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Der Uebergang der Armee Woyrsch ,,, .' Wer die Weichsel. ,,

) Am 29. Juli 1915.

Von einem verwuuöetelt Mitkämpfer erhält der Tag" folgende anschauliche Schilderung:

< Eine der grüßten Taten unseres Heeres ist der Uebergang der Armee Woprsch über die Weichsel unter­halb von Jwaugorod in der Nacht vom 28. zum 29. Juli. In großen Gewaltmärschen bei Lag und Nacht, unter strömendem Regen, wurde die Armee unterhalb Jwan- goroös angesetzt. Bon alledem hatte der Gegner keine Ahnung. Wie einem Schreckgespenst sah er sich am 29. Juli einer preußischen Armee gegenüber. Am Nach­mittag des 28. Juli wurden sämtliche Offiziere unseres Bataillons zum Bataillonskommandeur befohlen. Be­fehle:Nachts 1 Uhr 30 erfolgt au zehu Stellen der Ueber­gaug über die Weichsel. Für unsere Brigade sind drei Stellen befohlen. Der Inhalt der Patronenwagen ist mitzunehmen. Desgleichen drei eiserne Portionen für den Mann, auch die von der Feldküche. Ferner sämt­liche großen Schanzzeuge, denn der Spaten ist der Lebens­retter für die Infanterie. Der Uebergang soll möglichst ohne Schießen, möglichst kampflos vor sich gehen. Die Ueberfahrt in großen Pontons, von österreichischen Pio­nieren gerudert, je für 16 Mann berechnet. Auf den Pontons ist das Gewicht gleichmäßig zu verteilen. Aus der Fahrt die Plätze nicht wechseln. Die Tornister ab­hängen, damit ins Wasser Fallende durch die Schwere dieser uicht in die Tiefe gezogen werden. Kein Licht machen, nicht rauchen. Den Ausschiffnngspnnkt frei­machen. Dort einen sogenannten Brückenkopf anlegen."

Und nun, meine Herren, wer reitet 15 Kilometer zur Weichsel, um vorher den besten Weg zu erkunden?" Da ich gerade abkömmlich war, meldete ich mich.

'Jgnaz (mein Bursche, ein Pole), mein Pferd ge­sattelt, sattle Dir auch eins!"

Wir ritten zur Weichselpatrouille. Verblüfft glotzte mich mein guter Pferdebursche au. Aber dann gings aus Satteln. In drei Minuten standen beide Pferde fertig.

Bon Ch. . . - N . . . über N . . . - W . . . nach F . . ., wo unser Uebergang stattfinden sollte. Schon in N . . . - W . . . stießen wir auf endlose österreichische Pontoukolonnen. Die Pontons sind gegen Sicht der Flugzeuge kuustvoll mit Stroh verdeckt. Uubeschreiblich war der Schmutz. Die Pferde, welche zu sechs die schwe­ren Eisenpontons ziehen mußten, mußten meistens ein halbes Meter tief durch deu Dreck, aber die braven öster- reichischen Fahrer, von denen einige sich die Stiefel aus- gezogen hatten, damit diese nicht im Dreck stecken blieben, trieben die Gäule unablässig.

Endlich gelaugten auch wir beide au deu das Hufe Ufer säumenden hohen Weichseldamm. Diesen ritten wir uferaufwärts, gegeu Sicht gedeckt, entlang. Einige Jn- fanteriegeschosse pfiffen von jenseits der Weichsel an un­sern Köpfen vorbei. Jgnaz lachte darüber. Oesterreichische Kavalleriepairouilleu hielten das Ufer besetzt. Auf dem Rückweg machten wir Strohwische als Kennzeichen au die Wegekreuze und Bäume. Wir mußten möglichst freies Feld für die Jufauterie aufsuchen. In Ch. . . ange­nommen, trafen wir die Bataillone schon im Marsch. Ich kam gerade noch zurecht, um als Führer zu dienen. Um Ritte rnacht stand die Brigade bei F . . . ., durch den ho­hen Weichseldamm geschützt. Die braven Leute konnten ich noch ein letztes Ruhestündchen bei den Gewehren Sönnen. Für manchen der letzte erquickende Schlaf.

Um 1 Uhr wurde am Weichseldamm in der Linie hintereinander aufmarschiert. Punkt 1 Uhr 30 Minuten kam der Befehl, sich einzuschiffen. Unserer Brigade stan­den etwa 50 Pontons zur Verfügung. In mehreren Etappen mußte also übergesetzt werden. Die Mann- schaften, welche noch nicht eingeschifft waren, zogen die Pontons in die Weichsel. Schnell waren sie besetzt, und nun ging es los. Wie der Teufel ruderten die tapferen österreichischen Pioniere. Ein großartiges Panorama! Der klare Mond steht am Himmel. Ein mächtiger deut­scher Scheiuwerfer leuchtet von Südosten das ganze jen­seitige Ufer der Weichsel von der Seite aus ab. Unsere Artillerie begann ein mächtiges Konzert, indem sie das jenseitige Ufer mit Granaten und Schrapnellen belegte, die wunderbar, fchanerlich schön aufblitzten. Die Pontons huschten wie große Mäuse immer weiter. Wir hielten den Atem an.

Horch, das Blut wollte uns fast erstarren, die Russen gegrüßten uns mit Gewehrfeuer. Wie die Löwen ruder­

ten die Oesterreicher. Trotz einiger Verluste geht es un- aufhaltsam vorwärts. Etwa 800 Meter waren zurück- zulegen. Das Wasser scheint nicht mehr tief zu sein. Bis zur Brust ging es durch das Wasser. Die Pontons stießen endlich wieder ab, um andere Staffeln zu holen. Schnell durchs Wasser, und nun war der Teufel los. Zu­nächst aber Leuchtpatronen abgeschossen, damit unsere Leute am westlichen Ufer wissen, daß wir herüber sind.

Barfuß, aus dem Schlafe ausgeschreckt, liegen die Russen in den Kuscheln. Wir drauflos trotz des Gewehr­feuers. Eiuer unserer Hauptleute fiel neben mir, und noch mancher brave Mann.Mit den Kolben auf die Bande!" schreien unsere Landwehrleute. Mit Hurra sausen die Hiebe auf die Russen, arbeiten unsere Bajo­nette, schießen wir hinter die Fliehenden. Ein schreck­licher Nahkampf, manschlug" sich buchstäblich tot. Im Handgemenge wurden sogar Aermel ausgekissen. Die Russen warfen uns Handgranaten und eine unbestimm­bare brennende Masse entgegen. Aber sie wichen. Im Dorfe Kobylnitza, hart au der Weichsel, sitzt die Bande. Vorwärts!Haut sie, daß das Feuer springt!" ruft einer. Unsere Artillerie waltet ihres majestätischen Amtes. Das Dorf brennt, die Russen fliehen. Sie liegen zu Hunder­ten tot am Boden. Darunter auch ein japanischer Oberst­leutnant in japanischer Uniform. Nachher fanden wir auch etwas japanische Munition.

Endlich ist der Brückenkopf fertig. Eine kleine Kampfpause tritt ein, dann geht es wieder vorwärts. Der Brückenkopf soll erweitert werden. Nach fünfzehn- stündigem Kampfe erreichen wir die Linie Dorf St.. . .= K. ... In der folgenden Nacht machten die Russen ver­gebliche Gegenangriffe. Dnrch das Höllenkonzert unserer Artillerie, Maschinengewehre und Gewehre müssen sie unter großen Verlusten immer wieder zurück.Die Bande läßt uns Tag und Nacht keine Ruhe", sagen die Leute.

Da, am 1. August, nachmittags, sehen wir recht? Die Russen winken mit weißen Tüchern! Heben die Hände hoch!Niemand schießen", geht's durch unsere Reihen. Siuilak putschiliv", Kamerad komm, rufen belustigt un- fere Leute. Richtig, sie kommen angelaufen. Weinend heulend werfen sie sich zu unsern Füßen, wollen uns Hände und Füße küssen. Einige hundert Russen, meist wohlPinkauguste",Knallmaxen" (Scharfschützen) sind schon bei uns. Herein in unsere Schützengräben, denn die russische Artillerie schießt hinter die überlaufenden Russen.

9lmt wagte der Feind nicht mehr, diese Vorstellung zu besetzen. Vielleicht, weil er befürchtete, daß die Vor­huten auch überlaufen würden. Inzwischen sind zwei Weichselbrücken geschlagen, eine für den Ost-, die andere für den Westverkehr.

91m 2. August kam dann der Befehl zum Sturman­griff. Herrlich gingen unsere Truppen vor, trotz mancher Verluste. Gegen 6 Uhr nachmittags, als wir gerade die feindliche Stellungen nahmen, erhielt ich einen leichten Armschutz. Mit Hilfe einer österreichischen Autokolonne kam ich schnell auf der Chaussee uach Radom, von dort mit einem Lazarettzug uach Deutschland. Hier hörte ich, daß inzwischen Jwaugorod gefallen ist. Gott sei Dank! In acht Wochen bin ich wieder bei meinen lieben Russen.

Deutsche Heldeulule«.

Am 5. August befand sich die 5. Kompagnie Jnf.- Regt. Nr. 141 in schwerem ampfe mit überlegenen Kräf­ten. In unaufhaltsamem Sturm gings auf die feindlichen Schützengräben zu. Plötzlich fehlt der Kompagniechef, Hauptmann Göbel, der den Seinen bisher dauernd weit voraus war. Der Musketier Thies eilte zurück und findet ihn schwer verwundet. Des schweren Artillerie­feuers nicht achtend, nimmt er ihn auf den Rücken, um ihn zurückzuschaffen. Kaum ist er einige Schritte weit gekommen, als er plötzlich einen einzelnen Feind vor sich sieht, der auf ihn schießt ohne zu treffen. Schnell legt er feinen schwerverwundeten £errn beiseite und schießt den Gegner nieder, dann setzt er seinen Weg fort und kommt an ein Haus, wohin schon zwei andere verwun­dete Offiziere zurückgeschafft sind. Schon will er wieder nach vorn eilen, als feindliche Artilleriegeschosse in der Nähe des Hauses einschlagen. Schnell entschlossen bindet er feinen Kompagniechef mit dem Brotbeutel auf den Rücken und trägt ihn weiter. Nach wenigen Schritten gewahrt er beim Zurückblicken, wie eine Granate m das soeben verlassene Haus einschlägt. So rettete er seinem Hauptmann zweimal das Leben. Für seine Un- erschrockenheit und Treue erhielt Tbies das Eiserne Kreuz.

Eine wabere Patrouille. r

Beim württ. Landw -Jnfanterie-Regt. Nr. 122 war beobachtet worden, daß sich auf einer etwa 600 Nieter vor der Front befindlichen Höhe eine neue feindliche Feldwache mit vorgeschobenem Posten, geschützt durch mehrfaches Drahthindernis, eingegraben hatte. Leutnant d. R. Müller aus Ludwigsburg von der 4. Kompagnie erhielt deu Auftrag, mit 25 Mann den vorgeschobenen Posten auszuheben. Gegen 11 Uhr abends erreichte er das erste Drahthindernis,' dort erhielt er starkes Feuer, das jedoch nach einiger Zeit verstummte. Als Zeichen des Zurttckgehens war das Absenern einer weißen Sig- nalpatrone verabredet,' als um 1.30 früh ein weißes Lichtzeichen beobachtet wurde, zogen sich die als Seiten- patrouillen eingeteilten Leute in der Annahme, es sei das verabredete Zeichen zurück, nur Leutnant d. R. Müller, Felgwebel August Nahm aus Gernsbach (Ba­den) und 4 andere blieben am Feinde. Leutnant Müller kroch an der Spitze seiner 5 Leute auf 40 Meter heran: als ein Mann über euren StvIperdraht stürzte, alarmierte der feindliche Posten die nur 60 Mtr. weiter rückwärts befindliche Feldwache. Leutnant Müller rief:Schießen und drauf", durchbrach das letzte Hindernis und stürzte, seinen Leuten immer voraus, auf den feindlichen Posten los. Dem ersten Gegner entriß er aus dem Anschlag das Gewehr und schlug ihu damit nieder, in der gleichen Weise erledigte er noch 45 andere mit ihren eigenen Gewehren. Hinter ihm waren inzwischen Feldwebel Nahm und die übrigen Leute vorgedrungen, stießen und schössen nieder, wen sie erreichen konnten. Der feinte liche Posten war vollständig ansgehoben: 8 Gegner lagen tot, 2 schwer verwundet um den Schützengraben, 2 ent­kamen, verwundet. Da die Aufgabe erfüllt war und die Morgendämmerung anbrach, zog sich die Patrouille vor der im Laufgraben heraukvmmcuden feindlichen Feldwache wieder auf unsere Vorposten zurück. Zwei verwuudete Gefangene nahm sie noch mit und erreichte trotz starken Flankenfeuers ohne Verluste ihre Kom­pagnie.

Ein tapferer Reiterofftzter.

Am 26. August erhielt Leutnant v. Robeudorff des Jäger-Regiments zu Pferde Nr. 4 den Auftrag, mit einer Patrouille von 2 Unteroffizieren und 20 Jägern über Rössel auf Sorguitten vorzugehen, um die Be- wegnngen des Feindes zu erkundigen. An der Seeenge von Sorguitten stießen sie auf eine russische Kavallerre- Division. Rasch entschlossen ließ Leutnant v. Robeu­dorff absitzen, zog seine geringen Kräfte geschickt hinter eine Höhe in breiter Front zürn Fußgefecht ausein- ander und eröffnete aus einer Entfernung von 800 Mtr. ein lebhaftes Feuer auf die ahnungslos anreitende Bor­hut des Feindes. Sein kühner Plan gelang. Die Russen, in dem Glauben, sich stärkeren Kräften gegen­über zu Befinden, gerieten in Verwirrung und jagten unter Zurücklassung von mehreren Verwundeten hin­ter die See-Enge zurück. Erst nach Verlauf einer Stun­de wagte es die russische Kavallerie, unterstützt von einem Regiment Infanterie, wieder vorzugehen. Dieser Uebermacht mußte die Patrouille weichen. Nachdem sie die Nacht in dauernder Fühlung mit dem Feinde zuge­bracht hatte, ohne daß derselbe einen energischen Angriff gewagt hatte, zog sie sich gegen Mittag auf Rössel zu­rück. Kurz vor Rössel erreichte sie die Nachricht, die Stadt sei von feindlicher Kavallerie besetzt. Sofort beschloß v. Robeudorff die Russen durch ein keckes Rei­terstückchen zu täuschen. Er zog seine Leute auf 200 Mtr. Tiefe auseinander setzte sich selbst an die Spitze und galoppierte in den Ort hinein. Auch diesmal ließen sich die Russen täuschen und vermuteten hinter dem großen Staubwirbel stärkere Kavallerie. Eine auf dem Markt­platz haltende Kosakeneskadrou flüchtete in großer Ver­wirrung zum andern Tor hinaus, und unter Hurra­rufen besetzten unsere 20 Jäger die Stadt Rössel. Leut­nant von Robendorff holte eigenhändig die russische Fahne vom Rathausturm, hißte die deutsche Flagge und erklärte unter dem nicht enden wollenden Jubel der Bevölkerung Rössel wieder zur deutschen Stadt. Als Beute fielen ihm große Mengen Brot und Mehl in die Hand. Noch viele andere schneidige Ritte zeigten den Mut und den Neitergeist von Robendorffs. Auf einer schwierigen Patrouille gegen die starken Feldbefestigun­gen der Russen nördlich Piaseezuo ritt er mit den Wor­ten: Wir müssen die Stellung erkunden, koste es was es wolle," dicht an die feindlichen Lirrien Heran und starb, von zwei Kugeln getroffen, den Heldentod.

In unser Handelsregister- Abt. B. ist bei der unter Nr. 3 eingetragenen Firma August Goltlieb, Jute­spinnerei, Weberei und Seilerwarensabrik, Ak­tiengesellschaft in Hers­feld heute folgendes einge­tragen worden:

Dem Kaufmann Emil Engelhardt in Hersfeld ist in der Weise Prokura er­teilt, daß er nur mit einem der beiden Direktoren zu­sammen oder mit einem anderen Prokuristen zu­sammen zeichnen kann.

Hersseld, d. 12. Aug. 1915.

Königl. Amtsgericht.

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