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In London erscheint eine Zeitschrift der Manz Mo­dernen", die sich9k w Age" (Neue Zeit) nermt und in den Kreisen der Gebildeten eine ziemliche Verbreitung hat. In dieser Zeitschrift ist nun, wie dieKölnische Volkszettung" mitteilt, in Briefform ein Artikel erschie­nen, der sich betitelt:Fragen an das Pressebnreau", und in wirklich drastischer Weise das infame Lügensystem der Engländer beleuchtet. Der Artikel lautet:

Geehrter Herr! Darf ein zerstreuter Bürger an das Presseöureau appellieren durch die Gastfreundschaft Ihrer Spalten?

Wir stehen seit über sechs Monaten mit Deutsch­land im Krieg. Während dieser Zeit habet wir zwei Siege pro Tag, einen in den Morgenzeitungen und einen in den Abendzeitungen. Die Deutscher: wurden während dieser Zeit täglich zurückgeworfen. Nach meiner Berechnung müßten nun nur noch zwei Deutsche übrig sein, diese beiden müßten über den Weltvand hinaus zurückgeirieben sein, sie müßten mit ihren Augenlidern in dem Nichts hängen.

Will uns der Presse-Zensor daher erklären, warum Deutschland im Besitz ist von beinahe ganz Belgien und eines Teiles von Frankreich und warum es die Alli­ierten nach beiden Fronten hin zurückhält?

Ich wurde durch die Presse zu verschiedenen Malen durch fettgedruckte Kopflinien unterrichtet, daß die deutsche Armee durch einen Ring von Eisen eingeschlossen ist. Doch suchten wir vergebens nach der Fortsetzung. Was tut ein Eiseurtna, nachdem es ihm glückte, das Schwein zu umzingeln? Will fönen die Armee? Sitzt er nieder, um zu rauchen, und gestattet der Herde der Armee natürlich hinwegzumarschieren? Wenn nicht, was um Himmels Willen tut er?

Wie kommt es, daß, obwohl Deutschland und Oesterreich verhungerten, Aufruhr hatten, sich stritten und monatelang in äußerst prekärer Lage waren, heute noch bleiben, was sie vorher waren? Haben diese beiden Länder gelernt, wie man stark und dick bleibt bei einer sehr zufriedenstellenden Diät von Luft? Wenn ja, möchten sie uns nicht das Geheimnis verraten? Dies müßt uns sehr nützlich sein, wenn wir noch einige Siege errungen haben.

Wie kamen die vielen Tausende von britischen Ge­fangenen und die 400 englischen Automobilomnibusse nach Deutschland, da wir doch keine Niederlage erlitten haben? Sind sie aus freiem Willen dahingegangen oder nahmen die Gefangenen die Automobilomnibusse mit oder die Busse die Gefangenen?

Wie kommt es, daß die österreichische Armee verschie­dene Male vernichtet und stark verhauen wurde durch das tapfere kleine Serbien, daß diese selbe österreichische Armee stärker als je kämpst und Serbien um Hilfe ruft, mit der Begründung, daß es verhungert, und das Land bedeckt ist mit Männern, Frauen und Kindern, hingeschlachtet von triumphierenden österreichischen Hunnen?

Weshalb sind die Totenkopfhusaren immer noch an der Front, nachdem sie bei Beginn des Krieges von den Belgiern vernichtet worden waren, vollständig ausge­tilgt durch die Verbündeten im Oktober und total zer­schmettert wurden von den Russen im November? Solche Hartnäckigkeit riecht nach Unanständigkeit, ebenso die Weigerung des Kronprinzen, tot zu bleiben. Sicherlich nur ein Hunne kann ein Kommando weiterführen, nach­dem er einmal tödlich verwundet und zweimal aetötet und begraben wurde.

Wie brächte es der Kaiser fertig, sich zu erholen von nervöser Erschöpfung, Fieber, Erkältung, doppelseitiger Lungenentzündung und einer schweren Operation nicht zu erwähnen die dauernde Irrsinnigkeit das alles in vierzehn Tagen, und zu der Front zurückzu- kehren in besserer Gesundheit als je zuvor?

Wann wurde die Kathedrale von Reims wieder aufgebaut? Ich hörte, daß die Deutschen sie vor einigen Tagen zu Ruinen schössen. Doch sie zerstörten sie seit einigen Monaten vollständig."

Das russische kriegszlei.

Nicht nur das offizielle Rußland hofft auf den Fall der Dardanellen, auch den Wortführern der Oktobristen und Kadetten wie der Rechten in der Duma erscheint die Herrschaft über Konstantinopel als das Kriegsziel, das trotz aller Niederlagen in Polen und Galizien wei­ter verfolgt werden soll. Noch kürzlich hat der Kadetten- führer Miljukow erklärt, Konstantinopel und die Meer- engen nebst dem Land bis zur EnosMiöialinie und den Inseln vor den Dardanellen müßten im unbe­schränkten Besitz Rußlands sein.

Während also Warschau bedroht ist, in Riga Vor­bereitungen zur Räumung getroffen sind und die Ver­legung des Sitzes der Regierung von Petersburg nach irgend einer Stadt im Innern ernsthaft erwogen wird, tritt der alte Eroberungstrieb selbst in den freiheitlichen politischen Kreisen noch grell hervor. Der Generalissi­mus Nicolai Nicolajewitsch hat seine Freude daran, denn solche Ideen verlängern den Krieg, und ebenso be­friedigt darf England beim Anblick einer Geistesrichtung sein, die es ihm zu ermöglichen scheint, seinen Krieg bis zum letzten russischen Soldaten fortzusetzen. Wir sagen scheint", weil russische Politiker und russisches Volk zwei verschiedene Dinge sind. Für die dumpfen Massen der Bauern und Arbeiter liegen die Blutopfer, die La­sten und das wachsende Elend eines unglücklich geführ­ten Kriegs zu nahe und das Kriegsziel Konstantinovel in weit entrückter Ferne. Die Meutereien in der Flotte, die Unruhen in Moskau und Kiew waren vielleicht nur ein Vorspiel.

Gewiß wird aber die von russischen Politikern in Uebereinstimmung mit dem Minister Sasonow immer wieder ausgestellte Forderung, daß die Meerengen in den alleinigen Besitz Rußlands übergehen müßten, also nicht einmal neutralisiert werden dürfen, die Wirkung haben, allen Russenfreunden auf dem Balkan, nament­lich in Rumänien und Bulgarien, die Augen zu öffnen Miljukow hat zwar zu ihrer Beruhigung erklärt, daß Rußland sich verpflichten werde, die Meerengen in Kriegsfall nicht durch Minen zu sperren. Daß eim solche Verpflichtung gehalten werden würde, glaube: die Väter des Gedankens wahrscheinlich selber nicht Vollends der russische Anspruch auf die Enos-Midia linie wird in Sofia mit Ingrimm vernommen werden Zwischen Bulgarien und der Türkei schweben zur Zei Verhandlungen, die die Abtretung türkischen Gebiete zum Gegenstände haben. Bulgarien hat bisher alle Ber suche, es auf die Seite des Dreiverbandes zu ziehen, ab gelehnt. In Petersburg hätte man gar nicht besser di Bulgaren in ihrer Haltung bestärken können, als Surf den lauten Ausspruch nicht nur auf die Meerengen son dern auch auf den ganzen europäischen Besitz der Türkei Bemerkenswert ist auch der Gegensatz, der sich dari: zeigt, daß in der englischen Presse immer mehr Beden ren gegen das bisher verfehlte Dardanellenunternehmei ntftauwen, während in Vetersbura mit verstärktem Ei

fer Konstantinopel als alle russischen Niederlagen auf- wiegende Beute dem Volke gezeigt wird.

Daseinheitliche" Autziand.

In seiner letzten Ansprache wandte sich der Zar an seineinheitliches" Rußland, und meinte, daß die Russen nur stark sein werden, wenn sie weiter soeinheitlich" bleiben, wie bisher. Es dürfte, wie derIns." ge­schrieben wird, interessant sein, festzustellen, aus wie vielen Teilen Ritßland besteht, denn häufig genug ist man auch in gebildeteren Kreisen darüber nicht unter­richtet, aus wie vielen Völkern und Stämmen sich die Bewohner des großen Rußlands zusammensetzen.

Rußland ist ein Nationalitätenstaat, und der Ur­sprung der Leute, die wir als Russen kennen, und die wir Russen nennen, ist verschiedener Art. Das euro­päische Rußland, wobei der Kaukasus beigerechnet wird, weist tlicht weniger, als 30 verschiedene Hauptstämme auf. Die Völkerstatistik ist in Rußland immer recht stiesmtttterlich behandelt worden und man kann aus der Feststellung der Gelehrten nur ein Bild bekommen, das der Wirklichkeit ziemlich nahe kommt. Die einzelnen Zahlen werden am besten darüber unterrichten, wie viele Stämme und Völker daseinheitliche Rußland zu seinen Bewohnern zählt, und man wird erstaunt sein, wie zahlreich selbst die einzelnen Rassen vertreten sind. Wir zählen an Grotzrnssen 55 667169 Seelen. An soge- nannten Kleinrussen, den Ukrainern haben wir 22 380 551. An nächster Stelle kommen die Polen, die 7 931407 Bewohner öarstellen, also zahlreich genug sind, um einem Lande schon gehörig zu schaffen zu machen, namentlich, da unter den Polen die Hauptvertreter der Intelligenz zu finden sind. Weißrussen sind 5 885 547 zu zählen, während die Zahl der Juden 5 063156 be- träßt. Sie sind namentlich in Rußland ein Volk ganz für sich, und jeder, der die moderne Geschichte verfolgt, weiß, in welcher Unterdrückung die Juden in Rußland leben, wie sehr sie angefeindet und verfehmt sind, und daß sogar auch jetzt, im Kriege, mittelalterliche Qualen 'rsonnen werden, um die Einwohner Rußlands, die zu den Juden gehören, zu peinigen.

Es leben ferner in Rußland 2 500 000 Finnen, und 2 000 000 Deutsche, die jetzt wieder die Erfahrung ge­macht haben, daß die Einigkeit von den Russen selbst I gewaltsam zerstört wird. Viele von denen, die deutscher Abstammung sind, leben bereits seit Jahrzehnten, ja so­gar seit Jahrhunderten in Rußland. Der Krieg aber ließ das alles vergessen, und die Plünderer, die die Viertel durchsuchten, in denen sie vorzugsweise deutsche Namen fanden, mordeten und plünderten, ohne daß ie= nand diejenigen geschützt hätte, die deutscher Abkunft . Andere Völkerstämme, die das große Rußland finden helfen, sind die Tartaren, von denen wir 1600 000 ählen, die Letten, mit 1550 000 Seelen, die Litauer, auf sie 1500 000 kommen, die Kartwelier 1352 535, die Baschkiren, die nahezu eine halbe Million Menschen in Rußland haben, die Kaukasier, mit mehr als einer Mil- ion, die Esten, auf die man etwa 1000 000 Seelen rechnen, sie Mordwinen, die gleichfalls in derselben Zahl vor­handen sind, die Tschuwaschen, deren Anzahl die Stummer 143 755 erreicht, die Schmutzen, die Wohjaken, die rscheremissen, die Kalmücken. Ferner leben in Rußland sine große Saljl von Armeniern, nämlich 1 173 062, es gehören zu den Russen weiter 1 221 669 Rumänier, es eben hier 305 000 Schweden und 186 933 Driechen. ferner ind auch zahlreiche Bulgaren in Rußland, nämlich 172 659. außerdem 50 385 Tschechen, und 44 385 Niaeuner.

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