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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

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für den Kreis Hersfeld

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Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im r amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Nr. 30L

Sonnabend, den 38. August

1915

Amtlicher Teil

Hersfeld, den 24. August 1915.

Aus gegebener Veranlassung mache ich die Orts­polizeibehörden erneut auf die ihnen obliegende Ver­pflichtung zur Benachrichtigung der Militärbehörden beim Ausbruche ansteckender Krankheiten nachdrücklichst aufmerksam.

Ich verweise insbesondere auf die Bekanntmachung des Herrn Reichskanzlers vom 28. Februar 1911, Reichsgesetzblatt Seite 63 und meine Verfügungen vom 12. Februar 1903 l. 911 Kreisblatt No. 20 und vom 19. Juni 1905 I. 4174 Kreisblatt Nr. 75.

I. 9875. Der Landrat.

V.:

Frhr. v. Doernberg, Regierungs-Referendar.

Deutscher Reichstag.

Mit der vom brausenden Beifalle der Volksver­treter begrüßten Kunde vorn Falle Brest-Litomsks eröffnete Präsident Dr. Kaempf die Sitzung vom Donnerstage. In Fortsetzung der Besprechung der Anträge und Entschließungen des Haushaltsausschusses wurden zunächst Heeresfragen besprochen. Erster Redner war Abg. Stücklen (Soz.) Er besprach die Be­handlung der auszubildenden Mannschaften, die er eine vielfach vorschriftswidrige" nannte. Er erkannte zwar an, daß das Kriegsministerium energisch einge­schritten sei, forderte jedoch ein Weiterschreiten auf dem eingeschlagenen Wege. Man fange sogar an, sozialdemokratische Zeitungen zu verbieten. Wo bleibe da der Burgfriede? Was die Gefangenenlager anlange, so herrschten dort durchweg gute Zustände. Seine Freunde beantragen, daß den immobilen Mann­schaften auch die Kriegslöhnung gewährt werden solle. Eine Revision des Beschwerderechts muß spätestens nach dem Kriege erfolgen. Reichsschatzsetzretär Dr. Helfferich anwortete, daß er gewiß ein gutes Herz für die Soldaten, aber auch die Verantwortung für die Reichsfinanzen habe. Er habe nicht etwa alles abge­lehnt, was das Reich belaste. Wo Härten bestanden, seien sie beseitigt worden. Diesen Ausführungen folgten Erklärungen fast aller Parteien, daß sie für alle Anträge und Wünsche eingetreten seien, die ge­eignet seien, die Mannschaften und ihre Angehörigen zu sichern. Abg. Kreth (kons.) erklärte besonders, alle Beschwerden verschwänden vor dem glänzenden Bilde der Kameradschaftlichkeit in der ganzen deutschen Armee. Die, die draußen stehen, haben die Ueber­zeugung, daß Offiziere und Mannschaften treu in dem einen großen Ziele zusammenstehen, gemeinsam einen völligen und ruhmreichen Sieg zu erkämpfen. (Beifall.)

Stellv. Kriegsminister v. Wandel erklärte nun, daß er nach diesen Ausführungen nicht mehr nötig habe, seine Erklärungen im Ausschusse zu wiederholen. Allen Anregungen und Beschwerden werde er nach­gehen. Die Militärverwaltung werde bemüht sein, das Heer schlagfertig zu erhalten durch sorgfältige Aushebung und Förderung des Geistes in der Armee durch angemessene Behandlung, der neben einer tüchtigen Ausbildung allein zum Siege führen könne. Das Haus nahm diese Erklärung mit lebhaftem Bei­fall entgegen und stimmte den Entschließungen des Ausschusses auf Erhöhung des Verpflegungssatzes für Mannschaften im Kriege auf 1,20 Mk. täglich zu. Zur weiteren Erörterung standen Entschließungen, die Teuerungszulagen für Beamte und Arbeiter, Er­höhung der Familienunterstützung vorsehen, sowie ein Gesetzentwurf, wonach eine Aufrechnung dieser Unterstützung auf die Hinterbliebenenunterstützung bis zu drei Monaten unterbleiben soll. Abg. Bauer (Soz.) beklagte dabei die Beeinträchtigung der Tätig­keit der Gewerkschaften und trat für Aufrechterhaltung des Nachtbackverbots auch im Frieden ein. Nach weiterer kurzer Erörterung wurden die Anträge an­genommen. Freitag Fortsetzung.

Ein JahrSessilcheKriegsoersicherung."

Am 25. August 1914 drei Wochen nach Ausbruch des noch in unverminderter Heftigkeit andauernden Völkerkriegs wurde nach dem Vorgänge Napaus dieHessische Kriegsversicherung" ins Leben gerufen. Ein kurzer Rückblick auf die Entwickelung und dre bisherigen Leistungen dieser Versicherungseinrichtung dürfte daher ebenso angebracht, als erwünscht sein.

Zunächst sei - da sich gezeigt hat, daß in diesem Punkte mehrfach irrige Auffassungen bestehen da­rauf hingewiesen, daß dieHessische Knegsverstcherung eine reine Unterstützungskasse auf GegeniertrgkeU ist. Träger der Versicherung sind die Verircherten, nicht die Landeskreditkasse, ebensowenig der Hepische Be­zirksverband. Die Versicherungseinrichtung ist von dem letzteren geschaffen und ihre völlig kostenfreie Ver­waltung liegt der Landeskreditkasse ob.

Die Bedingungen für dieHessische Krtegsverstche- rung" wurden zunächst vom Landesausschuß festgestellt, dann vom Kommunallandtag bestätigt und von dem zuständigen Minister genehmigt; sie sind also für die

Verwalterin der Kasse bindend. Nach ihnen können versichert werden solche Kriegsteilnehmer, die ihren letzten Wohnsitz vor Ausbruch des Krieges im Re­gierungsbezirk Cassel oder im Fürstentum Waldeck gehabt haben. Daneben können auch anderwärts wohn­haft gewesene Kriegsteilnehmer zugelassen werden, die bei einem hessischen Truppenteil eingezogen worden sind.

Alsbald nach Einrichtung derHessischen Kriegs­versicherung" wurden durch Vermittlung der Kgl. Landräte und Fürstlichen Kreisamtmänner in fast sänrtlichenMemeinden Hessens und Waldecks Annahme­stellen errichtet, die meist in den Händen der betr. Bürgermeister lagen. Im ganzen dürften über 2000 solcher Stellen tätig gewesen sein. Dazu traten die städtischen und Kreis-Sparkassen, sowie zahlreiche länd­liche Genossenschaften und die Landesrentereien. Außer­dem waren Vereine aller Art, größere industrielle Werke und in hervorragender Weise viele Geistliche beider Konfessionen für die Ausbreitung der Versiche­rung tätig.

Im ganzen sind im ersten Jahre des Bestehens derHessischen Kriegsversicherung" gelöst worden 40500 Anteilscheine zu je 10 Mark Der ErlöS ist alsbald nach Eingang bet der Landeskreditkasse für die Ber- sicherungskasse verzinslich angelegt worden. Schen kungs- weise sind dieser bis jetzt zugeführt worden von der Landeskreditkasse 25000 Mk., von der Landesversiche­rungsanstalt 3000 Mk., durch Spenden Privater 5300 Mark.

Nach den Versicherungsbedingungen haben die Hinterbliebenen eines gefallenen Versicherten sofort nach erfolgtem Nachweis des Todes der durch Vor­lage einer gewöhnlichen standesamtlichen Sterbeur­kunde zu erbringen ist Anspruch auf Empfang einer Abschlagszahlung von 100 Mk. für jeden Anteilschein. Bis jetzt sind infolge dieser Bestimmung die nur bei derHessischen Kriegsversicherung" gilt ausgezahlt worden 230000 Mk. auf 2300 Scheine. Diese Scheine verteilen sich auf rund 1150 Personen, so daß im Durchschnitt auf einen gefallenen Kriegsteilnehmer 2 Scheine entfielen.

Eine sichere Angabe über das prozentuale Ver­hältnis der gefallenen zu den versicherten Kriegtetl- nehmern ist natürlich zur Zeit noch nicht möglich, da die Zahl der versicherten Personen der Landeskredtt- kasse nicht bekannt ist. Nimmt man aber an, daß das bis jetzt festgestellte oben angegebene Verhältnis der gelösten Anteilscheine zur Zahl der Versicherten über­haupt zutreffe, so würden, da im ganzen 40500 Anteil­scheine zu je 10 Mk. gelöst sind, 20250 Personen ver­sichert sein und da 1150 Todesfälle nachgewiesen sind, bis jetzt etwa öW» -er Versicherten gefallen sein.

Diese, die Verhältniszahl des Krieges von 1870 71 (4%) bereits übersteigende und bei längerer Fortdauer des Krieges sich aller Wahrscheinlichkeit nach noch un­günstiger stellende Ziffer läßt es dringend erwünscht erscheinen und macht es allen Kriegsteilnehmern und deren Angehörigen auch jetzt noch zur Pflicht, sofort beim Ausmarsch der Hessischen Kriegsversicherung bei- zutreten.

Auch in den anderen Provinzen der Monarchie sind gleichartige Versicherungen, Unterstützungskassen a. G. jedesmal für den Bereich der betr. Provinz ins Leben gerufen worden. Um einen Ausgleich des Risikos zwischen den einzelnen provinziellen Versiche­rungskassen herbeizuführen und auf eine tunlichst gleiche Höhe der demnüchstigen Versicherungssumme hinzuwirken, haben sich die Versicherungseinrichtungen aller Provinzen mit Ausnahme von Hannover und der Rheinprovinz zu einem Verbände zusammen­geschlossen. Dies ermöglicht der Verwaltung der Hessischen Kriegsversicherung" auch Versicherungen von nicht in Hegen oder Waldeck wohnhaft gewesenen Personen als gültig zu behandeln, wenn diese in einer anderen preußischen Provinz, abgesehen von Hannover und Rheinland ihren Wohnsitz hatten.

Die oben erwähnten schenkweisen Zuwendungen, denen hoffentlich noch weitere folgen werden, kommen nur den Teilnehmern derHessischen Kriegsversiche­rung" zu gute, sie werden bei der Verrechnung mit den anderen Provinzen nicht einbezogen.

Hus der Heimat«

* (Erst lesen, dann unterschreiben!) In­folge der durch den Kriegszustand verursachten Ab­wesenheit vieler Männer erscheint folgende Mahnung an die Frauen zur Vorsicht wieder angezeigt: Es kommt nicht selten vor daß Frauen in Abwesenhett ihrer Männer von redelustigen Reisenden aufgesucht und dazu gebracht werden, einen ihnen vorgelegten Bestellschein zu unterschreiben Der Inhalt des Scheines stimmt gar oft nicht mit dem mündlich Ver­sprochenen überein. Man mache sich daher zum Grundsatz, nichts zu unterschreiben, was man nicht zuvor genau durchgelesen, noch in 'einer ganzen Trag­weite erfaßt hat, insbesondere keinen Bestellschein zu unterschreiben, worin nicht klipp und klar die End­summe der Bestellung enthalten ist. Klauseln, die man nicht versteht und die eine unbillige Erschwerung der Rechtslage des Bestellers bezwecken, streiche man ohne weiteres.

* (Vorsicht mit A u s w e i s p a p i e r e n.) Es wird dringend gewarnt, den noch im Ausland befind­lichen Deutschen Ausweispapiere wie Geburts- und HeimatSscheine zu seuden, weil dadurch der feindlichen Spionage Vorschub geleistet werden würde.

-oe- Hersfeld, 27. August. Die Herb st zeitlose erscheint wieder auf feuchten Wiesen und an sumpfigen Waldstellen. Die hübsche blaßvivlette Blüte wird von Kindern gern gepflückt; da sie jedoch äußerst giftig ist, soll man den Kindern äußerste Vorsicht anraten. Der giftige Bestandteil ist das Colchieum oder Colchicin, ein Stoff, der in der Tierarzenetkunde noch vielfach Verwendung findet und früher auch im Arzenetschatz des Menschen eine Rolle spielte. Sowohl die Blüte als auch die knollige Wurzel enthalten reichliche Mengen dieses Giftes. Glücklicherweise ist eine Ver­wechselung der Herbstzeitlose mit anderen Pflanzen ihres eigenartigen Aussehens wegen ausgeschlossen. Sofern Kinder folgsam sind, sönnen sie deshalb kaum aus Versehen Schaden erleiden.

):( Hersfeld, 27. August. (Sanitäts Hunde b e t r.) Wie wir kürzlich berichteten, hat die Samm­lung zur Beschaffung von Sanitätshunden und zur Unterstützung geeigneter Führer des Deutschen Vereins für Sanitätshunde in den Landgemeinden und GutS- bezirken unseres Kreises den Betrag von 1428,45 Mk. ergeben. Dazu kommen aus der Stadt Hersfeld 1598,15 Mk., ergibt zusammen 3026,25 Mk. Zu der Summe aus der Stadt Hersfeld steuerten bei: Der Kaninchenzuchtverein 20,00 Mk., die Literarische Ver­einigung 20,00 Mk., die Ziegenzuchtvereinigung 10,00 Mk., der Kriegerverein 25,00 Mk., der Touristen klub 25,00 Mk., der Brieftaubenklnb Hersfeld 7.00 Mk., der Schützenverein (1861) 10,00 Mk., der Zweigverein Hersfeld des Bundes Deutscher Militäranwärter 27,50 Mk., der Postnnterbeamtenverein 12,20 Mk., der Chorverein 25,00 Mk., der Turnverein Iahn 5,00 Mk., der Fremdenverkehrsverein und der Bürgerverein für städtische Angelegenheiten zusammen 483,50 Mk., der Gesangverein Sängerchor 15,00 Mk., der Gesang­verein Liederkranz 18,00 Mk., der Stenographenverein Stolze 27,00 Mk., der Deutschnationale Handlungsge­hilfen Verband, Ortsgruppe Hersfeld 5,00 Mk., der Allgemeine Beamtenverein Hersfeld und Umgebung 20,00 Mk, der Handels- und Gewerbeverein 25,00 Mk., der Sängerverein 24,00 Mk., Eisenbahn-Verein Hers­feld 15,00 Mk., zusammen 814,20 Mk. Dazu kommen noch die Beträge der Sammelstellen folgender Firmen : Webert'sche Buchhandlung 4,00 Mk., F. Sauer 82,70 Mk., W. Seelig u. Co. 5,00 Mk., Carl Krach 4,00 Mk., Carl Grebe 1,00 Mk., Ed. Ärncb 14,00 Mk., Gebr. Schreiber 2,00 Mk., Sophie Rehn 8,00 Mk., Bächstädt Nachf. 2,00 Mk., E. Andree 3,00 Mk., Herm. Altenburg 5,00 Mk., E. Hirschberger 8,55 Mk., Hotel Deutsches Haus 10,00 Mr., Depositenkasse L. Pfeiffer (Zeichnung der Luisenschule) 200 Mk., Bankier S. Hahn 3,00 Mk., Reichsbank 3,00 Mk., Landesrentneret 5,00 Mk., Hotel Stern 49,00 Mk., Sammlung des Herrn Lehrer Schäfer im Landkrankenhaus 35,20 Mk., Stadtkasse 11,00 Mk., Sparkasse 58,50 Mk., zusammen 458,95 Mk. Wetter hat die Arbeiter-Bereinigung der Tuchfabriken A. Rechberg, Georg Braun und Rehn und Co., der mechanischen Weberei Ad. Wever und der Lederfabrik Jean Rechberg den Betrag von 325 Mk. gesammelt und direkt eingesandt. Auch diesen hochherzigen Spen­dern sei hiermit bester Dank ausgesprochen für ihre patriotischen Gaben.

Cassel, 25. August. (Die Preisträger des Henschel- bad-Preisausschreibens.) Zur Erlangung von Ent­würfen für den Bau einer städtischen Bade- und Schwimmanstalt, die den Namen Henschelbad tragen soll, hatte die Stadt ein Preisausschreiben veranstaltet, worauf 110 Entwürfe eingegangen waren. Das Preis­gericht hat jetzt beschlossen, einen ersten Preis nicht zu verteilen, sondern den ausgeworfenen Betrag für drei Preise von je 3500 Mk. zu verwenden, die den Entwürfen der Architekten Heinrich Stumpf-Darm- stadt, Walther Willi Uhlit-Kösen, H. Mannhardt-Kiel zugesprochen wurden. Außerdem beschlossen die Prers- richter den Ankauf von zwei Entwürfen der Architekten Karl Pfeiffer-Erfurt und Philipp Hötttnger-Hetdelberg, für je 1000 Mk. Die erworbenen Entwürfe werden vom 29. August ab vierzehn Tage lang im Landes­museum ausgestellt werden.

Cassel, 25. August. Die Handwerkskammer für Hessen hält ihre nächste Vollversammlung, zu der auch der Gesellenausschuß Einladung erhalten hat, am 6. September mittags in der Landesversicherungsanstalt ab.

Biedenkopf, 22. August. Ein verheerender Brand hat nachts die Holzwarenfabrik C. Koch (Inhaber Fr. Bremer) in dem benachbarten Berleburg zum größten Teile vernichtet. Der angerichtete Schaden ist sehr bedeutend.

Wetteraussichten für Sonnabend den 28. August.

Heiter, trocken, warm, nachts kühler, schwache nordöstliche Winde.