hand des von der tödlichen Kugel Ereilten entglitten wäre — niemals!"

Ich vermochte nichts zu erwidern, nichts . . .

„Und nun zu dem Ergebnis der Sektion", fuhr Hiller fort. „Die Kugel, die in die linke Stirnhülfle oberhalb des Auges eingedrungen ist, hat ihren Weg et­was schräg nach unten genommen und wurde in der Schädelwand des Hinterkopfes an einer Stelle gefunden, die fünf Zentimeter tiefer liegt als der Einschuß. Nur ein Riese von drei Meter Länge hätte dem Ermordeten eine solche Wunde beibringen können! Niemals ein Mann wie Sie, der etwa dieselbe Größe wie Schwechten hat. Hätten Sie wirklich auf den aufrecht Dastehenden geschossen, so müßte der Schutzkanal, selbst wenn Schweih- ten den Kopf in demselben Moment vornübergebeugt haben würde, immer nur gerade verlaufen, nie aber um ganze drei Zentimeter nach unten. Diesem schlagenden Beweis gegenüber gibt es kein Leugnen mehr, zumal wir uoch Schietzversuche angestellt haben, die unsere anfäng­liche Ansicht nur bestätigten. — Was sagen Sie nun?!"

(FMfetzung fhlgtl.,