DereftS «nterzefchnet?
Die „Nattonalztg." schreibt: Die bulgarische Gesandtschaft in Berlin teilt uns mit, daß nunmehr das neue bulgarisch-türkische Nebereinkommen unterzeichnet ist. Damit hat sich ein Ergebnis von hoher Bedeutung vollzogen. Vierundzwanzig Stunden nach der italienischen Kriegserklärung tritt an die eeite der Türkei ein neuer Freund: Bulgarien, dessen Heere bereits in den letzten Balkankriegen so bewunderungswürdige Proben der Tapferkeit vor der Welt abgelegt haben. Die Wunden, die jene Kriege dem bulgarischen Heere geschlagen haben, sind längst verheilt. Das bulgarische Heer ist heute besser ausgerüstet und stärker als je zuvor. Wie uus von maßgebender Stelle erklärt wird, hat die Stärke des bulgarischen Heeres währeud des Balkankrieges — bei einer Bevölkerung von etwa fünf Millionen Einwohnern - nahezu 870 000 Mann betragen ein Verhältnis in bezug auf die Bcvolkeruugszahl, wie ein solches von keinem anderen Staate bisher aufgewiesen ist.
Englische Truppenlandungen bei Saloniki?
Die „Neue Freie Presse" meldet der „D. Tagesztg." zufolge aus Saloniki: Das reichsoffizielle Organ „Neri" berichtet, daß nördlich von Saloniki englische Truppen landeten. Kurz darauf wurden griechische Truppen dorthin beordert, die die Engländer sämtlich entwaffneten und nach Saloniki brachten. Englisch-französische Truppen werden augenscheinlich auch bald Kreta besetzeu. Viele Einwohner Salonikis flüchteten aus Angst vor der englischen Invasion nach Athen.
Das Lade der „Königsberg".
f den bevorstehenden großen nr übten uns mit Hilfe von
Ein Rotterdamer T.-U.-Telegramm meldet uns: Die „Times" verösfentlichen einen Bericht über das Ende der „Königsberg" aus der Feder eines Marineoffiziers, der auf einem der Flußmonitore an den letzten Kämpfen gegen den deutschen Kreuzer teilgenommeu hat. Der Offizier erklärt u. «.:
Die Monitore „Severn" und „Mercey" lagen in der Bucht von Tirene. Ueber einen Monat arbeiteten Offiziere und Mannschaften unurfterbrochen Tag und Nacht, um die Schiffe aus den bevorstehenden großen Kampf vorzubereiten. Wir übten uns mit Hilfe von Flugzeugen tagelang nach verdeckten Zielen zu schießen. Am Dienstag, den 6. Juli, wurde der erste Veriuch gemacht. Es war ein harter Tag. Wir standen 11 Stunden lang auf unserm Posten, pausenlos dem selndlichen Feuer ausgesetzt. Die Mannschaft in den Masch,nen- räumen konnte nicht abgelöst werden. Auf Deck war es glühend heiß, bei den Kesseln war jedoch die reinste Hölle. Wir trafen die „Königsberg" erst gegen Schluß des Feuergefechtes sechs Mal. Später verloren wir die Zielrichtung gänzlich, und ich glaube nicht, daß auch nur ein einziges unserer Geschosse späterhin noch ein- schlug, trotzdem wir diese Art Schießen tagelang vorher geübt hatten. Die „Königsberg" erwiderte unser Feuer mit Salven aus vier Geschützen und feuerte nicht schlecht. Als wir uns zurückzogen, brannte sie an mehreren
^^Am Sonntag, den 11. Juli erfolgte der zweite Alu- griff. Die Schiffe waren „klar zum Gefecht". Nicht ein Fetzen überflüssiger Leinewand befand sich an Bord. Wir ließen uns die erste Zeit schleppen, um die Deutschen zu täuschen, falls sie sich auf dem Ausguck,befanden. Erst als wir ungefähr in der Hohe des Kikunsa- berges befanden, dampften wir mit eigener Kraft flußaufwärts. Die „Königsberg" eröffnete sofort das Feuer und wandte sich zunächst gegen den „Mercey". Sie traf ihn zwei Mal, verwundete zwei Matrosen und brächte die Mannschaft der Sternbatterie in Unordnung. Wer ließen den „Mercey" an derselben Stelle, wo er am 8. Juli gelegen hatte in der Hoffnung, daß er das Feuer der „Könisberg" auf sich ziehen und wir dadurch freie Hand bekommen würden. D,e „Königsberg feuerte aber nur wenige Salven gegen ihn und konzentrierte für den Rest des Tages ihr ganzes Feuer auf umern Severn". Wir standen 17 Minuten im feindlichen Aeuer, bevor wir antworten konnten. Die „Königsberg traf noch besser, als das erste Mal und unser Deck war so dicht mit Sprengstücken belegt, daß ieder Mann sich ein Stück einer deutschen Granate zur Erinnerung mit= nehmen konnte. Wie durch ein Wunder wurde ntemniti ernstlich verlegt. Mehrere Geschosse durichlugen ftdoch das Oberdeck und richteten so starke Verheerungen an, daß die Lage kritisch wurde. Nur ein paar Treffer und es war voraussichtlich mit uns vorbei. Endlich ,edoch hatten wir uns auch mit Hilfe der Signale unseres Flugzeuges eingeschossen, uud bei unserer siebenten Salve traf eines unserer Geschoste. _ . ,
Bei fielt nächsten 12 Schüssen trafen wir 8 Mal. Es war ein aufregender Sport. Die „Königsberg schoß nur noch aus 3 Geschützen. Unser Flugzeug signalinerte, daß unsere Treffer nur vorne säßen, wir sollten mehr mitschiffs halten. Wir waren gerade im Begriff, dem Fliegersignal zu gehorchen, als der Flieger plötzlich signalisierte: Bin getroffen, muß herunter, sendet Boot! Das Flugzeug befand sich, als es im Gleitflug herabging, ungefähr in der Mitte zwischen uns und der Königsberg". Der Apparat stürzte ins Wasser und versank. Unser Flieger wurde unverwundet aufgefischt, nachdem er 10 Minuten geschwominen war. Wir setzten das Feuergefecht ununterbrochen fort, ungefähr jede Minute eine Salve. Die „Königsberg" erwiderte nach einiaer Zeit nur noch aus zwei Geschützen. Plötzlich körte man eine dumpfe Explosion an Bord des Schiffe» und seit der Zeit !!Lr sie niemals mehr rauchfrei, stets laaerte eine Wolke, bald gelben, bald schwarze,; Rauches über ihr und von Zeit zu Zeit hört^ man kleinere ,Ex- vlosionett Nach einigen weiteren Salven unierermts wurde offenbar die Munitionskammer getiof-en, denn eine Flammen- uni> Rauchsäule stieg zum Himmel ern- vor Trotzdem feuerte die „Königsberg aus einem Ge- "& well« erst a-n-» 1 UBr rnlttMi .stet I6r ew Schuß. Eine weiße Fahne wurde ,eöoch nicht gehißt.
} Als wir schließlich von dem „Mercey" abgelost wur- den, war die „Königsberg" ein Wrack Ein^ Mast war über Bord, der andere gebrochen und die Schornsteine Aertrümmert. Wir hatten die ganze Arbeit allein getan, ^er Mercey" gab nur noch den Gnadenstoß. Es war 83 jedoch im Plan des Oberkommandos mit einbegriffen Zmmer nur ein Schiff sollte auf einmal feuern. Der „Mercey""feuerte seinerseits noch nngefähr 20 Salven ab und hatte gleichfalls Treffer aufzmveiien. Wir üerGlgten vom Mastkorb aus mit Fernstechern und photographischen Apparaten das dramatische ^chau- piel. (!) Gegen 8 Uhr abends kehrten wir nach der Bucht von Titelte zurück. Es war ein wundervoller Abend und uns alle berührte der Gedanke schmerzlich daß wir dort ein schönes Schiff in Trümmern.äurüfla en mußten, aber schließlich war die „Königsberg" dreimal so groß wie wir unv hätte unter anderen Bedingungen in fünf Minuten Hackefleisch aus uns gemacht.
Königsberg" dreimal so r anderen Bedingungen
Die Kriegswünsche der
Mittel- und Kleinstädte.
Der KriegsauSschuß des Reichsverbandes Deutscher Städte (Verband der kleinen und mittleren Städtel tonte in BerNn und faßte foiaerrde Beschlüsse:
Der Reichsvervaud hält es in der Levensmilkeifrage für erforderlich, daß die Bundesratsverordnung vom 23. Juli 1915 über die Maßnahmen gegen ungerechtfertigte Preissteigerung ergänzt wird: damit das von dieser Ber- ordnung erstrebte Ziel erreicht wird, angemessene Pro- duzenten-Hochstpreste für die wichtigsten Lebensrnittel des Masseukonsums, namentlich die landwirtschaftlichen Produkte (Fleisch, Milch, Eier, Butter, Gemüse, Kartoffeln usw.), sowohl für den Groß- wie für den Kleinhandel festsetzen zn können. Ferner deswegen, damit die Beschlagnahme und der Berkanfszivang für diese Lebensrnittel durchgeführt werden können. Hierbei hält der Reichsverband Deutscher Städte es für selbstverständlich, daß die Erfahrungen des Vorjahres bezüglich der Dauer- warenbefchaffuug nicht unberücksichtigt bleiben. Entsprechende Eingaben werden dem Bundesrat und dem Stellvertretenden Reichskanzler zugehen.
Der Bundesrat und der Reichskanzler sollen ferner unter anderem ersucht werden, eine angemessene Erhöhung der Familiennutcrsttttzungen seitens des Reiches zu veranlassen und dafür Sorge zu tragen, daß mit der Erstattung der von den Liefernngsverbänden gemachten Auslagen begonnen wird, damit diese instand gesetzt und geneigt gemacht werden, auch ihrerseits den Familien der Kriegsteilnehmer größere Zuschlisse zn geivühren. An den Bundesrat und den Stellvertretenden Reichskanzler soll erneut eine Bitte um die unbedingt für erforderlich gehaltene Erhöhung des Berpflegnngssatzes für Truppeneinquartierungen gerichtet werden.
krlegsallerlel.
Der Pour le merite für den Kronprinzen Rnpprecht.
Die Korrespondenz Hoffmann meldet amtlich: Der Kaiser hat dem Kronprinzen Rupprecht von Bayern den Orden Pour le merite verliehen.
Warnung vor feindlichen Agenten.
Es wird darauf hingewiesen, daß in letzter Zeit verschiedentlich feindliche Agenten versucht haben, die Stellung von Truppenteilen dadurch zu ermitteln, drift sie sich — besonders auch durch den Fernsprecher — angeblich ins Auftrage höherstehender Persönlichkeiten, bei Familien nach deren im Felde stehenden Angehöriger, sowie nach dem Truppenteil und Aufenthaltsort erkundigt haben. Es wird daher dringend davor gewarnt, in solchen Fällen irgend welche Auskunft zu erteilen, vielmehr muß versucht werden, durch sofortige Anfrage bei dem betreffenden Fernsprechamt festzustellen, von welcher Stelle aus die Anfrage erfolgt ist. Alle auf diesen Zweig der Spionage bezüglichen Wahrnehmungen sind ferner ungesäunst den Polizeibehörden mitzuteilen.
Japanische Instrukteure au der bessarabischen Front.
Da sich die japanischen Geschütze bei der Bedienung durch rufsische Soldaten nicht belvährt haben, wurden, wie seinerzeit gemeldet, den Russen japanische Offiziere zur Verfügung gestellt, die die Atannschaften im Gebrauch der japanischen schweren Geschütze unterweisen sollen. Nach Aussagen Gefangener tun die Japaner vorläufig an der bessarabischen Front Dienste. Dieses wird auch von den russenfreundlichen Blättern Rumäniens bestätigst
Weichsel-llebergang
aus Westpolen fan
Bei ihrem Rückzüge in der zweiten Hälfte des Juli aus Westpolen fanden die Russen in den Festungen Jwangorod und Warschau und der sie verbindenden Weichsellinte eine feste Aufnahme,- den nachdrängenden deutschen Truppen war zunächst Halt geboten. Dieser statt durfte aber nicht lange währen, um dem Feinde die Möglichkeit zu nehmen, die Masse seiner hinter die Weichsel zurückgegangenen Kräfte an anderer Stelle gegen eine unserer Heeresgruppen auf den Flügel ein-
zu
.in Angriff auf Jwangorod konnte raschen Erfolg in diesem Sinne nicht bringen, denn die Eigenart der Festung ist ja gerade, daß ihr Verteidiger mit schwachen Kräften anskommt. Daher beschloß die Heeresleitung den gewaltsamen Weichselübergang nördlich Jwangorod in der Gegend der Radomka-Mündung. Zur Ausfüh- rung wurden die
deutschen Truppen der Armee-Abteilung Woyrsch bestimmt, die bisher gegen Jwangorod standen. Sie mußten demnach wesentlich nach Norden verschoben werden. Eine derartige Seitwärtsschiebung stärkerer Truppen stellt hohe Anforderungen an alle Befehlsstellen. Der Linksabmarsch war in diesem Falle besonders schwierig, weil er schnell erfolgen und der Stromüberguang sich ihm unmittelbar anfchließen mußte, da sonst nicht darauf zu rechnen war, den Feind zu überra,chen. In der Ueber- raschung lag der Schwerpunkt und die Aussicht auf Erfolg.
Alle erdenklichen Maßregeln zur Geheimhaltung des Ueberganges wurden getroffen. Alle Bewohner im weiteren Bereiche der Uebergangsstellen mußten ihre Dörfer räumen, von denen allerdings die Russen nur wenige übriggelassen hatten. Das meiste war planvoller Brandstiftung anheimgefallen. Die Russen verfahren in letzter Zeit immer noch
nach dem Rezept von 1812.
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Eingehende Untersuchungen nach verborgenen feindlichen Fernsprechleitungen fanden statt, allerdings ohne Erfolg, so daß der Führer nie ganz die Sorge verlor, die Russen würden doch Kenntnis von dem Unternehmen erhalte«.
Die Armeeleitung Woyrsch hatte den Führer oes Landwehrkorps, General der Kavallerie Freiherr von König, mit Anweisungen versehen, ihm die Ausführung des Ueberganges übertragen und die nötigen Hilfsmittel, überwiesen, die sich unter der Leitung ihres unermüdlichen Führers, des K. u. K. Pionier-Obersten Mischer, trefflich bewährten. m „
Am 28 Juli abends waren alle Vorbereitungen fertig: Erkundung der Anmarschwege für die Pontons z den zehn Uebersetzstellen, die in mehreren Gruppen in ziemlicher Entfernung voneinander gewählt waren, damit, wenn der Uebergang am einer Stelle nicht gelang, dieser an einer anderen gewahrlei,tet wurde. Bereitstellung der Infanterie und Artillerie, sodaß sie ohne Kreuzung rasch ihre Uebersetzstellen erreichen konnte«. Besprechungen mit den höheren Pionier- und Artillerieoffizieren hatten im Hauptquartier des Führers stattge- funden, und alles war bis auf die kleinsten Nebenum- stände ne^enelt.
Am 29. 7. um 1,30 morgens sollten an allen Stellen die Truppen das Weichselufer erreicht haben, um sofort mit dem Uebersetzen beginnen zu können. Die Weichsel hat in dieser Gegend eine durchschnittliche Breite von 1000 Mtr. Zahlreiche Sandbänke durchziehen sie so daß für Pontons die Gefahr eines Auslaufens bestand.
Wie der Feind hinter dem Flusse stand, in welcher Stärke, in welcher Kräfteverteilung, war völlig unbekannt. Es galt
einen Stoß ins Dunkle
au führen. Begreiflich daher die Spannung. Bei einem Gefecht unter gewöhnlichen Verhältnissen entwickelt sich solche allmählich entsprechend der langsam heranreifenden Entscheidung. Bei einem Fluftübergana setzt die .Handlung mit der höchsten Spannung ein. Eine knappe halbe Stunde muß die Entscheidung brii
■ Hand-
....- knappe halbe naen. Es atbt nur ein
Entweder — Oder. Entweder man crrctmt oas gegen fettige Ufer und behauptet sich auf ihm, oder kte Truppen erhalte« beim Uebersetzen derartiges Feuer, daß sie nicht hinüberkvmmcu, oder — was noch schlimmer ist, — der starke Feind wirft die zuerst übergesetzten Truppen, die uaturneinüß nur schwach sind, in den Strom zurück, was gleichbedeutend mit Vernichtung ist. Die begreifliche Spauuttng wurde noch vermehrt durch das Dunkel der 8tacht uud den fehlenden Gefechtslärm, durch die völlige Lautlosigkeit, die dem Sprunge vorausging.
1.30 vorm. Jetzt brechen überall die Truppen aus den letzten Deckungen am Ufer hervor. Höchste Kraftau- streugung bringt die schweren Pontons schnell vorwärts. Jetzt wird das Wasser erreicht, jetzt stoßen sie ab . . . 'Noch alles ruhig, ein gutes Zeichen......1.45. Plötzlich stark einsetzendes Artilleriefeuer. Der Feind ist an einer Stelle also anfmerksam geworden, und bei seinen ersten Schüssen hat unsere bereitsteheude Artillerie das Feuer gegeu das feindliche Ufer ausgenommen, dadurch der noch im Ueber« setzen befindlichen Infanterie einen wirksamen Feuer- schntz gebend.
Endlich löst sich die Spannung: Die erste Meldung trifft ein: Soeben schreit die Pontons zurück, die erste Staffel ist hinüber. Mau atmet auf.
Nun sind wir drüben. 4
Und wo die Armee-Abteilung Woyrsch etunml Fuß gefaßt hat, da hält sie.
Null sind wir drüben. Dieser Gedanke kehrt immer wieder, verstärkt sich immer mehr bet jeder neuen Mcl- dung, daft ein weiteres Bataillon übergesetzt ist. Es ist hell geworden. nnsere Artillerie spricht jetzt elltscheidend mit bei den Kämpfen, die den letzten Widerstand des iiber« raschten Feindes brechen sollen.
Die ersten 200 Gefangenen werden gemeldet. Alles geht gut. Aber ein unerwartet schwerer Kampf liegt noch vor uns. Wohl überraschten wir die feindlichen Sicher- ungstruppen unmittelbar am Ufer. Seine Reserven weiter rückwärts gilt es aber noch zu schlagen. Wie gefährlich dem Feillde unser Durchbruch feiner von ihm für unüberwindlich gehaltenen Stromsperre erschien, er- kannte man bald. Aus Jwangorod und Warschau und von Lublin raffte er immer mehr Truppen zusammelt, um uns wieder znrückznwerfeu. War auch der Feind überlegen, er mußte trotzdem allgegriffen werden, denn der Brückenkopf inustte derart erweitert werden, daft die Stellen, wo wir den Brückenbau begannen, vor feindlichem Feuer gesichert waren.
Nach tagelangen Stampfen ist der Besitz des Brückenkopfes voll gesichert, der Feind von Stellung zu Steltinm geworfen, seine Angriffskraft gebrochen.
Inzwischen hatten die unter Führung des Generals der Infanterie von Koeveft stehenden österreichisch ungarischen Truppen der Armee-Abteiluug einen großen Erfolg vor Jwangorod errungen. Sie hatten die sehr stark ausgeballte und zähe verteidigte Festunasstelluug dllrchbrochell und dem auf das Ostufer flüchtenden Gegner noch 2300 Gefangene und 32 Geschütze abge- nommen.
Die größte Getlugtuuug ward aber den Truppen der Armee-Abteilung zu Teil, als besannt wird, daft die Rnssen einen Tag nach dem Weichselübergallge mit der allmählichen Ränmnng Jwangorods begonnen haben und im Begriffe find, die Warschau deckende Bloute- linie und die Lubliner Stellung aufzngeben. So hat also die Bezwingung der Weichsel einen großen Einfluß auf weite Teile der Front ausgeübt.
Vermischtes
Landgericht
Sieben Tage Gefängnis für Gefangenenküsse. Born Landgericht in Stade wurde das Dienstmädchen Aliguste Marie Kehl ans Ladekov zu sieben Tagen Gefängnis verurteilt, weil es Beziehungen zu belgische,t Kriegsgefangenen angeknüpft, ihnen allerlei Sachen zugesteckt nud sich auch hatte küssen lassen.
Für 5000 Mark Butter gestohlen. Ein Wagen mit einer Ladung von Butter im Werte von 5000 Mark ist in Berlin von der Strafte gestohlen worden. Ein Kni. scher, der für eine Butterhandlung eine Fuhre besorgte, hatte 10 Tonnen Butter im Werte von rund 5000 Mark
geladen. Der Kutscher lieft das Gespann eilten Augenblick ohne Aufsicht stehe« und suchte eine Gastwirtfclmst auf. Diesen Augenblick benutzte ein Dieb und verschwand mit dem Fubriverk.
Ein erschütterndes Bild meldet der Hofer Anzeiger aus Asch: Der 70 Jahre alte Weber Baumgärtel in Asch ertrug mit seinem alten Weibe die Not des Krieges in der Hoffnnna auf die Heimkehr seiner beiden Söhne. W3 nun am 5. August von den Türmen die Stegesglocken den Fall von Warschau verküudeten, da wollte auch her Greis frohbewegten Herzens auf die Strafte eilen " Hausflur trat ihm der P '
erzens auf die Strafte eilen. Im Postbote entgegen und brächte ihm tfi Hermann, der 20jährige Sohn,
die Trauerbotschaft, daß Hermann, der 20jährige Sohn, durch eilten Kopfschuß gefallen sei. Zwei Stunden später läuteten wieder die Glocken und kündeten den Fall von Jwangorod. Das greise Paar kniet nieder und sendet inbrünstige Gebete zum Himmel empor, auf daß der Allmächtige ihren zweiten Sohn, der gleichfalls auf Riift- lands Gefilden sümpft, beschirmen möge. Da tritt em Verwandter in die Stube und bringt einen Brief mit der Hiobspost, daß auch der zweite Sohn, der 28 Jahre alte Gustav, fielt Heldentod erlitten hat. Gebrochen sinken die beiden alten Leute nieder, und durch das Fenster klingt der Glocken feierlich Geläute....
Weitere Drahtnachrichten,
Um Brest-Litowsk.
w- Berlin, 24. August. Der „L.-A." meldet aus dem
Kriegspresseguartier: Die starken russischen Kräfte vor Brest-Litowsk weichen nur Schritt für Schritt vor den unwiderstehlichen Angriffen der Vcrbiindetetl zurück. Das siebeubürgische Negiinent Nr. 04 nahm den Nüssen einen starken Stützpunkt fort und erbeutete sieben Maschinengewehre und 900 Mann an Gefangenen. Die Armee des Erzherzogs Joseph Ferdinand steht unablässig in schwerem Kämpfe nordöstlich Brest-Litowsk. Mackeil- sen treibe seine Kräfte in Richtung Kobriu vor und bedroht den Feind entpfindlich. Auch gegen Nordosten gewinnen unsere Truppen stetig an Owttm.
Die mögliche Räumung Petersburgs.
w> London, 24. August. (WTB.) Der Vertreter des „Daily Chronicle" meldet aus Petersburg: Die Möglichkeit einer Räumung der Hauptstadt wird offen er- örtert. Die Frage, was man mit den Fliichtlingeu anstellen solle, hat einen beunruhigenden Umfang angenommen. Der stetig anwachsende Strom der aus den westlichen Provinzen fliehenden Bevölkerung hat die Hilfsquellen der Unterstützungsausschüsse erschöpft. Ptan sucht die Flüchtlinge über das ganze Land zu verteilen.
Der französische Bericht,
Paris, 24. August. (WTV.j Im amtlichen Bericht von gestern nachmittag heißt es: In den Wraon» neu yrrze Kämpfe mit Bomben und Petarden. In den Vogesen bemächtigten wir uns auf den Kämmen des Linge- und k^s Barrenkopfes unter lebhaften, Kampfe nach besonders lebhafter Vorbereitung einiger feindlicher Schützengräben. Am 22. August bombardierten unsere ^ö^W den Bahnhof von öens, Hentn, Ltölard, Loos und die Wlenbaünttnie Lllle-Douast