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5 gertcijtere Enienreporlrrr aus fuß ge- sich auf Deutschland abzuwälzen, sehen folgenden Feststellungen bezüglich der

Verständigungsverhandlungen des

land im Verein mit Frankreich und Rußland, fretzu- machen. Angesichts der immer wiederholten Versuche der englischen Minister, die Verantwortung für den ge­genwärtigen Krieg, die sie durch ihre auf die Einkrei­sung Deutschlands gerichtete Ententepolitik auf sich ge­laden haben, von sich aus Deutschland abzuwälzen, sehen wir uns aber zu folgenden Feststellungen bezüglich der deutsch-englischen Verständigungsverhandlungen des Jahres 1912 veranlaßt, an denen gerade Lord Haldane in hervorragendem Matze beteilgt war.

Die deutsche Regierung war bei diesen Verhand­lungen bemüht, mit England zu einer den allgemeinen Frieden sichernden Verständigung auf Grund eines kriegerische Konflikte zwischen beiden Mächten aus-- schließenden gegenseitigen Schutzabkommens zu gelan­gen. Als geeignetste Grundlage hierfür erschien der Ab- schlntz eines gegenseitigen Neutralitätsvertrages. Die von deutscher Seite dafür zuerst vorgeschlagene Formu­lierung hatte folgenden Wortlaut:

Sollte einer der hohen Vertragschließende» in ei­nen Krieg mit einer oder mehreren Mächten verwickelt

werde», so wird der andere Vertragschließende dem in den Krieg verwickelten Vertragschließenden gegenüber zum mindesten wohlwollende Neutralität beobachten und mit allen Kräften für die Lokalisierung des Konfliktes

England lehnte diesen Vorschlag als zu weitgehend ab und machte folgenden Gegenvorschlag:

äd machte folgenden Gegenvorschlag:

England wird keinen unprovozierten Angriff auf Deutschland machen und sich einer aggressiven Politik gegen Deutschland enthalten. Ein Angriff auf Deutsch- laud ist in keinem Verträge enthalten »nd in keiner Kombination vorgesehen, der England zurzeit angehört, und England wird keiner Abmachung beitreten, oje ei-

nen

solchen Angriff bezweckt."

Dieser Borschlag war für Deutschland unannehm­bar. Abgesehen von der Dehnbarkeit des Begriffesun- provozierter Angriff" konnte lediglich das Versprechen, über den anderen Vertragschließenden nicht grundlos herfallen und keine aggressive Politik gegen ihn treiben zu wollen, unmöglich die Grundlage zu einem besonde­ren Freundschaftsvertrage bilden. Die in dem englischen Vertrage enthaltenen Zusicherungen sind Selbstverständ­lichkeiten in den gegenseitigen Beziehungen zivilisierter Staaten. Den von England geäußerten Bedenken gegen den deutschen Vorschlag suchten die deutsche Regierung dadurch entgegen zu kommen, daß sie nunmehr folgende Formulierung vorschlug:

Sollte einer der hohen Vertragschließenden in ei­nen Krieg mit einer oder mehreren Mächten verwickelt werden, bei denen man nicht sagen kann, daß er der Angreifer war, so wird ihm gegenüber der andere znm mindesten eine wohlwollende Neutralität beobachten nnd für die Lokalisierung des Konfliktes bemüht sein. Die hohen Vertragschließenden verpflichten sich, sich gegen­seitig über ihre Haltung zu verständigen, falls einer von ihnen durch offenkundige Provokation eines dritten zn einer Kriegserklärung gezwungen sein sollte."

Auch diesen Vorschlag lehnte Sir Edward Grey ab, beschränkte sich vielmehr darauf, den ersten Absatz sei­nes früheren Vorschlags in folgender inhaltlich jedoch bedeutungsloser Form abzuänüern:

Da die beiden Mächte gegenseitig den Wunsch ha­ben. Frieden und Freundschaft untereinander sickerzn- stellen, erklärt England, daß es keinen unprovozierten Angriff auf Deutschland machen und sich an einem sol­chen auch nicht beteiligen wird. Auch wird es sich einer aggressiven Politik gegen Dentschland enthalten."

Um im Interesse des europäischen und Weltfriedens ein äußerstes Entgegenkommen zu beweisen, trat die kaiserliche Regierung in eine Diskussion über diesen Vorschlag ein, machten aber weitere Verhandlungen von der Ergänzung durch folgenden Zusatz abhängig:

England wird daher selbstverständlich wohlwollende Neutralität bewahren, sollte Deutschland ein Krieg auf­gezwungen werden."

Sir Edward Grey lehnte es ab, über die auf Grund eines Beschlusses des englischen Kabinetts angebotene Formel hinauszugehen; er begründete seine Ablehnung mit der Besorgnis, andernfalls die bestehende freund­schaftliche Entente mit anderen Mächten zu geführten. Hierauf verzichtete Deutschland auf Fortführung der Verhandlungen. , ,

Die vorstehenden Mitteilungen erwersen, wie kon­sequent und entschieden England gerade dasjenige ab­gelehnt hat, worauf es tatsächlich aukam:.Das Neutrali­tätsversprechen, das heißt die Gewißheit für Deutsch­land, von England weder direkt, noch in einem ihm von dritter Seite aufgezwungenen Kriege angegriffen zu werden. Die Beteiligung Englands an dem gegen­wärtigen Kriege, den die Kriegsparter m Rußland im Vertrauen auf die Unterstützung Englands provoziert htate, erweist, rote gut die verantwortlichen Leiter der deutschen Politik beraten waren, als sie die Angebote Sir Edward Greys als ungenügend zuruckwiesen, und wie richtig sie die englische Politik einschätzten. Mit dem Momente, wo England die Verpflichtung zum Schutz der französischen Nordküste übernommen hat, hat es sich seiner Handlungsfreiheit begeben und wurde zum Kom­plizen der russischen und französischen aggressiven Po­litik, die den gegenwärtigen Krieg herbeigeführt hat.

Hindenburg im Posener Kaiserschlotz.

Ueber die jüngst gemeldete Begegnung des Kaisers mit dem Feldmarschall v. Hindenburg tm Posener Schlosse berichtet dasPosener Tageblatt":

Posen ist bet dieser Gelegenheit erneut der Schau­platz kaiserlicher Ehrungen und persönlicher Auszeich­nungen Hindenburgs geworden. Als der geniale Feld­herr nach den großen Siegen in Rususch-Polen im Win­ter vorn Kaiser zum Generalfeldmarschall ernannt wurde, da überreichte der Kaiser, zum Bemch der Ostfront au» de,m Westen herbeieilend, Hindenburg in Posen, der Vaterstadt des siegreichen Russenbezwingers, persönlich den Feldmarschallstab. Hindenburg, der fern Winter- tzuarner in unserer stolzen Kaiserpfalz aujgescWagen hatte, durfte damals den obersten Kriegsherrn als Gast an seiner Tafel sehen, wobei der Kaiser gescherzt haben soll:Na Hindenburg, das hätte ich mir auch einmal

soll:Na Hindenburg, das hätte ich mtr auch einmal nicht träumen lassen, daß ich in meinem Posener Schloß Fhr Gast sein würde." Der Kaiser wohnte damals,'da haS Kaiserschloß mit Einquartierung beleg» wall, in Posen in seinem Salonwagen. ,

Und auch diesmal wurde Hindenburg, der aus sei­nem Hauptquartier vom Kaiser nach Posen befohlen worden war, von dem Monarchen mit solcher Aus­zeichnung und Liebenswürdigkeit behandelt, daß der er­folgreiche Heerführer auch den jetzigen Posener Aufent­halt in steter und dankbarer Erinnerung behalten wird. Er wurde bei seiner Ankunft durch ein kaiserliches Auto vom Bahnhof abgeholt und nach dem kaiserlichen Re- sidenzschlotz geleitet, hier vom Oberhormarfchall des Kai­sers empfangen und zu Seiner Maiestat geleitet. Hin­denburg wurde dann zur kaiserlichen FrühstückAafel gezogen, bei der sowohl der Kaiser wie die Kaiserin ihrer besonderen Wertschätzung gegenüber Exzellenz v. Hin­denburg in der huldvollsten Weise Ausdruck gaben. _nn besondere Aufmerksamkeit durfte er darin erblicken, daß ihm als «astzimmer dieselben Räume angewiesen wor­den waren, die ihm durch seinen monatelangen Aufent­

^en. Eine

halt in dem Schloß während des letzten Winters lieh und vertraut geworden waren und von denen aus die Be­fehle zu den wichtigsten Vorgängen auf dem östlichen Kriegsschauplätze ausgegarmen waren.

Im ganzen deutschen Volke wird man freudige Ge­nugtuung empfinden, wenn man hört, daß der Kaiser­in seiner ritterlichen Art erneut Veranlassung genom­men hat, Exzellenz v. Hindenburg zu ehren. Er erblickt darin ein Tribut des Dankes, den unser bis auf ein­zelne Teile des unglücklichen Ostpreußens von der Russennot befreit gebliebenes Vaterland dem Ober­befehlshaber im Osten schuldet, dessen Tat niemand besser nach ihrem vollen Werte zu würdigen weiß wie unser Kaiser, der auch in dieser schweren Zeit wieder in so vielen Fällen, und besonders auch Hindenburg gegeu- über, gezeigt hat, wie gerecht und wohlwollend er be­sondere Verdienste um Heer und Vaterland zu belohnen versteht.

Kriegsallerlei.

Keine unangemessenen Höchstpreise für Getreide und Mehl.

In Kreisen, die über die Absichten der Reichsregie- rung genau unterrichtet sein müßten, wird dem Ber­liner Vertreter derFrkft. Ztg." versichert, es bestehe nicht die Absicht, Höchstpreise für Getreide und Mehl in einer Höhe festzusetzen, gegen die sich mit Recht bereits der energische Widerstand der öffentlichen Meinung und der berufenen Korporationen erhoben hat.

Lloyd George Kabinettstürzer?

DenBasler Nachrichten" wird gemeldet: In dem Streite darüber, wer an dem englischen Muuitivsis- mangel schuld sei, entwickelt sich deutlich eine Krise mtb eine schwere Erschütterung des Minister-rums. Lloyd Ge­orge meidet geflissentlich einige Ministerkollegen und bedient sich der Presse zum Angriff auf diese. Auch gegen Kitchener wurden Pfeile verschossen. Die Zeitungen der Daily-Mail-Gruppe sagen, das Daily Expreß (das Blatt von Lloyd George) arbeitet rücksichtslos an dem Sturze des Koalittousministeriums.

Vermischtes.

Vollstreckung eines Todesurteils. Der am 30. April vom Kölner Kriegsgericht zum Tode verurteilte 39 jäh­rige Arbeiter Franz Szimauski ist am Sonnabend er­schossen worden. Er hatte am 22. April auf offener Straße einen Schutzmann erschossen.

Eigenartiger Ersenbahrmufall. Eine amtliche Mel­dung aus Hannover besagt: Zwischen den Stationen Dedenhausen und Meinersen der Hauptbahn Lehrte- Berlin bei der im Bau begriffenen Ueberführung der neuen Nebenbahn Celle-Plochhorst-Peiue über die Haupt­bahn ist Sonnabend vormittag gegen 3 Uhr eine der schweren eisernen Ueberbauten beim Herablassen in die Lager aus noch nicht aufgeklärter Ursache herunter ge­stürzt und auf die Hauptbahn gefallen. Personen wur­den nicht verletzt. Beide Gleise waren gesperrt. Etwa 2 Uhr nachts waren beide Gleise wieder frei.

Tödlicher Absturz zweier Militärflieger. Die schwe­dischen Militärflieger Leutnant Malmquist und Leutnant Graf Hamilton sind Sonntag früh abgestürzt. Beide Flieger wurden getötet.

Kriegshumor. Kriegsspiel.Warum kommst du so spät nach Hause, Junge?"Wir haben dieRussen" be­siegt, und weißt dn, Papa, eh' da immer die vielen Ge­fangenen gezählt sind!" Das Revivrement. Mr. As- quith und Sir Grey hatten wieder eine lange und ge­wichtige Konferenz.Wenn es auch bitter ausschaut um unsere Nachschübe," sprach der erstere am Ende,was tut's! Frankreich macht kolossale Verstärkungen mo­bil!" Sir Grey schnappte nach Luft:Wollen Sie mich hänseln! Frankreich! Woher soll es junge Mannschaften holen aus dem 99er Jahrgang? Woraus soll es neue Regimenter bilden,"Woraus?" eutgegnete Mr. As- quith überlegen,aus den verabschiedeten Generalen!"

Aus den Schlachtfeldern am Snjestr.

Eine schwere, schwüle Luft lagerte schon am frühen Morgen über der wetten Ebene, die westlich des Stryj- Flusses das ganze Gebiet zwischen den Nordabhäugen der Karpathen und dem oberen Dnjestrufer ausfüllt und erst kürzlich nach langwierigen, harten Kämpfen von Feinden gesäubert worden war. Ein heißer Tag war angebrochen, der Tag, an dem es unseren braven Truppen gelingen sollte, fast bis nach Halicz hinunter den Russen ihre gewaltigen Stellungen am Nordostufer des Dnjestr endgültig zu entreißen und damit auch diesen, mit verzweifelter Anstrengung verteidigten Flügel der feindlichen Front ins Wanken zu bringen.

Da die vom Feinde zerstörten Brücken noch nicht wiederhergestellt und die Wege schlecht waren, mußten wir weit nach Süden ausbiegen, um an die Kampf­front zu gelangen. Auf der breiten Kriegsbrücke, einem Meisterstücke österreichischer Pioniere, ging es über den . . . . Reges Leben herrscht in dem breiten, jetzt halb ausgetrockneten Flußbett. Nach tagelangem Marsch oder Eisenbahntransport ein frisches Bad in den kühlen Fluten des reißenden Stromes. Wie die Glieder sich recken und die Muskeln sich straffen! Nur kurz ist die Zeit der Rast. Denn Parole ist: Vorwärts! An den Feind! Aber jede Minute wird ausgenützt tu auf- jauchzender Jugendlust. Juchhei! Noch sind wir frisch und jung. Was kümmert uns der Tod, der drüben hin­ter den blauen Hügeln auf uns lauert. Ein präch­tiger Anblick diese vielen hundert kräftigen Leiber, die sich in dem klaren Bergwasser tummeln, zwischen den brauen Rossen der Kolonnen, die von ihren Fahrern in die Schwemme geritten werden.

Singend, mit Stränßchen und bunten Bändern an Hut und Mütze geht ein langer Trupp österreichischer Jungmannschaft vorüber, dem nächsten Rekruten-Depot zu. Wie ihre Singen blitzen in dem einen Gedanken, der sie alle beseelt: bald werden wir nun auch des Kaisers Rock tragen und eine Büchse und werden gegen den Feind marschieren. Wie ein Symbol des Sieges ju­beln sie vorbei, und der Eindruck wird verdoppelt durch den Kontrast der trübseligen grauen Masse, die sich an der anderen Seite der Straße schwerfällig nach Westen bewegt: ein endloser Zug russischer Gefangener. Ein deutscher Landsturmmann an der Spitze, ein zweiter als Nachhut. Mehr der Bewachung braucht es nicht. Die müden Leute laufen nicht davon. Sie sind froh, daß sie dem Tode entronnen sind. Wozu auch sich opfern, wenn es doch keinen Zweck hat, und wenn man nicht ein­mal weiß, wofür. Ich habe vieler solcher Gefangenen­trupps gesehen und dabeigestanden, wenn sie vor einen der höheren Stäbe geführt wurden. Es war immer die­selbe Geschichte:Ist einer dabei, der deutsch versteht." Jawohl!" Der Jude da vortreten!"Warum haben Sie sich gefangennehmen lassen?"Es hat ja doch keinen Zweck, der Russe wird immer geschlagen!"

Daß diese Leute übrigens nicht immer ganz harm­los sind, davon wußte das Generalkommando des Re- servekorps ein Stücklein zu erzählen, dessen Unterkunft wir uns inzwischen genähert hatten.

Der Stab des Korps lag einmal ziemlich weit ab von der Truppe in einem halbzerschossenen Gehöft, als eines Abends mitten in einem furchtbaren Schneesturm ein Transport von tausend russischen Gefangenen dort anlangte. Mit Rücksicht auf das schlechte Wetter wurde beschlossen, die Leute in der Scheune übernachten zu lassen. Die zerschossene Tür wurde halbwegs wieder gebrauchsfähig gemacht und ein Posten davor gestellt, und alles schien gut zu gehen, obwohl trotz der bcreit- gelegten Revolver au Schlaf unter solchen Umständen wenig zu deuten war.

Während der Nacht aber kamen immer neue Trupps au, so daß schließlich aus den 1000 Mann 2500 wurden, die, in der kleinen Scheune zusammengepfercht, ihrer Lage sich immer mehr bewußt zu werden anfingen.

, Immer drohender wurde der Lärm und das Klo-

Jmmer drohender wurde der Lärm und das Klo­pfen gegen das morsche Schcunentor.

,®te Offiziere des Stabes hatten längst ihre Laaer- statten verlassen und sich in einer Kammer zur Ber-- terdigung eingerichtet. Plötzlich gab das Scheunentor nach. Unter wildem Geschrei stürmten die Gefangenen heraus auf das Haus zu. tu -em die Offiziere mit ihren pcmr Ordonnanzen die ungeheure Ueberinacht erwarteten. Die Lage war im höchsten Grade bedenklich.

Da ein Schutz gleich darauf noch einer. Ein paar Schreie und dumpfes Stößnen. Dann völlige Stille.

Fiulj Minuten später waren sämtliche Russen mit Ausltahme eines Toten und zweier Verwundeter, die ins Haus geschleppt wurden, wieder in der Scheune. Das schneidige Eingreifeu des Wachtpostens hatte die Meuternden wiener zur Vernunft gebracht und sie da­rüber belehrt, daß ein deutscher Stab uicht mit sich spaßen lagt, auch wenn er einmal eine Nacht unter Be­wachung von 2500 russischen Gefangenen verbringen

Hier lag der Stab des Korps einige Kilometer von ver großen Landstraße entfernt in einem alten kleinen Schloß mitten in einem sehr schönen und ausgedehnten, aber verwilderten Park. Das Haus schieu, nach der Ein- rtchtuttg zu urteile«, von einem polnischen Künstler be­wohnt gewesen zu sein, war aber jetzt so verwahrlost, daß verschiedene von den Herreti des Stabes es vor« zogen, die Nachte in ihrem Kraftwagen zu verbringen, um so den Quälgeistern zu entgelten, die in jeuen Ge­bieten alle Lagerstätten zu beleben scheinen, seien sie nun, von Stroh, oder von Üppigster Seide. Nur das Spelsezirmner, tu dem sogar ein Fliigel nicht fehlte, lomtte der Würde für würdig erachtet werden, einen so ausgezeichneten General mit seinem bewährten Stäbe zu beherbergen, und hier verbrachten wir nach der Heim­kehr aus der . . schlacht in froher SiegeSstiurmurig et- neu köstlichen, unvergeßlichen Abend.

Doch der junge Gerleralstabshauptrnann, der uns in die Gefechtsfront geleiten soll, mahnt zum Aufbruch. Um Mitterriacht hat der Angriff begonnen. Unsere Truppen fackeln nicht lange. Wenri Sie vom diesseitigen Ufer aus uod) etwas sehen wollen, müssen wir eilen."

Und in wilder Fahrt, steil bergauf und bergab, durch Bache und sumpfige Schluchteri geht es nun in nördlicher Richtung dem Strome zu, der hier im Osten an beiden Ufern voll ansehnlichen, greift bewaldeten Höhenzügen eingerahmt ist. Kanonendonner wird hörbar eins zwei drei: das sind die Russen. Und dann vier Schuß kurz hintereinander, wenn unsere Batterien ant­worten. Kanter und lauter wird das Dröhnen. Weiße Wölkchen erscheinen vor uns am Himmel: feindliche Schrapnells.

Immer zahlreicher werden die Trupps Gefaugeucr, die uns entgegenkommen, immer häufiger die kleiuereu und größeren Gruppen Leichtverwundeter, die mit dem Notverband versehen, oft noch die wilden Spuren des Nahkampfes an sich tragend, aber in freud aller Stim­mung das nächste Lazarett aufsuchen. Pferdekadaver rechts und litlkS neben dem Wege gewiß von einer Batterie, die dort den Berg hinauf mußte. Ein Doppel­decker saust in den Lüften vorüber. Man erkennt das Kreuz. Er kehrt von einer Erknndungsfahrt zurück und bringt feilte Meldung zum Korpskommando wir find mitten im Kampfgebiet.

Hinter einem Dorf, das, tief im Grunde liegend, einer Kavallerieabteilung Deckung bietet, steigt eine kahle Höhe am die letzte vor dem Flutztale, wo die Schlacht wütet. Hart hinter ihrem Kamm ist unser nächstes Ziel: der Gefechtsstand der .... Zehn Minuten später be­obachtete ich durch das Scherenfernrohr das Gefecht, während ich fünfzig Schritt vor mir die erste feindliche Granate auSetnandcrberftcn sehe.

Richard Schott, Sonderberichterstatter.

Weitere Drahtnachrichten.

Die Lage in Südwales verschlimmert sich.

Lugano, J9. Juli. (T.-U.) Die Lage in Süd- wales hat sich nach in Rom und Mailand vorliegenden Meldungen, wie derB. L.-A." berichtet, verschlimmert.

Die Arbeiter fordern nicht nnr eine Lohnerhöhnug von 20 Prozent, sondern auch die Aufhebung des Mnnitions- gesetzes für Südwales, das die Streikfreiheit aufhebt. Nach demSecolo" nehmen die Arbeiter dnrch ihr Ver­halten eine gewaltige Berantwortnng ans sich, da bei längerer Daner des Streiks eine Anzahl Munitions­fabriken zur Einstellung der Arbeit gezwnngen sein werden.

Ausdehnnng nnd Folgen des Streiks.

Infolge des Streiks der Bergarbeiter in Wales mußten, wie dieKriegsztg." aus Rotterdam berichtet, schon die Oefen der Stahlwerke in Ebbw Vale zum jetl gelöscht werde». An anderen Orten müssen schon Hun­derte von Arbeitern aus diesem Grunde feiern. Aus Rotterdam wird gemeldet: Auch die Kvblcnbergleute tu Nordstaffordfhire find in den Ausstand getreten. Die Vertreter der schottischen Berglente treten Mitttvoch in Glasgow zusammen.

Neutralitätsknndgebungen in Amerika.

w> Berlin, 19. Juli. (WTB.) Dem St. Gatter Tageblatt wird lautVoss. Ztg." unter dem 28. Juni aus Neuyork geschrieben, seit Wvchcit habe die cntentefrenüb­liche Presse die Tatsache totgeschwiegen, daß eine Riesen- knndgebnng zugunsten einer wirklichen Neutralität der Bereinigten Staaten geplant war. Am 24. Juni veralt« starteten gegen 100 000 Personen eine Massendemonstra­tion. In der letzten Nacht kam auch eine Depesche aus Georgia, wonach beide Häuser der Legislatur eine Re­solution angenommen haben, in der Wilson gebeten wirb, zu Repressalien gegen England zn schreite», falls dieses nicht den legitimen Handel freigebe.

Ans französischer Gefangenschaft heimgekehrt.

r-s- Potsdam, 19. Juli. (WTB.) Der gestern ein­getroffene Sanitätszug brächte 175 Sanitäter, fünf Aerzte und sieben Verwundete, die von dem zahlreichen Publikum herzlich begrüßt wurden. In der Schweift waren ihnen wieder eine große Menge von Liebesgaben gespendet worden. Die Mannschaften klagten wieder besonders über die schlechte Kost und Behandlung in der Gefangenschaft sowie über Beschimpfungen durch die Bevölkerung. Viele von ihnen waren schon seit August in Korsika untergebracht gewesen, wo sie in größter Sitze die schwersten Arbeitell verrichten mußten.