Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Vuchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
Melder
für den Kreis Hersfeld
ÄreisNott
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Nr. 202.
Sonntag, den 29. August
1915
Amtlicher Teil.
Hersfeld, den 24. August 1915.
Der auf Donnerstag, den 2. September ds. Js. in der Stadt Fulda angesetzte Viehmarkt wird unter den seither bekauntgegebenen Bestimmungen abgehalten. Mit dem Austrieb darf um 6V2 Uhr morgens begonnen werden.
Nach § 1 der Polizeiverordnung vom 5. April 1914 (Amtsblatt Seite 182) ist der gewerbsmäßige Handel mit Klauenvieh im Stadtbezirke außerhalb des Marktplatzes verboten.
Auf Grund des § 47 der viehseuchenpolizeilichen Anordnung vom 1. Mai 1912 wird bestimmt, daß nach 812 Uhr vormittags Tiere nicht mehr zum Markt gebracht werden dürfen.
Besonders mache ich noch darauf aufmerksam, daß durch den 2. Zugang (vor der Lindenstraße) zum Vieh- marktplatz nur voruntersuchtes Vieh aufgetrieben werden darf.
Auf Grund des § 168 Absatz 3 der Ausführungs- bestimmungen zum Ausführungsgesetze des Vieh- seuchengesetzes vom 25. Juli 1911 wird augeordnet, daß aus Orten, in denen Maul- und Klauenseuche herrscht, auch Personen von dem Besuche des Marktes ausgeschlossen sind.
1. 10052. Der Land rat.
I. V.:
Frhr. v. Doernberg, Regierungs-Referendar-
Hersfeld, den 26. August 1915.
Ich weise erneut darauf hin, daß Saatgut und Saatgetreide innerhalb und nach außerhalb des Kreises nur mit Genehmigung des Kvmmmntlver- bands — Landrats — veräußert werden darf.
Zur Erläuterung des Begriffs Saatgut und Saata/Kreide bemerke ich, daß das Gesetz unter Saatgut alles Brotgetreide versteht, das zu Saatzwecken verwendet werden soll, während als Saatgetreide solches Getreide anzusehen ist, das von vornherein zu Saatzwecken gezogen wurde und zwar in landwirtschaftlichen Betrieben, die sich nachweislich in den letzten zwei Jahren, also im Erntejahr 1913 und 1914, mit dem Verkauf von Saatgetreide befaßt haben.
Bei allen Anträgen auf Genehmigung zur Veräußerung von Saatgut oder Saatgetreide ist die zu veräußernde Menge nach Roggen und Weizen getrennt in Ztr., Namen und Wohnort des Käufers, und bei Veräußerungen nach außerhalb des Kreises, der Kreis, in dem das Saatgetreide eingeführt wird, anzugeben.
Wer Saatgut oder Saatgetreide ohne Genehmigung veräußert, wird nach § 9 der Bundesratsverordnung vom 28. Juni 1915 — Reichsgesetzblatt Seite 363 — mit Gefängnis bis zu einem Jahre oder mit Geldstrafe bis zu zehntausend Mark bestraft.
Unter den Begriff der Veräußerung von Saatgut oder Saatgetreide ist nicht der Umtausch von Menge gegen Menge unter Zuzahlung des Mehrwerts — zu verstehen.
K. G. 1281. Der Landrat.
J. V.:
Frhr. v. Doernberg, Regierungs-Referendar.
Unsere D Helden
Mit dem „Eisernen Kreuz" ausgezeichnet wurden: Unteroffizier Ehrich Jung, Hersfeld; Oberstabsarzt der Res. Dr. W. Heil, Res.-Jnf.-Regt. 229; Unteroffizier August Aschenbrenner Lispenhausen.
Auf dem Felde der Ehre fielen: Ers.-Res. Heinrich Wenig, Untergeis; Musketier Christian Alles, Solms; Musketier Wilhelm Faust, Hersfeld; Musketier Karl Post, Breitenbach; Landst. WilhelmEisenacher, Mengshausen.
Spart litt die dritte Kriegsanleihe!
Der Reichstag hat vor einigen Tagen einen neuen Kriegskredit von zehn Milliarden bewilligt. In einigen Wochen werden die Scheine zur Zeichnung aufgelegt werden. Nun spart für die dritte Krregs- anleihe des Reiches ! Laßt die letzte Hoffnung unserer Feinde zuschanden werden, die vermeinen, sie würden uns mit den „silbernen Kugeln" schlagen können, da ihnen auf dem Schlachtfelde nur Mißerfolg über Mißerfolg beschieden war. Auch der kleine Sparer kann auf seine Weise dem Vaterlande jetzt nutzen : Wollen wir hinter der Front, geschützt von unseren tapferen Kriegern zu Lande, zu Wasser und in der Luft, hrnter dem Heldenmute, der draußen gezeigt wird, durch klägliches Wägen und Zandern zurückstehen? Wollen wir nicht viel lieber nach unseren Kräften mit denen da draußen, die für uns mit ihrem Leibe ernstehen, wetteifern und trachten, ein Ergebnis zu erzielen, daß es unseren Feinden wie mit den Posaunen des jung- sten Gerichts in die Ohren gellt: Unbesigbar zu Lande,
zu Wasser und in der Luft, unbesiegbar auch auf dem Geldmarkt! Deukt daran: Jede Milliarde, die mehr gezeichnet wird, vernichtet wieder so und so viele Hoff- nnngen unserer Feinde! Jede Milliarde, die mehr gezeichnet wird, ist ei» Schritt weiter zum Siege und zum Frieden! Dn aber, törichter Sparer von Goldstücken! Heraus mit dem Sparstrumpf! Was? Ob dir das „Reich gut ist'?" Wer ist denn das Reich? Sind wir's denn nicht alle, alle 70 Millionen? Und wir sollten uns für ein paar Milliarden nicht „gnt sein,,? Es gibt kein Bedenken: Wer diesmal nicht zeichnet, obwohl er es könnte, der ist kein Deutscher!
Bus der Heimat»
* Das O b st an den L a n d st r a ß e n wird von vielen, namentlich von Kindern oft als herrenloses Gut betrachtet. Nicht nur, daß man sich damit begnügt, das Fallobst zu sammeln, oft genug werden anch die Früchte mit Steinen und dergl. von den Bäumen heruntergeworfen. Es ist deshalb nötig, auf das Strafbare dieses Tuus hinzuweisen. Auch das Etnsammeln von Fallobst ist bei Strafe verboten.
* Die neue K r i e g s a n l e i h e wird diesmal nur in einer öprozentigen Reichsanleihe, nicht aber wie bei der ersten und zweiten Emission auch in Schatzanweisungen bestehen.
* (Verwendungsmöglichkeit für Kriegsinvaliden.) Eine Anregung zur Verwendung arbeitsfähiger Kriegsbeschädigter gibt die Chemnitzer Allgemeine Zeitung, indem sie schreibt: Der württemberg- ische Landesausschuß für Kriegsinvalidenfürsorge hat eine Tabelle heransgegeben über die Verwendungsmöglichkeiten von Kriegsinvaliden im graphischen Gewerbe. Die Tabelle gibt Auskunft darüber, in welcher Art der Kriegsinvalide in der Buchdrnckerei, in der Schriftgießerei und denZibrigen Zweigen des graphischen Gewerbes bet Taubheit, bei Verlust eines Armes, einer Hand oder eines Beines Verwendung finden kann. Die Aufstellung einer solchen Tabelle kann nur begrüßt werden, und es dürfte sich empfehlen anch für die übrigen Gewerbebetriebe ähnliche Aufstellungen auszuarbeiten. Das würde zweckmäßig seitens der körperschaftlichen Vertretungen der einzelnen Gewerbe im Einvernehmen mit den Ausschüssen für Kriegsbeschädigte geschehen. Derartige Verwendungstabellen werden nicht allein unseren arbeitsuchenden Kriegsbeschädigten wertvolle Fingerzeige für ihre besondere Berufsausbildung und ihre Anstellungsgesuche geben, sie werden auch den einzelnen Firmen willkommene Berater bet Anstellnng unserer Kriegsbeschädigten sein.
* (Dan k-Go ttesdie nst am 1. September.) Nach Anordnung des Konsistoriums in Cassel soll in allen Gemeinden am 1. September ein öffentlicher Dankgottesdienst gehalten werden, in welchem, unter Hinweis auf die Wunderhilfe Gottes vor 45 Jahren und auf die weltgeschichtlich bedeutungsvollen Ereignisse der Gegenwart, dem Dank gegen Gott und dem Gelübde des Gehorsams gegen seine heiligen Gebote, Ausdruck gegeben werden soll. Das Weitere ist in den „kirchlichen Nachrichten" bekannt gegeben.
):( Hersfeld, 28. August. Der vielfach erteilte Ratschlag, das Geflügel während der Erntezeit eingesperrt zu halten, kann in dieser allgemeinen Form nicht aufrecht erhalten werden. Sobald der Hafer eingefahren ist, gehört dem Geflügel überall freier Lauf gelassen. Die auf dem Felde ausgefallenen und liegen gebliebenen Körner (die Aehren werden durch Aehrenleser vorher aufgelesen) können durch niemand anders so gut verwertet werden wie durch das Geflügel. Es wäre deshalb verkehrt, die Hühner jetzt nicht auf das Feld zu lassen. Nur muß dafür gesorgt werden, daß sie nicht in die Gemüsegärten kommen. „ ... . .
s Hersfeld, 27. August. Ein großer Teil der deutschen L e h r e r s ch a f t steht im Felde. In Hannover sind etwa 4200 (also ungefähr 41 v. H.), in Hessen-Nassau etwa 3600 (fast 50 v. H.), in Westfalen fast 2900 (27 v. H.), in Braunschweig etwa 650 (40 v. H.), Provinz Sachsen 4600 141 v. H.), Waldeck und Pyrmont etwa 90 (44 v. H.), in Sachsen-Weimar etwa 565 (42 v. H.» Sachsen-Meiningen mehr als 400 (44 v. H.), Sachsen-Altenburg gegen 800 (42 v. Hch Sachsen- Coburg-Gotha annähernd 400 (40 v. H.), Schwarzburg- Rudolsstadt etwa 150 (44 v. H.), Schwarzburg-Sonders- hausen 130 (55 v. H.), und im Großherzogtum Reffen 1350 (mehr als 36 v. H.), Angehörige des Lehrerstandes, unter die Fahnen geeilt. - ©je Lehrerschaft hat sich im Felde glänzend bewahrt, so daß unzählige den Leutnantsrang, ein Hannoveraner gar den des Oberleutnants erreicht hat. Ein „Ruhet in Frieden!" den Vielen, die Ihr Leben dem Vaterlande gegeben.
8 Hersfeld, 28. August. Dem Beispiel anderer Städte folgend, richtet jetzt auch der V a t e r l ä md i sch e Grauen-Verein Hersfeld eine Obst- u. Gemuie- verwertungsstelle ein. Es ist dies eine segensreiche Einrichtung und ein guter Gedanke, auch unsere Verwundeten und unsere Soldaten im Feld an dem reichen Obstsegen des Herbstes teilnehmen lassen zu
wollen. Gerade an Säften für die Fieberkranken, an Mas und Marmelade als Bntterersatz fehlt es so oft. Die oft überbürdeten Hausfrauen werden es mit Freude begrüßen, wenn ihnen diese Arbeit abge- nommen wird und sie nur eine Obstspende zu senden brauchen, und die Schulkinder in der Stadt und auf dem Land werden gern Brombeeren, Hagebutten, Pilze und dergl. für den guten Zweck sammeln. Anch die kleinste Gabe wird gnt verwertet.
):( Hersfeld, 28. August. (Eine gute Kar- t 0 f f e l e r u t e i n A u s s i ch t.) Durch die im vorigen Jahre im Land zurückgebliebenen Kartoffeln wurde einem hiesigen Einwohner jetzt eine erfreuliche Ueberraschnng zuteil, indem er eine größere Menge Kartoffeln vorfand im Gewicht von dnrchschittlich 500 Gramm. Dieselben waren zwischen Gemüsepflanzen gewachsen.
)fl Hersfeld, 28. August. Gestern abend überflog ein Doppeldecker unsere Stadt. Der Insasse, Leutnant Dahlmann, ein geborener Hersfelder, hatte in der Nähe der Kriegsschule eine Karte herunter- fallen lassen: „Gruß an alle Hersfelder."
Melsttngen, 26. August. Der städtische Obsterlös betrug in diesem Jahre 3360 Mark gegen 2514 im Vorjahre und 688 Mark im Jahre 1913.
Frielendorf, 25. August. In dem benachbarten Leuderscheid ereignete sich ein sehr bedanerlicher ihn glücksfall. Mährend der Zubereitung der Mittagskost schärte ein etwa achtjähriges Mädchen des Dienst- knechts G. in Abwesenheit der Mnttcr das Herdfeuer mit leicht entzündbarem Tannenreisig. Die Flammen schlugen im Nu aus dem Herd heraus und entzündeten die Kleider des Kindes. Brennend und laut schreiend eilte das Kind aus die Straße, wo der Nachbar Kr., der selbst heftige Brandwnnden davontrug, das Feuer erstickte. Doch waren die Verletzungen des armen Kindes derart, daß es in der folgenden Nacht unter sehr heftigen Schmerzen starb und gestern unter großer Beteiligung der Gemeinde zu Grabe getragen wurde. Die Mutter ist krank und der Vater zum Heeresdienst herangezogen.
Hatteuhof, 27. August. Eine grausige Tat ereignete sich heute früh in unserem gerade in dieser ernsten Zeit so stillen Dorfe. In einem Anfälle von Geistesumnachtung ermordete heute früh zwischen 1 >7 und 7 Uhr der hochbejahrte Landwirt Gotthard Gvld- bach seine Schwiegertochter, welche in der Scheune beschäftigt war. Die Mordwaffe war ein Messer. Alsdann zündete der alte Mann die Scheune an und erhängte sich. Sein Sohn, der Mann der Ermordeten, befand sich während der Tat in den Wiesen beim Gras- mähen. Als die Tat entdeckt wurde, war die Leiche des Doppelmörders halb verkohlt.
Lurch die Lupe».
Ein Stückchen Zeitgeschichte in Versen.
Seit in England man begriffen, — daß das frühere Prinzip, — and're in den Kampf zu schicken, — diesmal nicht in Geltung blieb, — daß vielmehr zum ersten Male — England selbst dran glauben muh, — macht der Krieg in Englands Köpfen — nur noch Aerger und Verdruß. — Täglich dreimal sich blamieren, — seine Flotte dezimieren, — Bomben auf die Köpfe kriegen, — die aus Zeppelinen fliegen, — daß das ganze London gleich — nur ein einz'ges Flammenreich, — um Soldaten betteln gehen — und sich abgewiesen sehen. — Geld verpulvern Tag für Tag — bis der stärkste Beutel schwach, — ferne an den Dardanellen — seine Kraft umsonst zerschellen, — von dem Japs mit Hohngebärden — tüchtig eingeseist z» werden - und zum Schluß als letzter Rest — die verdammte U-Bootspest", — alles das hat vor dem Kriege — keiner wohl vorausgesehn, — den Ministern sieht die Haare — ständig man zu Berge stehn, — in der Preise umumwunden — sagt man ihnen täglich nen, — daß ihr unvernünft'ges Handeln — kaum noch zu ertragen sei. — All' die überklugen Herren — von der Themse grünem Strand — fürchten jetzt bereits allmählich — für den letzten Rest Verstand, — zittern vor der Schicksalsstunde - wo nach Rußlands Falle prompt Englands Volk die „Bruderrasse", — pünktlich an die Reihe kommt.----Um das Schlimmste abzuwenden wird nichts weiter übrig bleiben, - als sich drei Amerikaner - bei Herrn Wtlson zu verschreiben. Stehen diese drei bei Bpern — dann vor Englands Schützengräben — wird der Deutsche selbstverständlich — keine» weiften Schuß abgebe»!
Walter-Walter.
Trust freie Zidarenen
Perlen feldhen; Heiden'
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