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Her italienische Krieg.

Aus dem italienischen Ministerrat.

Wi Turin, 23. Juli. (WTV.) Der römische Korre­spondent derStanwa" macht folgende Mitteilungen: In der gestrigen Ministerratssitzung gab der Minister des Aeußeren über diplomatische Tagesfragen ausführ­liche Aufklärungen. Der Ministerrat ließ Sonnino freie Hand, eventuell eine nötige Richtigstellung des österrei- chisch-ungarischen Rotbuches 31t geben. Die Minister hatten dann einen Gedankenaustausch über die agressive Haltung der Türkei gegenüber Italien. Man beschloß, einen neuen Schritt in energischster Form bei der tür­kischen Regierung wegen des Zwischenfalls von Galata, bei dem ein großer italienischer Schlepper von den Tür­ken zu Kriegshandlungen benutzt und die italienische Flagge mißbraucht wurde, zu machen. Der Minister­rat hatte ferner einen Gedankenaustausch über das Ge­rücht von einem Angriff Bulgariens gegen Serbien, an dessen Bestätigung man in offiziellen Kreisen nicht glaubt, weil für den Augenblick Bulgarien noch neue Vor­schläge des Vierverbandes erwartet. Trotzdem bleibe die Lage auf dem Balkan äußerst ernst.

Rußland und das Londoner Abkommen.

Unter der UeberschriftEngland und Rußland" schreibt dieKöln. Ztg." über das Londoner Abkom­men vom vorigen September zwischen England, Frank­reich und Rußland, keinen Sonderfrieden zu schließen, folgendes: Das Londoner Abkommen, seinen Sonder­frieden zu schließen, stellt sich immer mehr als das her­aus, wofür wir es von Anfang an gehalten haben: als ein grober Leim, den die Engländer gelegt haben und auf den die Alliierten gekrochen sind! Das Abkommen ist geschlossen worden unter den selbstverständlichen Voraussetzungen, daß jede der Parteien alles tun würde, was in seinen Kräften stünde. Die Engländer haben weder das geleistet, was sie konnten, noch das, was sie wollten. Wenn sie ihre Verbündeten nicht wissentlich belogen haben, so waren sie jedenfalls in einer großen Selbstenttäuschung befangen. Wie es auch sei, die Eng­länder haben das Londoner Abkommen in Wahrheit nicht gehalten, und die Frage ist nun, ob mtb wie lange sich die anderen Unterzeichner des voreiligen Abkom­mens gebunden fühlen. Die Franzosen freilich find längst nicht mehr frei in ihren Entschlüssen. Die Russe» sind viel unabhängiger von den Engländern. Wenn sie einen Vertrag lösen, der unter falschen Voraussetz­ungen geschlossen und von ben Engländern nicht gehal­ten worden ist, so können diese ihnen gar nichts an­haben. Die auswärtige Politik des Zarenreiches hat, bevor sie sich mit ihrem alten Widersacher in Asien ein- ließ, stets einen gesunden Egoismus bewiesen. Es ist auch in Rußlands Interesse, zu hoffen, daß sich dieser stärker erweist, als die Hartnäckigkeit der vom Deut­schenhaß verblendeten Kriegspartei. Freilich liegen noch keine Anzeichen vor, daß die Russen gewillt sind, diesen Schluß zu ziehen.

Ein Ministerrat beim Zaren.

Der Sonderberichterstatter derNationalztg." mel­det von der russischen Grenze vorn 23. Juli: Am 5. Juli russischen Datums fand in Zarskoje Sselo ein Minister­rat unter dem Vorsitz des Zaren statt. An dieser Kon­ferenz nahmen auch die diplomatischen Vertreter der Verbündeten teil. In dieser Beratung sollen wichtige Beschlüsse gefaßt worden sein. Wie in Dumakreisen verlautet, wurde auch ein Bericht des Fürsten Tru- betzkoi über die Lage auf dem Balkan verlesen. Dieser russische Sondergesandte auf dem Balkan, der in allen in Frage kommenden Staaten eingehende Studien über die politische Lage vorgenommen hat, berichtet, daß es vollkommen ausgeschlossen sei, daß Bulgarien aus seiner Neutralität heraustrete. Auch eine baldige Lösung der Gesamt-Balkanfrage sei für die nächste Zeit nicht zu erwarten.

Betrachtungen zur Kriegslage.

Aus dem Kriegspresfequartier meldet dasB. T": Von der Pilicamündung weichselaufwärts sind die Rnfsen nunmehr überall auf das rechte Weichselnfer zu- rückgeworfen. Der Brückenkopf von Jwangorod auf dem linken Weichfelufer ist von den Verbündeten völlig eingeschlossen.

DieBerl. N. N." schreiben: Von Norden, von We­sten und Süden rücken die Verbündeten mit gleicher Wucht gegen die Frontschleife der russischen Aufstellung im Gouvernement Warschau heran. Immer gewaltiger erscheint dies Vordringen durch Sturm zum Sieg.

DieDtsch. Taztg." berichtet aus Wien: Wenngleich die italienischen Angriffe am Jsonzo noch andauern, so läßt sich doch schon aus allen Anzeichen der günstigen Lage schließen, daß der Ansgang der ganzen Schlacht sehr Äfolgreich für die Oesterreicher sein wird.

ImB. T." schreibt Graf Monts über Italien, Tirol und Trieft:Die Italiener wußten genau, was sie mit ihrem heuchlerischen Verlangen einer Grenzbe- richtigung nach der Sprachscheide wollten. Das Tren- tino war zu einer wirklichen Festung ausgebaut wor­den, die flankierend auf jede Annäherung an Trieft und den Jsonzo wirkt, vor allem dem remdeutschen Teile von Südtirol unbedingten Schutz gewährt. Das Ver­bleiben dieser Festung beim Hause Oesterreich sei also ein wichtiges deutsch-nationales Erfordernis. Ebenso sichere das große verschanzte Lager um Priest Bayern vor einem feindlichen Einbruch.

Neue Bundesratsverordnungen.

Gegen die Preistreibereien.

Der Bundesrat hat am Freitag den Erlaß einer Verordnung beschlossen, der sich gegen übertriebene Preissteigerungen bei dem Handel mit Gegenständen des täglichen Bedarfs, besonders Nahrungs- und Genuß­mittel aller Art, rohen Naturerzeugnissen, Heiz- und Leuchtstoffen richtet. In der Verordnung ist einmal die Möglichkeit der Enteignung vorgesehen für den Fall, wo jemand derartige Gegenstände zurückhalt: sodann ist in ihr eine Strafvorschrift enthalten gegen die Erzeuger und Händler, die für obengenannte Gegenstände sowie für solche des Kriegsbedarfes Preise fordern, die emen übermäßigen, durch die gesamten Verhältnisse, insbeson­dere die Marktlage nicht gerechtfertigten Gewinn ent- halten. Auch wird weiter bestraft, wer Vorra^ solcher Art in gewinnsüchtiger Absicht znrnckhalt, vernichtet oder andere unlautere Machenschaften vornimmt. Mit dem Erlaß dieser Verordnung wird den vielfachen Wünschen aus allen Kreisen der Bevölkerung Rechnung getragen, die durchgreifende Maßnahmen gegen die gewinn,uch- tigen Preistreibereien insbesondere auf dem Lebens­mittelmarkte zum Gegenstand hatten. Die Verordnung ist deshalb vom sozialen Standpunkte besonders zu be= grüßen. ,

Errichtung einer Reichssnttermittelstelle.

Der Bundesrat hat am Freitag die Errichtung einer Reichsfuttennittelstelle beschlossen, deren Aufgabe es ist, für die Sicherung und Verteilung der inländischen Futtermittel zu sorgen. Ihr steht ein Beirat zur Seite, dessen verschiedene vier Abteilungen zuständig sind für

Hafer, Gerste, KraftfuttKMttel find zuckerhaltige Futter­mittel. Seine Zustimmung ist zu bestimmten grund- sätzlichen Entscheidungen notwendig. Neben der Reichs- futtermittelstelle bleiben die vorhandenen Landfutter- iitittelftcHeit bestehen, und es können auch neue derartige Stellen in Zukunft errichtet werden. , >

, Kriegsallerlei.

Verluste der französischen Fremdenlegion.

Zwei Schweizer, die in Frankreich in die Fremden­legion eingetreten waren und jetzt geflüchtet nach der Heimat zurückgekehrt sind, machten, wie dieBoss. Ztg." erfährt, in Bern unabhängig voneinander folgende Mitteilungen über die Verluste der Legion vor Arras: Von Nord-Arras wurde des erste Fremdenregiment vom 8. bis 10. Mai dreimal zum Sturm vorgeschickt. Bor dem Sturm betrug die Zahl des Regiments 4600 Mann, nach dem Sturm 820 Mann. Das zweite Fremdenregr- ment hatte nicht weniger als 3000 Schweizer. Nach dem Sturm kehrten nur noch 232 Schweizer lebend zurück. Das Regiment hatte sämtliche Offiziere verloren. Mit dem Blute fremder Völker siud, wie man hieraus er­sieht, die Franzosen besonders freigebig.

Wer plündert in Frankreich?

Excelsior" vom 7. Juli 1915 brächte folgende Notiz: Im Laufe des vergangenen März wurde in Verfolgung gewisser Tatsachen bet Frau Proust in Paris Haus­suchung abgehalten. Man fand Gegenstände verdäch­tigen Ursprungs, vor allem zwei Ordonnanzrevolver samt Futteralen, alte Fayenzen und Leiuenzeug. Zur Verantwortung gezogen, erklärte die Frau Proust, daß ihr alles von ihrem Manne, Adjutant beim 70. Tern- torial-Regimeut, übermittelt worden sei, der die Fayencen aus dem Schloß von Ecouen, wo seine Ab­teilung untergebracht war, genommen habe. Eilt Haft­befehl wurde sofort gegen den Unteroffizier, der zur Front abgegangen war, erlassen; der Unteroffizier aber verübte, sobald er sich entdeckt sah, Selbstmord, indem er sich zwei Kugeln in den Kopf schoß, unter Beteuerung seiner Unschuld. Seine Frau erschien gestern vor dem Kriegsgericht unter der Anklage der Mitschuld am Dieb- stahl durch Hehlerei. Nach dem Plaiöoyer wurde Frau Proust freigesprochen. DerExcelsior" nennt das einenbramatifcheu Vorfall". Wir nennen es eine neue Bestätigung der bereits genugsam erhärteten Tatsache, daß die französischen Soldaten im eigenen Lande plündern.

Der Dank des Kronprinzen an die Argonnenkäntpfer.

Die Saarbrücker Volkszeitung veröffentlicht folgen­den, vom 18. Juli datierten Armeebefehl des Kron­prinzen: Kameraden! Es ist mir ein von Herzen kom­mendes Bedürfnis, all den Truppen, die an den sieg­reichen Kämpfen der letzten Wochen beteiligt gewesen sind, noch einmal meinen Sans und meine volle An­erkennung auszusprechen. Zehn Monate bähen wir in schweren blutigen Kämpfen einen zähem tapferen Geg­ner Strich für Strich, Graben um Graben nach Süden äurücfgebrängt. Mancher tapfere Krieger hat in die­sem Walde das Leben für sein Vaterland dahingegeben. Mit stiller Wehmut und Dankbarkeit gedenken wir un­serer gefallenen Kameraden. Durch die siegreichen Sturmangriffe auf die vor» Gegner besonders stark aus­gebaute Stellung habt Ihr, meine Argonnentruppen, von neuem gezeigt, daß, obwohl die große Kriegslage uns hier auf der Westfront im allgemeinen ein defensives Verhalten auferlegt, wobei die NamenWinterschlacht in der Champagne",Cotes Lorraine",Vogesenkämpfe", Schlacht von Arras" ein beredtes Zeugnis von un­vergleichlicher deutscher Tapferkeit mib treuem Aus­harren ablegen, wir doch in der Lage sind, wenn es er­forderlich ist, den Franzosen tüchtige Schläge aus- zuteilen. Mit voller Genugtuung können wir auf die letzten Kämpfe zurückblicken, die uns eine große Beute an Gefangenen und Material aller Art eingebracht hat. Ich bin stolz und glücklich, an der Spitze solcher Truppen stehen zu dürfen, und bin überzeugt, daß, wenn der Augenblick kommt, wo unser Oberster Kriegsherr einen weiteren Vormarsch befehlen wirb, ich mich auf Euch ver­lassen kann uub wir neue Lorbeeren um unsere sieg- reichen Fahnen winden werden. Oberbefehlshaber Wilhelm, Kronprinz des Deutschen Reiches uub von Preußen.

3m Kamps gegen feindliche sieget.

Der dämmernd steigende Sommertag scheint wie­der gute Absichten zu haben: klar in geläuterter Bläue spannt sich der Himmelsbogen über dem in vollkomme­ner Ruhe liegenden Gefechtsselö. @tn kurzes Blinzeln über den Horizont hinweg genügt der Sonne, die auf den Bachläufen noch wogeitben Nebelschwaden zu zer­streuen. Es kostet trotz des monatelangen täglichen Er­lebens immer wieder einige Mühe sich vorzustellen, daß hinter dieserSommerfrischenruhe" hüben und drüben ungezählte Mordwerkzeuge des Gebrauchs zu männer- mordender Wirkung harren.

Im Wiesengrunde, umgeben von ragenden Pap­peln, stehen Fliegerabwehrgeschütze. Ein Glied des mit der wirksamen Betätigung der Flugzeuge erst in di^.m Kriege notwendig geworbenen Vorbeuge- uud Kampf­systems. Der Führer dieser Geschütze und seine Ka­noniere sind Frühaufsteher, müssen sogar der Sonne den Rekord schlagen. Denn der Frühmorgen wie der sin­kende Tag sind die Zeiten der Fliegerbeobachtungen und -angriffe. Mit dem Prismenglas bewaffnet sucht der Beobachtungsposten den Himmel ab.

Französischer Eindecker steigt im Süben aus, Rich­tung nach Nordwest!" ruft mit einem Male der Fern­sprecher vou seinem Apparat weg dem Posten zu. Es war die Meldung des Beobachters auf der in vorderster Stellung liegende« Höhe X. Von seinem Platz aus zeigt ihm das Scherenfernrohr das femdliche Gelände bis zu dem weit hinter der Front liegenden Flugplatz. So­wie der feindliche Eindecker brühen Anstalten zu einem Besuch unserer Stellungen macht, geht durch die beson­dere Ferniprechleitung das Alarmsignal an alle zum

~ ........ senden Abwehrgeschütze, die sich

Gesechtsabschnitt gehörenden Abwehrgeschütze, die sich fertig machen, den ungebetenen Gast gebührend zu em­pfangen. Ein schriller Pfiff ruft alle Mann aus Ge­schütz. Noch bevor man den Flieger überm Horizont entdeckt hat, zeigen sich im Süden schon die ersten Sprengpunkte: unsere vordersten Abwehrgeschütze ha­ben zwei Schrapnells hinaufgeiandt. Ennge Minuten späten melden zwei weitere Geschützstellungen, daß sie das Feuer eröffnet haben: die seitwärts liegenden Bat­terien beobachten die Lage der Schüsse. Und mit einem Male jagt im elektrischen Draht eine Meldung die an­dere, ein Kommando das nächste.Höhe 2300, Entfer­nung rund 6500".Geschütz N. abgefeuert!"Der Schuß lag zu kurz!"200 Meter zulegen!" Meldung des Be­obachters:Der Flieger biegt ab nach Nordwesten: er steigt fortgesetzt." Nach kaum einer Viertelstunde liegt er im Kreuzfeuer aller Geschützstellungen, rund um ihn ballen sich, vergoldet von der inzwischen in ihrem gan­zen morgendlichen Glänze strahlenden Sonne, die wei­nen Wölkchen, die den Sprengpunkt der Geschosse be­zeichnen. Aber die bedeutende Höhenlage über 3000

Meier gibt dem FlieMr wirksaMN Schütz, deuü ein Treffer in dieser Höhe wäre Glück, sehr viel Glück.

Französischer Doppeldecker in niedriger Fahrt aus Südwest nach Nordost!" meldet der Beobachter. Sein geübtes Ohr hat trotz des Geschützfeuers und des Eiu- deckermotors das etwas tiefer gestimmte Surre» eines von der Flanke kommenden Flugzeuges gehört. Alm, der zweite hat entfchtebcn bösere Absichten als der kleine zierliche Eindecker oben. Ein Blick durchs Scherenfern­rohr zeigt die Bombenabwurfvorrichtung unter bent Sitz des Beobachters. Also so ift'S gemeint. Der Kleine da oben sollte nur das Herannahen seines großen Ge­nossen verschleiern, das Feuer aller Geschütze auf sich teilten, um dem anderen Zeit zu geben, feine Bom­ben auf beu naheliegenden Bahnhof abzuwerfen, ehe man ihn unter Feuer nehmen köuute. Aber die schon nicht mehr neue List soll dir schlecht bekormnen! Warn­ruf an alle Stellungen:Französicher Doppeldecker mit Bomben, Höhe 1800, Entfernung 2400. Unter Feuer nehmen 1" Entfernungs- und Ntchtungsmesser wendet! auf Kommando beut neuen Feiud zu. Schon krachen die ersten Geschosse.100 Meter kürzer!"50 Meter zu- legen!" Er ist gefaßt. Schnellfeuer!" Jur Nu liegt das gute Ziel inmitten der Spreugpunkte. Aber immer noch halt er die Richtung auf den Bahnhof, ist kaum noch 50C Meter von ihm entfernt. Alles, was nicht zur Geschütz­bedienung gehört, hat sich eiligst in Deckuug begehen: den« die Schrapnellkugeln fallen fast wie Regen. Füll! schwere Entladungen hintereiuauder: Der Flieger hat seine Bomben abgeworfen und von dem Ackerrain stei­gen große Staubwolken auf.Da ist noch viel Platz für Bourbe»," meint trocken ein Kanonier, inbem er ben Zünder eines neuen Geschosses einstellt. $m selben Au- gcitblicf hat der Flieger aber auch eine scharfe Kehrtwen­dung gemacht, und mit dem letzten Rest seiner Kraft sucht er sichtlich eine möglichst große Höhe zu erreichen, um im Gleitflug drüben bei beu Seinen zu landen. Daß er allen unnötigen Ballast abgeworfen hatte, war das beste Zeichen dafür. Auch der Rettuttgsversitch soll ihm nicht gelingen.

Bon Westen kommt deutsches Kaillpfflugzeug, Vor­sicht beim Schießen!" meldet unser benachbarter Flug­hafen. Alles hält den Atein an. Wird es gelingen? Der Deutsche ist noch über 2000 Meter entfernt, aber in großer Höhe. Immer näher konnnen sich beide, indem der Deutsche feinem Feiud, der schon in flachem Gleit- flua anfangs zu finfeit, deu Weg zu verlegen sucht. Die Geschütze schweigeu, um nicht den Unsern in Gefahr zu bringen. Plötzlich geht dieser steil herunter. Hat er ei­nen Motorschaden? Ist er beschädigt? Die schon ent­täuschten Gesichter der erregt zuschauenden Kanoniere hellen sich wieder, als der Deutsche in kurzer Eutser- itititg neben seinem feindlichen Kollegen liegt, ihm an­scheinend das Geleit geben will. Tack, tack, tack..... hämmert das fliegende Maschinengewehr. Der Fran­zose macht eine scharfe Wendung auf feilten Feind zu, will ihn im Absturz mit heruntereißeu, aber es Ist schon zu spät. Die Steuerung gehorcht nicht mehr. Oder es sind die Nerven des kühnen Fliegers, die, todeswnnd, den Dienst versagen?

Zerschellt, nur noch ein unentwirrbarer Haufen von Stangen, Draht uud Leinwandfetzen bedeckt im Straßen­graben der vor Minuten noch stolze Doppeldecker die Leichen zweier tapfern Feinde, während kreisend der Sieger seinen heimatlichen Hafen anfsncht. (Köln. Ztg.)

Vermischtes,

Nach der Vertreibung der Russen. Aus Sokaiten int Kreise Ragrttt schreibt matt demGes.": Es ist eine Freude, weint man, heute nach längerer Abwesenheit in das Dörfleiu komntt: überall sieht man bestellte rei- feude Aeyreuselder, und überall grünen Gemüsepflan­zen, Kartoffeln usw. Menschlicher Fleiß ist allerorts tätig gewesen, um die Spuren des Krieges zu verwischen, trotzdem letzterer sich hier gerade in grausamster Weise gezeigt hat. Auch im Innern finb die Spuren russischer Kultur" nach Möglichkeit beseitigt, und russische Ge- augene haben die Schweineställe, die ihreKanieraden" überall eingerichtet hatten, beseitigen müssen. Freilich sts in den Stuben großenteils leer geworden: aber Sauberkeit ist wiederum allgemein eingekehrt. Was aber besonders traurig stimmt, ist der Umstand, daß von bem sinnlosen Wegschleppen aller Zurückgebliebenen vom ältesten Manne, der ältesten Frau bis zni» klein­sten Kinde saunt ein Haus verschont geblieben ist. Aus bent einen Dörflein, das zu Begirm des Feldzuges noch nicht einmal 300 Eirrwohner zählte, von denen noch eine Anzahl zum Militärdienst eillgezogen ist, sind allein 182 Menschen verschleppt. Soweit bekannt ist, hat ein Teil von ihnen bereits sein Grab in Rußlands Erde gefun­den: von einzelne» erfuhr matt, daß sie kraul waren. Um so mehr muß mau sich freuen, daß die Zurückge­bliebenen nicht den Mut verloren haben, ben Wirt­schaftsbetrieb so schnell als möglich von neuem aufzu- nehmen. Die kernige oftprcußifche Natur hat sich in ihrer Liebe zur Scholle trotz aller Stürme auf das glän- zeudste bewährt.

Krieüshnmor. Rltssische Klassizität. Zar:Oitkel, bring' mir meine Legionen wieder!" Nikolai Nikola- jewitsch:Nur Geduld, sie sind ja schon in Eilmärsche» unterwegs. Wenigstens, was noch übrig davon ist." --Ein kluger Pfiffikus. Vater:Hast Du deu Bries an die Großmutter auch frankiert, Max?"Nein, bett Groschen habe ich gespart, Vater .. . ich habeFeldpost" drauf geschrieben!"--- Saure Wochen. ,,D' Italiener werd'u aber no a G'sicht machen. B'sonders, weitnS eahnere Zitronen alloan yfanim fressen müssen."-- Soldatenhumor.Ah, da schau, sechs französische Flie­ger zugleich, früher hat man für einen einzigen Ei»- trittspreis zahlen müssen." Süße Gewohnheit. In zwei Reihen rechtsum tritt die Mannschaft vor der Feld­küche zum Mittagsttlahl an. Der Kanonier Ottokar im Zivilleben Assessor und gefeierter Don Juan er- cheint, wie das in der Garnison wohl vorschriftsmäßig st in der blauen Schürze. Der Herr Feldwebel schaut den korrekte» Feldgrauen mit verblüfften Augen an. Der kann nit anders!" ruft jemand aus dem zweiten Gliededer is fein Leb' lang mit alter Schurz di­nieren gegangen!" (Meggendorfer Blatter.)

Weitere Drahtnachrichten.

Ein bulgarischer Staatsmann in Berlin eingctrossen.

j»> Berlin, 24. Juli. (T.-U.) Wie dasB. T." hört, ist der Direktor der bulgarsichen Staatsschuld Dr. Stojanow gestern in Berlin eingetroffen. Er hat bereits mit hiesigen Fi»a»zinstitnte» Fühlung genommen.

Neuer AuSstaud tu russische» Staatsbetrieben.

Wie», 24. Juli. (T.-U.) Das Achtilhrabeud- blatt meldet nach derTgl. Ndsch." aus Petersburg: . Ju deu Staatsbetrieben hat ein nener Ansstand begon, * »en. Es haben etwa 11000 Arbeiter die Arbeit ein^

gestellt.

Wilsons Antwortnote.

w> Berlin, 24. Juli. lT.-U.) Was Form und In- Halt der Antwort des Präsidenten Wilson betrifft, so läßt sich nach demL.-A." schon jetzt sagen, daß die Note nicht in bem von Reuter gemeldeten Tone abgefaßt ist. Sie bewegt sich vielmehr in einem durchaus kouzilianlen Tone, wenn auch der Sprache ein gewisser Ernst an- haftet, du hurch die Sachlage gegeben erscheint.