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Sie Wahrheit marschiert.

In England dringt jetzt unwiderstehlich die Wahr­heit durch, daß Deutschland nicht nur mUrtarffch em Geg­ner ist, der mit den bisherigen Mitteln nicht zu über- winden ist, sondern daß auch dre wrrtichaftlrche Ueberwindung des deutschen Volkes ein Unding ist. LordHaldane der frühere englische Kriegsminister, hat zweifellos richtig prophezeit, wenn er ,agte, daß Eng­land nach dem Kriege ein ganz anderes, weil viel ärme­res Land sein werde. Im Oberhäute hat ber einer Vor- laae, die eine Einschränkung der Rindviehschlachtung vorsieht, um die Zuchtviehbestünde int Lande zu schonen, der Ackerbauminister Lord Selborne geäußert, daß die Fleischversorgung Englands vom Auslande besonders durch die Unterseeboolgefahr stark beeinträchtigt werden könne: die deutschen Unterseeboote nähmen ihren ständi­gen Tribut von der englischen Handelsmarine, und es sei noch mit einer Vergrößerung der Unterseeboolgefahr zu rechnen, weil wahrscheinlich die gesamten deutschen Schiffswerften zum «mt immer neuer Unterseeboote herangezogen würden; es werde keineswegs die Schuld der deutschen Regierung sein, wenn es den Unter,ee- bovten nicht gelänge, der englischen Handelsflotte den Todesstoß zu versetzen, besonders dem Teil der Flotte, der das Land mit Nahrung versehe. Damit dürfte die er­heuchelte englische Auffassung von demUnterseeboot- bluff" abgetan fein. Hatte der früher so laute und jetzt recht still gewordene Lord Churchill höhnnch-verachtlicht Bemerkungen über die deutschen U-Torpedos gemacht, so hat Lord Selborne, der früher stets Admiralslord ge­wesen ist, erkannt, daß diese Gefahr für England doch größer ist, als Lord Churchill sich und anderen glaubte einreden zu können.

Auch aus anderen Gebieten der Volksernahrung lassen einwandfreie Zeugnisse erkennen, wie sehr sich England durch die Anzettelung des Kriegs wirtschaftlich selbst ins eigene Fleisch geschnitten hat. Wir teilten die­ser Tage mit, daß England, das Land des Freihandels, fast das Doppelte des Betrages, der in Deutschland als Zoll auf dem Weizen liegt, an Nordamerika bezahlen muß, um dort Weizen zu erhalten! Wohlgemerkt in der heutigen Zeit seiner großen wirtschaftlichen Not. Wenn sich England einen solchen Aufschlag gefallen lassen muß, so ist auch das eine Folge der Unsicherheit in der Ver­schiffung, die die Angst vor unseren Unterseebooten ge­bracht hat.

Eduard VII. hat seine Einkreisungspolitik gegen Deutschland inauguriert, um uns politisch zu isolieren und mit Wafsenhilfe anderer Staaten militärisch nieder­zuringen; dieser Politik hat sich würdig der Aushunge- rungsplan augereiht. Beide Pläne sind durch die Orga­nisation unserer Wehrmacht und unserer Volkswirtschaft zuschanden gemacht. Statt seinerseits Deutschland ein- zuschnüren, bekommt England jetzt selbst die Wirkung der wirtschaftlichen Abschließung mehr und mehr zu spüren. Der Pfeil springt auf den Schützen zurück.

wie Rußland unsere Siege verkündet.

Es ist recht unterhaltend, wie der Korrespondenz Heer und Politik" geschrieben wird, an der Hand rus­sischer Generalstabsberichte zu prüfen, wie der russische Generalissimus versucht, das siegreiche Vorrücken un­seres Heeres zu melden und doch daraus russische Siege zu mache». Man muß zugeben, daß die Berichte mit einer gewissen Kunstfertigkeit hergestellt werden. Einen Weltruf hat bereits jetzt das Wort des Großfürsten Ni­kolai Nikolajewitsch erlangt, das er nach der Eroberung von Lemberg zur Kennzeichnung der Lage in feinern Berichte prägte und das bekanntlich lautete:In Rich­tung Lemberg Gewehrfcuer."Welch eine Wahrheit," rief dabei ein neutrales Blatt aus. Aber in dieser Mel­dung hat er wenigstens vermieden, einen russischen Er­folg daraus zu machen, wenn auch in demselben Bericht russische Erfolge an nebensächlichen Stellen als Haupt­aktion gemeldet werden, während unsere Siege von em- scheidender Bedeutung nur eine nebensächliche Behand­lung erfuhren. Sonst wird es aber auch noch anders gemacht. So meldete der jüngste Bericht, daß bei Kras nik in der Richtung auf Lublin zu gekämpft wird. Vor her ist mit keinem Wort mitgeteilt worden, daß unfe Angriffe nach Norden schon so weit vorgeschoben fei ^urdi die Mitteilung, daß die Deutschen bei Krasni

Angriffe unternommen hätten, erfährt die russische Oef- fentlichkeit, daß die Deutschen tatsächlich in dieser Ge­gend stehen. Aber was wird aus dem Vorrücken unserer Truppen?Alle Angriffe, welche die Deutschen in die­ser Richtung unternahmen, wurden unter großen Ver­lusten für sie zurückgeworfen, wir machten dabei 800 Gefangene," so lautet der diesbezügliche Bericht des Ge­neralissimus. Alle übrigen sind genau nach demselben Muster abgefaßt. Immer wird gang unauffällig erklärt, daß der deutsche Angriff da und da vor sich gehe, und stets wird dabei verkündet, daß er unter schweren Ver­lusten für den Feind zurückgeworfen wurde, wobei die Zahl der Gefangenen wechselt. So ist bis jetzt noch aus jedem unserer großen Siege nach russischer Darstellung ein Angriff geworden, der unter großen Verlusten für den Feind zurückgeschlagen wurde. Es ist auf diese Weise ganz erklärlich, daß in Rußland die große Oeffentlichkett mit der Lage nicht bekannt ist, wenn auch hin und wie­der ein Blatt die bescheidene Anfrage an die Heeres­leitung richtet, wie denn die Deutschen da und da hin- gefommen seien. Es ist überflüssig zu erklären, daß solche Fragen feine Antwort erhalten. Man sieht aus den angeführten Beispielen, daß man die Nachricht sa­gen und doch die Geschichte fälschen kann, denn es ist immer möglich, daß die Russen auf dem einen Punkte der langen Front einen Vorteil erzielt und einige Ge­fangene gemacht haben. Nur haben sie das Wesentliche und die Ereignisse entschieden Beeinflussende in einen Nebensatz und das Unwesentliche Belanglose in'einen Hauptsatz gebracht. Die Geschichtsdarstellung läßt sich durch solche Mittel wohl vorübergehend fälschen, die Tat­sachen können aber nicht aus der Welt geschafft werden, und das ist das Erfreuliche. (Z.)

Deutsche Heldentaten.

Leutnant v. Hymmen und sein Zug bei B . . .

Es war der 8. September. Die erste reitende Bat- i terie der Garde-Kavallerie-Division hatte sich frühmor­gens auf den Ort B. in Marsch gesetzt. Ein leichtes Herbstmahnen ging durch die Luft, der Himmel war blutrot gefärbt, und das alte Reiterlied:Morgenrot, Morgenrot, leuchtest mir 31tm frühen Tod" wurde hier und da von unseren Kanonieren gesungen oder ge­pfiffen.

Die Division hatte die Aufgabe, bei einem Rückzugs gefecht den rechten Flügel zu decken.

Unsere Batterie ging westlich von B. auf einen Höhenwege in Stellung, von dem wir die Straßen auf 1 der jenseitigen Anhöhe des Baches gut unter Feuer nehmen sonnten. Die einzelnen Geschütze waren durch Brombeeren und kleine Sträucher ein wenig verdeckt. Plötzlich erscheinen jenseits des Baches zwischen den Waldungen über der Höhe dicke Marschkolonnen. War das nun Freund oder Feind! Die Kolonnen halten und sammeln sich hinter dem Waldstreifen. Jetzt er­kannten wir, daß es Feind war; die vor uns liegenden Jäger und die uns bedeckende Schwadron bestätigen es uns, und wir eröffneten das Feuer.

Leutnant v. Hymmen leitete seinen Zug selbständig, und als wir in die fortjagende Kavallerie und die zn- rües fahrenden Kolonne» hineinfunkten, leuchtete» alle unsere Gesichter, und die Kommandos sonnten uns gar nicht schnell genug kommen. Ziele über Ziele hatten wir, und bald schoß jedes Geschütz einzeln mit erstaun­lichen Erfolge». Da krepierte» auch schon die ersten feindlichen Geschosse vor uns, es waren Schrapnells, und wir lachten und freuten uns, denn hinter unseren Schil­den waren wir gegen dieses Feuer wohl geborgeu. Aber bald hatten sich die feindlichen Batterien auf uns, die wir, nm besser wirken zu können, frei dastanden, so gut eingeschossen, daß die Schrapnellknaeln wie Hagelschauer gegen unsere Schilde prasselten. Mari brauchte sich nur ein wenig aus ihrem Schutze zu entfernen, und man hatte auch schon so eine Bleikugel weg: so war gleich zu Beginn am zweiten Geschütz der Richtkanonier ver­wundet worden; ein anderer Mann trat sofort an feine Stelle, bis auch er außer Gefecht gesetzt war. Da jagte plötzlich ein Volltreffer durch den Mmiitionswagen die­ses Geschützes und zerriß die hinter dem Wagen knieende Bedienung. Leutnant v. Hymmen befahl den Leuten, den Rest der Munition aus dem zerschossenen Wagen zu packen. Ein ieder griff zu. die Ruhe war erstaunlich.

und im Augenblick war die Munition in Sicherheit ge­bracht.

Inzwischen war unser Leutnant an sein anderes Geschütz gelaufen; die Kolonnen waren verschwunden, und nun begann er hinter eine Höhe zu streuen, wo die feindlichen Batterien stehen mußten. Vor der Batterie begann ein wahnsinniges Infanterie- und Maschinen- gewehrfener, die Kugeln sausten nur so über unsere Köpfe, aber das ruhige klare Kommando unseres Leut­nants:2450 Schuß" klang durch den Lärm. Bald be­teiligte sich auch wieder das zweite Geschütz mit seinen übriggebliebenen drei Mann am Feuer, unbekümmert darüber, daß ein zweiter Volltreffer den Wagen völlig zertrümmerte. Der Feind konzentrierte sein Feuer immer mehr auf uns, denn der andere Zug unserer Batterie schwieg schon einige Zeit, weil er völlig durch den Staub der einschlagenden Geschosse verdeckt wurde; jetzt sahen wir, wie die Geschütze des anderen Zuges hinter eine Hecke gezogen wurden, im Schutze der Kirch- Hossmauer wurde ausgeprotzt. und Geschütze und Reiter entfernten sich, gedeckt durch die vielen Strohmieten nach rücfwärtS. Ich konnte dieses Manöver genau über­schauen, es klappte in Wahrheit wie zu einer Besichti­gung, und daraus erklärten sich anch die erstaunlich ge­ringen Verluste des anderen Zuges.

Da sprengte der Trompeter heran mit der Mel­dung:Aufprotzen, Eile geboten, B. schon besetzt von feindlicher"..... Das Wort blieb ihm im Halse stecken, denn er brach getroffen mit feinem Pferde zusammen. Leutnant v. Hymmen gab den Befehl:Geschütze mög= lichst durch die Sträucher gedeckt in den rechtsliegenden Waldstreifen zurückziehen." Ein jeder griff zu, die Leichtverwundeten so gut sie konnten, und nun ging es zurück mit den beiden Geschützen durch den Hagel von Schrapnellkugeln. Die Geschütze mußten wir heraus­kriegen, das war einem jeden klar. Manch einer wurde hierbei verwundet, und wenn er nicht mehr mit- helfen konnte, versuchte er, sich in den Wald zu schleppen, oder er mußte eben liegen bleiben. Bewundernswert war es aber, wie die Uebrigbleibenden völlig Herr ihrer Nerven blieben und ruhig ihre Pflicht weiter taten.

(Einige Gruppen Jäger kamen jetzt über die Höhen zurück, sie sprachen von ihren großen Verlusten und der Feind wäre bereits hinter dem Waldstreifen; einige halfen unserem spärlichen Rest, die Geschütze in den Wald zu schleppen. Hier waren die Fahrer dabei be­schäftigt, ihre Bespannung in Ordnung zu bringen, denn sie hatten beim Heranziehen einige Pferde verloren. Der heile Wagen wurde geholt, die Jnfanteriekugeln pfiffen fchon aus beträchtlicher Nähe die Höhe herauf, man kroch und holte noch schnell die Verwundeten. Die Toten blieben liegen. Höchste Eile war geboten, denn wir wußten, daß im nächsten Augenblick der Feind über der Höhe erscheinen konnte. Man tat, was in seinen Kräf­ten stand, beherrscht durch die Kaltblütigkeit und die Bestimmtheit in den kurzen Befehlen unseres Leutnants v. Hymmen. Schnell waren die Verwundeten auf die Protzen gesetzt, im Schritt wurde die rückwärtige Be­wegung angetreten; und während wir auf der Höhe be­reits die feindlichen Kommandos vernahmen, schlängelte sich unser Zug durch den Wald.

Man hatte bald die Nachhut der Jäger eingeholt und nach einer Weile erreichte Leutnant v. Hymmen leuchten­den Auges die Batterie, die kaum erwartet hatte, daß es unserem ersten Zuge gelingen würde, die beiden Geschütze und den noch fahrbaren Wagen aus der Stel­lung zu bringen. Während Leutnant v. .summen sei-, uem Batteriechef Meldung erstattete, schüttelte man die Sünde mit den Kameraden, die meinten:Na, Glück labt ihr aber auch gehabt, seht man nur die zerschossenen Köder."

Wem hatte man nur den so überaus erfolgreichen yeiterüDcrfan auf die ungeheure feindliche Uebermacht, hr Aufhalten bis zum festgesetzten Zeitpunkt und das aeransbriugcu der Geschütze zu oerdanfen? Sowohl em Leutnant v. Hymmen, der über dem Ganzen stand, vie auch dem glänzenden Zusammenarbeiten der ein- Kluen Kanoniere, von denen jeder sich auf seinem Posten vie ein Held benahm, den Kopf klar hatte und seine fünf sinne zusammenhielt.

Leider ist unserem lieben Leutnant v. Hymmen nicht mehr lange vergönnt gewesen, mit seinem Znge für die Ehre und den Sieg Deutschlands zu kümpsen, bereits am 25. September 1914 starb er neben mir den Heldentod bei M.. als er das Feuer unserer Batterie leitete.

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