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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Melier

für den Kreis Hersfeld

* < . 11 Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, tml

JUuSUlUU amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­

holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Nr. 196,

Sonntag, den 22. August

1915

Amtlicher Teil.

Nachlrags-Berfügung

zu der Bekanntmachung betreffend

Bestandsmeldung und Beschlagnahme von Metallen

(vom 1. Mai 1915 (Nr. M. 14. 15. KRA).

Zu § 2 der Bekanntmachung betreffend Bestands­meldung und Beschlagnahme von Metallen vom 1. Mai 1915 (M. 14. 15. KRA) treten alsvon der Ver­fügung betroffene Gegenstände" vom 14. August 1915 nachts 12 Uhr ab neu hinzu

_________ _______ -.....- ..^"".....-...........

Klasse Gegenstand

18 a

Alluminium in Fertigfabrikaten mit einem Reingehalt von mindestens 80 Prvz.; aus­genommen sind Gebrauchsgegenstände, die für den Haus- und wirtschaftlichen Betrieb im Gebrauch find und keiner sichtbaren Ab­nutzung im Gebrauche unterliegen. Nicht ausgenomen sind jedoch solche Gegen­stände, welche zum Verkaufe bestimmt sind.

Die Gegenstände der Klasse 18 a unterliegen allen Vorschriften der obengenannten Verfügung betreffend Bestandsmeldung und Beschlagnahme von Metallen" vom 1. Mai 1915. Die Bestimmungen des 8 5 sind maßgebend für solche im § 3 gekennzeichnete Personen, Gesellschaften usw., deren Vorräte (einschl. derjenigen in sämtlichen Zweigstellen, die sich im Bezirk der ver­fügenden Behörde befinden) am 14. August gleich oder geringer waren als 25. Kilogramm.

Das Lagerbuch ist sofort einzurichten, die Mel­dungen sind zum nächsten Meldetermin für Metalle (1. September 1915) auf dem allgemeinen Meldeschein zu erstatten, der durch Klasse 18 a erweitert wird und bei allen Postanstalten 1. und 2. Klasse zu haben ist.

Cassel, den 14. August 1915.

Der Siellv. Kommandierende General des 11. Armeekorps.

gez. von Haugwitz.

* * *

Hersfeld, den 17. August 1915.

Wird veröffentlicht.

Die Bekanntmachung vom 1. Mai 1915. M. 1 4.15 K. R. A. ist veröffentlicht im Kreisblatt Nr. 101 vom 1. Mai 1915. i. 9750. Der Landrat.

J. V.:

Funke, Kreissekretär.

Deutscher Reichstag.

Der Reichstag begann am Donnerstag seine Sommertagung mit derselben Spannung wie die vor­hergehenden. Präsident Dr. Kaempf eröffnete die Sitzung mit einer kurzen Ansprache, in der er dem Allmächtigen, dem Kaiser, den Offizieren und Mann­schaften dankte, die zu Wasser und zu Lande Beispiele heldenmütiger Todesverachtung und unvergleichlicher Tapferkeit gegeben haben. Dem ganzen Volk ge­bühre Dank, das sich einmütig in den Dienst der großen Sache gestellt habe. Das Haus ehrte darauf das An­denken des verstorbenen Abg. Graf Carmer-Osten (kons.) in üblicher Weise und wandte sich dem Nach­tragsetat, der 10 Milliarden Kriegskredite fordert, zu. Reichskanzler v. Bethmann-Hollweg ergriff dazu das Wort und wies auf das Große hin, was sich seit der letzten Tagung ereignete. Unerschüttert ständen dre Fronten im Westen, Osten, Süden und an den Dar­danellen. Starke Armeen seien frei zu neuen schlagen. Voller Dank gegen Gott und gegen Truppen und Führer können wir in die Zukunft schauen. Dank ge­bühre auch den neutralen Staaten für die Werke der Menschenliebe während des Verwundetenaustausches und dem Papst. Immer neue Blutschuld luden dre Gegner auf sich und wo sie ihre Niederlagen nrcht ab­leugnen können, da greifen sie zu Verleumdungen. Immer wieder wälzen sie die Schuld am Krrege von sich ab. Die Behauptung, daß England um Belgrens willen in den Krieg gezogen sei, sei von ersterem selbst aufgegeben worden. England bedränge dre 'Neutralen, Rußland verwüste auf dem Rückzüge Polen w jehe die Freiheit und Zivilsation unserer Feinde aus! England habe nicht das Recht, einem Lande gegen­über, das 44 Jahre den Frieden geschützt habe, eure solche Sprache zu führen- das st/ Heuchele:, ^re feindliche Presse schweige geflissentlich die belgischen Dokumente tot. Er der Kanzler wisse, oaß lerne Bemühungen um eine Verständigung mit England von gewissen Kreisen als politische Kurzsichtigkeit be­zeichnet würden, aber er danke Gott, daß er es getan habe. Eine aufrichtige Verständigung hatte diesen

menschenmordenden Weltbrand verhindern können. Da galt es für ihn: bei Gott sei kein Ding un­möglich. Lieber wolle er im Kampfe fallen als ihm aus dem Wege gehen. Der Kanzler ging ausführlich auf die Verständigungsanbahnung ein und betonte dabei, daß englische Staatsmänner die öffentliche Meinung Englands irre geführt hätten. Mit erhobener Stimme rief er aus:Die Zeit wird kommen, wo die Geschichte ihr Urteil fällen wird. England hat eine Verständigung abgelehnt und diese Schuld wird es in alle Ewigkeit nicht mehr los!" Mit stürmischer Zustimmung antwortete das Haus. Der Kanzler faßte seine Ausführungen zusammen, indem er betonte, daß Deutschland seine Stellung so festigen müsse, daß niemand mehr an seine Einkreisung denke. Es müsse der Hort des Friedens und der Freiheit sein. Stein großes Volk habe im letzten Jahrhundert soviele Leiden zu tragen gehabt wie das deutsche. Und doch können wir ein solches Schicksal lieben, das uns solche unerhörte Leistungsfähigkeit gegeben hat. Deutschlands Ehrgeiz war nicht die Herr­schaft über Europa, sondern es wollte im friedlichen Wettbewerb der Nationen voranstehen. Wir halten den Kampf aus, bis die Bahn frei werde für ein neues, von französischen Ränken, moskowitischer Er­oberungssucht und englischer Verleumdung befreites Europa. Das Haus brach in stürmischen Beifall und Händeklatschen aus. Darauf wurde der Nachtragsetat an die Budgetkommission verwiesen und einige kleine Vorlagen angenommen. Freitag 2 Uhr: Kleine An­frage, zweite Lesung des Nachtragsetats.

Unsere D Helden

Mit demEisernen Kreuz" ausgezeichnet wurden: Unteroffizier Herbst aus Hersfeld, im Jnf.- Regt. Nr. 32. Matthias Heiderich aus Schenklengs- feld, im Jnf.-Regt. Nr. 71. Osftz.-Stellvertreter Kohlstüdt aus Unterbaun, im Jnf.-Regt. Nr. 107. Res. Heinrich Schütrumpf aus Friedewald. Gefreiter Barthel aus Hersfeld, im Feld-Art. Regt. Nr. 47. Adam Seeltg aus Sorgn, im Ersatz Jnf. Regt, von Keller. Wehrmann Ludwig Kromm aus Hersfeld, Landwehr Jnf. Regt. Nr. 38. Unteroffizier Paul Fandke aus Hersfeld, 1. Landfturm-Pionier-Comp. 11.

Auf dem Felde der Ehre fielen: Landsturm- mann Heinrich Burghardt, Mühlbach. Unteroffizier Valentin Emmerich, Lengers. Ers. Res. Georg Malkomes, Heimboldshausen. Musk. Jacob Knott, Kirchhein. Musk. Johannes Höfer, Schenklengsfeld. Musk. Johannes Schilling, Schenklengsfeld. Musk. Justus Heß, Mühlbach. Jäger Jacob Mal­komes, Rotensee. Ers. Res. Fritz Schwalm, Gersdorf.

Musk. Heinrich Lotz, Kathus. Ers. Res. Friedrich

Fälber, Kirchheim.___

* (Versorgung von Kriegsrenten­empfängern. Von zuständiger Stelle wird darauf hingewiesen, daß kriegsinvalide Rentenempfänger lohnende und dauernde Arbeitsgelegenheit in den Korpsbekleidungsämtern finden können. Bei der Ausdehnung und Vielseitigkeit dieser Betriebe kommen für die Anstellung nicht nur ausgebildete Schuster und Schneider in Betracht- vielmehr ist auch solchen Handwerkern, denen infolge ihrer Verletzungen die Ausübung ihres früheren Berufes nicht mehr möglich ist, günstige Gelegenheit geboten, sich durch Umlernen eine dauernde Unterkunft zu sichern. Sie werden als Zivilhandwerker behandelt und erhalten dement- sprechenden Lohn. Die Kasernierung kommt für sie nicht in Frage; für ihre Unterkunft müssen sie selbst sorgen wie jeder Zivilhandwerker. Nähere Auskunft erteilen die Vorstände der Bekleidungsämter.

* Marmelade mit der Feldpost zu ver­senden, hat das Reichspostamt neuerdings gestattet, wenn sie in Hartpapierdosen verpackt ist und außer­dem mit Wellpapierschachteln umgeben wird, die fest verschnürt sind. Hartpapierdosen allein genügen zur Versendung nicht. Sie werden zurückgewiesen.

* (Achtung auf die Fer n s p r e ch l e i t u n g e n !) In der Zeit der Obsternte werden durch unvornchtiges Umgehen mit Leitern, Stangen usw. und durch Autzerachtlassen der nötigsten Slcherheitsvorkehrungen alljährlich zahlreiche Störungen der Telcgraphen- leitungen verursacht. Ebenjo werden häufig Tele- aravhen- und Fernsprechanlagen durch mutwilliges Zertrümmern der Porzellanglocken und durch Fahr- läsuakeit beim Fällen von Bäumen beschädigt. Es muß darauf hingewiesen werden, daß die Täter auger Schadenersatzpflicht Gefängnis oder Geldstrafe zu ge­wärtigen haben.

* (P a k e t e a n K r i e g s ge f a n g en e.) Wieder­holt sind Klagen laut geworden, daß Pakete an kriegs- aefangene Deutsche in Frankreich eines Teils ihres Inhalts beraubt am Bestimmungsorte angekommen seien. Mangelhafte Verpackung der Pakete ist zweifel­los nicht ohne Einfluß auf die eingetretenen Verluste gewesen. Es wird daher empfohlen, die an Kriegs­

gefangene abzusendenden Pakete fest in Leinwand oder dergleichen einzunähen. Nach den gemachten Be­obachtungen sind derartige Pakete fast ausnahmslos in gutem Zustande und mit ihrem ganzen Inhalt in die Hände der Empfänger gelangt.

Roteuburg, a. d. F., 19. August. Ihren 90. Ge­burtstag beging gestern die älteste Einwohnerin unserer Stadt, Frau Pfarrer Kvenig, in körperlicher und geistiger Frische.

Königswald (Kr. Rotenburg), 18. Angst. Beim Hantieren mit einem Tesching schoß ein Igjähriger Knabe den 11jährigen Konrad Brandau in den Kopf. ytad) Aussage des Arztes ging das Geschoß dein be­dauernswerten Knaben in die Stirn und besteht wenig Hoffnung ilm am Leben zn erhalten.

Marburg a. d. L., 20. August. Die namentlich für die Gartenwirtschaft sehr schädlichen Wühlmäuse machen sich neuerdings hier stark bemerkbar, sodaß die Stadtverwaltung jetzt bei Ablieferung getöteter Wühlmäuse 5 Pfg. für das Stück zahlt.

Langensalza, 19. August. In Blankenburg (Kreis Langensalza) schlug der Blitz in einen Feldstall, worin der Landwirtssohn Krause mit seiner Mutter und seiner Schwester und zwei anderen Personen Schutz gesucht hatten. Mutter und Sohn waren sofort tot, die Schwester und zwei Arbeiter wurden betäubt.

Nister (Oberwesterroald-Kreis), 19. August. Eine echt vaterländische Tat vollbrachte der Fabrikarbeiter Wilhelm Schlauch, der hier an einer langwierigen Kranheit starb. Da wegen dieses Leidens sein Wunsch, ins Feld ziehen zu können, nicht erfüllt werden konnte, vermachte er seine gesamte Hinterlassenschaft testamentarisch den notleidenden Ostpreußen. Dem Wunsche des schlichten Mannes ist von den zuständigen Behörden entsprochen worden.

Fnlda, 18. August. Hier hat gestern früh die preußische Bischofskonfercnz ihren Anfang genommen. Zu dieser Konferenz sind alle katholische Oberhirten aus Preußen und den Bundesstaaten mit Allsnahme der bäuerischen Bischöfe erschienen.

Aus der Rhön, 19. August. Am kommenden Sonntag soll auf dem Plateau der Wasserkuppe ein großes Rhönturnfest stattfinden, am dem sich auch die Jugendwehren der benachbarten Kreise beteiligen. Die zehn besten Turner sollen Prämien erhalten. Die Kosten will die Militärverwaltung tragen. Außer den fahrplanmäßigen Zügen nach Gersfeld verkehrt am 22. August ein Sonderzug ab Fulda 2,30 Uhr nachm., Gersfeld an 3,19 Uhr. Für die Rückbe­förderung sind zwei Sonderzüge mit Abfahrt von Gersfeld um 8,05 Uhr und 8,19 Uhr abends vorge­sehen. Nötigenfalls wird ein weiterer Bedarsssonder- zug um 8,50 Uhr von Gersfeld nach Fulda gefahren.

Durch die Lupe.

Ein Stückchen Zeitgeschichte in Versen.

Nimmer hat in seinem Leben wohl der Balkan je gedacht, daß man sich um seine Staaten so viel heiße Mühe macht, daß Europas große Reiche, wie wir's jetzt von England sehen, bettelnd vor Ministertüren in Athen und Sofia stehn. Weder RußlandsMenschenquellen" noch des Franzmanns Feuergeist" haben etwas zu verzeichnen, was sich als Erfolg erweist, Englands Gold ist eine Hilfe, die schon spärlich werden soll und Italien hat gleichfalls längst bereits die Nase voll. Kanada und Indiens Fluren, Asiens rohe Völker­kraft, selbst Australien usw. alle haben nichts geschafft und der Balkan sieht natürlich dadurch umso eher ein, noch mit Entente zu gehen, hieße mehr als unklug sein. Um Kastanien aus dem Feuer jetzt für andere zu holen, ist man doch zu klug geworden seit dem deutschen Sieg in Polen, noch dazu, wenn die Entente - dafür einen Lohn verspricht, den sie selbst noch nicht besessen und auch nie im Leben kriegt. Aeußerst höflich, liebens­würdig, aber eisig bis ans Herz sieht in Sofia die Regierung Englands Stummer an und Schmerz, und Paris und London wird sich weiter drum umsonst bemühn, niemand wird sie aus der Patsche, - die sie selbst verschuldet, ziehn. Die Entente wird trauernd einsehn, - daß sie niemand finden können, die an andrer Leute Fehlern sich die Finger noch verbrennen. Walter-Walter.

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