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Hersfelder Tageblatt

für den Kreis Hersfeld

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amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder-

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be- » $ -.

zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Der Anzeigenpreis bekägt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Nr. 190. Sonntag, den 15. August 1915

Unsere W Helden

Mit demEisernen Kreuz" ausgezeichnet wurden: Nes. W. Echtermeyer, Nes.-Jnf.-Negt. 71,Rans- bach. Oberarzt Dr. Leopold Martin, Hersfeld. Gefreiter Heinrich Riebold, Res.-Jnf.-Regt. 82, Aus­bach.

Auf demFelde der Ehre" fielen: Füsilier Otto Trischmann, Mecklar. Gefreiter Heinrich Falk, Machtlos. Landsturmmann Wilhelm Eisenacher, Mengshausen. Ers.-Res. George Riebold, Röhrigs- Hof. Grenadier Heinrich Fischer, Dünkelrode. Gefreiter Heinrich Weiß, Wippershain.

Hus der Heimat«

* Die Obstzeit naht allmählich heran. Es ist deshalb vielleicht angebracht, darauf hinzuweisen, daß bei dem hohen Werte des Obstes für unsere Nah- rungsmittelversorgung eine möglichst sorgfältige und schonende Behandlung der Früchte ein dringendes Er­fordernis ist. Besitzer sehr großer, auf den Handel eingerichteter Obstgärten können allerdings in dieser 'Hinsicht schon aus Mangel an Arbeitskräften nicht allen Erfordernissen nachkommen. Sie müssen es dem Händler und Verzehrer überlassen, das Obst sachge­mäß aufzustapeln. Mittlere und kleine Obstgärten bieten dagegen Zeit genug zu einer sachdienlichen Obstpflege. Dazu gehört: Abpflücken des Obstes statt Abschütteln, sorgfältiges Abwischen des Obstes nach dem Pflücken, Heraussuchen alles morschen und wurm­stichigen Obstes, Lagern der gesunden Früchte auf breiten Holzhürden, möglichst auf untergelegtem Stroh. Die einzelnen Früchten sollen sich nicht berühren, auch nicht in mehreren Reihen übereinanderliegen. Die zur Aufbewahrung dienenden Räume sollen trocken, luftig und kühl sein. Es sollen keine anderen Feld­früchte darin lagern, namentlich keine Kartoffeln.

* (Fürsorge fürKriegerwaisen.) Ange­sichts der großen Aufgaben, welche der gegenwärtige Krieg an die Waisenfürsorge stellen wird, haben die Deutsche Reichsfechtschule und die Fechtanstalt des Deutschen Kriegerbundes beschlossen, in Zukunft zwar wie bisher getrennt zu marschieren, aber vereint zu schlagen. Die beiderseitigen Organisationen werden für sich bestehen bleiben und nach ihren Grundsätzen weiter arbeiten, aber sie wollen dies in freundschaftl. Einvernehmen tun und sich gegenseitig unterstützen. Es ist zu erwarten, daß hierdurch das gemeinsame Liebeswerk erheblich gefördert wird. Die im Jahre 1880 entstandene Deutsche Reichsfechtschule unterhält zurzeit 6 Waisenhäuser mit rund 300 Kindern. Die nach ihrem Vorgänge im Jahre 1884 begründete Fecht­anstalt des Deutschen Kriegerbundes hat den Zweck, die Unterhaltungskosten für seine Waisenhäuser auf- zubrigen. Gegenwärtig bestehen 5 Kriegswaisenhäuser, in denen 500 Kinder untergebracht sind. Der Deusche Kriegerbund gibt außerdem Erziehungsbeihilfen für solche Waisen, die aus Platzmangel oder aus anderen Gründen in Kriegerwaisenhäusern keine Aufnahme finden können. Für die Verwaltung seiner Krieger­waisenhäuser hat der Deutsche Kriegerbund eine Stif­tung eigenen Rechtes errichtet, die Kronprinz- und Kronprinzessin-Stiftung, deren erste Protektorin Ihre Majestät die Kaiserin und deren zweite Protektorin Ihre Kaiserliche Hoheit die Frau Kronprinzessin ist.

):( Hersfeld, 14. August. Eine neue Bekannt­machung befaßt sich mit der Veräußerung und Ver­wendung von ungefärbter und gefärbter reiner Schaf­wolle und der reinschafwollenen Spinnstoffe wie Kammzug, Kämmlingen und Wollabgängen, soweit es sich nicht um Vorräte handelt, die erst nach Erlaß der Bekanntmachung vom Auslande eingeführt werden. Vom 14. August 1915 ab ist danach jede Veräußerung reiner Schafwolle und reinschafwollener Spinnstoffe zu anderen als zu Heereszwecken verboten. Als Ver­äußerung zu Heereszwecken wird nur eine Verände­rung an die Kriegswollbedarfs-Aktiengesellschaft oder die Kammwoll-Aktiengesellschaft in Berlin oder an Personen angesehen, welche die Ware zur Erfüllung von unmittelbaren oder mittelbaren Heeresaustragen verwenden. Der Nachweis, daß die Veräußerung tat­sächlich zu Heereszwecken erfolgt, muß in einer naher angegebenen Weise erbracht werden. Auch die Ver­wendung (Waschen, Kämmen, Mischen, Farben, Ver­spinnen sowie jede andere Art der Verarbeitung) der Schafwolle ist mit dem 14. August nur noch zur Her­stellung solcher Erzeugnisse gestattet, deren Anserti- gung vom Königlich Preußischen Krlegsmrmsterrum unmittelbar oder mittelbar ausdrücklich genehmigt ist. Es ist zu beachten, daß die Anordnungen der neuen Bekanntmachung sich nicht auf die Wolleu der Deut­schen Schafschur 191415 beziehen, sur welche die bei der Beschlagnahme der Schafschur erlassenen Be­stimmungen Anwendung finden. Das Verkommender Wollen der Deutschen Schafschur 1914 1-> bleibt über­haupt verboten, soweit nicht eine besondere Erlaubnis des Kriegsministeriums erteilt ist Eine Reihe von Bestimmungen der Bekanntmachung behandelt die^ jenigen Mengen Schafwolle, die aus den eigenen Ve-

ständen beliebig verwendet werden können, sowie die Verwendung von Baumwolle oder Baumwollabfällen als Zusatzspinnstoff und die Meldepflicht von aus dem Auslande eingeführten Vorräten. Besondere Be­stimmungen gelten noch für Kammgarnspinner. Der Wortlaut der Bekanntmachung kann bei der Polizei- verwaltung und dem Königlichen Landratsamt hier eingesehen werden.

):( Hersfeld, 14. August. Nächsten Montag nach­mittag 5 Uhr wird eine Sitzung der Stadtver- o r d n e t e n - V e r s a m m l u n g im Rathaussaale abgehalten werden. Tagesordnung. Jahres­rechnungen der städtischen Gas- und Wasserwerke für das Etatsjahr 191314. Wahl der Mitglieder und deren Stellvertreter zur Einkommensteuer-Vorein- schätzungskommission. Aufnahme einer Anleihe. Ortsstatut über den Schlachtzwang in der Stadt Hers­feld. Kostenbewilligungen. Sonstiges.

):( Hersfeld, 14. August. Eine weitere Erhöhung der B i e r p r e i s e ist jetzt eingetreten. Die Preis­erhöhung ist einheitlich von den Brauereien im Kreise Fulda, Hersfeld, Schlüchtern und Oberhessen durchge­führt, auch zwei Hanauer Brauereien sind der Ver- einigungbeigetreten. Die Gejamt-Kriegspreiserhöhung beträgt jetzt für den Hektoliter 7 Mark.

Schenklengsfeld, 13. August. Am heutigen Tage vollendet der älteste Einwohner des hiesigen Ortes, Jontef Tannenberg, seinen neunzigsten Geburtstag. Der Greis hat sich bis zur Stunde seine volle geistige und körperliche Frische bewahrt und besitzt von et­was Schwerhörigkeit abgesehen keines der Gebrechen, die sonst ein so hohes Greisenalter im Gefolge hat. Er ist heute noch ein regelmäßiger Besucher des frü­hen Morgen- und späten Abengottesdienstes. Sein Gedächtnis reicht bis in die früheste Jugend zurück, und mit großer Lebhaftigkeit weiß er manche Episode aus den unruhigen Zeiten 1848, 1864, 1866, 1870 zu berichten. Möge es dem Greise vergönnt sein, seinen Lebensabend in Gesundheit und geistiger Frische zu verbringen.

Widdershansen, 13. August. (Obstpreise.) Der Verkauf des Gemeindeobstes erbrachte in diesem Jahre rund tausend Mark, im Vorjahre nicht einmal den fünften Teil dieser Summe.

Niederthalhausen, 14. August. Unterzahlmeister Braun von hier hantierte beim Einpacken seiner Sachen unvorsichtigerweise mit seinem Dienstrevolver, als sich dieser plötzlich entlud. Braun wurde in das Herz getroffen und starb nach wenigen Augenblicken. Er hatte sich bereits das Eiserne Kreuz zweiter Klasse erworben und war für das Kreuz erster Klasse in Vorschlag gebracht.

Neukirchen b. Ziegenhain, 13. August. Das Fest der goldenen Hochzeit begingen die Eheleute Leinweber und Musiker Johannes Schmidt dahier in seltener Frische.

Gladebeck (Kr. Göttingen), 12. Augnst. Hier wurde kürzlich ein gefallener Krieger beerdigt. Nachdem die Beisetzung vollzogen war und bereits ein Gedenkstein den Hügel schmückte, lief die Nachricht ein, daß mit der Person des Toten eine Verwechselung erfolgt war und der angeblich Gefallene als lebendiger Soldat die Wacht im Felde hält.

Göttingen, 13. August. Nach dem Genuß an­scheinend verdorbener Speisen erkrankte die Familie des Bäckermeisters M., Groner Landstraße, schwer. Bon den in die Klinik überführten Kindern ist ein zehnjähriges Mädchen bereits gestorben. M. befindet sich im Felde.

Heiligenstadt, 13. August. Von einer Göttinger Firma hatte der Drogist P. in Heiligenstadt einen Posten Fußbodenöl zum Preise von 37 Mk. für 100 Klar, gekauft. Als dann die Firma sich weigerte, die bestellte Sorte Del zu liefern und ihm dafür eine andere Sorte zu 87 Mk. zu liefern sich erbot, schrieb P der Firma eine Postkarte und erklärte den höheren Preis für einen Wucherpreis, da es doch nur ganz gewöhnliches Schmieröl wäre. Das Schöffengericht Göttingen fand hierin eine Beleidigung und verur- teilte P. zu einer Geldstrafe von 10 Mk. Die Straf­kammer in Göttingen hob jedoch das Urteil auf und sprach den Angeklagten frei, da er nur in Wahrnehm­ung seiner berechtigten Interessen gehandelt habe.

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Bonnenburg (Kr. Marburg), 13. August. Der aus unserem Ort stammende, in Letmathe angestellte Loko­motivführer Joh. Sommer, wollte bei der Rückkehr m>n einem Ausflug in die Jserlohner Heide auf der Station Stimmern, den Zug besteigen, geriet dabei unter den bereits fahrenden Zug und erlitt einen gräßlichen Tod. Die Leiche, der der Kopf und ern Arm vom Rumpfe getrennt wurde, hat dann unentdeckt von 9 Uhr abends bis zum nächsten Vormittag auf dem Bahnstrang gelegen.

Schmalkalden, 12. August. Ein furchtbares Un­wetter, verbunden mit Hagel,chlag, ging gestern über der hiesigen Gegend nieder. Unter heftigen elekt­rischen Entladungen fiel ein wolkenbruchartiger Regen, der binnen kurzemdie Straßen an verschiedenen Stellen fußhoch unter Wasser setzte. Von den Bergen kam das

Wasser in Sturzbächen herunter, Kartoffel- und Rüben- felder mit der ganzen Ackerkrume kamen ins Tal ge­schwemmt. Die am Fuße der Berge liegenden Aecker wurden teilweise ganz versandet. Der Hagel richtete in den Hafer- und Gerstenfeldern erheblichen Schaden an. Die Flüsse gingen in Kurzem fast bis an den Rand mit Hochwasser, Holz, verschiedenes Gerät mit sich führend. Der Schaden, den das Unwetter ange­richtet hat, dürfte nicht unbeträchtlich sein.

Jena, 12. August. Im Nachbardorfe Krippendorf wollte der Landwirt Max Kötschan in Begleitung seines 76jährigen Vaters und seiner 16- und 17jährigen Kinder Arno und Irma mit der Mähmaschine aufs Feld fahren. Unterwegs wurden die Pferde scheu, wodurch der Großvater und die beiden Enkel unter die Mähmaschine gerieten und schwer verletzt wurden. Der alte Mann ist bereits gestorben.

Gera, 12. August. Zu bedauerlichen Vorgängen kam es nach demGeraer Tgbl." auf einem der letzten Wochenmärkte. Eine große Menschenmenge, die sich, erregt über die hohen Preise, zusammentat, zog, mit Schirmen und Stöcken drohend, von Staub zu Stand und stieß, wenn die Preise der geforderten Waren so hoch waren, die Verkaufsstände um oder eignete sich die Hühner, Eier, Butter und was es noch war, an, ohne es zu bezahlen. Ein Tanbenschlag wurde ge­öffnet, so daß die Tauben davonflogen. Einer Händlerin, die für das Pfund Quark 35 Pfg. ver­langte, wurde ein Teil ihres Quarkes ins Gesicht ge­worfen. Ebenso erging es einer anderen, die für ein Stück Butter 1,10 Mk. forderte. Die Schutzleute, die herzugeeilt kamen, konnten den Ansturm kaum zu- rückhalten. Die Händlerinnen mußten schließlich das Feld räumen. Mehrere Personen wurden nach der Polizei gebracht.

Hünfeld, 12. August. Zum Ortsschulinspektor wurde der Pfarrer Nitzge in Haselstein (Str. Hünfeld) ernannt.

Fulda, 11. August. ^ Bei Schlüchtern, Block Stegen- berg, jenseits des Distelrasentnnnels, ereignete sich heute früh ein Eisenbahnunglück. Vom Güterzug 6735 hängten sich mehrere Wagen los und stießen auf den Güterzug 6745. Der eingleisige Betrieb mit Personenzügen ist erst seit 9 Uhr vormittags durch Umsteigen an der Unfallstelle möglich. Die Schnell- und D-Züge von Bebra und Frankfurt können um= geleitet werden. Jeder Güterverkehr ist bis nachmit- tags unterbrochen. Sämtliche drei Hauptgleise sind gesperrt. Zwei Hanauer Beamte wurden schwer ver­letzt und in das Fuldaer Landkrankenhaus gebracht. Rettungszüge von Fulda und Hanau gingen nach der Unglücksstelle ab. Der Materialschaden ist sehr groß.

Fulda, 12. August. Von den auf der Domäne Ziehers als landwirtschaftliche Arbeiter beschäftigten französischen Kriegsgefangenen sind in der Nacht von Montag auf Dienstag zwei Franzosen entflohen; sie müssen ihre Flucht durch einen an das Dach befestigten Strick bewerkstelligt haben. Um besser in die Frei­heit fortzukommen, trennten sie von ihren Militär­hosen die roten Streifen und von den Mützen die Nummern ab. Beide Gefangene tragen aber blaue Röcke- der eine ist etwa 23 Jahre alt und von ge­setzter Statur, der andere ein Korporal, etwa 24jährig und von kleiner Statur.

Hanau, 12. August. Wie Lebensmittel verteuert werden, beleuchtete eine vor der hiesigen Strafkammer gegen den Müller und Bäcker Balduff von Roß- bach (Kreis Gelnhausen) geführte Verhandlung. Für einen Doppelzentner Kartoffelwalzmehl, für welches der Höchstpreis mit 42,30 Mark festgesetzt war, hatte er sich von dem Landwirt Andreas Schum aus der Nähe von Gelnhausen 80 Mark bezahlen lassen und dieser wiederum verkaufte das Mehl für 95 Mark nach Frankfurt. Das Urteil gegen den Angeklagten Balduff lautete auf 200 Mark Geldstrafe.

Frankfurt a. M., 12. August. Mit einem reichen Erfolgearbeitet" seit einigen Tagen hier und in den Nachbarstädten ein Schwindler, der in Unteroffizters- uniform durch die Welt wandelt und folgende Kriegs­methode anwendet: Er rufttrlephonisch Damen besserer Kreise an, stellt sich als Leutnant v. Müller vor und bittet, seinem Burschen, sobald dieser vorkomme, eine Gabe zu verabfolgen. Dem Burschen feien die Arme durch Schüsse schwer verletzt. Bereitwilligst sagt man eine Gabe zu. Nach einer Stunde erscheint dann der Unteroffizier" als Bursche und erhält reichliche Gaben, meistens nicht unter 10 Mark. Bisher konnte der Gauner noch nicht ergriffen werden.

»Trusifreie Zi^areffen

Perlen feMterr ££, 2 öl: , 5pf i 3 p/