aen im Frieden zu sprechen. Ein kurzer ^nß mit :r Betonung des Hauptwortes, eure kleine Pause, der folgende Satz. Ich stehe ziemlich weit ab und samt hoch fast jedes Wort verstehen. So gut tragt diese kräftige, dunkel gefärbte Stimme. Der Oberste .Kriegsherr dankt seinen tapferen Soldaten im Namen ganz Deutschlands, insbesondere auch den gewaltigen Taten seiner Landwehr und seines Landsturms. Der schönste und höchste Augenblick im Leben dieser Männer. Das sieht man jedem an, das sagt einem nachher jeder. Exzellenz von Beseler bringt das Hoch auf den höchsten Kriegsherrn aus. Wie das schallt über den russischen Exerzierplatz! Der Kaiser verteilt persönlich die Auszeichnungen. Wie die Offiziere voll bewegter Dankbarkeit sind, daß er sich nur kurz bei ihnen aufhält, um bei seiner knapp be- messenen Zeit möglichst lange mit den Mannschaften sprechen zu können, denn nichts geht diesen Offizieren über ihre Leute.
„Adieu, Kameraden!" — „Adieu, Majestät!"
^ Der Kaiser kommt dicht an mir vorbei. Er sieht mich scharf an. Ich kenne den Blick. Heute liegt etwas un- gehener Frohes, fast Humoristisches in dem scharfen Auge. O ihr dummen Vierverbändler, wenn ihr eine Ahnung hättet! ...
Noch vor zwölf Stunden pfiffen hier die Kugeln. Jetzt hat der deutsche Kaiser Parade in Rußlands stärkster Festung abgehalten.
Kaum vierundzwanzig Stunden sind vergangen, da renommiert ein gefangener russischer Offizier beim Verhör an dem mir benachbarten Tisch, daß sich Nowo-Geor- giewsk noch mindestens ein Jahr halten würde. Jetzt ziehen die deutschen Truppen schon weiter zu neuen Taten. Hüte dich, Rußland.
Der Fall der Festung Brest-Litowsk.
Mit ihren Besprechungen des Falles von Brest-Litowsk verbinden die Berliner Morgenblätter ein Gedenken des Jahrestages der Schlacht von Tannenberg. Jm „Lokalanzeiger" heißt es: Heute vor einem Jahre hob der blutige Entscheidungskampf in Ostpreußen an, und gestern ist das letzte russische Bollwerk am Bug ge- falleu. Wahrlich, der Schlachteugott hat Großes an uns getan! Die „Kreuzzeitung" sagt: Mit Brest-Litowsk ist die vielleicht stärkste russische Festung in unsere Hände gefallen. Hoch über der heldenmütigen Erstürmung steht das Verdienst unserer überlegenen Strategie. Im „Berl. Tagebl." äußert Major Morath: Ohne Zweifel dürfe man von dem neuen schönen Erfolg eine erhebliche Wirkung auf die Neutralen voraussetzen. Man sage nicht zuviel, wenn man behaupte, Rußlands Kraft fei schon jetzt auf lange Zeit ausgeschaltet.
Siegesfreude vor dem Kauzlerpalais.
■o-^ Berlin, 27. August. Nach dem „L.-A." faud gestern abend vor dem Reichskanzlerpalais eine große patriotische Kundgebung statt. Ein Teilnehmer führte in ganz kurzen Worten die Einnahme von Brest-Litowsk an und sagte, man bringe dem Reichskanzler den Dank für seine mannhaften Worte im Reichstage.
Von der Westfront.
= Belgien als Frankreichs Verbündeter.
Unter der Ueberschrift „Die belgische Neutralität" schreibt der „Baseler Anzeiger": Von sehr geschätzter Seite wird uns folgender, sehr interessanter und bezeichnender Vorfall erzählt: Auf dem niederländischen Konsulat einer größeren Schweizer Stadt erscheint ein ans Frankreich zurückkommender Mann, der zu einer Reise nach Belgien einen niederländischen Paß verlangt. Es stellt sich schließlich heraus, daß der Gesuchsteller Belgier ist. Unter den Ausweisvorschriften befand sich ein Büchlein, das nach dem Aufdruck für belgische Soldaten bestimmt ist. Es enthält Abbildungen verschiedener französischer Uniformen, die betitelt sind „nos Alliäs" (unsere Verbündeten. Es trägt das Ausgabedatum Juli 1914. Die Geschichte ist völlig verbürgt. Die Personen, durch die wir sie erfahren, sind bereit, mit ihrem Namen für die Richtigkeit einzustehen.
Würdeloses Albion.
Wie in der Nummer der „Times" vom 13. August zu lesen ist, hat die britische Admiralität angeordnet, daß die beschlagnahmten deutschen Dampfer neue Namen erhalten, deren Wahl erkennen lassen soll, daß sie früher den deutschen „Hunnen" gehörten. Demgemäß sind sieben deutschen Schiffen jetzt neue Namen betgelegt worden, die sämtlich mit „Hun" anfangen und die nach Lloyds Register folgendermaßen lauten: „Hungerford", „Hunstanton", „Huntly", „Hunsdon", „Huntreß", „Hunsgate", „Huntfend". Wie läppisch doch die Engländer ihre Wut über Deutschlands Siege gemacht hat und wie dünn der englische Humor geworden ist. Die britische Admiralität gibt sich im furchtbar ernsten Krieg zu solchen Dummenjungen-Witzen her! Jeder Deutsche hat das Gefühl Satz eine solche offizielle Selbstentglet- sung bei uns ausgeschlossen ist. Wir halten noch etwas auf deutsche Würde, während die Engländer in ihrer Wut sie langst als Ballast über Bord geworfen haben. Ihr ganzes Staatsschiff ist vollgepackt mit ohnmächtiger Wut, Haß, Neid und Lüge. Angenehme Fahrt!
" Bericht des türkischen Hauptquartiers. *
Konstantinopel, 26. August. (WTB.) Das Hauptquartier teilt mit: An den Fronten von Anaforta, Art Bnrnu und Seddul Bahr unterhielt der Feind abwechselnd heftiges und schwaches Artilleriefeuer und verschwendete eine große Menge Munition. In der Nacht vom 24. zum 25. August unterhielt der Feind das Feuer bis zum Tagesanbruch. Am 25. August versuchte der Feind mit schwachen Kräften einen Angriff auf Miseren linken Flügel. Die Angreifer wurden aufgerreben. An den anderen Fronten keine Veränderung.
Der heilige Krieg gegen Italien.
^ Chiasso, 27. August. (T. U^ Der „Secolo" meldet aus Konstantinopel, daß der Scheck ul Islam den Heiligen Krieg gegen Italien ausgerufen habe.
Der Balkan.
Deutschfreundliche Stimmung in Griechenland.
Solingen, 27. August. (T. U.) Wie die Stim- Mttttg Griechenlands zugunsten, Deutschlands umge- 'chlagen ist, zeigt ein Brief, den ein Schüler des hiesigen Gymnasiums von seinen in Athen lebenden Eltern vorgestern erhielt. Darin heißt es: Hier in Athen wird man immer deutschfreundlicher. Im Theater finden jeden Abend deutschfreundliche Kundgebungen statt, wo- bei Rufe „Hoch lebe Deutschland, hoch lebe der Kaiser ertönen. Auf England ist man wütend, weil es Griechen- land auf alle Art quält, mitzukämpsen gegen Deutsch- lanb. Die Stimmung ist hier ganz umgeschlagen, ganz auf deutscher Seite. Mittwoch abend sollte ein großer Umzug durch die Stadt erfolgen als ein Protest gegen die Zumutung des Vierverbandes.
Ei« Lob deutscher Tüchtigkeit.
In einem Leitartikel führt „Ekstrabladet" vom 19. Yugmt solgenM gMl MW. kWV stM MLML SSL
es augenblicklich den Verbündeten betrüblich geht. Kowno und der russische Rückzug ist uicht die Hauptsache. Niederdrückeud sind in erster Linie die Verluste, die die Deutschen der englischen Flotte fortdanernd zu- fügen. Die moralischen Wirkungen ihrer Ueberrum- peluugen der englischen Flotte sind sicher recht bedeutend und höchst beschämend für das Prestige der britischen Flotte. Auch die Lnftbvmbardemenis sind für die Verbündeten unbehaglich. Wo bleiben nach einem Jahr Krieg die englischen Luftschiffe und die frauzösische Luftflotte, die sich cDenfo gut über Berlin und Cöln zeigen könnten, wie die Deutschen über London? Ueberall sieht man deutsche Juitiative, so glauzvoll und so sicher, daß man in einen Ruf des Erstaunens ausbrechen möchte. Die anderen Parteien haben derartiges nicht oder nur ausnahmsweise — aufzuweisen. Ueberall sind die Deutschen der angreifende Teil und benutzen die Gelegenheit, ihre glänzenden Eigenschaften zu entwickeln. Das Geheimnis der großen deutschen Siege ist offenbar in dem Mißverhältnis zwischen Deutschlands geistiger Entwicklung und derjenigen seiner Widersacher zu suchen. Gewiß sind in diesem Kriege die Stärkeverhältnisse sehr ungleich. Aber je länger der Krieg dauert, desto mehr erkenut mau au, daß die augenblickliche Erfolge der Deutschen zu einem siegreichen Ende führen müssen. Man muß fast glauben, daß es ttberhanpt auf der Welt nichts gibt, was dem deutschen Militärwesen widerstehen kann. Möglicherweise hatten die Engländer recht, als sie einen zwei- bis dreijährigen Krieg prophezeiten, aber ein Ideal für England ist doch ein so ungeheurer Krieg nicht. Vor allen Dinen steht man jetzt vor der Aufgabe, die Deutschen aus den besetzten Gebieten Herauszutreibeu. Ist die Lösung dieser Aufgabe überhaupt möglich? Sind diese Pfänder in Deutschlands Händen nicht allein schon eine Entscheidung? Diese verzweifelte Lage der Verbündeten ist das Ergebnis deutscher Vorbereitung und deutscher Tüchtigkeit.
Kriegsallerlei.
Ruhigere Auffassung über die „Arabie" in Amerika.
Die „Köln. Zig." erführt aus Washiugton durch Funkspruch: Die aus Aulast des „Arabic"-Falles ent- standeue Lage bessert sich, weil die Engläuder mit einer Meldung zurückhalten. Es wird nichts unternvunneu, bis der Tatbestand klar liegt. Das Land ist, von gewissen Kreisen abgesehen, vollständig ruhig; die friedensfreuno- liche Stimmung wächst stark und schnell, v
Brennende Holzschiffe in der Nordsee.
Wie „Berlingske Tidende" meldet, ist der Dampfer „Nimrod" von Leith in Kopenhagen angekommen. Er fuhr auf seiner Reise durch die Nordsee an nicht weniger als sechs großen brennenden Schiffen vorüber, die augenscheinlich alle mit Holz beladen und von deutschen Unterseebooten in Brand gesetzt worden waren.
Der erste Schneefall in den Alpen.
Nach Blättermeldungen ist auf dem italienischen Kriegsschauplatz der erste Neuschnee, zum Teil bis 1 Meter hoch, gefallen. Der starke Wettersturz in den Hochalpen ist allgemein. Es hat bis auf 1800 Meter hinunter geschneit. Der Alpenübergang werde durch den bevorstehendeil Winter für die Italiener noch uneinnehmbarer als bisher.
Kameradschaft bei den Schippern.
Dem Feldpostbrief eines Armierungssoldaten entnimmt die „Köln. Ztg." folgendes: „Die Tage, die der Kompagnie Verluste an Toten oder Verwundeten bringen, gehören zu den schwärzesten der harten Zeit. Nicht nur der beklagenswerte» Opfer allein, gedenkt man, nein, auch den Schmerz, den die Trauernachricht zu Hause aus- löst, fühlt ein jeder mit. Todesfälle aber verursachen große Kosten. Das wissen auch die Schipper. Deshalb haben sie eine Kasse gegründet, in die jeder nach Belieben einzahlen kann. Die Witwe des Gefallenen oder den Eltern, denen der Ernährer entrissen wurde, werden aus dieser Kasse zur Linderung der ersten Not 100 Mark übersandt. Vier Sammlungen ergaben die hübsche Sutmne von 612 Mark. Bedenkt man, daß viele der Mannschaften von der zehntägigen Löhnung regelmäßig 4 bis 5 Mark nach Hause senden und den Rest, anstatt ihn für Bier oder andere Getränke auszugeben, in die Unterstützungskasse fließen lassen, so muß man mit Recht sagen, „Hut ab" vor solcher Kameradschaft."
Vermischtes.
51 Ritter des Pour le Märite. Durch die Verleihung des Ordens Pour le Mörite an den Kronprinzen Rupp- recht von Bayern, Kronprinzen Wilhelm und Herzog Albrecht von Württemberg ist die Zahl der Ritter. die die Kriegsklasse erhalten haben, auf 51 gestiegen. Unter den mit dem Kriegsoröen ausgezeichneten Rittern sind acht fürstliche Truppenführer, drei Generalfeldmarschälle, fünf Generaloberste, 24 Generale, fünf Generalleutnants, zwei Generalmajore und ein Leutnant. In der Marine haben die Kriegsanszeichnung außer einem Großadmiral noch zwei Kapitänleutnants erhalten. Das goldene Eichenlaub des Ordens ist bereits zehnmal verliehen worden, und zwar tragen es drei Generalfeldmarschälle, ein Generaloberst, fünf Generale und ein General- 2700 Schaffneriuuen in Berlin. Bei der Großen Berliner Straßenbahn sind jetzt, wie die „Vossische Zeitung" meldet, infolge Einberufung des Fahrpersonals rund 2700 Schaffnerinnen eingestellt.
Was in Paris bestraft wird. Der „Temps" meldet aus Paris, daß eine 60jährige Dame, die im Luxemburg- garten erklärt hatte, daß Deutzchland für den Krieg gerüstet sei, daß die Alliierten in schlechter Lage seien und daß Frankreich keine Munition habe, vom Pariser Kriegsgericht zu 20 Tagen Gefängnis verurteilt wurde. In der Urteilsbegründung wurde hervorgehoben, daß die von ihr geführten Reden einen ungünstigen Einfluß auf die Stimmung der Armee und Bevölkerung aus- zuüben geeignet wären.
Der falsche Unterarzt mit dem Eisernen Kreuz. Ein jugendlicher Kriegsschwindler, der u. a. auch in der Rolle eines mit dem Eisernen Streits geschmückten Unterarztes Schwindeleien gegen eine Anzahl Krcegswitwen und Kriegerfrauen verübt hatte, wurde von der Berliner Strafkammer auf längere Zeit unschädlich gemacht Wegen Betruges in neun Fällen, tn Verbindung mit schwerer Urkundenfälschung, unbefugten Tragens eines Ordens und Beilegung eines falschen Namens war der erst 19jährige frühere Handlungsgehilfe Reinhold Plötz an- aetlaat. Einen gerade schamlosen Schwindel verübte Plötz u. a. einer Frail Baudach gegenüSer, deren Mann bei Nieuport gefallen war. Er erlebten hier wieder als Unterarzt und erklärte, er sei beauftragt, den Gesund- Hestszustand der Familie festzustellen, um daraufhin Milch-und Fleischscheine anweisen zu iassen, Er untersuchte den 16jährigen Sohn und die 14jahrige Tochter, um dann nach der Untersuchung zu erklären,, daß das Mädchen „herzkrank" sei. Er stellte sogar smet Rezepte aus von denen eins, obwohl es nur Schtiörkel enthielt, merkwürdigerweise in einer Apotheke zur Aufer-
Mark, für die er augeblich drei Zentner Kartoffeln uec fern rvollte, abgeuommen hatte. Einer Frau Femerling gegenüber gab sich P. als Gerichtsbeamter aus und lockt« ihr 81 Mark und 5 Mark „Wartegeld" ab, da ihr Mtanu sonst nicht aus der Untersuchungshaft entlassen würde Außerdem ließ er die Frau beschwören, daß sie keine gestohlenen Fahrräder gekauft habe. — Der Angeklagte schreckte aber selbst davor nicht zurück, einem Arbeiter, dessen Sohrl ertrunken war, 40 Mark in der 9ioHc eines Beamten der Unfallstation abzuschwindeln.
Unsere Truppen als Festungsbezwinger.
Kein fester Platz vor den Deutschen sicher.
Mit Brest-Litowsk ist wiederum ein starker russischer Waffenplatz gefallen. Ein neues Glied der russischen Sperrkette, eines der letzten, ist gesprengt, ein neuer, für die Versammlung und Verschiebung großer Heeres- massen besonders wichtiger Punkt dem Feinde abgenom- men. Als Festungsbezivinger stehen unsere Truppen seit dem Einfang dieses Krieges unerreicht da. Im Westen find neun Festungen in unsere Hände gefallen: Lüttich, Namur, Longwy, Mvumedy, La Fere, Laon, Maubellge mtd Lille und Antwerpen: außerdem sechs Forts P(a- uonviller, Givet, Ayvelles, Hirson, Coude, Camp des Romains. Im Osten hat Rußland die elf Festungen Libau, Rozan, Pultusk, Jwarigorod, Warschau, Lomscha, Ostrolenka, Kowno, Nvivo-Georgiewsk, Offomfes und Brest-Litowsk au mt§ verloren. Die Wegnahme der festen Plätze in Belgiett und Frankreich fällt in die ersten zehn Wochen des Krieges, die der russischen Festungen hat fast — von der Vesetznlig Libans am 8. Mai 1915 abgesehen — erst am Ende des ersten Kriegsjahres begönne,l.
Trotz den in der Zwischenzeit überall gesammelten Erfahrungen i|t aber das Bild in feinen Grundzügen unverändert geblieben: einer regelrechten Bclagernng durch deutsche Truppen entzieht sich kein fester Platz. In kurzer Zeit erliegen die Werke und die Waffen der Besetzungstruppen der unerhörten Wirkung der deutschen und österreichisch-ungarischen schweren Geschiitze. Lüttich wurde in überrumpelndem Sturin, Namur tu fünftägiger, Ällaubeuge uach zweitägiger Beschießung, Antwerpen, „die stärkste Festung der Welt", nach zwölf- tagiger Belagerung durch verhältuisuittßig schwache Truppen genommen. Einen Teil der obengenannten Festungen verteidigten die Franzosen überhaupt nicht, ein anderer Teil wurde ihnen nach kurzer Beschießung genommen; in mehreren Fällen war ein Jnsanterte- sturm nicht mehr nötig.
Ganz ähnlich ist es nun auch im Osten ergangen. Libau, Rozau Pultusk, Lomscha, Ostroleuka und Osso- wiez find ohne regelrechte Belagerung gefallen, Warschau gabeu die Russen preis, als die Blvniestelluug von unseren Truppen genommen war, und auch Praga räumten sie nach vier Tagen. Jwangorob war am 13. Tage nach dem Beginn des Angriffs besetzt, Kowno nach zwölftägiger Beschießung, aber auch die Einnahme der großen Festung Nowo-Georgiewsk mit ihren mehr als 700 Geschützen und über zwei Armeekorps Besetzungs- truppen hat wenig länger gedauert: am 7. August fiel das Fort Dembe, am 9. August der gauze Platz tu unsere Hände. Bet Brest-Litowsk wurde eine Woche laug um die Vorstellungen gekämpft und dann die ständigen Befestigungen sofort im Sturm genommen.
Wiecheit diese Erfahrungen, die sich in so auffallender Weise nach Ablauf des ersten Kxiegsjahres erneuern, bereits einen allgemeine» Schluß auf den Wert der Fe- ftuugen im Kriege der Gegenwart Anlassen, kann späteren Erörterungen vvrbehalteu bleiben: es mag vorerst die erfreuliche Tatsache genügen, daß unsere Gegner keinen auch nur annähernd ähnlichen Erfolg im Kampfe gegen Festungen aufzuweisen haben. Tsingtau und Przemysl sind erst nach einer monatelaugeu 8te- lagerung voll heißer Kämpfe ruhmreich gefallen; die Festung Boyeu ist uueittuehmbar geblieben. So find wir vorderhand berechtigt, die Fähigkeit der Ueber- raschung und schnellen Bezwingung fester Plätze als eine besondere Eigenart der deutschen Truppen und unserer Verbündeten anzusehen. Den Führern, die so Großes erzielten, den Tapferen, die es durchstritten, und den Männern die dazu die gewaltigen Waffen ersannen und fertigten, schuldigen mir dafür um so mehr Bewunderung und Dank.
Weitere Drahtnachrichten«
Der französische Kampfbericht.
w. Paris, 27. August. (WTB.) Der gestrige Siach- mittagsbericht meldet: Im Artois und in den Argonuen Kämpfe mit Bombetl und Handgranaten. Im Gebiet von Roye andauernde scharfe Tätigkeit beider Artillerien. Am 24. August bombardierte eins unserer Flugzenge den Bahnhof Offenburg. Am 25. August überflog ein Geschwader von 62 Flugzeugen die Hochöfen von ©Klingen (Geschoß- und Pauzerplattenfabrik), auf die es über 150 Granaten, darunter 30 großkalibrige, warf.
Mnnitionsexplosion in Frankreich.
»s*. Paris. 27. August. (WTB.) Der „Temps" mel= det eine fürchterliche» Explosion in einer pyrotechnischen Fabrik bei St. Vermaln en Laye, die sich gestern nachmittag ereignete. Die Fabrik war lange Zeit in eine Rauchwolke gehüllt. Drei Arbeiter und eine Arbeitertu wurden bisher als Leichen geborgen. Die Ursache der Katastrophe war Unvorsichtigkeit.
Ein Vermaltungsoberhaupt in Kurland.
w Berlin, 27. August. Nach der „Pol. Korresp." ist der preußische Abgeorduete Landrat a. D. Gosler zuin Chef der Zivilverwaltung in Kurland ernannt.
Der unerschütterliche Zar.»
w Paris, 27. August. (WTB.) Die Agence Havas meldet, der Zar habe in einer Unterredung mit dein frühere» Minister Cruppy gesagt, Frankreich könne aus Rußlands unerschtttterlicheu Willen rechnen, bis zum cndgiltigcn Siege zu kämpfen.
Serbieus Vorbehalte.
^ Sofia, 27. August. (T. U.) Naclrrichtcn aus Nisch besagen nach dem „B. T.", daß die serbische Wnüvortiiok an die Entente am 25. August überreicht wurde. Serbien ist zu Gebietsabtretuugen an Bulgarien bereit, aber nur unter der Bedingung, daß der erste Teil der Kompensation abgetreten wird, sobald Bulgarien eine Aktion gegen die Türkei beginne, der andere aber erst nach dem Friedensschluß. Ein maßgebender Politiker erklärte, das eine Verständigung mit Bulgarien völlig ansgeschlosseu sei, jedoch werde die Fortsetzung der Verhandlungen erwartet.
Bergarbeiterstreik in England.
»ü* London, 27. August. (T. U.) In Pontyprik haben 1000 Bedeute die Arbeit uiedergelegt, ohne das sie vorher die Vermittlungskommission oder das Berg- arbeitersyndikat zur Schlichtung der Differenzen angerufen hatten. Sie beschlossen, nicht eher zur Arbeit zu- rückzukehren, bis diejenigen Arbeiterkreise, die zur Entscheidung des Ministers Runziman von dem Ertralohu für Nachtarbeit ausgeschlossen wurden, diesen ebenfalls erhielten. Es handelt sich vornehmlich um Maschinisten Heizer usw., welche denselben Lohn für Nachtarbeit wie die übrigen Arbeiter beanspruchen.