Hersfelder Tageblatt
für den Kreis Hersfeld Minis
Amtlicher Anzeiger ^5
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zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei jldSInöd Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld. 7
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Nr. 168. Mittwoch, den 31. Juli
1915
Aus der Heimat.
* (Die Jagdaussichten für den Herbst.) Na^ Mitteilungen aus Jägerkreisen scheinen die Aussichten für die kommende Jagdzeit nicht ungünstig zu sein. Die lange anhaltende Hitze im Monat Juni, der Mangel an Regen mag zwar dem Hühnervolke einigermaßen geschadet haben, denn bei vorherrschender Dürre gehen die jungen Hühner leicht ein. Dafür aber kommt die heiße, trockene Witterung wieder den Hasen zugute. Diesen schadet allzu feuchtes Wetter, denn es fördert die den Hasen endemischen Krankheiten. Ein sicheres Bild, wie viele junge Hasen während des Sommers eingehen, läßt sich freilich nicht gewinnen — die zahlreichen Füchse pflegen mit den toten Tieren gründlich aufzuräumen. Immerhin sieht man Meister Lampe in Feld und Flur so fleißig umherspringen, daß man auf reichliche Bestände schließen darf. Und das ist gut so. Denn mehr als je werden in diesem zweiten Kriegsherbst die Erträgnisse der Jagd für die Volkseruährung von Bedeutung sein.
):( Hersfeld, 20. Juli. Ein „wilder Liebes- g a b e n s a m m l e r" hatte sich in Person des erheblich vorbestraften Kaufmanns Wilhelm Sommer ans Reichensachsen vor der Casseler Strafkammer 1 zu verantworten. Er war längere Zeit in den von Pastor v. Bodelschwingh in Bethet bei Bielefeld gegründeten Anstalten als Bürobeamter tätig gewesen, wurde dort aber kurz vor dem Kriege entlassen. Er wandte sich wieder nach Hessen und nachdem der Krieg ausgebrochen war und die Liebesgabensammlungen mit so großem Erfolge einsetzten, kam auch er auf die Idee, eine Sammlung zu veranstalten. Einige gestohlene Briefpapiere mit dem Aufdruck der Bethel'schen Anstalten benutzte er, um sich Ausweispapiere für die von ihm zusammengestellte Liste zu schaffen. Zunächst reiste er den Kreis Eschwege ab, wo er als Beamter der Bethel'schen Anstalten noch bekannt war und ziemlich hohe Beträge zusammenbekam, die ihm namentlich seitens der Gutsbesitzer gezeichnet worden waren. Dann suchte er den Kreis Hersfeld und später auch Cassel heim, wo er verhaftet wurde. Bei seiner Verhaftung wurden noch über 2000 Mk. bei ihm vorgefunden. Das gesamte Geld, das für die Bethel'schen Anstalten eingekommen war, hatte er unterschlagen. Mit Rücksicht auf die Gemeingefähr- lichkeit dieser „wilden Liebesgabensammler", die durch derartige Veruntreuungen den opferwilligen Sinn der Bevölkerung untergraben, erkannte das Gericht auf eine Gefängnisstrafe von 1 Jahr und 6 Monaten sowie 3 Jahren Ehrverlust.
):( Hersfeld, 20. Juli. (Frachtermäßigung für Fleisch und S ch l a ch t v i e h.) Der Herr Minister der öffentlichen Arbeiten hat unter dem 15. d. Mts. angeordnet, daß die in den Ausnahmetarifen a) für frisches, nicht zubereitetes Fleisch sowie frisches Blut zum Verbrauch im Jnlande, b) für zubereitetes (geräuchertes, gepökeltes) Fleisch zum Verbrauch im Jnlande und c) für zur Schlachtung im Jnlande bestimmte Tiere in Wagenladungen vorgesehenen Fracht- vergünstigungen von 2O°/o (Ausnahmetarife zu a und b) und 300/v (Ausnahmetarif zu c) für Sendungen an Gemeindebehörden, gemeinnützige Organisationen und gewerbliche Unternehmer unter den gleichen Bedingungen wie bisher auf 50°» für Sendungen aus dem Auslande auf Widerruf, längstens bis 31. Dezember d. Js. erhöht werden.
):( Hersfeld, 20. Juli. Dem Vernehmen nach haben die hiesigen Geschäfte, soweit sie Petroleum verkaufen, die Vereinbarung getroffen, vor September von ihren Vorräten nichts mehr abzugeben wegen der herabgesetzten Preise. Es sei darauf hingewiesen, daß dies Verfahren ungesetzlich ist und daß es, wie wir von zuständiger Seite hören, nur eines Antrages der Konsumenten beim Landratsamt bedarf, um den zwangsweisen Verkauf der vorhandenen Petroleumvorräte nach Maßgabe der Bestimmungen des Höchstpreisgesetzes zur Durchführung zu bringen.
Weida, 19. Juli. Das 2jährige Töchterchen des zurzeit im Felde stehenden Briefträgers Otto Scherzer stürzte in Abwesenheit der Mutter in eine Waschwanne mit Wasser und ertrank.
Nohra, 19. Juli. Ein 16jähriger Jüngling, Franz H. aus Bleicherode erschoß sich am neuen Wege in der Nohraschen Flur. Es verlautet, daß der junge Mann seinem Leben ein Ende machte, weil seine Eltern seinen Eintritt als Kriegsfreiwilliger nicht zustimmten.
Fulda, 19. Juli. Die Ehefrau des Bäckermeisters L. in E. hatte am 8. Mai d. I. acht Laibe Brot zu je 72 Pfg. verkauft, während der Höchstpreis seit dem 6. Mai auf nur 64 Pfg. amtlich festgesetzt war. Die Bäckermeisterin mußte den zu viel gezahlten Betrag zurückzahlen. Ferner war das Brot ohne Abgabe der erforderlichen Brotkarten verabreicht worden. Für diese fahrlässigen Uebertretungen der Bundesratsverordnungen wird die Fran Meisterin zu einer Geldstrafe von 30 Mk. verurteilt.
Hanau, 19. Juli. Auf nicht aufgeklärte Weise brach gestern abend in Burgbernheim Großfeuer aus, das, begünstigt durch den herrschenden Wind 1...,
und
Wassermangel, große Ausdehnung annahm, so daß binnen wenigen Stunden 17 Gebäulichkeiten dem verheerenden Element zum Opfer fielen. Unter den eingeäscherten Gebäuden befanden sich mehrere Wohnhäuser und Wirtschaftsgebäude. Der Schadeu ist sehr groß, zumal in den Wirtschaftsgebäuden ein großer Teil der neuen Ernte nntergebracht war.
Hanau, 19. Juli. Die Stadtverwaltung kaufte im Herbste 1914 mehrere tausend Zentner^Kartoffeln auf, um sie kurz vor der neuen Ernte zu angemessenen Preisen der minderbemittelten Bevölkerung zu verkaufen. Aus unbekannten Gründen unterblieb jedoch der Verkauf. Ein Antrag von verschiedenen Stadtverordneten, die gewaltigen Vorräte sofort, ehe sie verderben, billig zu verkaufen, würbe von der Mehrheit abgelehnt. Jetzt sollen nach Meldung auswärtiger Blätter nun die Kartoffeln verfault und für den Genuß untauglich geworden sein.
Frankfurt, 16. Juli. Die „Vereinigten Landwirte zu Frankfurt a. M. und Umgegend" haben den Milchpreis von gestern ab von 26 auf 30 Pfg. für das Liter erhöht. Begründet wird die Preissteigerung mit dem Mangel an Grünfutter und der andanernden Preiserhöhung der Kraftfuttermittel. Die Preissteigerung der Milch durch die „Vereinigten Landwirte" hat heute der Magistrat sofort mit der Festsetzung von Höchstpreisen beantwortet, und zwar darf has Liter im Kleinverkauf nicht den bisherigen Satz von 26 Pfennigen überschreiten. Infolgedessen ist es hier zu einem Milchkrieg gekommen. Heute früh trugen fast alle aus Oberhessen und dem Taunusgebiet hier eintreffenden Milchkannen einen Zettel mit der Inschrift: „Von heute an kostet die Milch 30 Pfg.!" Doch verkauften die allermeisten Händler aus Furcht vor einer Anzeige die Milch zu den alten Sätzen.
Wiesbaden, 19. Juli. (Vermächtnis.) Der kürzlich in Wiesbaden verstorbene Rentner Herr Adolf Diesterweg, ein Neffe des bekannten Philosophen Diesterweg, hat der Deutschen Gesellschaft für Kauf- manns-Erholungsheime zur Förderung ihrer Wohlfahrtsbestrebungen testamentarisch ein Kapital von Mark 20 000 vermacht. Die Gesellschaft wird zur Ehrung, des Verstorbenen in ihrem Kaiser-Wilhelm- Heim b. Wiesbaden eine Broneetafel mit seinem Bildnis anbringen.
Durch die Lupe.
Ein Stückchen Zeitgeschichte in Versen.
Nach dem Balkan schaut von neuem — jetzt mit Spannung jedermann, — weil sich dort, wie schon so häufig, — wieder was ereignen kann, — was den Lauf der Weltgeschichte — gänzlich aus der Richtung bringt — und verschiedene Neutrale — Farbe zu bekennen zwingt. — Beide Kriegsparteien haben — viel und gründlich dort sondiert, — ist auch noch nicht ab- zuzusehen, — wozu schließlich dies^geführt, — kann man dennoch prophezeihen, — daß in nicht zu ferner Frist — in des Balkans Wetterlage — Klarheit wohl geschaffen ist. — Was sich auch ereignen möge, — nüchtern, voll Besonnenheit — sehen wir es sich entwickeln, — lassen allem seine Zeit, — nicht zu überstürzten Schritten — treiben wir der Dinge Stand, — solche Hetze überlassen — gerne wir dem Vierverband. — Unsrer Feinde Wühlerarbeit, — aus der Ohnmacht nur geboren, — hat dem Vierverbande täglich — weiter dort Terain verloren — und den Rest von Simphathie — opfern fast freiwillig sie. — Die neutralen Balkanmächte — sind denn doch noch zu vernünftig, — um die Rolle nicht zu kennen, — die sie spielen würden künftig, — wenn die Sache nicht so kommt, — als man es versprochen prompt. — Um für nichts als ein Versprechen — alte Freundschaft zu zerbrechen, — ist der Balkan nicht so dumm — wie in Rom das Publikum. — Eher scheint es doch ersprießlich, — und verdienen kann man schließlich, — wenn man just zu rechter Zeit — uM die Gunst des Siegers freit.
Walter-Walter.
Futterwert und Preis der zuckerhaltigen Futtermittel.
Der preußische Landwirtschastsminister gibt folgendes bekannt:
Aus der 1914er Ernte ist ein beträchtlicher Bestand an zuckerhaltigen Futtermitteln verblieben, der für den Haushalt der Futterstoffe in der bevorstehenden Wirtschaftsperiode besonders wertvoll ist, wenn er in der richtigen Weise ausgenutzt wird.
In den Kreisen der Verbraucher erfahren die einzelnen Futtermittel eine sehr verschiedene Bewertung. Am wenigsten beliebt ist das Melassesutter, dessen Einführung vielfach noch immer beträchtlichen Schwierigkeiten begegnet. Es handelt sich um rohe un- vermischte Melasse mit durchschnittlich 48 Prozent Zucker, die in der Wirschaft selbst durch Vermischung mit Spreu, Häcksel oder Stroh zur Fütterung geeignet gemacht wird, um Torfmelasse mit durchschnittlich 70 Prozent Melasse und 30 Prozent Torfmehl und um Häckselmelaffe mit rund 65 Prozent Melasse und 35
Prozent Strohhäcksel. Der Rohzucker (Erstprodukt mit rund 95 Prozent, Nachprodukt mit rnnö 90 Prozent Zucker) wird in nicht vergälltem Zustand an die Verbraucher steuerfrei abgegeben, wenn er von letzteren nach Vorschrift der Steuerbehörde nachträglich vergällt wird. Als fertiges Futter wird er der Regel nach in einer Mischung von etwa 90—95 Prozent Rohzucker und 5—10 Prozent Strohhäcksel geliefert.
Die Schnitzel d. h. gewöhnliche Trockenschnitzel, Zuckerschnitzel und Melasseschnitzel sind nur noch in geringen Mengen vorhanden, weil sie ein allgemein beliebtes Futtermittel darstellen und daher zur Zeit der Beschlagnahme schon zum großen Teil vergriffen waren.
Professor Dr. M. Schmoeger, Danzig, stellt in einem in Nr. 21 der „Westpreußischen Landwirtschaftlichen Mitteilungen" vom 20. Mai 1915 erschienenen Artikel vergleichende Berechnungen über den Futterwert der zuckerhaltigen und anderer Futterstoffe an, aus dem hier einige Zahlen wiebergegeben werden. Bezüglich der für Zucker und Melasse eingesetzten Preise ist zu bemerken, daß sich die Preise für die Mischfutter vom 20. Mai ab um 10 Pf. für den Monat und Zentner erhöhen. Die Vermittlungskosten sind in die Zahlen bereits eingerechnet, nicht aber Fracht- und Sackgebühr. Die Berechnung führt zu folgendem Ergebnis:
Preis für den Zentner
Preis für das Pfund
Stärkewert
Mk.
Mk.
Flüssige Melasse
4.11
8,6
Torfmelasse
<14
12,3
Strohmelafse
Rohzucker
Rohzucker mit 10 Prvzeut
5,01
11,29
16,1
14,9
Strohhäcksel vergällt
10,62
15,5
Melasseschnitzel
6,96
13,8
Zuckerschnitzel Kartoffeln
8,56
4,00
14,5
20,0 Pfund Stärke
Aus den Zahlen ergibt sich, daß das
wert in allen Zuckerfutterarten rund 25 Prozent billiger ist, als in den Kartoffeln, wenn der Preis der letzteren zu 4Mk. für der: Zentner angenommen wird. Besonders billig stellt sich die Nährwerteinheit in der frischen Melasse, wobei allerdings die besonderen Kosten für Fässer, für die Arbeit des Mischens und für das Mischmaterial nicht mitgerechnet sind. Der Preis der Strohmelasse und des mit Häcksel vergällten Rohzuckers erscheint etwas höher, jedoch ist der Futterwert des Häcksels dabei nicht berücksichtigt; geschieht das dann, berechnet sich die Nährwert-Einheit in diesen Futterstoffen nicht wesentlich höher als in der Torfmelasse.
Von allen Kraftfutterarten stehen zurzeit in größeren Mengen nur zuckerhaltige Futtermittel zur Verfügung, und auch unter den aus der Verarbeitung der neuen Ernte anfallenden Kraftfutterarten stehen die zuckerhaltigen Futterstoffe der Menge nach bei weitem an erster Stelle, denn die Erzeugung an Kleie ist aus bekannten Gründen nur gering, die aus der
inländischen Ernte an Oelfrüchten hergestellten Oel- kuchen, der Anfall aus den wesentlich eingeschränkten Gärungsgewerben ist ebenfalls geringer als sonst Produkte der Zuckerfabrikation müssen daher f
|t. Die
ür die
Erhaltung der einheimischen Viehbestände in erster Linie in Anspruch genommen werden. (Schluß folgt.)
hurra! Die Artillerie!
Seht ihr die Stationiere Mit ihrem Feldgeschütz - Sie reiten und sie fahren Auf Berge wie der Blitz.
Dort fordern zum Duelle Den Feind sie frühe auf Mit Donnern und mit Krachen Aus dem Geschützeslauf.
Dann feuern sie Granaten Und auch Schrappnelle ab. Durch deren schwere Wirkung So mancher sinkt ins Grab.
Und ist vom Adjutanten Die Meldung dann gemacht, Daß feindliche Geschütze Zum Schweigen sind gebracht:
Geht es im wilden Jagen Mit Kavallerie dann vor, Und auf der nächsten Höhe Kracht's wieder aus dem Rohr.
Sind dann die Fußkolonnen
Zum Kampse angerückt: So werden sie von neuem In Schußstellung geschickt.
Dort senden sie dem Feinde
Mut und tapfrem Sinn
Voll Mit Tod
schrecklichem Getöse und Verderben hin.
Hersfeld.
Wer sind wohl diese Helden? So nennt mit Recht man sie, Die oft zum Siege halfen — Hurra! Die Artillerie!
Max Bauer, Ober-Postschaffner.