scheinen Sie veukschen hinten wieder sorgemeven uns nicht nur der Kirchhof und der Rest der Zuckerfabrik, sondern auch weiter vorgeschobene Punkte wieder genommen zu sein. Die deutsche Meldung vom 28. läßt erkennen, daß die ungeheuren Anstrengungen der Franzosen und ihre schweren Opfer, die sie in heldenhaftem Ansturm immer wieder brachten, vollständig umsonst waren, wenn man nicht mit französischen Kritikern annehmen will, daß ohne diesen Vorstoß Apern gefallen sei. Aus französischen Armeebefehlen wird jetzt bekannt, daß z. B das französische 70. Linienregiment außerordentlich gelitten hat, dessen 3. Bataillon bei einem Angriff 9/10 seines Bestandes auf dem Platz ließ. Wenn auch einzelne Einheiten im Stellungskriege schwer zu leiden pflegen, so ist die Vernichtung eines Bataillons doch in SiesemFalle wahrscheinlich typisch für dieKämpfe zwischen Arras nnd Sonchez, wo die Franzosen beinahe zwei Armeekorps verloren haben sollen.
Die französischen Verluste.
Die Lyoner La Depssche wurde nach der „Magdeb. Ztg." auf 14 Tage verboten, weil sie den Brief eines höheren Beamten des französischen Roten Kreuzes veröffentlicht hatte, der die Gesamtverluste des französischen Heeres bis 1. Mai mit 732 000 Mann angegeben hatte. (Das ist zweifellos zu niedrig! Allein 250 000 Mann müssen als Gefangene in Abzug gebracht werden. Red.)
Rußland erwartet eine englisch-französische Offensive.
Die „Deutsche Kriegsztg." berichtet aus Rotterdam:' Aus Paris wird gemeldet, daß die Russen eine energische englisch-französische Offensive erwarten, um den Russen Erleichterung zu verschaffen. In der am Sonntag zu eröffnenden Duma wird die Regierung eine Erklärung über die militärische Lage abgeben.
Der Luftkrieg.
, Feindliche Flieger über Freiburg.
Berlin, 30. Juli. (WTB. Amtlich.) Heute früh um 0 Uhr erschienen drei feindliche Flieger von Südwesten kommend, über Freiburg. Sie warfen 7 Bomben, durch die eine Zivilperson getötet und 6 zum Teil schwer verwundet wurden. der militärische und sonstige Sachschaden ist nicht erheblich.
Ueber die Tätigkeit der deutschen Flugzeuge an der französischen Front
liegen in französischen Blättern verschiedene Meldungen vor. Nachdem Flieger in den letzten Tagen Dünkirchen und Mardyck heimgesucht hatten, überflogen sie jetzt auch Gravelines und ließen auf die Gemeinde Petit Fort Philippe Bomben fallen. Gerardmer erhielt am Mitt- woch den Besuch eines deutschen Aviatik-Flugzeuges, das etwa vier Bomben fallen ließ, die einen Schuppen, der militärischen Zwecken diente, zerstörten. Drei Soldaten wurden dabei schwer verletzt. Französische Flugzeuge machten sich zur Verfolgung des Aviatik auf, der ihnen jedoch entkam. Am Donnerstagmorgen erschienen von neuem zwei Aviatik-Flugzeuge über dem Orte, auf den sie sechs Bomben herabwarfen. Ein Haus erlitt große Beschädigungen. In der letzten Nacht, etwas vor 12 Uhr, näherte sich ein deutsches Flugzeug Calais. Die Bomben, Die in reichlicher Zahl auf Calais flogen, richteten großen Sachschaden an. Heftiges Artilleriefeuer verjagte den deutschen Flieger, der im Dunkel der Stacht unversehrt entkam. — Baseler Meldungen zufolge forderte der Luftkrieg von der Fliegerabteilung in Belfort schon mehrere Opfer, worüber jedoch tiefes Stillschweigen beobachtet wird. In den letzten Tagen wurde in Belfort der tödlich verletzte Flieger Peault beerdigt.
Bericht des türkischen Hauptquartiers. j
Konstantinopel, 31. Juli. (WTB.) Das Große Hauptquartier gab gestern bekannt: An der Kaukasus- sront danert die Verfolgung des Feindes an. An der Dardanellenfront am 29. Jnli bald schwaches, bald heftiges Artillerie- und Jnfanteriefeüer auf beiden Seiten. Unsere Artillerie traf ein Flugzeug-Mutterschiff vor Ari Buru« und nötigte es, sich znrückznziehen. Sie bewirkte eine von Explosionen gefolgte Fenersbrnust hinter den feindlichen Schützengräben bei Sed nl Bahr. Unsere ana- tolischen Batterien beschossen die feindlichen Truppen bei Teke Burnu.
Der Balkan.
Der griechische Anmarsch auf Valona.
Die Mailänder Sera erfährt aus Valona: Die Griechen stehen nur noch 8 Kilometer vor Valona. Das ganze befetzte albanische Gebiet ist von ihnen bereits in Zivilverwaltung genommen. Ueberall werden Proklamationen der griechischen Militärbehörden angeschlagen, die von Südost-Albanien im Namen des Königs von Griechenland Besitz ergreifen.
Der russisch-englische Meereugen-Gegensatz.
Die „Nationalztg." berichtet aus Sofia: Aus Petersburg wird der Zeitung „Ntro" gemeldet, am Zarenhofe herrscht große Aufregung gegen England, das den Balkanstaaten habe versichern lassen, es würde niemals in eine Alleinherrschaft Rußlands über die Dardanellen willigen. In Hofkreisen zweifelt man übrigens schon seit langem, daß es England mit der Forcierung der Dardanellen ernst sei. Ja man vermutet sogar, daß es mit dem Beginn der Operationen so lange gezögert habe, bis die Defensive der Türken organisiert war.
Der Unterseebootskrieg.
Wie nach der „Dtsch. Tgztg." aus Neuyork gemeldet wird, hatte der Berliner Korrespondent der „United Preß", Carl Wackermann, eine Unterredung mit dem Unterstaatssekretär Zimmermann. Auf die Frage, ob die deutsch-amerikanischen Beziehungen so getrübt seien, wie einige Personen glauben, antwortete der Unter- staatssekretär mit „Nein". In dieser Zeit seien für zwei große Nationen sehr wohl Streitfragen möglich, ohne deshalb gleich die diplomatischen Beziehungen abzu- brechen. „Sie sind demnach der Meinung, fragte der Korrespondent, „daß ein Nebereinkommen noch möglich sei?« Antwort: „Ich hoffe es. Wir versuchten in unserer letzten Note unser Bestes zu tun, aber Ihre Regierung sah sich nicht veranlaßt, unsere Plane zu akzeptieren. Was wir demnächst tun werden, ist noch nicht entschieden, denn wir haben die amerikanische Note tm Auswärtigen Amt noch nicht in. allen Einzelheiten besprochen und es wird einige Zeit dauern, bevor sie itt den verschiedenen Regierungsabteilungen durchstudiert worden ist. Unsere Tauchboottaktrk könnte« wir nie preisgeben, und ich bin sicher, daß unser Volkdies me billigen würde, denn die ganze deutsche Natron steht hinter i^rer Regierung."
Ei"u englischer Transportdampfer bei Lemnos torpediert.
o-t Berlin, 31. Juli. (T. u.) Die „Bl. Mp." meldet aus Athen vom 26. Juli: Nach zuverlässigen Meldungen hat vorgestern, also am 24. Juli, ein deutsches Unterseeboot von ChaMbike kommend, in der Nähe von Lemnos einen großen Enuarddautpfer, der Truppen beförderte, erfolgreich torpediert. Von der Besatzung und den
Truppen seien nur wenige gerettet. Im Hasen von Chios liefen zwanzig Transportdampfer der Verbündeten ein.
Das Defizit des Vierverbandes.
Der Bukarester „Universul" schreibt in einem Leitartikel unter dem Titel: Betrachtungen über den bisherigen Verlauf des Krieges:
Die größte Ueverraschung, die uns der Krieg brächte, liegt bei den Zentralmüchten und Rußland. Als es bei Beginn des Krieges infolge der Eduardischen Ein- kreisnngspolitik Kriegserklärungen regnete, sagten sich selbst die eingefleischtesten Anhänger der Zentralmächte, daß diese verloren seien. Wie mächtig der deutsche Mi- litarismus immer sein mag, wie tapfer die Armeen der beiden Reiche auch kämpfen mögen, so würden sie, glaubte man, nnr einen Achtungserfolg davontragen und schließlich zugrunde gehen. Im Kampfe gegen die ganze Welt würden sie wohl einige Wochen widerstehen, bis ihre Kraft gebrochen sein werde. Die größten Erwartungen knüpften sich in dieser Beziehung an die Millioncuheere Rußlands.
Indessen sind in dem Krieg alle Berechnungen über den Haufen geworfen worden. Wir sahen, daß die Deutschen trotz des Kampfes anf beiden Fronten in Feindesland eingedrungen sind und bedeutende Siege davon- getragen haben. Mit UeberraschMg sehen wir, daß die Oesterreicher und Ungarn, deren Araft gebrochen schien, in Verbrüderung mit den Deutschen heute die Russen auf ihrer Flucht in das Feindesland verfolgen, — mit einem Worte: Die Berechnungen, die zu Beginn des Krieges ausgestellt wurden, haben fehlgeschlagen, die Bilanz schließt mit einem bedeutenden Gewinn für die Zentralmächte und einem großen Defizit für den Vier- verband. Die nächste Schlußfolgerung ist, daß mir sowie der Vierverband die Kräfte der Zentralmächte nnter= schätzt haben, und zwar nicht nur die rein militärischen, sondern auch ihre ganze Organisation auf alle« Gebieten.
Die deutsche Siegeszuversicht.
Die „Köln. Ztg." schreibt zum Jahrestage des großen Krieges u. a.: In der Kunst des Prophezeiens und Lügens sind unsere Gegner uns über, tm Vertrauen auf unser gutes Schwert aber verachten wir solche Künste. Wir sind in Deutschland so siegessicher, daß wir über derlei selbsttrügerische Zukunftsmusik nur die Achsel zucken. Aber des sind wir gewiß: Weder wird es den Verbündeten gelingen, die Dardanellen zu nehmen, noch wird unser Heer aus dem Osten oder dem Westen weichen. Wo der Deutsche Fuß gefaßt hat, bleibt er, bis die diplomatischen Verhandlungen über das Schicksal Belgiens, Polens und der deutschen Kolonien beendet sind. Siegreich wie die deutschen Soldaten, wird and) der deutsche Kaufmann aus diesem Kriege hervorgehen. Er wird seine alten Handelsbeziehungen wieder anknüpfen und die deutsche Handelsflotte wird wieder stolz unter der schwarz-weiß-roten Flagge fahren, die dent- sche Schiffe niemals verleugnet haben. In den uns feindlichen Ländern aber wird, je später desto mehr, Jammer und Wehe sein.
Die Friedensmahnung des Papstes.
In dem vom „Ostervatore Romano" veröffentlichten Aufruf des Papstes zum Friedensschluß heißt es, wie die „Frkft. Ztg." meldet:
Heute an diesem traurigen Jahrestage des Ans- bruches dieses furchtbaren Konfliktes entringt sich unserm Herzen der glühende Wunsch, daß der Krieg bald endigen möge. Wir erheben unsere Stimme, um unseren väterlichen Rnf zum Frioden hören zu lassen. Möge er den furchtbaren Lärm der Waffen übertönen, die kriegführenden Völker und ihre Oberhäupter erreichen und sie mildern und freundlicheren Absichten zugänglich machen. Im Namen des heiligen Gottes beschwören wir die kriegführenden Völker, dem entsetzlichen Blnt- bad, das seit einem Jahre Europa entehrt, ein Ende zu machen. Es ist Bruderblut, das mau zu Lande und zu Wasser vergießt. Die schönsten Gegenden Europas, dieses Gartens der Welt, sind mit Leichen und Ruinen übersät. Ihr, die ihr vor Gott und Menschen die furd)t= bare Verantwortung für den Frieden und Krieg tragt, höret auf unsere Bitte, auf die väterliche Stimme des Stellvertreters des ewigen und höchsten Richters, Ihr, die Ihr über Eure öffentlichen Unternehmungen und Eure private Tätigkeit werdet Rechenschaft geben müssen. Die überquellenden Reichtümer, die der Schöpfer Euren Ländern gegeben hat, ermöglichen es, den Kampf fort- zusetzen, allein um jeden Preis? So fragen die Tausenden junger Menschenleben, die jeden Tag auf den Schlachtfeldern erlöschen, so fragen auch die Ruinen so vieler Städte und Dörfer, so vieler Denkmäler der Ahnen. Machen nicht auch die in der Stille am häuslichen Herde und an den Stufen der Altäre vergossenen bitteren Tränen offenbar, daß der Preis der Verlängerung des Kampfes allzu groß ist? .
Gesegnet sei, wer zuerst den Oelzweig erhebt und dem Feinde die Hand um vernünftige Friedensbedin- gungen bietet! m c r
Zum Schluß heißt es: Nach erfolgtet Verhöhnung der Staaten mögen die neuverbündeten Völker zurückkehren zu den friedlichen Arbeiten der Wissenschaften, der Künste, der Industrie, mögen sie, wenn das Reich des Rechts wiederhergestellt tft, beschließen, Die Lösung ihrer Streitfragen nicht mehr der „Schneide des Schwer- tes anzuvertrauen, sondern den Gründen der Gerechtigkeit und Billigkeit, die mit der erforderlichen Ruhe und Umsicht geprüft wurden. Das wird ihre schönste und ruhmvollste Errungenschaft sein. Zu der Zuversicht daß die Stimmen des Friedens öte Welt bald mit seinen so ersehnten Früchten erfreuen, geben wir unseren apostolischen Segen der ganzen mystischen Herde, Die uns anvertraut, und auch denen, die der römischen Kirche noch nicht angehören. Wir bitten den Herrn, sich mit uns durch die Bande einer vollkommenen Nächstenliebe zu vereinigen.
Srieasallerlel.
Deutschland und Amerika.
^ Hannover, 31. Juli. (T.-U.) Zu Der Meldung Der Von Ztg." vom Mittwochabend, oan Die deutsche Remeruna Die letzte amerikanische Note nicht beantworten werde, erfährt der „Hann. Ku." zuverlässig, daß ein Beschluß darüber noch nicht gefaßt wurde. — Wie die Neue Züricher Zeitung" aus Dem Haag erfährt, sind Divlomaten aller Kreise nach wie vor seit davon über- Zuat daß es zu keinem diplomatischen Bruch zwischen Deutschland und Amerika, noch weniger zu einem Kriege kommen rmrdArbeiterausstände in Rußland.
Stockholm, 31. Juli. (T.-U.) Die Arbeiter Der Neter?buraer Verkehrsanstalten beschlossen nach Der
® Ä einen zwölfstündigen Ausstaud am Eröff- «uvas'taae der Duma. Der Ausstand in den Petersburger Arsenalen und staatlichen Patronenfabriken und Nutilow-Werken dauert fort. öcn interessantes englisches Geständnis.
London, 31. Juli. (WTB.) Der kanadische Premierminister erhielt gestern das Ehrenbürgerrecht
Ver StaSi London. Er sagte in seiner Dättinse, ich bU sicher, daß Die militärische Stärke, die unser Hanptgcgnc'. entwickelt hat, die ganze Welt überrascht hat. Es bleibt abzuwarten, ob die individuellen Kreise auf Den britischen Inseln und den britischen Kolonien mit einem so starken Gefühl der Pflicht für den Staat vereint sind, daß es uns möglich wird, Dem Angriff eines so furchtbaren Feindes zu widerstehen.
Hohe Einkommenbesteuerung in England.
x Manchester, 31. Juli. (WTB.) Der Londoner Berichterstatter des „Manchester Guardian" meldet, das neue Budget werde wahrscheinlich nach Wieöerzusam- mentritt des Parlaments eingebracht werden, Die Steuern anf das Arbeitseinkommen würden wahrscheinlich verdoppelt werden.
Vermischtes«
Vier Milliarden Feldpostbriefe hat Die deutsche Feldpost bis jetzt im ersten Kriegsjahr befördert. Nach Mitteilnna aus amtlicher Quelle sind nach Der Front aus Dem Deutschen Reich durch die heimischen Feldpost- sammelstellen vom August 19 4 bis Ende Juli 1915 ruud 2,4 Milliarden Feldpostbriefe befördert worden. Im Felde wurden etwa 1,6 M ÜiarDen aufgegeben, Die Zahl Der Postsammelstellen n Der Heimat beträgt jetzt 23. Ihr Personal betrug im ersten Kriegsmonat 3100 Köpfe, jetzt 13—14 000. Täglich gehen jetzt etwa 45 000 Feldpostbriefsäcke ins Feld. Selbst Die Weihnachts- Feldpost brächte es „nur" auf 29 000 Säcke. Die Post befördert jedn Tag 1% Million Kilo Briefpost. Bom 15. Juli 1870 bis Ende März 1871 hat die Feldpost 104 Millionen Briefe befördert. Jetzt verarbeitet sie fast 15% Millionen täglich, das 35fad)C von 1870/71. Was die Feldpost 1870 in 8% Monaten bewältigte, leistet sie heute in einer Woche. Derartige Einrichtungen hat kein anderes kriegführendes Land auch nur annähernd auf- zuweisen. Die Zahl Der mangelhaften Sendungen ist erheblich zurückgegangen, doch werden noch jeden Tag 150 000 schlecht adressierte oder mangelhaft verpackte Feldpostbriefe anfgeliefert.
Auf den Schlachtfeldern am Dnfeslr.
(Schluß.)
Ein Bataillon zieht unseren dann hinauf. — „Ueber die Höhe marsch — marsch!" ertönt das Kommando. — Im Laufschritt geht es an uns vorüber. Weshalb? Sind wir tm feindlichen Feuer? —
Im nächsten Augenblicke schickt uns der Russe die Antwort: Sssssl — Sssss! — Ssss! — faucht es über unsere Köpfe hinweg. Keine 30 Meter hinter uns, gerade dort, wo unsere Stütznngslinie ist, prasselt es uieDer. Ankurbeln! — Da schon wieder — dreimal kurz hintereinander — und schon bedenklich viel näher. Jetzt heißt es Die Pause benutzen. — Es glückt. Stach einer kühnen Talfahrt sind wir in Sicherheit.
Im Laufe des Tages hatten wir noch öfter Gelegenheit, am eigenen Leibe zu spüren, daß Die Russen trotz ihres Mangels an Munition keineswegs damit sparen. Aber man gewöhnt sich daran, wie an das ganze wilde Getriebe 9<ur der Anblick eines Verbandplatzes und der frischen Gräber daneben hat mich immer mit Grauen erfüllt. Hier auf dem Schlachtfelde vor dem ersten Lipa-Abschnitt habe ich übrigens durch eigenen Augenschein festgestellt, daß von den Russen nicht nur Ttliii-Dumkuaeln im Jnfanterte- feuer, sondern auch Explosivgeschoffe bei den Maschlnen- acwehrcu verwendet worden waren. Ich sah mehrere Streifen mit solchen Geschossen, deren furchtbare Verwundungen der Divisionsarzt selbst in verschiedenen Fällen hatte beobachten können.
Alts der Rückfahrt besttchten wir noch, weit nach Nordwesten ansbicgend, die rllssischen Stellungen hinter der Bahnlinie Lemberg-Chadorvw, wo unsere Garde sich während der letzten Tage aufs Rene unvergängliche Lorbeeren geholt hat. Eine Kette von Seen, nach Osten zu von steilen Höhen eingefaßt: ein natürliches Bollwerk von ungewöhnlicher Stärke. Doch nur einen Tag hatte es Dem gewaltigen Ansturm unserer tapferen Grenadiere und Füsiliere zu widerstehen vermocht. Dann waren alle Stellungen genommen. Die gefahrvolle Bewegung des Einschwenkens nach Osten konnte schnell und glatt wie auf dem Uebungsplatz durchgeführt werden.
Diesmal benutzterc wir den Pttjestr-Uebergang bei Zydaczow. Auch hier ist viele Wochen lang erbittert gefochten worden, und die Spuren der Kämpfe sieht mar ringsumher auf Schritt und Tritt. Die Stadt zerschosser und verbrannt. Die Brücken über Dnjestr und Stryj der hier mündet, gesprengt. Grabhügel und Kreuzc überall in den von Schützengräberr durchfurchten Feldern.
Wehmütig stimmt solch ein Anblick, besonders in der Stunde der Dämmerung nnd wenn man an endlosen Reihen von Verivundeten-Transporten dahinfährt. Doch die Tapferen scheinen ganz und garnicht von Schmerz und Trauer erfüllt. Sie fingen, soweit sie nicht allzu erschöpft auf dem Stroh unter den Planbogen Der kleinen Bauernwagen liegen. — - - - mehr im Leibe als ik
. Die Siegesfreude brennt ihnen
_____ _____ ihre Wunden, die sie darüber ganz vergessen zu haben scheinen. Nnd mehr und mehr Plandecken lüften sich, mehr und mehr bleiche Gesichter kommen zum Vorschein, nnd bald erklingt es Die ganze Reihe entlang: „In Der Heimat, in Der Heimat, da gibts ein Wicöersehn."----
So tragen unsere Helden da draußen ihre Leiden. Seid stolz auf sie und zeigt euch auch Daheim derer würdig, die in Der Ferne für euch sterben und siegen!
Richard Schott, Sonderberichterstatter.
Weitere Drahtnachrichten.
Lloyd George bezeichnet Die Lage als gefährlich.
w> London, 31. Juli. (WTB.) In einer Versamm- lung der Grubenbesttzer und Gerverkschaften und der Vergleute des ganzen,Landes in London führte Sir John Simon aus, daß die Kohlenförderung jeden Mo, nat um 3 Millioneu Tonnen znrückbliebe. Es sei zu er. wägen, ob nicht das Achtstundengesetz für die Dauer beS .Strtegeö auszuheben sei Die Regierung appelliere an die Bergleute, die arbetthemmenden Gewerkichaftsregeln auszuheven. Lloyd George sagte, niemand, der die Zeitung liest, kann daran zweifeln, daß Die Lage ernst, wenn nicht gefährlich ist. Ich bemerke wohl die dunklen Wol- ken, die sich im Osten zusanunenballen, und den grauen Himmel, Der schwer über Flandern und Frankreich hängt. Die Gefahr ist groß und unmittelbar. Die britische De- mokratic kann, wenn sie sich anftrengt. über alle feindlichen Berichte kämpfen. Der Arbeiieriübrer Smtllie beantragte in einer Akesolution, daß die Arbeitgeber und Arbeiter alle Anstrellgungen machen müßten, die Kohlen, erzeugung nach Möglichkeit zu steigern. Aber wenn die Arbeiter ihren Feiertag aufgeben sollten, so müsse die Regierung Dafür sorgen, daß sie nicht aus Mangel an Güterwagen zu feiern genötigt werden, wie es jetzt tu Borkshtre der Fall sei.