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Der italienische Krieg.

Cadornas Bericht.

^ Rom, 26. Juli. (WTB.) Der gestern abend ausgegebene amtliche Bericht besagt: Am 23. Juli nach­mittags warfen zwei unserer Flugzeuge mit bestem Er­gebnis sechzehn Granaten auf die Eisenbahnstation Riva. Das feindliche Artilleriefeuer fügte den Flug­zeugen keiner: Schaden zu. In Körnten wurden feino- liche Angriffe in der Nacht zum 25. Juli gegen unsere Stellungen bei Sella und Sordonia zurückgeworsen. In der Gegend von Montenero versuchte der Feind gestern, unsere Offensive aufzuhalten, indem er dreimal mit Wucht die von uns auf dem Kamme von Luznica er­oberten Stellungen angriff und stürmte. Er wurde mit schweren Verlusten zurückgeworfen. Auf dem Karst ent­wickelt sich die Lage weiter zu unseren Gunsten.

Vergeblicher Ansturm der Italiener.

Bm Wien, 26. Juli. (WTB.) Die Wiener Blätter berichten, demB. L.-A." zufolge, Einzelheiten über die Kämpfe am Monte Piano. Die Italiener suchten den schon auf ihrem Gebiet liegenden Berg um jeden Preis wiederzugewinnen. Nach Beschießung mit schwer­sten Granaten stürmten dreimal fünf italienische Ba­taillone und drangen zum Teil in die Gräben ein. Sie wurden aber jedesmal den Berg hinabgejagt nnd waren schießlich ihrer furchtbaren Verluste wegen nicht mehr vorwärts zu bringen. Dreihundert Tote liegen vor der österreichischen Front, Hunderte sind totgestürzt und ver- wunet. Die Oesterreicher hatten nur 20 Tote und 42 Verwundete.

Die italienischen Opfer am Jsonzo.

tte* Cöln, 26. Juli. (T. U.) DerKöln. Ztg." wird zu den Kämpfen am Jsonzo gemeldet: Es stehe fest, daß alle von den Italienern gebrachten Opfer am Jsonzo wiederum keinen Erfolg brachten und daß die Verluste etwa ein Drittel der angesetzten Kräfte bedenten, wenn nicht noch mehr. Zu den Toten und Verwundeten kommt eine erhebliche Zahl von plötzlich durch Nerven- Hok Erkrankten, die mitten im Gefecht als kampfun­fähig ausschieden. Die nunmehr weit sparsamere Tä­tigkeit der italienischen Artillerie müsse zur Nachdenk­lichkeit über die italienischen Munttionsbestände an­regen.

" Bericht des türkischen Hauptquartiers. *

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Konstantinopel, 26. Juli. (MTB.) Das Haupt­quartier teilt mit: An der Dardanellenfront bei Ari Burnu gegenseitige Minenkämpfe. Am 24. Juli wurde die feindliche Landnngsstelle beschossen. Bei Sed ul Vahr schwaches Feuergefecht. Unsere Artillerie zwang eine feindliche Batterie, westlich von Hissarlik vor un­serm linken Flügel, ihre Stellung zu wechseln, und brächte sie zum Schweigen, als die Batterie ihr Feuer wieder begann. Von den übrigen Fronten wird nichts von Bedeutung gemeldet.

Schwere Verluste des Feindes.

Athen, 26. Juli. (Telegramm des WTB.-Privat- korrespondenten.) Aus Saloniki wird gemeldet, daß die Alliierten bei dem letzten Angriff vor den Darda­nellen sehr schwere Verlnste erlitten haben. Besonders eine französische Division, die über vier Linien Flatter­minen ging, ließ im Znrttckgehen den größten Teil ihrer Mannschaft tot oder verwundet zurück.

Die Neutralen.

Baron Wangenheim in Sofia und Bukarest.

Sofia, 26. Juli. (WTB.) Baron Wangenheim, der Sonnabenömorgen hier eingetroffen war, setzte gestern seine Reise nach Bukarest fort. Baron Wangen­heim wurde im Laufe des Tages vom König empfangen und hatte dann eine Unterredung mit dem Ministerprä­sidenten Raboslawow.

Reutermeldung zur Wilsonnote.

Rotterdam, 26. Juli. (T. U.) Reuter meldet aus Washington: Die amerikanischen Blätter seien der Ansicht, daß Amerika das letzte Wort in der Untersee­boot-Angelegenheit gesprochen habe. Allgemein werde die Ueberzeugung geäußert, die Nation werde hinter dem Präsidenten stehen, was auch die Folgen waren.

Japan verlangt die Herrschaft in Ostasien.

^ Kopenhagen, 26. Juli. (T.-U.) DieMormug- post" meldet nach derTgl. Ndsch." aus Tokio: Japan ist damit beschäftigt, sein Heer und seine Flotte bedeu­tend zu verstärken. Der Berichterstatter meint, es stehe außer Frage, daß Japan in nächster Zeit das Verlangen an die Mächte stellen werde, die Oberherrschaft über ganz Ostasien namentlich China zu erhalten.

Eine japanische Absage a» französische Wünsche.

Der PariserExcelsior" veröffentlichte die Ausfüh­rungen einer autorisierten, gut unterrichteten japanischen Persönlichkeit zur Frage der Intervention Japans, wo­nach der Gedanke einer Intervention Japans in Europa in Japan keinen Erfolg hätte. Japan habe be: der Ak­tion gegen Kiautschou gemäß dem engUsch-japanischen Vertrage gehandelt. Bezüglich der Tettnahme an dem Kriege in Europa bestehe kein Vertrag. Uebrigens ge­nügten die materiellen Schwierigkerten, welche einer In­tervention gegenüberständen, um eine Jnterventwn Japans zum mindesten in Frage zu stellen. England würde sicherlich niemals die Forderungen Japans aner­kennen, die freie Einwanderung von Japanern :n Kanada und Australien zuzulassen, noch Japan freie Hand in China zu lassen, o^er ihn: Geld vorzustrecken oder die

China zu lassen, vw. ...... ^ ..- Einfuhrzölle nach Europa zu ermäßigen.

Der Unterseebootskrieg.

Ein englischer Truppentransportdampfer torpediert.

^ Athen, 25. Juli. (Telegr. von Wolfs Privat- korrespondenz.) Aus Saloniki kommt dre Meldung, daß der englische Truppentransport-ampferArnewurons (?) von einem Unterseeboot im Mittelmeer torpediert worden ist.

Krieasallerlet

der Streiknnruhen

Der Wollbedarf für den Winter gedeckt.

Die Heeresverwaltung teilt mit, daß für einen etwa kommenden Winterfeldzug der Bedarf an^warmer Un­terkleidung, namentlich an Handschuhen, Pulswärmern, Kopfschützern, schon jetzt reichlich gedeckt :st.

England befürchtet ein Umsichgreifen r:7 2 .

in Amerika. ____

w Amsterdam, 26. Juli. (T.-U.) Der Neuyorker Korrespondent desDaily Chromcle meldet nach dem B. T.", daß in nächster Zeit mit bloßen Ansstanden in den mit der Herstellung von Munmon beichasi:gten trab® riken zu rechnen sei. In den Betr:eben werde mit Hoch? druck ^euroeltet' und die «rd-ItS-«- wlirden durch Ueberskunden aufs Aeußerste ausgenutzt. Es sei erklär­lich, wenn die Arbeiter von der hunstigen Konjunktur profitieren wollen und demnächst nut hohen Forderungen und Herabminderung der Arbeitszeit herantreten wur­

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mt. Es werde mtgMMMren, vag alle großen Stauwerke und Munitionsfabriken in allernächster Zeit von der Lohnbewegung betroffen werden würden.

Unfall eines italienischen Transportdampfers.

Der MadriderJmparcial" meldet aus Tanger, daß infolge Nebels in der Meerenge ein italienischer Trans- portdanmfer mit 2000 zum Heere einberufenen Italienern an Bord mit dem griechischen DampferAdivs Giorges" zusamengestoßen ist. Beide Schiffe sind ernstlich beschä­digt. Der italinische Transportdampfer ist mit eigener Kraft nach Gibraltar gefahren. Das griechische Schiff wurde von einem englischen nach Tanger geschleppt.

Aus den Schlachtfeldern am Snjestr.

Während die bei Bukaczowce fechtende Division in ihrem Vorwärtsdrängeu durch die Rücksicht auf die östlich anschließenden verbündeten Truppen aufgehalten wurde, konnte die weiter westlich vor rüden be Division des ... . Reserve-Korps ihren bei der Erzwingung des Dnjestr-UebergangS erzielten Erfolg freier ausnutzen. Unterstützt wurde sie hierbei durch die gewaltige Wucht, mit der die noch weiter westlich, bet Zurowno und Ztdac- zow über den Dnjestr gegangenen Teile der deutschen Südarmee gegen den auf die Lipa-Stellung zurücl- weichenden Gegner drückten: eine Wucht, die es möglich machte, daß die bisher nach Norden gewandte Front der Südarmee innerhalb weniger Tage eine östliche Richtung und damit den Anschluß an die weiter nördlich über Semberg hinaus vorgeheude 2. österreichische Armee er­halte:: konnte.

Hier an der Gefechtsfront der Ost- und Westpreußi- schen und Wttrttembergischen Truppen sind die südlichen Uferberge kilometerweit mit Hochwald bedeckt herr­liche hundertjährige Buchen. Hierin fuhren wir jetzt. Wieder ging es in wilder Fahrt durch tiefe Schluchten und Bachbetten, steil bergauf, zwischen Trupps Verwun­deter und Gefangener hindurch unter dem Donner der Geschütze hinaus auf die letzte Höhe. Hinter dem Hoch­wald auf den Sichtungen unsere Artillerie. Links unse­res Weges eine Feldbatterie. Rechts eine dem Feind abgenommene und bei Krupp umgearbeitete Batterie russischer 12,5 Zentimeter-Geschütze, die als Kanonen und als Mörser verwendet werden können und in den heu­tigen Kämpfen vortreffliche Dienste geleistet hatten.

Am Rande des Waldes, in dem die Protzen der Batterien und einiger Masthinengewehr-Abteilttnaen stehen, die jetzt längst jenseits des Stromes kämpften, müssen wir den Wagen verlassen. Zeichen an den mäch­tigen Baumstämmen weisen uns den Weg, der, wie der ganze Wald, mit Granatlöcheru gespickt ist. Sie zeigen, daß die feindliche Artillerie sich tüchtig gewehrt, aber um mehrere hundert Meter zu kurz geschossen hat. (Sitte seltsame Stimmung umfängt uns. Wie die Säulen eines gigantischen Domes ragen rings um uns die grauen Bucheustämme auf, durch deren grünes Blätterdach die Sonnenblitze des Ewigen Ehre rühmen. Und während unser Herz an der Schönheit und am Frieden des Waldes sich erbauen möchte, schreitet der Fuß über die schrecklichen Spuren menschlicher Zerstörungswut, und über unsere Köpfe hinweg sausen die todbringenden Geschosse.

Plötzlich stehen wir am Abhang. Iah fällt der Wald­berg hier in den Strom ab, der sich einige hundert Meter tiefer in zahlreichen Windungen an der Felswand hin- schlängelt. Nur durch eine dicht mit Unterholz ver­wachsene Schlucht, rechts seitwärts. kann man hinunter­gelangen. Hier oben hat der Artilleriestab sich einen un­übertrefflichen Beobachtungsstand eingerichtet. Selbst unsichtbar, Übersicht man von hier aus in weitem Um­kreise das Gelände. Unten der Strom, auf dem unsere Pioniere eine Brücke bauen. Dann etwa 1^ Kilometer breit die Wiese, die von den Unsern schon genommen ist und in der jetzt nur noch einzelne Gruppen zurttckkom- mender Verwundeter oder Gefangener sichtbar sind. Da­hinter aber die dichtbewaldeten Höhen, auf denen der Feind zum Teil noch verzweifelten Widerstand leistet.

Die Artillerie freilich ist von der unsrigen meist schon zum Schweigen gebracht. Nur gegenüber von dem zweiten Höhenrücken steht man zuweilen noch die Mün- dungsfeuer anfblitzen. Doch nicht lange mehr, dann ver­schwinden auch sie. Auch das Geknatter des Maschineu- gewehrfeuers aus dem brennenden Dorf drüben rechts im Tale wird schwächer und schwächer. Dagegen wird es davor in der Wiese lebendig. Unsere Sturmkolonnen erheben sich zum letzten entscheidenden Sprung. Sie ver­schwinden im Gebüsch. Noch einmal lebhaftes Jnfan- teriefeuer, dann wird es fast plötzlich still. In atemloser Spannung, das Glas am Auge, blicken wir hinüber. Aber nichts ist jetzt mehr zu sehen nichts zu sehen und nichts zu hören. Vor der Wucht unteres Angriffs hatten, wie wir später erfuhren, die feindlichen Truppen, soweit sie sich nicht gefangen gaben, die vorderen Höhenstel- lungen nach erbitterten Nahkämpfen geräumt und waren, von den Unsrigen hart verfolgt, nach Nordosteu hinter die nächste ihrer zahlreichen vorbereiteten Stel­lungen abgezogen. ~

Wir kehren durch das Feld zu unserem Wagen zu­rück. Russische Gefangene mit Material für den Brückenbau kommen uns entgegen. Aber die Lente find erschöpft. Der kleine gelbe Mann dort mit dem Kal- mückengesicht scheint fast zusammenzubrechen unter seiner Last. Doch, schon tritt der begleitende Landwehrmann zu ihm:Bist Du schlapp, Wudki? - Na gib her!" Hängt sein Gewehr über die Schulter, schiebt die schwere Rolle Draht dazu und läßt den Gelben ledig nebenher laufen, der deutsche Barbar der!

Auf der Rückfahrt kommen wir durch Ortichasien mit deutschen Namen. Deutsch ist hier die Bauart der meist halbzerschossenen oder ausgebrannten Häuser. Trotz der Verwüstungen erkennt man fotort, daß deutsche Ordnung und deutsche Sauberkeit hier zu herrschen pflegten. Und blonde deutsche Mädchen tränten die vorübergehenden Feldgrauen, die freudigen Staunens aufblicken, wenn sie hier im Lande der russischen Mriftzeichen, die wie Hieroglyphen für sie sind, und der polnischen unaus­sprechlichen heimische Laute erklingen hören.. Aber eine tiefe Trauer liegt über dreien schwer heimgesuchten Ste- delungen. Während die Ruthenen fast überall geuhont, oft sogar von obenher unterstützt und eifrigst umworben wurden, suchte der Russe sich an den paar Deutschen zehnfach schadlos zu halten. Bcelleicht fallt bei der Für­sorge für die Heimgesuchten auch für diese unglücklichen LandsleuteeinScherslein ab; sie können es wirklich gut gebrstitchen.[er $ zerstörten kleinen Stadt wird kurze Rast gemacht. Auf dem Marktplatz, wo an einem feiste Kolonnen ihre Pferde tränken, stehen noch ein paar zerschossene Häuser. In einem hat eine Vervileaungsstation sich eingerichtet. Unten, wo in abaesve^em Raum einige Reihen Tische und Bänke ft-Zm und w° IN-!n-r Acte eine Gnl«-au°n- UN- ausaeseNt in Tätigkeit ist, ür durchziehende Mannschaf- km; oben im Ästen Stock für Offiziere. - Das Kasino Das Haus muß einmal wohlhabenden Leuten gehört haben Denn in dem zerschossenen Eckzimmer hangt noch ein sehr schöner alter vergoldeter Loms Xiv.-Spiegel. Auch ein paar reich geschnitzte alte Lehnsessel sind da Jm seltsamen Gegensatz stehen sie zu der übrigen Ausstat­tung, die bunt zusammengewürfelt oder rasch aus rohen Brettern beraerichtet ist. Fenster und Türen sind nur

noch anbeulltligswelse voryanoen. Mlk nwit Pappest Zweigen und russischen Zeltbahnen sind die Oeffnnugett verkleidet. Und vor das Granatlvch in der Ecke stellte man ein paar Bretter. Gläser gibt es nicht. Tassen müssen Mfür herhalten. Aber der Wein ist gut und auch Mineralwasser, das in Galizien oft so knapp ist und so schwer vermißt wird, ist vorhanden, und auf den Tischen stehen wundervolle Blumen, Lilien und Rosen in Blu­menvasen, die für weniger friedlichen Zweck bestimmt waren in russischen Ausbläsergrattaten. Eine bunte Gesellschaft findet sich hier flüchtig znsammen. Offiziere aller möglichen Konttnaudos, Führer durchziehender Kolonnen, Herren von der Feldpost, die hier im fernen Südosten trotz aller Schwierigkeiten so vortrefflich ar­beitet, Leichtverwundete, die von der Front fommen odet Wiederhergestellte, die wieder dorthin wollen. Diese haben es meist besonders eilig.Schon wieder fort, Herr Kamerad?"Jawohl. Ich habe 20 Mann bei mir, die, wie ich, in Frankreich verwundet waren und jetzt die Zeit nicht erwarten können, bis sie an den Russen kommen. Ich habe ihnen versprochen, daß ich sie noch hinbriugeu will, ehe der Feind aus Galizien vertrieben ist, da müssen wir doch wohl eilen." Und da steht auch schon der Unteroffizier in der Türöffnung:Herr Leut­nant, es ist eine Kraftwagenkolonne da, die zur Front fährt und uns mlincljmen will. Die Leute meinen, daß es daurit schneller ginge, bis wir an den Feind kamen, und bitten den Herrn Lentuant mitfahren zu dürfen."

Wenige Miauten später rattert die schwere Kolonne unten vorüber. Der junge Leutnant grüßt herauf und seine Zwanzig singen oder rufen Hurra. Und allen blitzt der Jubel aus den Augen, daß es nun endlich wieder hinausgeht sum Kampf und Sieg.

_________Richard Schott, Sonderberichterstatter.

Lampserlalaslrophe im Amerika.

Ein Vergttttgttngsdampfcr gekentert. Etwa 1200 Fahr« gäfte ertrunken.

w> London, 25. Juli. Das Reutersche Bureau mel­det aus Chicago: In dem Flntz kenterte der Vergnti- gnngsdampfer Gastland. Die Zahl der ertrnnkenen Fahrgäste wird anf 1200 geschätzt. Bisher sind 500 Leichen geborgen, hanRsächlich aus dem unter Wasser liegenden ülitmpf des Schiffes. Es mußten Löcher tu die Schtfsswaud gehackt werden, um die Toten aus dem Schiffe heben zn können.

Einzelheiten über die Katastrophe.

Als das Unglück eintrat, spielte:: sich furchtbare Szeueu ab. Im Augenblicke des Unglücks waren miu- destens 2500 Personen an Bord. Den meisten derjeni­gen, die sich auf Deck befanden, gelang es, sich an den Schiffsrändern sestzuhalteu, wo sie durch vorüberfah- rende Schiffe gerettet wurden. Die Reisenden in den Kajüten, vornehmlich Frauen und Kinder, hatten keine Mudfkht, zu entkommen. Feuerwehrleute, die die Er­trunkenen heranfbvlten, fanden die Leichen in den Ka­jüten ansgestapelt wie Warenbauen, woraus mau schließt, daß die Ausgäuge gestürmt worden waren. Ueberlebende erzählen, daß in fünf Minuten alles vor­über war. Die Schreie der Frauen verstummten, als das Wasser in das Schiff eindrang. Die Leichen wur­den durch Schl'eppdan:pfer an die Küste gebracht und von dort in Eisenbahnwagen weitergeführt. Die llnter= suclumg in der Leichenhalle ergab, daß viele Frauen die Gesichter zerkratzt und ihre Kleider zerfetzt hatten, was auf einen verzweifelten Kampf der Ertrinkenden schlie­ßen läßt. Das Kentern des Schiffes wird dadurch er­klärt, daß alle Steifenden sich auf eine Seite gedrängt hatten. Diese Erklärung genügt jedoch den Behörden nicht und man verhaftete den Kapitän, die Offiziere und den Steuermann des Schiffes.

Vermischtes.

Eine Familientragödie hat sich in Plauen (Vogt­land» abgespielt. In der Nacht znin Freitag vergiftete der in der Blumenstraße wohnhafte 35jährige Schuh- macher Binder seine neunjährige Tochter nnd dann sich selbst durch Gas. Anf dem Tische fand sich ein Zettel vor, der von Binder an seine Frau gerichtet war und die Aufforderung enthielt, ihm in den Tod nachzufolgen. Da die Frau verschwunden ist, nimmt man an, daß auch sie Selbstmord begangen hat. Binder soll durch schlech­ten Geschäftsgang zu seinem verzweifelten Schritt ge­trieben sein.

Eine dreizehnjährige Erpresserin, die mit verblüf­fender Raffiniertheitarbeitete", ist durch die Berliner Kriminalpolizei unschädlich gemacht worden. Im Mo­nat Juni machte eine Fran F. in Wilmersdorf dem Leben ihrer beiden Kinder ein Ende und gab sich selbst den Tod. Bald danach erhielt der tiefgebeugte (hatte und Vater dieser Familie einen Brief, dessen Schreiber sich als Detektiv ausgab und der mit schrecklichen Ent- Oüllitugeit über das Familienleben F.'s drohte, falls nicht vier- bis fünfhundert Mark an einer genau be- zeichueten Stelle ein Grab aus dem Friedhofe in der Seestraße niedergelegt würden. Eine Bleistiftskizze bezeichnete genau deu Weg, den F. zu gehen habe. Der völlig überraschte Empfänger übergab den Brief sofort der Polizei. In einem anderen Falle sollte das Geld an der gleichen Stelle niedergelegt werden. Zur größten Verblüffung der Beamten wurde ein dreizehnjähriges Mädchen als die Briefschreiberin ermittelt. Ihre Mut­ter, eine ehrsame Arbeiterfrau, war völlig überrascht, als ein Kriminalbeamter mit dem Mädchen an der Hand in ihrer von Ordnung und peinlicher Sauberkeit zeugenden Wohnung erschien und das fast Unglaubliche erzählte. Wie die Beamten weiter ermittelten, ist das überaus intelligente Mädchen, eine der besten Schüle­rinnen in ihrer Klasse, durch Lesen von Detektivromanen zu dem Entschluß gekonnnen, ihre Mutter, die sich mtth- am durchs Leben schlagen muß, durch die Ausstthruua hrer abenteuerlichen Pläne zu unterstützen. ^Wahrend die Mutter das Kind mit Schularbeiten beschäftigt glaubte, schrieb dieses in einem für ihre Jahre verblüf­fenden Stil die Erpresserbriefe.

Zwei Jahre Zuchthaus für einen KrieasschWindler. Vor dem Landgericht Dresden hatte sich der 36 Jahre alte, mit fünf Jahren Zuchthaus vorbestrafte Packer und frühere Bergarbeiter, Dicustknecht Karl Friedrich Enke aus Leipzig wegen vollendeten und versuchten Rückfall- betruges zu verantworten. Erike ist der Verfasser jener sensationellen Artikel über Aufstände üt Aegypten und Indien, die vor einiger Zeit in einer Berliner Zeitung erschienen. Enke hatte behauptet, den Kämpfen im Su­dan, die er schilderte, selbst beigewohnt zu haben., In Wirklichkeit war er nie aus Deutschland Herausgekom- men. Enke erhielt zwei Jahre Zuchthaus und 300 Mark Geldstrafe. Außerdem wurden ihm die bürgerlichen Ehrenrechte auf fünf Jahre aberkannt.

Weitere Drahtnachrichten.

Jwangorod bombardiert.

w Berlin, 26. Juli. (WTB.) Nach derBoss. Zig." meldet dieTribune de Gentzve", daß die Oester­reicher sieben 42 Ztm.-Kanonen und zwei 50 Ztm., Kanonen gegen Jwangorod geführt haben, das jetzt mit furchtbarer Wirkung bombardiert wird.