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- Kampflose Räumung von Riga?

Die Petersburger Presse beschäftigt sich nach Kopen- hagener Meldungen in längeren Artikeln bereits mit Er­örterungen ilber die Möglichkeit einer kampflosen Räu- mung auch der Stadt Riga und des Ostgebietes der Riga- schen Bucht durch diezurückgeheude" russische Armee.

Die Lage bei Ostroleuka

wirb in einem demTag" aus dem Kriegspressequartier zugegangenen Bericht wie folgt geschildert: Ostroleuka selbst ist von den deutschen Truppen erreicht, ein Teil der Werke und der westliche Stadtteil von unserer Ar­tillerie in Trümmer geschossen und von unseren Vor­posten besetzt.

Der russische Munitionsmangel.

Bei der Kriegsbeute von Jwangorod wurden zahl- kzahlreiche Befehle vorgefunden, worin es heißt, daß während der Kämpfe anstatt der sonst vorgeschriebenen Patronenzahl nur 120 Patronen zu verschießen seien. Als Grund dafür wird angeführt, daß große Hitze den Gewehrläufen schade. Die Gefangenen sagten vielfach aus, daß sie trotz verhältnismäßig guter Beköstigung sich ergeben hätten, weil sie täglich insgesamt nur acht Patronen vekamen und somit den Verbündeten fast wehrlos gegenüberstanden. Ein bei Jwangorod gefan­gener Generalstabsoffizier sagte: Wenn alles bei den Verbündeten sich so schlägt, wie die Truppen des Ge­nerals von Woyrsch und das 50. ungarische Regiment, so dürfte Brest-Litowsk, der Hauptstützpunkt der rus­sischen Defensive, auch fallen.

DieKriegsztg." berichtet aus Basel: Der Mailän­derCorriere della Sera" erfährt aus Udine, daß Mit­glieder der japanischen Militärkommission erklärt haben, auf Grund einer zwischen Japan und Rußland ab­geschlossenen Vereinbarung habe letzteres dem verbün­deten Rußland seine sehr starken Munitionsreserven zur Verfügung gestellt. Es sei nunmehr der Munitions­nachschub für die Zukunft gesichert.

Von der Westfront.

Der Eindruck des Falles Warschaus in Paris.

o-* Lausanne, 7. August. (T. U.) Nach den gestrigen Pariser Morgenblättern zu urteilen, hat die Nachricht von der Einnahme Warschaus in Paris niederschmetternd gewirkt, trotzdem seit langem nichts verabsäumt worden war, um die Pariser Bevölkerung auf den schweren Schlag vorzubereiten. Die Blätter versuchen die Auf­merksamkeit der Leser möglichst abznlenken, indem sie lange Artikel in den Vordergrund schieben, die sich aus­schließlich mit der Erklärung Poincarees, mit der gün­stigen Lage auf dem Balkan und ähnlichem beschäftigen.

«> Genf, 7. August. (T. U.) Um eine Demorali- sierung der Truppen an der Westfront infolge des Falles von Warschau zu verhüten, ordnete nach der ,^Bl. Mp." der Generalissimus Joffre die strengste Gehermhaltung der Katastrophe an.

Die Differenzen zwischen French und Kitchener.

DieNationalztg." berichtet aus Stockholm: Immer häufiger auftauchende Gerüchte, die mit großer Bestimmt­heit wiederkehren, melden von ernsthaften Differenzen zwischen dem Oberbefehlshaber General French und General Kitchener. French soll Kitchener gegenüber ein direkt feindseliges Verhalten einnehmen und ihm in jeder Weise entgegenarbeiten. DieNewyork Times" versichern, daß alle Angriffe, denen Lord Kitchener in letzter Zeit sowohl in der Presse wie im Parlament aus­gesetzt war, von French herstammen. Infolgedessen herrscht im britischen Hauptquartier in Frankreich Zwie­tracht, und um ihre Unzufriedenheit darüber aus- zudrücken, daß sie unter General Frenchs Befehl stehen, haben mehrere seiner hervorragendsten Generale um ihren Abschied gebeten und sind nach England gefahren.

Großer Kriegsrat in Calais.

Aus zuverlässiger Quelle erfahren Haager Bericht­erstatter, daß zu Anfang dieser Woche ein außergewöhn­licher Kriegsrat des Generalstabes der französischen, englischen und belgischen Armee in Calais stattgefunden hat. Zweck der Zusammenkunft war die Beratung von Maßnahmen, die durch den Fall von Warschau und die Möglichkeit einer baldigen deutschen Offensive an der Westfront erforderlich werden können.

Die Gesamt-Offiziersverluste Englands.

Die WashingtonerAssociated Preß" gibt die Ge- samt-Offiziersverluste Großbritanniens seit dem Beginn des Krieges auf 12 642 an, von denen 3685 tot und 1115 vermißt sind.

Frankreichs Kriegslasten.

Nach dem LyonerRepublican" erklärte Ribot tm Senat, daß bis zum 31. Juli 6958 Millionen Franken Schatzscheine für die Landesverteidigung im Umlauf ge- wesen seien. Die finanziellen Lasten Frankreichs wüch­sen beständig und Munition und Waffen seien sehr teuer. Die Regierung werde infolgedessen zweifellos zur Begebung einer langfristischen Anleihe übergehen müssen. Das Land müsse noch große militarrsche und finanzielle Anstrengungen machen, um zum Stege zu gelangen.

Schwere Enttäuschung Italiens.

Maßlose, ohnmächtige Wut ist das Kennzeichen der italienischen Preßstimmen über den Fall, Warschaus. Ein Beweis dafür, daß man sich in Rom m, Gegen, atz zu London immer noch Hoffnungen Mnstchtlich Polens hingab. Man ist daher heute um so schwerer enttäuscht. Die Presse sucht mit allen Mitteln den katastrophalen Eindruck abzuschwächen. Um die Moral des italienischen Publikums hochzuhalten, werden gleichzeitig mit den Besprechungen des deutschen Sieges dre Kundgebungen der Staatsoberhäupter des Dreiverbandes äur Fort­setzung des Krieges gefeiert, worüber aber, rote man hört, das Publikum ärgerliche Bemerkungen macht. Dre Italiener kommen doch allmählich dahinter, daß dre Nut- relmüchte auf den Schlachtfeldern siegen, hingegen der Bierverband nur in Ministerreden und in Zeitungs­artikeln.

Der Unterseebootskrieg.

Unterseevootsschrecken in Südfrankreich.

menf. 7 Auaust. (T. U.) Die Blätter Südfrank- reichs, wie die'Depesche Toulouse" undPetit Mar- setlle" berichten nach derMich. Tgztg. ' daß unter den Reedern in den südfranzösischen Hafen eine Panik ent­standen ist, weil deutsche Unterseeboote zwischen Mar­seille und Algier in Tätigkeit setreten sind Sechzig Seemeilen von Algier wurde ein französischer Hilfs­kreuzer torpediert, der aber noch den Hafen erreichen konnte. _______

[ Bericht des türkischen Hauptquartiers?^

fe^, Konstautinopel, 6. August. (WTB.) Das HaUpt- manfer teilt mit: An der KaukasEront geht der von unserm rechten Flüael errnngeue Vorteil weiter. Un- ere Truppen, die das ganze Muradtal be^tzt haben, rahmen dem Feinde am s. August bei Sex Berlalansa

Alafchkert nordwestlich von Kara Kilisie weg. An der Dardanellenfront ließ der Feind in der Nacht zum 4. Augnst vor den Schützengräben unseres linken Flügels eine Mine springen und machte einen Angriff, wurde aber mit Verlusten znrttckgeworfen. Wir stellten eine große Anzahl gefallener Feinde vor unseren Gräben fest. In derselben Nacht beschoß die Artillerie unseres rechten Flügels ein feindliches Torpedoboot, das sich brennend znruckzog. Bei Sed ul Bahr schwaches Geweyr- und Artilleriefeuer mit Unterbrechungen von beiden Seiten. Unsere Truppen haben dnrch allmählich fort­schreitende Angriffe dem Feind auf dem linken Flügel 200 Meter Gelände in Richtung seiner Schützengräben genommen. Feindliche Flieger haben Bomben auf das Lazarett von Agadere bei Sed ul Bahr geworfen, obgleich die Fahne mit dem roten Halbmond deutlich darauf sicht­bar ist. Sie haben dort vier Verwundete getötet nnd vierzehn Personen verwundet. An den anderen Fron­ten nichts von Bedeutung.

Bevorstehender Angriff auf die kleinasiatische Küste.

DieKöln. Ztg." berichtet aus Athen: Hier wird bestimmt versichert, daß ein Unternehmen der verbün­deten Westmächte gegen die kleinasiatische Küste bevor« stehe. Für ein Vorgehen gegen Smmna sollen 50 000 Mann bereitgestellt werden. Der Angriff soll von der Land- und von der Seeseite aus erfolgen. Den Stütz­punkt der Operationen soll Mytilene bilden, wo nach der Mitteilung des englischen Gesandten Truppen ge­landet werden sollen. DieKöln. Ztg." bemerkt hierzu: Mytilene ist eine griechische Insel. Von einem neu­tralen Stützpunkte aus wollen die Engländer und Fran­zosen Vorgehen. Wird dann der Rest der Leute um Be- nizelos und Venizelos selbst noch daran denken, dem Vierverband bei seinem Kampfe gegen die Türkei bei- zustehen?

Die Neutralen.

Konflikt zwischen Bnlgarien nnd Serbien.

DerFrkf. Ztg." wird aus russischen Quellen be­richtet, daß Bnlgarien an Serbien die Anffordcrnng rich­ten werde, die Dona« von Minen zu säubern und die bulgarischen Schiffe passieren zu lassen. Falls Serbien dieser Aufforderung nicht Nachkomme, werde Bulgarien nach diesen Quellen Serbien den Krieg erklären.

Die Agentur Havas meldet aus Saloniki: Wie in Bukarest verlautet, werden am 6. Aügust 10 Reserve- klassen des bnlgariichen Heeres, insgesamt 40 000 Mann, angeblich zu Uebungszwecken einberusen. Alle längeren Urlaubsbewilligungeu für Offiziere des bulgarischen Heeres sind gestrichen worden.

Gegen den amerikanischen Waffenhandel.

Die Jahresversammlung des deutsch-amerikanischen Nationalverbandes hat nach einer WTB.-Melöung aus San Franzisko einstimmig Entschließungen angenom­men, die die Loyalität der Deutsch-Amerikaner aus!- drücken, aber gegen den unsittlichen Waffen- nnd Mu- nitionshandel mit England Verwahrung einlegen und die Haltung der amerikanischen Regierung gegenüber Deutschland verurteilen. Da der Kongreß erst im De- zember zusammentritt, ist die Verwirklichung der Ent­schließungen zunächst nicht zu erwarten. Sie sind aber immerhin bezeichnend für die Haltung eines großen Teiles des amerikanischen Volkes.

Major Thomson von Chikago hielt auf einer Reise nach San Franzisko eine Rede, in der er sagte, er spreche im Namen der Frauen nnd Kinder Enropas: Laßt jeden einzelnen von uns sorgen, daß in Zukunft keine Frauen und Kinder in Europa durch amerikanische Waffen und Munition zu Witwen und Waisen gemacht werden.

«rieasallerlet.

Australische Zustäude.

8-£- Wie«, 7. August. (WTB.) Das Kriegspresse- quartier bringt aus Konstantinopel einen Brief, den ein auf dem versenkten australischen UnterseebootÄ. E." gefangen- genommener Offizier von seiner Frau erhal­ten hat. Sie tadelt darin das Verhalten der australischen Regierung, welche den bedürftigen Familien der in Kampfe stehenden Offiziere und Soldaten nicht die ge­ringste Gelduntersttttzung zukommen lasse.

Verwüstungen in Bessarabien durch die Russen.

Nach dem BukaresterZiua" kommt es an der bess- arabischen Grenze unausgesetzt zu Zusammenstößen, wv- bei die Russen von österreichisch-ungarischen Truppen zersprengt werden. Die ins Innere Bessarabiens flüch­tenden Russen verbrennen die Häuser und das Getreide der armen bessarabischen Bevölkerung, die sich massenhaft nach der Bukowina flüchtet, wo sie erschreckende Dinge über die Gewalttaten der russischen Horden erzählt. Wo die Kosaken bisher in Bessarabien hausten, ist kein St^iu auf dem andern geblieben.

Warschau vor dem Abzug der Aussen.

Aus dem k. u. k. Kriegspressequartier berichtet das B. T." unterm 6. August: Ein Lemberger Bürger, dem es gelungen ist, aus dem belagerten Warschau über Petrikau zu entkommen, berichtet, daß sich jetzt die Wellen des Rückzuges, die in den letzten zwei Wochen die Stra­ßen Warschaus mit Trains, Roten Kreuz-Wagen, Ar­tillerie- und Futztruppee Tag und Nacht überschwemm- ten und aus den niedergebrannten Dörfern elende, zu­grunde gerichtete Menschen auf Bauernfuhren mit- schleppten, sich nach und nach legten. Die Flut verebbte, der Chaos entwirrte sich. Drohende Stille lastete über der Stadt, die immer wieder von Geschützdonner über­schüttet wurde. Viele Straßen waren abgesperrt, Mt- litürposten bewachten die Brücken. Die Amtsgebäude waren von dichten militärischen Spalieren umgeben. Die Bürgersteige waren mit Militärpolizei besetzt. Zwi­schendurch drängten sich Schwestern vom Roten Kreuz, Damen vom Labedienst, ältere Herren mit Armbinden als Bürgermiliz usw. Autos und Wagen mit fliegen­den Sanitätsverpflegungsabteilungen des Zentral- bürgerkomitees mit Nahrung, Medikamenten und Aerz­ten, sausten hin unb her.

Immer wieder ertönte das Zurren der deutschen Flugzeuge. Dann folgte die panikartige Flucht, deren Schrecken durch die sich immer wiederholenden Explo­sionen nocb vermehrt wurde. Die freimütige Feuer­wehr arbeitete an allen Ecken und Enden, um die zahl­reichen Brände zu löschen. Viele Laden wurden ge­sperrt. Auf der Straße sah, man keine Männer und ungen Leute. Alle hatten sich verborgen aus Angst, scheinbar Arbeitskolonnen einverleibt zu werden, in Wahrheit aber sofortauf Posttcon", d. h. in die Feuer- lstiie getrieben zu werden. Es war streng verboten auf den Straßen stehen zu bleiben und sich zu unterhalten. Masstnhaft fanden Verhaftungen Verdächtiger jtatt. Trotzdem wurden geheime Aufrufe verbrettet in denen die Bevölkerung aufgefordert wurde, den Militärbehör­den Widerstand zu leisten, da die Stunde der Abrech­nung mit Rußland geschlaaen habe und jeden Augen­blick der Einzug der Deutschen erwartet werde. Von üen Vertretern der neutralen Staaten sind nur der ame­

rikanische und der itorivegische geblieben. Die Feld, kriegsgerichte verhängen massenhaft Todesurteile. Täg. lich wurden Exekutivnelt auf der Zitadelle ausgesübrt. Der Ptvb plünderte im Einverständllis mit der Polizei die verlassenen Wohllungen und leerstehenden Fabriken. Agenten der Ochrana organisierten aus dem Abschaum des Pöbels und importiertem Gesilidel Franctireurs. Auch wurden auf Dücherit und in Bodenluken Ma­schinengewehre aufgestellt. Viele Verbrecher rvurden aus best Gefüngnissell entlassen und in den Dienst der Ocbrana berufen. Vergebens mahnte die Presse zur Besvlinenheit nnb versuchte dem Treiben der dunklell Elemente entgegenzutreten. Grauenerregende Gerüchte wurden von den Agenten verbreitet, daß die Deutschen Kinder auf ihre Lanzen aufspießten, daß sie russische Soldatell verstümmelten, Verwundete zu Tode marter­ten, Zivilpersonen aus deu Straßen abfangen nnb vor den Kirchen niederschießen usw.

Die Nächte waren schrecklich. Um 8 Uhr mußte die Haustür gesperrt werben. Nur Militärpersonen und dunkle Existenzelt trieben sich in den Straßen herum. Die Hausbesorger stauben sämtlich im Dienste der Och­rana. Immer ivieder läuteten die Glocken an den Tü­ren. Leute wurden aus ben Betten gezerrt, Revisionen, Verhaftungen unter dem nichtigsten Vorwand fanden beftänbig statt. Zwei Kaufleute wurden in das Jent- sejer Gouvernement verschickt, weil sie sich roeigerten, Soldaten Papiergeld einzuwechseln. Als der Gewährs- mann die Stadt verließ, vernahm er ein gewaltiges Kra­chen, rvie wenll eine Brücke gesprengt würde. Die Vor­städte waren von Gendarmen über füllt. Tausende von Wagen passierten die Straßen. Sie waren mit haufen­weise übereinauderlieaenden Berivundeten erfüllt, deren Jammern und Stößnen furchtbar anzuhören war. Ringsum dröhnten die schweren Geschütze. Ueberall stie­gen Feuersäulen und Rauchwolken empor. Wie Schatten irren Bauernfamilien durch die Wälder, in denen sie ihr Lager anfgeschlagen haben. Die Flucht des russischen Heeres aus Warschau hat dem polnischen Bauern die Schuppen von den Augen gelöst. Er sieht die Saat vernichtet, die Scholle geschändet,' er ballt die Faust und wartet auf den Ruf zu den Waffen, gegen seinen Erb- feinb Rußland.

Vermischtes.

Explosion in einer Kirche. In einer Kirche zu Goch machte sich seit mehreren Tagen starker Gasgeruch be­merkbar. Als der Küster ein Streichholz anzlindete, um nach der Ursache des Gasgeruchs zu suchen, entstand eine furchtbare Explosion, durch die das gesamte Kirchenin- ventar zerstört witrbc. Der Küster erlitt schwere Ver- letzuugeu. Der Schaden wirb auf 80 000 Mk. beziffert.

Ueberschwemmnngen in Oberschlesien. Die Regen­güsse der letzten Tage haben nach demB. T." am Ober­lauf der Oder zu ausgedehnten lleberschwemmungen ge­führt, die der Katastrophe von 1903 nahe kommen. Die Oderniederung oberhalb nnd unterhalb Ratibors gleicht einer einzigen Wasserfläche. In den an der Oder ge­legenen Teilen der Stadt Ratibor steht das Wasser tu den Straßen meterhoch, so daß der Verkehr sinn Teil mit Kühnen aufrecht erhalten werden muß. Die Neben­flüsse der Oder haben gleichfalls weite Landflächen über­schwemmt.

Fast 46 Millionen Mark Kriegsuntersttttzung in Berlin. Die Zahl der in Berlin unterstützten Familien von Kriegsteilnehmern ist im Juli auf 150,911 gestiegen. Die an diese Fainilien im Juli gewährten Unterstützun­gen erforderten 6,108,821 JL Im vergangenen Monat treten auch die Slufwcnbungeu für KriegswochenhUfe zum ersten Male mit einem größeren Betrage in die Er­scheinung. Insgesamt sind bis Ende Juli an Unter« Nutzungen für Krtegerfamilien 45 872 000 7/ ausgezahlt worden.

Die Verpflegung der Truppen In Holen.

Der Kriegsberichterstatter desBerliner Tage­blattes" im österreichisch-urigarischen Kriegspressequar- tier, Szonrvru, berichtet unterm 6. August über unsere Offensive zwischen Weichsel und Bug:

Unsere Offensive stoischen Weichsel und Bug schrei­tet mit mächtigen Schritten vorwärts. Die Russen dach­ten, wir würden auf bem sandigen und sumpfigen Ge- lätide riesige Nachschnbschlvierigkeiten haben, die den Schwung unserer Allion nachteilig beeinflussen würben, doch es kam auch diesmal anders. Das Nachschubprob- lem wurde von den Verbündeten glänzend gelöst. Die Verpflegung unserer Truppen ist vollständig im Gange, obwohl die Russen alle ihre Vorräte nach rückwärts zv- gen, alles zerstörten, und ganze Städte sowie viele Dör­fer in Brand steckten. Unsere Eisenbahnregimenter stell­ten mit wahrhaft zauberhafter Geschwindigkeit die zer­störten Eisenbahnlitlien wieder her, die Pionier- unb Arbeiterabteilungen in einem fabelhaften Tempo die Landstraßen und Fahrwege. Hinter der Front werben Feldbahnen hergestetlt, aus denen Lastwagen, Train- kolonnen nnd Munition befördert werden. Und inmit­ten von allem werden die von dem entscheidenden Stege zuversichtlich begeisterten Truppen mit fahrplanmäßiger Pünktlichkeit transportiert. Hinter den Truppen wer­den große Schlachtviehherden getrieben, und die Mann­schaft bekommt dreimal des Tages warme Speisen aus den Feldküchen.

Es ist eine wahre Sensation mit dieser kolossalen Organisation. In dem evakuiertell Radom, wo sämt­liche Fabriken verwüstet worden waren, konnten eine Lederfabrik und eine Bierbrauerei durch die Deutschen sehr schnell wieder in Betrieb gesetzt werden und somit haben die Truppen ständig frisches Bier, was umso wich­tiger ist, als das Wasser schlecht ist. Die Russen schlepp­ten von dem bebauten Lande die Bevölkerung weg,- nun sind es deutsche Arbeiterabteilungeu, die hinter der Truppenlinie die Feldarbeiten ausführen. Es wird eifrig geschnitten und gedroschen, und in den Mühlen wird Tag und Nacht gearbeitet. Die Gemüsekulturen Russisch-Polens konnten nicht verwüstet werden,' auf ben Feldern wachsen Bohnen, Erbsen, üürbiste, Kraut, Rü­ben, Erdäpfel, das alles kommt neu Truppen zugute. Man ißt hier jetzt besser, als bet Frtedeuszetten zu Hause, und zu aliebem gibt es Dnmckhaftes Weißbrot, das Prozent Weizen und 25 Teile Roggen enthält. Es sind Hunderttausende von Männern, die zwischen Weichsel und Bug Vordringen, und hier ständig beroktet werden, wie es zu Hause nur an Sonntagen der Fall zu sein ^^^ DieMethode Kutosoff" hat somit vollständig Fiasko gemacht. Es uützt den Russen nichts, daß sie alles in Brand stecken und verwüsten. Unsere Truppen sind selbst mit den kleinsten Kleinigkeiten nicht auf das er­oberte Land hinsichtlich der Ernährung angewiesen. Bei den gefangenen Kosaken fanden sich große Mengen Zel­luloid, Pulver und Zündschwämme, alles Mittel zur Brandstiftung. Auch Nowo Alexandria wurde kurz vor dem Eintreffen unserer Truppen in Brand gesteckt; eS dauerte sieben Tage, bis die schöne Stadt in Rauchwolken ausgegangen war. Außer Wladimir-Wolynski stehen Chotiaczew, Zimuo, Markoeztaw und Suchodolny in Flammen. Selbst die ganze Ernte wurde angezündet.