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Der ehemalige französische Minister Lavessan drückt in einem Leitartikel imPetit Parisien" seine Ueberzeu- S aus, daß es den Verbündeten mit den bisher ge- en Mitteln nie gelingen werde, die Dardanellen zu bezwingen und Konstantinopel 31t erobern. Er rät den Verbündeten, auf dem äußersten Ende der Bucht von Saros eine starke Truppenmacht zu landen und anf dem Landwege nach Konstautinopel zu rücken. Auch hierbei wären noch große Schwierigkeiten zu überwinben, aber für die Ehre Frankreichs und diejenige seiner Verbün­deten sei eine möglichste Beschleunigung der Operationen gegen die Türkei notwendig, um den ganzen Krieg über­haupt zu gewinnen.

Der Balkan.

Militärische Maßnahmen Griechenlands.

Havas in Paris meldet aus Athen: Die Zeitungen berichten, daß die Jahresklasse 1014 durch königliches De­kret unter die Fahnen gerufen wurde. Venizelos hatte eine Besprechung mit dem König. Dre Unterredung dauerte zwei Stunden. Man behauptet, daß sie etwas stürmisch verlaufen sei. Beim Verlassen des Palastes wurden dem ehemaligen Ministerpräsidenten Ovatmnen dargebracht. Ein königliches Dekret ruft die Jahres­klasse 1915 unter die Fahnen. , m r .

Ein englischer Sondergesandter nach Bulgar,en.

Aus Sofia wird demDaily Telegraph gemeldet: Die englische Regierung ernannte Sir O'Beirn zum Ge­sandten in Sofia. Er wurde mit einer besonderen diplo­matischen Sendung beauftragt.

Bulgarien bleibt fest.

Nach Meldungen aus Sofia empfing Ministerprä­sident Radoslawow am Freitag nach dem Munsterral bte Vertreter der Presse und erklärte, der Entschluß der Re­gierung stehe fest: ohne Mazedonien, könne man Bnlga- rien nicht versöhnen. Es gäbe nur einen Weg: die Rück­gabe des geraubten mazedonischen Bulgarien.

Zum letzten Zeppelinangriff auf Harwich.

Hoek van Holland, 16. August. (T.-U.) Reisende aus London berichten, daß der letzte Zeppelinangriff auf Harwich sehr schweren Schaden ««gerichtet hat, dessen Umfang amtlich verheimlicht wird. Beim Fort Land- goard entstaub eine folgenschwere Explosion, bie zwar nicht in direktem Zusammenhang mit den Bombenwür­fen der Zeppeline steht, jedoch in indirekter Weise bannt zusammenhängt, denn die Katastrophe entstand dadurch, daß infolge der allgemeinen Aufregung und Verwirrung mehrere Wachen ihren Posten verließen. Die Zahl der Toten ist nicht zu ermitteln: doch ist sie sicherlich beöeu- end, denn es wurden allein dreizehn durch dieKatastrophe 'chwer verwundete Soldaten in das Militärlazarett em- geliefert. Eine Zeppelinbombe schlug in einen Flügel i>es Postgebändes ein und richtete bedeutenden Schaden au. Eine große Anzahl von Postsäcken, die noch ihrer Ueberprüfusig durch den Zensor harrte, gerieten in Brand und viele Postsendungen wnrben teils durch das Feuer teils durch das Wasser beim Löschen vernichtet. Dre englische Post ist in Holland in den letzten Tagen fast durchweg ausgeblieben.

Die Neutralen.

Militärische Neuorganisation in den Vereinigten Staaten

Daily Telegraph" meldet aus Neuyork, daß im amerikauischen Ministerrat die Ueberzeugung, ausge­sprochen wurde, das Mindesterfordernis für die genü­gende Verteidigung der ^Bereinigten Staaten sei ein wohlausgebildetes Heer und 500 000 Mann Miliztrnp- pen. Es sei wahrscheinlich, daß der Kammer ein derar­tiger Vorschlag unterbreitet werde, dem der Kongreß die Mittel für die militärische Neuorganisation der Ver­einigten Staaten zur Verfügung stellen werde.

* * *

Neue Forderungen der Japaner.

DerFrankfurter Zeitung" wird über Lugano aus Tokio gemeldet: Aus Anlaß des Näherrückens des Ter­mins, an dem mehrere Inseln des Stillen Ozeans von Japan geräumt und an Australien übergeben werben müßten, hat ein großer Teil der japanischen Presse, mit Nijiniji an der Spitze, eine Propaganda zugunsten der Belastung dieser Inseln in japanischem Besitz emgelesiet, die, wie die Blätter behaupten, von England jedenfalls mit leichter Mühe erreichbar sei.

Vivianis Kabinett erschüttert.

S-^ Paris, 16. August. (T. u.) In der Donnerstags- unb Freitagssitzung der Kammer wurde Millerand von sozialistischen Deputierten heftig angegriffen, welche ihm besonders die Mangelhaftigkeit des Sanitätswesens vor- warfen. Es kam zu bewegten Auftritten, sodaß Deschanel die Sitzung unterbrechen mußte. Die radikal-sozialistische Gruppe ließ durch Delegierte der Regierung mitteilen, die Gruppe sei überzeugt, daß ein gewisses Unbehagen, welches in Frankreich herrsche, nur durch den Rücktritt Millerands oder des ganzen Kabinetts beseitigt werden könne. Viviani gab das Versprechen, die Gesichtspunkte der Gruppe dem Ministerrat zu unterbreiten und der Gruppe darauf eine Antwort zugehen zu lasten. Mil­lerand wird in der nächsten Kammersitzung in eittgehen- den Erklärungen die gegen ihn gerichteten Angriffe be­antworten. _ v

Ein weiteres Pariser T. U.-Telegramm meldet: Die Republikaner sämtlicher Schattierungen entladen ihren nim schon seit langem hintan gehaltenen Groll mit voller Kraft auf den bedauernswerten Mrllerand, der anscheinend zu dem in Frankreich stets notwendigen Sündenbock des Krieges 1914/15 gestempelt werden soll. Auch die Radikalen gehen mit dem Kriegsm mster und dem ganzen Kabinett scharf ins Gericht. Vtvrani und die täglich kleiner werdende Gruppe seiner parlamenta­rischen Freunde kttmpfen schwer, jedoch völlig ergebncs- los, um dieheilige Einigkeit" wreöer zusammen zu schweiße«. Der Rücktritt des Kabinetts erscheint ganz unvermeidlich.

Krleasallerlet

Die Kriegsschäden Allensteins.

Wie die Russen in Ostpreußen gehau,t haben, beweist die jetzt endgültig erfolgte Feststellung der Kriegsschäden Allensteins, wo trotz nur 24stündiger Besetzung sechs­hundert bis siebenhundert Kriegsschädeusalle in Hohe von dreiviertel Millionen angemeloet wurden.

Ein abgetriebener französischer Fesselballon.

In Laasphe (Westfalen) bemerkten Radfahrer eine in den Bäumen hängende Ballonhülle. Diese würbe her­untergeholt und es stellte sich veraus, daß es, sich um einen französischen Fesselballon handelte, der hierherge- trreben war. Wo die Insassen geblieben und, konnte nicht ermittelt werden.

Genügend Pelze für einen neuen Winterfel-zug.

Von unterrichteter Seite wird rmtaeteilt, daß für einen kommenden Winterfeldzug der Bedarf an PeWe- fleibung, namentlich an Pelzmänteln, schon jetzt reichlich gedeckt ist. Die Beschaffung von Pelzjoppen wird nicht beabsichtigt. Sollte noch ein Bedarf eintreten, so ist An­ordnung getroffen, daß die Beschaffungen einheitlich durch das Bekleidunas-BesLaffunasamt in Berlin erführen.

haltet aus Im Sturmgebraus!"

Bilder aus dem Kriegsjahr der Deutschen Turnerschast. Von Karl Rossow, kgl. Gymnasialturnlehrer (Berlin-Steglitz).

Die Teilnahme der Deutschen Turuerschaft am Volk in Waffen".

Als unser Kaiser vor einem Jahre sein Volk zu den Waffen rief, da eilte in treuer Pflichterfüllung auch die Deutsche Turuerschaft, die sich in jahrzehntelanger fried- licher Arbeit gestählt mtb zum Dienst für das Vaterland vorbereitet hatte, 311 den Fahnen. Neben den Reser­visten, Laudwehrleuten und Landstnrmmännern melbe= ten sich Tausende und aber Tausende ans ihren Reihen, um als Kriegsfreiwillige mitzukämpfe« für Deutschlands Ruhm und Ehre. Auf 000 000 Teilnehmer wurde die Zahl der Turnerkämpfer zu Beginn des Krieges ge- tchatzt, nnd daß diese Zahl nicht zu hoch war, zeigt schon die Erhebung am 1. Januar 1915, zu einer Zeit, wo erst ein Teil des gedienten und ein noch kleinerer Teil des ungedienten Landsturms einberufen war. Diese Zahl, die schon in einer großen Anzahl von Kreisen (Branden bnrg, Westfalen, Rheinland, Schwaben, Baden, Bauern, Thüringen), mehr als 40 000 Turner in jedem dieser Kreise, ja im Mittelrheinkreis allein 80 000 Teilnehmer anführt, hat seither noch eine ganz bedeutende Steigerung erfahren. Wohl mit Sicherheit sonnen wir annehmeu, daß dereinst das Gedenkbuch, das über die Tätigkeit der Deutschen Turnerschast erscheinen wird, von etwa 700 000 Turuerkämpfern erzählen wird: b. h. etwa jeder zehnte im Felde stehende Soldat turnerisch durchgebilder und ein Mitglied der Deutschen Turnerschast ist.

Hub lauter und allgemeiner erklingt jetzt allüberall als Allgemeingut unseres Volkes der Schlußvers des alten Turner-Schutz- mib TrutzliedesHaltet aus im Sturmgebraus!"

Die Toten der Deutschen Turuerschaft.

. Mit eiserner, blutiger Hand hat -er Krieg wie in die einzelnen Familien, so auch in die großen Turnerfami- Iten eingegriffen. Schauen wir hinein in die Reihen ihrer Tapferen, die hinausgezogell waren. Sie sind stark gelichtet. Jede Nummer derDeutschen Turuzeitung" mit ihren schwarzgeränderteu Spalten der Ehrentafel gibt erschütternde Kunde, wie viele ihrer Getreuen ihr Blut vergossen haben. Mehr als 20 000 Turner sind es nach ben Angaben derDeutschen Turuzeituug" und der turnerischen Kreisblätter, die ihre Treue zu Kaiser und Reich mit dem Heldentod besiegelt haben; mib ihre Liste ist leider noch lange nicht vollstänbig. Hat doch bisher

Reich mit dem Heldentod besiegelt haben; itnb ihre Liste ist leider noch lange nicht vollständig. Hat doch bisher höchstens erst die Hälfte der Turnvereine in dieser Weise ihrer Gefallenen gedenken können. Und die Besten sind es gerade, die der unerbittliche Krieg aus ihren Reihen gerissen hat: Wie viele Vorsitzende, Turnlehrer und Vor­turner haben im Kampf gegen weihe mit) farbige Eng­länder und Franzosen, gegen Russen imö ihr Völkerge­misch den Tod erlitten. Einzelne aus der großen Zahl der Gefallenen besouders hervorheben und mit Namen anführen, hieße die anderen zuriicksetzen! Sie alle rufen uns aber zu:Haltet aus im Sturmgebraus!"

Die Ritter des Eisernen Kreuzes in der Turnerschaft.

Mit Freude und Stolz kaun die Turuerschaft ben Blick schweifen lassen über die weiteren langen Spalten derDeutschen Turuzeitung", die Kunde geben von den zahlreichen Auszeichnungen, welche die Turner vor dem Feinde erworben haben. Zeigen sie doch, daß jeder von ihnen bemüht war, seine Pflicht zu tun und daß die Arbeit der Deutschen Turnerschaft, ihre Mitglieder zu Mut und Tapferkeit zu erziehen, keine vergebliche ge­wesen ist. Auch die Zahl der verliehenen Eisernen Kreuze in der Turnerschaft ist so groß, daß einzelne nicht ge­nannt werden können. Nur die beiden Urenkel unseres Turnvaters Iahn, der Leutnant b. Nes. Adolf Quehl und sein älterer Bruder, der Hauptmann d. Nes. Waldemar Quehl, seien ans den mehr als 25 000 mit dem Kreuz geschmückten Turnern mit Namen erwähnt. Mit ganz besonderem Stolze aber kann die Deutsche Turuerschaft auf die nahezu 200 Träger des eisernen Kreuzes erster Klasse in ihren Reihen blicken, angefangen von Sr. Ex­zellenz, dem Generalgouverueur von Belgien, v. Bissing, dem Mitglied und Förderer des Turnvereins in Mün­ster, und dem Generalleutnant v. Dieffenbach, dem Mit­glied des Düsseldorfer Turnvereins von 1847, bis herab zu den vielen Turnern, die sich die erste Klasse als Unter­offiziere und Mannschaften erkämpften: sind doch von den 500 Eisernen Kreuzen erster Klasse, die an Nuteroffiziere und Mannschaften verlieben sind, mehr als 100 in Turnerhänöen.Haltet aus im Sturmgebraus!"

Die soziale Mitarbeit der Deutschen Turuerschaft.

1 Bewachung und ähnlichem, ten Mitglieder der Turnver-

Allüberall, wo es galt, die entstandenen Lücken im Volksleben auszufüllen, bemühten sich die zurückgeblie- benen Mitglieder der Turnvereine nach Kräften, einzu- springen und mit den anderen Kreisen wetteifernd in Reih und Glied zu treten. Mit Beginn des Krieges stellten sich alt und jung den Gemeinden zirr Verfügung zur Aufrechterhaltung der Orbmtna, der Durchführung des Sicherheitsdienstes, der Bewachung und ähnlichem. Da boten sich selbst die ältesten Mitglieder der Turnver­eine an, um an diesen Stellen tätig zu sein. Hub als es nötig war, für freiwillige Krankenpfleger Nachwuchs zu verschaffen, da richteten die Turnvereine Lehrgänge zur Ausbildung als Krankenpfleger und Krankenpfleger­innen ein, durch die Tausende ausgebildet wurden, und die Vereine gaben ihre vereinseigenen Turnhallen zur Aufnahme von Kranken und Verwundeten bereitwilligst her, ja, statteteu sie selbst mit notwendigen Einrichtungen aus. Als es hieß, die Mittel bereitzustellen zur Wetter­führung des Krieges, da haben auch die Turnvereiue ihre Ersparnisse angelegt zur Deckung der Kriegsanleihe, ein- gedenk der Mahnung:Haltet aus im Sturmgebraus!" (Schluß folgt.)

Vermischtes.

Eine Feldpostkarte 254 Tage unterwegs. Ein Be­amter des WienerArbeiterwillen", Josef Majeen, der schon totgeglaubt war, ist vor kurzem wohlbehalten aus russischer Gefangenschaft zurückgekehrt, nachdem es ihm öfter gelungen war, zu entfliehen. Obwohl Majcen mehr als fünfzig Karten an seine Angehörigen und Freunde geschrieben, kam keine einzige ans Ziel. Am 9. August erhielt die Familie Majeens folgende Feld­postkarte:Lemberg, 27. November. Liebe Eltern! Teile Euch mit, daß ich in russische Gefangenschaft ge­raten bin und so den Ausgang des Krieges abwarten muß. Bitte, alle Bekannten zu verständige«. Werde Euch von Rußland aus mehr schreiben!" Vonr 27. No­vember bis 9. August dauerte es, bis die Karte den Weg von Lemberg nach Graz znrücklegre, also 254 Tage.

Ecken stehen verboten! Das stellvertretende General­kommando des 4. Armeekorps hat zum Schrecken aller Eckensteher und Müßiggänger eine Verordnung er­lassen, wonach alle Männer, die keine feste Arbeitsge­legenheit haben, und die sich, nichtstuend und faulen­zend nachgewiesenermaßen umhertreiben, von der Poli­zei festzunehmen und tu eine Arbeitsairstalt zu bringen sind. In Halberstadi sind allein zwölf solcher Ecken- > steher festgenommen und nach dem Arbeitshaus ge- ; bracht worden.

Pilzvergiftung einer Beniner Famme. Der Ga « von Pilzen ist der Familie des 38jährigen Schnell ders Oskar Heinze in der Neuenburger Straße zu BeA litt zum Verhängnis geworben. Nach einem Pilzesseu sind außer Heinze dessen 42jährige Frau Hedwig und die beiden Kinder, der zehnjährige Bernhard und die neunjährige Lotte, ferner die bei der Familie wobnenbe 22jährige Näherin Emma Hulitschke schwer erkrankt; Frau Heinze erlag bereits der Vergiftung.

Kriegsbumor. Ein Vorsichtiger. Feldwebel (zu ei­nem Soldaten in einer feindlichen Stadt):Ja, was

soll denn das heißen, Sie laufen da herum und haben die Zigarette, die Sie räuchert, in einem Trichter stecken'?" »Ja, ich hab' einige geschenkt bekommen von einem Ein­heimischen, und das tue ich, falls eilt Exvloslvkörper drin wär!" Vom Regen in die Traufe.Es ist ein Elend mit diesen feindlichen Fliegerbomben: mein Mann ver­steckt sich immer im Keller, und wenn er beraufkommt, ist er betrunken." - Unter Daheimgebliebenen.Wach dein Krieg, wenn die anderen erst wieder da sind, da sind wir blamiert, mein Lieber, da schaut uns fein Mädel mehr an."Was benfen Sie denn: ich lerne doch die Regilnentsaeschichte von dem Garbes du Eorps aus- wendig." Berufsgemäß.Sie haben ja ganz plötz­lich ein rüsten müssen, Herr Apotheker."Das will ich meinen. Per Nachtglocke hat man mich geholt. Aus der Schule.Wärmn hast Du das aufgegebene Gedicht Die Teilung der Erde" nicht gelernt?"Aber Herr Lehrer, wo sie doch nächstens aufs neue verteilt wird!"

Aber Herr

(Meggenborfer Blätter.)

Aus einem englischen Iransportdampser.

Der Patriotismus der nach dem europäischen Kriegs, schauplatz transportierten kanadischen Soldaten wird, amerikanische Zeitungen ansführen, schon auf der Ueber- fahrt auf eine recht harte Probe gestellt. DemEiuei- uati Euguirer" entnimmt dasB T." folgenden Bericht:

Als der DanipserSaxonia" mit einer größeren Am zahl von Passagieren das letztemal in Neuyork landete, erhielt der Kapitän Befehl, den großen Dampfer für Zwecke des Truppentransportes einzllrichteu. Dieser Befehl verbreitete geradezu eine Panik unter den Mannschaften, und als es sich noch herausstellte, daß der Dampfer seine nächste Ausreise nach den Befehlen der englischen Adlntralität machen sollte, wurde es bllchstäb- lich unmöglich, die nötige Besatzung aufzutreibe«. So fuhr der Dampfer denn von Neuyork mit nur der Hälfte der sonstigen Besatzung ab. Als das Schiff sich außerhalb des Hafens von Neuyork befand, erhielt es von einem auf See kreuzenden englischen Kriegsschiffe ben Auftrag, nicht nach Quebec, sondern nach Halifax zu fahren. Hier wurde bann mächtig in die Trompete des Patriotismus gestoßen, und so gelang es denn schließlich, noch etwas Mannschaft anzu,verben, so daß das Schiff mit zwei Drittel der nötigen Besatzung nach Europa abfilhr.

Auf der Reise waren 2400 kanadische Soldaten, das 22. und 25. Bataillon der freiwilligen kanadischen In­fanterie, an Bord. Diese sprachen von den Deutsche« immer nur als vonHunnen, Seeräubern und Vauda- len". Sie waren einige Monate in Kanada gedrillt wor- den, und man hielt sie nun für geeignet, zur Front abzll- gehen, aber schon auf der Ueberfahrt ereigneten sich die unglaublichste« Diuge. DieSaxvuia" war überfüllt und die Schiffsbeancken machten einige Verseheu, die fast eine Meuterei entfesselten. Diese Versehen bestanden da­rin, daß die Schiffsoffiziere zu sehr die Staudesunter­schiede betonten. Die Offiziere waren selbstverständlich in ben vornehmen eilten Kabinen untcraebracht. Nun gab sich der erste Steivard des Dauipfers alle benfbare Mühe, um diese 80 Herren mit auserlesenen, feinen Ge­richten zufriedeikzustellen. Hingegen würben die 2400 Mamkschafteu und Unteroffiziere arg vernachlässigt. Das Essen, daß die Unteroffiziere und die im Bwifchenbecf be- findlichen Mannschaften erhielten, war ein geradezu ekel­erregendes Gemengsel. Nachdem sich die Soldaten dies drei Tage angesehen hatten, meuterten sie alle und pro­testierten mit solcher Energie, daß die Offiziere herbei- eilten und das Versprechen gaben, daß sofort eine Bessc- rling eintreten würbe. Schließlich mußte man sogar Freiwillige unter den Soldaten auffordern, sich au der Schiffsarbett zu beteiligen, weil die nötigen Mannschaften einfach fehlten.

Das Schiff würbe von Unterseebooten verfolgt, es gelang ihm aber zu eutkommeu. In der Nähe von Ply- mouth wurde der Dampfer von drei kleinen Torpedo- bvvtszerstöreru erwartet, die ihn nach dem Hafen beglei­teten. ?lls das Schiff von Halifax abfuhr, durften die dortigen Zeitungen keinerlei Berichte über die Ausfahrt briugeu. ___________________________________

Weitere Drahtnachrichten«

Landtagsabgeordneter Dr. Flesch f.

Frankfurt a. M., 16. August. Der fortschritt­liche Landtagsabgeordnete Dr. Flesch-Fraukfllrt a. M. ist gestern abeud im Alter von 62 Jahre« gestorben.

Die Tätigkeit des verstorbenen Abgeordtteten Dr. Flesch lag bejo«ders auf bem Gebiete der Reform des Arbetterrechtes und des Arbeitsvertrages, der Bodeu- und Wvhilvtigsrefvrnt.

Der Vormarsch in Rnssisch-Polen.

w Berlin, 16. August. DasB. T." Uteldet aus dem Kriegspresseguartier: Der Vormarsch der Verbün­deten dauert an und hat, die russischen Heere vor sich hertreibe«d, die Linie Wlodawa-Wiszuice Mied- zyrczidczy Losice Czyczew erreicht. Nach hier führen bie Russen Brcmdkvmmcmdvs mit, die mit Zelluloid und Benzinspritzen ausgerüstet siuo, doch werden nur die Herrenhäuser und die Juöenviertel der Städte ver­nichtet. Außerhalb der russische« Rückzugslinie, wo die Felder geschont, die Einwohner aber geflüchtet sind, ver­richten die britischen und österreichisch-ungarischen Etap- penkvmmaudos die Erntearbelteu.

Der mögliche Vorstoß auf Petersburg.

iw> Christiauia, 16. August. (WTB.)Norges Sjö- fahrtstidinge schreibt: Die Mittelmächte haben im Osteil einen überaus groben Laudgewinn gemacht und den feindlichen Heeren Niederlage» zugefligt, die am Bestand an Offizieren und Mannschaften und Material stark ge­zehrt und aller Wahrscheinlichkeit nach die Moral der Truppen mehr oder weniger angegriffen haben. Unter den vorliegenden Möglichkeiten ist auch ein Vorstoß durch die Ostseeprovinzeu auf Petersburg denkbar. Jedenfalls müssen die Operationen vor Eintritt des Winters in Rußland beendet sein. Es sieht aus, als ob die Oester- reicher imstande sind, mit verbältnislnäßig geringer Truppenmacht die Italiener im Schach zu halten, wäh­rend diese scheinbar keinen Ehrgeiz haben, Koustanttuo- pel zu erobern, um dadurch bett Russen Luft zu machen.

Ein feindlicher Dreimaster torpediert

w Lyon, l6 Auaust. (WTB.) DerNouvelliste" erfahrt aus Nantes, daß der Dreimaster Francois im Süden von Irland von einem deutschen Unterleeboo torpediert und versenkt worden ist.

Frankreichs neuer Wmterfeldzug

Lyon, 16. August. (WTB.) DerProgröS" M det aus Paris: Der Heeresausschutz des Senates i einen Unterausschuß für Berproviautierung mit . Unteriuchung der Vorbereitung für einen neuen Win kelozua beauftragt.