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Bericht des türkischen Hauptquartiers.
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Konstautinopel, 11. Juli. (WTB.) An der Dar- -anellenfront fand am 10. Juli bei Art Burnu und Sed- -nl Bahr keinerlei Veränderung statt aittzer zeitweiligem Artilleriefeuer. Am Nachmittag erschien ein feindliches Panzerschiff vom Typ des „Nelson" vor Kaba Tepe unter dem Schutz von vier Torpedobooten und schleuderte ohne Erfolg mehr als 200 Granaten gegen unsere Stellungen. Wir hatten nur einen Toten und zwei Verwundete. Mehrere Schüsse unserer Batterien erreichten das Schiff und zwangen es, sich znrttckzuziehen. Infolge des wirksamen Reiters unserer anatolische« Batterien verlor die Tätigkeit des Feindes bei Ari Burnu ihre bisherige Lebhaftigkeit. Diese Batterien feuerten gestern besonders gegen eine Haubitze westlich von Hissarlik wirksame Schüsse ab, wobei eine Hanbitze einen Volltreffer erhielt. Feindliche Flieger überflogen die anatolische Seite der Meerenge, wurden aber durch das Feuer unserer Abwehrbatterien vertrieben. Auf den übrigen Fronten keinerlei Veränderung.
6000 Engländer beim ersten Landungsversuch vor den L Dardanellen gefallen.
Der nach den Dardanellen entsandte Spczialberichi- erstatter des „Journal" schildert seinem Blatte, wie die erste Landung des Expeditionskorps am 25. April erfolgte. Um dem Gros der Armee die Landng zu ermöglichen, hatten sich 6000 Engländer freiwillig ange- Loten, als erste an Land zu gehen und die weitere Landung zu decken. Sie wurden in den frühen Morgenstunden des 25. April an Bord des Dampfers „River Clyde" gebracht, der mit Volldampf direkt auf das Land zulief und am Strande auffuhr. Die Engländer stürzten sofort aus dem Dampfer hervor und wurden von einem höllischen Feuer der Türken empfangen, welche ausgezeichnet verschanzt waren. Die Engländer hielten stand, bis unter dem Schutze des gestrandeten „River Clyde" Verstärkungen herankamen. Der Kampf um den Besitz der ersten Stellung dauerte zwei Tage. Von den 6000 Engländern sei kein einziger am Leben geblieben. Auch jetzt, so erzählt der Berichterstatter, falle bei jeder Landung ein großer Teil der Mannschaft, da die Landungsstelle unter türkischem Feuer liege.
Eine Mahnung an Rumänien.
In einem „Rumäniens Schicksalsstunde" über- schriebenen Artikel, den die „Frankfurter Zeitung" an hervorragender Stelle veröffentlicht, heißt es u. a.:
„Rumäniens Auffassung seiner Neutralitätspflich- ten ist seit Kriegsbeginn nicht immer die gleiche gewesen. Man hat den Eirrdruck, daß sie nicht stets von völkerrechtlichen Grundsätzen oder von Interessen des Landes eingegeben war. Neuerdings gestattet die Regierung die Ausfuhr von Getreide und Petroleum, die zuvor verboten war, beharrt jedoch auf dem Verbot der Waffen- und Munitionsdurchfuhr. Rumänien unterliegt nicht mehr einem unmittelbaren völkerrechtswidrigen Druck durch den russischen Nachbar, denn Rußlands Armeen sind geschlagen, seine Kerntruppen deprimiert. In diesem Kriege gibt es keine mosko- witische Gefahr mehr für Rumänien. Besitzt aber Rumänien volle Handelsfreiheit, dann kann nur sein eigenes Interesse für die Aufrechterhaltung des Durchfuhrverbots bestimmend sein. Es wünscht also die Türkei zu schwächen und die Angriffe gegen die Meerenge zu
Der Artikel beschäftigt sich dann mit der Bedeutung der Dardanellen und es wird darauf hingewiesen, daß der Besitz Konstantinopels und der Meerenge Rußland von seinen Verbündeten fest zugesichert worden sei. Dadurch, daß Rußland unumschränkter Beherrscher des Schwarzen Meeres würde, müßten die kleinen Uferstaaten zu Satrapien des Moskowitertums herav- sinken. Gegen diese Gefahr ist Rumänien in der Vergangenheit durch das Vertragsverhältnis zwischen Deutschland und Oesterreich geschützt gewesen. Die Zentralmächte hätten ihre Verpflichtungen aus dem Vertrage mit Rumänien keineswegs vernachlässigt, aber Rumänien hat den Casus foederis nicht nur verneint, sondern es schädigt den dritten Bundesgenossen der Zentralmächte, nämlich die Türkei. Deutschland und Oesterreich-Ungarn haben dadurch die Freiheit der Entschließung erhalten, ob sie sich an die Verabredungen mit Rumänien noch für gebunden erachten wollen, oder nicht. Vielleicht könnten bei den Friedensverhandlungen die Interessen, die die Zentralmächte an der Selbständigkeit Rumäniens haben, hinter wichtigen, eigenen Interessen der Zentralmächte zurückstehen müssen.
Wir fassen unsere Meinung dahin zusammen, durch seinen Vertrag mit den Seutralmäcßteu war Rumänien nicht nur berechtigt, sondern verpflichtet, eine von der gewählten durchaus abweichende Haltung einzuneh- men. Abgesehen aber von dem Vertrage war und ist es unseren Feinden gegenüber, nach deren eigener Auslegung des Völkerrechts nicht gebunden, die Durchfuhr von Kriegsmaterial zu verhindern.
Dreikönigsznsammenknnft in Athen?
w> Berlin, 12. Juli. (T.-U.) Nach Meldungen aus Sofia werde, wie das „Bl. Tg." hört, im Laufe des Monats in Athen eine Zusammenkunft der Könige von Rumänien und Bulgarien mit dem König Konstantin stattfinöen. Die Zusammenkunft sollte zunächst in Bukarest vor sich gehen, sei aber wegen der Krankheit des Königs der Hellenen verschoben und nach Athen verlegt worden. Die Herrscher werden von ihren Ministern des Auswärtigen begleitet sein.
Kleine Kriegsnachrichten.
und
Verschiedene Berliner Morgenblätter meinen über die Mission unserer Unterseeboote, England wisse gut, weshalb es den amerikanischen Präsidenten als Vorspann dafür benutzen möchte, den Unterseebootskrieg zu beseitigen, um so wieder Luft zu bekommen: aber das Festhalten an unserm Programm stehe außer Frage.
Nach dem „B. T." rechnen „Newyork Sun" ,,Newyork Herald" nicht mit einer Zurückweisung der deutschen Vorschläge in der Lusitania-Angelegenheit durch Wilson. Gegenvorschläge würden folgen und für lange Zeit würde es bet der^aktik der deutschen Unter- eebootsführer bleiben. c ,, Ä . , ,
Nach Berliner Blättern wurden die Hanpturhever des Attentats im städtischen Kasino in Sofia zum Tode durch den Strang und die anderen zu Kerkerstrafen von Rer bis zwanzig Jahren verurteilt.
Ueber den Zusammenbruch der italienischen Angriffe heißt es in der „Deutschen Tageszeitung": Das Wüten zahlreicher schwerer Geschütze bei Tag und Nacht und die fortgesetzt zu überstehenden Jnfanterieangriffe sind in diesem Kriege Beispiellos.
Sriearallerlei.
Der Mißerfolg der italienischen Anleihe.
** Lugano, 12. Juli. (T. U.) Bezüglich der An- W Letzt Ar „KecoLo" fg Mit, au Märrn, daß, UM
Geld habe und nichts zahle, nicht bester sei als einer, der militärische Geheimnisse dem Feinde verrate.
Englische Niederlagen in Arabien.
Wie aus einem offiziellen englischen Berichte aus Aden hervorgeht, haben die in Arabien stationierten englischen Truppen am 4. d. M. eine schwere Niederlage erlitten. Ein türkisches Korps, bestehend aus mehreren tausend Mann begleitet von freiwilligen Arabern, griff bet dem Orte Jareds das dort befindliche englische Kamelreiterkorps an, dem 50 Mann Infanterie und Artillerie beigegeben waren. Trotzdem die Engländer aus Aden Verstärkungen erhielten, konnten sie sich gegen Tagesanbruch infolge einer Flankenbewegung der Türken nicht mehr halten. Sie zogen sich aus dem brennenden Jareds auf eine zweite Linie bei Diruasr zurück, konnten sich aber auch hier infolge großen Wassermangels und der fortgesetzten hartnäckigen Angriffe der Türken nicht halten. Die gesamte englische Streitmacht mußte sich auf Aden zurückziehen, das Hinterland befindet sich vollständig in türkischem Besitz. Der englische Bericht fügt noch hinzu, daß die britischen Truppen außer unter der Hitze und dem Wassermangel noch sehr viel unter den Angriffen der desertierten arabischen Geschoßträger zu leiden hatten.
Die russischen Plünderungen in Lemberg.
Das Lemberger Etapvenkommando der österreichisch-ungarischen Truppen hat nach dem „Berl. Tagebl." eine Untersuchung eingeleitet, in wie vielen Füllen russische Offiziere während der Dauer der russischen Herrschaft in Lemberg geraubt und geplündert haben. Es wurde festgestellt, daß russische Offiziere in 507 Fällen an Raubzügen und Diebstählen teilnahmen. Am häufigsten waren die Fälle, daß die in leere Wohnungen einquartierten Offiziere die Schränke geleert und beim Umzug die Möbelstücke auf die Trainfuhrwerke verladen und mittels Eisenbahn nach Rußland transportieren ließen. Auch die Plünderungen von Juwelen- läöen wurden von Offizieren und Polizeiagenten organisiert und geleitet. Lemberger Schneiderinnen sagten aus, daß bei ihnen russische Offiziere die bestellten Kleider geflüchteter Frauen für ihre Gattinnen und Freundinnen umarbeiten ließen. Mitte Juni führten 70 Lastwagen vor den Augen der Bevölkerung das geraubte Gut, Klaviere, Perserteppiche, Gemälde, Möbelstücke, Silberzeug und Eauipagen, auf den Güterbahnüof. Am 17. Juni tarn die Reihe an die Privatbanken und Wechselgeschäfte, aus denen alle Werte, Kontokorrent- und Spareinlagen von einer Offizierskommissivu „beschlagnahmt" und fortgeschafft wurden.
Reilertalen in Galizien.
Wir hatten das Glück, von Anfang Juni an der Armee Mackensen zugeteilt, einen Siegeszug mitzu- machen, wie er großartiger und gewaltiger nicht gedacht werden kann, und wie er in der Kriegsgeschichte aller Völker einzig dasteht. Mit einem Frohgefühl sondergleichen im Herzen brachen wir auf und stießen schon nach zwei Tagen auf Teile unserer Armee, die soeben die Russen aufs neue aus sehr gut ausgebauten Stellungen hinausgeworfen hatten, zu deren Verfolgung wir nun eingesetzt wurden. Und nun gings los. Wir waren im Laufe dieses Jahres schon oft hinter fliehenden Russen hergewesen und hatten sie von Ort zu Ort, von Biwak zu Biwak gejagt, doch eine solche Jagd hatten wir denn doch noch nicht mitgemacht. In den Stellungen, die die Russen fluchtartig verlassen hatten, sah es unendlich traurig aus, zu grauenhaft hatten unsere schweren Geschütze hier gewütet. Zu Dutzenden lagen tote Russen in Haufen übereinander, da wo sie von dem Geschoß überrascht worden waren. Die Unterstände waren nicht mehr, schwarze Löcher gähnten an deren Stelle uns an. Die ganze russische Stellung war ein wüster Trümmerhaufen. Loch neben Loch, zerschmetterte Balken und Bohlen, zerrissene und verbogene Eisenschienen. Teile menschlicher Körper, Leichen, Uniformteile und Ausrüstungsgegenstände aller Art, ein grauenvolles Chaos.
Kein Wunder, daß die Russen es in dieser Hölle nicht ansgehalten hatten, und daß der Widerstand, den untere stürmenden Truppen gefunden hatten, nicht eben groß war. Was fliehen fomtte, floh. Die übrigen waren zum Teil so gelähmt vor Entsetzen, daß sie zu ernstlichem Widerstand einfach nicht mehr fähig waren. Unsere schweren Geschütze mit ihrer über jedes Lob erhabenen Feuerwirkung hatten zu gut vorgearbeitet. So wurde es unseren Sturmkotonnen verhältnismäßig leicht gemacht, die Werke und Befestigungen zu nehmen und die Russen zu Tausenden zu (befangenen zu machen. Die Russen flüchteten zumeist in der Richtung auf C., ein größeres Dorf mit meist jüdischer Bevölkerung. Sie an einem Festsetzen bei dem Dorfe und den in der Nähe liegenden großen Steinbrüchen zu verhindern, war unsere Aufgabe. Zwei breite Straßen führten in dieser Richtung, die aber selbst für unsere rettenden Batterien nicht befahrbar waren, die doch sonst überall durchkön- nen, so vollgestopft mit allen möglichen und unmöglichen Bagagesuhrwerken, Leiterwagen und Krümmern waren sie. Die Aufräumungsarbeiten hätten lange, kostbare Stunden in Anspruch genommen, und wir hatten keine Zeit, für uns hieß es vorwärts, dem Feinde nach. Also mußten wir über die Felder, Aecker und Wiesen reiten, oft bis an den Sattel in wogender, herrlich gediehener Frucht. Es war jammerschade, uns blutete das Herz, doch es mußte sein, wir durften keine Rücksicht nehmen. Zudem war es ein gar böses Reiten, unsere Gäule schwitzten nicht schlecht, und wir mußten ganz verflucht aufpassen, daß wir nicht zu Fall kamen. Einzelne fliehende Trupps Russen, die sich in dem wogenden Korn verborgen hatten, wo sie sich sicher wähnten, wurden unsanft aufgestöbert durch die wilde Jagd, die da über Aecker und Kornfelder dahergestürmt kam, und sie konnten nicht schnell genug die Hände aufheBen, um sich gefangennehmen zu lassen. Unsere Lumpensammler hinter uns hatten alle Hände voll zu tun, um die Gefangenen sicher unterzubringen und wegzuschaffen, und mögen nicht wenig über die viele Arbeit geschimpft haben. Die meisten Gefangenen waren sehr gut ausgerüstet, und wer da von schlechter Ausrüstung und Bewaffnung der Russen spricht, der sollte sich nur mal die Gefangenen, die in Galizien gemacht wurden, ansehen. Es war wohl hier und da mal ein Zerlumpter dabei, doch gehörten diese bestimmten Regimentern an, die wohl schon lange in der Front und gewiß monatelang nicht abgelöst worden waren. .
Die Russen versuchten wohl, sich in C. festzuietzen, doch eine Bedrohung ihrer Flanke durch Teile unserer Division zwang sie bald zu.weiterm Rückzug. Hier bei der Verfolgung mußten wir mal wieder Mädchen für alles spielen und konnten zeigen, was wir während der bisherigen Kriegsöauer Neues noch zu dem Alten gelernt hatten. Da kamen uns die Lehren des Schützengrabenkrieges zunutze, denn gar oft mußten wir mal 'runter vom Gaul und uns in die Erde einbuddeln, um oft ein stundenlanges Feuergefecht mit dem Feinde zu unterhalten, bis die nachfolgende Infanterie und Artillerie in den Kampf eingriff, der dann meistens mit schnellem weiteren Rückzug der Russen endigte. Unfern ersten Siegessua machten wir in eben das Dorf C.. und
ich muß sagen, das ging uns an die Nieren, so was ver. gißt man niemals: Die ganze Bevölkerung, Kind unk Kegel stand auf den Straßen und jubelte uns zu, und wiederum mußten wir höllisch auf paffen, daß unsere Gäule niemand verletzten, denn man riß uns fast von den Pferden. Blumen, Blumen, nichts als Blumen sah man, die Leute plünderten Garten und Feld, um uns damit zu überschütten, und noch nie sah ich eine größere und rührende Begeisterung wie in C. Unsern Leuten, die doch schon viel mitgemacht hatten und wohl schon ziemlich abgestumpft waren, wurden die Augen feucht, und auch ich schäme mich nicht zu sagen, daß ich tief gerührt war. Zu essen hatten die Einwohner selbst nicht mehr viel, dafür hatten schon die Russen gesorgt, die zudem auf ihrem Rückzug noch alles, was sie erwischen konnten, mttgcfchlcvpt hatten, doch das Wenige, was die Einwohner noch besaßen, brachten sie uns. Auf unser Vorhalten, sie hätten dann selbst nichts mehr, war die allgemeine Antwort, jetzt sei alle Not zu Ende, und das Vaterland würde schon für seine Kinder sorgen. Einige 8tuffen, die sich in den Kellern und Scheunen des Dorfes verborgen hatten, wurden hervorgeholt, und ich muß sagen, die Haltung der Einwohner diesen Gefangenen gegenüber, die ihnen noch vor wenigen Stunden den Herrn gezeigt hatten, und die Armen aus alle mögliche Art und Weise drangsalierten, war tadellos. Nirgend hörte man ein gehässiges Wort, nirgend wurden die Gefangenen mit Schadenfreude betrachtet, dazu hatten die Leute gar keine Zeit. Jedes andere Gefühl ging in dem einer großen Freude, eines großen Gliickes unter. Und als wir weiterzogen, dem Feinde nach, hörten wir noch lange Zeit hinter uns den Jubel der befreiten Galizter erschallen und duldeten stillschweigend die noch stundenlang währende Begleitung der halbwüchsigen Dorf- buben, die neben unseren ®äulen herliefen.
(Köln. Ztg.)
Vermischtes.
Zum Dahinscheiden des Herreuhauspräsidenten Grafen Wedel-Piesdorf, der am Sonntag vormittag in Berlin gestorben ist, erinnert die Vossische Zeitung an die Ansprache des Verstorbenen in der letzten Sitzung des Herrenhauses, die einen richtigen Ausklang seiner Tätigkeit bildete. Während seiner vierjährigen Reichs- tagsprüsidentschaft habe er das Bestreben gezeigt, allen Parteien gerecht zu werden. Der Berliner Lokalanzet- ger meint: der Verblichene war ein Konservativer von altem Schrot und Korn, der die einander befehdenden Geister versöhnen und die Gegelisätze ausgleichen wollte.
Eine Köpenickiade in Rom. Auch Rom hat nun seinen Hauptmann von Köpenick. Seit vier Tagen galten ein namenloser Jubel und große Ehrungen dem in Rom eingetroffenen französischen Flieger Mudree, der das italienische Fluguieseu reorganisieren sollte. Die Presse brächte Artikel, und die höchsten Kreise der Gesellschaft umwarben Andree, den Gabriele d'Annltnzto im Automobil durch die ewige Stadt geleitete. Heute teilt die Regierung mit, daß der angebliche Andree ein gewöhnlicher Schwiitöler ist. Auch von dem Auftrage des wirkliche« Andree ist der Regierung nichts bekannt. Der Schwindler wurde verhaftet.
Kriegsabenteuer eiues Vierzehnjährigen. Ein ju- getldlicher Kriegsabenteurer in der Uniform des Kaiser- Franz-Gardegrenadierregiments befindet sich zurzeit im Reservelazarett in Oppeln. Er heißt Joseph Alem, ist vierzehn Jahre alt und staunnt aus Sennheim im Oberelsatz. Als zu Beginn des Krieges die Franzosen ins obere Elsatz eindrangen, besetzten sie auch Sennheim, den Heimatsort des kleinen Joseph. Seine Eltern wurden von den Einöringlinaen gefangen weggeführt, und er suchte, uin vor nmherfchivirrenöen Geschossen sicher zu sein, Schutz in den Schützengräben der Franzosen. Nach einigen Tagen eroberten unsere Truppen die Schützengraben der Franzosen, und Joseph Alem schlosi sich seinen Befreiern au und zog mit den „Franzern" als Pfadfinder. Er begleitete das Regiment auf seinen Mürscheu. Schließlich wurde Joseph von einem Fuhrwerk überfällren, er erlitt einett Oberschenkelbruch, der jetzt seine Heilung im Reservelazarett in Oppeln findet. Dort erhielt er auch kürzlich die freudige Botschaft, daß seine Eltern von den Franzosen wieder in die Heimat entlassen worden sind.
Großer Moorbrand. Seit Donnerstag wütet, wie die „Osnabr. Volkszeitnug" aus Bohmte meldet, ein großer Moorbrand im Gebiet der Moorzentrale und hat mittlerweile so große Dimensiocien angenommen, daß man militärische Hilfe aus Osnabrück erbeten hat. Die Osnabrücker Feuerwehr ist mit vielen anderen Feuerwehren bei der Löschung des Brandes tätig. Auch die Kriegsgefangenen werden mit Löscharbeiten beschäftigt. Es sollen bereits mehrere hunderttausend Zentner Torf verbrannt sein.
Tragödie einer österreichischen Gräfin. In Windisch- Feistritz erschoß sich die Gräfin Therese von Thurn-Val- fassina aus Gram über den Tod ihres Gatten, des Divisionskommandanten Grafen Thurn, der in der Schlacht bei Lemberg fiel.
Kriegshnmor. Teuerung. „Ach Gott, alles kostet jetzt mehr! Gestern hat sogar meine Kartenlegerin erklärt, daß sie jetzt nicht mehr unter 3 Mark in die Zukunft schauen kann." — Bei der Ausmusterung. Stabsarzt (zu einem Landsturmpflichttgen): „Was sind Sie in Zivil?" — „Ich studiere Bodenkultur. Herr Stabsarzt." — „Gut, Feldwebel, schreiben Sie: Zur Schauzkompag- nie!" — Die Lanösiurmgattin. Landsturmgatttn (zu ili- rem aus der Front beurlaubten Gatten, der entgegen seiner früheren Gewohnheit sehr selbstbewußt auftritt): „Du, Aujust! Mir scheint, Du hast beim Militär die janze Disziplin verlernt!"
Weitere Drahtnachrichten.
Italien soll mehr leiste».
8-* Paris, 12. Juli. (WTB.) Im „Figaro" äußert Hanotaux die Meinung, es sei an der Zect, daß Italien im Orient zn Hilfe komme, damit man mit den Dardanellen fertig würde. In Frankreich habe man ein Ereignis dringend nötig. Die Affäre Konstantinopel sei von kapitaler Wichtigkeit. Jede Minute zum entscheidenden Erfolge zähle. Die wankelmittige Haltung der Balkanstaaten verzögere den Untergang der Türkei. Für den Vierverband bestehe die Notwendigkeit, um seine eigenen Opfer zu verringern, so schnell wie möglich zu Ende zu kommen. Italien sei bereit und müsse zu Hilfe kommen: warum zögere man da noch?
Die Aufgaben der Duma.
o,* Paris, 12. Juli. (WTB.) Der Petersburger Korrespondent des „Temps" meldet, daß der Präsident der Duma Rodzianko einem Moskauer Journalisten erklärt habe, die demnächst zusammentretende Duma werde die Richtlinien für das ganze Land ausstellen. Die Militarisierung werde den Hauptgegenstand der Arbeiten bilden. Rodzianko erklärte, die Veränderungen im Kabinett hätten im ganzen Reiche große Befriedigung toSKQöUf^