Die „Unversehrtheit" des russischen Heeres
Die russische Presse gibt, wie der Korrespondenz „Heer und PolNik" geschrieben wird, als Grund für die angeblich geplante Räumung der Weichselfront die Notwendigkeit an, das russische Heer „unversehrt" zn erhalten, und die Bundesgenossen billigen diesen Plan. Es fragt sich nur, wie weit die Unversehrtheit des russi- schen Heers noch besteht, und welchen Zweck ein Heer hat, das nicht zur Verteidigung des Landes, sondern zur Erhaltung seiner Unversehrtheit seine Maßnahmen ergreift. Rußland will offenkundig die Kriegsmethode von 1812 wiederholen und sich in das Innere des Landes zurückziehen. Sehr berechtigt wandle gegen diesen Plan ein neutraler Kritiker ein, daß im Jahre 1812 das russische Heer nicht bereits mehrfach aufs empfindlichste geschlagen war, daß also damals ganz andere Verhältnisse vorlagen. Wir haben selbst schon vor mehreren Tagen ausgeführt, daß der russische Plan, unserem Heer ein gigantisches „Moskau" zu bereiten, vollkommen verfehlt sei, da das „Moskau" für Napoleon nur darum so furchtbare Folgen hatte, weil er in Bezug auf die Verpflegung seines Heeres ganz auf das Land ange- tvieten war, in dem er sich befand. Die Vernichtung der Vorräte kam darum fast der Vernichtung seines Heeres gleich. Aber kein russischer Offizier wird wohl glauben, daß das deutsche Heer seine Verpflegung auf so unsichere Grundlagen aufbaue. Nein, das „Moskau" patzte für 1812, nicht aber für 1915, wo Eisenbahnen und Automobile eine gewaltige Rolle spielen. Aehnlich verhält eS sich mit dem Rückzug aus der Weichselfront, oder wenigstens mit der Begründung hierfür. Die Russen suchen für einen furchtbaren Zwang, in dem sie sich be- siudeu, eine schöne Erklärung der Welt zu geben. Sonst wären die diesbezüglichen Ausführungen völlig unverständlich. Wohin und wieweit wollen sich die Russen zu- rückzieheu? Wollen sie alle bedeutende Städte entblößen und dem Feinde überlassen? Ist das der Zweck, um einzig und allein das Heer unversehrt dazu zu erhalten? Soviel Fragen, soviel unbefriedigende Antworten. Außerdem ist die „Unversehrtheit" des russischen Heeres auch ein sehr zweifelhaftes Ding. Es gibt Leute, die das russische Heer auf Grund der Gefangenenzahlen und der ungeheuren Verluste an Menschen und Waffen be- breits für sehr versehrt halten. Auch Lloyö George dürfte nach seiner letzten Rede dazu gehören. Aus allen den mannigfachen Begründungen der russischen Pläne ist das eine zu entnehmen, daß sich die Russen md)t mehr stark genug fühlen, dem deutschen Heere erfolgreich ge- genüber zu treten. Selbst im Schutze der starken Festungen füllen sie sich nicht mehr sicher und wollen die Freiheit gewinnen, in der Hoffnung, sich hier wenigstens einem vernichtenden Stoß des deutschen Heeres durch rechtzeitige Rückzüge entziehen zu können. Alle anderen Gründe sind ruhmredige Phrasen, um das Volk iiber die Furchtbarkeit der Lage hinwegzutäuschen. Wie lange ihnen das im Falle, daß sie die oben erwähnten Pläne ausführen, gelingen wird, ist eine Frage der Zeit. Das deutsche Heer ist in der gewaltigen Ueberlegenheit, die es auszunutzen verstehen wird. Ein Vergleich mit 1812 und mit Moskau ist für die heutigen Verhältnisse in jeder Beziehung unangebracht. Die Möglichkeit, dem deutschen Heere die Wege vorzuschreiben, hat das russische Heer nicht mehr und wird es voraussichtlich in diesem Kriege nicht mehr bekommen. Es muß das tun, wozu es durch den bitteren Zwang getrieben wird. Alle anderen Darstellungen fälschen die wahren Verhältnisse. (3.)
Sie Argsnnenkümpse
vom 2 0. Juni bis 2. Juli.
Aus dem Großen Hauptquartier wird uns geschrieben:
In den Tagen vom 21. bis 29. Juni machten die granzosen fast täglich Versuche zur Wiederoberung ihrer tellungen. Sie überschütteten die deutschen Truppen in den neu eroberten Gräben Tag und Nacht mit einem Hagel von Granaten und Minen, setzten ihre Infanterie immer wieder zum Gegenangriff an, übergossen am 28. und 29. Juni mehrere unserer Gräben mit einer brennenden, ätzenden Flüssigkeit, alles vergebens, die am 20. Juni gewonnenen Stellungen blieben fest in der Hand der Deutschen. E
So kommt der in der Geschichte der Argonnenkampfe denkwürdige 30. Juni heran:
Die Erstürmung der französischen Hanptstellung von Labordere bis zur Eselsnase.
Am Abend des 29. Juni sind die letzten Vorberei-
Stov
tungen beendet. „ _ ..... ,
In gleicher Weise wie am 20. Jum beginnt Bet Lagesgrauen das Feuer der Artillerie. Diesmal sind die Verhältnisse günstiger für das Sturmreifmachen der feindlichen Stellungen: die Werke Central, Eimentiere, Bagatelle und die Stützpunkte auf der Eselsnase, dem Storchennest und der Rheinbabenhöhe liegen offen da, der Wald ist in dieser ganzen Gegend unter dem monate- langen Feuer- und Bleihagel fast völlig verschwunden. Dementsprechend kann das vereinigte Feuer der Batterien und aller Arten von Minenwerfern planmäßig eine Anlage nach der anderen zerstören und eine Verwüstung anrichten, die sich garnicht beschreiben läßt. Noch am späten Abend und ititoften Tage machen die Gefangenen, die stundenlang in dieser Holle haben aushalten müssen, einen ganz gebrochenen und geistesabwesenden Eindruck, ante Unteroffiziere und Offiziere versichern, dieses Artillerie- und Minenfeuer in Ben srü-
siiziere
„ ^Znenfeuer in den frü
hen Morgenstunden des 30. Juni sei
das furchtbarste Erlebnis des ganzen Feldzuges gewesen. Ein großer Teil der französischen Gräben wird vollständig eingeebnet, Unterstände und Blockhäuser liegen voll von Toten, mehrere Handgranaten- und Minenlager fliegen in die Luft, Minenstollen und unterirdische Unterkunstsräume werden. verschüttet und begraben ihre Insassen unter den Trümmern. Trotz dieser schwierigen Lage halten die Besatzungen der vordersten ranzösischen Gräben stand- wer nicht fallt, bleibt aus einem Platz am Maschinengewehr oder an d
charte bis zum allerletzten 'Augenblick, bis die Deutschen im Graben sind und nur noch die Wahl zwischen dem
Tode oder der Gefangennahme bleibt. Jeder deutsche Soldat, der da vorne mitgemacht hat, erkennt es mit ehrlicher Hochachtung an: Die Franzosen haben sich brav ge- schla^en! ^ ^en äußersten Feuersteigerung beginnt um 8 Uhr 45 Minuten vormittags der Sturm. Nicht wie zu Hause auf dem Exerzierplatz mit vorgehaltenem
jonett stürzten die Sturmkolonnen vor,, sondern zum größten Teil mit umgehängtem Gewehr, in der Rechten einige Handgranaten, in der linken wie die alten Germanen den Schutzschild (allerdings nicht aus Bärenhäuten, sondern aus Stahl), vor Mund und Nase eine Maske zum Schutze gegen das giftige Gas der französischen Stinkbomben. Der Sturm gelingt gut: in kaum einer halben Stunde ist das ganze Central-und Cnne- tisre-Werk genommen. Eine Kompagnie des Jnmnterle- Regiments Nr. 124 stürmt noch weiter Wer die zweite Linie hinaus und foalt den weichenden Franzosen bis hinab auf den in das Biesme-Tal abfallenden Berghang.
fällt, überstimmt Offizierstellvertreter Jaeckle das Kommando. Nur seiner Umsicht ist es zu verdanken, daß die Kompagnie nicht abgeschnitten wird und sich noch rechtzeitig auf die neue Stellung des Regiments zurückziehen kann. Ebenso tonest ist die 1. und 2. Linie des Bagatelle-Werks — der sogenannte schwarze und rote Graben — das Storchennest und die Stellung am Osthang der Eselsnase in deutschem Besitz. Der Hang, der aus dem Charme-Bachtal nach Westen zur Eselsnase hinansteigt, ist so steil wie der rote Berg bet Spichern. Das, was beim Sturm über den Charme-Bach uns diese Höhe unter dem flankierenden Maschiueuaelvehrfeuer vom St. Hubert-Rücken her die unvergleichlichen tapferen Bataillone des Königs-Jnfanterie-Rcgiments 145 geleistet haben, wird für alle Zeiten
ein Denkstein für deutsche Angriffskraft und Todesverachtung
bleiben. Hinter dem Bagatelle-Werk machen die ftür= menden Truppen vor einer neuen starken Stellung des Feindes, dem „grünen Graben", vorläufig Halt. Hier wird der.Wald wieder dichter. Auf der ganzen Front wird die vorübergehende Gefechtspause zum eiligen Ausbau der neugewonnenen Linien und zum Nachführen von Maschinengewehren und Munition benutzt. Zu dieser Zeit greifen nun auch die auf der Rheinbabenhöhe und weiter südlich auf dem St. Hubert-Rücken liegenden deutschen Truppen — zum Teil aus freiem Entschluß — den Feind an. Dasselbe geschieht nachmtttags auf dem rechten Flügel der Angriffsgruppe: Hier erstürmen unter Führung des Lentnants Schwenninger württembergische Freiwillige den Teil des Labordöre-Werks, das am 20. Juni noch in den Händen der Franzosen geblieben war. Die Franzosen fegten sich mit Zähigkeit und Widerstandskraft zur Wehr. Besonders heftig entbrennt der Kampf am Südwesthaug der Rheinbabenhöhe auf dem St. Hubert-Rücken. Hier gehen am späten Nachmittag die Franzosen mehrmals zum Gegenangriff über. Ganz besonders zeichnen sich bei diesem heißen Ringen die Vizefeldwebel Schäfer und Reinartz der 4. Kompagnie des Infanterie-Regiments Nr. 30 aus, die zusammen mit wenigen Leuten im Madame-Bach-Tal die starke Besatzung eines französischen Blockhauses im wütenten Handgranatenkampf vernichten. Es ist unmöglich, alle Heldentaten dieser blutigen Kämpfe aufzuzählen, da etgentlich
jeder Einzelne, der beteiligt war, ein Held ist. Ebenso wie stets früher, tun sich auch diesmal wieder ganz besonders die Pioniere durch glänzendeu Schneid und Gewandtheit hervor. So entdeckte z. B. der Unteroffizier Hauff der 4. Kompagnie des Pionier-Regiments Nr. 29 beim Sturm in einem Blockhaus ein flankierend feuerndes Maschinengewehr. Er stürzte tollkühn auf das Blockhaus zu und stopfte ungeachtet der höchsten Lebens- gefahr durch die Schießscharte eine Handgranate, die in den nächsten Sekunden der gesamten Bedienungsmannschaft des Maschinengewehrs den Garaus macht.
So wird es Abend und langsam kommt der heiße Kampf zum Abschluß. Nur am St. Hubert-Rücken dauert das Gefecht bis in die Dunkelheit. Auf den übrigen Teilen der Front tritt bald völlige Ruhe ein. Die Franzosen sammeln die Trümmer ihrer völlig zerrissenen itnb durcheinander gewirbelten Verbände, in fieberhafter Eile graben sie sich mit der ihnen eigenen Gewandtheit und technischen Geschicklichkeit während der Nacht ein, wo sie liegen. Sie richten mit allen Mitteln den schon vorher stark befestigten „grünen Graben" zum äußersten Widerstand her.
In der Nacht gelingt es den deutschen Patrouillen, alle Einzelheiten der neuen feindlichen Stellung und der Hindernisse, die am Tage im dichten Wald «licht zu sehen waren, zu erkunden. Der „grüne Graben" ist mit einem 10 Meter breiten Drahthindernisse und einer großen Anzahl Blockhäuser versehen.
In der Erkenntnis, daß der „grüne Graben" ohne nachhaltige Feuervorbereitung noch nicht sturmreif ist, wird der für Seit 1. Juli geplante Angriff auf den 2. Juli verschoben. Am 1. Juli kommt es auf der ganzen Front nur zu kleineren Einzelkämpfen, die zu seinem neuen Ergebnis führten. Im übrigen wird der Tag mit dem Ausbau der neuen Stellung, dem Bergen der Leichen unö dem Heranschaffen von Wasser und Lebensmitteln hingebracht.
Am Vormittag des 2. Juli wiederholt sich gegen den „grünen Graben" und die französischen Stellungen ein ähnliches Massenfeuer der deutschen Artillerie und Minenwerfer, wie am 30. Juni. Um 5 Uhr nachmittags brechen dann Teile der Infanterie-Regimenter 30 und 173 zum Sturm gegen die feindlichen Stützpunkte am Hang der Rheinbabenhöhe und auf dem St. Hubert- Rücken los und werfen den Feind auf der ganzen Mitte aus seiner vordersten Stellung. Bis 7 Uhr 30 Minuten abends ist kein Franzose mehr auf der Rheinbabenhöhe. Der Kampf dauert auf diesem Teil des Gefechtsseldes bis spät in die Nacht. Wie schon am 30. Juni, halten sich hier die französischen Truppen, die der 42. Division angehören, mit besonderer Zähigkeit und Tapferkeit.
Um den berüchtigten „grünen" Graben von rückwärts augreifen und dort einen beträchtlichen Teil der feindlichen Kräfte abschneiden und einkesseln zu können, durchbricht um 5 Uhr 30 Minuten nachmittags Major Frhr. von Lupin mit seiner Kampfgruppe die feindlichen Stellungen in Richtung auf das Wegekreuz nördlich von Harazöe. Unter Führung des Hauptmanns Hausier und des Hauptmanns Frhr. von Perfall dringen die würt- tembergischen Grenadiere bis mitten in die französischen Lager an der Harazö-Schniese und darüber hinaus vor. Inzwischen schwenken hinter den Grenadieren zwei weitere Bataillone nach Osten ein, fassen den „grünen" Graben im Rücken und rollen ihn auf. Alles was sich von den Franzosen noch in den Lagern am Wegkreuz befand, stürzt jetzt
in planloser Verwirrung nach vorne in den „grünen" Graben, in den gerade in diesem Augenblick oon Nordosten und Osten her die 67er und 145er eindringen. Von allen Seiten völlig eingeschlossen und in unmittelbarer Nähe von den deutschen Bajonetten bedroht, gibt sich der größte Teil der Besatzung gelangen. Nur noch ein kleiner Rest kampft m wilder Verzweiflung aeaen die ringsum anstürmenden Deutschen. Mitten unter diesen Braven der Kommandeur des 1. Bataillons des französischen Infanterie-Regiments Nr. 151, Major Remu, der sich trotz mehrfacher mündlicher Aufforderung nicht ergeben will, und schlwßlich in dem erbitterten Handgemenge den Heldentod stirbt.
" Langsam wird es Abend. Auf der ganzen Front im Bois de la Grurie ist der große Sturm glänzend geglückt. Nachdem mit dem „grünen"«graben auch das letzte Bollwerk aefallen ist, schieben sich die deutschen Truppen ohne weiteren Widerstand vor. Mit Einbruch der Dunkelheit tritt vollkommene Ruhe ein. In der neuen Linie wird eifria am Ausbau der Gräben gearbeitet, damit der Morgen des nächsten Tages die Deutschen wieder in bester, sicherer Kampfstellung findet, die allen Gegenangriffen des Feindes einen eisernen Riegel vorfchtebsß kann^ Doch weder in dieser Nacht, noch am nächsten oder de:^ nächsten Tagen wagen die Franzoien einen Bersirch, den Deutschen ihre Beute wieder zu entreißen. Mehrere Taae kein Artillerie- und Minenfeuer, keine Handgranaten keine Stinkbomben, keine Minensvrenguna, das ist
für die alten Argouneukämpfer ein Zustand, Ben sie sei: Monaten nicht kannten.
firiegsfllletleL
Ein Kaiserwort.
Gelegentlich des feierliche«: Porstifikalamtes im Cölner Dom erklärte Kardinal Harlmaun: „Wenn wir mit großen: Vertrauen auf Bett endgültigen Sieg in die Zukunft scharren Bürfen, so verdanken wir das vor allem der Huld und Güte Gottes. Als ich vor einigen Wochen unserm Kaiser Glück wünschen durfte zu der glücklichen Wendung des Kriegs im Osten, wies der Kaiser mit der Hand nach oOcn und sprach in innerster Ueberzeugung die Worte: „Der da droben hat uns geholfen."
Erhöhung der täglicher« Brotration.
Die „Voss. Ztg." weist unter Bezuattahmc auf die in Kürze zu erwartenden Angabe«: über Bett voraussichtlichen Ertrag der diesjährige«: Ernte Baratts hin, daß Deutschland im Durchschnitt des Brotgetreides eine gute Mittelernte zu verzeichne:« habe, und daß außerdem aus der voriger« Ernte noch große Bestände zur Verfügung stehen, die mit 600—700 000 Doppelzentnern angenommen werden dürften. Unter diesen Umständen, fugt das Blatt hinzu, darf es als sehr wahrscheirrlich gelten, daß die Reichsgetreidestelle, sobald das Ergebnis der Erritc- schätzung vorliegt, eine allgemeine Erhöhurrg der täglichen Brotration vvrnehincr« wird.
Die Verluste der schweizerische»« Frerudenindustrie während der Kriegszeit beziffert der Züricher Tagesan- zeiger mit 900 Millionen Frs.
Neue Fricdensflngvlätter in Stidfraukkeich.
Der Züricher Tagesanzeiger meldet: In zahlreichen Departements des Südens kam man neuerlich der Massenverbreituug von Flugblättern aeaen den Krieg auf die Spur. Nach den Täter«« wird gefahndet.
Englischer Mißbrauch -es Note»« Kreuzes.
Aus einem von: englische«« Brigadege««eral W. Ascherle«) bekanntgegebeneir Korpsbefehl vom 21. Mai 1915, der deutschen Truppen in die Hände gefallen ist, ergibt sich die Tatsache, daß englische Truppen Lazarett- automobile unter Nichtachtung des Roter: Kreuzes zum Transport von fechtenden Truppen und von Kriegsmaterial benutzt haben.
Vermischtes.
Das Ende des Wilderers. Der Förster Peters des n:eckleuburgischen Gutes Schivichtenberg traf im svge- namtten Hopfenhorst einen Wilderer, der außer einem Gewehr auch einen gefüllten Sack auf Bem Rücken trug. Auf den Anruf des Beamte«« legte der Wilderer sofort auf ihr« an. Bevor er aber noch abdrücken konnte, schoß der Jäger. Der Wilddieb stürzte mitten dnrchs Herz getroste«: tot zu Boden. Wie die Uutersuchung ergab, handelte es sich um einen Hofbesitzer aus der Nähe von Anklam. In Bern Sacke wnrde ein halbes Reh gefunden.
Um seinen gefallener« Sohn zu räche» . . . Der Gastwirt Ernst Koch a««s Apolda hat als ösijähriger Ben Heldentod auf 6cm Felde der Ehre gefnude««. Er war eine der bekannteste:: Persönlichkeiten Thüringens. Als Gründer und Besitzer des „Raritätenheims" im Apolda hat er viel Geld für Naturseltenheiten, Altertümer, Waffen und Schriften ausgegeben, mit denen er seine Sammlungen bereicherte und dadurch seine Schankstätte zu einer Sehenswürdigkeit machte. Gleich zu Anfang des Krieges wurden seine beiden Söhne unter die Fahnen gerufen, und der jüngere fiel auf den Schlachtfeldern im Osten. Um den Verlust seines Sohnes, eines jungen Fantilie:«vaters, zu räche««, zog der sitzjährige Vater als Freiwilliger gen Osten, ivo er jetzt den Tod erlitten hat.
Sie lasen des elften Sriegsjahres.
August 1.
4.
September 7.
10.—12.
13.—15.
Oktober 9.
29.
November 1.
7.
9.
Dezember 8.
Januar 24.
Febr. 6.—15.
18.
März 18.
April
Mai
22.
29.
Juni
Juli
4.
9.
23.
3.
10.
28.
31.
Kriegserklärung Deutschlands an
Rußland
Kriegserklärulig Englands an
Deutschland.
Lüttich erobert.
Sieg in Lothringen.
Brüssel besetzt.
Japans Ultimatum abgelehut.
Einnahme von Namur.
Sieg bei Tannenberg.
Maubeuge gefallen.
Zweiter Sieg in Ostpreußen. Marneschlacht.
Antwerpens Fall.
Eintritt der Türkei i«: den Weltkrieg Deutscher Sieg bei Coronet.
Fall Tsingtaus.
Untergang der „Emden". Seeschlacht bei den Falklandsinseln. Seeschlacht in der Nordsee.
Wintersieg in Masuren.
Beginn des U-Bootskrieges.
Niederlage der Verbündeten vor den
Dardanell<kn.
Fall Przemysls.
Vorstoß nach Kurland. Durchbr««chsschlacht in Westgalizien.
Torpedierung der „Lusitania". Italiens Kriegserklärnug an Oesterreich. Rückeroberung Przemysls. Kapitulation von Dentfch-Südlvestafrtka.
Zusammenbruch der italienischen
Offensive.
Einnahme von Lublin.
Weitere Drahtnachrichten«
Der Kriegsminister Ritter des Po««r le merite.
Berlin, 3. August. (WTB.) Kriegsminister Wild von Hohenborn hat den Orden pour le merite er- halten.
Das Eiserne Kreuz für der« Reichstagspräsidenten.
Berlin, 3. August. (WTB.) Dem Reichstags- präsidenten Dr. Kämpf ist vom Kaiser das Eiserne Kreuz verliehen worden.'
Opfer der Unterseeboote.
w> London, 3. August. (WTB.) Reuter meldet: Der Dampfer „Clintonia" ist versenkt rvorden. 34 Mann der Besatzung sind gerettet, elf werde»« als verlöre«: ge, meldet. — Lloyds meldet: Der britische Dampfer „Ber- vorlich" ist versenkt worden. Der erste Leutnant und sechs Matrosen sind gelandet. Der Kapitän und der Rest der Besatzung verließen das Schiff in einem Boot.
Arbeiterunrnhen in Amerika.
o-ch- Nenyork, 3. August. (WTB.) Reuter meldet: Miliztruppen sind aufgeboten worden, um bewaffnete ungarische Ausständige in der Aluminium-Fabrik von Massena zu überwältigen. Die Fabrikbeamten schreiben die Bewegung ausländischen Einflüssen zu. Ein Ausständiger ist getötet, mehrere wurden verwundet.